Selbstmitleid ist Lina fremd, denn sie hat reichlich Humor. Doch woher all die Wut kommt, die mitunter aus ihr herausbricht? Sie scheint dann ganz außer sich, völlig daneben. Weil wohl einfach zu viel zusammengekommen ist. Kein kleines Familiendrama, ein großes. Ihre Zwillingsschwester Luise ist spurlos verschwunden. Vor Jahren. Schon lange lebt Lina deshalb nicht mehr in Wildhof. Jetzt aber muss sie dorthin zurückkehren, um aufzuräumen, nachzuforschen, zu begraben und abzuschließen.
Gut dreißigjährig und frisch verwaist sucht sie nun einen Käufer für das Elternhaus und findet wieder, was auf immer versunken schien. Auch endlich eine Spur. Denn Luise hat ihr einen Wegweiser hinterlassen …
In einer Gegenwart, in der sie gehalten wird vom durchsonnten Wald und von alten Freundschaften, kratzt Lina beidhändig die vermooste Vergangenheit frei. Und damit ihre eigene Zukunft.
Ein sinnliches Buch, voller Gefühle, Gerüche und Geräusche, angespannt und spannend bis zum Schluss.
Ein Roman für Waldliebhaber und solche, die es werden wollen! Der Schwarzwald ist hier unfassbar schön eingefangen mit seinem uralten Baumbestand, dem weichen Moos und seinen erdigen dunklen Gerüchen..
Lina kehrt zurück nach Wildhof, ihrem Heimatdorf, um das Elternhaus auszuräumen und zu verkaufen. Beide Eltern sind ihr fremd geworden über die Jahre, dabei hatte sie eine wunderbare Kindheit, die ein sehr plötzliches Ende nahm, als ihre Zwillingsschwester Luise kurz vor dem 13. Geburtstag verschwand.
Lina ist eine Frau, der Selbstmitleid fremd ist. Mit unheimlich schwarzem Humor und spitzer Zunge hat sie sich ein einsiedlerisches, anonymes Stadtleben aufgebaut und lässt niemanden so wirklich an sich heran. Nun trifft sie auf alte Freunde aus Kindertagen und auch das alte Haus der Eltern begrüßt sie mit Erinnerungsfetzen, Geheimnissen und Wohlwollen.
Der Roman hat eine sehr ausdrucksstarke Sprache, ich habe mir einige Zitate angestrichen! Lange habe ich nicht mehr so „Kindheit“ gespürt in einer Geschichte! Allein dafür danke ich der Autorin! Da wurden eigene Erinnerungen in Baumhäusern und auf Waldlichtungen wieder lebendig! Eine Spur fehlte mir aber zum vollen 5 Sterne Buch, da ich den (zum Schluss zunehmenden) magischen Realismus in dieser Geschichte zu viel empfand. Trotzdem ein wunderbares Debut und verdiente 4,5 Sterne!
"Und so verschwindet auch Lina. Obwohl sie doch noch da ist." (Seite 163)
Seitdem ihre jüngere Schwester spurlos verschwunden ist, lebt Lina nur noch ein halbes Leben. Ihre Eltern, einst lebenslustige Künstler:innen, verliert sie an den Alkohol, sich selbst an Ohnmachtsgefühle und eine aggressive Wut.
Jetzt ist Lina erwachsen, ist auf Bewährung, weil sie einen Kollegen aus dem Fenster gehalten hat und ihre Eltern sind verstorben. Also muss sie in den Ort ihrer Kindheit zurückkehren, um das Haus zu verkaufen und die Beerdigung zu organisieren. Doch mit der Rückkehr in das Haus mitten im Wald neben dem gurgelnden Fluss, kommen auch Bilder der Vergangenheit zurück. Ein Geist scheint auf dem Grundstück umzugehen, Dinge tauchen auf und verschwinden wieder. Lina glaubt, ihre Schwester Luise zu sehen und zu hören - und irgendwie den Verstand zu verlieren. Spukt es hier wirklich oder bringt ihre Psyche einfach alles durcheinander?
Eva Strasser hat mit "Wildhof" ein sinnliches, eindringliches, spannendes und unglaublich trauriges Buch geschrieben, das von einer Familientragödie erzählt. Besser gesagt von der Übriggebliebenen, die die Erlebnisse der Vergangenheit nie richtig verarbeitet hat - und die nun knallhart davon eingeholt wird. Die Natur, vor allem der Wald und das Wasser, ist hier eine eigene Persönlichkeit, die Linas Innenleben widerzuspiegeln scheint. Wem das zu esoterisch angehaucht ist, für den ist "Wildhof" vielleicht nichts, ich fand es auf eine ganz besondere Weise fast mystisch und durchrüttelnd. Das Buch hat mich sehr gefangen genommen und arbeitet immer noch ein bisschen in mir. Vor allem das Ende, das gleichzeitig grausam und wunderbar ist.
Der Wald ist nicht gerade mein Lieblingsaufenthaltsort in der Natur. Besonders wenn er dicht ist, ist es mir zu dunkel, er riecht feucht und strahlt immer etwas Unheimliches aus. In diesem Buch habe ich ganz viel Liebe zu genau diesen Attributen entdeckt.
Lina kehrt heim. Ihre Eltern sind verunglückt, und sie muss die Beerdigung regeln, das Haus verkaufen und sich den Vergangenheit stellen. Ganz aus Holz gebaut, ist es ein Ort der Liebe und der Geborgenheit gewesen, bis ihre Schwester Luisa kurz vor ihrem 13. Geburtstag verschwand. Diese Katastrophe hat die Persönlichkeiten ihrer Familie zerstört und dazu geführt, dass Lina ihrem Elternhaus den Rücken gekehrt hat. Nun sitzt sie in dem alten Gebäude zwischen guten und schlechten Erinnerungen, trifft Menschen aus der Vergangenheit und auch solche, die die Zukunft dieses Ortes bestimmen wollen. Doch der Gedanke an Luisa und ihr ungeklärtes Schicksal lässt sie nicht los.
Eva Strasser hat einen sehr atmosphärischen Roman geschaffen, der mich gepackt und angenehm überrascht hat. Wir spüren die Natur des Schwarzwalds beim Lesen, intensiv mit all ihren Geräuschen und Gerüchen, ihren Farben und ihren Tücken. Wir sitzen neben Lina und sorgen uns um ihre Gefühle. Die Autorin rekonstruiert das Gewesene mit Erinnerungen und Flashbacks. Die Gegenwart bestückt sie mit mystisch magischem Realismus, der nicht zu packen ist und trotzdem selbstverständlich wirkt. Ein Element, dass mir Spaß gemacht hat, obwohl es mich grundsätzlich nicht immer erreicht. Hier passte es zur Kulisse und den Ereignissen. Die Phantasmen ergaben einen poetischen Sinn, der dem Roman einen besonderen Zauber verleiht. Die dramatischen Entwicklungen zum Schluss hätte ich nicht unbedingt gebraucht, sie stören aber auch nicht.
Hervorheben möchte ich die sprachliche Vielfalt mit der Strasser arbeitet. Die Sätze sind meist kurz, aber gehaltvoll und aussagekräftig. Sie arbeitet mit Aufzählungen, mit Sätzen die ausfaden und Wiederholungen. Diese Elemente können einen Text kompliziert machen, verhalfen „Wildhof“ aber zu einer lyrischen Komposition. Die meteorologischen Ereignisse passen perfekt zu den Emotionen der Protagonistin. Ich hab das unglaublich gerne gelesen.
Der Regen, das Rauschen der Bäume, das nasse Gras und die Sonne, die durch die Wolken bricht, gaben mir das Gefühl durchatmen zu können. Eine Lektüre, die ich gerne an Leser*innen weiter empfehle, die sich von der Dramatik der Natur und des Lebens gefangen nehmen lassen möchten.
Lina ist Ende 20, lebt in einer Großstadt mit schickem Beruf. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern kehrt sie ins Heimatdorf, in welchem sie eine Kindheit wie im schönsten Bullerbü erlebte, zurück, um die Formalitäten zu erledigen. Sie trifft die ehemalige beste Freundin, und auch die erste Liebe wieder und ein schreckliches Familiengeheimnis gilt es auch aufzudecken. blablabla Das habe ich so und so ähnlich schon hundert mal gelesen! Öfter auch schon besser. Ab Seite 75 habe ich mich gefragt, ob nun auch noch nachts ins Schwimmbad eingebrochen wird, wie in allen anderen Büchern dieser Art. Achtung Spoiler: auf Seite 79 ist auch das mit abgehandelt. Ich habe dann nur noch zu Ende gelesen, um das Geheimnis um die Schwester zu erfahren. Naja, scheinbar arbeitet die Polizei im Schwarzwald derart schlampig, dass nur die Protagonistin das Geheimnis um deren Verschwinden lösen konnte.
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Träumt ihr von einem (Ferien-)Häuschen mitten in der Natur, Wald, Fluss und Wasserrad nur einen Steinwurf entfernt?
Lina ist in einem solchen Haus groß geworden und hat es hinter sich gelassen, als sie 18 wurde. Gute 10 Jahre später geht es für sie zurück dorthin. Wohl ist ihr dabei nicht, aber nach dem Tod der Eltern ist der Schritt wohl unvermeidlich.
Eva Strasser sorgt dafür, dass wir Leser:innen diesen Ort sofort sehr magisch finden. Die Gerüche des Waldes, Geräusche wie das Blätterrascheln, das Rauschen des Flusses, das Singen der Vögel oder das Prasseln von Regen - tolle Bilder sind es, die die Autorin erzeugt und uns direkt in Wildhof ankommen lassen. Doch gleichermaßen zeigt sie auch die Dämonen auf, denn Linas Kindheitserinnerungen sind nicht nur glückliche. Sie hört Stimmen aus vergangenen Zeiten, es ist, als würde ihr auch jemand Hinweise hinterlassen, um das größte Rätsel ihres Lebens zu lösen - für mich ein unheimliches Element, das ich nicht so sehr mag. Ich weiß lieber, ob etwas die Realität widerspiegelt oder doch nur Einbildung ist.
Doch insgesamt funktioniert die Geschichte richtig gut. Man kann sich in die gebrochene Protagonistin einfühlen, versteht ihr zwiespältiges Verhältnis zur Familie und zur Heimat. Gleichzeitig ist da ein tragisches, ungeklärtes Ereignis, das über allem schwebt und eine ganz besondere Atmosphäre erzeugt. Spannung verschafft uns die Autorin bis zum Schluss, vielleicht auch, weil sie dies vom Drehbuchschreiben so gewohnt ist. Allerdings löst sie die Situation glücklicherweise doch eher auf als uns mit einem Cliffhanger zurückzulassen.
Neben den Spannungsmomenten gibt es viele schöne, skurrile und befremdliche (Wieder)Begegnungen im Buch - so ist das wohl, wenn man nach langer Zeit dorthin zurückkehrt, wo man aufgewachsen ist. Auch das mochte ich, dieses dörfliche Leben, das einem nahegebracht wird, das sich nach all den Jahren irgendwie verändert hat und trotzdem stehengeblieben ist.
Für mich ein Buch, das mich durch seine tollen Beschreibungen ganz schnell an einen anderen Ort inmitten der Natur transportiert hat: 4/5.
"Wildhof" ist Eva Strassers Romandebüt. Und was für eins! Das am 20. Februar 2025 im Verlag Klaus Wagenbach erschienene, 208 Seiten starke Buch ist schon jetzt mein Jahreshighlight!
In "Wildhof" geht es um Lina, die mit ihren knapp 30 Jahren schon mehrere Verluste erlitten hat. Kurz vor ihrem 13. Geburtstag verschwand ihre Zwillingsschwester Luise. Kürzlich sind Linas Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Lina steht nun vor der Aufgabe, Mutter und Vater zu begraben und ihr Elternhaus in Wildhof im Schwarzwald zu verkaufen.
Als sie nach vielen Jahren erstmals wieder in ihr Heimatdorf zurückkehrt, reißt sie damit alte Wunden auf. Kleinste Details genügen, und schon spielen sich vor ihrem geistigen Auge vermeintlich bis in die hintersten Winkel des Bewusstseins verbannte Erinnerungen ab. Das Bellen eines Hundes oder der Anblick eines alten Fußballs lösen bei Lina regelrechte Flashbacks aus, in denen die Gegenwart von Kindheitserinnerungen überlagert wird.
Lina, die als letzte Überlebende eigentlich nur ihren Pflichten nachkommen wollte, nämlich ihre Eltern beerdigen und das Haus verkaufen, wird von ihrer Vergangenheit überwältigt. Das gilt für schlimme Erlebnisse, aber auch für die schönen. Sie begegnet in Wildhof ihrer einstigen besten Freundin wieder, ihrer Jugendliebe und unverarbeiteter Trauer.
Mit ihrer wütenden und unangepassten Art ist Lina mitten in mein Herz getrampelt. Trotz ihres Schicksals strahlt die Protagonistin eine trotzige Kraft aus, die sich auf den Leser überträgt. Sie lässt sich nicht entmutigen. Da gehen Scheiben zu Bruch, da wird geflucht und es werden Türen eingetreten, aber schicksalsergebener Rückzug ist keine Option für Lina, die Kämpferin, die in Jogginghosen und mit Hut zu Beerdigungen geht.
Doch nicht nur starke Figuren sind Eva Strassers Steckenpferd. Sie hat vor allem ein Händchen für Atmosphäre! In "Wildhof" reißt sie ihre Leser schon allein durch das Setting mit: Das alte Haus am Waldrand, der Bach, die Forellen, das Mühlrad.
Dieses Buch ist angefüllt mit Gerüchen, Empfindungen und Geräuschen, die Geschichte so bildhaft erzählt, dass man als Leser zwischen die Buchdeckel schlüpft und Lina hautnah dabei begleitet, wie sie sich ihrer Vergangenheit stellt.
Ich habe dieses Buch nicht gelesen, ich habe es inhaliert. Und am Ende gedacht: Ein solches Buch könnte eine KI niemals schreiben. Denn es wäre ihr schlichtweg nicht möglich, mit der Wucht Eva Strassers zu erzählen, Linas Schmerz so authentisch zu transportieren und den Wald oder den verwilderten Garten in seiner verschwenderischen Schönheit zu beschreiben. Und auf den grandiosen Plottwist, den die Autorin im Laufe des Buchs hinlegt, wäre die KI wohl auch nicht gekommen.
Danke für dieses bildgewaltige Meisterwerk, Eva Strasser!
„Wildhof“ von Eva Strasser ist eine feinfühlige und atmosphärische Geschichte über Verlust, Erinnerungen und den schmalen Grat zwischen Schmerz und Hoffnung. Mit viel Sinnlichkeit und einer gelungenen Balance aus Spannung und Emotionen hat mich das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Leseempfehlung!
Herzlichen Dank an den Klaus Wagenbach Verlag für das Rezensionsexemplar!
Klappentext: Selbstmitleid ist Lina fremd, denn sie hat reichlich Humor. Doch woher all die Wut kommt, die mitunter aus ihr herausbricht? Sie scheint dann ganz außer sich, völlig daneben. Weil wohl einfach zu viel zusammengekommen ist. Kein kleines Familiendrama, ein großes. Ihre Zwillingsschwester Luise ist spurlos verschwunden. Vor Jahren. Schon lange lebt Lina deshalb nicht mehr in Wildhof. Jetzt aber muss sie dorthin zurückkehren, um aufzuräumen, nachzuforschen, zu begraben und abzuschließen. Gut dreißigjährig und frisch verwaist sucht sie nun einen Käufer für das Elternhaus und findet wieder, was auf immer versunken schien. Auch endlich eine Spur. Denn Luise hat ihr einen Wegweiser hinterlassen … In einer Gegenwart, in der sie gehalten wird vom durchsonnten Wald und von alten Freundschaften, kratzt Lina beidhändig die vermooste Vergangenheit frei. Und damit ihre eigene Zukunft. Ein sinnliches Buch, voller Gefühle, Gerüche und Geräusche, angespannt und spannend bis zum Schluss.
Der Einstieg in "Wildhof" fiel mir durch den lebendigen Schreibstil der Autorin sehr leicht. Die Geschichte wird aus der personalen Sie-Perspektive von Lina erzählt, was sehr nah und authentisch wirkt. So taucht man tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt ein und erlebt hautnah ihre Wut, ihre Trauer und ihren Humor. Diese intensive Erzählweise macht das Buch besonders emotional und lebendig. Lina ist eine starke, vielschichtige Frau, die trotz großer innerer Verletzungen niemals in Selbstmitleid versinkt. Ihr Humor wirkt wie ein Schutzschild, gleichzeitig bringt sie durch ihre ehrliche und manchmal schonungslos direkte Art viel Authentizität in die Geschichte. Besonders beeindruckend finde ich, wie sie ihre Vergangenheit Stück für Stück aufarbeitet, ohne dabei ihre Verletzlichkeit zu verstecken. Ihre innere Zerrissenheit und ihr Mut machen sie zu einer Protagonistin, die man nicht so schnell vergisst. Luise, die vermisste Zwillingsschwester, ist fast wie ein Schatten, der über der Handlung schwebt – präsent durch Erinnerungen und Andeutungen, aber geheimnisvoll und ungreifbar. Ihre Bedeutung für Lina und die Geschichte ist groß.
Das Setting des abgelegenen Wildhofs mit seinem durchsonnten Wald und der idyllischen, aber auch melancholischen Landschaft ist perfekt gewählt. Eva Strasser beschreibt Natur, Gerüche und Geräusche so sinnlich und detailreich, dass man sich sofort mitten im Geschehen fühlt. Dieses Ambiente verstärkt die Atmosphäre der Erinnerung und des Loslassens auf wunderbare Weise.
„Wildhof“ ist ein außergewöhnlicher Roman, der durch seine einfühlsame Erzählweise und das eindrucksvolle Setting besticht. Die Autorin schafft es, eine tiefgründige Geschichte über Verlust und Neubeginn zu erzählen, die lange nachwirkt. Wer sich für emotionale Familiengeschichten mit einer Prise Spannung und viel Atmosphäre interessiert, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Für mich ein sehr gelungenes Leseerlebnis mit kleinen Abzügen, das ich gern weiterempfehle.
Die fast 30-jährige Lina kehrt nach dem tödlichen Unfall ihrer Eltern nach Wildhof zurück, um deren Nachlass zu regeln. Seit ihrem 18. Lebensjahr war sie nicht mehr hier gewesen; der Kontakt zu ihren Eltern war längst abgebrochen. Ihre Mutter Henny war zuletzt schwer alkoholkrank, und auch der Vater – ein Künstler, der früher Gitarre spielte und gemeinsam mit seiner Frau Bilder malte – bot ihr keinen Grund zurückzukehren.
Nun steht sie wieder vor dem Haus am Waldrand, das fast unverändert wirkt. Kaum hat sie die Schwelle überschritten, holen sie die Erinnerungen ein. Besonders die an ihre Zwillingsschwester Luisa, die mit 13 Jahren spurlos verschwand – und deren Stimme Lina nun wieder zu hören glaubt. Bilder und Gefühle aus jener Zeit tauchen unaufgefordert auf, bedrängend und vertraut zugleich. Doch je länger sie in dem alten Haus bleibt, desto mehr wandeln sich diese Erscheinungen. Was zuerst überwältigt, wird nach und nach weicher – und Lina beginnt, Frieden mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu schließen.
Selten hat mich ein Buch trotz einer sperrigen Protagonistin so berührt. Lina ist unangepasst, wild, sensibel und zugleich unglaublich verletzlich. Eva Strasser gelingt es meisterhaft, sie und Wildhof – das Holzhaus, das Wetter, die Atmosphäre – mit eindringlichen, bildreichen Worten zum Leben zu erwecken. Eines jener Bücher, bei denen man am liebsten jeden Satz markiert.
Beispiel: „Nie hatte Lina gedacht, dass Hanno in Wildhof bleiben würde, aber es gibt so Menschen, die haben alles in sich, die brauchen von außen gar nichts mehr, es ist egal, wohin sie gehen, weil sie in sich selbst zu Hause sind.“ (S. 69)
Fazit: Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen. Es ist frisch, wild und etwas ganz Besonderes. 4½/5
Passend zum Buch habe ich dieses Buch während eines Schwarzwald-Wochenend-Ausflugs gelesen. Und es hat mich dann doch so gefesselt, dass ich es in einem Tag ausgelesen habe. Dennoch nur zwei Sterne? Ja, weil ich wüsste nicht, wem ich das Buch empfehlen könnte. Es hat sehe gute Naturbeschreibungen und man kann das Schwarzwald Dorf Feeling gut nachvollziehen. Auch die Geschichte ist ganz interessant aufgebaut, was war denn da genau mit der spurlos verschwundenen Zwillingsschwester? Aber.... die posttraumatischen Visionen von Lina waren mir zu abgefahren. Ich hab mich ja schon gefragt, ob sie vielleicht durchgehend auf Rauschmittel unterwegs war. Und dann habe ich auch noch so einige Fragen, die mir nicht beantwortet werden konnten. Einerseits also toll, dass ein Buch einen Eindruck und Redebedarf hinterlässt. Andererseits aber auch zu wild, um es zu bejubeln.
junge frau fährt in heimatstadt um haus der toten eltern zu verkaufen (und sie zu beerdigen / autounfall) und fängt an flashbacks zu bekommen zu früher, als alle noch zusammen waren und ihre zwillingsschwester noch nicht verschwunden war. stellt sich raus, die schwester hat damals den fussbal in den fluss geschossen, ihr hund hinterher und ist ertrunken. lina gab ihr schuld dran und dann war sie weg. ende: ihr damalige typ ist mit ihr zum see, schwester ist bei mutprobe ertrunken lina will sich rächen und ihr wächst ein geweih sodass sie ihren typen von damals beinahe im see ertränkt. weird aber extrem bildlich, wie ein film im kopf. tolle schreibweise alles sehr atmosphärisch, man riecht den wald und hört die vögel - das muss bitte netflix verfilmen!
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Linas Geister treffen sie mit voller Wucht, als sie zurück nach Wildhof kommt um die Beerdigung ihrer Eltern und der Auflösung ihrer einstigen Zuhauses zu organisieren. In Rückblenden und Erinnerungen erfahren wir märchen- und grauenhaftes aus ihrer Kindheit und Jugend… und einem größtmöglichen Verlust. Der Text rührt mich an, trotz der Schwere flügelleicht. Fühlbares Setting. Erst wusste ich nicht, ob ich den magischen Realismus als unpassend empfand. Und der Showdown... Aber gerade überwältigt es mich. Wild. Und irgendwie großartig.
Trauerbewältigung mal anders: Fantastischer Realismus im deutschen Wald. Da lachen die Brüder Grimm und freuen sich mit mir über die toughe, vielschichtige Protagonistin, die auch ausreichend unzuverlässig Auskunft über ihre Trauer und Wut gibt. Bei aller Spannung und Tragik von großer Empathie geprägt- mit einem tollen Finale. Man merkt der Autorin an, dass sie vom bewegten Bild kommt - und das meine ich als Kompliment.
Einmal sprachgewaltiges Debut, bitte! Voilà, das liefert Eva Straßer mit dem Roman „Wildhof“. Rhythmisch, ein wenig unkonventionell, aber nie den Lesefluss störend schreibt die Autorin von Lina, einer jungen Frau, die plötzlich den Nachlass ihrer verstorbenen Eltern verwalten soll. Inhaltlich heftig, weniger wegen dem Tod der Eltern als vielmehr wegen der anderen sprichwörtlichen Geister, welche die Protagonistin dauerhaft zu begleiten scheinen. Sie selbst pendelt immer haarscharf an der Grenze des Erträglichen, das ist auch für die LeserInnen teilweise schwer auszuhalten. Somit keine Lektüre zum Wohlfühlen, aber sprachlich sehr vielversprechend.
ich fand die Geschichte und die Sprache schön. Der Schwarzwald ist gut eingefangen und die Rückblicke auf eine Kinderbuchkindheit sind toll. Der Schluss hat mir dann nicht mehr gefallen. Zum einen wurde es mir zu viel Fantasy, zum anderen konnte ich nicht glauben, dass niemand an den See dachte.