Von Verlust, Trauer und vom drei Frauen in einem Fischerdorf in Maine
Ferien an der Küste von Maine zählen zu Minas schönsten Kindheitserinnerungen. Bis zu jenem schicksalhaften Sommer, nach dem sie und ihre Eltern nie mehr dorthin fuhren. Viele Jahre später zieht es Mina nach einem schweren Verlust wieder zurück. Sie landet in einem Hummerfischerdorf bei der 72-jährigen Ann, die in einem gelben Haus am Wasser lebt und allem und jedem mit Härte begegnet – außer ihrem blauen Hummer Mr. Darcy, den sie in einem Aquarium im Wohnzimmer hält. Mina fährt mit hinaus aufs Meer und lernt das Fischen von Ann und der 54-jährigen Julie, die bei einem schweren Unfall ihr Gedächtnis verloren hat und nur auf dem Meer sie selbst sein kann. Und hier trifft Mina auch Sam wieder. Sam, der damals in den Ferien nicht von ihrer Seite wich und dessen Familie nach jenem Sommer auch nie mehr dieselbe war.
Tessa Mittelstädt liest die inspirierende Geschichte über den rauen Alltag der Hummerfischerinnen und ihren Mut mit großem Einfühlungsvermögen.
Im Roman begleiten wir drei Frauen, mehr oder weniger, durch ihr Leben in einem Hummerfischerdorf in Maine. Die junge Mina, die nach einem tragischen Verlust versucht die große Liebe zu finden und zu behalten, die etwas ältere Lydia, die nach einem schweren Schicksalsschlag im Hummerfischen wieder ins Leben findet und die noch etwas ältere Ann, die Hummerfischerin, die sich einen Hummer als Haustier hält und ihrer verflossen Liebe nachtrauert.
Das Buch ist eher seichte Unterhaltung, die sich eigentlich zügig weglesen lässt. Ich fühlte mich aber kaum unterhalten und habe immer wieder Auszeiten von dem Buch gebraucht, die ich mit anderer Lektüre gefüllt habe. Einfach weil es mich häufig genervt hat. Die Figuren fühlten sich abwechselnd überzeichnet und uninteressant an. Handlungsweisen der Figuren waren für mich mehrfach kaum nachvollziehbar. Einiges wurde angerissen, aber nicht wirklich außerzählt, was mich zusätzlich frustriert hat.
Zwei Sterne gibt es, weil das Buch es immerhin geschafft hat, den Kitsch in Grenzen zu halten und einigermaßen Realitätsnah zu plotten. Wenn auch in lückenhafter Erzählweise.
Als Ann mit ihrer Liebsten Carolyn vor Jahren auf die fiktive Insel Eagle Island in Maine zog, wollten die Frauen in erster Linie dem Tratsch der Kollegen über ihre Beziehung entkommen - und Ann gab dafür ihre Professorenstelle auf. In der Gegenwart 20 Jahre später erreicht in Seattle Mina Gray und ihre Tochter Luca die Nachricht von Anns Tod und die Aufforderung zur Beisetzung auf die Insel zu reisen. Nach der Pleite ihres gemeinsamen Gemüseladens kaufte Ann ein Hummerboot samt Fangkörben und leitete damit als Fremde auf der Insel einen Strukturwandel ein. Bis dahin arbeiteten zwar gelegentlich Frauen auf Hummerbooten, doch an der Teilung in Männerarbeit an Bord und Frauenarbeit an Land hielt der „norwegisch-schottische Fischer-Adel“ lange fest. Söhne arbeiteten seit früher Kindheit schwer körperlich Seite an Seite mit Vätern und Brüdern; was an Land getan werden musste, leisteten Frauen, vom Leuchtturm, Schule, Bücherei bis zur Postzustellung. Fischer brauchten eine Frau, die um 3.00Uhr mit ihnen aufsteht, Brote schmiert, kocht, wäscht und Kinder zur Welt bringt. So ist es im Ort nur logisch, dass der verwitwete Ellis zügig verkuppelt wird, um versorgt zu sein, für seine Generation ist keine andere Lebensform vorstellbar. Da bis heute an allen Küsten das Meer zahlreiche Frauen zu Witwen macht, wird es jedoch, allein aufgrund der Bevölkerungsstatistik, auch andere Lebensweisen gegeben haben. Grabstein-Inschriften auf Friedhöfen von Fischerdörfern könnten davon erzählen. Als Anns Liebste sie verlässt und nie wieder von sich hören lässt, begnügt sich die Verlassene damit, dass sie nur ein einziges Mal geliebt hat, und arbeitet weiter als Hummerfischerin.
Auch an Julie und ihre direkte Art wird die Inselgemeinschaft sich gewöhnen müssen, die nach einem schweren Unfall ihren Beruf aufgeben musste, den Hummerfang als Achtermann beim alten Nat lernte und nun auf ihrem eigenen Boot arbeitet. Mit Ann und Julie kündigen sich Veränderungen an, für die längst nicht alle Inselbewohner bereit sind.
Als die knapp 30jährige Mina in der Gegenwart mit dem Kajak kentert, zieht Ellis Jones sie aus dem Meer und legt sie Ann wie eine Meerjungfrau zu Füßen. Mina, die den Unfalltod ihres Bruders Christopher vor wenigen Monaten noch nicht verarbeitet hat, erhofft sich mit der Flucht an den Urlaubsort ihrer Kindheit Heilung. So schließt sich ein Kreis; denn die Grays hatten jahrelang die Sommer auf Eagle Island verbracht. Besonders Vater Richard, hilfsbereit, umgänglich und eng befreundet mit Ellis, hätte sich gern als Fast-Einheimischer gesehen. Nachdem im Sommer 1982 Christophers Freund Jack Ellis ertrinkt und die Grays überstürzt abreisen, bricht der Kontakt zwischen den Familien ab. Die Grays kehren nicht wieder auf die Insel zurück. Bis heute lässt das komplizierte Verhältnis zwischen Mina und ihrer Mutter kein Gespräch darüber zu, was damals passiert sein kann. Dass die Kluft zwischen Fischern und Urlaubern bei aller Liebe für die Insel kaum überwindbar ist, lässt sich am Verhältnis der Grays und der Jones verfolgen. In ihrer Beziehung zu Jacks erwachsenem Bruder Sam, dem Mina als Kind eng verbunden war, kündigt sich jedoch für Mina ein Neubeginn an.
Beatrix Gerstberger gibt ihren Leser:innen Einblick in die eingeschworene Gemeinschaft eines kleinen Fischerortes, in dem nur überleben kann, wer zupackt, wenn es nötig ist, auch wenn man sich die Aufgabe nicht ausgesucht hat. Einfach mal zu schweigen, erweist sich hier als hohe diplomatische Kunst. Mina wird lernen, dass man auf der Insel nicht in der Vergangenheit gräbt und hier anders getrauert wird, als sie es sich vorgestellt hat.
„Hummerfrauen“ wirkt mit von See heran kriechendem Nebel und dem Geruch von Holzöfen, der die Jahreszeit anzeigt, sehr stimmungsvoll und schuf mir damit einen neuen Sehnsuchtsort. In zahlreichen Paarungen geht es um Fortgehen und Heimkehren, Rollenzuschreibungen, Klassengesellschaft, Überalterung, alte Geheimnisse, Verluste (besonders auch die von körperlicher Leistungsfähigkeit) und Neuanfänge. Als Person hat mich Richard Gray sehr berührt, der in seiner Lebensspanne auf der Insel vermutlich ein Fremder bleiben muss, selbst wenn er sich dort dauerhaft niederlassen würde. Wenig begeistern konnte mich dagegen die in US-amerikanischen Texten überstrapazierte Konstruktion der selbstbezogenen Kühlschrankmutter in der Person von Judith Gray, unter der besonders Mina zu leiden hat. Zahlreiche lose Enden auf privater, beruflicher und gemeinschaftlicher Ebene werden am Ende sorgfältig miteinander verknüpft. Ein Faden zum Ökosystems Küstengewässer hätte dem Buch gut gestanden; denn dessen Schutz bleibt Lebensgrundlage der Bewohner.
Fazit Mit fein gezeichneten Figuren ein Roman über Ideal und Realität an einem Sehnsuchtsort am Meer, zugleich ein kluges Buch über Trauerprozesse und Neuanfänge.
Ich wollte eine leichte Lektüre für eine anstrengende Zeit, ein bisschen was, über das ich nicht nachdenken muss. Tja, ich bin definitiv die falsche Zielgruppe für solche Romane.
Es geht um Frauen mit ihren meist abwesenden Partner:innen in einem Fischerdorf in Maine, in dem niemand kommunizieren kann. Eine Charakterentwicklung kann man leider bei keinem feststellen. Was die Autorin als 'liebevolle Marotten' darstellt, sind mMn ernsthafte (psychische) Probleme - auf die Idee der Therapie kommt aber keiner. Lieber fahren sie mit 90 noch zum Hummerfischen heraus oder betrügen ihre Partner. Gescheiterte Beziehungen werden wortlos wieder aufgenommen (zum Teil nach 18 Jahren) und dann wird weiter nicht kommuniziert. Wenigstens verhalten sich hier Männer wie Frauen völlig abwegig.
Mr. Darcy - das Hummer-Haustier - soll dann am Schluss als Therapeut und Lehrer für alle herhalten. Ein Tier, das angeblich jedes Mal, wenn es freigelassen wird, zurück zur Fängerin läuft. Stockholm-Syndrom nehme ich an.
Mir erschließt sich leider der Reiz an solcher Lektüre nicht. Schade.
Grundsätzlich sicherlich ein tolles und auch tiefer gehendes Buch. Mir war das Erzähltempo aber leider zu langsam und die Sprünge zwischen den Situationen zu häufig. Daher verließ mich irgendwann dann das Interesse am Leben Einwohner des kleinen Fischerdorfes an der Küste von Maine.
Wirklich das Beste Buch, das ich seit langem gelesen habe! ich liebe alles an der Geschichte, an der Selbstständigkeit der drei Frauen und wie sie, egal was ist, zusammenhalten. Es hat mich wirklich rundum glücklich gemacht! Ich wünschte, es würde ewig weitergehen.
JAHRESHIGHLIGHT! 🦞 Die Hummerfrauen ist ein eindrucksvolles Werk, das mich tief berührt und unglaublich begeistert hat. Die Autorin erzählt mit ganz viel Feingefühl die Geschichte von drei unterschiedlichen Frauen, die sich nach einem selbstbestimmten Leben sehnen und sich gegen gesellschaftliche Normen und traditionelle Rollenzuschreibungen wehren. Besonders gut gefallen hat mir die Art und Weise, wie die Autorin die inneren Kämpfe, die jede mit sich selbst austrägt und die Sehnsüchte beschreibt und auch der Zusammenhalt der Frauen untereinander und deren Freundschaft. Es geht um weibliche Selbstbestimmung und Mut zur Veränderung. Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt und gleichzeitig so wahnsinnig emotional berührt, dass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Richtig schön war auch, dass man dazu noch einiges über Hummer gelernt hat. Absolute Empfehlung!!! ❤️
Nur selten begegnet man diesen Bücher, in denen man sich von der ersten Seiten an wohlig zu Hause fühlt. „Die Hummerfrauen“ und ihre Welt an der Küste Neuenglands gehören zu diesen Fundstücken, die man nie mehr loslassen möchte. Drei Frauen, eigentlich vier, deren unabhängige und selbstbestimmte Leben in einem kleinen Fischerdorf in Maine zusammengespült werden, weben ihre Netze in der kauzigen Gemeinde zusammen und gründen eine eigentümliche, aber verlässliche Wahlfamilie. Partner kreuzen ihre Wege, doch eine Konstante ist und bleibt außerhalb der Riege der Hummerfischerinnen nur Mr. Darcy, der zahme und zähe Hummer, der ganz ohne Worte seine Lebensweisheiten zu vermitteln weiß. Etwas harsch, wie das Winterwetter in Stone Harbor, wird man zum Schluss mit seinen Hoffnungen und Vermutungen bezüglich eines Happy Ends sitzengelassen…
3 1/2 Sterne, also ein gutes Buch, aber nicht wirklich besonders für mich.
Eine ruhige, charaktervolle Geschichte über drei Frauen unterschiedlichen Alters auf einer kleinen Fischerinsel in Maine und über die kleinen und großen Wellen, die ihre Leben dort schlagen.
Vom Tonfall an “Olive Kitteridge” erinnert, springt die Geschichte zwischen Vergangenheit und Gegenwart der drei Hauptfiguren Ann, Julie und Mina hin und her - was besonders bei einem Hörbuch schon mal verwirrend ist, wo man nicht mal eben zur Jahresangabe am Kapitelanfang zurückblättern kann.
Alles in allem hat mir die Geschichte vom Leben und Lieben, vom Trauern und Vergangenheitsbewältigung, vom Verlorensein und sich finden, immer angelehnt an eine kleine Gemeinschaft von Inselbewohner:innen gut gefallen, wird aber nicht lange nachhallen.
Es gibt durchaus Tiefe, Tragik und Dramatik, und sogar ein Mysterium rund um zwei viel zu jung Verstorbene. Auch die schwierige Beziehung zwischen Mina und ihrer Mutter hat scharfe Intensität.
Mir ist letztendlich aber einiges zu unbeantwortet geblieben, während anderes am Schluss nett zusammengebunden wurde. Und klar, so ist das Leben, wie es hier beschrieben wird: Einige Fragen bleiben offen, so sehr man sich auch einen runden Abschluss wünscht. Dennoch: ein paar wichtige Fäden blieben lose.
Sehr schön an diesem Buch ist der burschikose und dennoch fein gesetzte Humor, vor allem bei den älteren und lebenserfahreneren Figuren. Und herrlich, wie Sprecherin Tessa Mittelstaedt das tonal umsetzt! Sie spricht die junge Mina ebenso passend wie die resolute Ann oder die tatkräftige Julie.
Unterm Strich ein Kaleidoskoproman über weibliche Lebensgeschichten, geprägt vom speziellen Inselsetting und einer kleinen Community, den man trotz einigem Tiefgang leicht hören kann.
"Lebe im Sonnenschein, schwimme im Meer, trinke die wilde Luft."
Autorin Beatrix Gerstberger erzählt die Geschichte zweiter Hummerfrauen an der Küste von Maine. Eines Tages erscheint Mina, eine junge Frau die ihre Kindheit an der Küste verbracht hat und auf der Flucht vor ihrem Leben ist und auf der Suche nach Antworten. Ann und Julie nehmen die Frau auf und die Drei werden zu einer festen Gemeinschaft, wobei jede Frau ihre ganz eigenen Ängste und Sorgen hat.
Das Buch war ein nettes Lesevergnügen, was mir insgesamt etwas zu oberflächlich geblieben ist. Ich mochte es vor Allem über ältere Frauen zu lesen, über ihre Probleme in einem vermeintliche Männerberuf und ihre ganz privaten Probleme. Das Geheimnis der Vergangenheit kam mir leider zu kurz, da hätte ich gerne mehr gelesen. Und auch die Frauen und ihre Geschichte hätten gerne etwas mehr Tiefe haben können. Der Schreibstil der Autorin ist sehr leicht zu lesen und so liest sich das Buch gut weg. Auch mochte ich den Humor und über Ann und Julie habe ich wirklich oft lächeln müssen beim Lesen.
Gute Unterhaltung, nicht zu seicht. Kann man lesen, muss man aber meiner Meinung nach nicht. Ich glaube nicht, dass mir die Geschichte nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.
Mir persönlich hat das Buch vom gut gefallen, vielleicht aber auch ein wenig beeinflusst durch ein gehörtes Interview mit der Autorin. Einige Handlungen waren für mich nicht auserzählt und haben doch einige Fragen hinterlassen. Lässt sich trotzdem sehr gut lesen.
Drei Frauen, drei unterschiedliche Leben. Ann lebt seit geraumer Zeit alleine in Stone Harbour, nachdem sie von ihrer Lebensgefährtin verlassen wurde. Julie hat nach ihrem schweren Autounfall hier ein neues Leben begonnen und Mina hat es hierher gezogen, weil sie hofft etwas von den unbeschwerten Sommern ihrer Kindheit wiederzufinden nachdem ihr Bruder ums Leben kam.
Die drei Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein und doch sind sie sich auch ähnlich. Jede kämpft mir sich und ihrem Platz im Leben. Während es bei Ann und Julie mehr darum geht, ob es das jetzt schon gewesen ist, hat Mina ihren Platz noch gar nicht gefunden.
Mir hat dieses leise eher unspektakuläre Buch gut gefallen. Ich konnte mir das Dorf mit seiner Gemeinschaft gut vorstellen und mich auch gut in die drei Frauen hineinversetzen. In Rückblenden lernen wir auch Judith, Minas Mutter, in den Kinderzeiten Minas kennen. Sie war mir eher unsympathisch und auch das Verhalten Mina gegenüber in der Gegenwart ist nicht besser als damals.
Ich kann das Buch nur empfehlen. Es ist schön zu lesen, schnörkellos und rau, wie das Leben an Maines Küste.
Der Einstieg in „Die Hummerfrauen“ fiel mir zunächst nicht ganz leicht. Am Anfang hatte ich etwas Mühe, in die Geschichte hineinzufinden und eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Mit zunehmender Lektüre hat sich das jedoch geändert.
Nach und nach entfaltet sich eine ruhige, warmherzige Geschichte, die vor allem von Freundschaft, Zusammenhalt und den unterschiedlichen Lebenswegen von Frauen erzählt. Die Beziehungen zwischen den Protagonistinnen stehen im Mittelpunkt und werden feinfühlig und authentisch dargestellt.
Besonders gefallen hat mir, wie das Buch zeigt, dass Freundschaften tragen können – auch in schwierigen Zeiten – und wie wichtig gegenseitige Unterstützung ist. Insgesamt ist „Die Hummerfrauen“ eine schöne, emotionale Geschichte über Frauenfreundschaften, die nach einem etwas holprigen Start berührt und zum Nachdenken anregt.
Ach das war nett. Fande es schön Geschichten über teilweise ältere Frauen zu lesen. Queereness wird als ganz normale Tatsache dargestellt. Besonders gut gefallen hat mir die beschriebene Landschaft, in die ich mich gerne immer wieder geträumt habe.
Hat mir gar nicht gefallen. Zu viel wörtliche Rede, zu viel passiert ohne, dass wirklich was passiert, viel unnötiges Blabla, keine Tiefe aber auch keine schöne leichte Lektüre. Nach ca 2/3 abgebrochen bevor ich mich nur unnötig weiter ärgere.
3,5 ⭐️ Drei Frauen mit verschiedenen Geschichten in einer eher melancholischen Atmosphäre. Jede für sich und doch zusammen. Mir gefällt es, wenn verschiedene Charaktere auf eine unverhoffte Art zusammen finden, dennoch hat mich die Geschichte erst am Schluss richtig mitgenommen.
Eines Tages wird eine junge Frau an die Küste vor Stone Harbor in Maine angespült und von Ann und ihrer Freundin Julie liebevoll aufgenommen und aufgepäppelt. Wie sich herausstellt, war Mina, wie die "Meerjungfrau" heißt, bereits als Kind als Sommergast mit ihrer Familie öfter in der Gegend. Die drei Frauen werden zu einer freundschaftlichen Einheit, doch jede einzelne von ihnen hat mit der Liebe und dem Leben als Hummerfischerin zu kämpfen.
Üblicherweise erwähne ich das Cover in meinen Rezensionen nicht, aber jenes der "Hummerfrauen" verdient eine spezielle Erwähnung - der äußere Umschlag zeigt einen roten Hummer, während der Druck am Hardcover einen blauen zeigt - eine schöne Anspielung auf Ann's ungewöhnliches Haustier - den blauen Hummer Mr. Darcy. Nicht nur das Haustier ist ungewöhnlich (besonders, wenn man bedenkt, dass Ann die Tiere ansonsten fängt, um sich mit ihnen ihren Lebensunterhalt zu verdienen und ihnen so einen grausamen, im heißen Wasser eintretenden Tod beschert), sondern auch die Frauen selbst. Die eine - Ann - hat sich vor Jahrzehnten trotz des Widerstands des gesamten Dorfes durchgesetzt und ist Hummerfischerin geworden, obwohl das bislang nur Männern vorbehalten war. Auch Julie ist störrisch, vorlaut und derb und schert sich nicht um Konventionen. Mina hingegen ist eingeschüchtert und geprägt von ihrer herrischen und negativen Mutter, die ihr nie Liebe entgegenbringen konnte.
Die Sprache ist eingehend und angenehm zu lesen, die Geschichte springt zwischen den Jahren 2000/2001 und 1982, mit Ausnahme von Prolog und Epilog, die in der Gegenwart angesetzt sind. Die Zeitsprünge bringen eine willkommene Abwechslung in das Geschehen. Bedauerlicherweise dümpelt die Geschichte über weite Strecken so vor sich hin, zieht sich und ist nur wenig spannend. Als dann im letzten Drittel ein spannender Verdacht im Raum steht und sich das Blatt wenden zu scheint, wird dieser aber schnell wieder fallen gelassen. Das ist schade, denn es hätte der Geschichte eine entscheidende Wendung geben können. So verfolgen wir über weite Strecken Dorftratsch, gescheitere Beziehungen, bösartige Mütter und Nachbarinnen, unerfüllt und aufgegebene Lieben, Konflikte unter Freund*innen und das meist ohne Ziel. An vielen Stellen dachte ich beim Lesen an "Virgin River" in Maine. Viele Charaktere werden eingeführt und immer wieder erwähnt, ohne, dass sie für die Geschichte eine wesentliche Bedeutung hätten. Das Gefühl der rauen Landschaft und See konnte die Autorin sehr gut vermitteln, die Entwicklung der Charaktere und der Geschichte blieb aber größtenteils langweilig und vorhersehbar. Nach Beendigung des Buches habe ich das Gefühl, dass zwar viel, aber nichts wirklich erzählt wurde. Schade, besonders die Mutter-Tochter-Beziehung von Mina und ihrer Mutter Judith hätte Potential gehabt, wird aber leider auch nicht ansatzweise weiterverfolgt oder aus erzählt.
Mein Fazit: "Die Hummerfrauen" mag ein sommerlicher, leichter Roman sein, der oberflächlich von Freundschaft, Liebe und Konflikten erzählt und für alle empfehlenswert ist, die "Virgin River" lieben. Tiefe, Weiterentwicklung der Charaktere und Beziehungen und das große Ganze bleibt das Buch aber leider schuldig. Highlights sind die kurzen Sequenzen, in denen der blaue Hummer Mr. Darcy als Haustier vorkommt.
Stone Harbor ist ein Dorf in Maine in dem die Bewohner vom Hummerfischen leben. Drei dieser Dorfbewohner sind Ann, Julie und Mina. Wir begleiten die Frauen in einem Abschnitt ihres Lebens in dem sie aufeinandertreffen und sie für- und miteinander eine Familie werden. Dabei muss jede für sich die Herausforderungen ihres Lebens meistern.
Mich konnte der Roman leider nicht überzeugen. Das lag wohl auch daran, dass ich zu den Frauen keine Verbindung aufbauen konnte. Vor allem bei Ann und Julie haben mir die emotionale Bindung gefehlt, um Anteil zu nehmen an ihrem Schicksal. Ich konnte ihre Gedanken und Handlungen nicht nachvollziehen. Lediglich Mina konnte mich mit ihrer Geschichte einigermaßen fesseln und sie war auch der Grund warum ich das Buch nicht abgebrochen habe. Die Autorin schafft die Atmosphäre des Fischerdorfes gut einzufangen, aber schafft dies nicht auf die Charaktere zu übertragen. Für mich lag das auch an dem Schreibstil. Ich hatte das Gefühl, in den Seiten und Sätzen so viel Ungeschriebenes zu finden. Die Dialoge wirkten teilweise seltsam abgehackt, Kontexte blieben unerklärt und Beweggründe wurden nicht näher beschrieben. Es gab auch innerhalb der Kapitel Sprünge, bei denen es mir schwer viel der Geschichte weiter zu folgen. Genauso unvollendet blieb für mich leider das Ende der Geschichte und ich konnte Minas Handlungen zum Ende hin überhaupt nicht nachvollziehen. Die Handlung an sich hatte für mich eigentlich großes Potential, denn hier sollen Geschichten aus dem „echten“ Leben erzählt werden, indem eben nicht immer alles geradlinig läuft und es zwangsläufig ein Happy End gibt.
Für mich gibt es für das Buch 2 Sterne. Ich fand wie gesagt die Atmosphäre des Fischerdorfes sehr gelungen, aber Schreibstil und Charakterbildung konnten mich nicht überzeugen. Die Autorin hat in meinen Augen, das Potential der Geschichte nicht ausgeschöpft. Schade!
Bei manchen Bestsellern merkt man, warum sie Besteller sind und bei manchen weiß man einfach nicht, warum.
Das ist so ein Buch. Das Buch wirkt komplett konzipiert. Kaum Absatz mehr als ne Dreiviertel Seite, kaum ein Kapitel mehr als zehn Seiten. Keine Idee, kein Charakter zu Ende entwickelt. Immer kommt der nächste Absatz. Man kann keine Beziehung aufbauen zu den Charakteren.
Das Setting wäre cool, aber auch das nur Marketing. Man merkt, dass die Autorin nicht von da ist. Es nur nutzt, nicht fühlt. Eine bloße Hülle ohne Inhalt. Alles wird angerissen. Schicksale werden angerissen, aber dann kommt der nächste Absatz und es war wieder nichts mit der spannenden Geschichte.
Keine Empfehlung. Leider. Nach 200 Seiten habe ich erschöpft von den ganzen Absätzen, halben Geschichten und halbgaren Figuren abgebrochen.
Stone Harbour ist ein Küstenort in Maine in dem man bleibt oder wieder kommt, wenn man einmal gegangen ist. Hier scheint die Zeit stehen geblieben. Nur im Sommer beäugen, sich Touristen und Einheimische auf der Suche nach Andersartigkeit. Die einen brauchen die Einnahmen, um ein besseres Leben führen zu können, die anderen suchen nach Erholung. Für Kinder, ein Paradies können Sie doch tun und lassen, was sie wollen. Das empfindet auch Mina so. Nur ihre Eltern entscheiden irgendwann das ist kein zurück nach Maine mehr gibt. Warum bleibt lange ein Rätsel.
Drei Frauen, zwischen denen jeweils eine Generation liegt, bestimmen das Geschehen in diesem Roman: Ann, eigentlich Professorin, fasst mit ihrer großen Liebe Fuß in dem kleinen Dorf. Als diese sie verlässt, bleibt Ann und wird entgegen aller Hürden eine der ersten Hummerfischerinnen vor Ort. Ein Hummer namens Mr. Darcy leistet ihr Gesellschaft. Ihr nach eifert Julie, die einen schweren Unfall verkraften muss und ebenfalls kämpft, bis sie ihr eigenes Boot besitzt. Mina reist mit Ende 20 zurück nach Stone Harbour. Ihr Bruder Christopher ist tödlich verunglückt und ihre Mutter, zu der das Verhältnis schon immer gestört war, verliert jegliche Verbindung zu Mina. In Stone Harbour hofft sie auf Erdung und trifft Sam wieder, den Kindheitsfreund, der sie ohne viele Worte verstand.
Wir nehmen wir am Leben dieser drei Frauen teil, das hart aber nicht ohne Liebe ist.
Gerstberger hat jahrelang Hummerfischerrinnen interviewt und somit Stoff für ihren Roman gesammelt. Der harte und alles andere als feminine Job beeinflusst auch bei ihren Protagonist*innen den Charakter. Die Rauheit des Meeres und der Arbeit ist genauso intensiv spürbar wie die Landschaft Maines. Mina und ihre Beziehung zu Sam wirken wie ein Kontrapunkt in dieser Dorfgesellschaft. Ab und an springen wir ins Jahr 1982, als ihre Familie ein letztes Mal dort die Ferien verbringt. Ihre Mutter Judith bietet viel Raum für Polarisation, und der Grund für ihre zerstörende Art wirkt gleichzeitig fesselnd und abstoßend Die Autorin hat die Beziehung der Menschen zueinander, sehr fein herausgearbeitet und bedient nur wenige Klischees. Oft gibt es Wendungen, mit denen man nicht gerechnet hätte, dabei sind es aber nicht große Plottwists, sondern eher die kleinen Schleifen, die das Leben so zieht. Die Entwicklung von Sam war mir allerdings etwas zu überstürzt geschrieben. Die Gefühle der Frauen waren sehr detailreich konstruiert. Da hätte mir etwas mehr Raum für Sam gut gefallen. Ich hatte schon den Eindruck, dass die Einblicke, die man in die Arbeit der Hummerfischer bekommt, sehr authentisch sind. Die Liebesszene auf dem Boot war mir allerdings ein bisschen drüber. In dieser Atmosphäre ein erstes Mal zu erleben hat weder einen romantischen noch einen erotischen Charakter. Aber vielleicht war das auch nicht das Ziel der Autorin.
Am Anfang hatte ich etwas Probleme mich in die verschiedenen Figuren hinein zu fühlen, und auch die schwankenden Zeitachsen waren anfangs etwas unübersichtlich. Das gibt sich aber schnell und der Roman verläuft, bis auf einige wenige Rückblicke, meist chronologisch. Zum Ende hin wird es ein Pageturner. Dabei wird nicht alles aus erzählt. Manche Geheimnisse bleiben das, was sie sind.
Ein unterhaltsamer Roman, der ab und zu ein bisschen holpert, aber insgesamt abwechslungsreiche Charaktere in einer interessanten Kulisse bietet. Wenn ihr sowas mögt, dann empfehle ich euch diese Geschichte sehr.
Ich muss in diesem Buch mal ein kleines Detail, das mich in vielen Romanen nervt, kritisieren: warum muss man, wenn jemand schwanger wird, es schon bevor diejenige es weiß, mit plumpem Foreshadowing andeuten? Da ist auf einmal der Rock zu eng und es wird einem schlecht und man weiß nicht warum. Bei mir stellt sich da schon lange nicht mehr ein AHA Erlebnis ein, sondern eher Augenrollen. Lasst das doch! Es reicht doch einfach irgendwann zu erwähnen, dass die Protagonistin schwanger geworden ist. Aber das ist vielleicht nur meine Meinung
72, Julie, 54, Mina 28 sind drei einenständige Frauen die durch verschiedene Lebensumstände auf der Insel Stone Harbor gestrandet sind.
Ann ist die Älteste in diesem ungewöhnlichen Trio und wohnt alleine in einem großen gelben Haus am Meer, bzw nicht ganz alleine, sie hat einen Hummer Namens Mr Darcy der ihr Gesellschaft leistet.
Julie hatte einen schweren Autounfall von dem sie leider einiges zurück behalten hat, wodurch auch sie auf der Insel gelandet ist.
Zum guten Schluss bleibt noch Mina, die nach dem Tot ihres Bruders ihrer Familie den Rücken kehrt und nach Stone Harbor flüchtet, wo sie früher immer die Ferien gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder verbracht hat.
Puh, wo soll ich hier anfangen? Leider hat mich dieser Roman sehr enttäuscht. Ab circa Seite 100 - 120 habe ich ständig überlegt diesen abzubrechen, doch dann kam ein wenig Interessantes auf, was ich dann doch gerne lesen wollte. Leider war das nur von kurzer Dauer. Das letzte viertel war für mich wieder eine Qual. Nachdem ich es dann endlich geschafft hatte und diesen Roman nun doch zum Abschluss gebracht hatte, war meine Frustration erst richtig groß und mein einziger Gedanke war: Warum habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört und abgebrochen?
Ann dümpelt für mich mehr oder weniger vor sich hin und hängt ihrer verlorenen Liebe hinterher, was sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht und einfach nur noch nervig ist ab einem gewissen Punkt. Ann hat bei mir keinerlei Interesse geweckt als Charakter, sie war für mich auch absolut nicht greifbar.
Julie ganauso. Sie habe ich ebenfalls als mehr oder weniger uninteressant empfunden, auch, wenn die Autorin hier sehr bemüht gewesen ist sie "anders" darzustellen, jemand der nicht so ganz ins Schema passt. Allerdings konnte mich auch dies nicht erreichen.
Einzig Mina und ihre Geschichte war interessant, jedoch hat die Autorin hier erstens verpasst eine "vernünftige" Story daraus zu machen und zweitens hing bei Mina alles in Dauerschleife in der Luft was auch einfach absolut nervig war.
Irgendwie hatte ich so das Gefühl, wie gewollt und nicht gekonnt.
Keiner der Charaktere konnte mich erreichen, die verschiedenen Geschichten waren für mich absolut nicht greifbar. Dieser Roman dümpelt so vor sich hin, nicht mehr und nicht weniger. Über Judith kam ich vom ersten bis zum letzten Moment nicht aus dem Kopfschütteln heraus, ich befürchte mir hier ein Schleudertrauma zugezogen zu haben. Sam fand ich ebenfalls unmöglich, auch wenn man ein umtriebiger Mensch ist, gibt es Situationen im Leben wo man daran arbeiten sollte sich umzustellen.
Der Schluss ist für mich ein absolutes No go! Selbstverständlich kann man ein Ende auch mal offen lassen und das der Phantasie des Lesers überlassen ABER hier war dieses offene Ende unterirdisch, da, für mich persönlich viel zu viel offen geblieben ist. Darauf kann ich jetzt allerdings aus Spoiler technischen Grünen nicht näher eingehen.
Etwas positives bleibt dann doch, die Kapitel haben äußerst angenehme Längen. Sehr gut hat mir gefallen das immer abwechselnd erzählt wurde aus der Sicht von Ann, Julie und Mina. Dadurch wirkt alles ein wenig lebendiger. Julie hat den ein oder anderen Spruch kommen lassen, der mich amüsiert hat. Ebenfalls gut gefallen hat mir das Cover und, dass unter dem Schutzumschlag ein blauer Hummer abgebildet ist, der hier ganz eindeutig Mr Darcy darstellen soll. Sehr greifbar war für mich hingegen Stone Harbor, die Beschreibungen der Insel, der Bewohner und allem was dazu gehört, da konnte ich mich richtig reinfühlen und hatte teilweise das Gefühl, das ich selbst dort bin.
Mein Fazit Ein Roman der oberflächlich vor sich hindümpelt ohne das wirklich etwas passiert. Mit Charakteren die zu keinem Zeitpunkt greifbar sind oder Interesse in mir geweckt haben mehr über sie erfahren zu wollen. Lesempfehlung? Leider nein.
Inseln und ihre Bewohner Kleine bewohnte Inseln an der US-Atlantik Küste. Die Menschen die hier leben, sind in zwei Lager geteilt. sie stehen sich auf keinen Fall feindlich gegenüber, aber eine Trennung besteht doch: einerseits die ständigen Bewohner der Inseln, andererseits sind da die Sommergäste, die vor Beginn der Herbststürme zurück in ihr Leben auf dem Festland der USA kehren. Aber es gibt auch Menschen, die kommen und dann bleiben. Die hier ihr Zuhause finden, Und da keiner der Bewohner der Inseln vor der Küste von Maine zu der indigenen Gruppe gehört, sind sie alle im Laufe der Zeit mal hinzugekommen. Es ist nur der Unterschied, gekommen um zu bleiben oder als Sommergast. Die drei Frauen, Ann (72), Julie (24) und Mina (28) gehören unterschiedlichen Generationen an, Julie und Mina sind hinzu Gekommene, alle drei werden zu Hummerfischerinnen, essen aber keinen Hummer. Hummer ist ihr Broterwerb. Ann ist Witwe, sie denkt oft an ihren verstorbenen Mann und an ihr Leben zurück, an die Rückschläge aber auch an die schönen Momente. Julie überlebte einen schweren Unfall, arbeitete viele Jahre als Hummerfischerin auf der Insel, hatte zum Schluss ihr eigenes Boot. Als NAt, ein Hummerfischer, Witwer wird, verliebt sich Julie in ihn, aber beide tun sich schwer mit ihrer Liebe. Nats verstorbene Ehefrau hatte schon in ihren letzten TAgen bestimmt, Nat müsse Julie heiraten, damit er versorgt ist. Aber Julie will mehr vom Leben, von Nat. Sie müssen beide einige Stolpersteine aus dem Weg schaffen, bis sie zueinander finden. Mina, die jüngste, der drei Hummerfischerinnen, war als Kind jeden Sommer auf der Insel, war unzertrennlich mit Sam, dem Sohn eines Hummerfischers. Die Väter waren auch gut befreundet, nur Minas Mutter hat nie in die Gesellschaft der Insel Zugang gefunden. In einem Sommer weigert sich die Mutter, auf die Insel zurückzukehren. Und dabei bleibt es. Mina ist unglücklich, kann nicht verstehen, weshalb. Und so kehrt Mina, als Erwachsene, allein auf die Insel zurück. Dabei wäre sie fast ertrunken. Sie findet Zuflucht bei Ann, so wie Jahre zuvor auch Julie bei Ann einen sicheren Hafen fand. Ihr Wiedersehen mit Sam, dem Jungen aus ihrer Kindheit, mit dem sie so viele glückliche Stunden verbracht hatte, verläuft etwas holprig. Ein Wiederanknüpfen an ihre Kindheit ist nicht möglich, sie müssen von Neuem zusammenfinden. Sam musste, nach dem Tod seines älteren Bruders, seine Träume aufgeben und Hummerfischer werden, obwohl er ganz andere Lebenspläne hatte. Die drei gEschichten von Ann, Julie und Minna haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Sie verbindet die Hummerfischerei, die Liebe zum Meer und zu der Insel, und sie geben sich Halt einander. Das Ganze wird so einfühlsam, ohne Pathos, und unaufgeregt erzählt. Erst ein Satz am Ende eines Gespräches, eine Bemerkung im Weggehen, eine kurze Erklärung, zeigt die unausgesprochenen Probleme auf, den Schmerz, der in den Menschen steckt, aber auch die Liebe und die Freude. Last but not least, ist Mr. Darcy da. ein großer blauer Hummer, der in Anns Haus in einem Aquarium lebt, wird von den drei Frauen gerne aus dem Aquarium geholt, gestreichelt und an den Fühlern gekrault. Alle Versuche, ihn wieder ins Meer zu lassen sind gescheitert, Mr. Darcy kehrt jedes Mal zurück zu Ann. Ein Hummer als Haustier ist ein stoischer und hartnäckiger Geselle Man muss dieses Buch nicht gelesen haben, aber es bereichert den Lesenden und lässt einen leisen, wehmütig-schönen Geschmack zurück- Lest es!
Von drei starken Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten
Männer sind es für gewöhnlich, die zum Fischen rausfahren. Zumindest assoziiere ich diesen doch schweren, sehr anstrengenden Beruf eher mit einem starken Mann denn einer zarten Frau. Soweit mein Vorurteil, das so nicht ganz stimmt, wenngleich Hummerfischerinnen, von denen ich lese, eher selten sind. Aber doch gibt es sie.
„Die Hummerfrauen“ faszinieren mich jede für sich. Ann ist mit ihren 72 Jahren die älteste der drei Hummerfischerinnen. Sie lebt schon lange alleine. Fast alleine, denn Mr. Darcy, der blaue Hummer, hat sein Aquarium in ihrem Haus. Die Frage, ob er denn freiwillig hier wäre, kann sie mit JA beantworten, denn sie hat ihn schon mehrfach am Strand ausgesetzt, ihn ins Meer getrieben. Er aber ist immer wieder zu ihr zurückgekrabbelt.
Auch die 54jährige Julie hat ihre ganz eigene Geschichte. Schon vor ihrem schweren Unfall hatte sie einen mitunter scharfen Ton drauf, sie eckt gern mal an, wer sie aber besser kennt, weiß um ihre Hilfsbereitschaft. Sie lernt das Hummerfischen als Achtermann bei Nat und ist nun mit ihrem eigenen Boot draußen, hat ihre Kapitänslizenz und auch Fangrechte. Einst hat sie Nat das Schwimmen gelernt, was unter Fischern nicht üblich ist. Warum sie nicht schwimmen können? Da hab ich erst mal schlucken müssen…
„Du wirst es nicht glauben, ich habe eine Meerjungfrau im Haus.“ Was für ein Kraut sie denn geraucht hätte, wird Ann gefragt. Nun, Ann hat Mina (28) aufgenommen, sie wurde am Strand aufgelesen und zu ihr gebracht - vorerst bleibt sie bei ihr. Schon früher war die kleine Mina mit ihren Eltern und ihrem großen Bruder in Maine. Als Kind trifft sie auf den Fischerjungen Sam, dem sie nun, als erwachsene Frau, wiederbegegnet.
Beatrix Gerstberger hat sich viel mit Hummerfischerinnen unterhalten, wie sie verrät. Sie war für ein halbes Jahr direkt in einem Hummerfischerdorf. Sie schreibt vom Leben und von der Liebe, von Verlust, den jeden treffen kann und von der Trauer und deren Bewältigung. Jeder geht anders mit Schicksalsschlägen um und so manch raue Schale, die nach außen hin gezeigt wird, hat einen weichen Kern. Der generationenübergreifenden Zusammenhalt der Dorfbewohner schwingt mit, ebenso ein Gespür für den Kummer und Schmerz der anderen. Nicht jeder kann die Schatten der Vergangenheit hinter sich lassen, Mina etwa geht ganz anders damit um wie Sam.
Zwei Zeitebenen wechseln sich ab, wobei der Sommer 1982 viel von der Familie Gray aus Philadelphia erzählt. Richard und Judith Gray verbringen mit ihren Kindern Christopher und Mina ihre Ferien. Wir bekommen einen tiefen Einblick in das Familienleben, die so unterschiedlichen Figuren sind fein gezeichnet, nicht jeder ist sympathisch. So auch im Jahr 2000, in dem so manche Beziehung auf dem Prüfstand steht. Sie leben im Einklang mit der Natur, sie wissen um die Vergänglichkeit jeglichen Lebens.
Es wird zunehmend intensiver. Je mehr ich von ihnen allen weiß, desto klarer wird mein Bild, auch das des Hummerortes und dessen Bewohnern, die alle von Hummerfang abhängig sind. Das Hineinfinden ins Buch verlangt schon Aufmerksamkeit, sobald ich aber die einzelnen Charaktere verinnerlicht, je mehr ich gelesen habe, desto weniger mochte ich das Buch zur Seite legen.
Mina fährt mit ihren Eltern und ihrem großen Bruder Christopher jeden Sommer in Urlaub auf die kleine Insel Eagle Island in Maine. Ihr bester Freund dort ist Sam, der Sohn eines Hummerfischers. 1982 soll allerdings das letzte Jahr gewesen sein, irgendetwas scheint passiert, doch niemand spricht darüber.
Im Frühjahr 2000 entschließt Mina sich nach dem Tod ihres Bruders, doch noch einmal nach Eagle Island zu reisen, schafft es aber zunächst nur in das nahegelegene Stone Harbor, wo Ann, eine über 70jährige Hummerfischerin, sie aufnimmt.
Ann ist vor Jahren in Stone Harbor gestrandet, hat dort zunächst mit ihrer Freundin Carolyn einen Gemüseladen aufgemacht, und sich nach der Trennung als eine der wenigen Frauen, die auf Hummerfang gehen, etabliert. Einer ihrer Fänge wurde zu einem Haustier, der blaue Hummer Mr. Darcy.
Auch Anns Freundin Julie ist Hummerfischerin. Nach einem schweren Unfall musste sie ihre Karriere aufgeben, und hat sich nach Maine zurückgezogen.
Der Roman wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die Hauptstory, die Geschehnisse in 2000 und 2001 aus Sicht der oben genannten drei Protagonistinnen, deren Leben sich immer mehr verbinden. Es gibt aber auch eine Reihe Rückblenden ins Jahr 1982, die überwiegend aus Sicht Judiths, Minas Mutter, erzählt werden. Prolog und Epilog dagegen spielen ungefähr 2018, hier erfährt man auch, was aus vielen Charakteren geworden ist.
Die drei Protagonistinnen, Ann, Julie und Mina lernt man sehr gut kennen. Ich mochte sie sehr schnell, konnte mit ihnen mitfühlen und habe sie gerne begleitet. Auch andere Charaktere werden wiedererkennbar dargestellt, in der Regel subjektiv gebrochen durch die jeweilige Perspektive. Nicht jede:r ist sympathisch, manche:n lernt man auch erst nach und nach besser kennen. Minas Mutter ist aus ihrer eigenen Perspektive schon nicht sehr sympathisch, liest man von ihr aus Sicht ihrer Tochter, erkennt man erst, wie kalt sie tatsächlich ist. Mina tat mir hier oft sehr leid. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen ganz klar Frauen.
Sehr gut gefallen hat mir das Setting. Der Hummerfang steht in dieser Gegend im Mittelpunkt, dazu kommt noch der Tourismus in den Sommermonaten. Dies alles wird sehr gut dargestellt, ich fühlte mich schnell mittendrin. Auch der Hummerfang selbst wird recht ausführlich aufgezeigt, ebenso wird klar, wie gefährlich er sein kann. Die Autorin lebte selbst eine Zeit lang in Maine, hat einige Hummerfrauen kennengelernt, und ist selbst mit hinausgefahren. Das Ganze hat sie so beeindruckt, dass es zum Thema ihres Debütromans wurde. Sie weiß also, wovon sie erzählt.
Mit dem Ende war ich erst nicht so ganz glücklich, mir persönlich bleibt es etwas zu offen, aber letztlich kann ich damit doch leben, eine eigene Vorstellung habe ich auf jeden Fall.
Wer gerne berührende Lebenswege durchdachter Charaktere begleitet, ist hier genau richtig, dazu gibt es ein interessantes, gut ausgearbeitetes Setting. Nur das Ende hätte ich mir ein bisschen anders gewünscht. Ich vergebe daher 4,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde.
Zäh wie ein Hummer – Überleben, Freundschaft und das Meer
Mina kehrt nach fast zwanzig Jahren auf die kleine Insel in Maine zurück, die sie als Kind jeden Sommer mit ihrer Familie besucht hat. Der tragische Unfalltod ihres Bruders und die zerbrochene Ehe ihrer Eltern haben sie aus der Bahn geworfen – sie braucht Abstand und einen Neuanfang. Auf der Insel begegnet sie Ann (75) und Julie (50), zwei gestandenen Hummer-Fischerinnen, die ihr nicht nur das raue Leben auf See näherbringen, sondern auch ein Gefühl von Zugehörigkeit schenken. Als Minas Jugendliebe Sam plötzlich auftaucht, scheint ein Happy End greifbar – doch auch er trägt Schatten der Vergangenheit mit sich.
Drei Frauen, drei Generationen – und jede mit einem eigenen, starken Charakter. Die Freundschaften zwischen Mina, Ann und Julie haben mich tief berührt. Es sind keine glatten Figuren, sondern kantige Persönlichkeiten, die sich in einer Männerdomäne behaupten, hart arbeiten und dabei nie ihren Humor verlieren. Besonders gefallen hat mir die authentische Darstellung der rauen Seesprache und der direkten, manchmal derben Art der Inselbewohner.
Der Roman ist keine leichte Sommerlektüre, sondern eine realistische, manchmal raue Geschichte über Verlust, Neuanfang und die Kraft weiblicher Solidarität. Die Lebenswege der Figuren sind glaubwürdig und zeigen, dass das Leben nicht immer gerade verläuft – und gerade darin liegt seine Schönheit.
Ein besonderes Highlight war für mich der blaue Hummer „Mr Darcy“ – eine charmante, fast märchenhafte Figur, die mich zum Schmunzeln gebracht hat.
Lieblingszitate:
„Der Hummer wird mich überleben“, hatte Ann einmal gesagt. (Erster Satz – und was für einer!) „Wenn man zu viel runterschluckt, wird es irgendwann zu schwer in einem, und man wird auf den Meeresboden sinken, hat mein Vater immer gesagt.“ (S. 236) „Aber was nicht ausgesprochen wurde, existiert nicht. An diesem Glaubenssatz hatte sie sich ihr ganzes Leben gehalten, und sie würden den Teufel tun, jetzt davon abzuweichen.“ (S. 278) „Das Schaf, das der Herde folgt, sieht leider immer nur die Ärsche, hatte sie bloss geantwortet.“ (S. 284) „Es gibt keinen Anspruch auf Erklärungen.“ (S. 298) „Ich kann dir nichts über das Meer beibringen, hatte Ann einmal zu Mina gesagt. Du spürst es oder eben nicht. Am Ende ist es mit dem Meer wie mit dem Leben, man muss alles allein herausfinden. Andere können dich auf dem Weg nur begleiten.“ (S. 391)
Ein kraftvoller Roman über Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen. Er erzählt von Trauer, Freundschaft und der Suche nach einem Platz im Leben – ehrlich, berührend und mit einem Hauch salziger Meeresluft.
Das Schicksal verbindet drei Frauen – Ann, Julie und Mina – auf der Insel Stone Harbor vor der Küste von Maine. Auf den ersten Blick scheinen sie kaum Gemeinsamkeiten zu haben. Doch alle drei stehen mit beiden Beinen im Leben, arbeiten als Hummerfischerinnen und behaupten sich in einer männerdominierten Branche.
Die Autorin erzählt ihr Debüt auf zwei Zeitebenen:
Im Jahr 2000 flieht die 28-jährige Mina nach dem Tod ihres Bruders auf die Insel, auf der sie als Kind mit ihrer Familie unvergessliche Sommerurlaube verbrachte. Dort trifft sie auf die 72-jährige Ann, eine ehemalige Universitätsprofessorin. Einst zog Ann mit ihrer Lebenspartnerin nach Stone Harbor, um dem Tratsch der Kolleg*innen zu entkommen. Doch ihre Partnerin verließ sie, und seither lebt Ann allein – abgesehen von ihrem Hummer Mr. Darcy – in einem kleinen Haus am Meer. Ihre engste Vertraute ist Julie, 54 Jahre alt, die mit großer Klappe und jeder Menge Schlagfertigkeit versucht, sich gegen die rauen Männer der Fischerszene zu behaupten.
Die zweite Zeitebene spielt im Jahr 1982 – zur Hochphase des Hummerfangs, wenn Touristen die Insel überfluten. Minas Familie verbringt in diesen Jahren jeden Sommer auf Stone Harbor. Im Mittelpunkt steht Minas Mutter, die keine Gelegenheit auslässt, ihre Tochter zu kritisieren, während sie den Bruder Christopher in höchsten Tönen lobt. In dieser Zeit geschieht etwas, das das Leben aller Beteiligten für immer verändert.
Der Schreibstil der Autorin ist leicht und flüssig – ich flog nur so durch die Seiten. Auch die drei Protagonistinnen mit ihrem rauen Charme konnten mich für sich gewinnen. Die Geschichte beginnt vielversprechend und spannend – ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Doch leider flaute die Handlung ab dem zweiten Drittel merklich ab. Vieles war vorhersehbar, und das Ende konnte mich leider gar nicht überzeugen. Es wirkte gehetzt, einige Erzählstränge blieben offen, und die zentrale Frage – was mit Jack passiert ist und warum – wurde letztlich gar nicht aufgelöst. Auch kleinere Details störten mich. So passt ein Satz wie „wir haben abgehangen“ einfach nicht in die 80er-Jahre – damals sagte man „wir haben gespielt“ oder „wir haben uns getroffen“. Punkt.
Alles in allem ist es ein netter Roman, den man gut und leicht weglesen kann – eine schöne Urlaubslektüre am Meer. In diesem Sinne: eine Empfehlung mit Einschränkungen. 3,5/5
Buchmeinung zu Beatrix Gerstberger – »Die Hummerfrauen«
»Die Hummerfrauen« ist ein Roman von Beatrix Gerstberger, der 2025 bei dtv erschienen ist.
Zum Autor: Beatrix Gerstberger, geboren 1964, ist freie Autorin für ›Brigitte‹, ›Stern‹ und ›Geo‹. Sie schrieb den SPIEGEL-Bestseller ›Keine Zeit zum Abschiednehmen‹ über den frühen Tod ihres Partners und die Geschichten von weiteren jungen Witwen vor 20 Jahren, als sie für sechs Monate in einem Hummerfischerdorf in Maine lebte. Viele Jahre später kehrte sie an diesen Ort zurück, fuhr mit Hummerfischerinnen hinaus aufs Meer und sprach mit ihnen über das Leben, über Verluste, Trauer und das Weitermachen. Daraus entstand die Idee für diesen Roman. Beatrix Gerstberger lebt in Hamburg.
Zum Inhalt: 20 Jahre zuvor hat Mina ihren letzten Urlaub als Kind mit Bruder und Eltern auf Eagle Island verbracht, einem Dorf mit Hummerfischern und wundervoller Natur. Nach dem Tod ihres Bruders und dem Zerwürfnis mit ihrer Mutter, will Mina einen Neuanfang an dem Ort wagen, an dem sie glückliche Tage verbracht hat. Dort begegnet sie den starken Frauen und Hummerfischerinnen Ann und Julie sowie ihrer Jugendbekanntschaft Sam.
Meine Meinung: Dieses Buch bietet reichlich Denkansätze, vor allem zum Thema Umgang mit Verlusten. Ann (72) und Julie (Mitte 50) haben selbst einen Neuanfang auf Eagle Island gewagt und kümmern sich um Mina (Anfang 30). Die Hummerfischerei bietet einen festen, aber auch harten Rahmen für die Inselbewohner. Wenn etwas Schlimmes passiert wird kurz getrauert und dann wird zum Alltag zurückgekehrt. Durch mehrere Rückblenden erfahren wir mehr über Ann und Julie, aber auch über andere Dorfbewohner und Ereignisse jener Zeit. Sam hatte andere Pläne, aber durch den Tod seines Bruders akzeptiert er ungeschriebene Gesetze und bleibt auf der Insel. Sam und Mina kommen sich näher, aber der unterschiedliche Umgang mit Geschehenem macht es nicht einfach. Mina möchte Dinge hinterfragen, während Sam sie als abgeschlossen betrachtet. Schnell ist man bei der Frage »Wie hättest du dich unter diesen Umständen verhalten?« angelangt und gerät ins Grübeln.
Fazit: Dieses Buch hat mich wiederholt zum Nachdenken angeregt, auch wenn die eigentliche Geschichte eher unaufgeregt abläuft. Deshalb bewerte ich den Titel mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.