Amon Göth wurde bekannt als Symbol unmenschlicher Grausamkeit in Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste". Er war ein Massenmörder, 500 Juden soll er eigenhändig erschossen haben. 1946 wurde der "König von Plaszow" zum Tode verurteilt und gehängt.
Monika Göth wurde 1945 von der Geliebten Amon Göths, genannt Majola, zur Welt gebracht. Als Teenager beginnt sie Fragen zu stellen, aber erst Anfang der 80er Jahre, als ihre Mutter dem englischen Fernsehen ein Interview gibt, bestätigen sich Monikas Ahnungen. Die Mutter vergiftet sich mit Schlaftabletten.
In einem Interview-Experiment, das von Matthias Kessler für die Buchausgabe bearbeitet und mit bislang unveröffentlichtem Archivmaterial ergänzt wurde, stellt Monika Göth sich erstmals der Öffentlichkeit. Schonungslos sich selbst gegenüber erzählt sie ihre Geschichte.
Was mir an diesem Buch gefällt, ist die beibehaltene Form des Interviews vom Autor mit Monika Göth. Dadurch besteht für den Leser die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von ihr und ihrem Seelenleben zu skizzieren, ohne von subjektiven Interpretationen Kesslers beeinflusst zu werden.
Dieses 48-Stunden-währende Interview bzw. "Experiment" wie es Beide nennen, lässt sich gut lesen und enthält auch Einblicke in das Leben Monika Göths, die durchaus aufschlussreich und interessant sind. Am Ende führt der Autor zur Vervollständigung Kurzbiographien von ihr und ihrer Familie auf, wobei mir auffiel, dass nie ihre erste Tochter, Jennifer Teege, erwähnt wird. Bis zum Schluss scheint es, sie habe nur ein Kind gehabt.
Ich weiß nicht, was ich mir vom Lesen dieses Buches versprach. Ich hatte die Interviewte bereits in diversen Fernsehsendungen gesehen und kannte grob ihre Geschichte. - Mich lässt das Buch in gewisser Weise ratlos zurück. Hatte ich mir mehr Informationen über ihre Eltern und deren Motivation erhofft? - Wahrscheinlich. Immerhin liest Kessler am Ende seines Interviews Monika Ausschnitte aus dem Plädoyer der Anklage aus dem Prozess vor, bei dem Amon Göth schließlich zum Tod durch den Strang verurteilt wurde. Diese Zeilen gehen einem so richtig unter die Haut und dem Leser wird gleichzeitig der Wandel Monikas beschrieben, die bis dahin stets auf der Suche nach dem Guten in ihrem Vater gewesen ist. Plötzlich - in dieser kurzen Zeit - soll sie verstanden haben? Ein derartig komplexer psychologischer Vorgang soll sich so schlicht und weg in Minuten ereignet haben, und Verhaltensmuster, die durch jahrzehntelange Verschleierungen und Ausreden (durch Mutter und Großmutter) in Fleisch und Blut übergegangen sind, einfach so aufsprengen?
Den Fragenkatalog sehe ich zudem äußerst kritisch. Göths Tochter zu fragen, ob ihr Vater ein guter Liebhaber gewesen ist, finde ich geschmacklos und bezüglich des eigentlichen Themas völlig gegenstandlos.
Ein sehr interessantes Buch! Mir gefällt, dass das Interview-Format im Buch beibehalten wurde, da man so ein besseres Gefühl für Monika Göth bekommt. Im Interview erfährt man einiges über Monika Göth, ihre Jugend und ihr Leben, aber auch über ihre Mutter Irene Kalder und Amin Göth. Ich hatte zuerst das Buch ihrer Tochter Jennifer Teege gelesen, die als kleines Kind von einer anderen Familie adoptiert wurde und erst als Erwachsene ihre Familiengeschichte erfährt. Jennifer Teege als Tochter Monika Göths wird in diesem Buch überhaupt nicht erwähnt, aber beide Bücher zusammen sind ein interessantes Paket und geben eine interessante Perspektive auf ein wichtiges Thema!