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Christentum ohne Christenheit

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Der Gottestod als Ä In einem tiefgründigen Essay geht Norbert Bolz der »Erfindung« des Christentums nach, das erst durch Paulus und dessen radikalem »Wort vom Kreuz« seine weltgeschichtliche Gestalt gefunden hat. Dieser paulinischen Erfindung verdankt die moderne Gesellschaft ihre Entstehung, das Christentum hat die Säkularisationsgeschichte selbst in Gang gesetzt – und damit die eigene Dekonstruktion. Norbert Bolz folgt der Entzauberung der Welt durch die Wissenschaften und die Verweltlichung der christlichen Glaubensüberzeugungen, um schließlich die »Pervertierung des Christentums« zu Dessen Niedergang wird durch den Versuch besiegelt, sich an den Zeitgeist anzupassen, indem Dogma und Orthodoxie preisgegeben und auf naive Weise theologische Politik betrieben wird. Doch »wer das Christentum glaubt, verteidigen zu müssen, hat nie an Jesus Christus geglaubt«. Folgerichtig verteidigt Bolz das Christentum nicht gegen die Lebenspraxis der Christenheit, sein theologisches Nachdenken über das Christentum rehabilitiert zuallererst dessen ursprüngliche Kraft, die jedes Wertesystem herausfordert – und umkehrt.

144 pages, Kindle Edition

Published January 30, 2025

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Norbert Bolz

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Profile Image for Tom K..
64 reviews10 followers
November 1, 2025
Ein schmaler Band aus der neuen Serie "Theologische Brocken" vom Matthes & Seitz Verlag. Trotz der knapp 130 Seiten äußerst gehaltvoll und anregend. Ich würde sagen: Norbert Bolz zeigt, was er drauf hat. Es ist ein dichter Text und über einige Seiten auch eher schwer zu durchdringen. Seine Grundthesen lassen sich jedoch gut zusammenfassen:

Er setzt bei der Entstehung des Christentums an, die er nicht in Jesus Christus, sondern in der theologischen Deutung des Christusereignisses durch Paulus verortet. Dessen Theologie des Kreuzes, die Umwertung aller Werte, die Entwicklung der Erlösung aus dem Scheitern am Kreuz macht für Bolz den Kern des Christentums aus - worin er nah bei Luther bleibt und spürbar von dessen Denken beeinflusst ist.

Im Laufe der Geistesgeschichte des Westens, namentlich Europas, hat sich diese Idee durchgesetzt und wirkt auch noch da, wo sie sich vermeintlich vom Christentum emanzipiert. Alles moderne europäische Denken ist weiterhin zutiefst vom Christentum geprägt und geformt. Das gilt nicht nur für die Aufklärung, sondern auch für die Religionskritik des 19. und 20. Jahrhunderts, die wiederum nichts anderes als ein emanzipiertes und konsequent fortentwickeltes Christentum darstellt. Namentlich Nietzsche dient ihm hier immer wieder als Bezugspunkt.

In den revolutionären und aktivistischen Bewegungen der Gegenwart hingegen macht Bolz dann eine Pervertierung des Christentums aus. Sie übernehmen zwar immer noch Versatzstücke aus dem Baukasten christlichen Denkens, verkehren sie aber ins Gegenteil - so wird dem Erlösungsgedanken der Wunsch nach Selbsterlösung, aus der christlichen Eschatologie wird der Gedanke der Apokalypse entlehnt, jedoch ohne einen versöhnenden Ausgang etc.

Auch wenn Bolz sehr dicht und vielfach pointiert schreibt, sind seine hier vorgetragenen Gedanken nicht neu. In größerer epischer Breite und weniger philosophisch elaboriert findet man sie etwa in Tom Hollands Buch "Herrschaft", auf das Bolz sich auch bezieht.

Trotzdem eine lohnenswerte und anregende Lektüre.
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