-Mit sicherer Stimme erzahlt Stavaric vom Erwachsenwerden eines jungen Mannes zwischen Geborgenheit und Fremdsein. Der authentische Tonfall und die Zeitlosigkeit der Erzahlweise sprechen fur sich - Literaturpreis Wartholz 2009Begrundung der Jury -Das Ausbleiben der Zukunft ist nichts fur schwache Nerven.- So viel steht fur den namenlosen Ich-Erzahler fest, der nach dem Tod der Mutter bei seinem Onkel in einer von Bergen und Schluchten umgebenen Siedlung lebt. Und die Zukunft macht sich rar, denn wegen der Abgeschiedenheit der Siedlung kapseln sich deren Einwohner zusehends ab. So entsteht ein Mikrokosmos mit ganz eigenen Sitten und Gebrauchen, wie etwa den -Brenntagen- bzw. diversen -Waldriten-. Die Grenzen zwischen Surrealitat und Realitat verschwimmen Menschen verschwinden, durch die Walder ziehen Soldaten, Hunderudel und mitunter sogar Geister, die auf langst gefuhrte Kriege verweisen, uberall Echos, deren eigentlicher Sinn verborgen bleibt. Da ist es nur gut, dass es den Onkel gibt, eine schier unerschopfliche Quelle eigensinniger und abgrundiger Weisheit. Und als die Siedlung durch ein grosses Feuer in Schutt und Asche gelegt wird, ubernimmt dieser das Kommando und veranlasst einen Umzug der Bewohner in eine der nahe gelegenen Minen In schillernd-poetischer Sprache erzahlt Michael Stavaric in seinem neuen Roman auf waghalsige und zugleich beruhrende Weise vom Erwachsenwerden in einer sich bestandig wandelnden Gegenwart."
Nach dem ausgesprochen düsteren Erstling von Stavaric (Stilborn) jetzt also mein zweites Buch des Autors. Erinnerungsfragmente an eine seltsam zeitlose Siedlung in der Nähe eines Waldes und eines Bergwerks. Erzählt von einem ernsthaften 12 jährigen (?). Kein nennenswerter Plot, eigentlich auch keine zentrale Frage, aber sprachlich sehr treffend. Stavaric schafft es die Stimme des Erzählers sehr glaubhaft zu machen, die Sprache ist einfach, aber entfaltet in manchen Passagen eine beinahe traumhafte Wirkung. Der Onkel als übermächtige Figur wird sehr gut charakterisiert. Eine formal sehr ungewöhnliche Geschichte vom erwachsen werden, toll formuliert. Insbesondere die Bilder aus der Mine im letzten Drittel des Buches entfalten eine recht hypnotische Wirkung.