Zwei Großmütter, die eine aus einer armen Schweizer Bauernfamilie, die andere aus einer wohlhabenden Familie in Kamerun. In einer unglaublich knappen, wie gemeißelten Sprache erzählen sie von ihrer Kindheit, ihren Hoffnungen und Enttäuschungen. Sie heiraten, werden gedemütigt, entwürdigt. Aber dieses Leben, diese Erfahrungen lassen in ihnen eine gewaltige Wut anwachsen, die schließlich, auch mit Hilfe ihrer Enkeltöchter, zu ihrer Befreiung führt. Ein mitreißender, verblüffender Roman.
Ich wollte vor dem Schlafengehen einfach noch kurz das Buch anfangen, jetzt ist es 1 Uhr morgens und ich bin fertig, upsi. Tolles Buch. Kurze Sätze, kurze Kapitel, perfekt zum durchsnacken, aber inhaltlich mit wahnsinnigem Tiefgang. Das ist in meinen Augen die grösste Kunst in der Literatur – Mit so wenigen Worten so viel zu sagen, so viel Emotion zu transportieren. Sehr feministisch aus einer untypischen Perspektive. Ich habe einige Bücher gelesen, in denen Frauen innert kurzer Zeit, wenigen Jahren, lernen für sich einzustehen. Aber hier zu lesen, wie es für viele Frauen ein ganzes Leben dauert, um das zu schaffen, berührt auf einer ganz anderen Art. Dieses Buch lässt mich demütig, dankbar zurück, dass ich in diesem Zeitalter, in diesem Land, mit dieser Bildung und diesen Freiheiten leben darf.
Bei diser Lektüre habe ich oft an meine eigenen Grossmütter gedacht. Die Frauen, denen Melara Mvogdobo eine Stimme gibt, gehörten wie auch meine Grossmüter, einer Frauengeneration an, die ihr Leben lang hart arbeiten, still, genügsam und fleissig sein mussten und kaum je Wertschätzung für ihr Wirken erfuhren. Wünsche und Träume hatten keinen Platz. Herabwürdigungen durch die Ehemänner standen an der Tagesordnung. Die Ausdrucksstärke, mit welcher Melara Mvogdobo die beiden Frauenschicksale in einer faszinierend reduzierten Sprache schildert, hat mich berührt und tief beeindruckt. So klug, wie Melara Mvogdobo die Frauen in ihrem grossartigen Text würdigt und ihnen ihre Wirkungsmacht zurückgibt.
Ein sehr, sehr gutes Buch. Ich bin hin und weg! :) :) :)
woah hätt nit dänkt dass mi das kleine büechli so in si bann zieht. has eigentlig zum verschenke kauft und gar nit welle läse, bi numme schnäll ahnegsässe zum dr afang läse und has grad verschlunge. female rage aber mit omas findi sehr toll. durch d verwändig vo schwizerdütsche redewändige im buech fühlt me sich bim läse so vertraut mit de gschicht. sehr kreativ umgsetzt und git eim wirklig z dänke. klein aber fein😌
Sehr gute und schnell zu lesende Geschichte. Zwei Grossmütter, die eine aus der Schweiz, die andere aus Kamerun blicken auf ihr Leben zurück - was sie wollten, was sie aufgegeben haben und wie sie sich schliesslich befreit haben. Es zeigt gut die Gemeinsamkeiten der female rage, der kulterellen Erwartungen an Frauen und die Kraft die sie trotzallem treibt.
Die schwarze Schriftfarbe steht für die Lebensgeschichte der einen Großmutter, die in der Schweiz aufwächst. Die rote Schriftfarbe kennzeichnet die andere Großmutter in Kamerun. Durch die unterschiedlichen Farben wird also klar getrennt, wer gerade spricht / welche Perspektive gerade erzählt wird. Gleichzeitig wird so das Stilmittel der Parallel-Erzählung visuell unterstützt.
Die Geschichte ist sehr langsam und klein, doch gegen Ende wird genau deswegen die Handlung so überaschend, so mounmental und die Leser*In hat nach dem Lesen einige Fragen offen: Waren diese Personen schlecht? War ihre Handlung gerechtfertigt? Warum half Ihnen niemand? Was ist Kultur und was ist Frauenfeindlichkeit? Was sind die Grenzen des Ertragbarem? Was ist Gerechtigkeit? Was ist Freiheit? Was ist der Preis dieser Sachen?
“Da ist noch ein anderer Laut. Etwas Fremdes. Ein leises, unscheinbares Ploppen. Es sind meine Träume, meine Ideen und die Vorfreude auf mein zukünftiges Leben, die vom Rest der Welt vollkommen unbeachtet, in der Dunkelheit des Zimmers leise zerplatzen.”
“Doch nun weiß ich es besser. Die Freiheit einer Frau reicht nur bis zum nächsten Nein eines Mannes.”
“Jetzt weiß ich, dass eine Prinzessin auch nur eine Gefangene ist. Eine in edlen Damast gekleidete Gefangene. Umgeben von teurem Spielzeug, das sie über ihr Schicksal hinwegtrösten soll.”
“In meinem Gesicht hingegen entdecke ich die ersten Züge von Verbitterung und Missgunst. Man sicht es nicht auf den ersten Blick. Noch kann ich es gut verbergen. Aber die leicht nach unten gerichteten Mundwinkel verraten den Weg, den ich eingeschlagen habe.”
Berührend, eindrücklich aber am Ende auch hoffnungsvoll. Die Sprache ist auf den Punkt und ohne ein Wort zu viel – aber der Text mit so viel Tiefe. Es werden nicht Erinnerungen nacherzählt sondern die Lesenden werden mitgenommen in die Gedanken der Protaginistinnen und damit in die Momente die ihre Leben prägen. Und indem zwei Lebensgeschichten, die in ihrer Ausgangslage in jeder Beziehung unterschiedlicher nicht sein könnten, nebeneinandergestellt werden, und sich dann aber gleichartige Erfahrungen abzeichnen, wird daraus viel mehr als eine Schicksalsgeschichte.
Zwei eindrückliche und berührende Lebensgeschichten zweier Frauen, mit kurzen und simplen Sätzen erzählt. Aber keineswegs zu simpel - im Gegenteil: das Ausmalen von Bildern im Kopf wird umsomehr aktiviert und die harten Wahrheiten und Geschichten kamen unverblümt und hart wie sie waren bei mir an. Starke Leseempfehlung an alle!
warum keine 5 Sterne? die von mir gefühlte einseitige Verharmlosung von härtester Gewalt, hat einen faden Beigeschmack in mir hinterlassen. Die die es gelesen haben, wissen wovon ich spreche (ohne Spoiler)
after reading lazar, a book with such beautiful writing coming from a 22 year old, this was disappointing in comparison. both are nominated for the swiss book price and i‘m pretty sure lazar will win. i‘m honestly not quite sure how this book got nominated, since the writing isn‘t really good. the story had so much potential which wasn‘t used. it felt like a draft, unfinished. it needed an editor, so the chapters could get changed and the titles were childish and idk. it lacked in seriousness even tho the topic is so serious and important.
sadly i don‘t recommend it and after reading both her books i won‘t read any new ones from her.
Zwei Grossmütter, wohnhaft in der Schweiz, erzählen ihre Lebensgeschichten. Obwohl sie aus unterschiedlichen Kulturen, Kontinenten und sozialen Verhältnissen stammen, weisen ihre Leben aus dem einen, erschreckenden Grund, dass sie beide Frauen sind, viele Parallelen auf. Das kurze Buch ist sehr kurzweilig zu lesen und die späte Befreiung der beiden Frauen sehr befriedigend mitzuverfolgen.
Ein sehr besonderes Buch mit einer Sprache, die wie gemeisselt ist. Alles ist gerade mit der Minimalanzahl Wörter ausgedrückt und trotzdem transportiert der Text viele tiefe Gefühle und man wird direkt in die Geschichten hineingezogen. Es geht um die Lebensgeschichten von zwei Grossmüttern, eine aus der Schweiz, eine aus Kamerun. Beide hatten wenig Entscheidungsmöglichkeiten und lebten mit Ehemännern, die gewalttätig und gemein zu ihnen waren. Wie die Autorin bei der Lesung sagte: eine duckte sich, die andere kämpfte dagegen - viel Kraft hat es wohl beide gekostet. Das Buch lässt mich sehr nachdenklich und auch dankbar für mein Leben zurück. Das Buch hat die Nominierung für den Schweizer Buchpreis sehr verdient.
überraschend, tiefgründig und hintergründig. die Rolle der Enkeltochter ist wenig definiert. Liest sich schnell weg. Die beiden Frauen sind erstaunlich. Bitter, was Frauen in verschiedenen Gesellschaften erleben.
Zwei Frauen, zwei Welten – und doch dasselbe Schicksal ———————————————————————————————
Zwei Frauen, zwei Welten – und doch dasselbe Schicksal. Die Großmütter erzählt in einer knappen, fast gemeißelten Sprache von Unterdrückung, Widerstand und letztlich von Befreiung.
Eine Großmutter wächst in einer armen Schweizer Bauernfamilie auf, die andere in einer wohlhabenden Familie in Kamerun. Ihre Herkunft könnte kaum unterschiedlicher sein, doch in einer entscheidenden Hinsicht gleichen sich ihre Geschichten: Die Männer bestimmen ihr Leben, und Gewalt ist eine allgegenwärtige Realität. Gesellschaftlich trennen sie Welten, aber ihre Erfahrungen als Frauen verbinden sie über Kontinente hinweg.
Die Erzählstruktur ist einfach und wirkungsvoll: Zwei Perspektiven, zwei Stimmen, die einander kapitelweise ablösen – einmal in dunkler, einmal in heller Schrift (zumindest in der E-Book-Version). Beide Frauen erzählen ihre eigene Geschichte in der Ich-Form, nüchtern und doch voller Kraft. Trotz der Kürze – gerade einmal 125 Seiten – gelingt es dem Roman, ganze Lebensläufe zu skizzieren, mit all ihren Hoffnungen, Enttäuschungen und dem leisen, aber unaufhaltsamen Aufbegehren gegen ein vermeintlich unabänderliches Schicksal.
Es ist ein trauriges Buch, weil es von Ungerechtigkeit erzählt, aber es ist auch ein zärtliches Buch, voller Herzlichkeit. Und am Ende gibt es eine späte, aber dennoch befriedigende Rache. Ein literarisches Kleinod – klein im Umfang, groß in seiner Wucht.
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