„Haus aus Asche“ von Emily Bähr ist der Abschluss der Chosen-Dilogie. Der Bachelor für Royals mit einer Prise Magie.
Die Geschichte knüpft da an, wo „Träume aus Gold“ endet. Cylus ist als der wahre Prinz enttarnt, Cillian ist tot, Iris‘ Schicksal hängt in der Schwebe – zumindest kurzzeitig. Letztendlich sollte es jedem Lesenden klar gewesen sein, dass Iris zurück in die Spiele muss und genau zu dem Schluss kommt auch der böse König, denn ohne Iris sinken die Einschaltquoten dramatisch…
Es geht also zurück in die Royal Games, aber unter einer Bedingung: wenn Iris leben will, muss sie es bis unter die letzten Drei schaffen – gewinnen darf sie aber nicht. Fortan toben sich die Spielemacher so richtig aus, um die emotionale Folter für sie und Cylus perfekt zu machen. Iris tat mir hier auch ganz schön leid, bei Cylus sah die Sache etwas anders aus…
Denn Cylus entpuppt sich als die reinste Enttäuschung. Er nimmt es einfach so hin, dass Iris seinen Cousin getötet haben soll. Jeder Moment des Hinterfragens ist maximal halbherzig und unglaubwürdig. Er beweist in einer Tour wie naiv und indoktriniert er ist. Zwar hasst er seinen Vater genug, um mit Morddrohungen um sich zu werfen, allerdings werden diese nie umgesetzt, da er immer wieder auf den König hereinfällt.
Er hat keinerlei echte Agenda, ebenso wenig wie Iris. Die beiden treiben passiv durchs Geschehen und überlassen es den Nebencharakteren, ihnen eine Richtung vorzugeben. Vorteil hierbei ist natürlich, dass so die bis dato eher blassen Randfiguren mehr Präsenz erhalten.
Ebenso enttäuschend ist, dass gleich mehrere Handlungsstränge im Sand verlaufen oder ganz fallen gelassen werden. Das spannende Murder-Mystery löst sich von alleine und bietet dabei keinerlei Überraschung. Iris‘ auffälliges Talent für Magie, das selbst in „Haus aus Asche“ ein paar Mal angesprochen wird, spielt für die Geschichte keinerlei Rolle mehr. Dabei stört es mich nicht mal, dass die Magie in dieser Welt unerklärt und nebensächlich bleibt, denn die Chosen-Dilogie ist ganz eindeutig nicht die Sorte Romantasy, in der die Fantasy überwiegen soll, aber Iris zeigte im ersten Band so viel Potenzial, dass es selbst dem König Angst machte und dann wird das einfach nicht weiter erkundet…das macht mich traurig.
Ungeachtet all meiner Kritik hat mich „Haus aus Asche“ wieder gut unterhalten und so gefesselt, dass ich es innerhalb von zwei Sitzungen durch hatte. Emilys Schreibstil liest sich einfach so schön, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Auch versucht sie nicht, mehr aus dem Format zu machen, als es eigentlich ist – und das respektiere ich. Wenn Ihr also Lust auf magisches Reality TV im Buchformat habt, seid Ihr genau richtig. Gute 3/5 Sterne.