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Wachs

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Eine Liebesgeschichte, so schön, so verwegen, wie nur Christine Wunnicke sie schreibt. Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie Biheron, die schon im zarten Alter Leichen seziert, um deren Innenleben aus Wachs zu modellieren; und Madeleine Basseporte, die zeichnend die Anatomie von Blumen aufs Papier zaubert, weil Menschen einen ja doch nur von der Arbeit abhalten und meist keine Ahnung haben. Männer kommen auch vor, in schönen Nebenrollen – ein nervöser Bestseller-Autor, ein junger Nichtsnutz und Diderot, der Kaffee trinkt und viel redet. Ein hinreißender Liebesroman, der hin und her schwingt zwischen der Zeit, als Küchenschellen friedlich am Wegesrand wachsen, und jenen Schreckenstagen, als nicht allein der Königin wie einer schönen Blume der Kopf abgeschlagen wurde.

176 pages, Hardcover

First published February 27, 2025

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Christine Wunnicke

17 books17 followers

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4 stars
176 (35%)
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174 (35%)
2 stars
46 (9%)
1 star
9 (1%)
Displaying 1 - 30 of 77 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
481 reviews460 followers
September 19, 2025
Fröhlich-empathisches Erzählen von widerborstigen Charakteren, leider viel zu kurz.
(Shortlist deutscher Buchpreis 2025)

Inhalt: 5/5 Sterne (interessante Charaktere)
Form: 5/5 Sterne (dichte, fesselnde Sprache)
Erzählstimme: 4/5 Sterne (märchenhaft-glaubwürdig)
Komposition: 3/5 Sterne (zu rasch, zu eilig wegerzählt)
Leseerlebnis: 3/5 Sterne (zu sehr Infotainment)
---> 20/5=4,0

Wachs von Christine Wunnicke lässt sich als historischer Kurzroman bezeichnen. Der kurze Text umfasst die Jahre zwischen 1734 und 1795, die kursorisch aus der Sicht von Marie Biheron, einer Anatomikerin, und Madeleine Basseporte, einer Illustratorin und Malerin, hauptsächlich von Flora und Fauna, erzählt werden. Zäsur bildet selbstredend die Revolution von 1789, die die Stadt Paris in Mitleidenschaft gezogen hat und in die Marie sich kaum noch hinaus traut:

Vor fünf Jahren [1789] hatte das schlimme Wetter begonnen. Zu heiß. Zu kalt. Zu trocken. Zu nass. Faustgroße Hagelkörner durchschlugen die Fensterscheiben. Sie knallten auf den Arbeitstisch und zerstörten, was darauf lag, zerstörten überall in Frankreich die Ernte. […] Bauern drängten in Horden in die Städte und verbreiteten dort eine grässliche Stimmung. Dann wurde es kalt. Die Fenster froren zu. Die Flüsse froren zu. Die Mühlräder froren darin fest. Es schneite und schneite. Mit den Bauern drängten nun auch Wölfe in die Städte, sagte die Zeitung, strichen um die Häuser, heulten durch die Nacht und rissen die Kinder, die noch nicht erfroren oder verhungert waren.

Die Brotunruhen und die erhöhten Baguettepreise trieben die Landbevölkerung in die Hauptstadt. Marie flüchtet sich in ihr Kabuff. In steten Wechsel zwischen dem vor- und nachrevolutionären Paris wird der berufliche Werdegang der beiden außergewöhnlichen Frauen mehr oder wenig skizziert. Das Skizzieren besitzt den Vorteil, viel offen, viel im Geheimen und Mysteriösen erscheinen zu lassen. Und es wirkt. Marie wirkt unheimlich, zugänglich, fröhlich, vorwitzig, wie Madeleine streng, tapfer, selbstkritisch und lebenslustig. Wunnicke hat zwei sehr lebendige (historisch verbürgte) Figuren erschaffen:

»Ich hasse den Frühling«, hatte die bizarre Marie gesprochen, mit echtem Hass in der Stimme, und sonst kein Wort außer den mindesten Höflichkeiten, bei ihrer ersten Lektion. Vor einer Woche hatte ihre Mutter sie gebracht, auf dass sie hier zeichnen lerne. Seitdem erschien sie pünktlich zum Unterricht. Sie war fast noch ein Kind, schmal, blass, in immer demselben grauen Kleid. Mit festem, zu festem Stich zeichnete sie alles, was sie sollte; nicht schön. Sie zeichnete anders als alle anderen Mädchen, die Madeleine Basseporte je unterrichtet hatte. Während die meisten viel zu vorsichtig alles schraffierten, zog Marie harte Umrisslinien.

Der Märchenton bleibt und taucht die Vorgänge und Ereignisse in das milde Licht einer weit zurückblickenden Nacherzählung. Hierdurch erhält Wachs etwas sehr Ruhiges und Besonnenes, fast Zurückhaltendes. Den Personen wird nicht auf den Pelz gerückt. Sie bleiben für sich, auch die Liebe und das, was zwischen ihnen passiert, wird nur dezent, abgedunkelt, angedeutet. Wachs kommuniziert in diesem Sinne stark mit Stefanie vor Schultes Junge mit schwarzem Hahn, und informations- und aufklärungslastigen Verklärungen von wissenschaftlichen Entdeckungen wie Alan Lightmans Und immer wieder die Zeit. Wachs zu lesen bereitet Freude, hinterlässt aber den faden Beigeschmack, dass doch alles etwas schnell, zu zügig gegangen ist. Ein wenig zu rastlos, zu beschleunigt für die Zeit, die doch eigentlich erzählt wird.



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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en): Marie Marguerite Bihéron (M), begeistert von Anatomie, lebt von 1719 bis 1795, Lebenspartnerin Madeleine Basseporte (MD), 1701 bis 1780.
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe: als 14jährige schleichts sich M in die Baracke der Musketiere, um Leichen zu leihen. Sie will sie untersuchen. Sie bekommt keine und verschwindet wieder. Fühlt sich von der Bastille geschützt. Mutter führt eine Apotheke und hilft ihr. Ein Jahr später beginnt M ihren Zeichenunterricht bei MD. MD muss sich gegen männliche Zeichner der Botanik durchsetzen, führt die Schule, wurde aber nicht als Erbin vom Vorbesitzer Aubriet eingesetzt. Die Mutter ist sehr gläubig. M widerborstig, lädt MD zu einem Gottesdienst am Karmittwoch ein. Sie will MD etwas zeigen. Sie gehen hin und sehen den goldenen Altarraum. Danach verführt M sie. MD leidet unter dem Disrespekt der Kollegen und schreibt Briefe an Linné in Uppsala, die sie aber dann sofort verbrennt. Sie beschwert sich in den Briefen über die fehlende Anerkennung. M geht das Geld aus und beschließt, Geld mit dem Ausstellen von Wachsfiguren zu verdienen. Es ist das Jahr 1745. Sie beginnt Organe aus Wachs zu formen. Eine gewisse Madame d’Étoilles kommt bei MD zu Besuch. Sie heuert MD für das Bemalen der Tapeten und das Unterrichten der Hofmädchen an. Von M kauft sie ein Herz und ein Hirn aus Wachs. M unterrichtet Diderot, hat einige Schüler, auch Hebammen, die sich nur vordergründig bei ihr Treffen. Diderot streitet sich mit seiner Frau herum. Diderot und M philosophieren über die Chronologie und Chronometer. 1780, MD geht durch den Jardin du Roi, nun auf dem Höhepunkt der Anerkennung. M pendelt zwischen Paris und England. Sie schreiben sich Briefe. Sie hat es vermocht, die Grenadille passiflora zu bestäuben, die nun eine Frucht zeigt. Leider wurde die Frucht von einem Vogel zerhackt, der sich durch den die Frucht schützenden Käfig gekämpft hat. MD stribt.
Während der Revolutionsereignisse und dann weitere viereinhalb Jahre legt sich Marie zum Sterben hin, übergibt ihre Wohnung und zieht in ein Kabuff, wo sie gepflegt wird, auf dem Bett liegt und auf dem Tod wartet. Ein gewisser Edmé Cantegrit verpflegt sie, bringt Essen und leert ihre Bettpfanne. Sie räsoniert über die Guillotine, die sie das Cembalo nennt. Dann beginnt sie wieder Lebensmut zu fassen, zumindest eine gewisse Neugier. Edmé schlägt sich durch als Kesselflicker und später auch als Stricher. Die Geschäfte des Vaters gehen nicht gut. M beschließt, wieder in die Stadt zu gehen und bittet Edmé sie auf einem Wagen zu ziehen. Er fährt sie zur Bastille, zeigt das Paris, das sich verändert hat. Sie gehen in einen Buchladen. Dort liegt der Roman Paul und Virginie Jacques-Henri Bernardin de Saint-Pierre, ein Buch, das M wegen der herabwürdigenden Frauenfiguren verabscheut (die Heldin ersäuft, weil sie ihr Hemd anlassen will). Sie sucht Affenbilder. Im Park der Tuilerien treffen sie auf einen Brigadisten mit einen angeketteten Bären, und ein winziger zerzauster Affe springt auf M herum, pinkelt sie an. M möchte zum Jardin des Plantes. Saint-Pierre leitet den Jardin des Plantes sehr schlecht. Er geht vor die Hunde. M und Edmé besuchen ihn. Sie wollen einen toten Affen erwerben. Sie sehen einen toten Leoparden. Sie treffen den Affen vom Karussellplatz an den Tuilerien wieder. Völlig zerzaust, erschöpft, fast verhungert. Sie nehmen ihn mit. M will unbedingt vor ihrem Tod einen Affen sezieren. Sie nennen ihn Virginie. Virginie blüht auf und wird zu einem Familienfreund. M lebt nun bei den Cantegrit, fröhlich und mag den Frühling. Der Affe bringt die Familie zusammen.
●Kurzfassung: Marie, eine Anatomikerin kämpft sich durch, und Madeleine, eine Zeichnerin von Pflanzen auch. Sie finden zusammen und leben ein glückliches Leben. Madeleine stirbt als Hofzeichnerin vor der Revolution. Marie verkriecht sich während dieser und legt sich hin zum Sterben, stirbt aber nicht. Nach viereinhalb Jahren schleppt sie sich durchs postrevolutionäre Paris und findet neuen Lebensmut durch einen Affen.
●Charaktere: (rund/flach) – rund, wohlgezeichnete, eigenwillige Charaktere, mit wildwobenden Gedankenwelten.
●Besondere Ereignisse/Szenen: Musketier mit der Oboe; gute Szene am Anfang, mit der vorwitzigen Marie in der Musketierbaracke.
●Diskurs: Frauenemanzipation, Nichtanerkennung ihrer Leistungen, Aufklärung insgesamt.
… gefesselt durch wahre Geschichte, Eckdaten der beiden Hauptfiguren: Marie Marguerite Bihéron und Madeleine Françoise Basseporte; insofern gebremste Phantasie, ambigue Geschichtsschreibung.
… informatives Märchen. Vgl. Bücher wie Einsteins Traum von Alan Lightman. Wirkt verzaubert, auch ein wenig wie Junge mit schwarzem Hahn von Stefanie vor Schulte, besitzt auch Züge von Empusion, durch die entfernte Erzählstimme, und Blaue von Antje Rávik Strubel, wie auch ihr Der Einfluss der Fasane.
… für meinen Geschmack zu kurz, und dann auch noch episodenhaft, zweigeteilt, so dass durch die Zeitlücke, die entsteht (insbesondere zwischen 1780 und 1794), aber auch davor, die Figuren sehr weit entfernt wirken, dennoch einen Zauber ausstrahlen, aber gedämpft, schillernd, nicht brennend, lebendig, eher weit weit weg.
--> 5 Sterne

Form:
●Wortschatz:
●Type-Token-Ratio: 0,17 stilistisch anspruchsvollere (Musil >0,25 - Genre < 0,1)
●Satzlängen-Verteilung-Median: 10, mit Standardabweichung 8 Wörtern. Schnelle, zügige Prosa, schnell zu lesen.(bei Musil: 28 Wörter mit Standardabweichung 19 Wörter)
●Anteil der 1000 häufigsten Wörter: 77%, weist auch auf die literarische Sprachstruktur hin (Musil/Mann <70% - Genre >80%)
●Wortartenverteilung: relativ gering, typisch für Gegenwartsliteratur Adverbien unter 1%, Adjektive unter 2% (Adjektive - Musil 13%, Adverbien 7%)
●Stimmige Wortfelder: sehr stimmig, sehr historisch
●Satzstrukturen: schnell, Szenenanweisung, eher inszeniert
●Wiederkehrende Motive/Tropen: Tiere, der Affe, Leichen
●Innovation: für die Gegenwart sehr poetische Prosa, leicht beschwingt
… ich gebe 5 Sterne, weil die Sprache zugänglich, nie langweilig, nie ärgerlich, nie spröde wirkt. Zwar besitzt Wunnicke kaum Innovation, aber durch die Sprache kommt eine Erzählweise und Souveränität hindurch.
--> 5 Sterne

Erzählstimme:
●Eindruck: eine gebrochen, personale Erzählweise aus Maries und Madeleines Sicht, die aber auktoriale Züge durchs Episodische und die raschen und vielen Schnitte erhält. Sehr Märchenhaftes.
●Erzählinstanz (reflektiert, situiert, perspektiviert?): Erzählinstanz verbirgt sich, wirkt aber durch das leutselige Erzählen glaubwürdig, situiert und perspektiviert bleibt es auf seine, personale, Weise. Die Figuren besitzen Selbstbewusstsein. Gutes Genre-Erzählen.
●Erzählverhalten, -stil, -weise: sehr empathisch, freundlich, offen für die Figuren.
●Einschätzung: Es besitzt keine eigene Erzählinstanz im strengen Sinne, aber passt zum Plot und Stoff, ein sehr klassisch-naives Erzählen, das sich wenig Schnitzer erlaubt. Sehr zusammenfassend.
--> 4 Sterne

Komposition:
●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): Hin und Her gewechselt zwischen dem vorrevolutionären und nachrevolutionären Paris, also die Zeit, als Madeline noch lebt und als sie bereits verstoben ist.
●Extradiegetische Abschnitte: Nein.
●Lose Versatzstücke: Nein. Ein wenig unpassend das Herumgehacke auf Paul und Virginie, passt nicht in den Fluss, nicht zu Marie.
●Reliefbildung: durch die arge Verdichtung, viel Tempo, sehr abwechslungsreich.
●Einschätzung: leider ein viel zu schnelles Tempo, zu viele Sprünge, zu wenig Dauer, zu wenig Festhalten, mehr alles in einen Topf Werfen, Herumrühren und Servieren und hoffen, es mundet. Eilig runtererzählt. Leider. Vielleicht, weil es an historischen Eckdaten mangelt.
--> 3 Sterne

Leseerlebnis:
●Gelangweilt: nein, spannend
●Geärgert: nein
●Amüsiert: ja
●Gefesselt: ein wenig
●Zweites Mal Lesen?: leider nicht – es besitzt einen zu großen pädagogischen, und einen zu geringen narrativen Grad, zu wenig komplex
--> 3 Sterne
Profile Image for Sandra.
203 reviews49 followers
September 6, 2025
Dieses Buch hat einen fantastischen Einstieg, der mich umgehauen hat und die Protagonistin Marie ist eine der besten Romanfiguren, die mir je begegnet sind. Gerne hätte ich mehr von ihrer Geschichte gelesen, von ihrer Beziehung, ihrem Lebensweg. Leider gibt das Buch nur vereinzelt Einblicke und die Lücken, muss man sich denken. Das geht ganz gut, die Autorin gibt durchaus genug Informationen und Hinweise. Ich hätte es halt einfach so gerne gelesen, mehr von ihrem Leben miterlebt (oder erlesen)...

Trotzdem eine große Leseempfehlung hier.
Profile Image for Babywave.
357 reviews128 followers
October 9, 2025
Aufmerksam bin ich auf das Buch durch den Deutschen Buchpreis geworden.

Irgendwie traute ich mich nicht so recht heran an den Text.
Nachdem er dann aber auf der Shortlist erschien, war die Neugierde dann doch zu groß.

Zu Beginn hatte ich ehrlicherweise Schwierigkeiten, mich mit dem Schreibstil anzufreunden und Zugang zu dem Text zu finden. Doch nach und nach, genoss ich die Geschichte um Marie Biheron und Madeleine Basseporte im Paris des 18. Jahrhunderts.

Man spürt, dass Christine Wunnicke ihr Handwerk versteht und ein tolles Stück Literatur erschaffen hat. Meines Erachtens nach, erschafft sie nicht nur ein Setting in Paris zwischen 1733 und 1795 sondern gibt einem das Gefühl, sie selbst hätte den Text zu dieser Zeit verfasst. Ich meine das ausschließlich positiv. Für mich ist dieses Buch jetzt schon ein Klassiker.

Erstaunlich gut fand ich die beiden Protagonistinnen, die tatsächlich existierten. Biheron , die ein Talent dafür hatte, Organe aus Wachs herzustellen. Sie lehrte tatsächlich anhand der Modelle später in London Anatomie. Sie unterrichtete sogar angehende Chirurgen.
Innerhalb der Geschichte lässt Wunnicke Biheron eine Liebesbeziehung zu der älteren Madeleine Basseporte entwickeln. Diese ist eine Pflanzenzeichnerin, die aufgrund ihres Talentes sogar am königlichen Hof angestellt war.

Beide Frauen sind ihrer Zeit weit voraus und haben Talente, die sie nur beschränkt ausleben können, und zudem trotz ihrer Genialität ein Leben im Schatten des Patriarchats fristen müssen.

Mich haben sowohl der Text als auch die realen historischen Persönlichkeiten wirklich beeindrucken können.

Profile Image for Markus.
280 reviews96 followers
Read
August 24, 2025
Vor kurzem stand ich staunend im Wiener Josephinum vor den alten anatomischen Wachsmodellen, die im 18. Jahrhundert modern wurden – Aufklärung und Kunst in einem, oft so inszeniert, als hätte ein Barockmaler seine Heiligen gegen Leichen getauscht. Fast wie bestellt erschien kurz danach Christine Wunnickes neuer Roman Wachs.

Gleich auf den ersten Seiten spricht die 14-jährige Marie Bihéron in einer Kaserne vor, um eine Leiche zu kaufen. Sie ist wild entschlossen, sich selbst das Sezieren beizubringen. Sie will Anatom werden, sie weiß, dass sie als Anatomin keine Chance hat.

Wachsmodell
[Ganzkörpermodell aus Wachs im Josephinum, Wien]

Leichen im Schlafzimmer verwesen naturgemäß schneller als man sie zerschneiden und zeichnen kann. Deshalb wechselte Marie vom Sezieren zum Modellieren, das aber ebenso viel Geduld und Knowhow verlangte – keine schlechte Herausforderung für eine Frau im 18. Jahrhundert.

Genauso bemerkenswert ist die zweite Protagonistin: Madeleine Basseport, berühmte Pflanzenillustratorin und erste Frau in der Position eines „Peintre du Jardin du roi“. Zwei eigenwillige Frauen also, die sich nicht mit Gebären, Herd und Nadel zufriedengeben wollten, sondern unbeirrt ihren eigenen Weg gingen - und erfolgreich waren.

Recueil de dessins de fleurs / Madeleine-Françoise Basseporte
[Recueil de dessins de fleurs / Madeleine-Françoise Basseporte]

Wunnicke porträtiert die beiden Frauen in einem knappen Dutzend exemplarisch herausgegriffener Episoden und damit lückenhaft, aber mit dem für sie typischen skurrilen Witz und reichlich poetischer Freiheit. Was die historischen Quellen verschweigen, erfindet sie – und macht aus den beiden ein Liebespaar. Gerade darin liegt der Reiz: Die Leerstellen sind kein Mangel, sondern ein Spielfeld für Fiktion. Nur, das Buch ist kurz und ich hätte noch einige Kapitel mehr mit Marie und Madeleine vertragen. So erscheint mir Wachs wie ein Fragment, ein unvollständiges Fundstück aus der Vergangenheit als Anreiz zur Imagination.
Profile Image for Steffi.
1,123 reviews272 followers
April 5, 2025
Endlich wieder ein neuer Wunnicke. Und endlicher wieder in Europa spielend, genauer gesagt im Paris des 18. Jahrhunderts.

Leider handelt es sich nur um eine kurze Geschichte, ich wäre der Hauptfigur gerne wieder länger gefolgt. Im Mittelpunkt steht die historisch verbürgte Marie Biheron, die seit früher Jugend Leichen sezierte und deren Organe in einem selbst perfektionierten und eingefärbten Wachs nachbildetet, sodass lebensechte Exponate entstanden, die nicht nur von wissenschaftlichem nutzen waren, sondern beispielsweise von Marie Antoinette gesammelt wurden.

Wie meist bei Wunnicke gibt es eine zarte, queere Liebesgeschichte, hier mit der ebenfalls historischen Pflanzenmalerin Madeleine Basseporte.

Macht Lust zum Weiterrecherchieren und leider gibt es keine weiteren künstlerischen Bearbeitungen dieses spannenden Lebens. Meine einzige Kritik ist die Kürze des Romans.
Profile Image for Marion.
247 reviews18 followers
August 27, 2025
Ein historischer Roman um zwei Frauen in der Zeit um die französische Revolution.
In einer wunderbar „altmodischen“ Sprache, ein Genuss, wenn man es mag.

Auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2015 und es hat mir sehr gefallen.
Profile Image for Elena.
1,040 reviews418 followers
March 16, 2025
"Dann sagte sie: "Wachs." Es kam in demselben kargen Ton heraus wie zuvor das Wort "Frauen". Sie umfasst, dachte Madeleine, mit einem Wort alles, was Wachs ist. Das Formbare, Schmiegsame, Weiche von Wachs. Das harmlos Alltägliche. Das Heikle: Wie entflammbar es ist. Sein Geheimnis: Warum erst die Biene es hat und man es in der Blüte nicht sieht. Wie sehr es der menschlichen Haut gleicht. All die vielfältige, seltsame Schönheit, die dem Wachs anhängt, wenn man es genauer betrachtet."

Paris, 18. Jahrhundert: Marie Biheron seziert seit ihrer Kindheit Leichen, um deren Innenleben aus Wachs zu modellieren. Während dieses seltsame Kind anfangs niemand ernst nimmt, gerät sie im Laufe ihres Lebens zu einiger, wenn auch zweifelhafter Berühmtheit. Als junge Frau schickt sie ihre Mutter in den Zeichenunterricht von Madeleine Basseporte, die am liebsten die Anatomie von Blumen mit ihrem Stift festhält, aber zum Malen von Bordüren verdammt ist. Madeleine ist sofort von Marie eingenommen - und die beiden verlieben sich ineinander.

Christine Wunnicke erzählt diese ungewöhnliche lesbische Liebesgeschichte aus dem 18. Jahrhundert aus den Perspektiven von Marie und Madeleine, von der Jugend über das Kennenlernen bis zum hohen Alter, in dem gerade Marie nur noch wenig vom Leben erwartet, durch einen jungen Taugenichts und einen Affen doch wieder von ihrer Lebendigkeit überzeugt wird. Ich mochte diesen kurzen historischen Roman und wurde gerne an Marie Biheron und Madeleine Basseporte erinnert, zwei reale Persönlichkeiten, von denen ich zuvor nichts gehört habe. "Wachs" hat keinen überbordernden Spannungsbogen und bleibt für mich auch nicht nachhaltig im Kopf, zeigt aber, dass es für historische Romane nicht immer viele Seiten benötigt und erzählt eine schöne Geschichte über weibliche Solidarität unter Künstler*innen. Skurrile Figuren, eine etwas andere Lovestory und ein Gespür für die historischen Begebenheiten zeichnen diesen Roman aus - für mich ein guter Buch-Snack!
Profile Image for Rosa.
654 reviews41 followers
December 16, 2025
2.5*
Ich habe mich teilweise leider sehr schwer getan mit den Zeitsprüngen und generell der Geschichte zu folgen. Auch ist mir immer noch nicht ganz klar, was genau der Sinn der Sache war. Ich finde sehr interessant, dass Marie wirklich existiert hat und auch Präparate gemacht hat, aber die Geschichte, war jetzt nicht so aufregend.
33 reviews
April 23, 2025
Dieses Buch als “Liebesgeschichte” zu bezeichnen finde ich etwas irreführend. Zwar sind die Hauptfiguren zwei Frauen, die eine langjährige Beziehung führen, aber der Fokus liegt eher auf der jeweiligen Person. Die Wahl von zwei willensstarken, exzentrischen Frauen in einem historischen Setting hat mir gut gefallen und das Buch ist so kurz, dass man es eigentlich in einem Rutsch lesen kann. Die einzige echte Kritik, die ich habe, ist der Altersunterschied zwischen den beiden Frauen. Zu Beginn des Verhältnisses ist Marie 15. Madeleine dagegen ist 34, und zudem noch Maries Lehrerin. Das war mir ganz ehrlich ein bisschen zuwider und wird auch in keiner Weise kritisch thematisiert. Dafür ein Stern Abzug.
Profile Image for Sarah.
640 reviews10 followers
January 13, 2026
Ich habe mich sehr amüsiert und besonders Marie als Charakter sehr gefeiert! (Klappentext ist allerdings eine schlechte Repräsentation dieser Geschichte.)
Profile Image for Uralte  Morla.
370 reviews126 followers
May 13, 2025
"Wenn Frauen Frauen liebten, gefiel das Gott." (Seite 76)

Marie Marguerite Bihéron (1719 - 1795) und Madeleine Françoise Basseporte (1701 - 1780) sind zwei Frauen, die sich lieben - zumindest bei Christine Wunnicke, die den beiden mit ihrem Roman "Wachs" ein literarisches Denkmal setzt und sie dabei zu einem Liebespaar deklariert. Ob die beiden wirklich eine innige Beziehung verband, weiß ich nicht. Was ich weiß: Diesen Roman solltet ihr unbedingt lesen!

Weil er so witzig-frech daherkommt. Und weil er Historie erzählt, bei der man das Gefühl hat, man könne sie anfassen - egal, ob das Erzählte auf realen Fakten basiert oder nicht.

Fakt ist: Marie Biheron studierte Zeichnen bei Madeleine Basseporte. Darüber lernen sich die beiden auch im Roman kennen. Marie ist hier etwas 15, Madeleine 34 und eine strenge Lehrerin. Bei Marie sieht sie kein wirkliches Talent. Und doch ist sie fasziniert von dem Mädchen, das in der ehemaligen Apotheke ihres Vaters Leichen aufschneidet und Anatomie studiert. Später wird sie sogar heiraten. Weil Marie das so will. Überhaupt ist sie die Vorantreibende in der Beziehung. Auch wenn der Altersunterschied ein leichtes Geschäckle bei mir hinterlässt, mochte ich die Dynamik der beiden einfach zu gerne.

"Sie gab sich Marie in die Hände, und Marie nahm sie gern. Sie bediente die rechte Kurbel, sie leitete Elektrizität ein, sie kannte die Nervenbahnen, und Mademoiselle Basseporte zerschmolz." (Seite 145)

Abgesehen von der hübschen Liebesgeschichte erzählt Wunnicke hier aber vor allen, von zwei Frauen, die sich in einer männerdominierten Welt einen Namen machten - und mit den Schwierigkeiten, die das mit sich brachte. Immer wieder werden sie nicht ernst genommen, aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt oder ignoriert.

Immerhin waren Biherons anatomische Wachsmodelle international berühmt, wurden unter anderem von Katharina II. gekauft, ihre anatomischen Veranstaltungen von Denis Diderot besucht. Der kommt übrigens auch im Buch vor, eine herrlich chaotische Figur.
Und auch Basseportes Naturzeichnungen fanden große Anerkennung, unter anderem wurde sie zum Mitglied der Académie royal des sciences berufen.
"Marie rannte durchs Leben. Madeleine wurzelte darin. Und an beiden zog es vorbei." (Seite 168)
Auch von den politischen Veränderungen Frankreichs erzählt "Wachs". Von den Auswirkungen der Französischen Revolution und was sie mit der dann schon sehr alten Marie macht - von der es laut Wunnickes Nachwort tatsächlich keine Aufzeichnungen mehr gibt.
Von all dem erzählt Wunnicke in einer Sprache, die gleichzeitig 17. Jahrhundert und Moderne ist. Ein Stilmittel, das unglaublich gut funktioniert und sehr viel Spaß macht. Sie zeichnet beide (also eigentlich alle) Charaktere so liebevoll und griffig und rund, dass ich mich nur schwer von ihnen lösen konnte.

Ein grandioser Roman, eine dringende Leseempfehlung!
Profile Image for Iamthesword.
333 reviews24 followers
October 20, 2025
Shortlisted for the German National Book Award (Deutscher Buchpreis)

Two women in pre-revolutionary France deal with the preservation of nature - one by doing anatomic models, the other by painting plants. At one point they meet and fall in love. Later, the younger of the two, now an old woman, witnesses the French Revolution of 1789. It is an enjoyable read (not least because of a buffoonish Diderot stumbling through some of the scenes) that works as an entertaining historical novel about the place of women in the (scientific) world of the 18th century. It is competently written and has an interesting structure that jumps back and forth between the different points in time leaving enough in the dark for the reader to draw his own conclusions. Still, I was hoping for a bit more - but perhaps it is unfair to compare every historical novel to Hilary Mantel and Daniel Kehlmann...
Profile Image for Aki.
1,021 reviews
January 13, 2026
Nachdem ich das Buch fertig gelesen hatte, war ich so ... ich habe keine Ahnung ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Jetzt mit Abstand und der Diskussion im Buchclub kann ich sagen: Ich mochte eigentlich ganz viele der Szenen sehr und das dazwischen...war mir egal.
Am Anfang habe ich mich auch mit dem Schreibstil schwer getan, es war nicht immer der leichteste zu lesen, aber gerade durch den Stil kamen einige der Szenen so gut heraus.

Ich glaube, wenn man mit der richtigen Erwartung - Episoden im historischen Setting - an das Buch herangeht, dann kann es einem super viel Spaß machen. Und man sollte es möglichst in längeren Sitzungen lesen, dann kommt man besser hinein.

Ich fand auch alle Charaktere eher unsympathisch, aber das sollen sie auch sein. Marie weiß halt ganz genau was sie will und nimmt es sich ohne Rücksicht auf Verluste. Madeleine ist eher passiv, außer wenn sie ihre Briefe schreibt und verbrennt.

Gerade die letzten Kapitel in der Zeit der Revolution haben dann sehr viel Humor, wenn man sich darauf einlässt.
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
211 reviews36 followers
March 31, 2025
1733, in der Kaserne der Schwarzen Musketiere, vor den Toren von Paris: ein Kind, die knapp 14-jährige Tochter des Apothekers Biheron, Marie, marschiert unbeirrt in die Kaserne, mitten in der Nacht. Den verblüfften Soldaten macht sie klar: sie möchte eine Leiche kaufen, für ihre anatomischen Experimente. Schließlich wurde ihr (im Scherz) gesagt, dass man Leichen beim Militär kaufe…

In Episoden erzählt Christine Wunnicke aus den Leben zweier fast vergessener historischer Frauenfiguren: Marie Biheron, Zeichnerin und Bildnerin von anatomischen Wachspräparaten, und Madeleine Basseporte, Malerin mit dem Schwerpunkt Botanik. Die beiden Künstlerinnen sind real, die Geschichte ihrer Liebe frei erfunden. Christine Wunnicke ist unvergleichlich gut darin, perfekte historische Miniaturen zu schaffen, charmant, mit Schalk im Nacken und ungeheurem Wissen von den und Gefühl für die Gepflogenheiten des 18. Jahrhunderts. Sprache und Witz glänzen in dem nur 192 Seiten langen historischen Roman, der jedoch von einer Dichte ist, die viele Autor*innen auf 600 Seiten nicht zustande bringen.

Die selbstbewusste, getriebene Marie erhält ihre erste Leiche, die eines kleinen Mädchens, mit Hilfe ihrer Mutter, der Apothekerin, da ist sie selbst noch ein Kind. Mit der ihr eigenen Vehemenz erwählt Marie sich ihre Zeichenlehrerin Madeleine Basseporte als Mentorin und als Geliebte für ein ganzes Leben. Während Madeleine sich eine Position als Hauptzeichnerin im Naturhistorischen Kabinett sichert, mit vielen Vorzügen, jedoch nur dem halben Gehalt ihres Vorgängers und unter ständiger männlicher Kontrolle, bringt sich Marie die Arbeit mit Wachs bei: „Sie braucht dafür nicht mal ein Modell. Sie kann es aus dem Gedächtnis. Alles, was der sterblichen Hülle innewohnt, befindet sich in ihrem Kopf. Sie verschönt es dort drinnen. Sie nimmt das Kranke fort, das Faule, das Gestorbene, dann gibt sie ihre Liebe hinzu und macht alles heil. Sie besiegt den Tod en passant, wenn sie bossiert, und erschafft von allem das Prinzip.“

Wir treffen das Mädchen Marie erneut auf dem Sterbebett, 60 Jahre später, 1793. Die Witwe Capet aka Marie-Antoinette verliert ihren Kopf, während Marie, alt, mittellos, ans Bett gefesselt, noch immer neugierig und fasziniert von ihrem eigenen Körper ist.
Die Episoden aus den Leben der beiden Frauen sind so sorgfältig gearbeitet wie Stickereien. Männer treten in Nebenrollen auf in dieser feministischen Erzählung vor dem Hintergrund der französischen Revolution, auch die mit den „großen“ Namen: Diderot zum Beispiel ist ein kaffeesüchtiger Hansdampf.

Besondere Freude hat mir Wunnickes Wortwahl bereitet: „fußkalt“, „vordem“, die Liebe zur Sprache dringt aus allen Poren in „Wachs“.

CN: Krankheit, (gewaltsamer) Tod, ungleiches Alters-/ Machtverhältnis, Tierleid
Profile Image for Thorben.
109 reviews8 followers
October 29, 2025
Christine Wunnicke schreibt einen historischen Roman, der sich nur äußerst lose an die Fakten hält und zahlreiche berühmte historische Figuren in Miniaturen verpackt. Das gab es schon, doch bei Wunnicke klingt es natürlich vollkommen eigen.

Und während mir der rote Faden bei „Selig und Boggs“ fehlte, bauen hier die Hauptfiguren, zwei neugierige Wissenschaftlerinnen, die so gar nicht in ihre Zeit passen wollen, eine Brücke zwischen den verschiedenen Zeitebenen des Ancien Régime und dem revolutionären Frankreich. Mit viel Witz und manchem absurden Dialog entdeckt der Leser hier eine wankende Welt durch die oft ebenso ratlosen Augen ihrer Bewohner.
Profile Image for jonah.
16 reviews
November 3, 2025
schnell gelesen war es nicht, dafür aber unglaublich charmant und entzückend und weird in jedem kleinen abschnitt. die autorin schafft es in unter 200 seiten ihren zwei hauptfiguren und deren angehörigen unglaubliche lebhaftigkeit zu schenken auf eine art und weise die mich zu tiefst mitgenommen und beeindruckt hat. lasst euch drauf ein, dann macht es spaß!
Profile Image for Jessi ❤️ H. Vojsk [if villain, why hot?].
842 reviews1,026 followers
November 9, 2025
Was für ein wildes, chaotisches und doch gefühlvolles Buch.

Es geht um Marie Biheron, aber auch und Madeleine und Edme und jede Menge anderer Charaktere, die zusammengehören.
Wir springen durch die Zeit - hin und her - sehen Zukunft, Vergangenheit, Gegenwart von unterschiedlichen Perspektiven und an einem Ort: Paris.
Auch wenn die Geschichte mich manchmal verwirrt hat, hat sie mir letztendlich doch gefallen.
Profile Image for Julien Dopp.
72 reviews5 followers
September 3, 2025
Ein Juwel von einem Buch. Ich habe sprachlich und inhaltlich jede Seite dieses Buches geliebt.
1 review
May 19, 2025
Selten hat ein Buch mit einem Kapitel so stark angefangen und gleichzeitig auch nachgelassen. Die meiste Zeit kam mir das Buch vor, wie ein schlechter Fiebertraum. Am Anfang fand ich es richtig cool, und irgendwann hab ich nur noch gehofft, dass es bald vorbei ist. Fand nur ich den Age-Gap problematisch?
Profile Image for Charleen Lyska.
87 reviews1 follower
October 15, 2025
Ein sehr interessantes Buch. Die Sprache fühlt sich authentisch und beeindruckend an, was das Lesen ein wenig erschwert hat. Man konnte eher weniger seine Gedanken dabei schweifen lassen.
Die Erzählebene ist super spannend, an manchen Punkten hat mir aber noch ein bisschen was gefehlt, damit es rund wird.

Insgesamt ist es interessant gedacht, in einem spannenden Erzählstil.
91 reviews
December 30, 2025
3.5 ⭐️ Ich mochte die schrägen Figuren und das historische Settig, das mal nicht in Form eines fetten Schinkens war. Die achronologische Erzählweise hat mir gefallen, aber irgendwie auch dafür gesorgt, dass ich den Figuren nicht ganz nah sein konnte. Erst am Ende habe ich verstanden, dass es hier um zwei historische Persönlichkeiten geht, was ich sehr spannend finde und im Nachhinein die Geschichte um die beiden mit den fiktiven Elementen dazu für mich nochmal aufgewertet hat.
Profile Image for Jelka.
99 reviews
October 23, 2025
Habe mich bei jedem Satz gefreut, so viel Wärme und Witz steckt in diesem Buch! Eine ganze Welt tut sich da auf und ganze Leben, und alles auf 200 Seiten. Ich liebe die beiden Damen so sehr, ich liebe den Schreibstil, einfach nur ein absolutes Highlight, so kann Literatur sein!!
Profile Image for Sabine H.
102 reviews2 followers
May 31, 2025
Französische Künstlerinnen des 18. Jahrhunderts sind ja per se erst mal rasend interessant, und das sind die Protagonistinnen hier auch. Gut gefallen hat mir auch der Modergeruch des Ancien Regime und das bröselnde Chaos der Revolution. Aber es wird mir zu viel geschrien in diesem Roman.
Profile Image for Sophie.
8 reviews
September 22, 2025
Habe den Roman sehr gerne gelesen. Bin eigentlich gar kein Fan historischer Romane, vor allem außerhalb neuester Geschichte. Sehr schön fand ich natürlich alles Feministische und Lesbische :) und ich habe mich nebenbei mit einer Zeit und Menschen befasst, von denen ich bisher kaum etwas wusste
Profile Image for Hannah.
69 reviews1 follower
December 18, 2025
"Dann sagte sie: 'Wachs'. Es kam in demselben kargen Ton heraus wie zuvor das Wort 'Frauen'. Sie umfasst, dachte Madeleine, mit einem Wort alles, was Wachs ist. Das Formbare, Schmiegsame, Weiche von Wachs. Das harmlos Alltägliche. Das Heikle: Wie entflammbar es ist. Sein Geheimnis: Warum erst die Biene es hat und man es in der Blüte nicht sieht. Wie sehr es der menschlichen Haut gleicht. All die vielfältige, seltsame Schönheit, die dem Wachs anhängt, wenn man es genauer betrachtet."
107 reviews
October 27, 2025
Ja, ich weiß, jetzt bin ich ein Kunstbanause, aber ich bin weder mit der Sprache noch mit der erratischen Erzählweise zurecht gekommen. Schade
Profile Image for Jule.
348 reviews15 followers
August 29, 2025
Der Anfang hat mich sehr gecatcht, doch dann hat es schnell nachgelassen. Das kurze Büchlein verliert sich in Nebensträngen, es will kein roter Faden entstehen. Nach 100 Seiten konnte ich kaum mehr über die Protagonist:innen berichten als im Klappentext zu lesen. Die Idee des Buches finde ich äußerst gelungen, aber leider nicht zu Ende erzählt. Das Auftauchen der männlichen Nebenfiguren erschließt sich mir nicht und die Perspektivwechsel weg von den Protagonist:innen so schade. Auch sprachlich fand ich das Buch holzig. Oder wachsig.
Profile Image for Tobias.
29 reviews1 follower
September 8, 2025
Die FAZ schreibt, ein historischer Roman muss nicht lang sein. Das stimmt, trotzdem hätte es hier gerne mehr sein dürfen.

Der kurze Text umfasst die Jahre 1734 bis 1795 und begleitet die Lebenswege zweier Frauen: Marie Biheron, Anatomistin und Madeleine Basseport, Malerin. Bereits die ersten Seiten entfalten eine atmosphärische, bisweilen poetische Prosa, die verzaubert und unmittelbar in die Geschichte hineinzieht.
Aufgrund der Kürze bleiben die Schilderungen skizzenhaft; vieles wird nur angedeutet und dem Vorstellungsvermögen der Lesenden überlassen. Gerade darin liegt jedoch die Kraft des Textes, denn Wunnicke erschafft zwei widerspenstige, lebendige Figuren, die im Gedächtnis bleiben.
Die historisch verbürgten Persönlichkeiten und Schauplätze laden zudem dazu ein, selbst weiterzuforschen und in jene Zeit einzutauchen.
Displaying 1 - 30 of 77 reviews

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