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Wenn die Tage länger werden

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Der Sommer, der mir gehörte.

Sechs Wochen, aber gleichzeitig ein halbes Leben, das vor ihr lag. Mit zäh fließenden Honigtagen am See und Radfahrten über Waldbodenteppiche aus Tannennadeln. Mit kühlen Wasserspritzern auf geschlossenen Lidern, Pommes Rot-Weiß, kurz bevor das Schwimmbad schloss, statt dem geplanten Abendbrot drinnen am Tisch, tiefblauem Himmel über dürren Fichten und senfgelben Feldern.

Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa einen Sommer ohne ihren Sohn vor sich hat. Doch die lang ersehnte Freiheit bringt auch Zweifel mit sich. Da ist die Sehnsucht nach ihrem Kind und die Frage, was für eine Frau sie eigentlich ist, wenn sie mal keine Mutter ist. Auf der Suche nach einem Restaurator für ihre alte vernachlässigte Geige begegnet sie der Obstbäuerin Ute in ihrem Kirschgarten, einer Frau, die keine Zeit mehr für Kompromisse hat. Bald wird Lisa klar, dass die Frage nach ihr selbst eng mit all dem verknüpft ist, worüber in ihrer Familie stets geschwiegen wurde. Und sie erfährt die unwiderstehliche Magie eines Sommers zwischen den Abgründen der Vergangenheit und einer neuen flirrenden Freiheit.

Ein schwebend schöner, tiefgründiger Roman von Bestsellerautorin Anne Stern.

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Published March 12, 2025

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Anne Stern

28 books27 followers

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17 (6%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 48 reviews
Profile Image for hand.verlesen.
230 reviews40 followers
April 9, 2025
Lisa ist Ende dreißig, Lehrerin und alleinerziehende Mutter eines sechsjährigen Kindes. Die Sommerferien stehen bevor, und zum ersten Mal wird ihr Sohn Paul mehrere Wochen am Stück bei seinem Vater verbringen. Diese bevorstehende freie Zeit ist für Lisa ein großer Luxus, löst aber auch Ängste aus. Denn wer ist sie eigentlich, wenn sie nicht gerade Mutter, Tochter oder Lehrerin ist?
Anne Stern schreibt sehr ehrlich und feinfühlig über Mutterschaft mit all ihren Konsequenzen. Sie thematisiert Mental Load, die ungleichen Maßstäbe, an denen Väter und Mütter gemessen werden, die Gefahr, sich selbst in der Elternrolle zu verlieren, die gewaltige Liebe, Nähe und manchmal auch Überforderung im Zusammenleben mit einem Kind. Ich habe mir viele Sätze und Seiten markiert.
Neben Lisas Rolle als Mutter wird auch das komplizierte, von Schweigen und Distanz geprägte Verhältnis zu ihrer eigener Mutter beleuchtet. Sie begegnet außerdem der schwer kranken Obstbäuerin Ute – eine interessante Figur, die leider etwas blass bleibt. Ein weiterer Aspekt des Buches ist Lisas Liebe zur Musik und die düstere Geschichte ihrer alten Geige. Trotz der vielen Themen wirkte die Geschichte nicht überladen.
Manche von Lisas Gedankengängen empfand ich nach einer Weile ein wenig redundant, trotzdem hat mir gerade der Teil ihrer Identitätssuche sehr gefallen. Insgesamt ist „Wenn die Tage länger werden“ ein berührendes und gelungenes Buch. Anne Stern schafft eine schöne, sommerliche Atmosphäre und eine gewisse Leichtigkeit. Ein Buch, das ich gern gelesen habe, dessen Eindrücke teilweise jedoch auch schon wieder verblassen. Ich empfehle es als leichten, aber keineswegs seichten Sommerroman mit Tiefgang.
Profile Image for Verena.
17 reviews6 followers
December 6, 2025
Mein zweites Sommerurlaub-Buch - und für diesen Zweck eine gute Wahl. Es hatte etwas von einem "Nordsee-Kitsch-Roman", aber glücklicherweise ging es nicht um die große Liebe, sondern um den ersten kinderfreien Sommer. Durch die freie Zeit wurden bei der Protagonistin Themen wach, die schon lange schlummerten. Das Verhältnis zur eigenen Mutter, Wer bin ich selbst außer einer Mutter? und auch die eigene Familiengeschichte (auch im zweiten Weltkrieg). Es war unterhaltsam und mit dem Kitsch kam ich gut klar.
Profile Image for Romy.
14 reviews
March 30, 2025
Ein ganz besonderer Sommer

Der ganze Sommer liegt noch vor Lisa – und das ganz ohne ihren sechsjährigen Sohn Paul, der die Ferien mit seinem Vater in Polen verbringen wird. Einerseits hadert Lisa mit der Trennung von Paul, auf der anderen Seite ergeben sich neue Möglichkeiten, sich Zeit für sie selbst zu nehmen und sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Die Geige, die sie von ihrem Großvater geerbt hat und mit der sie eine Hass-Liebe verbindet, taucht wieder auf. Nachdem sie viele Jahre ungespielt in der Ecke verstaubte, entscheidet sich Lisa das Instrument reparieren zu lassen. Bei der Geigenwerkstatt Allenstein erfährt sie, dass das Instrument mutmaßlich viel älter ist als es scheint. Bei dem Besuch lernt sie außerdem Ute, die Tochter des Geigenreparateurs kennen und freundet sich mit ihr an.

Der Roman behandelt vielfältige Themen wie Muttersein, Freundschaft, Sinnsuche, Krankheit und Alter und ganz besonders die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und der NS-Geschichte.

Für mich persönlich ist vor allem der Schreibstil des Romans hervorgestochen. Einerseits mit klarer und gleichzeitig fast schon poetischer Sprache schaffte es die Autorin, Anne Stern, wunderschöne bunte Bilder vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen. Ich konnte mich direkt in Lisas Sommer hineinversetzen. Die Sonne auf der Haut, das kühle Gras unter den Füßen, der Geschmack von Kirschen auf der Zunge…

Die Geschichte selbst war eher unaufgeregt und kam ohne große Höhepunkte aus. Das hat der Geschichte meiner Meinung nach aber keinen Abbruch getan und die Handlung hat dennoch Tiefgang. Ich habe die langsam vor sich hinplätschernde Handlung und vor allem den nachdenklichen Ton sehr genossen.

Das Buch hat sich für mich wie eine tröstliche, sonnige Umarmung angefühlt und hat mich insgesamt sehr berührt.
Profile Image for Angelina.
5 reviews10 followers
March 16, 2025
„Wenn die Tage länger werden“ ist eine ruhige und reflektierte Geschichte, die mich insgesamt sehr überzeugt hat. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen, da ich die sommerliche, nachdenkliche Atmosphäre sehr mochte und die Charaktere als authentisch und glaubwürdig empfunden habe.

Die Geschichte fühlt sich an wie ein langsamer Sommertag, an dem man viel nachdenkt und in Erinnerungen schwelgt. Zwischen den Zeilen schwingt eine gewisse Melancholie mit, die perfekt zur Thematik des Buches passt.

Inhalt:
Das Buch erzählt die Geschichte von Lisa, die einen Sommer erlebt, der ihr Leben auf besondere Weise prägt. Während sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, entdeckt sie neue Seiten an sich selbst und an den Menschen um sie herum. Es geht um gesellschaftliche Erwartungen, generationelles Trauma und Mutterschaft – und darum, wie sehr diese Aspekte das Leben einer Frau beeinflussen.

Lisa wirkt zu Beginn der Geschichte unsicher und überfordert mit ihrem Leben, doch die Zeit allein gibt ihr die Möglichkeit, zu reflektieren und neue Perspektiven zu gewinnen. Die Figuren insgesamt sind sehr authentisch und lebendig gezeichnet – ihre Gedanken, Unsicherheiten und Entwicklungen wirken realistisch und nachvollziehbar.

Schreibstil & Themen:
Anne Sterns Schreibstil ist poetisch, bildhaft und wunderschön beschrieben. Besonders eindrucksvoll ist, wie sie die Thematik der Elternschaft beleuchtet: Das Buch zeigt eindrücklich, wie unterschiedlich Frauen und Männer in ihrer Elternrolle wahrgenommen werden und welchen unsichtbaren Druck viele Frauen empfinden. Es macht bewusst, wie tief diese Vorstellungen in unserer Gesellschaft verankert sind.

Fazit:
Ich würde das Buch vor allem Leserinnen und Lesern empfehlen, die ruhige, reflektierende Geschichten mögen. Besonders Menschen, die sich mit den Themen Mutterschaft, gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Veränderungen auseinandersetzen, könnten viel aus der Geschichte mitnehmen. Es ist kein Buch voller Spannung oder großer Dramen, sondern eher eine leise, tiefgehende Erzählung – perfekt für einen entspannten Sommerabend.
Profile Image for Martina Weiss.
488 reviews5 followers
March 24, 2025
Dieses Buch hat mir kein großes Vergnügen bereitet. Es war allerdings durch den sehr simplen Schreibstil schnell zu lesen.
Es werden sehr viele Themen angerissen und dadurch leider auch nur oberflächlich gestreift: alleinerziehende Mütter, Mutter-Tochter-Konflikt, Nazivergangenheit innerhalb der Familie, Vertreibung nach Kriegsende, Tod, Krankheit, Raubkunst...
Jedes einzelne Thema hätte ein komplettes Buch gefüllt, so aber war es eine überhäufte Ansammlung ohne Tiefgang. Manche Themen haben sich für mich auch so angefühlt, als wären sie für ein sehr junges Publikum geschrieben worden, speziell die historischen Stellen lasen sich wie Jugendliteratur.
Die Hauptprotagonistin war mir ziemlich unsympathisch und blieb mir total fremd, was das Lesen nicht einfacher machte.
Dazu kam dann noch schlechte Recherche was die Ferienzeit in Deutschland anbelangt, BaWü (nebst Bayern) hat die spätesten Sommerferien, die Ende Juli beginnen, das passt im Roman dann einfach hinten und vorne nicht. Aber gut, die Autorin macht aus Altweibersommer (Ende September - Mitte Oktober) auch "Altweiberwetter" und siedelt es im August an...
Nein, das war für mich alles zusammen einfach nicht gut. Schade.
Profile Image for nayezi.
592 reviews1 follower
March 16, 2025
„Wenn die Tage länger werden“ von Anne Stern ist ein tiefgründiger Roman, der weit über das Thema der Mutterschaft hinausgeht. Die Autorin beleuchtet auf einfühlsame Weise die komplexen Verhältnisse zwischen den Generationen und die Belastungen, die durch Erbschuld und familiäre Geschichte entstehen. Sie behandelt diese Themen sensibel und vermeidet Klischees oder einfache Antworten. Besonders beeindruckend ist die bildstarke Sprache, mit der Stern die inneren Konflikte und die Entwicklung ihrer Figuren beschreibt. Ihre Szenen sind lebendig und emotional, was dem Leser eine tiefgehende Verbindung zu den Charakteren ermöglicht.

Im Zentrum der Geschichte stehen die Auswirkungen von Vergangenheit und Erbe auf das Leben der Protagonisten. Stern geht dabei geschickt auf die verschiedenen Facetten von Schuld, Verantwortung und der Schwierigkeit, die eigene Geschichte zu akzeptieren, ein. Sie fängt die Zerrissenheit und den inneren Kampf ihrer Figuren authentisch ein und verleiht ihnen dadurch eine beeindruckende Tiefe.

Der einzige kleinere Kritikpunkt ist der anfänglich holprige Einstieg in die Handlung. Zunächst dauert es eine Weile, bis die Geschichte richtig in Fahrt kommt. Doch sobald man in die Erzählung eingetaucht ist, wird der Roman zu einem fesselnden Erlebnis, das nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch eine starke emotionale Wirkung entfaltet.

Insgesamt ist „Wenn die Tage länger werden“ ein bewegendes Werk, das lange nachwirkt. Es ist ein nachdenklich stimmender Roman, der auf subtile Weise die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Bedeutung von Vergebung und Akzeptanz thematisiert.
Profile Image for Aniko.
38 reviews1 follower
March 25, 2025
Eine Geschichte übers Frau-Sein, Mutter-Sein, Tochter-Sein und über das Aufarbeiten von Familiengeschichte. Hat mir gut gefallen!
Profile Image for Theresia.
56 reviews1 follower
March 30, 2025
ein roman der sich anfühlt wie ein melancholischer sommer abend - eine erzählung über mutter sein, tochter sein, gesellschaftliche erwartungen, familien und herkunftsgeschichte. wunderschön und nah am leben
1,408 reviews7 followers
March 16, 2025
Familiengeheimnisse

Klappentext:
Sechs Wochen, aber gleichzeitig ein halbes Leben, das vor ihr lag. Mit zäh fließenden Honigtagen am See und Radfahrten über Waldbodenteppiche aus Tannennadeln. Mit kühlen Wasserspritzern auf geschlossenen Lidern, Pommes Rot-Weiß, kurz bevor das Schwimmbad schloss, statt dem geplanten Abendbrot drinnen am Tisch, tiefblauem Himmel über dürren Fichten und senfgelben Feldern.
Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa einen Sommer ohne ihren Sohn vor sich hat. Doch die lang ersehnte Freiheit bringt auch Zweifel mit sich. Da ist die Sehnsucht nach ihrem Kind und die Frage, was für eine Frau sie eigentlich ist, wenn sie mal keine Mutter ist. Auf der Suche nach einem Restaurator für ihre alte vernachlässigte Geige begegnet sie der Obstbäuerin Ute in ihrem Kirschgarten, einer Frau, die keine Zeit mehr für Kompromisse hat. Bald wird Lisa klar, dass die Frage nach ihr selbst eng mit all dem verknüpft ist, worüber in ihrer Familie stets geschwiegen wurde. Und sie erfährt die unwiderstehliche Magie eines Sommers zwischen den Abgründen der Vergangenheit und einer neuen flirrenden Freiheit.

„Wenn die Tage länger werden“ von Anne Stern ist die Geschichte einer Frau und eines Sommers.

Im Mittelpunkt steht Lisa Fischer, sie ist Ende 30, Musiklehrerin und alleinerziehende Mutter. Dieser Sommer gehört ihr zum Teil ganz alleine. Ihr Sohn Paul ist mit seinem Vater verreist und Lisa will die Tage für sich genießen. Doch das ist gar nicht so einfach, sie vermisst ihren Sohn und weiß erst gar nicht wie sie die Tage füllen kann. Da sie seit vielen Jahren nur sporadisch Kontakt zu ihrer Mutter hat, macht sie sich etwas an die Familienforschung. Ihre Mutter erzählt nicht viel und Lisa spürt, dass ihr etwas verheimlicht wird. So wendet Lisa sich an die Nachbarin und findet noch andere Menschen, die über die Vergangenheit erzählen können.
So lernt Lisa den Geigenbauer Hans und seine Tochter die Obstbäuerin Ute kennen. Ute kommt mürrisch daher, was vielleicht mit ihrer Krankheit zu tun hat. Aber Lisa findet einen Draht zu ihr und die Frauen freunden sich an. Sie führen einige Gespräche, wobei Ute sich immer ziemlich kurz hält. Es hat gerade den Anschein, dass Ute nicht mehr sehr viel Zeit bleibt und sie die nicht mit unnützen füllen möchte.
Nach und nach kommt Lisa dem Familiengeheimnis um ihren Großvater näher.

Anne Stern hat wieder einmal einen wundervollen Roman veröffentlicht. Die Charaktere gefallen mir sehr gut. Lisa natürlich, ich habe sie gerne bei ihrer Suche nach der Vergangenheit begleitet. Auch Ute ist sympathisch, trotz des etwas mürrischen Eindruckes den sie zu Beginn macht. Die Gespräche mit ihr habe ich sehr gerne verfolgt. Die Einblicke in die Geigenbauernwerkstatt sind interessant. Auch die Mutter-Tochter Beziehung wird sehr gut vermittelt.
Die Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben. Man hat schnell Bilder im Kopf.
Der Schreibstil von Anna Stern ist flüssig und gut verständlich.

Ich habe von Anne Stern schon viel gelesen und bin immer wieder total begeistert von ihrer Erzählkunst.
So ist auch „Wenn die Tage länger werden“ eine Geschichte, die mich berührt und begeistert hat.
492 reviews2 followers
March 12, 2025
Sommer, Muttersein und eine alte Geige

Von Anfang an hat mich der Schreibstil total begeistert, er ist wirklich schön, ein bisschen poetisch und sehr reflektiert und hat für mich das sommerliche Gefühl aus der Geschichte wunderbar transportiert. Und auch Lisa und Ute als Protagonistinnen mochte ich sehr gerne, die beiden sind tolle und starke Frauen und besonders die Freundschaft zwischen den beiden, die sich langsam entwickelt, war toll zu verfolgen. Das zentrale Thema Mutterschaft und Muttersein fand ich auch total interessant eingebracht, wie Lisa darüber nachdenkt in beide Richtungen, in Bezug auf ihren Sohn Paul und mit Blick auf ihre Mutter Barbara, mit der sie ein schwieriges Verhältnis hat. Dese Gedanken ziehen sich wie ein roter Faden durchs ganze Buch und auch die Entwicklung war toll zu sehen. Den Schwung der Geschichte in Richtung Vergangenheit durch die Hintergründe Lisas Geige fand ich interessant und eine gute Idee, teilweise hat sich die Verknüpfung mit dem Rest der Geschichte aber etwas holprig angefühlt. Das war auch an anderen Stellen so, insbesondere durch die vielen Figuren, Immer wieder tauchen neue Figuren auf, sind total präsent und verschwinden dann einfach wieder. Dadurch hat es sich teilweise angefühlt, als würde die Geschichte ein bisschen zu viel wollen und hätte dabei sich selbst und ihren roten Faden etwas verloren.
Trotzdem habe ich die Geschichte gerne gelesen und Lisa und Ute durch den Sommer begleitet.
Profile Image for Sarah.
15 reviews1 follower
July 28, 2025
Ahh das war ein richtiges Wohlfühlbuch. Die Atmosphäre des Sommers kam richtig gut rüber und die verschiedenen wichtigen Themen haben sehr gut miteinander harmoniert. Es war sehr schön von der Perspektive einer alleinerziehenden Mutter zu lesen verbunden mit der Rolle als Frau in der Gesellschaft und Tochter, einer Mutter, der sie nie gerecht wird und dann wieder verbunden mit historischer Schuld und der Frage „wer bin ich eigentlich und wer war meine Familie vor mir?“ Einfach eine sehr schöne Geschichte mit vielen Facetten💌
Profile Image for chiaralostinbooks.
10 reviews
May 18, 2025
Ein tiefgründiger Sommerroman über eine Mutter, die versucht, die Geschichte ihrer alten Geige - und die ihrer Familie - aufzudecken

“Ging es am Ende immer nur darum, sich abzugrenzen, anders zu sein als die vorige Generation?”

*Die Handlung:*

Dieser Roman handelt von einer alleinerziehenden Mutter und Lehrerin Lisa, die die Sommerferien ohne ihren Sohn verbringt und herausfindet, wer sie ist, wenn sie nicht Mutter ist. Sie entdeckt ihre frühere Leidenschaft für das Geigespielen wieder und begibt sich dazu mit ihrer alten Geige zu einem Restaurator. Doch dieser deckt ein Geheimnis der Geige auf, das mit Lisas Familiengeschichte zusammenhängt, und Lisa muss sich fragen, ob sie überhaupt bereit ist, sich bestimmten Themen zu stellen. Es geht um Lisas Beziehung mit ihrer Mutter, mit der Tochter des Restaurators, Ute, und insbesondere um Lisas Beziehung zu sich selbst.

*Meine Gedanken:*

*Zu den Charakteren:*

Zu Beginn fiel es mir schwer, aus Lisas Perspektive zu lesen, weil sie ein sehr pessimistischer Mensch ist und ihre Sichtweisen mich ziemlich runtergezogen haben. Es gab in den ersten Kapiteln kaum Lichtblicke, alles war wie in einen grauen Dunst des Sich-Beschwerens gehüllt. Das hat sich über das Buch hinweg gebessert und Lisa ist mir immer mehr ans Herz gewachsen. Ihre inneren Monologe über das Mutter- und Frau-Sein haben mich sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Es war schön, ihre Entwicklung einen Sommer lang zu verfolgen.

Barbara, Lisas Mutter, war ein sehr schwieriger Charakter, der erst zum Ende hin nahbar wurde, und selbst dann blieb man über Vieles im Dunkeln. Lisa und ihre Mutter haben auf den ersten Blick eine unfassbar kalte, distanzierte Beziehung, und doch schimmert immer wieder durch, dass sie einander etwas bedeuten. Woran es hängt? Offene Kommunikation. Die Mutter scheint schlicht nicht in der Lage zu sein, offen zu kommunizieren. Sie will nie Schwäche zeigen etc. Gegen Ende des Buches versteht man, warum. Dadurch schafft es die Autorin, dass man die Mutter als Leser am Ende doch irgendwie versteht und mit ihr fühlt.

Ute war mir, wie die meisten Charaktere dieses Buches, zu Beginn unsympathisch, insbesondere weil sie so schroff war. Doch genauso wie ihr Vater Hans versteckte sich dahinter doch Tiefe, die im Laufe der Geschichte deutlich wurde.

Insgesamt waren diese Charaktere ein Sinnbild für eine gewisse Generation, der beigebracht wurde, dass Gefühle eine Schwäche sind und man im Leben besser vorankommt, wenn man alles in sich hineinfrisst. Die nicht gelernt hat zu streiten. Das war stellenweise unglaublich frustrierend, leider aber eine realistische Darstellung vieler Menschen dieser Generation im echten Leben.

*Zum Schreibstil:*

Anne Stern schreibt heir unglaublich schön. So viel Melancholie. Ich habe dutzende originelle Beschreibungen markiert. Anne Stern schafft es, einen nostalgischen Sommertraum zu erschaffen, und dabei doch viele ernste Themen einzuweben. Hier und da hatte ich das Gefühl, dass zu viele Themen angesprochen und nicht so richtig in die Tiefe gegangen wurde. Besser hätte ich es gefunden, hätte sich das Buch auf ein-zwei Kernthemen beschränkt.

*Zur Handlung:*

Der Handlungsstrang, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist die Suche nach der Herkunft von Lisas Geige. Was sich auf den ersten Blick ziemlich öde anhört, schafft doch einen kleinen Spannungsbogen über das Buch hinweg, zumal die Geschichte der Geige mit Lisas Familiengeschichte und mit ihrer Beziehung zu ihrer Mutter zusammenhängt. Alles scheint verwoben zu sein.

In dem Roman geht es auch um den Nationalsozialismus, Schuld- und Schamgefühle und die Frage, wie und ob Dinge wieder gut gemacht werden können. Dass das Buch auch dieses Thema behandelt, war mir aufgrund es Klappentextes nicht klar, allerdings hat Anne Stern das Thema gut eingefügt und meiner Meinung nach insgesamt mit der angemessenen Behutsamkeit behandelt.

Im Endeffekt lässt das Buch aber viele Fragen offen. Dies ist nicht per se schlimm, allerdings hätte ich mir ein wenig mehr Abrundung gewünscht. Die Geschichte von Lisas Großvater hätte noch mehr beleuchtet werden können - hätte gar ein ganzes Buch füllen können und als Leser bleibt man mit einem mulmigen Gefühl zurück, weil diese Geschichte nur angerissen wird. Andererseits war das vielleicht die Absicht der Autorin. Schließlich bekommt man auch im echten Leben nicht auf alle Fragen Antworten, auf die man gerne Antworten hätte. Auch die Beziehung von Lisa und ihrer Mutter hätte ich gern noch weiter verfolgt. Gewissermaßen lässt das Ende aber der Vorstellung des Lesers Raum, wie sich die Beziehung in Zukunft weiterentwickeln wird.

Letztlich bleibt mir noch eine Frage: Was ist mit Tobias passiert??? Er wurde irgendwann einfach nicht mehr erwähnt. Hat die Autorin ihn vergessen??


Abschließende Gedanken:

Ich bin dankbar, dieses Buch gefunden und gelesen zu haben! Wenn die Tage länger werden eignet sich für Leser, die gerne tief in die Gedanken von Charakteren eintauchen und sich für zwischenmenschliche Beziehungen interessieren. Warum haben manche Menschen die Beziehung zueinander, die sie haben? Wer ist schuld daran? Man kann an diesem Buch unfassbar viel analaysieren. Auch die Einbindung des Themas Nationalsozialismus und die in diesem Zusammenhang aufgeworfenen Fragen regen zum Nachdenken an. Somit handelt es sich meiner Meinung nach um ein insgesamt nachdenkliches Buch. Da es im Sommer spielt und dies auch gut rüberkommt, eignet es sich für eine Sommerlektüre, ohne aber bloß “leichte Küche” zu sein. Hier und da hätte es für meinen Geschmack jedoch noch tiefer gehen können. Ich verbleibe nach dem Lesen einfach mit zu vielen Fragen.

Vielen Dank an NetGalley und Aufbau Verlage GmbH & Co. KG für die Bereitstellung dieses Leseexemplars im Austausch für meine ehrlichen Gedanken!
Profile Image for anna⭐️.
80 reviews1 follower
January 16, 2026
3.5 stars
"Seine Kiefer mahlten." Wenn dieser Satz noch EINMAL erwähnt wird schmeiß ich dieses Buch aus dem Fenster!! In 50 Seiten wurde dieser exakte Satz schon 4x verwendet!! Der Typ steht einfach nur da, sagt nichts, tut nichts, ISST NICHTS - WARUM MAHLT SEIN KIEFER?? Ist er eine Kuh?? Ist er Wiederkäuer?? WAS MACHT DER
Erinnert mich irgendwie an so einen Insel-Roman, den ich mal gelesen habe: "Er hatte Augen wie Kaminfeuer." WHAT DO YOU MEANNNN und 100x das Wort "Mopsdame" pro Seite WTF - So unwichtig aber es nervt mich SO SEHR dass ich das jetzt einfach aufschreiben musste.
ansonsten ganz okayes Buch.
Profile Image for Gisela.
353 reviews15 followers
March 24, 2025
Meine Meinung 


Sommerferien und das große Geheimnis um eine Geige 🎻 

Diese Geschichte lässt mich ziemlich zwiegespalten zurück, da   -  für meinen Geschmack  - die Hauptfigur Lisa zu viel jammert. Sie hat es zwar wirklich nicht leicht, aber im realen Leben würde ich so einer negativ eingestellten Person lieber aus dem Weg gehen. So meine Gedanken am Anfang  ...


Die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa verbringt zum ersten Mal ohne ihren Sohn Paul die Ferien. Das erste Mal seit sechs Jahren hat sie Zeit für sich, was ihr jedoch auch Angst macht. Ihre beste Freundin ist verreist, und zu ihrer Mutter Barbara pflegt sie einen eher kühlen Kontakt. Womit also die viele Freizeit füllen? 


Stets macht ihr ihre Mutter Vorwürfe, dass sie nicht mehr mit der Geige spielt, die ihr der Großvater vererbte und ihr großes Talent verschwendet. Da Lisa nun für ein paar Wochen über sehr viel Freizeit verfügt, holt sie den Geigenkasten vom Speicher herunter. 

Der Inhalt ist mehr als erbarmungswürdig. Die Geige muss unbedingt repariert werden. 


Auf der Suche nach einem Restaurator lernt Lisa den knapp 90-jährigen Hans und seine Tochter Uta kennen. Hans ist von der uralten Geige fasziniert; jedoch stört es ihn, dass das echte Etikett darin mit einem anderen überklebt wurde. Darunter befindet sich etwas, von dem heutzutage kaum noch jemand etwas wissen möchte ...


Uta ist eine Obstbäuerin, die ziemlich mürrisch daher kommt und ständig ein Kopftuch trägt. Lisa merkt jedoch ziemlich bald, dass sich unter Utas rauer Schale ein weicher Kern befindet. Sie freundet sich mit ihr an, und hilft ihr bei der Kirschernte. 


Der Schreibstil ist flüssig und immer wieder sehr poetisch. Die Figuren wirken fast alle melancholisch. 


Das große Geheimnis der Geige führt uns in die Geschichte des 2. Weltkriegs, bei der der Besitz von Juden zu Spottpreisen verschachert wurde. Lisa möchte unbedingt wissen, wie ihr verstorbener Großvater zu der Geige kam. Ihre Mutter hüllt sich in Schweigen und reagiert auf Lisas Fragen abweisend. 

 

Wieder einmal zeigt sich klar und deutlich, wie der zweite Weltkrieg über Jahrzehnte hinweg das Leben der Nachfahren beeinflusst. Barbara überträgt ihre Unsicherheiten auf ihre Tochter Lisa, und wollte, dass aus Lisa eine begnadete Violonistin wird. Lisa lebt ständig in dem Gefühl, nicht zu genügen. Warum wertet ihre Mutter ihren Beruf als Musiklehrerin so ab? Sie zweifelt an sich und stellt ihr ganzes Leben infrage. 


Man sollte sich von dem blumigen Cover nicht täuschen lassen. Dahinter verbirgt sich eine sehr ernste Geschichte, die zwar im Sommermonat August spielt, aber sehr ernste Themen beinhaltet. Es geht um den mysteriösen Erwerb einer Geige und Lisas Familiengeschichte. Die Unsicherheiten einer Frau, deren Ursprung in der Vergangenheit liegt und ihr Leben stark beeinflusst.


Anfangs konnte ich Lisas negative Einstellung zum Leben nicht ganz nachvollziehen; was sich im Laufe der Geschichte jedoch änderte. Die Zeit ohne ihren Sohn war gut für ihre Selbstreflexion und die damit verbundenen Aktivitäten, die ihrem Leben eine positive Wende gaben. 

 

Fazit

Diese sommerliche Geschichte wirkte überwiegend melancholisch auf mich. Ein paar Szenen am See lockerten die Geschichte auf, und luden zum Träumen ein. 


Eine alte Geige 🎻 führt Menschen zusammen. Es ist nie zu spät, für eine neue Liebe und gute Freundschaften. Die Vergangenheit haben wir schon gelebt. Nur die Gegenwart können wir leben und beeinflussen. 


Von mir eine klare Empfehlung und vier Sterne. 


Danke Anne Stern 
133 reviews
March 12, 2025
Inhalt siehe Klappentext.
Ich habe schon einige Bücher von Anne Stern gelesen und gerade die Lichterfelde-Reihe gehört - ich mag den Schreibstil der Autorin, egal, ob es ein historischer Roman ist oder etwas Aktuelles, wie das neueste Buch „Wenn die Tage länger werden“. Der Titel ist mir in letzter Zeit öfter begegnet, das hauptsächlich grün gehaltene Titelbild mit der Frau, die auf dem Bauch auf der Wiese liegt und von Äpfeln umgeben ist, fällt einfach auf. Die Geschichte um die alleinerziehende Lisa Fischer, Musiklehrerin Ende 30 mit Fast-Schulkind Paul und kaum Verbindung zu ihrer Mutter Barbara, ist überfordert, weil sie nun 3 Wochen Ferien füllen und rumkriegen muss, idealerweise mit Familienforschung und der Bekanntschaft einiger Menschen, auf die Lisa sonst nicht zugegangen wäre, während Sohn Paul mit Vater Janusz nach Polen reist. Ich selbst hätte keine Probleme, 3 Wochen ohne meine Kinder/Familie „auszuhalten“, da würde mir genug einfallen. Mir tut es leid für Lisa, dass sie seit ihrer Kindheit keinen Draht und auch als Erwachsene kaum Kontakt zu ihrer Mutter hat, und wenn, dann hat diese bereits alles geplant und durchgetaktet und sieht zu, dass die Tochter, die offensichtlich nicht ganz ihren Erwartungen entspricht, bald wieder geht. Zur Musik und der Geige kann ich nichts sagen, da ich weder musikalisch bin, noch ein Instrument spiele. Den Einblick in Hans‘ Geigenbauerwerkstatt finde ich anschaulich beschrieben, der Mann lebt trotz seines hohen Alters für die Instrumente, das merkt man. Ihn interessiert die Geschichte um Lisas Geige, obwohl eine Reparatur vermutlich ausgereicht hätte. Aber so spüren sie in der Vergangenheit nach Geheimnissen, die, warum auch immer, nicht zur Sprache gebracht werden sollten. Barbara ist keine große Hilfe dabei, eher deren Nachbarin Ilse, obwohl sie das nicht tun müsste. Die Hilfe kommt von anderer, unerwarteter Seite und ich finde diesen Kontakt wirklich sympathisch.
Auf den ersten Blick ist Hans‘ Tochter Ute mürrisch, launisch, sicherlich nicht die erste Wahl als beste Freundin. Mag an ihrer Krankheit und der damit verbundenen Angst vor der Zukunft liegen, oder es ist einfach ihre Art. Ich finde, wenn man, in diesem Falle Lisa, sie etwas länger beobachtet, trifft, sich mit ihr unterhält, sofern sie denn etwas preisgeben will, könnte sie tatsächliche eine gute Gesprächspartnerin, Verbündete oder sogar Freundin werden - eine, die sich auf das Wesentliche beschränkt und nicht lange rumlabert, um es direkt auszudrücken. Die gemeinsamen Aktionen scheinen jedenfalls beiden Frauen gutzutun und lenkt beide vor der kommenden Zeit mit Ungewissheit und Angst ab.
Der Schauplatz Freiburg (und Umgebung) mit den Bächlein erinnert mich an einen schönen Urlaub im Schwarzwald, von dort haben wir einen Ausflug nach Freiburg unternommen. Bei uns waren die Rinnen voller Wasser, die Kinder haben, da waren sie noch klein, im Wasser rumgepanscht. Eine schöne Stadt, ich erinnere mich auch an ein ganz besonderes Spielzeuggeschäft, direkt daneben war ein Bach/Fluss mit „Krokodil“. Und auf dem Schauinsland waren wir natürlich auch. Schön, dass diese Orte in Lisas, Barbaras und Utes Geschichte einfließen.
Die Nazi-Vergangenheit von Lisas Großvater überschattet die Freude über die Geige, aber totschweigen bringt im Nachhinein auch nichts mehr (Barbara war da wohl anderer Meinung). Warum wirkt sie immer so kalt und gibt Lisa das Gefühl, nicht ausreichend zu sein? Ein klärendes Gespräch ist dringend nötig und ich finde sowohl die Entwicklung zwischen Tochter und Mutter ziemlich gelungen, wenn auch langsam und in kleinsten Schritten, als auch Lisas eigenes Leben, für das sie sich nach der Sommerpause entschieden hat. Ein flüssig zu lesender Roman mit schönen Momenten, traurigen Stellen, nachdenklichen Passagen, insgesamt sehr „rund“ und Kandidat für eine Leseempfehlung mit 5 Sternen.
Profile Image for j.and.the.boys .
104 reviews2 followers
March 24, 2025
. Suchst du nach einen Buch, dass dir das Gefühl eines warmen Sommerregens gibt? Ein Buch über die Reise einer Mutter zu sich selbst zurück? Dann ist „Wenn die Tage länger werden“ genau das Richtige für dich! 💚 5/5 ⭐️

. Aber worum geht es…
Lisa ist das erste Mal seit 6 Jahren alleine. Ihr Sohn fährt mit seinem Vater in den Sommerurlaub und Lisa somit hat Lisa ihre lang ersehnte Freiheit zumindest für eine kurze Zeit wieder zurück. Anfänglich ist sie etwas überfordert mit der Situation, findet sich aber schnell damit zurecht, geht auf eine Reise zu sich selbst zurück und macht eine für sie Bedeutende Entdeckung in ihrer Familiengeschichte.

. In „Wenn die Tage länger werden“ begleiten wir Lisa durch ihren Alltag, erst mit ihrem Sohn und dann ohne. Wir erleben, wie sie vor Probleme einer alleinerziehenden Mutter gestellt wird und wie gemein und falsch die Gesellschaftlich mit ihr umgeht, dazu zählt auch ihre Mutter. Auf sich alleine gestellt fängt Lisa wieder an, an sich selbst zu denken und nach sich selbst zu suchen… sie sucht die Lisa, die sie gerne sein möchte. Im Zuge dessen findet sie ihre alte Geige wieder und nach einem Besuch bei einem Geigenbauer werden Fragen aufgeworfen, die Lisa nun versucht zu beantworten. Sie lernt ihre Familiengeschichte genauer kennen und arbeiten daran eine bessere Beziehung zu ihrer Mutter aufzubauen. In ihren Sommerferien alleine lernt sie die Tochter des Geigenbauers besser kennen und es entsteht eine Freundschaft. Ute begleiten wir daraufhin auch in kurzen knackigen Kapiteln durch ihr Leben und lernen sie und ihre Krankheitsgeschichte kennen.
Es geht in diesem Roman nicht nur um die Gesellschaftliche Sicht auf alleinerziehende Frauen und die völlig fehlgeleiteten Erwartungen, sondern auch um die Suche einer Mutter nach Sich selbst in Folge ihrer völligen Verausgabung für Erziehung und Beruf. Neue Freundschaften werden entwickelt. Es entstehen neue Blickwinkel auf Lisa und Utes Leben. Vor allem in Lisa Leben gibt es zu Ende des Buches einige positive Veränderungen. Lisa kümmert sich wieder um sich und dies kann man nur als positive Veränderung werten, denn viel zu viele Mamis vergessen die Selbstfürsorge, vor allem wenn man viel auf sich alleine gestellt ist, dabei ist die Selbstfürsorge so wichtig!
Durch den Aspekte des Geige entsteht eine unerwartet Spannung und ich war sehr Neugierig darauf, wie die Stern das Geheimnis um die Geige löst.
Im Laufe dessen wird das Thema des Nationalsozialismus aufgegriffen und aufgearbeitet.
Und auch durch diese Thema regt der Roman zum nachdenken an.
Der Schreibstil von Stern ist modern, locker und flüssig. Sie schreibt sehr Bildhaft und ich war direkt von der Atmosphäre des Buches gefangen!
Das Cover im Vincent van Gogh- Stil finde ich auch sehr gelungen! Es spiegelt ebenso die Atmosphäre de Buches wieder.
„Wenn die Tage länger werden“ hat alles was ein guter Roman haben muss und ich kann sehr empfehlen!
Im Nachhinein hätte ich ihn am liebsten an warmen Sommerabenden in einer Hängematte gelesen.
Profile Image for ines.
73 reviews
March 20, 2025
Die Sommerferien brechen an und vor Lisa, die als Lehrerin arbeitet, liegen 3 Wochen, in denen sie nur für sich ist — zum ersten Mal seit der Geburt ihres Sohnes. Dieser verbringt die Zeit bei seinem Vater; eine völlig neue Erfahrung für Lisa und umso verlorener ist sie im ersten Moment und sie fragt sich, wie sie die Tage und Wochen ohne ihren Sohn füllen soll. Sie entscheidet sich dazu, ihre frühere Leidenschaft, das Geigespielen, wieder auflebenzulassen. Ihre Geige, ein Erbstück ihres Großvaters, ist der Start einer Reise in die Abgründe ihrer Familiengeschichte, die geprägt ist von Geheimnissen rund um den zweiten Weltkrieg, über die viel zu lange geschwiegen wurde.

Der Roman behandelt so viele wichtige und große Themen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Zum einen ist ganz zentral das Thema Mutterschaft und welche Kraft es erfordert, welche Opfer gebracht werden. Lisa liebt ihren Sohn über alles, daran lässt die Autorin keinen Zweifel, trotzdem fragt Lisa sich „Was wäre wenn?“ und wer ist sie überhaupt noch außerhalb ihrer Rolle als Mutter? Auch die Rolle des meist abwesenden Kindsvaters wird sehr interessant thematisiert und hat Fragen aufgeworfen und mir völlig neue Sichtweisen eröffnet. Außerdem zieht sich die schwierige Beziehung von Lisa und ihrer eigenen Mutter durch den Roman und ich wollte Lisas Mutter manchmal wirklich einfach von ihren schlimmen Glaubenssätzen wachrütteln. 🥲 Zum anderen liegt ein großer Fokus auf dem historischen Aspekt und welche Laster über Generationen weitergetragen werden und auch die Scham, die sich dahinter verbirgt.

Doch so bedrückend das auch klingt, es gibt definitiv auch viele herzerwärmende Aspekte an diesem Buch. Sehr wholesome war beispielsweise die Beziehung zwischen Lisa und der zweiten Hauptfigur Ute. Sie ist die Tochter des Geigenrestaurators, dem Lisa ihre Geige anvertraut. Zwischen den beiden entwickelt sich eine besondere Freundschaft, die unerwartet kommt, aber die beide irgendwie auch einfach brauchen. ❤️‍🩹

Trotz seiner teils düsteren Themen ist dieser Roman ein richtiges Wohlfühlbuch für mich. In erster Linie wegen seiner wirklich schönen Sprache, die das Gefühl von Sommer in jeder Zeile transportiert (vor allem in den Szenen, die Lisa und Ute auf Utes Hof verbringen), aber auch wegen seiner Hauptcharaktere, die trotz ihrer Eigenheiten so liebenswürdig sind, dass ich sie am liebsten noch viele weitere Seiten begleiten wollte!

Für mich war der Roman wirklich ein tolles Leseerlebnis und er hat mir diese regnerischen und kalten Märztage versüßt. 🌼
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April 22, 2025
Starker Start, dann driftet der Roman zu sehr ab

Anne Sterns Roman „Wenn die Tage länger werden“ beginnt als intensive Innenschau einer Frau am Rande ihrer Kräfte. Lisa, eine alleinerziehende Musiklehrerin, jongliert zwischen Schulalltag und der Erziehung ihres Sohnes – eine Aufgabe, die ihr kaum Raum für eigene Bedürfnisse lässt. In kurzen, prägnanten Aussagesätzen zeichnet Stern das Porträt einer Frau, die sich selbst über Jahre hinweg vergessen hat – mitsamt ihren Träumen, insbesondere jenem, eine professionelle Violinistin zu werden.
Diese bedrückende, aber überaus realistische Darstellung weiblicher Selbstaufopferung ist das große Pfund des Romans – zumindest in seiner ersten Hälfte. Stern gelingt es, mit hoher Sensibilität und sprachlicher Klarheit die erschöpfte Lebensrealität vieler Frauen einzufangen, ohne ins Klagende abzudriften.
Doch mit Beginn der Sommerferien erfährt die Erzählung eine abrupte Wende: Lisa gibt ihren Sohn für einige Wochen in die Obhut seines Vaters und gewinnt dadurch zum ersten Mal seit Jahren Zeit für sich selbst. Als sie ihre geerbte Geige zur Reparatur bringt, öffnet sich nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein historisches Fenster. Der Roman wechselt nun in eine Spurensuche, die über die Geschichte der Geige zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs führt.
Diese zweite Hälfte wirkt jedoch weniger kohärent. Der Fokus verlagert sich von Lisas emotionaler Innenwelt zu einer losen und stellenweise konstruiert wirkenden Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Die Verbindungen zwischen Lisa, der Geige und deren Geschichte erscheinen oft zufällig und lassen den sorgfältigen Aufbau der ersten Kapitel seltsam wirkungslos, wenn gar überflüssig erscheinen. Fragen nach Identität, Verantwortung und persönlicher Entwicklung werden zugunsten eines zunehmend unterhaltungsorientierten Plots nur oberflächlich gestreift.
Was als vielversprechende Reflexion über moderne Mutterschaft und weibliche Selbstverwirklichung beginnt, verliert sich zunehmend in einer etwas beliebig wirkenden Vergangenheitsgeschichte. Die Tiefe des Auftakts wird nicht gehalten, die Themen der Überforderung und Selbstfindung weichen einer Story, die mehr auf Spannung als auf Relevanz setzt.
Als reiner Unterhaltungsroman erfüllt „Wenn die Tage länger werden“ seine Funktion – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenngleich der Anfang deutlich mehr versprach.
Profile Image for Winniehex.
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June 7, 2025
Anne Stern hat mich wieder einmal tief bewegt. Es ist faszinierend, wie sie es schafft, mit leisen Tönen so viel auszulösen. „Wenn die Tage länger werden“ ist kein lautes Buch – aber eines, das lange in einem nachklingt.

Im Zentrum steht Lisa, eine Frau Anfang vierzig, allein mit sich – und plötzlich ganz ohne Kind. Zum ersten Mal seit Jahren hat sie drei Wochen für sich. Was zunächst wie ein Versprechen klingt, fühlt sich an wie ein Schock. Wer ist sie eigentlich, wenn niemand etwas von ihr braucht? Wenn keine To-do-Listen den Tag strukturieren?

Ich mochte besonders, wie ungeschönt Anne Stern diese Zeit der Neuorientierung beschreibt. Lisa ist keine Heldin, sie ist müde, voller Zweifel, verletzlich. Und gerade deshalb wirkt sie so echt. Ihre Gedanken kreisen um das Muttersein, um all das, was verloren gegangen ist – und vielleicht wiedergefunden werden kann.

Durch Zufall landet sie mit ihrer kaputten Geige auf einem Obsthof, begegnet dort Ute, einer Frau mit schroffen Kanten, einer eigenen Geschichte – und einer begrenzten Zukunft. Zwischen beiden Frauen entsteht ein ganz eigener, stiller Kontakt. Keine großen Gesten, keine dramatischen Geständnisse – aber ein echtes Miteinander, das beide verändert.

Mich hat diese zarte Annäherung sehr berührt. Zwei Frauen, die einander nichts schuldig sind, sich aber trotzdem Raum geben – das ist selten, in der Literatur wie im Leben.

Dass dabei auch noch eine verschüttete Familiengeschichte aufbricht, macht den Roman vielschichtig, ohne ihn zu überfrachten. Die alten Fotos, die Geige, die Rolle von Lisas Großvater im Zweiten Weltkrieg – all das flicht sich ganz natürlich in die Handlung ein. Nichts wirkt konstruiert, alles ergibt sich aus den Figuren heraus.

Was ich an Anne Stern so schätze: Sie schreibt klug, aber nicht verkopft. Warm, aber nicht süßlich. Ihre Sprache ist fein und klar, oft poetisch, aber nie kitschig. Und sie beobachtet sehr genau, vor allem die leisen Konflikte – zwischen Müttern und Töchtern, zwischen Erwartung und Wirklichkeit, zwischen Pflicht und Selbstfürsorge.

Für mich war dieses Buch eine Erinnerung daran, wie schwer es sein kann, sich selbst wiederzufinden – und wie viel Mut es kostet, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben.

Anne Stern erzählt davon mit so viel Empathie, Tiefe und Zartheit, dass ich wieder einmal dankbar bin, ihre Geschichten lesen zu dürfen.
212 reviews
March 23, 2025
schöne Geschichte mit sehr bildhaftem Schreibstil


" Wenn die Tage länger werden" war das erste Buch das ich von dieser Autorin gelesen habe und es hat mir sehr gut gefallen.

Lisa , die Protagonistin dieses Romans ist alleinerziehende Mutter . Das erste Mal seit der Geburt ihres Sohnes ist sie ohne ihn. Paul verbringt die Sommerferien mit seinem Vater und den Großeltern in Polen am Meer und Lisa fühlt sich etwas verloren ohne ihren Sohn. Noch nie war sie so lange ohne ihn und vor allem hatte sie seit der Geburt von Paul soviel Zeit für sich. Sie fragt sich, wie sie diese Leere füllen soll.

Da fällt ihr ihre alte Geige ein und ihre Liebe zur Musik. Die Geige hat sie von ihrer Mutter geschenkt bekommen, die Lisa gerne als Violinistin in einem Orchester gesehen hätte, als als Musiklehrerin, was sie ihr auch immer wieder vorwirft. Sowieso ist das Verhältnis zu ihrer Mutter sehr schwierig. Nichts kann Lisa ihr Recht machen und alle FRagen zu ihrem Großvater, der bei der Waffen SS war und dem die Geige gehörte, verlaufen ins Leere.

Doch Lisa nimmt sich vor wieder mit dem Geigenspiel anzufangen und so bringt sie ihre Geige zu einem Geigenbauern, der sie restaurieren soll. Dort lernt sie nicht nur Ute kennen, sondern erfährt , dass ihre Geige früher einem jüdischer Händler gehörte.
Se setzt alles daran die Herkunft der Geige zu klären.

Ich muss sagen, dass ich dieses Buch sehr gerne gelesen habe, auch weil es einen wunderschönen , bildhaften Schreibstil hat, der das Lesen zu einem Vergnügen werden ließ. Auch die Geschichte als solches war interessant, allerdings fand ich, dass doch etwas zu viel in diese Geschichte hineingepackt wurde zu Lasten einzelner Themen. Die Freundschaft zwischen Ute und Lisa kam mir etwas zu kurz und auch die Geschichte der Geige hätte etwas mehr ausformuliert werden können. Das Thema ist einfach zu wichtig.

Die Thema des Mutterseins und Lisas Zweifeln damit, war zwar interessant, aber wurde genauso wie alles andere nur oberflächlich berührt.

Alles in allem ist es aber ein Buch das ich gerne empfehle, weil es lohnt gelesen zu werden.
12 reviews
March 13, 2025
Ein Sommer zum Eintauchen

"Wenn die Tage länger werden" heißt der neue Roman von Anne Stern. Bisher habe ich von der Autorin nur historische Romane gelesen und konnte immer gut in ihre Geschichten eintauchen. Dieses Buch spielt nun in der Gegenwart, wenn auch mit historischen Bezügen. Und auch das gelingt Anne Stern wieder sehr gut.

Cover und Klappentext lassen auf ein leichtes Sommerbuch schließen. Und durch die bildhafte Sprache, riecht und spürt man die warmen Sommertage regelrecht. Diese Atmosphäre geht auch nicht verloren, wenn die ernsten Themen Einzug halten.

Die alleinerziehende Lehrerin Lisa ist zum ersten Mal für einige Wochen von ihrem Sohn Paul getrennt und schaut gar nicht zuversichtlich auf die vor ihr liegenden Sommerferien allein. Als sie ihre alte Geige zu Restaurator Hans bringt, begegnet sie seiner Tochter Ute, einer eigenbrötlerischen Obstbäuerin. Hans bringt sie auf die Spur eines dunklen Geheimnisses.

Während Ute und Hans mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen haben, beginnt Lisa sich einerseits mit ihrer Mutterrolle und gleichzeitig ihrer Familiengeschichte und der Beziehung zu ihrer eigenen Mutter auseinanderzusetzen. Vieles liegt unausgesprochen zwischen den beiden.

Anne Stern schreibt einerseits über die Rolle der Frauen in einer Familie und der Gesellschaft, anderseits über die Abgründe und Geheimnisse, die Familien über Generationen hinweg begleitet haben und es immer noch tun. "Heute spricht man sehr wohl darüber" sagt Lisa an einer Stelle. Und genauso ist es. Viel mehr sollten wir noch über die Vergangenheit unserer Familien sprechen, über Schuld und Verantwortung, über Verletzungen und Traumata.

Ich hätte gern noch mehr über die Figuren gelesen, wäre gern noch tiefer eingetaucht - gleichzeitig bleibt so auch noch Platz für eigene Gedanken und vielleicht auch einen Blick in die eigene Vergangenheit.

Und wenn die Tage länger werden... kann man dieses Buch auch in der Sonne in einem Rutsch durchlesen.
37 reviews
March 17, 2025
Ein anrührender Roman

Anne Sterns Roman hat mich wirklich berührt und ist eine klare Empfehlung als Sommerlektüre. Wer aber nicht grüblerisch veranlagt ist und selbstbewusst im Hier und Jetzt lebt, für den mag das Gedankenkarussell der Protagonistinnen zu viel Platz einnehmen. Im Roman kreuzt sich der Weg zweier Frauen, welche sich beide nicht als sonderlich selbstwirksam einschätzen und anfangs eine wenig optimistische Lebenseinstellung besitzen. Eine Protagonistin ist Lisa, Ende 30, Musiklehrerin und alleinerziehende Mutter, die zum ersten Mal seit Jahren drei Wochen Sommerferien ohne ihren sechsjährigen Sohn verbringt. Sie ist geprägt von einer als bedrückend wahrgenommenen Kindheit, hervorgerufen durch eine dominante Mutter, deren Erwartungen die Tochter nie gerecht werden konnte, was sie sehr unsicher auftreten lässt. Ist Kümmern gleichzusetzen mit Lieben? Diese Frage stellt man sich unwillkürlich.
Bei einer Fahrt zu einem Geigenbauer im Freiburger Umland lernt sie die 55-jährige Obstbäuerin Ute kennen. Ute fühlt sich in einer Sackgasse. Ihr Leben hat sie der Aufrechterhaltung des elterlichen Bauernhofes untergeordnet. Nun steht sie kurz vor einer schwierigen medizinischen Diagnose, ihre Zukunft und die ihres Vaters, einem gelernten Geigenbauer, ist ungewiss. In der Begegnung erfahren die beiden Frauen, welche Stärke eigentlich in ihnen wohnt.
Darüber hinaus gibt es einen weiteren Handlungsstrang, denn hinter Lisas Geige, ein Familienerbstück, die sie dem Geigenbauer zur Reparatur überlässt, verbirgt sich ein Geheimnis, welches bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurückreicht.
Obwohl beide Frauen in ihren Erzähleinheiten oft mit ihrer Vergangenheit hadern, empfand ich das Anhören nicht anstrengend oder ermüdend. Denn vieles ist das Produkt einer konservativ und patriarchalisch geprägten Gesellschaft. Zudem verfällt die Sprecherin Jana Kozewa nie in einen Jammerton, sondern wirkt frisch und klar. Das Buchcover erinnert mich in der Darstellung eher an einen Roman, der in den 60er Jahren spielt, tatsächlich spielt er aber in der aktuellen Zeit.

Profile Image for Christiane Fischer.
516 reviews6 followers
May 3, 2025
WENN DIE TAGE LÄNGER WERDEN
Anne Stern

Drei lange Wochen liegen vor Lisa. Ihr sechsjähriger Sohn Paul reist mit seinem Vater zu den Großeltern nach Polen – und Lisa bleibt allein zurück. Ohne Freundeskreis oder feste soziale Kontakte weiß sie wenig mit sich anzufangen. Auch das Verhältnis zu ihrer Mutter Barbara ist seit jeher schwierig: Schon als Kind wurde Lisa mit Schweigen und Unverständnis konfrontiert. Fragen blieben unbeantwortet, ein unsichtbarer Schleier hing stets zwischen ihnen.

Gefördert wurde Lisa dennoch – musikalisch. Klavier- und Geigenstunden bestimmten ihre Kindheit. Als talentierte Geigerin gewann sie Wettbewerbe und wurde früh von der Jugendförderung entdeckt. Ihr musikalisches Talent, so hieß es, habe sie vom Großvater geerbt – ebenso wie seine Geige. Doch ihn lernte sie nie kennen. Nur ein altes Foto blieb: ein Bild, das ihn in SS-Uniform zeigt.

Lisas Wunsch, mit ihrer Mutter über dessen Vergangenheit zu sprechen, wurde stets abgeblockt.

Nach Pauls Abreise nimmt Lisa die alte, verstaubte Geige wieder zur Hand – zum ersten Mal seit ihrer Pubertät, als sie das Instrument enttäuscht und trotzig verbannt hatte. Doch die Geige ist beschädigt. Auf der Suche nach einer Reparatur stößt sie auf einen Geigenbauer – und mit ihm auf eine Wahrheit, die sie tief in die Vergangenheit führt. In eine Zeit, die mit Schuld, Verlust und verdrängten Geschichten verknüpft ist.

Was als leise, zarte Geschichte beginnt, entwickelt sich zu einem bewegenden Roman über Identität, familiäre Prägung und die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte. Gemeinsam mit @filipine gelesen, konnten wir das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Besonders beeindruckt hat mich der poetische, bildhafte Stil, der nicht nur die Natur, sondern auch die inneren Welten der Figuren eindrucksvoll beschreibt.

Ein stilles, tiefgründiges Buch über das Suchen und Verstehen – und über die Zwangsverkäufe jüdischen Eigentums in der NS-Zeit.

Für alle, die literarisch ruhige, aber inhaltlich kraftvolle Geschichten mögen, eine klare Empfehlung.
4½/5
Profile Image for Joanna.
13 reviews
Read
March 19, 2025
Anne Sterns Roman Wenn die Tage länger werden ist eine feinfühlige Geschichte über Selbstfindung, Freiheit und die Herausforderungen des Mutterseins. Das Buch begleitet Lisa, eine alleinerziehende Mutter, die zum ersten Mal seit Jahren wieder Zeit für sich selbst hat. In dieser neu gewonnenen Unabhängigkeit stellt sie sich großen Fragen: Wer ist sie jenseits der Mutterrolle? Welche Träume hat sie aufgegeben?

Das Cover des Buches ist ansprechend gestaltet – es strahlt eine gewisse Melancholie, aber auch Wärme aus, was gut zur Geschichte passt. Die ruhigen Farben und die sanfte Bildsprache fangen die Atmosphäre des Buches schön ein.

Anne Sterns Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Sie beschreibt die Emotionen ihrer Figuren sehr einfühlsam und schafft es, viele Gedanken und Erfahrungen einzufangen, die Frauen nachempfinden können. Besonders beeindruckend ist, wie authentisch sie die innere Zerrissenheit und das Streben nach Selbstbestimmung schildert. Allerdings entwickelt sich die Handlung eher langsam. Während das für manche Leserinnen eine wunderbare, entschleunigende Leseerfahrung bedeutet, könnte es für andere stellenweise etwas langatmig wirken.

Die Charaktere sind glaubwürdig und nahbar. Besonders Lisa ist eine Figur, mit der sich viele Frauen identifizieren können – sei es durch ihre Ängste, ihre Sehnsüchte oder ihre Unsicherheiten. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ist nachvollziehbar und berührend.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Ich habe mich in vielen Momenten verstanden gefühlt und fand die Thematik sehr relevant. Wer eine tiefgründige, ruhige Geschichte über Selbstfindung und weibliche Identität sucht, wird mit diesem Buch sicherlich glücklich. Wer allerdings auf eine schnelle, spannende Handlung hofft, könnte es als zu gemächlich empfinden.
Profile Image for Rosetheline.
134 reviews13 followers
April 11, 2025
Sommerroman mit schöner Sprache

In dem Roman "Wenn die Tage länger werden" von Anne Stern geht es um Lisa Fischer, Musiklehrerin und alleinerziehende Mutter eines sechsjährigen Sohnes. Zum ersten Mal seit der Geburt ihres Kindes hat sie einen ganzen Sommer für sich allein, denn ihr Ex-Lebensgefährte, Janusz, nimmt den Sohn mit in den Urlaub nach Polen an die Ostsee.
Planlos lebt Lisa anfangs in den Tag hinein, bis sie irgendwann die Idee hat auf ihrer alten Geige, die sie von ihrem Vater bekommen hat, zu spielen. Da diese aber nicht mehr ganz intakt ist, fährt sie zu dem Geigenbauer Hans, der mit seiner Tochter Ute abseits der Stadt lebt. Durch ihn entdeckt sie, dass ihre Geige tiefe Geheimnisse mit sich trägt.

Stern hat einen Roman geschaffen, der wirklich schön geschrieben ist. Die bildhafte und poetische Sprache hat mir gut gefallen. Auch die Beschreibungen rund um und in Freiburg und den Titisee haben mich in Erinnerung an einen zurückliegenden Urlaub in dieser Gegend schwelgen lassen. Im Roman finden sich viele Themen, wie z.B. die Rolle der Frau und damit einhergehend eine alleinerziehende Mutter zu sein, aber auch eine schwierige Beziehung zur Mutter zu haben, sowie die Rolle des Mannes (als Vater), aber auch die eigene Familiengeschichte zu recherchieren und zu hinterfragen.
Da einige dieser Themen relativ komplex sind, wurden sie manchmal nicht ganz so tief ausgearbeitet und haben dadurch nicht die Tiefe bekommen, die sie verdient hätten. Einige Handlungen waren zudem vorhersehbar und hangelten in der Mitte von Normalität und Kitsch.

Zusammenfassend hat mir "Wenn die Tage länger werden" aber gut gefallen und ist ein guter Sommerroman bei dem ich auch noch etwas dazulernen durfte.
Daher vergebe ich 3,75 Sterne.
Profile Image for Ancla Müller.
848 reviews5 followers
May 20, 2025
Ein Sommer voller Möglichkeiten: tiefgründig

**** Worum geht es? ****
Für Lisa ist es seit Langem der erste Sommer ohne ihren Sohn. Ihre Geige soll sie in dieser neu gewonnenen Freiheit begleiten – doch anstatt Ruhe zu finden, wird Lisa von Selbstzweifeln geplagt. Wer ist sie, außer Mutter? Und dann wirft auch noch ihr liebstes Instrument große Fragen auf. Ein Sommer, der verändert.

**** Mein Eindruck ****
Anne Stern hat für mich einen ganz besonderen Schreibstil – auch diesmal hat er mich sofort in die Geschichte ihrer Figuren gezogen und sie zum Leben erweckt. Ihre Fähigkeit, die Umgebung eindrucksvoll zu beschreiben und das Innere der Figuren nach außen zu kehren, ist für mich einzigartig. Die Erzählung aus der Sicht dreier ungleicher Frauen ist einfühlsam, die Übergänge zwischen ihren Perspektiven sind fließend, und ihre Schicksale berühren von Anfang an. Ich hatte Mitgefühl – und zugleich das Gefühl, das echte Leben zu spüren. In den verschiedenen Figuren erkannte ich auch die Merkmale wieder, die durch Generationen geprägt sind. Trotz ihrer Unterschiede gelingt es der Autorin, Charaktere zu erschaffen, die mir vertraut und nah erschienen. Ich gewann neue Perspektiven und habe ihren Erfahrungen in diesem Sommer mit besonderer Neugier gelauscht. Die Geige spielt dabei eine besondere und zugleich sehr interessante Rolle. Ich muss jedoch gestehen, dass gegen Ende für mich etwas die Spannung nachließ. Ein klarerer Fokus hätte der Geschichte gutgetan – und trotzdem ist es eine wundersame und bewegende Erzählung.

**** Empfehlung? ****
Für Leser*innen, die einen Perspektivwechsel suchen und in der Wärme des Sommers aufblühen möchten. Bewegend und mit Bedacht erzählt.
Profile Image for Fruggielicious .
644 reviews4 followers
May 19, 2025
3,5/5⭐️

Wenn die Tage länger werden von Anne Stern / Rezension

Das war ein sehr schönes und auch wichtiges Buch, an das ich aber mit völlig falschen Erwartungen herangegangen bin.

Wirklich wie man es macht, es ist immer verkehrt 😅. Lese ich den Klappentext konzentriert und mit allen Details, dann fühle ich mich gespoilert 😂. Lese ich den Klappentext nur grob und male mir selbst etwas aus, dann bin ich enttäuscht. Ich muss echt mal klar kommen.

Jedenfalls geht’s darum in „Wenn die Tage länger werden“:

Lisa verbringt den Sommer zum ersten Mal allein, weil ihr Sohn Paul mit dem Papa in dessen Heimat Polen fährt. Zwischen Schuldgefühlen und dem Wunsch, wieder mehr für sich zu tun, beschließt sie ihre alte Geige zu restaurieren und lernt so die schwerkranke Ute und deren Vater Hans kennen. Gemeinsame dunkle Familiengeheimnisse werden nach und nach aufgedeckt.

Das war mein erstes Buch der Autorin und der Schreibstil hatte mich sofort für sich eingenommen. Bei den ersten Kapiteln dachte ich noch, wow, das ist ein totales Highlight, richtig sommerlich und frisch und auch echt interessant von den Themen her.

Ich bin ehrlich, das hat sich im Verlauf der Geschichte dann geändert. Das Thema, das nachher im Vordergrund steht, ist sehr sehr wichtig und ich lese da hin und wieder auch Bücher drüber. Hier habe ich einfach nicht damit gerechnet und die Lektüre war mir etwas zu düster und zu schwer. Die Sache mit der Geige wurde auch sehr in die Länge gezogen.

Ich hatte mir Lisas Sommer etwas anders ausgemalt, aber insgesamt war es auf jeden Fall ein gutes und lesenswertes Buch.

Macht Euch gern ein eigenes Bild!

3,5/5⭐️⭐️⭐️
Profile Image for Wolf Macbeth.
172 reviews
August 5, 2025
GLATTE GESCHICHTE OHNE ECKEN UND KANTEN

„Wenn die Tage länger werden“ von Anne Stern hatte ich gelesen, weil mich „Meine Freundin Lotte„ positiv überrascht hatte – nicht unbedingt sprachlich, aber in der Art des Erzählens. Dieses Mal blieb die Wirkung jedoch aus. Zwar greift der Roman Themen auf, die großes literarisches Potenzial bergen – eine geheimnisvolle Geige aus Familienbesitz, Spuren von NS-Raubkunst, verschüttete Familiengeschichten – doch die Umsetzung bleibt auffallend seicht.

Es gibt immer wieder Gedankenstränge zu Mutter, Vater und der Vergangenheit, zu Schuld und Schweigen, doch sie werden so glatt und gefällig erzählt, dass sich kaum Reibung oder Tiefe entwickeln kann. Alles fließt leicht dahin, ohne Brüche, ohne Widerhaken, fast wie eine Sommergeschichte zum Wohlfühlen – auch wenn es um ernste Dinge geht. Gerade dieser Kontrast hat mich gestört: Aus Stoffen, die literarisch herausfordern könnten, wird hier eine sanft ausgeleuchtete, harmonische Erzählung.

Die kurzen Liebes- und Begegnungsszenen mit Männern – zwar nur zwei, aber dafür umso kitschiger – wirken wie aufgesetzte Episoden, die nichts zum Kern der Geschichte beitragen. Sie verstärken eher den Gesamteindruck einer Erzählung, in der selbst potenziell schmerzvolle Momente weichgezeichnet werden.

So entsteht ein Buch, das manchen Leser*innen sicher genau das bietet, was sie suchen: eine geschmeidig erzählte, positiv gefärbte Geschichte. Für mich aber fehlte die literarische Tiefe, die aus diesen Themen mehr gemacht hätte – nicht mein Geschmack.


📚 Weitere Rezensionen auf Deutsch findest du auf meinem Goodreads- und LovelyBooks-Profil
Profile Image for Astrid.
307 reviews1 follower
March 23, 2025
Sechs Wochen im Sommer
Das Cover ist ist wie ein Gemälde gestaltet und vermittelt schon ein Gefühl von Sommer, aber auch die leichte Melancholie, die dieses Buch begleitet.
Es ist die Geschichte von Lisa, Alleinerziehend, Lehrerin, die zum ersten Mal wieder Zeit für sich hat. Ihr Sohn ist mit seinem Vater in Urlaub gefahren.
Lisa ist in den ersten Tagen mit der Situation überfordert. Wie soll sie die Leere am Tag füllen und wer ist sie, abseits von der Mutterrolle?
Das Buch beschäftigt sich aber noch mit anderen Themen.
Lisa holt ihre Geige wieder hervor und beginnt hier eine Reise in die Vergangenheit der Familie. Der frühe Tod des Vaters, dessen Hergang nie ganz geklärt wurde. Das schwierige Verhältnis zur Mutter, die selbst mit ihrer Vergangenheit kämpft. Die Geige ist ein Symbol für die Ereignisse während des Naziregimes und die Konsequenzen, die bis in die Gegenwart reichen. Geheimnisse in der Familie, über die man bis heute aus Scham nicht gerne spricht.
Ein sehr schöner Aspekt in dem Buch ist die ungewöhnliche Freundschaft zwischen den Frauen Ute und Lisa, die sehr unterschiedlich sind, aber einander genau im richtigen Moment ihres Lebens begegnen.
Der Schreibstil von Anne Stern ist sehr bildhaft und kreiert genau die Atmosphäre, die die Themen dieses Buches brauchen.
Obwohl es viele Themen sind, die hier aufgegriffen werden, hat man trotzdem nicht das Gefühl der Überfrachtung. Wer leise, melancholisch Geschichten mag, die auch zum Nachdenken anregen, dem kann ich dieses Buch gerne empfehlen.
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