Meggie verliert ihre Mutter und ihren Stiefvater bei einem Autounfall und muss aus den USA nach England ziehen, wo ihr leiblicher Vater wohnt. Für ihn ist die Aufnahme seiner Tochter eher lästige Pflicht als Liebesdienst, und entsprechend unwohl fühlt sich Meggie in seinem freudlosen Haushalt. Der einzige kleine Trost ist die Freundschaft, die sie bald mit den Nachbarskindern George und Polly schließt.
Über lange Zeit hinweg quält Meggie überdies ein wiederkehrender, bedrückender Traum, den sie sich nicht erklären kann, bis sie in ein verödendes Örtchen in Cornwall zurückkehrt, in dem sie als Kind einmal gewesen ist, ohne sich daran erinnern zu können. Dort fügt sich allmählich einiges zu einem düsteren Gesamtbild zusammen, nicht ohne Folgen für Meggie.
Ich schätze Joan Aiken sehr als Autorin stimmungsvoller Familien- oder Spannungsromane, auch großartige Jugendbücher habe ich schon aus ihrer Feder gelesen. „Nightfall“ gehört zu letzterer Kategorie, zählt aber nicht zu ihren gelungensten Werken, leider.
Der regelmäßig auftretende Alptraum, die kaltherzige Verwandtschaft und das im Aussterben begriffene Fischerdorf in Cornwall, das den Schlüssel zu dem großen Rätsel um den Traum birgt, sind perfekte Zutaten für einen düsteren Familiengeheimnisroman, doch aus irgendwelchen Gründen hat sich Joan Aiken hier nicht wie üblich Zeit gelassen, die Geschichte langsam aufzubauen und mit atmosphärischen Details auszumalen. Auf nur gut 150 Seiten wird alles ziemlich kurz und schnell abgehandelt, wodurch die Charakterzeichnung weitgehend auf der Strecke bleibt und sich ein Ereignis Schlag auf Schlag ans andere reiht, so dass trotz der guten Ideen eher wenig Spannung aufkommt.
Nette Einfälle, aber insgesamt zu wenig, um mich wirklich zu begeistern.