Rensen, ein verschlafenes Dorf an der Ostsee: zur Küste hin flach, vereinzelte Feldeichen, Dornenhecken und hier und da ein Herrenhaus, alleinstehende Höfe, klinkergemauert, mit halbrunden Scheunentoren. 740 Einwohner, Bäckerei, Postamt mit Schreibwarenverkauf, eine Sparkassenfiliale und das Gasthaus ›Pit's Schollenkutter‹, wo die Wirtin Herta Mölders ganzjährig Bier und Schnaps ausschenkt …
Hier, in der tiefsten deutschen Provinz, will sich der Keramikkünstler Ernst Liesgang – nach einigen Lehrjahren in Fernost – Ende der achtziger Jahre niederlassen, um sich im Hof des alten Pfarrhauses einen original japanischen Anagama-Brennofen errichten zu lassen. Durch einen mehr als glücklichen Zufall ist es Liesgang gelungen, keinen geringeren als Tatsuo Yamashiro, einen der erfahrensten und angesehensten Ofensetzer seines Landes, für diese Aufgabe zu gewinnen. Mit einem ganzen Tross japanischer Helfer samt Verwandtschaft trifft Herr Yamashiro im Frühling 1989 in Rensen ein. Schon nach kurzer Zeit prallen die beiden grundverschiedenen Kulturen auf eine gleichermaßen komische wie anrührende Weise aufeinander. Liesgangs Freunde, die das Projekt auf deutscher Seite begleiten, sehen sich – nicht anders als die Bewohner des Ortes, die das Geschehen abwechselnd amüsiert und befremdet verfolgen – einem ebenso irritierenden wie faszinierenden Kunst- und Lebensverständnis gegenüber. Den japanischen Besuchern ergeht es umgekehrt kaum anders. Allen voran Herrn Yamashiro, der – sehr zur Enttäuschung seiner eigens mitgereisten japanischen Köchin – in Rensen seine Liebe zu Mettbrötchen, Frikadellen, Schnitzeln, Kartoffeln und klarem Schnaps entdeckt …
Christoph Peters wurde 1966 in Kalkar am Niederrhein geboren. Seine Kindheit verbrachte er in dem Dorf Hönnepel. Von 1977 bis 1986 war er Schüler am bischöflichen Internatsgymnasium Collegium Augustinianum Gaesdonck. Von 1986 bis 1988 leistete er Zivildienst in der katholischen Hochschulgemeinde Mainz. Von 1988 bis 1994 studierte er freie Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, unter anderem bei Horst Egon Kalinowski, Günter Neusel und Meuser. 1993/94 war er dessen Meisterschüler. Von 1995 bis 2000 arbeitete er als Fluggastkontrolleur am Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt. Im Jahr 2000 zog Peters von Mainz nach Berlin. Dort lebt er als Schriftsteller und Zeichner zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin Veronika Peters, und der gemeinsamen Tochter (*2003). Er ist Mitglied des P.E.N.-Zentrum Deutschland.
Dieser Roman erzählt von einem deutsch-japanischen Austausch der ganz besonderen Art. Es ist interessant, wie der Autor in dieser Geschichte verarbeitet, was wir über die japanische Kultur und Lebensweise wissen bzw. zu wissen glauben. Denn darin besteht ein riesiger Unterschied, der sehr viel Raum für urkomische und brenzlige Situationen lässt: die Anweisungen des Regisseurs, die Situation im Krankenhaus, die Begegnung mit Herta Mölders oder dem Zollbeamten. Die Liste ist lang.
Wenn zwei Kulturen, egal wie ähnlich sie zu sein scheinen, aufeinandertreffen, entstehen immer Spannungen, aber auch herzerwärmende Situationen. Ernst Liesgang lotst den Leser und seine Figuren geschickt durch diesen Slalom- und Hürdenlauf. Er ist eine Mischung aus Japan und Deutschland, er sorgt für das nötige Gleichgewicht und dafür, dass die Ofenbauaktion nicht aus dem Ruder läuft und in einer Katastrophe endet. Besonders gut hat mir gefallen, wie er versucht zwischen den Menschen zu vermitteln, wie er versucht das Gesagte in einer angemessenen Form zu übersetzen. Ich frage mich, wie viel von dem Autor in seinem Protagonisten steckt.
Der Roman schildert die Ereignisse aus zwei zeitlich, unterschiedlich Perspektiven: den tatsächlichen Geschehenissen in Rensen, wo der Ofen gebaut wird, steht die Erzählung der Umstände, wie es überhaupt zu diesem Projekt kommen konnte gegenüber. Die Art und Weise, die Geschichte so gründlich wie möglich zu erzählen, verleiht der Geschichte einen ganz besonderen Charme und Schwung.
Seien wir doch mal ehrlich, es gibt nichts Besseres als Schnitzel, Frikadellen und Kartoffeln... Außer möglicherweise einen Tee aus einer Echizen-Keramiktasse oder einer Teetasse mit Shino-Glasur zu trinken (Hab es gegoogelt - wunderschön! Als leidenschaftliche Schwarzeetee-Trinkerin hätte ich nur zu gerne eine solche Teeschale.)
Der Humor, der dieses Buch und seine Figuren so einzigartig macht, ist erfrischend und einfach nur herrlich. Man sollte es mit dem nötigen Ernst, aber stets mit einem zwinkernden Augen und einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen lesen. So war es zumindest bei mir.
Eine Sache fand ich besonders bemerkenswert: der Autor benutzt in der Geschichte noch die alte Rechtschreibung (telephonieren, müßen usw.). Ich weiß nicht, ob es an der Auflage liegt oder ob es absichtlich geschehen ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es als stilistisches Mittel gedacht ist, um z. B. dem Leser ein Gefühl für die Zeit, in der der Großteil der Geschichte spielt (1989), zu geben.
Fazit Eine federleichte Komödie, urkomisch und amüsant, die einen aus dem drögen Alltagstrott heraushebt. Ein Roman geeignet für jeden Japanfan, aber auch für Leser, die gerne auf kulturelle Entdeckungstour gehen. Wer kulturellen Austausch nicht zu schätzen weiß, der verpasst was (sowohl im realen als auch im literarischen Leben).
Ein wunderbares Buch über das manchmal schwierige, manchmal lustige, aber immer für beide Seiten gewinnbringende Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, als ein japanischer Ofenbaumeister nach Norddeutschland kommt um für einen deutschen Keramiker einen Ofen zu errichten. Kunstvolle und zugleich schlichte, dem Sujet würdige Sprache; schlüssige Charaktere und ein fulminantes Ende ;-)
A Japanese-trained ceramics artist wishing to build his own studio in a tiny village in the middle of nowhere at the German Baltic coast invites a venerable Japanese master to build him a proper oven, resulting in a curious, entertaining, and occasionally somewhat bizarre meeting (and clash) of cultures in this most unlikely location.
Eine amüsante Geschichte über einen japanischen Ofenbauer, der nach Deutschland reist, um dort für einen deutschen Töpfer einen echt japanischen Ofen zu bauen. Ich habe einige Einblicke in eine Welt erhalten, mit der ich mich bis dato noch nicht wirklich beschäftigt hatte. Wunderbar die handfeste Nachbarin, die immer wieder mit deutschen "Köstlichkeiten" vorbeischaut, die dem Ofenbaumeister besser munden als die japanischen Kreationen seiner mitgereisten Betreuer.