Murakamis Meisterwerk - erstmals direkt aus dem Japanischen übersetzt und als ungekürzte Lesung von David Nathan.
Ein unzufriedener Mann von dreißig Jahren, gerade ohne Arbeit und von seiner tüchtigen Frau zur Selbsterforschung ermutigt, so einer ist Murakamis Held Toru Okada in diesem schillernden Roman. Wenn er fliegen kann, dann eher wie ein Spielzeugvogel, von wer weiß wem aufgezogen. Vor diesem Herrn Aufziehvogel tun sich plötzlich Wirklichkeiten auf, von denen er bisher nichts ahnte. Erotische, ökonomische und politische. Unbekannte dringen zu ihm eine kesse, intelligente Sechzehnjährige, eine Wahrsagerin, ein alter Offizier, und alle schleppen sie ihre seltsamen Geschichten in Torus stilles Haus - Geschichten, die sich als insgeheim miteinander verbunden erweisen. Selbst über die eigene Ehe, über seine scheinbar so treue Frau drängen sich dem Helden schwindelerregende Vermutungen auf. Unter dem Alltagsleben der Großstadtgesellschaft wirken noch andere Krä geheime, abgründige Begierden, die Historie des japanisch-chinesischen Krieges; oder gar so etwas Altmodisches wie das Schicksal.
In diesem nach wie vor zeitgenössischen Roman erkundet Haruki Murakami die Seele des globalisierten Menschen.
Haruki Murakami (村上春樹) is a Japanese writer. His novels, essays, and short stories have been best-sellers in Japan and internationally, with his work translated into 50 languages and having sold millions of copies outside Japan. He has received numerous awards for his work, including the Gunzo Prize for New Writers, the World Fantasy Award, the Tanizaki Prize, Yomiuri Prize for Literature, the Frank O'Connor International Short Story Award, the Noma Literary Prize, the Franz Kafka Prize, the Kiriyama Prize for Fiction, the Goodreads Choice Awards for Best Fiction, the Jerusalem Prize, and the Princess of Asturias Awards. Growing up in Ashiya, near Kobe before moving to Tokyo to attend Waseda University, he published his first novel Hear the Wind Sing (1979) after working as the owner of a small jazz bar for seven years. His notable works include the novels Norwegian Wood (1987), The Wind-Up Bird Chronicle (1994–95), Kafka on the Shore (2002) and 1Q84 (2009–10); the last was ranked as the best work of Japan's Heisei era (1989–2019) by the national newspaper Asahi Shimbun's survey of literary experts. His work spans genres including science fiction, fantasy, and crime fiction, and has become known for his use of magical realist elements. His official website cites Raymond Chandler, Kurt Vonnegut and Richard Brautigan as key inspirations to his work, while Murakami himself has named Kazuo Ishiguro, Cormac McCarthy and Dag Solstad as his favourite currently active writers. Murakami has also published five short story collections, including First Person Singular (2020), and non-fiction works including Underground (1997), an oral history of the Tokyo subway sarin attack, and What I Talk About When I Talk About Running (2007), a memoir about his experience as a long distance runner. His fiction has polarized literary critics and the reading public. He has sometimes been criticised by Japan's literary establishment as un-Japanese, leading to Murakami's recalling that he was a "black sheep in the Japanese literary world". Meanwhile, Murakami has been described by Gary Fisketjon, the editor of Murakami's collection The Elephant Vanishes (1993), as a "truly extraordinary writer", while Steven Poole of The Guardian praised Murakami as "among the world's greatest living novelists" for his oeuvre.
Haruki Murakamis "Die Chroniken des Aufziehvogels" liest sich wie ein langer, luzider Traum: der Schreibstil fließt ruhig und präzise, während die Handlung immer tiefer in ein Zwischenreich aus Alltäglichem und Abgründigem kippt.
Das Buch hat mich immer wieder an Kafkas Werke erinnert, insbesondere an seine kühle, sachliche Sprache, die das Unheimliche nicht erklärt, sondern einfach als selbstverständlich hinnimmt und selbst Absurdes nicht erklärt. Die Spannung baut sich nicht klar über äußere Action, sondern eher unterschwellig auf. Die Geschichte ist wie ein kontrolliertes Chaos, in dem plötzlich alles mit allem zusammenhängt.
Zeitweise wirkte die Geschichte des Ich-Erzählers Toru Okada auf mich wie die Wahrnehmung eines Menschen im psychotischen Wahn: Muster überall, Bedeutungsnetze, die ins Absurde wuchern; was ist real? Fremde Mächte, undurchsichtige Figuren und diffuse Bedrohungen. Torus Empfindungen im Brunnen, wo sich die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschieben, haben mich an die Schilderungen Betroffener von Depersonalisation und Derealisation erinnert. Murakami macht diese Extremsituationen völlig neutral und bewertungsfrei nachempfindbar. Weder romantisiert er, noch stigmatisiert er dies.
Was mich etwas enttäuscht hat: Ich hatte sprachlich noch mehr erwartet. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, ich kann das Japanische Original leider nicht beurteilen, aber an manchen Stellen fehlte mir die letzte Feinheit, die letzte Kante im Ton. Ich hatte hier um fair zu sein aber nach "Kafka On the Shore" auch sehr hohe Erwartungen.
"Die Chroniken des Aufziehvogels" ist für mich ein hypnotisches, eigenwilliges Buch. Es ist ideal für Leser, die Ambiguität lieben und literarische Rätsel nicht gelöst brauchen.