American policy toward Iran has remained remarkably consistent since the earliest years of the Reagan administration. US–Iran hostility has endured for longer than the Cold War. Momentous geopolitical shifts, changing leaderships, and evolving domestic priorities have not fundamentally altered this antagonistic relationship. Standard explanations pin the blame for this enduring hostility on Iran and its leaders' revolutionary ideology and policies at odds with the United States and the West. While Iran bears significant blame for a deeply adversarial relationship―the country often engages in dangerous and repressive activities―this book demonstrates that "it's them, not us" accounts cannot alone explain America's posture toward this complicated but critically important country. Drawing on original interviews with former government officials, oral histories, memoirs, congressional hearings, archival material, and the author's own participation in dozens of Iran-related track two meetings, Dalia Dassa Kaye deftly explores how America's Iran policy is made, the people who make it, and the underlying ideas and perceptions that inform it. Dassa Kaye looks back at US policy toward Iran over the past four decades to help us look ahead, offering wider lessons for understanding American foreign policymaking.
Dalia Dassa Kaye analysiert in Enduring Hostility, warum die US-Iran-Politik seit Jahrzehnten in Feindseligkeit erstarrt ist. Sie bricht das Narrativ „Es liegt nur an ihnen“ auf und zeigt, dass interne US-Strukturen, Wahrnehmungsmuster und Akteure eine antagonistische Dynamik verstetigen, die geopolitische Veränderungen überdauert. Es ist die Studie einer politischen Sackgasse.
Die Brücke zum großen Ganzen: Kayes Analyse ist das reale Beispiel für Chanders spieltheoretisches Patt: Zwei Akteure stecken in einem Nash-Gleichgewicht der Feindseligkeit fest, aus dem keiner ohne Gesichtsverlust ausbrechen kann. Es ist die „Deutschstunde“ auf Ebene der Weltpolitik – ein „Dienst nach Vorschrift“, der auf veralteten Feindbildern basiert, statt auf Lynchs (On Truth in Politics: Why Democracy Demands It) Forderung nach einer neuen Wahrheits-Infrastruktur. In Yus Neuropolitik („Hirn statt Moral“) wäre dies das Ergebnis kollektiver neuronaler Pfadabhängigkeit: Das Gehirn der Entscheidungsträger hat die Feindseligkeit als sicherstes Überlebensmuster (Energiesparmodus) abgespeichert. Kaye zeigt uns das „Museums-Universum“ (Ransford, God and the Mathematics of Infinity: What Irreducible Mathematics Says about Godhood) der Diplomatie: Ein statischer Zustand der Stasis, dem die notwendige Dynamik (Kategorie B) fehlt, um in eine neue, konstruktive Realität (Kategorie A) zu evolvieren. Der „Gegenpol“ zur Stasis: Thermodynamik in der Diplomatie Nach Ransford benötigt jede Bewegung von der potenziellen (B) in die manifeste Realität (A) eine Differenz zwischen zwei Polen. Die US-Iran-Politik, wie Dalia Dassa Kaye sie beschreibt, ist ein System ohne echtes Energiegefälle – beide Seiten haben sich in ihren Rollen als „ewige Feinde“ so weit eingerichtet, dass ein thermodynamisches Gleichgewicht eingetreten ist. Das Ergebnis ist Stasis. 1. Das Paradoxon der notwendigen Reibung: Ransford erklärt das „Böse“ als notwendigen Pol für Arbeit. In der Diplomatie bedeutet das: Ein Ausbruch aus der Sackgasse erfordert eine Kraft, die das System destabilisiert (Kategorie B). Solange beide Seiten nur ihre „Pflicht“ (Lenz) tun und in ihren neuronalen Mustern (Yu) verharren, bleibt die Feindseligkeit stabil. Es fehlt die „Arbeit“, um das Potenzial für Frieden zu manifestieren. 2. Spieltheoretische Flucht aus dem Nash-Gleichgewicht: Parkash Chander würde Kayes Befund als ein extrem stabiles Nash-Gleichgewicht interpretieren: Keiner ändert seine Strategie, weil die Kosten des Wandels (innenpolitischer Druck, Gesichtsverlust) höher scheinen als die Kosten der andauernden Feindseligkeit. Um dieses Spiel zu „knacken“, müsste man die Auszahlungsmatrix verändern. 3. Wahrheits-Infrastruktur als Katalysator: Hier greift Michael Patrick Lynch ein: Die US-Iran-Politik basiert laut Kaye auf „Ideen und Wahrnehmungen“, nicht zwingend auf der aktuellen Wahrheit. Eine neue „Infrastruktur des Wissens“ könnte die falschen Prämissen auf beiden Seiten entlarven. Wenn die Wahrheit über die gegenseitigen Abhängigkeiten (z.B. Klima, regionale Stabilität) schwerer wiegt als die Ideologie, wird das System wieder dynamisch. Die Synthese: Um die „Enduring Hostility“ zu beenden, müsste man die US-Iran-Beziehung wie eine Quanten-Wellenfunktion (Ransford) behandeln: Man muss aufhören, sie durch die Linse der Vergangenheit ständig in denselben Zustand zu „beobachten“ (Beobachtereffekt). Ein neuropolitischer Ansatz (Yu) würde die Akteure zwingen, ihr Hirn statt ihrer ideologischen Moral zu nutzen, um die unendlichen Möglichkeiten der Kooperation (Kristevas „Nation ohne Nationalismus“) überhaupt erst wieder sichtbar zu machen.
Betrachtet man die heute (11.03.2026) besprochenen Bücher gemeinsam, zeigt sich eine stille Konvergenz: Verschiedene Disziplinen nähern sich derselben Frage – unter welchen Bedingungen Kooperation zwischen Menschen und Staaten gelingen kann.
1. Kooperation scheitert selten an Interessen – sondern an Wahrnehmungen Dalia Dassa Kaye zeigt am Beispiel der US-Iran-Beziehungen, dass politische Konflikte oft durch institutionelle Routinen, Narrative und Wahrnehmungsmuster stabilisiert werden. Feindbilder werden zu selbstverstärkenden Strukturen. Spieltheoretisch entspricht das einem stabilen Gleichgewicht: Niemand ändert seine Strategie, weil die politischen Kosten eines Kurswechsels höher erscheinen als der Status quo.
2. Ohne gemeinsamen Faktenraum zerfällt Kooperation Michael Patrick Lynch argumentiert, dass Demokratie – und letztlich jede Form politischer Kooperation – einen gemeinsamen Wahrheitsraum benötigt. Wenn Fakten nur noch als Machtinstrumente behandelt werden, zerfällt Vertrauen. Politische Interaktion wird dann zum Nullsummenspiel, in dem strategische Täuschung rational erscheint.
3. Globale Probleme sind strategische Spiele Ökonominnen und Ökonomen wie Parkash Chander modellieren Klimapolitik oder internationale Kooperation als strategische Spiele. Das zentrale Problem ist meist eine Variante des Gefangenendilemmas: Rational handelnde Akteure produzieren kollektiv schlechte Ergebnisse, weil Kooperation kurzfristig riskant erscheint.
4. Die tiefste Ursache liegt im menschlichen Gehirn Hier setzt der neuropolitische Ansatz von Yu an (Ihr wiederkehrender Bezugspunkt). Das Gehirn bevorzugt bekannte Muster, einfache Narrative und Gruppenloyalität. Diese energetisch günstigen Routinen führen zu kognitiven Pfadabhängigkeiten: Feindbilder werden stabil, selbst wenn sie rational längst überholt sind.
5. Der Ausweg: Kooperation muss kognitiv, institutionell und kulturell gleichzeitig entstehen Die verschiedenen Autorinnen und Autoren liefern dafür unterschiedliche Bausteine: * Julia Kristeva: kulturelle Offenheit gegenüber dem „Fremden in uns selbst“ * H. Chris Ransford: systemisches Denken über Dynamik und Transformation Zusammen ergibt sich eine einfache, aber anspruchsvolle Einsicht: Kooperation entsteht nicht allein durch Moral oder Macht – sondern durch eine Kombination aus Wahrheit, Institutionen, Technologie und kognitiver Selbstreflexion.
Globale Kooperation scheitert nicht an mangelnder Intelligenz, sondern an fehlender kognitiver und institutioneller Infrastruktur. Erst wenn Wahrheit, strategisches Denken und Selbstreflexion zusammenwirken, kann aus geopolitischen Nullsummenspielen ein Positivsummenspiel entstehen.