Vor drei Monaten war ich sicher, dass ich nicht schwanger werden konnte. Dann war ich sicher, dass der Abbruch erfolgreich gewesen und ich in meinem Körper wieder allein war. Ich lag in beiden Fällen daneben.
Lios Körper ist ihr Albtraum, daran ändert auch ihr Freund Max nichts. Als sie ungeplant schwanger wird, starrt sie nicht nur fassungslos auf den positiven Test, weil jemand wie sie doch gar nicht schwanger werden kann, sondern auch auf das Ende einer mühsam erarbeiteten Normalität. Sie ist unfähig, Max von der Schwangerschaft zu erzählen, und genauso unfähig, diese zu beenden. Während das Kind in Lios Bauch wächst, prasseln Erinnerungen auf sie an ihre kalte Mutter, ihren hilflosen Vater und an all das andere, das sie für immer vergessen wollte. Zum ersten Mal stellt sie sich ihrer Vergangenheit - und riskiert damit, dass alles zusammenbricht.
Scharfsinnig, berührend und hochkomisch zugleich erzählt Caroline Schmitt von versehrten Körpern und Seelen, von der Kompliziertheit der Liebe und der großen Sprachlosigkeit, die alles umgibt. Vor allem aber erzählt sie die Geschichte einer großen Befreiung.
Das Cover ist wirklich ein richtiger Kracher und passt sehr gut, wie ich finde, zur Geschichte.
Worum geht es? - Lio lernt Max kennen und die beiden werden ein Paar. Eines Tages erfährt Lio von ihrer ungewollten Schwangerschaft und sie muss nun entscheiden, ob sie das Kind haben möchte oder nicht?!
Inhaltlich erstmal nichts ungewöhnliches. Aber dieser Roman wächst, wie ich finde, mit den Seiten. Zum einen lesen sich die knapp 220 Seiten sehr gut und flüssig weg. Es entsteht ein wunderbarer Sog, sodass sich die letzten Seiten quasi von allein lesen. Was mich vor allem überzeugt hat, ist die schonungslose und vor allem ehrliche Art der Geschichte. Die Figuren sind einfach real und es passte alles zusammen - sprich wir erleben keine 08/15 Stereotypen und genau das mochte ich sehr!
Zum anderen fand ich als Leserin immer wieder die dazwischen eingebauten starken und authentischen Sätze sehr passend.
Ich persönlich hatte ein tolles Leseerlebnis und kann mich nur anschließen: dies ist wirklich ein starkes Debüt. Ich bin auf weitere Bücher der Autorin sehr gespannt.
Dieses Buch tut weh. Und man kann einfach nicht aufhören. Immer fester drückt es zu, dass einem die Luft wegbleibt. Ungemein authentisch, ohne sich gängiger Klischees zu bedienen oder Dinge schönzureden, erzählt Caroline Schmitt in ihrem Debütroman „Liebewesen“ von transgenerationalen Traumata und Gewalt, von Liebe und Leere, von Vorwürfen und Geheimnissen, Freundschaft - und einer ungewollten Schwangerschaft. Kurz: vom Leben. Zärtlich beschreibt sie, wie Lio und Max sich kennenlernen, die Welt rosarot, doch je intensiver ihre Beziehung wird, desto deutlicher zeigen sich ihre jeweiligen Narben: Max‘ Depressionen und Verlustängste eine Mutter, die bereut, Mutter geworden zu sein, und Lio das mit jeder Faser spüren lässt; ein Vater, der dem Alkohol verfallen ist; ein Körper, der Angst vor Berührung und Intimität hat, traumatisiert ist. Der nicht mehr der ihre ist: weil er von ungewollter Hand berührt worden ist – und sie ihn sich nun plötzlich teilen muss. Wohl eines der ehrlichsten, schmerzhaftesten und zugleich schönsten Debüts in diesem Jahr!
Ok, durch das Cover und einige Instagram-Rezis, die anscheinend ein "anderes" Buch gelesen haben, hatte ich die Erwartungshaltung von einer "Kill-Bill"-artigen, absurden Story. Sprachlich finde ich es nur durchschnittlich. So auf dem Niveau von Lügen über meine Mutter, aber ohne das Übererklären. Die Protas sind Anfang 30, Ende 20, studiert. Insbesondere die erste Hälfte des Buches wird durch pseudointellektuelle Witzchen, Neckereien, sich wichtig tuen, lasst uns wild sein Attitüde dominiert. Wir sind keck, frech, schlau und versuchen unsere Unsicherheiten und vergrabenen Ängste und Probleme fetzig zu überspielen. Ich glaub, das wird von vielen als lustig, amüsant, unterhaltsam angesehen. Hatte sehr oft den Eindruck 18 Jährige zu verfolgen, die grad von zu Hause ausgezogen sind. Mich nervt dieser Typus Mensch ehr. Mir entlockte die erste Hälfte ehr Augenroller als Lacher.
Das Thema: Menschen die ihr Päckchen mit sich tragen -schwere Kindheit -bekloppte Mutter- Traumata-Mensch, der auf die ein oder andere Weise mit der Welt hadert - Depressionen- natürlich nicht in der Lage sein darüber zu reden, dementsprechend problematische Verhaltensweisen an den Tag legen. Die große Erschütterung bleibt in meinem Fall aus. Und das nicht, weil mir Empathie fehlt, sondern weil ich das einfach sprachlich und stilistisch nicht gut genug umgesetzt finde.
Pluspunkt bekommt das letzte Drittel - Schwangerschaftsabbruch und damit einhergehende Ereignisse sind drastisch und sehr gut beschrieben. Der Charakter der Freundin und Mitbewohnerin ist ebenfalls sehr gelungen.
Insgesamt leider ein Buch, das in der Masse der Bücher, die ähnliche Themen verarbeiten, untergeht.
Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll, denn etwas wie »Liebewesen« habe ich noch nie gelesen.
Es ist ein feministischer Roman, der das Thema ungewollte Schwangerschaft und Abtreibung näher beleuchtet. Vor allem die Gespräche bei der Frauenärztin haben mich zutiefst geschockt und mir tut jede Frau leid, die das erleben muss!
Außerdem geht es in dem Buch auch viel um die eigenen Sexualität, Hemmungen beim Sex und (weibliche) Lust. Es geht ums Körper erkunden und Traumata überwinden bzw. dem Trauma ins Gesicht zu schauen. (TW: sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, selbstverletzendes Verhalten, häusliche Gewalt)
219 Seiten Wucht, schonungslose Ehrlichkeit, viel „ich will Lio in den Arm nehmen“ Momente! Ein Buch, dass noch ganz lang in meinem Herzen bleibt.🫀
Special Credit an Mariam, die Lio immer wieder herausfordert, ihre Grenzen aber akzeptiert, respektiert und toleriert und die beste Freundin ist, die wir alle brauchen. Girlhood!🫂
Das war das intimste Buch, das ich jemals gelesen habe. Es ist schön, realistische Beziehungen abgebildet zu sehen. Ich wünschte, alle Bücher wären so wie dieses, denn dann könnten alle einander besser verstehen denke ich. Caroline Schmitt schreibt fesselnd und lustig, auch in Momenten, in denen man denkt nicht lachen zu können.
Okay, direkt zu Beginn zwei Punkte. Lest sie euch durch und entscheidet selbst, ob ihr weiterlesen möchtet:
1. Dieses Buch braucht eine ganze Ladung Trigger-Warnungen: Depression, Tod, Kindesmisshandlung, Schwangerschaft(sabruch), Alkoholsucht, Vergewaltigung. Und sicher noch die ein oder andere. Gute-Laune-Buch ist anders. Aber wann lese ich schon Gute-Laune-Bücher? 2. Ich bin ein bisschen befangen. Die Autorin hat nämlich einen der am schönsten kuratierten Instagram Accounts überhaupt und ich folge ihr schon seit einigen Jahren – und habe mich nach vielen, vielen Buchtipps gefreut, dass nun ihr eigenes vorliegt.
So. Noch dabei? Dann ran an „Liebewesen“!
Lio lernt Max kennen. Das erste Date kann sie gerade noch so von der Badewanne in eine Galerie verlegen, das zweite nicht mehr. Es wird ernst. Romanze, gemeinsame Urlaube und Wohnung, Streit, ungeplante und ungewollte Schwangerschaft, Betrug. Leichtigkeit und Schwere, Liebe und Leere wechseln sich ab, es ist keine hochtoxische, aber auch keine gesunde Beziehung, die da entsteht und in die Brüche geht.
Ist das neu? Nein. Aber verdammt gut geschrieben. Nicht so klischeebeladen wie andere Millennial-Romane, trotz Galeriebesuchen und Landkommunenplänen. Nicht verklärend, nicht schönfärbend und auch nicht voller Passmann-Hass auf die ganze Generation der Twenty- und Thirty-Somethings, stattdessen angenehm ehrlich in der Sache. Und extrem verdichtet.
Die Geschichte wurde nicht unnötig auf 400 oder 500 Seiten aufgeblasen, nein, sie beschränkt sich auf kurzweilige 221 Seiten, gerade mal eine am Schnaps vorbei, in denen Caroline Schmitt in ihrem Debüt ihre Protagonistin nackt macht, erst in Max‘ Badewanne, dann in ihrer Lebensgeschichte mit der prügelnden Mutter, dem alkoholkranken Vater, dem Missbrauch auf einem Dorffest hin zu der scheinbar beziehungsunfähigen Person, die sich dann doch endlich auf jemanden einlassen kann und mit neuen Ängsten und Konflikten konfrontiert wird.
Im noch jungen Jahr eines der aufregendsten und spannendsten Bücher, ein endlich mal richtig guter, moderner Generationen-Roman – und sowieso ein Must-read für alle, die Frau Schmitt bei Instagram folgen. Macht ihr noch nicht? Macht das mal, es lohnt sich. Nicht nur für Buchtipps. No shit!
Liebewesen ist die Geschichte einer Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen. Es wird geschildert wie sie sich kennenlernen, zusammenfinden und wie ihre Geschichte sich entwickelt, mit allen Höhen und Tiefen, die eine realistisch erzählte Lovestory mit sich bringt.
Genau dieses Realistische ist es, was das Buch großartig macht. Da sind zwei Menschen, die sich ineinander verlieben und erst mal gut zusammenzupassen scheinen. Im Laufe der Story wird jedoch deutlich, wo ihre Differenzen und Konfliktpunkte sind. Es stellt sich die Frage, über wie viele Probleme, gegenseitige Zuneigung und Liebe hinweghelfen kann und wo die Grenzen sind.
Darüber hinaus dreht sich das Buch auch um die ganz persönlichen Traumata der Protagonistin und wie sie versucht, diese zu überwinden bzw. zumindest gut damit zu leben. Ihr Heilungsprozess (der auch am Ende des Buches noch nicht abgeschlossen ist) wird auf sensible und einfühlsame Weise von der Autorin dargestellt.
Insgesamt punktet das Buch auf ganzer Linie hinsichtlich Glaubwürdigkeit, Figurenzeichnung und dem sezieren einer unperfekten Paarbeziehung, die aus dem Leben gegriffen zu sein scheint und damit überzeugt.
Diese Geschichte hat mich ein wenig an "Die schönste Version" von Ruth-Maria Thomas erinnert. Altersmäßig bin ich sicher nicht mehr die Zielgruppe, aber es ist trotzdem sehr spannend und lehrreich, Einblick in die Gefühlswelt junger Frauen zu bekommen.
Ein wirklich starkes Debüt, mit Witz und wirklich authentischen Dialogen geschrieben. Der zweite Teil war für mich am Ende irgendwie zu flüchtig auserzählt, trotzdem eine Leseempfehlung. Was ich nicht gebraucht hätte war die Liebesgeschichte die sich zum Teil liest wie eine Draco Malfoy Fanfic….
Spoiler Achtung: Hab noch ne Woche drüber nach gedacht und so gut wie ich es fand dass Schwangerschaftsabbruch eine realistische Rolle eingeräumt bekam, nervt es mich wieder mal, dass auch in diesem Buch durch den Abbruch das Narrativ „offenbar nur psychisch auffällige oder traumatisierte Frauen treiben ab“ wieder einmal gestärkt wurde. Hab das Gefühl der Buchmarkt in D ist bei diesem Thema einfach konservativ wie ein Festzelt bei nem bayerischen Volksfest.
Lio und Max lernen sich über Tinder kennen, verstehen sich auf Anhieb und kommen schnell zusammen. Doch beide bringen ihre Päckchen mit: Max ist depressiv mit guten und schlechten Phasen, Lio hatte eine traumatische Kindheit und Jugend. Anstatt offen darüber zu sprechen, überspielen sie ihre Unsicherheiten und Symptome häufig mit Humor und Sarkasmus. Mit der Zeit nehmen die Konflikte in der Beziehung zu. Als Lio schwanger wird, ist sie damit völlig überfordert.
Ein Glück, dass ich dieses Buch endlich gelesen habe. Es hat mich richtig umgehauen und mitgerissen, und ich hatte es in zwei Tagen durch. Danach fühlte ich mich leer und betroffen, wie verkatert.
Lio und Max wirken so echt, lädiert und nervig, liebenswert und sympathisch, und sind mir schnell ans Herz gewachsen. Beide kriegen ihr Leben oberflächlich eigentlich ganz gut auf die Reihe, stehen im Berufsleben, haben Wohnungen und Freund*innen und struggeln trotzdem ziemlich.
Es ist eine Geschichte über die Auswirkungen von Prägungen, Trauma, psychischen Störungen und unzureichender Kommunikation. Ich fand das sehr gut und realistisch gemacht. Was mir auch sehr positiv auffiel, war die realistische Darstellung von Sexualität.
Für mich war es ein Highlight, das ich allen ans Herz legen kann, die es noch nicht gelesen haben. Bitte schaut euch die Inhalte an, wenn es Dinge gibt, über die ihr nicht lesen wollt.
Ein sehr gewaltiges & eindrückliches Buch. Erinnert ein wenig an Sally Rooney! Ich gebe dem Buch „nur“ 3 Sterne, weil es zwar intensiv war, mich aber nicht zu 100% abholen konnte.
Die Geschichte einer, wie es zeitgeistig heißt, “toxischen” Beziehung. Dieser Ausdruck kommt im Roman zwar gar nicht vor, dafür streift er alle möglichen Beziehungsthemen, wie sie aktuell von Missy Magazine bis Zeit online durchgekaut werden. Der Sound, das Selbstbild der Jetzt-Eltern-Werdenden ist gut eingefangen, vor allem war eine mir Freude zu sehen, wie die Millenial-Flapsigkeit, die lässigen selbstironischen Sprüche, zusehends erodieren, wenn es emotional ans Eingemachte geht.
Ich bin vielleicht 10 Jahre zu alt, um Zielgruppe für den Roman zu sein. Dennoch hat mich Lio sehr berührt. Vor allem die Beziehung zu ihrem Vater und ihre Erfahrungen mit Herkunft und Klasse, kamen mir bekannt vor.
»Du bist das Gegenteil deiner Eltern.« Das stimmte nicht. Dort, wo ich aufgewachsen war, wurden zwar weder volle Bankkonten noch Immobilien vererbt, aber das war nicht weiter schlimm, denn die nächste Generation freute sich auch über ideelle Schätze - zum Beispiel die Veranlagung zu Depressionen, zum Saufen, zu Bluthochdruck, zum Schweigen, zu Wutanfällen und zu diesem einen Gedanken, der nur einmal zum falschen Zeitpunkt aufblitzen musste: Wenn ich jetzt zuschlage, wird diese Welt mich endlich gerecht behandeln und bereuen, dass sie es so lange nicht getan hat, wenn ich jetzt zuschlage, muss zur Abwechslung mal jemand anderes den Schmerz fühlen, mit dem ich jeden Tag und jede Nacht allein bin, wenn ich jetzt zuschlage, scheint die Sonne für immer, und nichts wird je wieder wehtun, wenn ich jetzt zuschlage, wird alles gut.
so authentisch und modern beschreibt caroline schmitt in ihrem debüt "liebewesen" das ungeschönte leben und die komplexität der liebe. sie beschäftigt sich nicht nur mit der bedeutsamkeit der selbstliebe für eine gesunde beziehung sondern auch mit der schwierigkeit, traumata zu überwinden. insbesondere ihre perspektive auf abtreibungen macht ihr werk so unglaublich lesenwert. und all das macht schmitt auf eine so brilliante und fesselnde art und weise, so dass ich das buch für keine sekunde aus der hand legen konnte. so frech und leicht und dennoch scharf und brutal geschrieben ist schmitt‘s debüt mehr als nur gelungen !!
aua, dieses buch zu lesen tat weh. ein portrait der misogynie. habe jede situation mitgefühlt. männer bleiben halt immer männer. leider ist die handlung im letzten viertel des buchs mit trennung und schwangerschaftsabbruch für mich zu kurz gekommen. sonst hätte ich 5 sterne gegeben! dieses zitat empfinde ich als sehr sinnbildlich:
“soll ich mich wieder bewusstlos stellen?”, flüsterte ich und zog seine boxershorts herunter. “macht dich das an, ja?” statt einer antwort zeigte max nur auf seinen penis.
Ich kann total verstehen, dass viele Leute dieses Buch lieben. Es war großartig geschrieben und die Themen sind super relevant. Mir war es leider nur etwas zu kurz und oft etwas zu oberflächlich. Aber empfehlen kann ich es auf jeden Fall!
Ich habe jetzt aus meinen Fehlern gelernt, und kaufe nie wieder ein Buch wegen des Covers und des Buchrückens.Hätte ich die ersten paar Seiten gelesen, hätte ich gewusst, dass das ein einziges, großes cringefest wird.
Die Autorin versucht ein paar ernste Themen, mit denen sich Frauen in unserer patriarchalischen Gesellschaft auseinandersetzen müssen, zu thematisieren; und weiß anscheinend absolut nicht, was sie da tut. Es gibt einige, wenige Passagen, mit denen sie Inhalte und Gefühle gut rüberbringt, aber das war's auch schon. Der Rest ist unrealistisch, weit hergeholt, oder kommt einfach viel zu kurz. Was ist das auch für eine Moral: Die Protagonistin wird als Jugendliche vergewaltigt, bekommt keine Hilfe, kann sich aufgrund dieser traumatischen Erfahrung nicht mal einen Tampon einführen oder zur Gynäkologin gehen, ohne eine körperliche Reaktion zu haben, und wenn es dann darum geht, dass sie Sex mit ihrem neuen Freund hat heißt es: Es ist unangenehm, aber ich halte es schon aus bis es nicht mehr so schlimm ist. Als wäre das tatsächlich eine mögliche Option. Ich kenne auch keine Person, die so über ihre traumatischen Erlebnisse erzählen würde, aber falls die Autorin hier ihre eigenen Erlebnisse schildert und es als coping-Mechanismus benutzt soll mir das Recht sein - ich wäre nur gerne kein Part davon.
Mal weg vom Inhalt, was ist bitte dieser Schreibstil und das Storytelling?! Alle Charaktere wirken gleich; dieses aufgesetzte coole, freche, lockere "I'm not like other girls" gehabe, das sich durch das gesamte Buch zieht und einfach peinlich wirkt. Selbst die MUTTER des Freundes der Protagonistin, die sich beim ersten Treffen mit Lio nackt auszieht und ihr einen persönlichen Brief hinterlässt, falls sie sterben sollte. Die Autorin schreibt wie eine Anfang dreißigjährige, die auf Krampf versucht noch hip, für die Gen Z kids "relatable" zu wirken, und es funktioniert nicht. Hier ein paar Beispiele:
"Du bist so sexy, wenn du den Genitiv benutzt."
"Ja, aber irgendwie haben wir das beide überstanden. Vermutlich nur wegen 'Harvest Moon' von Neil Young. Das war Heikos und mein Lied." (es geht um Eheprobleme)
"Die Frau ist eine Achterbahn als Mensch, und I loved to ride her." (Ja, wirklich)
"Ich bin übrigens Single", sagte ich. "Ready to mingle, haha.""
Mehr brauche ich garnicht zu schreiben.
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Ich hatte die Wahl: Entweder toleriere ich die Unfähigkeiten von Lio und Max und lasse mich darauf ein oder ich stemme mich dagegen. Das allerdings hätte wohlmöglich zum Abbruch des Buches geführt und das hätte ich wohl bereut.
Ich entscheide mich also für ersteres, auch, wenn ich mich manchmal dabei erwischte, wie ich dachte „mein Gott, jetzt redet halt miteinander.“ Lio und Max waren mir dennoch sympathisch genug, um alle Dialoge und Entscheidungen mitzutragen.
Sanyu, Lios beste Freundin, hingegen war meine heimliche Heldin der Geschichte und ja, allein deshalb habe ich das Buch sehr, sehr, doll gemocht.
Ihre Mitbewohnerin Mariam hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lio zu verkuppeln. Tatsächlich lernt die junge Biologin über eine Dating-App den Radiomoderator Max kennen. Sie gehen eine Beziehung ein, ziehen sogar zusammen. Doch beide haben psychische Probleme, die nicht behandelt werden. Und dann wird Lio ungewollt schwanger…
„Liebewesen“ ist der Debütroman von Caroline Schmitt.
Meine Meinung: Der Aufbau ist schlüssig und funktioniert prima. Der Roman umfasst 30 kurze Kapitel, wobei sich diese auf zwei Teile erstrecken. Die Handlung bezieht sich auf einen Zeitraum von etwa drei Jahren. Es gibt zwischendurch jedoch einen großen Zeitsprung. Vor allem in der ersten Hälfte sind einige Rückblenden zu finden. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lio.
Die Sprache des Romans hat mich komplett überzeugt. Sie ist bildstark, eindringlich und sehr direkt, aber weder vulgär noch blumig. Der Schreibstil ist modern, ein wenig lakonisch und kreativ, jedoch nicht zu experimentell oder gar gewöhnungsbedürftig. Vor allem in den Dialogen und in Lios Gedanken blitzt immer wieder Wortwitz hervor. Die Beschreibungen sind auf den Punkt, manchmal schonungslos. Die Autorin versteht es, in ihrer teils verdichteten Erzählweise mit wenigen Sätzen viel Inhalt und Stimmung zu vermitteln.
Die Figuren wirken außerordentlich authentisch und sind psychologisch sorgfältig ausgestaltet. Obwohl Protagonistin Lio keine klassische Sympathieträgerin ist, lassen sich ihre Gedanken und Emotionen wunderbar nachvollziehen. Man kommt ihr sehr nahe und entwickelt Verständnis für ihr Verhalten. Auch Max ist kein ganz einfacher Charakter, wird aber lebensnah und glaubhaft dargestellt.
Inhaltlich ist die Geschichte erschütternd und aufwühlend. Es geht um weit mehr als eine ungewollte Schwangerschaft. Das Thema Liebe spielt durchaus eine Rolle, allerdings keine zentrale. Die Beziehung zwischen Lio und Max fördert mehrere Traumata zutage, die ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen möchte. Eindrücklich wird geschildert, wie sich Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend bis ins Erwachsenenalter auswirken, welche Folgen das Aufwachsen in dysfunktionalen Familien hat und wie sich erlebte Strukturen fortsetzen können. Mich hat die Geschichte sehr bewegt.
Einen klassischen Spannungsbogen gibt es nicht. Dennoch hat der Roman auf mich einen großen Lesesog ausgeübt. Die Geschichte ist keineswegs durchsichtig, sondern bietet immer wieder überraschende Enthüllungen und Entwicklungen.
Das Cover, das ein Kunstwerk abbildet, erregt Aufmerksamkeit. Es gefällt mir optisch, passt thematisch aber höchstens im übertragenen Sinn. Ganz glücklich bin ich damit daher nicht. Auch der Titel und das Marketing sind meiner Ansicht nach etwas irreführend und damit nicht optimal. Darüber kann ich jedoch hinwegsehen.
Mein Fazit: Mit „Liebewesen“ ist Caroline Schmitt ein beeindruckendes und ergreifendes Debüt gelungen, das ich wärmstens empfehlen kann. Ein inhaltlich wie sprachlich starker Roman, der auf weitere Werke hoffen lässt und schon jetzt zu meinen Lesehighlights 2023 zählt.
3.5🌟 // es gab einige höhen und viele tiefen in diesem roman für mich. an soo vielen stellen hatte ich physical reactions a.g. von cringe, männerhass, verwirrung, frustration mit den charakteren etc. gleichzeitig muss ein buch aber auch gut geschrieben sein, um auch so negative emotionen hervorzurufen! deshalb auch keine ganz schlechte bewertung. es ging um sexuellen missbrauch, abtreibung, toxische beziehungen, sexualität, sex, frausein und mannsein. manchmal hatte ich das gefühl das buch möchte zu viel, aber warum eigentlich nicht? overall kein roman, zu dem ich zurückkehren werde, aber auch keiner, bei dem ich es bereue, dass ich meine zeit investiert habe! und einige passagen haben mich wirklich berührt und gerührt (bring back lotti!!!)
Unfassbar cooles Cover und super interessanter Buchrücken, wird dem leider nicht ganz gerecht. Setzt sich mit wichtigen Themen auseinander wie Schwangerschaftsabbruch und Missbrauch in der Kindheit, es behandelt die Themen nur meiner Meinung nach leider nicht besonders tiefgehend. Sprachlich sehr durchschnittlich und teilweise bisschen cringe, so als würde jemand der eigentlich zu alt dafür ist versuchen Jugendliche zu imitieren. Hab zu den Charakteren null Bindung aufgebaut und fand die auch teilweise sehr flach bzw unrealistisch. Liest sich sehr flüssig und schnell. Ansonsten hat es mich bzgl schlechter Kommunikation an Sally Rooney erinnert.
3 bis 4 Sterne, habe mich dann für 4 entschieden. Im ersten Teil des Buches wird erzählt wie die Liebesgeschichte zwischen Lio und Max begann, im zweiten Teil steht die ungeplante/ungewollte Schwangerschaft im Vordergrund. Das Buch lässt sich ruck zuck lesen, ich fand es sehr authentisch und ehrlich.
Muss echt nicht sein, aber big love @ Mariam und ein Appell für das freundinnenzentrierte Leben (2.3/5)
Während der Arbeit habe ich “Liebewesen” als Hörbuch gehört - das sollte mich eigentlich ablenken vom Toiletten schrubben und Boden wischen. Im Endeffekt war es dann meist andersherum, die Frühschicht mit Chlorgeruch hat mich eher von der schwerlich ertragbaren Story abgelenkt… Ich bin mit großen Erwartungen gestartet, weil mir das letzte Buch, was ich vom Eichborn Verlag gelesen habe, so gut gefällt - Cleopatra & Frankenstein, ähnlich vermarktet, ähnliche Grundstory (heterosexuelle Lovestory, weder gesund noch explizit gewaltvoll, erwachsene Menschen, die ein bisschen ein Päckchen aus ihrer Kindheit tragen), ähnliches Cover… Aber während bei C&S die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen hypnotisierend und herzzereißend dargestellt wird, bleibt alles an “Liebewesen” leider erstaunlich flach.
In der ersten Hälfte des Buches schaut man Protagonistin Lio dabei zu, wie sie - nach jahrelangem mehr oder minder selbstgewählten Zölibat- eine Beziehung zu Radiomoderator Max eingeht. Ich habe überhaupt kein Gefühl für die Protagonistin bekommen. Sie arbeitet als Biologin in der Forschung, das bleibt eine Randnotiz, von ihrem Arbeitsalltag bekommt man teilweise weniger mit als von dem der anderen Charaktere (so etwas löst in mir immer die Befürchtung aus, dass die Autorin eine Gelegenheit für eine Recherche über eine bestimmte Lebens- oder Arbeitswelt vergeigt hat und dann doch nur über die Milieus schreibt, die sie eh kennt.) Sie hat gewaltige Angst vor Nähe, das wird schnell klar, aber warum ausgerechnet Max diese Angst durchbrechen kann, fand ich an keiner (!!) Stelle glaubwürdig erklärt. Wie in vielen anderen zeitgenössischen Romanen wird psychische Krankheit thematisiert, aber auch hier vermisse ich eine innere Logik und Glaubwürdigkeit. Lio zeigt etwa selbstverletzendes Verhalten, scheint aber keine Probleme mit ihrer Alltagsgestaltung und dem anspruchsvollen Studium und Forschungsalltag zu haben - so etwas gibt es, keine Frage, aber dass diese Widersprüche nicht einmal von Protagonistin oder Umfeld thematisiert werden, finde ich schwach. Vage gehaltene traumatische Vergangenheit + psychische Auffälligkeiten + net so gute Beziehung = Romanplot? Das finde ich lazy! Den zweiten Teil der Handlung , wo es um die Schwangerschaft und den Abbruch geht, fand ich ein bisschen besser konstruiert und ich mochte auch, dass das nicht als Plottwists konzipiert wurde, sondern von Anfang an angeteasert wurden.
Zum Stil kann ich weder Schlechtes noch Gutes sagen. Viele Leser:innen waren Fans des Humors, den die Autorin benutzt, mein Fall war er nicht so ganz, aber negative sprachliche/stilistische Auffälligkeiten gab es jetzt auch nicht. Interessant fand ich, wie Schmitt über Sexualität schreibt. Es ist immer ein schmaler Grad, über dieses Thema zu schreiben; man will ja weder zu blumig-verklärend werden noch pornographisch-vulgär, und hier fand ich das weitesgehend gelungen. Manchmal ist die Sprache über Sex vielleicht einen Ticken klinisch, aber das passt ziemlich gut zur Protagonistin, die ja große Probleme mit Nähe und Körperlichkeit hat. An einer Stelle ist mir eine Formulierung negativ aufgestoßen, da ging es glaube ich um “etwas in die Vulva einführen”, was anatomisch inkorrekt ist und mich bei einem Roman, der weibliche Körper so zentral thematisiert, dann doch doll stört. Vielleicht habe ich mich aber auch verhört, habe ja nebenbei gearbeitet.
Was hat für mich diesen Roman gerettet, dass ich ihm doch noch mehr als zwei Sterne gebe? MARIAM!! 🌹😭💖❤️🩹😘 Für mich ist es wirklich komplett unverständlich, warum die Beziehung zu Max der zentrale Plot war, wenn die wichtigste Person in Lios Leben über Jahre hinweg eigentlich ihre beste Freundin und Mitbewohnerin Mariam ist. Mariam finde ich den einzigen gelungenen Charakter im Roman (auch wenn ich mir an einigen Stellen auch bei ihr mehr Charakterarbeit und Konsistenz gewünscht hätte, aber das sind Feinheiten). Sie lernt Lio zu Beginn des Studiums kennen und reißt sie aus ihrer Einsamkeit, sorgt durch ihre Dating- und später Liebesgeschichten für Stoff für Unterhaltungen am Esstisch (worüber Lio gerne redet, weiß ich auch nach Beenden des Romans z.B. nicht). Ich fand sie als Charakter irgendwie glaubwürdiger, als es etwa um ihre Struggles mit Bisexualität ging, ihren libanesisch-christlichen Background, ihre Kunst, ihre von der Familie als problematisch gesehene Beziehung zu einem jüdischen Israeli… sobald es um Mariam ging, habe ich die Ohren gespitzt, und dennoch immer nicht genug erfahren. Mir geht es dabei nicht nur um Mariam als Person, sondern auch um ihre Beziehung zu Lio. Es ist Mariam, mit der Lio das erste Mal ein richtiges Zuhause erlebt. Es ist Mariam, die Lio dazu pusht, ihre selbstgebauten Grenzen um sich herum langsam zu überschreiten. Und es ist Mariam, die Lio nach dem Schwangerschaftsabbruch abholt, ihr die Wohnung cozy herrichtet, ihr eine Hose leiht, als Lio ihre eigene vollblutet. In diesen Momenten ist der Roman tatsächlich sehr stark und ich konnte die Zärtlichkeit wiederfinden, die Frauenfreundschaften auch in mein Leben bringen. Umso mehr ärgert es mich, dass der zentrale Plot dann doch wieder um einen Mann herum gebaut war (und dieser Widerspruch / das Dezentralisieren der Freundschaft wegen einer heterosexuellen Beziehung dann erstaunlich wenig thematisiert wird, obwohl es anderer Stelle durchaus feministische Monologe gibt). Wäre es ein Buch aus Mariams Perspektive gewesen, die ihrer besten Freundin dabei zusieht, wie sie sich in einer Beziehung mit einem Idioten verliert, und die diesen Widerspruch explizit anspricht, hätte ich das Buch vielleicht interessanter gefunden. Warum das Caroline Schmitt nicht anvisiert hat, ist mir wirklich völlig schleierhaft.
Liebe Caroline, bitte bitte bitte mach Mariam-Spinoff oder schreib zumindest in deinem nächsten Roman einfach noch expliziter über eine Frauenfreundschaft. Erstens kannst du das und zweitens kann die Welt nie genug von positiven Beispielen haben, warum ein frauenzentriertes Leben reich und wundervoll ist.
Ich bin immer noch sprachlos… Ein unfassbar berührendes Buch mit Tiefgang.
Trotz der Kürze des Buches konnte ich mich schnell in die Personen hineinversetzen und mitfühlen. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit sich und es entwickeln sich Dynamiken, die einen gleichzeitig so traurig und sauer machen, dass es weh tut…
»Weil Männer nicht mitansehen können, dass andere Männer ihr Potential nicht voll ausschöpfen, ist die Welt so, wie sie ist, dachte ich.« (S.32)
Die Protagonistin Lio aus dem Debütroman »LIEBEWESEN« ist der Debütroman von Caroline Schmitt ist feministisch, eigenständig, intellektuell und witzig. Lio arbeitet als Biologin in einem Labor und lebte, bis sie den Radiomoderator Max über eine bekannte Dating-App kennenlernte, mit ihrer besten Freundin Mariam zusammen in einer WG. Der Roman erzählt eine Love-Story von Kennen- und Liebenlernen über Zusammenziehen und Zukunftsgedanken. Aber es wird auch erzählt, dass nicht alles rosarot ist. In Gedankenrückschauen erfahren Lesende von Lio gewalttätiger, dominanter und unberechenbarer Mutter und ihrem zurückhaltenden Vater, von einer Kindheit, die prägend war. Dabei ist der Schreibstil in der Ich-Form sehr klug, witzig, stellenweise sarkastisch, wenn nicht sogar zynisch und fein, so dass manchmal erst beim zweiten Lesen die eigentliche Schlagkraft eines Satzes bewusst wird:
»Ich hatte ihm nicht verraten, dass ich fast jede Woche mit Mariam Tennis spielte und mein Schlagarm besser in Schuss war als Max' Stimmbänder. Like mother, like daughter.« (S.40)
Es wird Max’ Depression thematisiert, die die gemeinsame Beziehung sehr belastet:
»Der Mann, dem morgens die ganze Stadt zuhören konnte und der abends seine Freund innen traf, war gut gelaunt, charmant und ironisch. Der Mann, mit dem ich zusammenlebte, war nicht in der Lage, seine Teller abzuwaschen oder staubzusaugen. Nur zu Hause und bei mir ging es ihm schlecht, für alle anderen blieb Max ein Magnet, der Strahlkraft für zehn hatte.« (S.107)
Schlussendlich wird Lio ungewollt schwanger und entscheidet sich alleine für einen Schwangerschaftsabbruch. Es ist ein Roman, der viele aktuelle Themen aufgreift und das Thema Muttersein, Schwangerschaftsabbruch und bewusste Kinderlosigkeit in den Vordergrund stellt. Es ist eine wirklich sehr realistische - stellenweise bedrückende - Erzählung einer möglichen Beziehung zwischen zwei Menschen, was dieses Buch so emotional werden lässt. Besonders der Schreibstil hat mich begeistert und ich musste stellenweise lachen, während ich überwiegend sehr mitgefühlt habe und Bedrückung, Trauer und Wut verspürt habe. Eine Achterbahn der Gefühle hat das Buch bei mir hinterlassen und auch viele Gedanken zu den genannten Themen. Stellenweise hätte ich mir noch mehr Auseinandersetzung gewünscht und zT war ich überrascht über einige Wendungen …
Ein wichtiges Buch und ein emotionales Leseerlebnis - ich bin gespannt auf alles weitere, was von dieser Autorin kommen wird. Meiner Meinung nach fehlt hier allerdings der wichtige Hinweis auf Triggerwarnung!
R E Z E N S I O N zu "Liebewesen" von Caroline Schmitt.
Liebewesen ist der Debütroman von Caroline Schmitt. Wir begleiten Lio von Beginn bis zum Ende ihrer Beziehung mit Max. Lernen ihre beste Freundin Mariam bisschen kennen und erfahren einiges aus der Vergangenheit von Lio. Lio hat gewisse Traumata, über welche sie nie spricht.
Ich persönlich habe den Roman gerne gelesen, er ist aber kein Highlight. Die Sprache ist rotzig und lebhaft, humorvoll und konnte mich eigentlich immer total abholen. Die Geschichte um Lio lässt sich dadurch mit dem einen oder anderen Lächeln super flüssig und locker lesen. Allerdings habe ich aufgrund des Klappentextes mir einen anderen Inhalt erhofft. Im Grunde ging es während den 220 Seiten ausschließlich um die Beziehung zwischen Lio und Max. Die Schwangerschaft, sowie der Abbruch kamen meines Erachtens deutlich zu kurz. Mir persönlich hat auch die Bewerbung der Beziehung auf dem Klappentext gefehlt. Ebenso wurde angeschnitten, dass Max an Depressionen leidet. Auch dieser Punkt wurde meines Erachtens zu wenig thematisiert. Gerade, da die Beziehung so viel Raum einnahm. Nichtsdestotrotz habe ich den Roman sehr sehr gerne gelesen.
Eine eingeschränkte Leseempfehlung gibt es daher von mir.
Buchdetails: erschienen am 27.01.2023 im Eichborn Verlag | gelesen als Hardcover im Buddyread | Seitenanzahl: 221 | 20,00 € (HC) | ISBN: 978-3-8479-0130-3
Ich finde, es gibt immer noch nicht genug Bücher, die mit Schwangerschaftsabbrüchen im weitesten Sinne auf eine nicht-dramatisierte Weise umgehen, deshalb werde ich solchen Büchern immer dankbar sein. Eine Geschichte, in der eine Person - Gott bewahre, sogar eine Frau - sicher ist, keine Kinder zu wollen und sich diese Entscheidung nicht ausreden lässt. Mentale Gesundheit, Kindheits-Trauma, sexuelle Gewalt- all diese Themen werden behandelt, ohne dass es auf mich überfrachtet wirkte, da es gar nicht so unrealistisch ist, dass Menschen mit all dem Erfahrungen haben. Die Charaktere wirkten echt auf mich, ohne viele Klischees. Lio wird mir eine Weile im Gedächtnis bleiben