Bücher zum Film sind zumeist mehr oder minder inspirierte Nacherzählungen, was aber nicht weiter tragisch ist, wenn man den Film nicht kennt. Mein Versuch den Film im Kino zu sehen, fiel seinerzeit einem Schneechaos zum Opfer. Ein zweiter Anlauf im Fernsehen endete in der ersten Werbepause und der Einsicht, dass Tom Hanks immer noch ein Grund zum Ausschalten ist.
Aber die Story klang ganz interessant und das Buch vom Autor der Vorlage, einer Graphic Novel stammte, konnte eigentlich nicht viel schief gehen, so die Vorüberlegung.
Leider tun sich Graphic Novel Autoren mit der inneren Handlung und der Motivation zumeist ziemlich schwer, Max Allen Collins ergeht es da nicht besser als seinem God-Save-America-Kollegen. Wenn nicht gar schlimmer, da er im rührseligen Gewerbe tätig ist. Die noch größere Enttäuschung ist die kaum vorhandene Visualiltät der Szenen, die mangelnde dramatische Verdichtung, der Focus auf charakteristische Momente fehlt ebenfalls.
In diesem Punkt setzt die Bar-Schießerei von Elmore Leonards The Hot Kid immer noch Maßstäbe, auch wenn der Altmeister später in seine übliche Superblöder-und-extrabrutaler-Bösewicht-zieht-eine-ganz-gewaltige-Blutspur-hinter-sich-her-Masche verfällt, um in den lahmsten Showdown aller Zeiten zu münden.
Eine derartige Fallhöhe gibt es bei Max Allen Collins nicht, auch keinen Ansatzpunkt, um sich für die Helden zu begeistern, dazu sind die Charaktere viel zu rigide. Der einzige Lichtblick sind die Kapitel mit dem künstlerischen Killer Harlan Maguire, in dieser Figur liegt viel verschenktes Potenzial, aber für eine überzeugende Gestaltung dieses Virtuosen des Todes hätte es sogar mehr als einen Elmore Leonard in Topform gebraucht, denn der Altmeister bevorzugt ja eher beschränkte Gemüter.
Dieses Buch beschränkt sich jedenfalls auf das Unwesentliche in Sachen Nacherzählung, zum Abschluss noch meine Lieblingsstilblüte: „Peter Sullivan stürzte in die leblosen Arme seiner Mutter, bevor das Blut der beiden auf dem Kachelboden zusammen floss.“