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Schöne Freunde

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Es gibt Bücher, die zu rezensieren eine Freude ist, weil sie so gut sind. Und es gibt Bücher, die zu rezensieren ebenfalls eine Freude ist, weil sie so schlecht sind. Und dann gibt es noch Bücher, die zu rezensieren äußerst schwer fällt, da man mit ihnen nichts anfangen kann. Ein solches Buch ist Schöne Freunde von Arno Geiger.

Selbst die reine Inhaltsangabe wird zur schwer lösbaren Aufgabe. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist ein Bergwerksunfall mit mehreren Todesfällen. Da dem Direktor des Bergwerks offenbar eine Mitschuld zugeschrieben wird, müssen er und ein Teil seiner Angestellten flüchten. Diese Flucht erfolgt mit einem Schiff über das Meer. All das wird von einem kindlich-jugendlichen Erzähler berichtet, der offenbar elternlos ist und ebenfalls mitflieht, obwohl nicht klar wird, warum.

So weit der seltsam konturlose und zwischen realistischen Beschreibungen und unwirklichen Situationen schwankende Inhalt, der mehr Fragen offen lässt als er beantwortet. Und wird man schon daraus nicht recht klug, bleibt man der Intention des Autors gegenüber noch ratloser.

Der Icherzähler ist in seinen akribischen Beschreibungen von Situationen oder Menschen nicht als Kind oder Jugendlicher erkennbar -- er hat keine kindlich-jugendliche Sicht der Dinge. Er wirkt eher wie ein zwar abgebrühter, aber dennoch unsicherer Erwachsener, der sich eine Realität zusammendenkt. Er beobachtet seine Umgebung, seine "Freunde", ihre persönlichen Verstrickungen untereinander und berichtet darüber -- weit gehend emotionslos, distanziert und mit einer an der Oberfläche bleibenden Genauigkeit. Die Personen bleiben schemenhaft, agieren in einem Vakuum und gewinnen auch durch die übergenauen Beschreibungen ihrer Handlungen und Absichten nicht an Konturen.

Auch Geigers Umgang mit der Sprache macht das Verständnis nicht leichter. Seine Verfremdungen (einer der stehenden Sätze dieses Buches lautet: "Ich berichte"), seine reinen Beschreibungen wirken mechanisch, hart, unelegant und auf die Dauer ermüdend. Jedenfalls werden Liebhaber eines reinen Beschreibungspurismus ihre Freude daran haben und Fans des jungen Autors sowieso. --Liesbeth Legat

163 pages, Hardcover

First published August 21, 2002

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About the author

Arno Geiger

28 books128 followers
Geiger grew up in the village of Wolfurt near Bregenz. He studied German studies, ancient history and comparative literature at the universities of Innsbruck and Vienna. He has worked as a freelance writer since 1993. From 1986 to 2002, he also worked as a technician at the annual Bregenzer Festspiele summer opera festival.

In 1996 and in 2004, he took part in the Ingeborg-Bachmann-Preis competition at Klagenfurt.

In October 2005, he was the recipient of the first Deutscher Buchpreis[1] literature prize (awarded by the booksellers' association of Germany) for his novel Es geht uns gut.

Geiger lives in Wolfurt and Vienna.

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Community Reviews

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for helene.
266 reviews1 follower
dnf
February 6, 2025
Ich hab dem Buch jetzt nochmal eine Chance gegeben, aber ich hab einfach nicht reingefunden. Ich mag Arno Geigers Bücher eigentlich echt gern, aber diese Mischung aus Handlung und gleichzeitig wenig Handlung und blumige Sprache, mit der ich teilweise nicht wirklich was anfangen kann, ist mehr anstrengend, als dass sie schön zu lesen ist :/
Profile Image for Johann Guenther.
806 reviews28 followers
July 29, 2012
GEIGER, Arno: „Schöne Freunde“, München 2008
In einem Dorf passierte ein Grubenunglück und die Bewohner müssen den Ort verlassen. Ein Junge erzählt die Geschichte aus seiner Sicht. Auf der „Flucht“ nehmen sie ein Schiff. Der kleine Junge beschreibt die Dorfbewohner und Mitreisenden, denkt aber selbst an seine Kindheitserlebnisse zurück. Als Ballbube im Tennisklub, als „Schrankenöffner“ des Bergwerks, als Beobachter von Liebestreffen am Teich …
Sehr schön geschrieben. Das österreichische Bundesland Vorarlberg scheint ein Brutkasten für junge Dichter zu sein.
„Ich konnte ihren Namen regelrecht im Mund schmecken, so drängte er nach vorn.“ (Seite 30)
„Die Tür hinter ihnen schwang zu, die Musik schlüpfte geschwind ins Innere des Lokals zurück.“ (Seite 144)
„Es fällt mir zunehmend schwer, an das Dorf und das Bergwerk zu denken. Sie sind ein Kartenhaus aus Erinnerungen, das in sich zusammenstürzt. Der Wind zerreißt die Karten wie Lose, die nichts gewonnen haben.“ (Seite 153)
„Aber die Erkenntnis, dass kein Platz auf dieser Welt ist, wo man nachholen kann, was man irgendwann versäumt hat, hatte jetzt – bei allem Erschreckenden – auch etwas Ermutigendes.“ (Seite 163)
(Pristina, Hinterbrühl, 29.07.2012)
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