"Ich war Kind an einem Ort, wo es für mich viel einfacher gewesen wäre Kind zu sein, wenn du mir nicht die Freude genommen hättest."
"Deutschland, du bist nicht das, was du vorgibst zu sein Wenn aus deinem Schoß die Waffen geboren werden, die den Gesichtern unserer Kinder die Unschuld nehmen, bevor der Mond ihre Lippen berührt"
"Ja, ich bin hier, den gekrümmten Rücken eines Vaters bezeugend, der nicht weiß, welche Wand sein Zuhause ist, und doch jeden bröckelnden Ziegelstein lüftet, in der Hoffnung, seine Kinder zu finden.
Ja, ich bin hier, an der dunklen Grenze des Schweigens, inmitten des Geflüsters derjenigen, die nicht mehr existieren."
"Interview
Haben Sie noch Fragen?
Die können Sie sich sparen.
Ich selbst bestehe doch nur aus Fragen, auf die ich keine Antwort finde."
"Krieg ist ein Narzisst. Er verlangt bedingungslose Anerkennung, ausschließliche Aufmerksamkeit, er duldet kein anderes Thema um sich herum. Er vereinnahmt das Gehirn. Er verursacht Schuldgefühle: Darf man über etwas anderes schreiben, über etwas anderes sprechen, über etwas anderes nachdenken?"
Dieser Band versammelt eine Anzahl an Gedichten und Kurzgeschichten von Menschen mit Fluchtgeschichte. Es erzählt mit einer beinahe wundersamen sprachlichen Wucht von Krieg und Vertreibung, von Heimat, von Grenzen und Identität. Der oder die Leser*in spürt die Sprache bis auf Knochenmark vibrieren, es ist eine Mahnung, eine Anklage, eine Wunde, die offen gelegt wird. Gleichermaßen ist es auf literarisch-linguistischer Ebene eine unglaubliche Freude, die unterschiedlichen wunderbaren Übersetzungen aus dem Arabischen, Kurdischen, Persischen und Ukrainischen zu lesen und die Wirkfülle dieser unterschiedlichen Sprachen in sich aufzunehmen. Das gibt das Deutsche Oder das Englische gar nicht her! Ein Geschenk an die Literaturwelt, eine Stimme für die, die viel zu wenig gehört werden und gesellschaftlich so, so, wichtig!