“menschen ohne geschichte sind staub” beinhaltet zwei wirklich kluge, dichte essays. man merkt, dass anna hájková sich auf ihr fach, die queere holocaustforschung, extrem gut versteht.
nicht nur schafft sie es, biografische geschichten differenziert und ambivalent nachzuzeichnen, abseits von kategorien wie gut/unschuldig/lesbisch. sie gibt zudem noch einige für mich augenöffnende exkurse, wie sich queere geschichte erforschen lässt, zum zeugnis geben und dem “historical citizenship”. aber auch zu explizit queeren themen wie kinship, konsens und homophobie in den lagern oder machtstrukturen und gewalt innerhalb queerer praktiken schreibt sie gut recherchiert und spannend. hier hätte ich mir teils eine klarere benennung von pädophilie gewünscht.
richtig gut hat mir gefallen, wie hájková weibliche queerness stärker in den fokus nimmt. viel geschichte bleibt nach wie vor unsichtbar, ich würde mir ähnlich detaillierte forschung (und veröffentlichung) über trans* geschichte oder auch queere menschen, die explizit wegen ihrer queerness und nicht ihres jüdischseins verfolgt wurden, sehr wünschen.
4,5/5