Eine Jüdische Geschichte zu schreiben bedeutet stets auch, eine Geschichte des Antijudaismus und des Antisemitismus zu schreiben. Doch würde man dem jüdischen Volk nicht gerecht, wenn man seine Historie nur im Lichte antijüdischer Ressentiments und Pogrome sehen wollte, die sich von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit verfolgen lassen und schließlich in Rassenwahn und Völkermord der Naziverbrecher enden. Man darf das Grauen nicht die Blüten der reichen Kultur, des Geisteslebens und der religiösen Strebungen der Juden verdunkeln lassen. Diesem Anliegen wird Kurt Schubert in seiner gut lesbaren Darstellung der wichtigsten Stationen und Entwicklungslinien der jüdischen Ereignis- und Geistesgeschichte von den Tagen Davids bis zur Gegenwart gerecht.
Eine schöne Synopse der jüdischen Geschichte von der Antike bis Mitte der 90er Jahre. Während vor allem die Epochen des Judentums bis ins 19. Jahrhundert äußerst eingehend dargestellt werden, fielen mir die Entwicklungen im 20. Jahrhundert doch recht knapp aus. Ein weiterer Minuspunkt sind die fehlenden Erläuterungen zu bestimmten Begrifflichkeiten und Eigennamen, die die Lesbarkeit für den unbedarften und doch interessierten Leser stark erschweren. Hier wäre eine Einordnung in den größeren Zusammenhang mit Erklärungen für den Laien sicherlich angebracht gewesen. Nichtsdestotrotz lohnt die Lektüre für jeden, der sich einen groben Überblick über die entscheidenden Etappen der jüdischen Geschichte aneignen möchte.