"GESUCHT!
VON DER ISTHMISCHEN KANALKOMMISSION
4000 tüchtige Arbeitskräfte für Panama.
2-Jahres-Vertrag.
Kostenlose Fahrt in die Kanalzone und zurück.
Kostenlose Unterkunft und medizinische Versorgung.
Arbeit im Paradies!"
Als die USA um 1900 ins mittelamerikanische Panama einmarschierten und für dessen Unabhängigkeit von Kolumbien sorgten, wurde ein riesiges Kanalbauprojekt neu angestoßen: Der Bau des Panamakanals, 82 km lang und eine Verbindung zwischen dem Atlantik und Pazifik für die Schifffahrt. Dem obigen Aufruf folgten viele Menschen, darunter auch die junge Ada von der Insel Barbados, die unbedingt Geld für eine dringend notwendige Lungenoperation ihrer Schwester auftreiben muss, und Omar, für den der Kanalbau ein Stück Unabhängigkeit von seinem Vater bedeutet, der Omar am liebsten als Fischer sehen würde. Aber nicht nur Arbeiter*innen kommen nach Panama, auch Forschende wie John Oswald oder den Arzt Pierre zieht es zum Kanalbau, denn Malaria und Gelbfieber grassieren in der Gegend.
Am Ende überschneiden sich alle Lebenswege der verschiedenen Protagonist*innen für eine kurze Zeit in Christina Henríquez Roman "Der große Riss", der vor allem die Rolle der Frauen und Unterdrückten beim Bau des Panamakanals beleuchtet. Denn nicht nur durch Panama zieht sich ein Riss, auch die Bevölkerung ist gespalten in "Gold" und "Silber", reich und arm, weiß und Schwarz. Ich habe noch nie ein Buch über die Entstehung des Panamakanals gelesen oder mich näher mit dem Thema beschäftigt, weshalb mich Henríquez Roman sehr interessiert hat. Ich finde, die Autorin hat die schlechten Arbeitsbedingungen der Kanalarbeiter*innen und die gesellschaftlichen Missklänge in Panama auch sehr gut heraus gearbeitet, allerdings fehlte es mir im Buch doch an einer wirklich mitreißenden Geschichte oder Protagonist*innen, die mich nachhaltig berühren. Henríquez bemüht sich zwar um interessante, unabhängige Figuren, letztlich blieb das gesamte Personal im Buch aber trotzdem blass. Die im Klappentext versprochene "Liebesgeschichte" ist erst auf den letzten Seiten des Romans präsent und kommt nie richtig in Fahrt, der Versuch einer übernatürlichen Komponente in der Kennenlerngeschichte zwischen Omars Eltern scheiterte für mich. "Der große Riss" hatte damit in meinen Augen viel Potential, schöpft dieses im Hinblick auf die historischen Hintergründe auch gut aus, ansonsten mangelt es aber an der Vielschichtigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen und einer packenden Story. Wer sich für den Bau des Panamakanals im speziellen begeistert, kann diesem Buch vielleicht trotzdem etwas mehr als ich abgewinnen. Schön fand ich bei der Ausgabe der Büchergilde den Schutzumschlag, der aufgefaltet den gesamten Panamakanal abbildet - wieder einmal eine äußerst raffinierte und passende Buchgestaltung!
Übersetzt von Maximilian Murmann.