Karl hat sich in ein abgelegenes Kloster in Spanien zurückgezogen. Er ist krank und wartet auf sein Ende. Doch dann begegnet er dem elfjährigen Geronimo, und gemeinsam beschließen sie, davonzureiten, nachts, auf Pferd und Maulesel. Sie geraten in wilde Abenteuer, finden Weggefährten auf dem Weg nach Laredo. Karl lernt kennen, was er trotz Macht, Ruhm und Reichtum bisher nicht Freundschaft, Liebe, Unbeschwertheit und die Freiheit, die es bedeutet, nur im Moment zu leben.
Reise nach Laredo ist ein fantastischer, magischer Roman über das Loslassen, über das, worauf es im Leben ankommt – und vor allem eine mitreißende Geschichte gelesen von Matthias Brandt.
Geiger grew up in the village of Wolfurt near Bregenz. He studied German studies, ancient history and comparative literature at the universities of Innsbruck and Vienna. He has worked as a freelance writer since 1993. From 1986 to 2002, he also worked as a technician at the annual Bregenzer Festspiele summer opera festival.
In 1996 and in 2004, he took part in the Ingeborg-Bachmann-Preis competition at Klagenfurt.
In October 2005, he was the recipient of the first Deutscher Buchpreis[1] literature prize (awarded by the booksellers' association of Germany) for his novel Es geht uns gut.
Ein Stern ist vermutlich zu harsch für Geigers Buch über die letzten Tage des spanischen Königs und Kaiser des HRR Karl. Wenn ich allerdings meine letzten 2-Sterne-Lektüren als Vergleich nehme, fällt das hier noch mal ab.
Im Verlauf der Lektüre ist geschehen, was eher selten passiert und einer Vollkatastrophe gleicht: Die Kapitel verlieren ihren Zusammenhang, die Seiten zerfasern zu einem Fadensalat, die Sätze stehen unverbunden nebeneinander, sodass keinerlei Lektüre-Traktion mehr möglich ist.
Das liegt sowohl an der ohnehin dünnen Story (Karl reist mit seinem kleinen Sohn und zwei aufgelesenen Außenseitern nach Laredo), mehr noch an der unklaren Erzähl-Perspektive und einer Sprache, die sich nie entscheiden kann, was sie sein will. So wechseln sich markige Oneliner mit gefühligen Lebens-Metaphern ab und werfen Karls Figurenzeichnung im Wagenrhythmus vom nihilistischen Greis zum hypersensiblen Fürsprecher der Armen. Dass in der indirekten Rede mal der Indikativ, mal der Konjunktur verwendet wird, mag wie eine haarspalterische Bemerkung wirken, ist aber nur eine von unzähligen Inkonsequenzen, die jede Stringenz für mich zerschossen haben. Auch die Erzählerinstanz kann sich nicht entscheiden, ob sie dem Treiben der ungleichen Gruppe mit ironischem Unterton auktorial folgt oder ob Karls Wahrnehmung Zentrum des Romans ist. Statt psychologischer Tiefe oder motivischer Dichte bekommt man eher den Krümeltee zerdrückter Glückskekse und darf sich am Ende mit der Erkenntnis trösten, dass man immerhin der Habsburger Lippe entkommen ist.
Lässt mich gänzlich unberührt und erkenntnislos zurück.
Hmmmmm....in diesem Fall bin ich absolut ambivalent...denn die Erzählung ist sprachlich so ausgefeilt und intensiv, so hochwertig und philosophisch, dass sie an sich an ein Meisterwerk grenzt....
Inhaltlich konnte sie mich dagegen überhaupt nicht mitnehmen....
Die historische Geschichte um die letzten Monate Kaiser Karls V. hat kaum Entwicklung...einzig die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten stellt den Inhalt.
Leider konnte mich dieses sprachlich ausgefeilte Büchlein nicht überzeugen....
Klarer Fall von: kann man lesen....muss man aber nicht!
Vor einiger Zeit hat Karl V. Abgedankt. Nun verbringt er seine Tage in Yuste in einem Landhaus nahe bei einem Kloster. Im Jahr 1558 ist der für die damalige Zeit schon ein älterer Herr, der seine Gesundheit nie geschont hat. Entsprechend schlecht ist sein gesundheitlicher Zustand. Eines schönen Tages will er ein Bad nehmen. Gerne würde er mehr Zeit mit seinem Sohn Geronimo verbringen, der allerdings nicht offiziell sein Sohn ist. Der Junge weiß nichts von seinem Vater. Karls letzter großer Traum ist eine Reise ans Meer nach Laredo. Der Gedanke, gemeinsam mit Geronimo könnte er sich auf den Weg machen, lässt ihn nicht mehr los.
Wie Empfindungen hegt ein abgedankter Herrscher, der in seiner Zurückgezogenheit eigentlich nichts mehr zu tun hat als seinen Gedanken nachzuhängen. Reflexionen über die Zeit seiner Herrschaft. Hat er alles richtig gemacht? Eroberungen, Kriege, die Vermählungen seiner Töchter aus Gründen, die dem Land diesen sollten. Und Geronimo, für dessen Zukunft er nichts tun kann oder will. Soll er dessen Position verbessern? Wenigstens mehr Kontakt könnte er mit ihm haben. Der Elfjährige ist so erfrischend ehrlich und impulsiv. Wenn Karl mit dem Jungen zusammen ist, hebt sich seine Stimmung gleich. In seinem Alter eine Reise? Das wäre was.
Beim Lesen des Klappentextes kann man sich fragen, ob die Thematik so packend ist. Wenn man jedoch die ersten Seiten aufblättert und beginnt zu lesen, merkt man gleich, dass einen die Sprache gefangen nimmt. Das Innenlebens eines alten Mannes, der sein früheres Leben aufgegeben hat und es damit auf eine Art wieder selbst in die Hände genommen hat. Die Beschäftigung mit seinem Leben, der Wunsch, seinem Sohn etwas näher zu kommen, seine schmerzhaften Krankheiten und Altersbeschwerden, das ist eine zeitlose Mischung, die auch heute interessant ist. Und auch die Beschreibung der Reise hat es in sich. Kann es sein, dass wenn eigentlich alles schon vorbei ist, das Leben doch noch etwas in Petto hat. Man wünscht es Karl.
Der Weg ist das Ziel könnte man meinen, wenn man das sehr gelungene Cover sieht.
Der Roman ist für den österreichischen Buchpreis 2024 nominiert. Die Jury hat damit eine gute Wahl getroffen.
EIN SENSIBLER ROMAN ÜBER DAS STERBEN Kurzmeinung: Über das Sterben - warum ausgerechnet Karl V.? In seinem neuesten Roman widmet sich Arno Geiger den letzten Tagen von Karl V. (1500 – 1558). Es empfiehlt sich, vorab entsprechende Daten über Karl V. nachzulesen, denn allzu viele Informationen über den Herrscher gibt Arno Geiger nicht an die Hand. Er widmet sich dem Innenleben. Und weil Arno Geiger das Gewicht auf das Innerliche legt, ist die „Reise nach Laredo“ zwar ein Roman mit einem historischen Sujet, aber kein historischer Roman. Karl V. hat sich nach Yuste in Spanien zurückzogen, er leidet schwer an Gicht und sollte aus lebenserhaltenden Gründen Diät halten, sich zumindest in Essen und Trinken mäßigen. Dazu ist Karl V. aber nicht imstande. Er leidet unter Fresssucht. Dies wird von dem Autor zwar nicht verschwiegen, jedoch thematisch nicht in den Vordergrund gestellt, was meines Erachtens etwas schönt. Als Karls Ende naht, fällt er ins Koma.
Der Kommentar und das Leseerlebnis: Arno Geigers Formulierungskunst fasziniert und begeistert mich immer aufs Neue. Kleine Kostproben: „Der Wahnsinn des Sommers klingt ab“, „In den Pappeln neben der Klosterkirche rieselte der Abend“ oder: „Er brachte die Saiten der Gitarre zur Ruhe, wie jemand für die Geliebte die Bettdecke glatt streicht“. Wegen der Ästhetik seiner Schreibweise, gehört Arno Geiger zu meinen Lieblingsautoren. Dennoch muss ich an dem neuen Roman herumkritteln, er ist mir gar zu innerlich. Karl V. macht sich viel Gedanken über sein Seelenheil. Und er denkt sehr intensiv über sein Leben nach. Wer bin ich, wenn ich nicht Herrscher bin? Hier höre ich ja fast Richard David Precht reden: „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ Es stellt sich freilich sehr richtig die Egozentrik des abgedankten Herrschers heraus: er kann kaum jemals über sich selbst hinausdenken, wie auch, ist er doch der Herrscher aller Herrscher und der Mittelpunkt der Welt. Das hat man ihm so beigebracht. Er hat es verinnerlicht. Arno Geiger lässt zusammen mit einem unehelichen Sohn Karls V., dem 11jährigen Geronimo, ein Geschwisterpaar auftreten, das den Cagots angehört. So macht der Autor diese in Spanien verfemten Menschen sichtbar, die nichts weiter verbrochen haben als zu existieren. Über Geronimos Her- und Zukunft erfahren wir kaum etwas, auch hier müssen wir bei wiki nachlesen (danke, wiki). Er wurde nach dem Tod Karls V. Befehlshaber der spanischen Flotte und Statthalter der habsburgischen Niederlande unter dem Namen Don Juan de Austria. Nun bin ich schon groß und kann selber googeln, dennoch hätte ich diese Information gerne Arno Geigers Roman entnommen; wenigstens in einem Nachwort. Es brauchte doch nur zwei Zeilen dazu. Selten habe ich ein Nachwort so sehr vermisst, wie in diesem Roman! Auf der doppelt fiktiven Reise nach Laredo, einmal fiktiv, weil eben fiktiv und ein zweites Mal fiktiv, weil sie nur im Delirium Karls stattfindet, verweilt der abgedankte Herrscher (zu) lange in einer Spelunke und ich ermüde leserisch ein wenig. Es wird ersichtlich, dass Karl V. nach Läuterung strebend dennoch vollkommen dem Trunk und der Spielsucht verfallen ist. Ein gläubiger Mensch, der vollkommen haltlos in seinem Leben gewesen ist. Das passt für mich nicht zusammen. Gläubigsein muss sich auch in der Lebensführung beweisen, ein theoretisches Fürwahrhalten reicht nicht aus und ist Heuchelei. Viel Sympathien erntet Karl V. nicht bei mir, gar keine, um ehrlich zu sein, obwohl der Roman mit dem Ankommen in Laredo ein poetisches und versöhnliches Ende nimmt. Die Reise nach Laredo ist eine sensible Darstellung des Sterbens. Die Schilderung des Hinübergleitens in den Tod, der Übergang vom Sterben zum Tod, ist dem Autor lyrisch aus der Feder geflossen. Der Roman hat demgemäß etwas leicht Fluides, das ich nicht näher beschreiben kann, man muss es selber lesen. Das ist große Erzählkunst. Womit ich hadere ist die Figur an der entlang Arno Geiger arbeitet. Ist ihm die Historie wichtig, möchte ich mehr Informationen und Daten, kommt es aber hauptsächlich auf den Vorgang des Sterbens an – warum dann ausgerechnet Karl V.? Aha, beides, sagst du Arno? Nun, wie gesagt, dann bleiben auf der Strecke alle diejenigen Basis-Informationen, die man entweder wegs vortrefflicher Bildung sowie so sein eigen nennt oder die man nachlesen muss. Die paar Andeutungen, die du machst, reichen mir nicht.
FAZIT: Obwohl ich ein wenig meckere und mich „im Wirtshaus“ langweilte, goutiere ich das Wagnis des Autors mit seiner speziellen Herangehensweise mittels einer historischen Figur doch über nichts anders als über das Sterben zu schreiben. Arno Geigers Romane sind – so oder so - immer etwas Besonderes. Auch dieser.
Reise nach Laredo ist ein Roman, der vor kurzen kontrovers beim Literarischen Quartett besprochen wurde. Die Meinungen gingen auseinander, also hilft nur, selbst dieses interessante Buch zu lesen. Zunächst muss man wissen, wer Karl, die Hauptfigur dieses Buches ist. Es ist Karl V. Und war Kaiser sowie König von Spanien. Er lebte von 1500 bis 1558 und war eine interessante, historische Persönlichkeit. Mit seinen 58 Jahren, geplagt von Gicht und vom immer wiederkehrenden Fieber, legt er all seine Ämter zurück und zieht sich in ein einsames Kloster in Spanien zurück, um das Ende seines Daseins zu erwarten. Er ist krank, hilflos und wartet auf sein Ende. Hier trifft er seinen illegitimen elfjährigen Sohn Geronimo. Beide beschließen das Kloster zu verlassen und sich auf eine Reise zu begeben. Arno Geiger hat wie gewohnt einen poetisch literarischen Roman geschrieben.
PS: Dieses Buch wurde auch in Podcast eat.READ.sleep. (Folge 125 Gemüsebrei und Bauhaus-Geschichten), sehr lustig von Jan und Daniel besprochen. 😍😍😍 https://www.ndr.de/kultur/buch/eatREA...
After abdicating, Charles V spent his final years in a monastery in Extremadura. But in this novel Charles, bored and suffering various ailments, decides to take a road trip with his 11-year old illegitimate son. Meeting different people along the way Charles is for the first time exposed to 'normal life'.
What should have been eventful historical literary fiction turned out to be an uneventful novel. And I had that frustrating feeling that every time there was supposed to be an 'insight', I didn't get it - even after re-reading and trying to see it. Perhaps if I had read this with a bookclub people could have pointed me to the meaning, but it just felt rather pointless to me.
Ein ambivalentes Buch, was sich um den Rückblick am Lebensende dreht. Und genau in diesen Momenten der Selbstreflexion des Hauptcharakters hat das Werk seine Stärken, ist ergreifend und teilweise philosophisch. Dagegen bleibt die darum gesponnene Handlung teilweise etwas dünn und oberflächlich. Folgerichtig wünscht man sich die Geschichte hätte den Protagonisten etwas mehr sich selbst überlassen.
Dieser Satz ist so treffend – leider nicht nur für das Sterben, das Arno Geiger in Die Reise nach Laredo beschreibt, sondern auch für das Leseerlebnis selbst. Schon früh wird klar, worauf dieser Roman hinauswill: nüchterne, essayistische Verallgemeinerungen, die jede Alltagsbeobachtungen sofort ins Allgemeine ziehen, etwa: „Er fühlt sich jetzt besser als in der Früh, es hat damit zu tun, dass ein Mensch, wenn er gebadet ist, für einige Zeit von sich eine bessere Meinung hat.“ Das mag gedanklich geschniegelt wirken, bleibt aber auffallend austauschbar und zunehmend platt.
“Er hörte einen einzelnen Frosch, ein trübes, in die Länge gezogenes Quaken, das der Sinnlosigkeit des Quakens Ausdruck gab, ein zeitloses Quaken, kalt, trist und grausam.” Aja.
Karl V. denkt hier nicht wie ein Mensch des 16. Jahrhunderts, sondern wie ein moderner Feuilletonessayist: „Karl senkt den Blick, er sieht in seinem Schoß die gichtigen Hände und stellt so die eigene Anwesenheit wieder her. Wer solche Hände hat, der existiert.“ Spätestens bei Sätzen wie „dass Wahrheit und Schönheit oft nichts miteinander zu tun haben. Schönheit ist selten wahr und Wahrheit selten schön. Leider.“ wird aus innerer Verdichtung eine Abfolge von Plattitüden. An anderer Stelle fühlt Karl V. sich “wie ein Brot, das ins Wasser fällt”, da dachte ich kurz, hier hat aber eine KI ein bisschen übertrieben.
Historisch bleibt der Roman erstaunlich leer, erzählerisch passiert fast nichts, Figuren entwickeln sich nicht, alles wabert gedanklich vor sich hin. Viel Reflexion, wenig Substanz, keinerlei historischer Halt. Gar keine Atmosphäre. So bleibt ein ästhetisch geschniegelt formulierter, aber inhaltlich unglaubwürdiger Text, der weder seiner Figur noch seiner Zeit gerecht wird.
Ein sensibler Roman über das Sterben, habe ich in einigen Rezensionen gelesen. Für mich vor allem ein ermüdendes Gedankenkreisen, das sich selbst genügt.
Hier noch ein längeres Zitat, das für mich fantastisch stellvertretend für das ganze Buch steht:
“Die beiden tanzten, jeder für sich. Angelita bewegte sich sanft und fließend, den Blick gesenkt, versunken in ihr Tanzen. Schon nach wenigen Sekunden, so kam es Karl vor, nahm sie niemanden mehr wahr, nur manchmal hob sie kurz den Kopf, sah Geronimo an und lächelte. Auch Geronimo sah nichts und niemanden — außer Angelita. Seine Aufmerksamkeit galt allein ihr. Zu Beginn tanzte Geronimo etwas schneller als das Mädchen, doch bald glichen sich ihre Bewegungen an. Es lag etwas Besonderes darin, wie vertraut die beiden miteinander umgingen, für alle sichtbar: dass diese Freundschaft etwas Besonderes war. Karl beobachtete die beiden. Die Schönheit der Tanzenden weckte in ihm ein helles Gefühl, zugleich empfand er Trauer. Es hatte nicht nur mit der Schönheit der Jugend zu tun, vor allem schmerzte ihn die Gabe der beiden, ganz bei sich zu sein, ganz im Moment. Die Freiheit, alles ringsum vergessen zu dürfen — die hatte Karl nie gehabt. Und dieses unbeschwert Körperliche … die beiden schienen ganz eins damit. Hatte er ebenfalls nie gehabt. Wie versunken sie tanzten, versunken oder enthoben, egal, diese Freiheit … rundherum existierte nichts, alles war unerheblich, kein Morgen, kein Gestern, nur der Augenblick. Karl sagte sich: So war ich nie, so frei, so unabhängig. Vielleicht könnte ich’s jetzt, für einige Augenblicke, für drei Tage, das wäre immerhin etwas. Kann man Unbeschwertheit lernen? Wird man so geboren? Ich weiß es nicht. Aber mit Sicherheit darf man nicht unbeschwert sein, wenn man König ist. Als Wirt vielleicht, aber nicht als König. Jetzt als alter Mann? Alles um mich herum vergessen? Will ich das? Wäre das gut? Will ich tanzen oder kotzen?”
Ich habe mich unerwartet schwer getan mit dem Buch und lange daran gelesen. Bemerkenswert von Beginn an war zumindest, wie detailreich und selbstverständlich Arno Geiger das Leben vor fast 500 Jahren erzählt – als wäre er dabei gewesen und so ist man auch als Leser dicht dran. Dass die Erzählung so schwerfällig startet, war vielleicht nötig, um die Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit des Kaisers Karl V. nach seiner Abdankung zu erzählen. All das wird in der Langsamkeit der Geschichte fast qualvoll fühlbar. Mit Beginn der Reise nach Laredo nimmt die Erzählung dann immer mehr Fahrt auf und gewinnt zunehmend sowohl an Spannung als auch an Leichtigkeit. Immer fantastischer wird das Erlebte und eingewoben darin finden sich immer wieder Reflektionen darüber, was ein gelungenes Leben ausmachen könnte und welche Dinge wirklich wichtig sind. Ausgehend vom Klappentext hatte ich hier mehr erwartet, aber zumindest im letzten Drittel gibt es eine Reihe berührender Momente und inspirierende Gedanken, die mich mit dem zähen Anfang versöhnt haben. Daher doch 4 Sterne, obwohl ich mir am Ende eine klarere Auflösung gewünscht hätte.
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Geiger und ich werden keine Freunde mehr. Für mich einer der überbewertesten Autoren Österreichs- zusammen mit Michael Köhlmeier (Schlaftablette, aber gut vernetzt) und Thomas Glavinic (arroganter Alkoholiker und trotzdem Schullektüre?) Ich find ihn einfach nur langweilig...
Das ist sicher nicht das beste Buch von Arnold Geiger, eher Mittelmaß dieser Roman über den sterbenden schon abgedankt habenden Karl V. So alt ist er ja noch gar nicht, der Geiger, dass er es nötig hätte, den Abgesang eines alten Mannes zu schreiben, und wenn schon, warum dann so ein unglaubwürdiger Historienschinken? Was ich ihm anrechne ist, dass mich der Roman motivierte so einige Gestalten aus dem Habsburgerumfeld zu googeln und mich in Wikipedia mit der Zeit im 16. Jahrhundert auseinander gesetzt zu haben. Also wohl nichts Preiswürdiges.
Ich weiss nicht... Ich bin einfach so nicht in die Geschichte gekommen. Nach gut einem Drittel habe ich aufgegeben. Ich weiss nicht ob es der Schreibstil (viele nichtssagende Floskeln) oder der Hörbuchsprecher (eher monoton, jeder Charakter klingt gleich) war. Schade, denn die Prämisse hätte mich sehr interessiert.
Der Rahmen des Romans ist vielversprechend: Der abgedankte Kaiser Karl im spanischen Bergland und in der Estremadura des 16. Jahrhunderts, Klöster, Cagots und ein verlassenes, steinernes Bergdorf. Dieser Teil der Geschichte ist gelungen, es gibt tolle Naturbeschreibungen wie „…. dort hinten auf einem Baum würgt eine Krähe, sich tief nach vorne beugend, ihren eigenen Namen heraus…“ oder „…Seerosen im Teich, die so zart sind, daß Karl Sorge hat, die Blütenblätter könnten Druckstellen bekommen vom Hinsehen …“ oder „… der Wind bekommt eine dicke Zunge …“. Die Schilderungen, die den Kaiser, sein Innenleben und die Reise nach Laredo betreffen, die entweder magisch ist, im halben Delirium oder im Opiumnebel gar nicht stattgefunden hat, steht dazu in einem auffälligen Gegensatz und will nicht recht dazu passen: Personen, Handlungen, Gedanken sind plump, nebulös, ein fast nerviges Hin und Her mit ständigen Verzögerungen oder Wiederholungen. Der alte Exkaiser ist nur noch erschöpft, Antworten wollen nicht gelingen, Gedanken werden nicht gedacht, sondern manchmal nur empfunden… Das soll vermutlich die Selbstreflexion Karls und die Aufarbeitung seines Lebens als Herrscher sein, von der es schon am Anfang heißt, dass sie ihm in seiner selbst gewählten, historisch belegten großartigen Klostereinsamkeit in Yuste einfach nicht gelingen will. Ich verstehe das gute Konzept und die Ansätze, aber die allgegenwärtige Erschöpfung erschöpft mich zu sehr. Umberto Ecco hätte mehr draus gemacht.
Der ehemalige König Karl lebt nach seinem Rücktritt im Kloster Yuste in Spanien und wartet auf seinen Tod. Er fühlt sein Dahinsiechen und bereitet sich darauf vor, umgeben von einem Arzt, einem Abt und Mägde und Knechte, die sein Leben unterstützen. Außerdem ist da noch Geronimo, sein unehelicher Sohn, der allerdings nichts von dem Verwandtschaftsverhältnis weiß. Der kleine Geronimo ist ein gewisses Lebenselixier für Karl und die beiden verabreden nach Laredo aufzubrechen. Auf der Reise treffen sie Hanzo und seine Schwester Angelita. Diese Weggefährten machen sich auf den beschwerlichen Weg und erleben einige Abenteuer, aber auch das Leben. Es ist ein interessanter Roman den Arno Geiger mit der „Reise nach Laredo“ anbietet. Wo ist denn dieses Laredo habe ich mich während des Lesens immer wieder gefragt. Aber ich glaube dieses Laredo ist in jedem Menschen. Hier ist es nun der sieche Karl, der mit seinen jungen Weggefährten aufbricht, um wieder einmal das Leben zu spüren. Karl weiß, dass er bald sterben muss und so macht er sich still und leise auf den Weg und wie bezeichnend mit seinem Sohn. Auch die Weggefährten, die Geschwister Honza und Angelita, bereichern mit ihrer Anwesenheit seinen letzte Lebensweg durch die Einöde. Doch sie lassen Karl noch einmal das Leben spüren auf ihrem Weg. Das Cover drückt diesen Weg durch die Einöde wunderschön aus. Man ist dort alleine mit sich und seinen Gedanken. Das ist es, was Karl nun spürt. Ja, er weiß, dass sein Leben zu Ende geht, aber er möchte noch einmal ausbrechen aus seinem Korsett im Kloster Yuste. Und er lernt noch einiges von seinen jungen Begleitern und das lässt ihn dann auch am Ende in Ruhe gehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Reise stattgefunden hat oder nur im Kopf von Karl sich abspielt. Aber wo auch immer, ich finde es ein gutes Beispiel dafür ab und zu mal auszubrechen aus den eingefahrenen Wegen und auch mal zu seinem eigenen Laredo aufzubrechen. Ein sehr interessantes Stück Literatur ist dieses Buch schon und es lohnt sich zu lesen.
Puh, da freue ich mich ja schon auf die Diskussion mit meiner guten Kollegin, aufgrund deren wärmster Empfehlung ich das Buch gelesen habe. Ein Buch, dass für mich in allen Kategorien versagt. Sprachlich simpel, mit floskelhaften Onelinern und uninspirierten gefühlsduseligen Metaphern. Strukturell lose, zerfleddernd - selten hatte ich so stark das Gefühl, dass die Sätze einfach zusammenhangslos aneinandergereiht wurden und kein stimmiges Gesamtbild ergeben. Die Erzählperspektive kann sich nicht entscheiden, ob sie personal die Sichtweise von Karl wiedergeben möchte, oder doch lieber auktorial die Wahrnehmungen der gesamten Reisegruppe aufgreift. Der Plot ist generell dünn, lückenhaft und bleibt wie die Gruppe selbst im klebrigen, langweiligen Wirtshaus stecken. Er mischt komplett unterschiedliche Elemente wie Karl als wirkliche historische Persönlichkeit, wobei an und an historische Bezüge aus seinem Leben reingeworfen werden die überhaupt keinen Mehrwert bringen, wie der Greif als Fabelwesen, der ohne Konsequenz bleibt und genauso gut hätte eine Kuh sein können oder die Struktur eines Roadtrips, wobei die verharrenden Moment dröge in die Länge gezogen werden und die eigentliche Bewegung in wenigen Sätzen vorbei ist. Dazu kommt sein Sohn, der nie mitbekommt, dass es sein Sohn ist und daher auch irgendein Bauernjunge hätte sein können. Warum ist der überhaupt bei ihm im Kloster? Warum werden sie vom Gefolge nicht verfolgt, als sie sich aus dem Staub machen? Und zum Schluss das Ende. Puh. Da läuft der nihilistische, saufende, spielende und sich generell arschig verhaltende Karl bis auf wenige Momente desinteressiert durch die Landschaft um am Ende am Meer zu merken "Also, das ist das Leben, das ist es, wozu man lebt.". Ja genau. Karl V., der als Kaiser des HRR schon kein langweiliges Leben hatte und in der Geschichte selbst mehrmals traurig schwärmerisch an seine Frau zurückdenkt soll nun zum ersten Mal das Gefühl haben, gelebt zu haben. Für mich noch immer völlig unverständlich, warum man das an dieser Person aufgehangen hat.
"Arno Geiger schildert die seelische Reifung herzergreifend, mitreissend und beglückend". Mhm, klar.
Nach langem Warten erscheint wieder einmal ein Roman des österreichischen Schriftstellers Arno Geiger, dessen Werk im Allgemeinen als vielseitig angesehen werden kann. Mit "Reise nach Laredo" veröffentlicht er jedoch seine bisher ungewöhnlichste Geschichte, die im 16. Jahrhundert spielt. Die ersten knapp vierzig Seiten, eine Art längerer Prolog, erinnern beinahe an Bücher von Gabriel García Márquez, etwa "Der Herbst des Patriarchen" oder "Der General in seinem Labyrinth", in denen ein bejahrter Regent auf seine einstige Herrschaft zurückblickt. Geigers Protagonist Karl, ein ehemaliger Kaiser und König, hat sein Amt niedergelegt und sich in ein Kloster zurückgezogen. Alt und krank erwartet er nicht mehr viel vom Leben. Literarisch bildet dieser Einstieg in den Roman den stärksten Teil des Buches, sowohl sprachlich, als auch inhaltlich. Karl wird als ein altersschwacher Mensch dargestellt, der ohne seine einstige Macht nur noch ein Schatten seiner selbst ist, und mit seinem gebrechlichen Körper kämpft. Seit der Niederlegung der Krone unterscheidet ihn nichts mehr von anderen Männern seines Alters, mit dem Verlust der Macht sind auch seine angeborenen Privilegien entschwunden, und seine Mitmenschen verhalten sich ihm gegenüber nicht mehr mit der zeitlebens gewohnten Ehrerbietigkeit. Eines Nachts entschließt sich Karl zur Flucht. Gemeinsam mit dem elfjährigen Jungen Geronimo begibt er sich auf eine Reise, dessen erklärtes Ziel die Stadt Laredo ist. Ähnlich wie in Stephen Kings "Der dunkle Turm" ist der eigentliche Zweck des Zielorts kaum definiert. Vielmehr geht es um die Reise an sich, und um die Abenteuer, die Karl und Geronimo währenddessen erleben. Begleitet werden sie schon recht bald von dem Wegführer Honza, sowie dessen Schwester. Mit dem Antritt der Reise verlässt der Roman nicht nur das Kloster, sondern weitestgehend auch ein sattelfestes literarisches Gebiet. Magische Reisebeschreibungen sind vor allem in der Fantasyliteratur zu finden oder Bestandteil locker fröhlicher Roadmovies- bzw- bücher, beides Genres, die mir persönlich nicht im mindesten zusagen. Auch Arno Geiger bedient sich üblicher Komponenten dieser Genre, thematisch geht es um Freundschaft, Zusammenhalt, der Suche nach Glück, aber auch Tod und Verlust. Wie bei nahezu allen Romanen Geigers bleibt am Ende der Lektüre die Frage offen, was der Autor dem Leser mitzuteilen versucht. Der Text ist flüssig zu lesen, phasenweise unterhaltsam, und das Zweigespann aus Karl und Geronimo kann verzaubern. Darüber hinaus ist jedoch nur wenig Mehrwert zu erkennen, vor allem in literarischer, wenn gar intellektueller Hinsicht. Als Kunstwerk ist die Geschichte durchaus vielversprechend angelegt, die Handlungswelt wirkt magisch aufgeladen, das Lesen bereitet Freude, und die einzelnen Stationen der Reise werden bildreich beschrieben; nur wirkt die Handlung dabei vor allem im Mittelteil äußerst inhaltsleer und belanglos. Das Niveau der ersten Seiten kann nicht gehalten werden und entwickelt sich zu einem Abenteuerroman für ein breites Publikum. Weiterhin ist "Unter der Drachenwand" Arno Geigers stärkster Roman. Wie die restlichen Bücher seines Werks ist "Reise nach Laredo" zwar durchaus lesbar und vergnüglich, aber als Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vernachlässigbar.
GEIGER, Arno: „Reise nach Laredo“, München 2024 Ich hatte in den letzten Wochen viele Bücher gelesen. Fast alle waren sie sehr gut, aber dieses Buch von Arno Geiger ist doch mehr Literatur. Großartige Formulierungen und ein ausgefallenes Thema. Die Geschichte von Karl dem Großen. Aber nicht eine historische Personsgeschichte wie von Mirko Jelusich, sondern nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben von Karl dem Großen. Er hatte seine Krone dem Nachfolge übergeben und sich ins einsame Kloster Yuste westlich von Madrid zurückgezogen. Er war krank und zwei Jahre später sollte er sterben. Die Gicht und noch andere Leiden plagten ihn. Zuerst war er froh die Bürde des Regierens abgelegt zu haben, aber dann haderte er: „Wie kaum atmete Karl auf, als er in Yuste eintraf. Alle freuten sich, ihn einmal richtig aufatmen zu hören. Doch auf die Erregung des Rücktritts folgte die Beklemmung des Stillstands, eine merkwürdige düstere Empfindung der Entfremdung, das Gefühl, dass nach Beendigung der Laufbahn nicht die Persönlichkeit hervorgetreten ist, sondern die Leere.“ (Seite 28) Aufmunternd war für ihn ein Gespräch mit einem Buben, der sein Sohn war, es aber nicht wusste. Mit ihm vereinbarte er sich, das Kloster gemeinsam heimlich in der Nacht zu verlassen. Mit einem Pferd und einem Maultier begannen sie die Reise. Unterwegs trafen sie auf Räuber, die einen jungen Burschen ermorden wollten. Die Beiden verhinderten es und so zogen sie gemeinsam, der befreite Bursche mit seiner Schwester weiter. Der junge Mann hatte einen Transportwagen mit zwei Maultieren. Karl beauftragte diesen jungen „Spediteur“, ihn nach Laredo im Norden des Landes zu bringen. Und das ist die gesamte Handlung des Buches: die Reise von Yuste nach Laredo. Karl lag hinten am Wagen auf einem Strohhaufen, das Mädchen ritt am Pferd, sein Sohn auf einem Maultier. Oft denkt der Kaiser – so wie eben alte Menschen – zurück was er alles erlebt, geschaffen und auch verloren hat. „Am Abend kann man hineinblicken, dachte er und sagte lange nichts, erinnerte sich seines vergangenen Lebens, und beim Gedanken an das Viele, das sein Leben gewesen war, empfand er Erstaunen. Alles ist geschehen, alles könnte man in ein helles, klares Licht stellen und mitteilen. Aber es tut weniger weh, die Schatten zu betrachten, die von den Dingen geworfen werden. Vielleicht ist das Leben nur so auszuhalten.“ (Seite 109) Bei dieser, seiner letzten Reise bekommt er Kontakt mit einfachen Menschen. Dem Buben, der sein Sohn war, ohne es selbst zu wissen, einem einfachen Kutscher mit seiner Schwester. Als Kaiser war er vom „normalen“ Volks abgeschnitten Hier lernte er dann neue Dimensionen des Lebens kennen: Freiheit, Liebe und Freundschaft. Detailgenau werden die Erlebnisse dieser Reise und auch die vielen Abenteuer geschildert. Arno Geiger schreibt phasenweise sehr romantisch. Auf alle Fälle hält er die Leserschaft über 270 Seiten in Spannung. Im letzten Kapitel überspringt er dann eine Zeitspanne und berichtet den Tod des ehemaligen Kaisers. Alles ist großartig beschrieben. So, als würde Arno Geiger, der Autor des Buches, selbst an der Expedition teilgenommen haben. Ich sehe ihn auch vor mir, wie er die einzelnen Schauplätze besuchte und ihnen schreibend Leben einhauchte. So entstand diese sehr lebensecht wirkende Geschichte.
Historisch und mystisch Kaiser Karl V. dankte 1556 frustriert ab. Seine Ziele hat er nicht erreicht. Alt und krank zieht er sich in ein Kloster in Spanien zurück. Der Roman setzt 1558 an, Karl langweilt sich quasi zu Tode. Er liegt den ganzen Tag herum, denkt nach über sein bisheriges Leben, denkt an seine verstorbene Frau. Karl hatte einige illegitime Kinder. So auch den 11jährigen Geronimo, der aber natürlich nicht weiß, das sein Vater der Kaiser war. Doch Karl lässt Geronimo ans Kloster holen und unterhält sich auch eines Tages mit ihm. Dabei entspinnen sie die Idee, nach Laredo zu reiten. Natürlich eine Schnapsidee, mit dem alten kranken Mann loszuziehen. Mit einem Pferd und einem Maulesel, auf letzterem nimmt der ehemalige Herrscher Platz, weil er es nicht auf das große Pferd schafft. Irgendwie erinnert das an Don Quichote und auch an die Odyssee. SO erleben die beiden zahlreiche Abenteuer und begegnen interessanten Menschen. Allen voran das Geschwisterpaar Honza und Angelita. Die beiden gehören zu den Cagots, eine geächtete kleine Volksgruppe, die Gänseblümchen aus Stoff als Zeichen an der Kleidung tragen müssen. Die vier bilden fortan an eine seltsame Reisegruppe. Durchqueren schier endlose Landschaften und stranden schließlich in einem fast verlassenen Ort, in den Fängen eines Gastwirts. Hier wird es auch ein wenig fantastisch, denn dieser hält im Garten einen Greif. Keinen Adler, sondern ein Mischwesen mit Schwingen und 4 Beinen. Geiger schreibt von leichter Hand, ich werde direkt ins heiße Spanien katapultiert. Sehr bildhafte Sprache, dabei blitzt immer wieder Geigers Humor auf. Dieser spielt ja gerne mit verschiedenen Genres, hier versucht er sich an einem fiktiven historischen Roman. Es geht um Freundschaft, Vaterschaft, Liebe und Reise und natürlich um das Leben an sich. Ich wurde sehr gut unterhalten und auch zum Nachdenken angeregt. Ganz wundervolles Ende des Buches. Ein Lesehighlight für mich dieses Jahr.
Ist Arno Geigers neuer Roman Reise nach Laredo jetzt ein Roadmovie in Buchform über das Sterben oder über das Leben? Diese Frage kann ich anders als die Frage nach dem genauen Inhalt dieses Romans am Ende (so denke ich zumindest) beantworten.
A long story short: Der siechende und für das 16. Jahrhundert schon furchtbar alte (58 Jahre) Karl bricht noch einmal aus seinem letzten Refugium - einem Kloster - aus, um mit dem Knappen Geronimo (11 Jahre) heimlich nach Laredo zu reisen. Warum? Bis zum Schluss unklar, mutmaßlich aber einfach um der Tristesse des Klosters Yuste zu entkommen oder dem Tod noch mal ein Schnippchen zu schlagen?
Doch Karl ist nicht irgendwer, sondern der Habsburger Karl V., so ziemlich der bedeutendste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Spanien. Nunmehr hat er abgedankt, sein Sohn ist König und für ihn ist Baden schon ein Riesenkraftakt. Und Geronimo? Der ist sein unehelicher Sohn, der davon allerdings noch nichts ahnt. Der Weg nach Laredo ist jedenfalls das Ziel und als das Vater-Sohn-Gespann einem Geschwisterpaar, das zur Minderheit der Cagots (Googeln!) gehört, das Leben rettet und dann mit diesen in einem ziemlich düsteren Dorf strandet, wird es nochmal spannend…
Das Ganze ist natürlich historische Fiktion, die Hintergründe werden allerdings nirgendwo eingeordnet, da braucht es ein bisschen eigene Recherche (wenn man will). Aber irgendwie braucht es den ganzen königlichen Hintergrund auch gar nicht, um dieses Buch zu mögen. Ich jedenfalls mochte es gern, weil es auf merkwürdige Weise zusammenfasst, was das Leben ausmacht und gleichzeitig sehr vor sich hin plätschert (auf die gute Art). Ein irgendwie lebensbejahendes Buch, in dem zufällig ein Kaiser Protagonist ist (was aber in 90 % der Handlung keine Rolle spielt).
Kleiner Spoiler: Nach Laredo kommen sie nicht mehr, aber wer will da schon hin, wenn der Weg irgendwie doch immer schon das Ziel ist?
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Karl, ehemaliger König und Kaiser, hat all seine Ämter niedergelegt und sich in ein abgelegenes Kloster in Yuste zurückgezogen, in dem er seine letzten Tage verbringt. Die siebenundvierzig Angestellten, die ihm dort Gesellschaft leisten, warten im Grunde nur darauf, dass es endlich vorbei ist, damit sie mit ihrem eigenen Leben weitermachen können.
Karl, der im Grunde nichts gegen den Tod hätte, wenn er denn wenigstens das Gefühl hätte, sein Leben gelebt zu haben, begibt sich mit dem Jungen Geronimo auf eine Reise nach Laredo. Da sein Gesundheitszustand ihm keine großen Sprünge mehr erlaubt, findet diese Reise (meiner Meinung nach) ausschließlich in seinem Kopf statt, hier kommt auch das Laudanum ins Spiel, auf das Karl immer wieder zurückgreift. Auf ihrem Weg begegnen sie vielen anderen Menschen, unter anderem einem Geschwisterpaar, das zu den damals geächteten Cagots gehört und entsprechend um seinen Platz in der Gesellschaft kämpft.
Wie war’s?
Mein erstes Buch von Arno Geiger und ich bin leider nicht so begeistert, wie ich es anhand von Klappentext und Cover gerne gewesen wäre. Die Erzählung zieht sich stellenweise zäh wie Kaugummi und obwohl das Buch die eine oder andere Lebensweisheit oder Anregung zum Nachdenken parat hält, hat es mich insgesamt nicht wirklich abgeholt. Obwohl ich die Idee dieser letzten Reise auf dem Weg zu sich selbst grundsätzlich sehr gelungen finde, vor allem die Art, wie Karls letzte Minuten im Wasser beschrieben werden.
Fazit
Für Fans des Autors sicher ein interessantes Buch… wenn es allerdings um die Frage geht, was im Leben wirklich zählt, habe ich schon Besseres gelesen. Und dass ich den Roman sonderlich »magisch« fand, was ebenfalls im Klappentext beworben wird, kann ich leider auch nicht behaupten. Alles in allem eher eine Leseenttäuschung und von mir leider keine Empfehlung.
Der ehemalige König Spaniens, Karl V., kommt im Jahr 1556 in ein Kloster in Yuste, um dort die letzten Tage bis zu seinem Tod zu verbringen. Während das Personal im Kloster darauf wartet, dass der kranke Karl stirbt, langweilt sich Karl, sitzt im Garten und beobachtet Geronimo, seinen unehelichen elfjährigen Sohn. Gemeinsam beschließen sie, auf einem Pferd und einem Maulesel abzuhauen und sich auf die Reise nach Laredo zu machen. Sie begegnen Fremde, finden Reisebegleitungen und Karl sieht die ländlichen Regionen des Landes, in denen er nie war und über die Menschen er kaum etwas wusste.
Arno Geiger wird, soweit ich das anderen Rezensionen entnehmen konnte, vor allem für sein Buch "Der alte König im Exil" gefeiert, das viele Leser*innen begeistert hat. Ich muss dazu sagen, dass ich historische Romane und fiktive Geschichten um historische Personen nicht allzu häufig lese und keine Leidenschaft dafür hege. Manchmal genieße ich es jedoch, darin einzutauchen und mich eine Weile lang in die Zeiten mitnehmen zu lassen. Mir fiel bereits der Einstieg in "Reise nach Laredo" schwer. Ich emfpand Arno Geigers Schreibstil als sehr kompliziert, verschwungen und sprachlich sehr komplex. Ich hatte den Eindruck, der Roman soll sich vor allem auf philosophische Fragen des Lebens fokussieren, bebildert und veranschaulicht durch die Reise und die Erlebnisse und Begegnungen. Ich kann mir vorstellen, dass Fan*innen von Arno Geiger auch begeistert von seiner Erzählweise und Karls Erleben hier sind, mich konnte er leider mit diesem Werk nicht überzeugen. Ich empfand den Roman als zäh, schwierig zu lesen und habe Handlung und Spannung vermisst. Es gab leider keine Komponente, die mich fesseln oder begeistern konnte.
This book by the Austrian author Arno Geiger started off marvellously. A historical fiction novel in which Geiger examines the true purpose of life. Charles V has retreated to an isolated monastery in Spain, where he is awaiting his final hour. He then meets Geronimo, who is actually his son, and the two decide to ride off to Laredo in the night, on a horse and a mule. It puts one in mind at the beginning of Don Quixote, though in Geiger's book, it's the king who is riding the mule. During the trip, they meet a young man and his sister, who are Cagots, members of a persecuted minority who came from northern Spain. This is a magical story, in which the mythical griffon appears, a story about friendship, love and freedom. I was fascinated in the first half of the story. It shows how Charles realizes that his time has come and that he has to let go, and that despite his former power, fame and riches, he is experiencing, almost for the first time, what life is really all about. He is an old man, and his journey to Laredo will be his last. The prose is wonderful, ardent and impassioned. I was all the more irritated when the griffon appeared, because that mythical creature did give the novel a touch of fantasy at a point at which I was feeling its humaneness. Charles is not recognized by anyone he meets , and he is proud of the way his son (who is unaware of the relationship) takes part in handling all that they experiences they encounter. A book work reading, though I still don't understand clearly why the author included the griffon.
Der sichtlich unter Gicht leidende ältere Herr in schwarzer Kleidung ist mit Pferd und Maultier unterwegs auf einer (fiktiven) Reise vom Kloster Juste/Estremadura nach Laredo. Die Kaiserkrone hatte Karl V. (1500-1558) abgelegt und erwartete im Kloster mit noch nicht 60 Jahren die Erlösung von seinen zahlreichen Leiden. Der Personalaufwand für seinen Hausstand muss ihm eine Last gewesen sein, auch seine Angestellten erwarten nur noch seinen Tod.
Die Begegnung mit dem elfjährigen Geronimo und dem Mädchen Angelita, das Señor Carlos/Karl unterwegs pflegt, ermöglichen dem extrem schüchternen Mann auf dieser Reise einen Rest von Normalität und menschlicher Zuwendung um seiner selbst willen. Trotz seines körperlichen Verfalls wirkt Karl nach teils absurden Abenteuern fitter als noch beim Aufbruch der Gefährten. Die Reise mit dem Jungen, der sich als Karls Sohn entpuppt, hat ihn zur Begegnung mit einfachen Menschen gezwungen und mit der Diskriminierung der unberührbaren Cagots konfrontiert.
Die augenzwinkernd erzählte Abenteuergeschichte reduziert den ehemaligen Die augenzwinkernd erzählte Abenteuergeschichte reduziert den ehemaligen König/später Kaiser des Heiligen Römischen Reiches auf einen Reisenden, der in Wirtshäusern auf einem Strohsack übernachtet. Ein König kann eben auch eine Abbildung auf einer Spielkarte sein.
Zuallererst wollte ich das Buch haben, weil ich von Arno Geigers Sprachwahl so beeindruckt bin. Das wunderschöne Cover, das sich aufgeklappt zu einer Darstellung der Reise nach Laredo entfaltet, hat mich ebenfalls begeistert.
Inhaltlich muss man schon ziemlich mitdenken, aber die Botschaft ist denke ich relativ klar.
Der frühere König Karl hat sich krank und hilflos in ein Kloster in Spanien zurückgezogen, wo er auf sein Ende wartet. Dort begegnet er seinem unehelichen elfjährigen Sohn Geronimo. Gemeinsam fassen sie den Entschluss, das Kloster zu verlassen und eine Reise zu unternehmen, die voller Überraschungen und befreiender Momente ist.
Arno Geiger beeindruckt einmal mehr mit seiner poetischen und einfühlsamen Sprache. Seine Bücher sind ein wahrer Genuss – leicht zu lesen, berührend und einfach gut. Besonders "Reise nach Laredo" empfinde ich als sehr persönlich, da es sich mit den wichtigen Dingen im Leben auseinandersetzt. Diese Geschichte hat mich tief bewegt und zum Nachdenken angeregt. Viele versteckte Bilder und Metaphern fordern dazu auf, bewusster im Hier und Jetzt zu leben und mit Achtsamkeit und Freude am Leben teilzunehmen.
Nichts für kurzweiliges Leser, hier benötigt man schon etwas mehr Zeit und Tiefgang.
Der neue Roman von Arno Geiger handelt von der letzten Reise des Kaiser Karl V von Laredo nach Yuste, wo dieser nachweislich auch verstarb und seine Ruhestätte fand. Dies sind die historischen Fakten, und Arno Geiger konzipiert um diese in seinem wunderbaren, feinfühligen und tiefgängigen Schreibstil auch eine Reise eines Menschen zu sich selbst, am Ende seines Lebens. Arno Geiger hat hier mit einigen Metaphern und Parallelen eine historische belegte Gegebenheiten ein wenig adoptiert und aufgespalten, um sich einer historischen Person für uns greifbar und verwundbar menschlich zu nähern, mit dem Ergebnis, dass wir am Ende unseres Lebens über Jahrhunderte hinweg den gleichen Weg beschreiten und oft erst dann das Leben verstehen und unsere Unvollkommenheit wirklich annehmen. Ein sehr schönes und wie immer souverän tiefgründiger Roman, wobei ich persönlich durch den Klappentext etwas vollkommen anders erwartet habe. Daher hatte ich für mich persönlich erst Schwierigkeiten das Buch anzunehmen und der Thematik zu folgen, was sich jedoch im Nachhinein gelohnt hat.
Zum Inhalt: Eigentlich hat Karl nur noch eins vor, in dem abgelegenen Kloster in Spanien auf den Tod zu warten nachdem er krankheitsbedingt abgedankt hat. Als er dem elfjährigen Geronimo begegnet erwächst der Plan sich mit Pferd und Maulesel auf eine Reise zu begeben und so starten sie nach Laredo. Und es wird für Karl eine Reise der Erkenntnisse. Meine Meinung: Das Buch hat einfach Charme. Karl, der in seinem Leben natürlich vieles hatte wie Macht zum Beispiel lernt auf der Reise so vieles kennen, was er in seinem Leben nicht kannte wie Freundschaft oder auch Freiheit, weil er natürlich in seinem Amt auch gefangen war. Gerade das Zusammenspiel vom kranken Karl und dem agilen und jungen Geronimo hat mit gut gefallen. Immer wieder gibt es überraschende Momente auf der Reise. Natürlich ist nicht jedes Erlebnis oder Abenteuer auf der Reise für den kranken Karl zu meistern, aber es finden sich immer wieder Wege. Das Buch hat einen melancholischen Touch und hat sich als Hörbuch sehr gut hören lassen. Fazit: Interessantes Buch
Tiefsinnige Geschichte Das Cover in seinen Rottönen hat mir direkt gut gefallen und mich neugierig auf die Geschichte gemacht. „Reise nach Laredo“ handelt von dem abgedankten König Karl, der sich zum Sterben in ein Kloster begibt. Doch bald reist er mit dem jungen Geronimo fort, auf Pferd und Esel nach Laredo. Dabei weiß Geronimo nicht einmal, dass ihn etwas mit Karl verbindet… Besonders gut gefallen hat mir, dass in die Story tiefsinnige Fragen eingewogen wurden. Der abgedankte König hat endlich die Möglichkeit, im Augenblick zu leben und diesen zu genießen. Dieses Buch regt definitiv zum Nachdenken an! Dies ist mein erstes Buch des Autors. Der Schreibstil von Arno Geiger hat mir sehr gut gefallen. Er schildert diese Geschichte sehr authentisch. Fazit: Ein Roman über das Loslassen. Im Hier und Jetzt leben. Auch das Thema Freundschaft steht hier im Fokus und wie wichtig diese ist. Definitiv ein berührender Roman!
Das Buch, das im Spanien des 16. Jahrhunderts angesiedelt ist, hat mich leider nicht überzeugen können. Es erzählt die Geschichte eines abgedankten Königs, der in seinem hohen Alter und von Schmerzen geplagt, beschließt, mit seinem unehelichen Sohn eine letzte Reise anzutreten. Auf ihrer Reise schließen sich ihnen ein Geschwisterpaar an, und gemeinsam erleben sie allerlei Missgeschicke – ähnlich wie Don Quijote und Sancho Panza. Doch im Gegensatz zu Cervantes’ Werk fehlt diesem Buch der Sprachwitz, was die Erzählung für mich zu einer skurrilen Aneinanderreihung von Weisheiten ohne einen stimmigen roten Faden macht. Mit einem Gefühl der Irritation habe ich das Buch beendet, da ich zumindest auf eine erhellende Auflösung am Ende gehofft hatte. Immerhin lässt sich das Buch schnell lesen, dennoch kann ich es leider nicht weiterempfehlen.