Katja Petrowskaja was born in Kyiv in 1970, to a Russian-speaking family. She studied literature in Tartu, Estonia and then completed her PhD in Moscow. She has lived in Berlin since 1999. She won the Ingeborg Bachmann Prize in 2013 and wrote her bestselling first book Maybe Esther, in German. It was published in 2014 and was awarded the Premio Strega Europeo Prize, the Aalen Town Schubart Literary Prize, the Ernst Toller Prize and the Aspekte Literature Prize. It was a Spiegel bestseller and has been translated into nineteen languages
"Wir gewöhnen uns daran, als wäre die wachsende Opferzahl bereits zur Statistik für künftige Geschichtsbücher geworden. Auch unsere Ohnmacht wird zur Gewohnheit. Wir werden mit Bildern weiterer Zerstörung konfrontiert, wir schauen zu."
Zwischen Februar 2022 und Herbst 2024 hat die Autorin Katja Petrowskaja mit Fotokolumnen eine Art Tagebuch oder Chronik des Krieges in der Ukraine geschrieben, hier zusammengefasst als Buch. Dabei stehen die Fragen im Raum: Wie verändert der Krieg das Sehen? Wie verändert er die Wahrnehmung von Bildern, kurz- und langfristig?
Katja Petrowskaja zeigt Bilder von Menschen, bei denen man sich unweigerlich fragt, was sie erlebt haben und ob sie noch am Leben sind. Wir sehen Bilder von Suchtrupps, von Leid und Ohnmacht und manchmal von merkwürdig normalen Momenten an Orten, an denen nichts mehr normal ist. Dazu erzählt die Autorin von Geschehnissen wie der gewaltvollen Besetzung des Asow-Stahl-Geländes, die in meinem Gedächtnis schon längst zugeschüttet wurden durch mehr und mehr Kriegsnachrichten. Denn das verändert der Krieg schon in kürzester Zeit: ein Grauen wird vom nächsten abgelöst und ehe man sich versieht, stumpft man ab. Und dann erschrickt man und denkt: stimmt, wie konnte ich nur so lange nicht an die Massaker in Butscha denken?
Das Buch rückt den Schrecken wieder in den Blick und verleiht der allgegenwärtigen Ohnmacht Ausdruck. Grade dadurch, dass Katja Petrowskaja andere Bilder wählt als die, die man bereits aus den Nachrichten kennt - nicht die Bilder der großen Zerstörung, sondern Bilder, zu denen sie eine Verbindung hat oder diese herstellt -, wird ihre Chronik persönlich und zugänglicher. Es hilft nicht aus der Ohnmacht heraus, wie könnte es das auch. 'als wäre es vorbei' ist ein Zeitzeugnis einer Zeit, die nicht viel Hoffnung macht, egal wohin man blickt. Es ist ein Buch, das zum Hinschauen zwingt.
Nicht nur das Buch, das Petrowskaja nie schreiben wollte, sondern auch das historische Dokument, das wir gehofft haben, nie lesen und brauchen zu müssen. In dieser Funktion und seiner Literarizität aber schmerzhaft unverbesserlich.