Der Roman "Das Mädchen mit dem Drachen" nimmt uns mit nach Indien, Mahabalipuram, an den Golf von Bengalien, wo Léna, eine Lehrerin aus Nantes/Frankreich, auf einen Neubeginn hofft. Sie entfloh einer schweren Tragödie, die ihren geliebten Mann das Leben kostete.
Wird Léna Trost finden im Land des größten Kinderarbeitsmarktes der Welt oder wird sie der `Tropfen´ Mut, Glück und Hoffnung etlicher Kinder, denen die Bildung verwehrt bleibt?
Was bedeutet überhaupt Bildung in einem Land, das vom tausendjährigen Kastensystem geprägt ist?
Was bedeutet Bildung in einem Land, in dem es ein Fluch ist, als Mädchen auf die Welt zu kommen?
So wie Lalita, das Mädchen, das jeden Morgen mit ihrem Drachen am Strand verweilt.
Das Mädchen, das als ´unberührbar´, also als Dalit zur Welt kam und somit ein ungeliebter Teil der Gesellschaft ist und von der übrigen Bevölkerung verachtet wird. "Früher mussten Menschen ihres Ranges im benachbarten Bundestaat Kerala dafür mit einem Besen in der Hand rückwärtsgehen." Überall sind die undankbarsten Aufgaben den Dalits vorbehalten. "Der Hinduismus schreibt ihre Unterwerfung fest, sortiert sie ans untereste Ende des Kastensystems, an die Peripherie der Menschheit."
Lalita´s Pflegeeltern führen einen Imbissstand, ein Dhaba, und sind ihrem Schicksal als Dalit entkommen, indem sie einem anderen Glauben übertraten, nämlich dem Christentum. Fortan hieß Lalita Holy. Aber die Tatsache, dass sie die Religion gewechselt haben, ändert nichts an ihren Gepflogenheiten. Zwangsehe sowie innerfamiliäre Eheschließungen sind nach wie vor weit verbreitet. So ist auch Lalita´s Pflegevater davon überzeugt, dass ein Mädchen keine Schulbildung braucht: "Girl. No school".
Übrigens: Aktuell gehen lt. Unesco weltweit 263 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule!
Im Glauben, dass Wissen Macht ist und Bildung der Schlüssel zur Freiheit, kämpft Léna dafür, eine Schule in Mahabalipuram aufzubauen. Dabei ist sie auf die Unterstützung der Rote-Brigade-Einheiten angewiesen, die primär aus Frauen bestehen, die nicht nur kostenlose Selbstverteidigungskurse anbieten, sondern auch in den Straßen patrouillieren und bei Übergriffen auf Frauen einschreiten. Denn Vergewaltigung ist in Indien eine Art Nationalsport, und die Behörden schauen tatenlos zu, so sind die Frauen dazu übergegangen, sich selbst zu organisieren, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.
Léna gibt und schöpft Hoffnung in Indien, indem sie eine Schule aufbaut und ihre neue Umgebung zu ihrer Familie macht.
Laetitia Colombani´s Schreibstil ist fließend, poetisch, malerisch und inspirierend!
Eine mitreißende, bewegende Geschichte über Mut, Entschlossenheit, Hoffnung in einer gespaltenen Gesellschaft. Eine Geschichte, die dazu animiert zu reflektieren, wie man einen Beitrag leisten kann, um die Erde zu einem besseren Ort für Kinder zu machen.
"Das Unmögliche erreichen wir nicht, aber es dient uns als Laterne" - René Char.
Glasklare Leseempfehlung! Das Buch ist übrigens vom klimaneutralen Verlag S.Fischer veröffentlicht. Klimaschutz liegt mir am Herzen, deshalb muss ich den Verlag ebenfalls gebührend würdigen.
👉"Kinder haben alles, außer das, was man ihnen nimmt." - Jacques Prévert.
👉"Bildung ist keine Vorbereitung auf das Leben: Bildung ist das Leben selbst." - John Dewey
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#BildungfürAlle 📚
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