Aufmachung:
Das Cover finde ich wirklich schön. Man sieht Kalinka mit den beiden Pferden und dem Hund im verschneiten Wald sehen, von dem man auch nur ein paar Bäume sieht, der Rest ist im Schnee verborgen.
Das Buch hat so etwas super Winterliches, was, weil es ja in der Ukraine spielt, ja auch gut zum Inhalt passt.
Der Titel genauso. Ich finde es übrigens immer gut, wenn der Originaltitel, wenn er bereits gut zum Buch passt, übernommen oder übersetzt wird. Wenn sich die Verlage dann einen neuen Titel ausdenken, hat man es ja oft so, dass der dann viel weniger zum Buch passt als der Originaltitel, und das finde ich immer schade.
Die Kapitel sind alle kurz bis mittellang; die gebundene Ausgabe des Buches hat einen Schutzumschlag und ein Lesebändchen (Jaaa! :D).
Meine Meinung:
Nachdem ich das Buch beendet hatte, habe ich mir lange überlegt, was ich denn jetzt in die Rezension schreibe. Es ist wirklich schwer, das, was ich gelesen habe, in angemessene Worte zu fassen, aber eins trifft es dann doch ganz gut: Besonders.
Winterpferde ist wirklich in jeglicher Hinsicht besonders. Ehrlich gesagt habe ich das in dem Ausmaße gar nicht erwartet, weil ich bis jetzt so gut wie gar nichts von dem Buch gehört habe, obwohl es wirklich gut ist. So zählt das Buch wohl zu den besonderen Schätzen, die nicht annähernd genug gewürdigt werden.
Gut, genug herumgeschwafelt, jetzt geht´s ans Eingemachte (oder so..)!
"Ich glaube, man hat immer eine Wahl. Das ist das, was uns zu Menschen macht. Jeder, der behauptet, er hätte keine Wahl, könnte genauso gut sagen, dass er nicht besser ist als Molnija, der ein Gebiss zwischen den Zähnen trägt und einen Sattel auf dem Rücken."
(Max zu Grenzmann - S. 50)
Auch einige Tage, nachdem ich es beendet habe, sind mir am meisten die beiden Protagonisten in Erinnerung geblieben.
Sowohl Max als auch Kalinka sind beide sehr tolle Protagonisten; beide sind mutig und setzen sich selbstlos für das ein, was sie für richtig halten.
Dabei ist Max, obwohl er nach außen hin wie ein grummeliger alter Mann wirkt, sehr einfühlsam. Sein eigenes Schicksal interessiert ihn kaum, da er bereits viel durchgemacht hat, aber für seine Tiere und später auch Kalinka setzt er alles ein, weil er deren Besonderheit erkennt.
Auch das Mädchen hat bereits eine Menge erlebt. Trotzdem gibt sie nicht auf und gibt, wie Max, alles dafür, um die Tiere vor der SS zu retten.
Diese ist durch Hauptmann Grenzmann brutal dargestellt, was einen starken Kontrast zu den anderen beiden Figuren und deren Umgang mit den Tieren bildet.
Man erwartet es natürlich nicht anders, dass die Nazis und teilweise auch die Deutschen im Allgemeinen als böse Menschen dargestellt werden, das waren sie zu der Zeit ja auch, zumindest die Nazis.
Was ich hier jedoch wirklich gut fand, ist, dass Kalinka zwar einerseits (zumindest anfangs) generell alle Deutschen hasst und sich vor ihnen fürchtet, Max im Gegensatz zu ihr jedoch zwischen Deutsche und Nazis differenziert.
"Wenn Wohltätigkeit nichts kosten würde, wäre die Welt voller Philanthropen."
(Max zu Kalinka - S. 67)
Auch sind ein oder zwei Kapitel aus der Sicht von Grenzmanns Männern, in denen verdeutlicht wird, dass sie, obwohl sie bei der SS sind, auch Menschen sind, die ihren Beruf und die Aufgaben, die dieser mit sich bringt, nicht wirklich gerne macht. Dadurch erhalten die Figuren mehr Tiefe und werden nicht nur einseitig als "böse" dargestellt, sondern haben auch allesamt Menschlichkeit.
Grenzmann selber ist allerdings, wie erwähnt, der wirklich Böse hier in der Geschichte, was ich allerdings nicht kritisiere. Dadurch, dass sich in seiner Mannschaft sowohl gute als auch böse Menschen zeigen, erhält das Buch ein bisschen "Realität". Auch wenn Winterpferde um reale Geschehnisse herum aufgebaut ist, sind die Figuren und die Geschichte natürlich fiktiv, allerdings veranschaulicht der Autor dem Leser mithilfe dessen, wie es wirklich gewesen ist; bezogen auf die Menschen gab es selbstverständlich wirklich welche, die aus voller Überzeugung Nazis waren, aber auch genauso gut solche, die die angebliche "Richtigkeit" ihrer Handlungen hinterfragt haben und auch gar nicht so handeln wollten.
Dies zu verdeutlichen ist Kerr meiner Meinung nach wirklich gut gelungen und die Authentizität der Figuren dadurch ist ein wichtiger Aspekt dafür, dass mir das Buch so gut gefallen hat.
"Aber es ist doch ziemlich enttäuschend, dass der Mensch so zerstörerisch veranlagt ist."
(Kalinka zu den Tieren - S. 213)
Ein anderer Punkt ist die Darstellung der beiden Przewalski-Pferde und des Hundes Taras, die in Winterpferde eine große Rolle spielen.
Obwohl alles drei Tiere sind, haben sie hier sehr menschliche Züge, insbesondere die beiden Pferde, was mir sehr gut gefallen hat, weil so aufgezeigt wird, dass Tiere nicht einfach nur irgendwelche Tiere sind, sondern allesamt auch eine Persönlichkeit und eine Seele haben und damit genauso einzigartig sind, wie jeder Mensch. Das unterstreicht auch noch die Wahl des Autors der Przewalski-Pferde (also quasi Urpferde), die zu dem Zeitpunkt beinahe ausgestorben waren.
Diese Personifizierung der Tiere hat mir wirklich gut gefallen, vor allem, weil das nicht irgendwie "märchenhaft" oder kindisch wirkt, sondern real und besonders eben.
Man fiebert nicht nur mit den beiden Protagonisten mit, sondern auch mit den Tieren, da auch sie, wie bereits gesagt, eine Persönlichkeit entwickeln. Dafür brauchen sie auch keinen Dialog oder so etwas, sondern der Autor schafft es allein durch Beobachtungen der Protagonisten, dass der Leser sich auch in die Tiere hineinversetzen kann, was, wie ich finde, etwas ganz Besonderes ist.
Wie also bereits angeschnitten, ist Winterpferde bereits zu Beginn mitreißend, und das nicht nur, weil es von Anfang bis Ende absolut spannend ist, sondern weil es, vor allem auch durch die tollen, einzigartigen Figuren, den Leser einfach nur noch packt und nicht mehr loslässt, selbst dann nicht, wenn er das Buch bereits beendet hat. Zwischendurch ist man vielleicht auch mal wirklich zu Tränen gerührt.
Fazit:
Dieses Buch ist wirklich etwas Besonderes,
Die Figuren sind allesamt einzigartig und vielschichtig. Selbst in die Tiere kann sich der Leser hineinversetzen, und auch die Bösen sind nicht einfach nur böse.
Alles wirkt sehr real, und auch diejenigen, die sonst vielleicht nicht so nah am Wasser gebaut sind, müssen hier schon einmal zum Taschentuch greifen.
Zusammenfassend schlicht und einfach eine besondere Geschichte, die mir so noch nie untergekommen ist und wahrscheinlich auch nicht wird.
Klare Leseempfehlung an jeden und mit Abstand ein, wenn nicht sogar das Jahreshighlight!
5/5 Lesehasen.