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Fischtage

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Wenn du niemandem mehr vertraust, kannst du auch einem singenden Fisch folgen Die sechzehnjährige Ella lebt in Dortmund und hat beschlossen, keine Freundschaften mehr zu führen. Zu groß ist die Angst, dass sie andere Menschen durch ihre Wutanfälle vergrault. Die Ehe ihrer Eltern ist am Boden, und auch zu ihren zwei Geschwistern findet Ella keinen Zugang. Ihr einziger Vertrauter war stets der alte Eckard, ein Nachbar der Familie, der Ella kurz vor seinem Tod einen singenden Plastikfisch vermacht. Als ihr jüngerer Bruder Luis verschwindet, macht sich Ella mit dem Fisch auf die Suche – ausgestattet mit einer Aldi-Tüte, zu viel Mut und zu wenig Angst. Das Romandebüt der gefeierten Musikerin Charlotte Brandi, empathisch gelesen von Maya Alban-Zapata.

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Published April 9, 2025

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Charlotte Brandi

1 book2 followers

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Community Reviews

5 stars
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2 stars
16 (12%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 24 of 24 reviews
Profile Image for LeserinLu.
327 reviews39 followers
April 6, 2025
Mit „Fischtage“ legt Charlotte Brandi einen unkonventionellen und doch einfühlsamen Debütroman vor. Im Zentrum steht die sechzehnjährige Ella, eine wütende, kluge und einsame Jugendliche, die in Wohlstandsverwahrlosung lebt, weil ihre Eltern mit sich selbst beschäftigt sind. Als ihre Eltern sich lautstark streiten, verschwindet Ellas kleiner Bruder Luis. Ihre einzige Vertrauensperson, der alte Eckard, kann ihr wegen fortschreitender Demenz nicht helfen, überlässt ihr aber seine Schrebergartenlaube. Dort richtet sie sich ihr Hauptquartier für die Suche nach Luis ein und wird von einem singenden Plastikfisch unterstützt, den sie dort findet – ein absurder, aber überraschend stimmiger Einfall, der dem Roman eine großartig abstruse Note gibt.

Brandi gelingt das Kunststück, die Geschichte einer innerlich zerrissenen Jugendlichen mit trockenem Humor und großer Wärme zu erzählen. Ella ist eine Figur, die einem schnell ans Herz wächst – nicht trotz, sondern wegen ihrer Unangepasstheit, ihrer Schroffheit, ihres Blicks auf die Welt, der nie einfach nur zynisch, sondern immer auch verletzlich ist. Der klugscheißende Fisch wird dabei zum lakonischen Gegenpart, zum absurden Gewissen, zum Stichwortgeber für eine Coming-of-Age-Geschichte, die sich entschieden gegen Klischees stellt.

Die episodische Struktur der Suche, bei der Ella die unterschiedlichsten Menschen trifft, sorgt für Tempo und Abwechslung, manchmal fühlt sich das fast roadmoviehaft an – bloß ohne Auto, dafür mit Aldi-Tüte und Fisch. Der Roman ist dabei durchzogen von Beobachtungen über Familie, Einsamkeit, Loyalität und das Erwachsenwerden in einer Welt, in der Erwachsene oft selbst nicht wissen, wo es langgeht.

Einziger Wermutstropfen: Das Ende fand ich nicht ganz so einfallsreich wie den Rest. Trotzdem: „Fischtage“ ist ein Roman, der sich etwas traut - ungewöhnlich, dennoch unterhaltsam zu lesen und mit einem ganz eigenen Sound.
Profile Image for Gordon Ambos.
Author 4 books79 followers
April 17, 2025
"Wenn man aufhört, auf der Welt zu sitzen wie auf einem Hühnerei, wird alles größer, gefährlicher und schöner."

4,5*

Das war ein richtiges Erlebnis. Das Buch hat sich beinahe wie ein Jugendbuch von Tamara Bach gelesen, weil es so lebensnah und irgendwie unaufgeregt war, obwohl gleichzeitig auch super viel passiert ist. Charlotte Brandis Schreibstil ist großartig und ich bin echt schockiert, wie viel Talent in einem Menschen stecken kann (sie ist nämlich auch eine großartige Musikerin).
Die Figuren waren so greifbar und Ella als Protagonistin unglaublich nachvollziehbar, vor allem in ihrer Wut und Frustration.
Ein ganz toller Roman und super als Hörbuch, unglaublich gut gesprochen von Maya Alban-Zapata.
Profile Image for Lisi.
195 reviews5 followers
June 3, 2025
Worum ging es jetzt eigentlich in diesem Buch? Habs zwar gelesen, aber so richtig weiß ich es immernoch nicht. Ich versuchs mal trotzdem - Es geht um Ella, die mit abwesenden Künstler*innen-Eltern aufwaechst, die sich mehr für Kiffen & ihren Ruf interessieren, als für ihre Kinder. Dementsprechend oft ist Ella auch wütend und diese Wut dient ihr als Antrieb, als ihr kleiner Bruder eines Tages verschwindet. Sie fängt an, ihn zu suchen- trifft irgendwann auch eine sibirische Frau, die ihr dabei hilft und dann random in einem Drogendelikt angeschossen wird (??) - naja & dann geht Ella nach Hause und findet heraus, dass ihr Bruder die ganze Zeit bei der älteren Schwester in Berlin war & die Eltern das nur nicht gepeilt haben. Sehr unbefriedigendes Ende. Naja- das Buch war easy to read, wenn auch teilweise einfach verwirrend, was den Plot betraf. Manche Handlungen (wie eine wirklich extrem random versuchte Vergew*ltigung, auf die dann null Komma null mehr eingegangen wird) haette man wirklich einfach ohne Verluste weglassen können. Die Hauptcharakterin ist relativ relatable, weil sie eben eine motzige 16 Jaehrige ist. Ich hatte teilweise das Gefühl, I du bin einfach zu alt, um Zielgruppe das Buches zu sein, aber then again ist es auch teilweise zu graphic für ein jüngeres Publikum. Achso auch random fand ich, dass sie am Ende dann random mit einem random Typen zusammen kommt und anscheinend auch random entdeckt, queer zu sein, weil sie sich in die sibirische Drogendeal-zum-Opfer-gefallene Lady verliebt? Die aber echt deutlich älter ist. Naja- also prinzipiell sind die Plotpoints nicht awful, aber sie sind so willkürlich gewählt irgendwie und das hab ich dann echt ein sehr unbefriedigend wahrgenommen. Nicht meins :( aber, zugegebenermaßen oft recht lustig!
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Anna Popanna.
67 reviews4 followers
April 14, 2025
Ich gebe 3 Sterne, weil ich es trotz diverser inhaltlicher Schwächen angenehm zu lesen fand. Aber eigentlich hätten auch 2 Sterne gereicht.
Manches ist unlogisch, anderes noch unlogischer und vieles für die Geschichte unrelevant.
Was soll der sprechende Fisch? Den hab ich nicht so ganz verstanden.
Auch der Umgang mit manchen Themen fand ich merkwürdig bis fragwürdig.

Die Idee hinter der Geschichte gefällt, die Umsetzung sowie die Auflösung leider nicht ganz.
Profile Image for Sini [on hiatus].
71 reviews3 followers
March 27, 2025
Vom Aufwachsen in einer dysfunktionalen Familie

In dem literarischen Debüt »Fischtage« von Musikerin Charlotte Brandi begleiten wir die sechzehnjährige Ella.
Ella wird seit einigen Jahren von unkontrollierbaren Wutausbrüchen geplagt. Aufgewachsen in einer kaputten Familie, mit Eltern, die mehr Wert auf Schein statt Sein legen. Sie schmeißen Partys, nehmen Drogen und kümmern sich eher um ihr Ansehen, als um ihre Kinder. Neben Ella ist da noch ihre ältere Schwester Merle, zu der sie kein gutes Verhältnis hegt, sowie ihr jüngerer Bruder Luis, welcher in den vergangenen Jahren immer stiller wurde.
Ihr einziger Verbündeter, der „alte Eckard“, ein älterer Herr, den Ella seit Kindertagen kennt, leidet zunehmend an Demenz.
Als Luis eines Tages plötzlich verschwindet und niemand Anstalten macht, etwas zu unternehmen, beschließt Ella die Sache selbst in die Hand zu nehmen und begibt sich auf die Suche nach ihrem Bruder.
Vom alten Eckard bekommt sie einen Schlüssel zu dessen Gartenlaube im Schrebergarten. Hier verweilt sie fortan Tag und Nacht, wenn sie nicht gerade unterwegs ist, um neuen Fährten nachzugehen.
Und dann ist da auch noch ein sprechender Fisch…

Die Prämisse des Buches hat mich direkt neugierig gemacht: eine rebellische Teenagerin, die es nicht schafft, Freundschaften aufzubauen oder zu halten und viel Wut in sich trägt. Das klang nach einer Geschichte mit viel psychologischem Tiefgang und ich wollte wissen, wie es dazu kam. Leider konnte mich die Story letzten Endes nicht überzeugen. Während schwere Themen, wie Sucht, emotionale Vernachlässigung und sogar Vergewaltigung behandelt wurden, hat mir der Umgang mit diesen Themen nicht zugesagt. Die (versuchte) Vergewaltigung wurde einfach so nebenbei abgehandelt, ohne Konsequenzen. Abgesehen davon hätte es diese Szene meiner Meinung nach auch nicht gebraucht, ebenso wenig wie den sprechenden Fisch, welcher der Geschichte keinerlei Mehrwert brachte.
Während die ersten paar Kapitel einen spannenden Einblick in Ellas Leben offenbarten, verlor mich die Handlung im Mittelteil komplett. Dieser zog sich sehr und ich hatte das Gefühl, keinen Zugang zur Geschichte mehr zu haben. Den vermeintlich ernsten Themen haftete eine skurrile Komik an, die meines Empfinden nach nicht ganz passend war. Das Ende wurde dann leider auch sehr unglaubwürdig abgefertigt.

Ella hat mir als Protagonistin dennoch gut gefallen. Das Bild des sechzehnjährigen, rebellischen Teenagers, der sich auf sich allein gestellt fühlt wurde stark und glaubwürdig vermittelt. Ihre Wut und die Schwierigkeiten, emotionale Bindungen aufgrund der (emotionalen) Vernachlässigung durch ihre Eltern aufzubauen waren logisch und gut nachvollziehbar. Zudem hat sie im Laufe der Geschichte eine subtile und doch starke Wandlung hingelegt.
Leider reichen mir die positiven Punkte aber nicht aus und daher nur 2 Sterne von mir.
Profile Image for Elke.
1,909 reviews42 followers
June 24, 2025
Bei diesem Buch war für mich ganz klar der Weg das Ziel. Es hat unheimlich viel Spass gemacht, Ella auf ihrer Suche - nicht nur nach Louis, sondern letztlich auch nach sich selbst - zu begleiten. Der Schreibstil war frisch und vor allem sehr frech, und einige Situationen wirklich urkomisch, auch wenn es dann immer wieder deprimierte und deprimierende Momente gab. Das Ende fand ich leider wenig glaubhaft und daher etwas enttäuschend. Den sehr skurrilen und fantastischen, aber extrem witzigen Einfall mit dem Fisch fand ich dagegen sehr gelungen, da er die Geschichte so besonders macht. Insgesamt konnten mich seine Kommentare und Ellas vorwitzige Art über so manchen ansonsten unlogischen Handlungsfaden hinwegtrösten.
Fazit: In dieser überraschenden Geschichte ist der Titel „Fischtage“ tatsächlich und wortwörtlich Programm.
Profile Image for Rike.
41 reviews4 followers
March 25, 2025
freche geschichte über wütendes mädchen aus kaputten elternhaus die sich auf die suche von ihrem kleinen bruder macht, der verschwunden ist. mit dabei der sprechende fisch aus der gartenlaube eines bekannten der sowas wie ihr opa war. bruder wird nicht gefunden (sie dachte er ist in drogengeschäfte verwickelt, wird verprügelt und mit neuer freundin oksana beobachtet sie dealer und oksana wird von sek angeschossen)
bruder war nur auf survival camp, eltern hatten das vergessen.
sehr unrealistisch, aber sprache und rotzige mutige ton der protagonistin war toll.
This entire review has been hidden because of spoilers.
137 reviews
June 20, 2025
Ella ist sechzehn und lebt mit ihrer Bobofamilie in Dortmund. Ihre Eltern kümmern sich hauptsächlich um sich selbst und so denken sie sich auch nichts dabei, als ihr vierzehnjährige Luis plötzlich nicht mehr da ist. Ella jedoch macht sich Sorgen, auch wenn sie ihren Bruder - genau wie den Rest der Welt - eigentlich gar nicht ausstehen kann. Angepisst von ihren gleichgültigen Eltern zieht sie kurzerhand in den Schrebergarten ihres dementen Kumpels Eckard und begibt sich auf die Suche nach dem kleinen Bruder. Tatkräftige Unterstützung erhält sie von der Werkkursleiterin Oksana und einem sprechenden Fisch...

Charlotte Brandi zeichnet in "Fischtage" ein Portrait einer Teenagerin, die an beängstigenden Wutattacken leidet, umgeben von einer Familie der alles gleichgültig ist. So kümmert sie es nicht groß, dass ihr Junge verschwunden ist, genauso wenig, dass Ella in die Gartenhütte zieht und die Mutter fremdgeht. Ellas Wesen ist geprägt von Gewalt, nicht augenscheinlich aus ihrem Elternhaus - außer natürlich die Ego-Zentriertheit der Eltern, sondern von der Stadt, den Begegnungen, die sie hat und denen sie nur Wut entgegenbringen kann. So wird sie ein ums andere Mal verprügelt und schließlich auch vergewaltigt. Auszumachen scheint es der derben Sechzehnjährigen nur wenig. Nur wenn es um ihren vermissten Bruder geht, zeigt sie verletzliche Gefühle, die sie mitnehmen, die Sorge um ihn lässt sie zittern. Ellas neue Freundin Oksana ist ihr sehr wichtig und sie wird von ihr magisch angezogen. Als Leserin ist diese Figur aber sehr uneinsichtig und nervig und irgendwie wird angedeutet, dass auch eine sexuelle (oder romantische?) Anziehungskraft die beiden verbindet - das wird einem aber irgendwie nur vor die Füße geworfen, ohne dass man es spüren kann.

Vorwiegend zeichnet sich "Fischtage" durch eine derbe, vulgäre Sprache der Protagonistin und die bereits erwähnte Gleichgültigkeit und Gewalt aus. Was die Story eigentlich aussagen will, bleibt offen und wenn man dazu Lust hat, kann man darüber spekulieren. Das Positive ist, dass die Kapitel meist sehr kurz gehalten sind und man so recht schnell die notwendigen Pausen einlegen kann. Die Geschichte mit dem sprechenden Fisch, der gerne großspurige Ratschläge erteilt, ist mitunter erheiternd, auch wenn ihr es gut getan hätte, wenn er eine größere Rolle eingenommen hätte. Dieses fantastische Element und einige anderen schräge Ideen hätten das Buch zu einem modernen, wortgewaltigen Teenager-Werk werden lassen können. Die Lieblosigkeit, das Fallenlassen von Figuren (z.B. Eckard) und Handlungssträngen und das Martialische lassen einen aber nur mit vielen Fragezeichen im Kopf zurück. Kann man lesen, muss man aber nicht.
Profile Image for ines.
73 reviews
April 25, 2025
Fischtage ist nichts, was ich hätte kommen sehen können und ich weiß noch nicht ganz, wie ich diesen Roman einordnen soll. Ella ist eine Hauptprotagonistin, die ich so noch nie zuvor gelesen habe. Sie ist 16, stammt aus einer wohlhabenden, aber dysfunktionalen Künstlerfamilie und ist vor allem eins: wütend. Und zwar so sehr, dass sie häufig Wutausbrüche bekommt und Personen anschreit und beleidigt. Sie hat keine Freund:innen, das Verhältnis zu ihrer Schwester ist schlecht und lediglich mit ihrem jüngeren Bruder Luis kommt sie klar. Als der dann aber plötzlich verschwindet und es niemanden zu interessieren scheint, begibt sie sich gemeinsam mit dem sprechenden Fisch des alten Eckard auf die Suche nach Luis.

Das Buch lässt mich sehr zwiegespalten zurück. Während ich die ersten paar Kapitel sehr mochte (wirklich spannende Charakterstudien zu Ella und den Personen in ihrem Umfeld) und auch den Schreibstil an sich unfassbar gut und authentisch fand, wurde es ab dem Punkt, wo der sprechende Fisch auftauchte wirklich sehr skurril. Da Ellas Eltern sie absolut vernachlässigen und das Verschwinden ihres Bruders wahrscheinlich eines der schlimmsten Dinge ist, die passieren konnten, habe ich den sprechenden Fisch als Fantasieprodukt Ellas verstanden, der in dieser furchtbar schlimmen Situation zu ihrer Stütze und ihrem Begleiter wurde, um das durchzustehen.

Was mich sehr gestört hat: Es wurden so viele teils schwierige Themen aufgemacht, die nicht eingeordnet oder reflektiert wurden, wie z. B. die versuchte Vergewaltigung, die völlig aus dem Nichts kam und genauso schnell wieder abgehandelt war. Diese Szene hat in meinen Augen gar keinen Mehrwert für die Story geboten und wurde auch nicht weiter kommentiert, was ich etwas schwierig finde.

Auch das Ende konnte mich leider nicht überzeugen. Da ich aber nicht spoilern möchte, gehe ich nicht näher darauf ein; in Anbetracht der Entwicklungen war Ellas Charakter gegen Ende aber gar nicht mehr nachvollziehbar und von ihrer anfänglichen Wut war komischerweise kaum noch was zu spüren, obwohl es die Situation mehr als erfordert hätte.

Insgesamt zwar eine spannende Grundidee und einzigartige Charaktere, aber für mich war es vielleicht auch einfach das falsche Buch zum falschen Zeitpunkt.
Profile Image for Leylin.
39 reviews1 follower
June 20, 2025
In Fischtage begleitet man die junge Protagonistin durch einen Sommer voller Umbrüche. Nach dem Verschwinden ihres Bruders begibt sie sich in eine turbulente Selbstfindungsreise, die von skurrilen Begegnungen, familiären Abgründen und einer ordentlichen Portion Absurdität geprägt ist. Zwischen Coming-of-Age, Drama und surreale Einflüsse entfaltet sich ein ungewöhnlicher Roman über das Erwachsenwerden, Verlust und Identität.

Der Klappentext hat mich sofort gecatcht – er versprach eine gefühlvolle Coming-of-Age-Story mit einer emotional auffälligen Protagonistin und schrulligen Nebenfiguren. Genau damit startete der Roman auch: atmosphärisch dicht, mit interessanten Charakteren und einem vielversprechenden Erzählton.

Doch dann driftete die Geschichte immer weiter ins Skurrile ab:

--- ACHTUNG SPOILER ---
Ein dementer alter Mann alias Kumpel von Ella, der aber eigentlich nur eine Minirolle spielt, ein -wirklich- sprechender Plastikfisch, eine kampfsporterprobte Kunstlehrerin, welche bei einem Drogendeal durch den SEK Nachbar aus Versehen angeschossen wird, die drogenabhängige Eltern von Ella, die einfach vergessen haben wo der Bruder hin gegangen ist – und schließlich ein verschwundener Bruder, der angeblich eine so tiefe Verbindung zur Protagonistin hatte, dass er ihr nicht mal Tschüss sagte. What? uff, viel stuff.
---Spoiler ende---


Die Ereignisse überschlugen sich immer mehr, und mit jeder Wendung wurde das Geschehen absurder. Das hat für mich leider einiges an emotionaler Tiefe und Glaubwürdigkeit gekostet. Die Grundidee war stark, aber die Überladung mit Exzentrik hat das Ganze für meinen Geschmack etwas aus dem Gleichgewicht gebracht.

Was mich aber durchhalten ließ, war der fantastische Schreibstil: atmosphärisch, lebendig und sprachlich wirklich stark. Die 300 Seiten habe ich in einem Rutsch durchgelesen – ein literarischer Sog, trotz inhaltlicher Überdrehung.

Fischtage ist ein ungewöhnlicher Roman, der viel wagt – manchmal vielleicht zu viel. Wer sprachlich versiertes Erzählen schätzt und keine Scheu vor surrealen Wendungen hat, könnte hier fündig werden. Wer eine glaubwürdige, ruhigere Coming-of-Age-Geschichte sucht, wird möglicherweise überfordert.
This entire review has been hidden because of spoilers.
39 reviews1 follower
May 14, 2025
Don’t worry, be happy!

Worum geht’s?

Ellas kleiner Bruder Luis ist verschwunden. Die Sechzehnjährige, die seit Jahren unter schlimmen Wutanfällen leidet und deshalb keine Freundschaften mehr pflegt, ist ratlos. Was kann mit ihm passiert sein? Die Eltern, eine Galeristin und ein erfolgloser Schauspieler mit Engagement beim Kindertheater, sind viel zu beschäftigt mit ihren eigenen Eheproblemen und ihrem Drogenkonsum, um sich groß um das Verschwinden ihres dreizehnjährigen Sohnes zu kümmern. Ella zieht kurzerhand in die Laube des alten Eckard, ihr einziger Vertrauter, der leider zunehmend unter Demenz leidet. In der Laube trifft sie auf ihren Wegbegleiter, einen sprechenden Plastikfisch mit integriertem Alarmsystem, der sie bei ihrer turbulenten Suche nach ihrem kleinen Bruder, die sich zunehmend zu einer Suche nach sich selbst entwickelt, begleitet.

Wie war’s?

Schon das knallrote Cover mit dem Bild eines mürrischen dreinblickenden Mädchens zeigt, worum es hier geht: die geballte Wut einer Heranwachsenden auf Gott und die Welt und die Suche nach Wegen, damit umzugehen (unter anderem entdeckt Ella das Zeichnen als Ventil, um mit ihren Emotionen fertigzuwerden). Mir persönlich hat dieses Debüt sehr gut gefallen, es ist ein toller Ausflug in die Jugendsprache, erfrischend, frech und spritzig. Ellas Suche und ihre Entwicklung im Laufe des Romans halten die Leser:innen bei der Stange und man möchte unbedingt wissen, wie es mit ihr weitergeht und ob ihre Suche am Ende von Erfolg gekrönt ist. Der sprechende Fisch, oft ihr einziger Gesprächspartner, kommt mir wie eine Art Unterbewusstsein vor, das sie oft vor Dingen warnt, die sie noch gar nicht wahrhaben möchte. Auch die Menschen, die sie auf ihrem Weg trifft, allen voran Oksana, waren sehr stimmig dargestellt.

Fazit

Charlotte Brandis Romandebüt ist erfrischend anders, wenn man sich auf die unkonventionelle Story und den sprechenden Fisch einlassen kann, sind vergnügliche Lesestunden garantiert. Ich persönlich werde die Autorin definitiv im Auge behalten!
Profile Image for Franziska Dreßler.
139 reviews
April 10, 2025
Ella ist wütend auf alles und jeden. Auf ihre völlig abgedrehten Eltern, die Schule, das Leben. Der Einzige, den sie wirklich liebt, ist ihr kleiner Bruder Luis. Doch der verschwindet plötzlich von einem Tag auf den anderen. Und weil niemand sich wirklich dafür zu interessieren scheint, nimmt Ella die Suche nach ihm selbst in die Hand- zusammen mit einem sprechenden Barsch in einer Aldi Tüte.

Im ersten Moment ist der Rage Modus von Ella vor allem eins: witzig. Im zweiten Moment ist er aber noch viel mehr als das, nämlich wahnsinnig gut geschriebene Kritik an der Gesellschaft, den sozialen Medien und unseren sozialen Beziehungen. Die Metaphern mit denen Charlotte Brandi dabei das Leben beschreibt, sind flapsig und geistreich zugleich, so wie die ganze Sprache des Romans. Ella ist als junger Charakter absolut nahbar und authentisch. Je mehr man von ihrem Leben erfährt, desto mehr versteht man diese brodelnde Wut, diese Suche nicht nur nach ihrem Bruder, sondern auch nach sich selbst. Ich liebe dabei besonders ihre klare Sicht auf die Dinge, die Einfachheit, mit der sie Komplexes auf den Punkt bringt und das Komplexe, dass sie in der Einfachheit erkennt.

Es ist ein besonderer Roman über das Erwachsenwerden in einer Familie, in der es nicht wirklich jemanden gibt, der sich normal und erwachsen verhält. Es ist ein Roman, in dem ein sprechender Barsch auf einer Plakette mehr Weisheit versprüht, als die eigenen Eltern und es ist ein Roman mit einer wundervollen Protagonistin, die so viel mehr findet, als sie eigentlich gesucht hat.

Das Ende war für mich nicht ganz rund und einige Fragezeichen habe ich da noch im Kopf, und auch den sprechenden Fisch hätte ich als stilistisches Mittel nicht gebraucht. Aber trotzdem war das anders, rotzig, witzig und voller Charme.
32 reviews
April 29, 2025
Wut in einer Welt, die keine Wut duldet

Ella ist 16 und sie ist wütend. Es ist eine Wut, die rot und heiß ist, die in ihrem Bauch beginnt, langsam in ihr aufsteigt, kaum zu bändigen ist und fast zwangsläufig dazu führt, dass Ella die Person vor ihr niederbrüllt.

Es ist eine Wut, die dazu führt, dass Ella sich von fremden Menschen fernhält, keine Freunde sucht, am liebsten alleine auf ihrem Fensterbrett sitzt und zeichnet. Umso schwerer wiegt es, als ihr Bruder Luis plötzlich verschwindet. Denn auch wenn sie sich zunehmend entfremdet haben, ist er doch ihr kleiner Bruder und sie doch seine Lieblingsschwester, vor der er früher keine Geheimnisse hatte.

Und so macht sich Ella auf die Such nach Luis - zusammen mit einem sprechenden Plastikfisch. Dieser Plastikfisch, dessen Präsenz sich mir bis zum Ende nicht ganz erschlossen hat, und die extrem dicht erzählte Handlung, in der viele Charaktere blass bleiben, haben mich mehr als einmal das Buch beinahe weglegen lassen - entnervt von dem Jugendabenteuerromanhaftigen und der vermeintlich fehlenden Tiefe.

Erst im Nachhinein fügt sich die Geschichte zu einem Ganzen, zu einer Suche für Ella, nicht nur nach ihrem Bruder, sondern auch nach einem Weg mit ihrer Wut umzugehen - in einer Welt, die unter Umständen Wut nicht verzeiht - und gleichzeitig die Entdeckung dieser Welt hinter den geschützten Wänden des Elternhauses, die faszinierend und bedrohlich zugleich ist.

Und so klappe ich das Buch zu, seltsam versöhnt durch die letzten Seiten und mit einem großen Platz im Herzen für diese unangepasste, trotzige Protagonistin, für die ich so hoffe, dass sie sich einen Teil ihrer Wut bewahrt.
70 reviews
April 9, 2025
Ella und Fisch gegen den Rest der Welt

„Mit dreizehn hat Mama mich noch jedes Mal festgehalten, mit fünfzehn hat sie versucht, mit mir darüber zu reden, mit fünfzehn hat sie mich aufgegeben.“ (S.11)

In „Fischtage“ erzählt Charlotte Brandis die Geschichte der 16-jährigen Ella, die in einer ziemlich kaputten Familie lebt. Ihre Eltern interessieren sich mehr für Partys und Drogen als für ihre Kinder. Ihre große Schwester hält lieber Abstand, ihr kleiner Bruder Luis redet kaum noch und Ella hat ein Wutproblem. Als Luis plötzlich verschwindet, wartet Ella nicht auf Hilfe, sie macht sich selbst auf die Suche.

Der Schreibstil ist flapsig und locker, anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Aber wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, merkt man schnell: Der Ton passt perfekt. Es steckt viel Witz, aber auch Tiefe in der Sprache. Immer wieder tauchen starke Metaphern auf, die das Lesen zu einem Genuss machen.

Ella ist als Figur sehr echt und nahbar. Obwohl sie manchmal ausfallend ist, kann man gut mit ihr mitfühlen. Man versteht, warum sie sich so verhält – ihre Wut, ihre Verletzlichkeit, ihr Wunsch nach Nähe und gleichzeitig ihre Angst davor. Der sprechende Fisch war kurz gewöhnungsbedürftig, dann aber fast mein Lieblingscharakter.

Fischtage ist eine besondere Geschichte über das Suchen. Nicht nur nach einem verschwundenen Bruder, sondern auch nach sich selbst. Lustig, spannend, berührend und klug erzählt. Ein starkes Debüt. Leseempfehlung 4,5/5 Sterne
87 reviews2 followers
May 1, 2025
Dortmunder Sommer

Ella hat es nicht leicht. Ihre Eltern sind Künstler, die sich wenig um sie kümmern, ihre Schwester versteht sie nicht, ihr Ersatz-Opa wird dement, sie hat aufgrund ihrer Wutanfälle keine wirklichen Freunde und dann verschwindet auch noch ihr kleiner Bruder. Aber immerhin: Ella hat einen sprechenden Fisch. Und bald eine neue Bekanntschaft, die ihr auf der Suche nach dem verschollenen Bruder im heißen Sommer hilft.

Der Roman ist hervorragend geschrieben, mit einer abgeklärten Sprache und er vermag es sogar, die jugendliche Erzählerin real klingen zu lassen und nicht bemüht jugendlich. Die Charaktere sind abstrus, die Stadt Dortmund wird als abgerockt beschrieben und alles passt einfach sehr gut zusammen. Selbst der sprechende Fisch ist so überzeugend dargestellt, dass man keine Sekunde darüber nachdenkt, dass das ja eher Unsinn ist, sondern ihn einfach als tatsächlich sprechenden Fisch akzeptiert. Ein wirklich gelungener Roman!
182 reviews2 followers
June 16, 2025
das cover hat mich neugierig gemacht, die rote farbe und das mädchen, wie es schaut. die inhaltsbeschreibung ist interessant und der schreibstil hat mir gefallen. die sechzehnjährige ella ist sehr gut beschrieben und nachvollziehbar dargestellt. ihre beziehung zum bruder und wie ihre eltern sich verhalten zeigen gut auf, wie es zu den gedanken, gefühlen und handlungen von ella kommt. der fisch ist natürlich ziemlich ungewöhnlich und ich fand es schade, dass von eckard so wenig zu lesen war, wo er doch eine grosse rolle spielt. ihre begegnung mit anderen, vor allem oksana, sind sehr schön geschildert und man versteht gut, welche rolle sie für ella spielen. dieses buch regt zum nachdenken an, über menschen und ihre gefühle, es veranschaulicht einiges und ist so erfrischend anders, dass es wirklich lesenswert ist, gerade dadurch.
443 reviews5 followers
April 3, 2025
Das Buch hat mir sehr gefallen. Ich mag die Hauptfigur Ella, die immer wieder unkontrollierbare Wutanfälle kriegt und sich so in Schwierigkeiten bringt. Auch die übrigen handelnden Personen waren interessant geschildert und von vielen hätte ich gerne noch mehr erfahren. Die abgedrehte Idee des sprechenden Fischs, der singt, wenn Gefahr droht und sonst ungefragt Tipps für alle Lebenslagen gibt fand ich sehr unterhaltsam. Einzig die Auflösung am Ende fand ich irgendwie fast ein wenig enttäuschend, aber nichtsdestotrotz war es ein sehr unterhaltsames Buch.
Ich habe ein digitales Leseexemplar über Netgalley.de erhalten und schreibe diese Bewertung freiwillig.
Profile Image for Nici.
218 reviews
July 2, 2025
Ein ganz, ganz wilder Ritt durch Dortmund. Skurril, witzig, packend. Ich finde es großartig, dass Charlotte Brandi mit Ella eine jugendliche Protagonistin geschaffen hat, die frech und wütend ist, und so real. Die Dialoge waren authentisch, die Figuren (erschreckend) real. Ein paar Handlungsstränge fand ich etwas konfus bzw. deren Auswirkungen nicht ausreichend thematisiert, aber alles in allem ein Buch, das ich Leser*innen jeden Alters empfehlen wurde.

Danke an NetGalley, Vorablesen.de und Ullstein für das kostenlose Rezensionsexemplar!
Profile Image for Michaela Kaule.
26 reviews
August 17, 2025
Tolles Buch....Ella und Ihr Fisch und Ihre Wut waren mir sehr nah...konnte das Buch kaum aus der Hand legen
Profile Image for Celine Dosch.
5 reviews
September 25, 2025
So schöne Sätze, die Gefühle beschreiben und das Innenleben der Protagonistin nah miterleben lassen.
21 reviews
August 24, 2025
Schöne Sommerlektüre, liest sich schnell weg. Manche Stellen sind skurril und witzig.
Displaying 1 - 24 of 24 reviews

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