Im beschaulichen Marienschlag sorgt ein Lottogewinn für Aufruhr. Seit die neugierige »Dorftratschen« Adele verkündet hat, dass der Eigenbrötler Gringo den Jackpot geknackt hat, will jeder seinen Teil vom Kuchen. Doch dann wird Gringo mit eingeschlagenem Schädel gefunden – und alle Augen richten sich auf seine Bekannte Svetlana, die plötzlich spurlos verschwunden ist.
Gut, dass Revierinspektorin Marie Unterholzer gerade rechtzeitig in ihre Heimat zurückgekehrt ist! Gemeinsam mit der exzentrischen Künstlergattin Janine und dem jungen Computer-Nerd Tobi nimmt sie die Ermittlungen auf. Doch als ein zweites Opfer auftaucht, wird Im malerischen Alpenvorland kann niemandem mehr getraut werden …
»Pilgern war nur der Anfang – jetzt wird's kriminell! Wie mit meinen Jakobswegbüchern möchte ich auch mit meinem ersten Krimi die Menschen mit Spannung und schrägem Humor unterhalten. Wenn sie mit Frau Revierinspektorin Marie, ihrem skurrilen Ermittlerteam und den schrullig-liebenswerten Dorfbewohnern mitfiebern, miträtseln und mitlachen und beim Lesen die Welt um sich herum vergessen – dann habe ich mein Ziel erreicht« (Herbert Hirschler)
Was haben eine verwöhnte, überdrehte, dem Cannabis nicht abgeneigte Großstadtpflanze und ein Computernerd aus einem Kaff irgendwo mit Blick auf den Sonnberg gemeinsam? Sie finden bei einem unvermuteten Stelldichein in einer Scheune eine Leiche. Und schon ist das ganze Dorf in hellem Aufruhr – allen voran Marie, ihresgleichen Revierinspektorin.
Wobei eigentlich waren die meisten davor schon in Aufruhr, denn die Leiche, das ist Gringo und dieser hatte vor kurzem im Lotto gewonnen. Wieviel? Bestimmt ein paar Millionen! Für die Dorfbewohner war bei einer eiligst einberufenen Gemeinderatssitzung (ohne Protokoll versteht sich) klar, dass er auf alle Fälle aufgrund der unglaublichen Großzügigkeit ihm gegenüber in den letzten Jahren – und davon waren alle überzeugt außer Gringo – nunmehr etwas zurückgeben muss. Also „Her mit der Marie“. Dumm nur, dass der gute Gringo kurz darauf tot ist und der anfänglich als Unfall oder Unglück eingestufter Tod sich recht schnell als Mord herausstellt. Und von da an geht’s erst richtig los.
Wenngleich auch deutlich überzeichnet, kann sich jeder, der in einem Dorf wohnt, in die Szenerie hineinversetzen. Das Getratsche, der Neid, die vielen menschlichen Laster und die Geheimnisse, die keine bleiben. Natürlich arbeitet Hirschler hier mit Klischees, die sich bei näherem Hinschauen in das Innenleben von beschaulichen Bauerndörfern gar nicht mehr als so klischeehaft herausstellen, denn es wird zu viel getrunken, zu viel gelästert und zu viel getratscht. Jeder weiß, wie’s richtig geht – nur bei einem selbst nicht. Man muss für dieses Leben durchaus geschaffen sein, doch irgendwann findet man sich auch zurecht – so wie die Ureingesessenen, die Heimkehrenden und die Hinzugezogenen in Marienschlag.
Die Charaktere sind skurril und dennoch irgendwie aus dem Leben gegriffen. Sie reden komisch, schmeißen mit Dialektwörtern um sich (wer’s nicht versteht, am Ende gibt’s ein Glossar dazu), sind teilweise naiv und so ziemlich alle in ihren eigenen Themen gefangen – aber dennoch liebenswert, zumindest die meisten. Wenn man wie ich in so einem Dort aufgewachsen ist, dann kann man ganz viele Parallelen zu Menschen finden, die man kennt. Und es gibt viele Persönlichkeitstypen, die es wert wären, sich ein wenig mehr mit ihnen auseinanderzusetzen und deren Komplexität nur am meist Rande erfassbar ist. Allen ist aber gemein, dass sie ihren Platz in der Welt finden und ihre Träume verwirklichen wollen. Der Mord an Gringo (und überhaupt, ist das eigentlich der einzige Tote?) ist auch der rote Faden, den es braucht, um den Charakteren auf den Grund zu gehen. Marie etwa ist eine vielschichtige Protagonistin, die mit ihren inneren Konflikten und äußeren Herausforderungen realitätsnah und sympathisch dargestellt wird. Doch jede weitere Nebenperson trägt zur Tiefe und Authentizität der Geschichte bei – ohne dabei die humorige Note zu verlieren.
Der Schreibstil ist authentisch, doch bestimmt nicht für jedermann einfach zu lesen, da er sehr österreichisch und noch dazu mit Dialektwörtern und -phrasen gespickt ist. Doch man muss auch nicht jedes Wort verstehen, um in der Geschichte gespannt dem Ende entgegenzufiebern. Bis zum Schluss konnte ich persönlich nicht erraten, wer denn jetzt der Mörder ist. Daher bleibt es beim Lesen durchgehend spannend. Witzig fand ich auch, dass kleine Kapitel dabei sind, wo nicht gleich klar ist, warum es diese jetzt für die Geschichte braucht – und manches Mal bleibt’s auch bis zum Schluss verborgen. Eben so wie’s auch im Leben ist.
"Her mit der Marie" eine humorvolle, aber auch ernsthafte Erinnerung daran ist, wie eine einzige Entscheidung, die wir treffen, ganze Handlungen verändern kann und wie sehr die menschlichen Abgründe sich auftun, wenn es um Geld geht. Es zeigt sich eine soziokulturelle Dynamik, die sich zwischen dem modernen Leben und den Traditionen eines Dorflebens offenbart. Die gut entwickelte Handlung und die vielschichtigen Charaktere machen dieses Buch unterhaltsam und spannend zugleich – und es bleibt noch ganz viel Platz für weitere mögliche Fälle für Marie und Marienschlag.
Und es wäre kein echter Hirschler, spiele auch nicht der Jakobsweg eine Nebenrolle in dem ganzen Geschehen. Aber das ist dann doch wieder eine ganz andere Geschichte…
Das Buch hat sich für mich von Anfang an wie ein kleiner Kurzurlaub nach Österreich angefühlt – und zwar nicht in die Touristenwelt, sondern mitten rein ins echte Dorfleben, wo jeder jeden kennt und trotzdem jeder seine kleinen Geheimnisse hat. Der Humor, die Art, wie die Leute miteinander umgehen, diese manchmal herrlich direkte und trotzdem herzliche Sprache – das hat einfach total Spaß gemacht zu lesen. Ich hatte oft das Gefühl, als würde ich selbst mit am Stammtisch sitzen.
Was ich besonders toll fand: Überall im Buch tauchen österreichische Begriffe und Phrasen auf. Mal ein kurzer Spruch, mal eine ganze Unterhaltung – und genau das macht die Geschichte so unglaublich authentisch. Man merkt einfach, dass hier jemand schreibt, der weiß, wie sich das Leben dort wirklich anfühlt. Und keine Sorge, selbst wenn man nicht jedes Wort sofort versteht, kommt man immer super mit, weil es so charmant eingebaut ist, dass man den Sinn sofort erfasst.
Die Geschichte selbst ist spannend erzählt, voller kleiner und großer Wendungen. Gerade wenn ich dachte, jetzt hab ich den Dreh raus und weiß, worauf das alles hinausläuft, kam wieder etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Das hat richtig Spaß gemacht – dieses Miträtseln, Mitfiebern und dann immer wieder überrascht werden. Für mich war das Buch ein Sonntagabend-Tatort in Buchform.
Was ich auch richtig gut eingefangen fand, war, wie sehr sich Menschen verändern können, wenn es plötzlich um Geld geht. So ein Lottogewinn – oder das Gerücht darum – bringt Seiten an den Leuten zum Vorschein, die man im normalen Alltag vielleicht nie gesehen hätte. Man merkt, wie schnell Freundschaften bröckeln können, wenn auf einmal das große Geld lockt, und wie sich Gier und Misstrauen in eine Gemeinschaft einschleichen. Trotzdem schafft es das Buch, bei allem Ernst im Hintergrund, immer eine Leichtigkeit zu bewahren, ohne ins Lächerliche abzurutschen.
Die Charaktere sind sowieso ein Highlight. Besonders Marie ist mir richtig ans Herz gewachsen. Sie ist so eine, die anpackt, aber trotzdem Herz und Humor nicht verliert. Aber auch viele der anderen Dorfbewohner sind einfach so liebevoll gezeichnet, dass ich mir beim Lesen immer wieder dachte: Den oder die würde ich gern mal auf einen Kaffee treffen.
„Her mit der Marie“ hat mich zum Lachen gebracht, zum Miträtseln animiert und manchmal auch ein bisschen nachdenklich gemacht. Eine wunderbar schräge Mischung aus Krimi und Dorfgeschichte, die sich anfühlt wie ein Abend mit guten Freunden – spannend, herzlich und mit echtem Leben gefüllt.