Katja Oskamp erzählt hier von einer Frau Mitte 30, die kurzentschlossen aus ihrem Leben mit Partner und Tochter ausbricht. Zuerst nur ganz kurz und dann immer mehr. Während einer nächtlichen Odysee lernt sie in einer Kneipe einen Mann kennen. Er ist wesentlich älter, trägt Hörgeräte, läuft an einem Stock. Doch sie fühlt sich zu ihm hingezogen, irgendwas klickt zwischen den beiden und sie beginnen eine Affäre, in der sexuelle Rollenspiele dominieren. Immer wieder kehrt sie zu ihrem Partner und ihrer Tochter zurück, doch sie kann von dem anderen Mann nicht lassen und erkennt langsam, dass sie sich ein anderes Leben als das bisherige wünscht.
Katja Oskamp schreibt all das relativ unaufgeregt, in einer angenehmen, mitziehenden Sprache. Ich mochte ihren Erzählstil, ich mochte die Protagonistin, die mir zwar nicht immer sympathisch war, aber der ich gerne gefolgt bin und ich mochte das Thema. Diese Suche nach einem Weg aus der Mittelmäßigkeit und in die sexuelle Erfüllung hinein. Und ich mochte, dass der Mann der Begierde so unperfekt ist und sie gerade darin die Attraktivität sieht.
Was ich nicht mochte, ist eine Szene, in der die Protagonistin ohne ihr Einverständnis zu geben, an eine Heizung gefesselt wird, mehrmals darum bittet, losgemacht zu werden und gegen ihren Willen lange so verharren muss. So beginnt nämlich diese ganze Affäre. Und sexuelle Vorlieben hin oder hop: Ohne Einverständnis ist das übergriffiges, missbräuchliches Verhalten, das hier mal wieder romantisiert wird. Das ärgert mich und verdirbt mir ehrlich gesagt den Rest des Buches.