1946: Als die junge Isla ihrem Bekannten, dem Kunsthändler Jerome Flythe, ein Gemälde aus dem Besitz ihrer Familie anbietet, hat sie keine andere Wahl. Ihr hoch verschuldeter Ehemann gilt als verschollen, seine Gläubiger verfolgen sie. Sie ahnt nicht, dass das Bild eine Fälschung ist und dass Jerome es nur kauft, weil er sie seit der ersten Begegnung liebt. Noch weniger kann sie ahnen, dass es 60 Jahre später einer jungen Frau den Weg zu ihren Wurzeln weisen soll.
Aus beruflichen Gründen reist Georgia von Paris nach London. Hier wird sie aufmerksam auf eine Anzeige in einer Zeitung, in der nach einem bestimmten Gemälde gesucht wird. Dieses Gemälde ist Georgia gut bekannt, denn es ist in ihrem Besitz und hat zuvor ihrer Mutter gehört, der es sehr viel bedeutet hat. Georgia sucht den Kunstsammler auf und erfährt von ihm eine Geschichte, die Georgia in ihren Bann zieht. * Mein Leseeindruck: Obwohl schon einige Bücher der Autorin in meinem Regal stehen, ist "Das Haus ihrer Kindheit" doch das erste Buch von Katja Maybach, das ich gelesen habe. Das Buch beinhaltet eigentlich zwei Geschichten, nämlich einmal die von Georgia in der Gegenwart und einmal die Geschichte von Isla, die in den 1940er Jahren spielt. Beide Frauenschicksale sind miteinander verknüpft, und mit jeder Seite erfährt der Leser ein wenig mehr von den Zusammenhängen. Mir persönlich hat die Geschichte von Isla ein wenig besser gefallen. Islas Schicksal ist sehr bewegend und aufwühlend und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Doch auch die Geschichte von Georgia ist durchaus fesselnd. Es ist faszinierend, wie sich mit der Zeit ein bisher lang gehütetes Geheimnis endlich lüftet. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm, leicht und unkompliziert, so dass sich das Buch recht flüssig lesen lässt. Mir hat es sehr gefallen, und nun freue ich mich darüber, dass ich noch weitere Bücher der Autorin in meinem Regal habe und somit bald lesen kann.
Liest man den Klappentext, könnte man meinen, es handelt es sich bei diesem Roman um eine reine Liebesgeschichte – doch weit gefehlt, das ist es nicht. Dieses Buch ist viel tiefgründiger und viele Themen werden angeschnitten - es geht um Liebe und Hasss, um die Macht der Familie – im Guten wie im Bösen -, um Freundschaft und Loyalität. Katja Maybach versteht es, Geschichten auf mehreren Zeitebenen zu spinnen und diese geschickt miteinander zu verknüpfen – und so ist es auch bei dieser. Weiß man zunächst nicht, wie die Fäden der verschiedenen Erzählstränge zusammenlaufen sollen, entwirren sich nach und nach die Fäden und geben am Schluss ein großes Ganzes. Im Jahr 2001 ist Georgia die Protagonistin – sie erbt ein altes Bild, über das sie Nachforschungen anstellt und dabei an den Kunsthändler Alistair Flythe gerät. Dieser kann ihr zu dem angebotenen Bild eine lange Geschichte erzählen – in den 40er Jahren nämlich hat sich die junge Isla mit eben diesem Bild an ihn gewandt. Ihr Ehemann ist verschollen und hat sie mit einem Berg Schulden und wütenden Gläubigern zurückgelassen. Doch der Verkauf des Bildes löst nicht ihr Problem. Vor allem die Geschichte um Isla hat mir sehr gut gefallen – sie ist zunächst zwar keine Figur, die ich ins Herz schließen würde, aber sie hat sie im Verlauf ganz schön gemausert zu einer Frau mit Willensstärke, Mut und Entschlossenheit – und diese Züge habe ich an ihr sehr geschätzt. Sie kämpft sich durch eine schwere Zeit und muss dabei leider einiges einstecken – und trotzdem gibt sie nicht auf. Letztlich ist sie ein Opfer der Umstände und der Kriegszeit geworden, was die ganze Geschichte nochmal tragischer macht, und ich habe mit ihr gelitten und gefiebert. Dagegen wirkt Georgia in der Gegenwart deutlich blasser und viele ihrer Handlungen konnte ich nicht verstehen. Zwar ist sie mir nicht unsympathisch, aber sie wirkte oft so unentschlossen, dass ich sie manchmal gerne an die Hand genommen hätte – dabei ist sie ja eine erwachsene Frau, die mitten im Leben steht. Das Buch ist nicht spannend von der ersten Seite an, doch je mehr man sich in die Geschichte rein liest, umso mehr fesselt sie und man fragt sich, wie die Fäden zusammenlaufen werden. Das eine oder andere habe ich geahnt, vieles aber war überraschend und genau diese Wendungen haben das Buch dann spannend gemacht. Der angenehme und flüssig zu lesende Schreibstil haben die Seiten dann nur so dahinfliegen lassen – dabei ist er klar und präzise und hält sich nicht mit vielen Beschreibungen auf, schafft es aber dennoch, die verzweifelte Stimmung und die Atmosphäre der Kriegsjahre einzufangen - und damit hatte ich stets Bilder vor Augen und war in der Geschichte gefangen. Wer andere Bücher der Autorin kennt, den wird auch dieses nicht enttäuschen – wer aber noch nichts von Katja Maybach gelesen hat und Bücher mag, in denen mehrere Erzählstränge zu verschiedenen Zeiten nach und nach zusammenlaufen, der sollte sich dieses Buch unbedingt mal anschauen.
Mein Fazit Zwei Erzählstränge, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, die dann aber nach und nach geschickt miteinander verknüpft werden und ein ansprechender, präziser Schreibstil, der trotz fehlender ausführlicher Beschreibungen die Atmosphäre der Kriegsjahre wunderbar einfängt, machen dieses Buch zu einer unterhaltsamen und auch fesselnden Lektüre. Mir hat „Das Haus ihrer Kindheit“ sehr gut gefallen und ich gebe gerne 4,5/5 Sternen.
Ich muss zugeben, dass mich die Geschichte am Anfang überhaupt nicht mit sich ziehen konnte. Die ersten 2 , 3 Kapitel empfand ich als hmm langweilig wäre übertrieben, ich wurde einfach nicht warm mit der Handlung. Der Wendepunkt kam für mich erst Tage später, als Alistair Islas Geschichte erzählte. Ab diesem Zeitpunkt ließ mich der Roman nicht mehr los! Die Geschichte löste alle möglichen Emotionen in mir aus. Von Wut, Trauer, Empörung bis Unbehagen war alles vertreten. Sieht man einmal von meinen persönlichen Startschwierigkeiten ab handelt es sich um einen großartiger Familienroman mit tollen Charakteren!