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Die Mutter

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Melba Escobar

18 books132 followers
Melba Escobar has a column at the Colombian newspapers El Espectador and El País. Her novel House of Beauty was chosen as one of the best books of 2016 by the Colombian National Novel Prize. She lives in Bogotá.

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Profile Image for Babette Ernst.
368 reviews89 followers
June 28, 2026
Dieser Roman brachte mich erstmals nach Kolumbien, in das aktuelle Kolumbien, das immer noch von Auseinandersetzungen verschiedener Gruppierungen und alltäglicher Gewalt geprägt wird. Die Autorin, die seltsamerweise bei Goodreads "Unknown" ist, heißlt Melba Escobar und ist in Kolumbien sehr beliebt. Aus einer Ich-Perspektive erzählt eine alleinerziehende Mutter über das Verschwinden ihres erwachsenen Sohnes nach einem Terroranschlag in einem Einkaufszentrum, den stärker werdenden Verdacht, er könne etwas mit dem Anschlag zu tun haben und reflektiert in verschiedenen Zeitebenen die Geschichte ihres Lebens und ihrer kurzen Ehe mit einem Macho, dessen Todesursache sie ihrem Sohn vorenthalten hatte. Sie wünschte sich all die Jahre mit ihrem Sohn, der Vater starb schon vor dessen Geburt, nichts sehnlicher als dass er in Frieden und Freiheit aufwachsen möge, aber in einem Land wie Kolumbien ist es schwer, der Gewalt langfristig zu entkommen.

Die mir anfangs die Orientierung erschwerenden, konfus anmutenden Zeitsprünge sind jedoch geschickt eingesetzt, um die wirbelnden Gedanken der Mutter, aber auch die unübersichtliche Geschichte der Familie und des Landes widerzuspiegeln. Escobar zeigt, wie die Kluft zwischen Arm und Reich nicht nur die Gesellschaft spaltet, sondern auch individuelle Schicksale zerstört. Die politische Gewalt ist allgegenwärtig: Attentate, die Verfolgung von Aktivisten und die Hoffnungslosigkeit einer Generation, die in einem System gefangen ist, das ihnen keine Zukunft bietet.

Die Mutter opfert sich auf für ihren Sohn– doch ihre Lügen und das Verschweigen ihrer persönlichen Geschichte werden zum Symbol für die Unmöglichkeit, in einem gewalttätigen Umfeld ehrlich zu sein. In einem größeren Kontext habe ich es so verstanden, dass die unaufgearbeitete Geschichte des Landes einem friedlichen Zusammenleben entgegensteht.

Ich konnte mich mit der Mutter gut identifizieren, habe ihre Entscheidungen nachvollziehen können, doch auch der Werdegang des Sohnes erschien logisch. Wenn ich einen Punkt abziehe, dann, weil mir durch die springende Zeitstruktur, die keine Orientierungspunkte für mich bot, einiges entgangen ist bzw. sich erst beim zweiten Lesen erschließen würde. Das ist eigentlich keine Kritik, nur kann ich dem Buch nicht fünf Sterne geben, wenn mir Teile davon schon direkt nach Beendigung aus dem Gedächtnis entfallen sind.
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