Wer hätte sich vor wenigen Jahren vorstellen können, dass Krieg wieder zu einer zentralen Bedrohung unserer Welt werden könnte? Was bringt Menschen dazu, andere Menschen zu töten? Dazu müssen wir nach den evolutionären Wurzeln von Gewalt und Aggression forschen und deren Wucherungen durch die menschliche Geschichte hindurch rekonstruieren. Die drei Autoren verbinden anhand von Fallgeschichten die Erkentnisse aus Archäologie, Evolutionärer Anthropologie und den Religions- und Geschichtswissenschaften, um in dieser Menschheitsgeschichte der Gewalt aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen es zu Krieg, Mord und Totschlag kommt. Und wie wir diese in Zukunft verhindern können.
Fesselnd und eindrucksvoll gelesen von Olaf Pessler.
Kai Michel, geboren 1967 in Hamburg, ist Historiker und Literaturwissenschaftler. Er hat von "GEO" über "Die Zeit" bis zur "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" für die großen deutschsprachigen Medien geschrieben. Er lebt als Buchautor in Zürich und im Schwarzwald.
Wie aus Jägern und Sammlern Imperialisten und Warlords wurden und was Klima, Patriarchat, Landwirtschaft und Seeelefanten damit zu tun haben! In der Geschichtswissenschaft wurde und wird viel über Kriegs- und Militärgeschichte geschrieben. Selten jedoch fragt man nach den Ursachen menschlicher Gewalt. Wer „The Better Angels of Our Nature“ oder zu Deutsch „Gewalt - Eine neue Geschichte der Menschheit“ des bekannten Evolutionspsychologen (und vermutlich noch bekannteren Podcast-Gastes) Steven Pinker gelesen hat, mag nun widersprechen und sagen, das damit doch bereits alles erklärt sei, schließlich handele es sich hierbei laut Bill Gates um das inspirierendste Buch, das er je gelesen habe. Pinker kommt zu der erfreulichen Erkenntnis, dass wir aktuell in der friedlichsten Epoche der Menschheitsgeschichte leben und die Gewalt, die seit jeher Teil der menschlichen Natur sei, statistisch stark abgenommen habe. Diese äußerst bequeme Theorie fußt auf der Ansicht, dass der Mensch so ist, wie er ist, weil er eben so ist. Also Füße hoch, zurück lehnen und ganz gemütlich weiter machen…
Wer das wirklich glaubt, der kann sich auch gleich an die Bibel und die unsägliche aber nicht tot zu kriegende Mär der Erbsünde halten. Wer sich jedoch bewusst ist, dass es auf solch komplexe Fragen, keine einfachen Antworten geben kann, dem ist diese neue Evolutionsgeschichtliche Aufarbeitung des Themas wärmstens zu empfehlen. Erstens bekommen hier sowohl Steven Pinker als auch die Bibel jeweils ihr Fett weg, zweitens wird anhand aktuellster archäologischer Erkenntnisse dargestellt, dass die Spezies Mensch mit nichten von Natur aus gewalttätig ist und wir dieses Verhalten schon gar nicht mit irgendwelchen Menschenaffenarten teilen. Im Gegenteil handelte es sich beim Homo Sapiens um eine grundlegend egalitäre Spezies, die Gewalt untereinander gar nicht oder nur unter extremen Bedingungen ausübte. Bis es eben nicht mehr so war...
Welche Bedingungen dazu beitrugen, dass die Menschheit entgegen ihrer eigenen Natur immer häufiger auf Mittel der Gewalt zurück griff und sich die „Erfindung Krieg“ über die Jahrtausende hinweg verselbstständigte, wird hier absolut nachvollziehbar und einleuchtend aufgezeigt. Weniger sind es bahnbrechend neue Erkenntnisse, als viel mehr das gezielte Beleuchten und in Zusammenhang setzen vieler Fragen, die in der Geschichtswissenschaft viel zu lange ignoriert oder übersehen wurden und sich hier nun zu einem recht eindeutigen Bild zusammenfügen. In der langen Zivilisationsgeschichte des Menschen gab es immer wieder viele kleine Steine, die einander ins Rollen brachten und gewisse (Fehl-) Entwicklungen voran trieben: die Herausforderungen des gesellschaftlichen Lebens in Folge der Sesshaftwerdung bis hin zur Ausbildung erster Zivilisationen mit bis dato ungekannten unilateralen Machtverhältnissen. Über allem steht jedoch eine Konstante: „Patriarchat und Krieg erblickten gemeinsam das Licht der Welt, als siamesische Zwillinge. Der wohl größte Kriegstreiber sind extrem patriarchale Verhältnisse.“