Die Großmutter flieht im Zweiten Weltkrieg aus Polen in den Libanon. Die Mutter verlässt den Libanon für ein Leben in Deutschland. Die Tochter muss für eine Zukunft zurück nach Polen. Über eine Zeitspanne von siebzig Jahren hinweg erzählt Paola Lopez die mitreißende Familiengeschichte dreier Frauen, die sich ein freies Leben erkämpfen und eine Verbindung zueinander suchen. Ein berührender Roman über das Erbe unserer Mütter, das wir alle mit uns tragen.
Die Großmutter ist eine der ersten Chemikerinnen im Libanon. Die Mutter ist eine angesehene Medizinerin. Die Tochter ist Studentin der Informatik. Sie alle verbindet die Wissenschaft. Doch das Band zwischen den Generationen ist gerissen, Lucy spricht seit Jahren nicht mit ihrer Mutter. Bis plötzlich ein Klavier in ihre Wohnung geliefert wird. Der Steinway, auf dem Lucy als Kind spielen lernte. Sie hasst dieses Klavier. Es erinnert sie an alles, was sie hinter sich lassen wollte: den goldenen Käfig ihrer allzu behüteten Kindheit, die hohen Ansprüche ihrer Mutter und die fehlende Nähe. Als mit dem Klavier auch der polnische Geburtsname ihrer Großmutter auftaucht, setzt Lucy sich kurzentschlossen in den nächsten Zug nach Sopot, den einzigen Ort, den sie mit ihr verbindet. Sie muss die losen Fäden ihrer Familie zusammenführen, um ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.
"Ihr Stammbaum, der kein Baum ist, sondern eine Verästelung der Bronchien, ist defekt. Es wird keine Luft in die nächste Generation transportiert."
Lucy spricht seit drei Jahren nicht mehr mit ihrer Mutter, als plötzlich ihr alter Konzertflügel, auf dem sie früher immer für ihre Mutter spielen musste, in ihrer Wohnung in Berlin auftaucht. Woher hat ihre Mutter ihre Adresse? Und warum hat sie als Absenderin den Familiennamen ihrer polnischen Großmutter angegeben? Lucy beschließt, nach Sopot zu reisen und sich auf die Spuren ihrer Großmutter zu begeben. Denn auch sie wirft für Lucy Fragen auf, die ihre Mutter ihr nie beantwortet hat. Wer war ihre Großmutter, abgesehen von der ersten Chemikerin des Libanons? Und weshalb ist sie gerade dorthin aus Polen vor den Nazis geflohen?
Drei Frauen, drei Länder, drei Generationen, drei Wege - Paola López erzählt in ihrem Debütroman "Die Summe unserer Teile" über 70 Jahre hinweg von Mutter-Tochter-Beziehungen, die nicht so sind, wie wir sie uns wünschen - und welche Gründe dahinter stecken. Sie fängt dabei vor allem die Sprachlosigkeit zwischen Lucy, ihrer Mutter Daria und ihrer Großmutter Lyudmila ein und wie die Vergangenheit der jeweiligen Mutter die Gegenwart der Beziehung zu ihrer Tochter bedingt und beeinflusst. Jede der drei Frauen versucht auf ihre Weise, eine Bindung zu den anderen Frauen der Familie herzustellen, teilweise vergebens. Besonders berührt hat mich dabei, dass sowohl Lyudmila, als auch Daria es eigentlich "besser" machen wollten, als ihre eigenen Mütter - und wie sie jeweils an der eigenen Erwartungshaltung scheitern.
Auch die drei Schauplätze des Romans Beirut, München und Sopot fand ich sehr spannend gewählt, sie symbolisieren die drei Wege, die Reisen der drei Frauen. Während mich Lyudmilas und Darias Geschichten sehr fesseln konnten, mochte ich Lucy leider nicht wirklich - sie war mir zu unstet, zu wenig nachvollziehbar waren mir ihre Handlungen. Schön fand ich, dass alle drei Protagonistinnen in der Freundschaft und ihren jeweiligen Berufen - Chemikerin, Kinderärztin und Programmiererin - Stabilität gefunden haben. "Die Summe unserer Teile" ist ein ruhiges, präzises Debüt über die Lebenswege dreier Frauen, die nicht immer zueinander führen, doch immer miteinander verbunden bleiben.
Berlin im Sommer 2014: Als Informatikstudentin Lucy Wittenberg (23) nach ihrem Seminar an der Universität in ihre WG zurückkehrt, steht plötzlich ein großes Klavier in ihrem Zimmer: der Steinway, auf dem sie als Kind und Jugendliche in der elterlichen Wohnung üben müsste. Was hat das zu bedeuten? Zu ihrer Mutter Daria, einer Kinderärztin, hat sie seit drei Jahren keinen Kontakt mehr. Lucy ahnt noch nicht, dass sie in den kommenden Tagen tief in ihre Familiengeschichte eintauchen und einiges über ihre Großmutter Lyudmila, gebürtige Polin und eine der ersten Chemikerinnen im Libanon, erfahren wird…
„Die Summe unserer Teile“ ist der Debütroman von Paola Lopez.
Die Geschichte umspannt 70 Jahre (1944 bis 2014) und spielt in Berlin, München, Beirut und Sopot. Es gibt drei Erzählstränge. Erzählt wird im Präsens aus wechselnder Perspektive: der von Lucy, der von Daria und der von Lyudmila. Angaben zu Beginn der insgesamt 19 Kapitel verhindern, dass man wegen der Zeitsprünge den Überblick verliert.
Besonders in sprachlicher Hinsicht hat mir der Roman gefallen. Schöne Naturbeschreibungen und ungewöhnliche, kreative Sprachbilder haben mir beim Lesen viel Freude bereitet.
Die drei Frauen, also Großmutter, Mutter und Enkelin, stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Drei durchaus reizvolle Protagonistinnen, jedoch keineswegs Sympathieträgerinnen. Zwar erfahren wir im Laufe des Romans die Hintergründe des Handels. Dennoch blieben mir vor allem Daria und Lyudmila bis zum Schluss fremd. Ihre Motive und Gedanken konnte ich nicht in Gänze nachvollziehen. Auch Lucy mutet in einigen Aspekten zu seltsam an.
Der Roman behandelt vorwiegend die Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern. Es geht dabei insbesondere um das Vererben von Traumata, das Schweigen zwischen den Generationen und das Weitergeben dysfunktionaler Muster innerhalb von Familien. Unter anderem wird die Frage aufgeworfen, wann ein Kontaktabbruch sinnvoll ist, um sich oder andere vor psychischen Verletzungen zu schützen.
Thematisch ist die Geschichte sehr stringent und interessant. In der Umsetzung hat mich der Roman allerdings weniger überzeugt und berührt als andere Bücher mit ähnlichem Inhalt. Auf den rund 250 Seiten kommt die Handlung nur allmählich in Fahrt und wird durch langatmige Passagen mit wissenschaftlichen Ausführungen immer wieder ausgebremst. Zudem beinhaltet die Geschichte ein paar Aspekte, die ich als wenig glaubwürdig empfunden habe.
Das hübsche Covermotiv zeigt einen Ausschnitt eines Ölgemäldes von Lolita Pelegrime. Für mich ist jedoch nicht ganz klar, welche der Protagonistinnen dargestellt sein soll. Der Titel passt aber nach meiner Ansicht gut zur Geschichte.
Mein Fazit: Mit „Die Summe unserer Teile“ hat Paola Lopez ein spannendes Thema literarisch verarbeitet. Während mich die Sprache ihres Debütromans begeistert hat, hat mich die inhaltliche Umsetzung leider enttäuscht. Nur bedingt empfehlenswert.
Drei Frauen, drei Generationen, drei Länder: Großmutter, Mutter und Tochter sind alle in naturwissenschaftlichen oder mathematischen Fächern bzw. Berufen tätig und auf der Flucht vor etwas, in der Regel vor der jeweiligen Mutter. Chronologisch beginnt alles in Polen, von dort flieht die Großmutter in den Libanon. Vom Libanon geht ihre Tochter zum Studium nach Deutschland und bleibt dort. Deren Tochter Lucy wiederum macht sich auf der Suche nach ihren Wurzeln auf den Weg nach Polen, wo sich der Kreis schließt. Lucy spricht seit drei Jahren nicht mehr mit ihrer Mutter, diese wiederum noch länger nicht mehr mit ihrer. Großmutter und Mutter haben außerdem jeweils ihre Muttersprache (Polnisch bzw Arabisch) nicht an die Tochter weitergegeben. Viele Parallelen und Kreise also. Das alles gefiel mir sehr gut, war gut zu lesen und auch sprachlich ordentlich gemacht. Dennoch fehlte mir etwas und das waren Zusammenhänge und Erklärungen. Letztlich habe ich immer noch nicht verstanden, warum die drei Frauen nicht mehr miteinander sprechen, besonders bei Lucy und ihrer Mutter ist mir dies völlig unklar. Auch fand ich die Begründung, weshalb die Großmutter so anders wurde zwar verständlich, doch völlig aus der Luft gegriffen. In ihrer Geschichte hatte zuvor nichts darauf hingedeutet. Das Buch hätte an manchen Stellen einfach ausgebaut, ganze Teile hinzugefügt werden müssen. Dann wäre es mit Sicherheit gut geworden, so ist es leider nur mittelmäßig.
Drei Generationen ringen um die Mutter-Tochter-Beziehung
„Die Summe unserer Teile“ von Paola Lopez war für mich ein Roman welcher sich absolut mühelos, fesselnd und dabei trotzdem tiefgründig las. Die Geschichte dreht sich um das Leben drei starker, unabhängiger, aber doch auch verletzlicher Frauen. Nicht immer ist das Verhalten der Protagonistinen sympathisch, aber sie sind finde ich alle drei authentisch, was mir wichtiger ist. Über unterschiedliche Lebensabschnitte hinweg bekommen wir jeweils kurze Einblicke wobei die Perspektive mehrmals wechselt und so bleibt die Geschichte insgesamt fragmentarisch. Eigentlich logisch, denn für drei vollständige Biografien müsste das Buch deutlich dicker sein. Das ein oder andere Kapitel mehr, wäre allerdings trotzdem toll gewesen. Klarer Mittelpunkt der Geschehnisse sind die jeweiligen Mutter-Tochter-Beziehungen, aber auch prägende Lebensereignisse der Frauen werden thematisiert. Insgesamt gefiel mir die Umsetzung der Autorin ausgesprochen gut. Thematisch scheut sie nicht vor schwierigen Themen zurück und in diesem Fall hat mich die Handlung immer wieder emotional aufgewühlt. Manche Szenen machen wütend, fassungslos und regen doch zum Nachdenken an. All das spricht finde ich für den Roman. Auch sprachlich konnte mich das Werk begeistern. Der Schreibstil las sich angenehm flüssig und war doch gehoben und voller Finesse, was viel zum Lesevergnügen bei trug. Da mir das Buch bis auf wenige Kleinigkeiten sehr gut gefiel, vergebe ich gerne volle 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Unsympathische Hauptfigur, aber interessante Vorfahrinnen
In ihrem Debütroman „Die Summe unserer Teile“ entwirft die Mathematikerin Paola Lopez eine interessante Familiendynamik zwischen den Frauen einer polnisch-libanesisch-deutschen Familie. Da ist die 23jährige Informatik-Studentin Lucy, die vor drei Jahren von München nach Berlin zog und damit den Kontakt zu ihrer Mutter Daria abbrach. Daria ist 1976 aus dem Libanon nach München gekommen, um dort Medizin zu studieren, aber auch sie brach den Kontakt zu ihrer Mutter Lyudmila früh ab, als sie in Deutschland ihren eigenen Weg mit ihrer neu gegründeten Familie gehen wollte. Und damit kommen wir in der Großelterngeneration von Lucy an. Ihre Großmutter Lyudmila floh im Laufe des Zweiten Weltkrieges aus Polen in den Libanon, nach Beirut, damals das Paris des Ostens, um dort Chemie zu studieren und ihren zukünftigen Ehemann, Professor Haddad kennenzulernen.
Den drei Frauen folgen wir in ganz unterschiedlichen Zeiten, die von 1944 bis 2014 reichen. Durch die Zeit- und Ortssprünge, die zu Beginn eines jeden Kapitels angekündigt werden, lernen wir nicht nur die einzelnen Lebensgeschichten der Frauen dieser Familie kennen, wir verstehen auch immer besser, wie es zu der angespannten Dynamik zwischen ihnen hat kommen können. Prägende Lebensereignisse bis hin zu Traumata verknüpft die Autorin geschickt miteinander, sodass man zum Ende des Buches hin das Puzzle der Familie immer besser zusammensetzen kann.
Sprachlich macht dies die Autorin sehr solide, allerdings begeht sie meines Erachtens einen Fehler bei den Lucy-Kapiteln. Alle Kapitel sind in personaler Erzählstimme verfasst und folgen dann jeweils entweder Lucy, Daria oder Lyudmila. Man merkt den verschiedenen Kapiteln durchaus unterschiedliche Töne an, die sich an den Stil der jeweiligen Person anpassen. Lucy, die wir gleich zu Beginn mit ihrem Konflikt in 2014 kennenlernen und die uns bis zum Schluss begleitet, wird dadurch automatisch zur Hauptperson des Romans. Ihre Handlung in 2014 erstreckt sich lediglich über wenige Wochen hinweg vom mysteriösen Erhalt eines Steinway-Konzertflügels in ihrer Berliner WG bis in die dadurch angestoßene Reise an die polnische Ostsee, um den Spuren ihrer Großmutter zu folgen. Ist die Erzählstimme zu den Lucy-Kapiteln in Berlin noch von Informatikbegriffen und -idiomen durchsetzt, was durchaus zu einer entsprechenden Studentin dieses Fachs passen kann, aber hier vielleicht einen Tacken zu viel von der Autorin genutzt wird. So verändert sich die Erzählstimme innerhalb von wenigen Tagen in Polen zu einer, der diese IT-Formulierungen vollkommen fehlen. Also nicht nur weniger werden, sondern einfach von jetzt auf gleich vollständig aus dem Romantext verschwinden. Gerade weil die Autorin in den ersten Lucy-Kapiteln so massiv um sich wirft mit den Begrifflichkeiten, erscheint es wenig authentisch, dass diese sich plötzlich komplett auflösen. Wie schon Lucys Großmutter feststellte: Es Stoff geht niemals verloren, er wandelt sich nur in andere Aggregatzustände oder verbindet sich zu neuen Stoffen. Vielleicht ist die Informatikerinnen-Persönlichkeit von Lucy ja von einen auf den anderen Tag verpufft. Ich weiß es nicht. Gefühlt gibt es auch das ein oder andere Plothole und der Zusammenhang zwischen Cover und der erzählten Geschichte des Romans wird mir nicht klar.
Ein weiteres Problem habe ich noch mit Lucy. Diese ist meines Erachtens unglaublich unsympathisch, aber nicht auf eine gewollte Art und Weise. Sie ist mit Anfang 20 äußerst neurotisch und selbstzentriert. Angeblich soll sie als Kind ganz handzahm und ausgeglichen gewesen sein, so der Eindruck ihrer Mutter. Als Erwachsene ist sie dies jedenfalls nicht mehr, was man durchaus als harten, rebellischen Akt gegen ihre Mutter interpretieren könnte. Aber in der Regel ändert sich ein Mensch nicht so grundlegend, sondern nur in der Ausprägungsstärke eines Charakterzugs. Die junge Lucy hätte mich wahrscheinlich nicht so massiv genervt wie die erwachsene. Für mich sind einige ihrer Entscheidungen nicht nachvollziehbar abgebildet im Roman, was die Figur an sich für mich zur am schwächsten Entworfenen unter den drei Frauenfiguren macht.
Insgesamt ein durchaus interessanter Roman, der einmal ganz neue Blickwinkel, Zeiten und Regionen einbaut. Ich habe das Buch nicht ungern gelesen und es liest sich schön fluffig weg.
„Wir sind mehr als die Summe unserer Teile“ hat einst Lyudmila zu ihrer kleinen Tochter Daria gesagt. Als Kind konnte sie damit nichts anfangen. Ihre Mutter war nie nur eine Person, sie war schon immer mehrere gewesen – so denkt Daria im Nachhinein über sie.
Mit „Die Summe unserer Teile“ hat die Österreicherin Paola Lopez, die in Berlin lebt, ihren Debütroman vorgelegt. Es ist ein Roman über Mütter und Töchter und deren mehr als konfliktbeladenes Verhältnis zueinander.
Die 23jährige Lucy ist Informatikstudentin. Sie lebt seit drei Jahren in Berlin und nun wird sie direkt mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. In ihrem WG-Zimmer steht der Steinway ihrer Kindheit, ihr WG-Mitbewohner hat ihn für sie angenommen und nun schäumt sie vor Wut über ihre Mutter, die ihr dieses Ding nachgeschickt hat, nachdem sie endlich ihre Adresse herausgefunden hat. Nach drei Jahren Funkstille. Denn Lucy ist ohne ein Wort einfach weg, keiner wusste, wo sie war.
Nach diesem geschickt gemachten Anfang möchte ich schon wissen, was es mit diesem Steinway auf sich hat, allerdings muss ich mich gedulden, denn nun schwenkt die Erzählung ins Jahr 1976 zurück zur Medizinstudentin Daria, die später dann eine Kinderarztpraxis eröffnet. Sie ist Lucys Mutter und möchte alles besser machen. Besser als ihre Mutter Lyudmila, die im Alter von achtzehn Jahren ihre Familie in Polen verließ. Eigentlich aber floh sie vor den Nazis und sie landete schließlich in Beirut, wo sie Chemie studierte und ihren Professor Haddad ehelichte. Sie war mit Leib und Seele Chemikerin, sie eiferte ihrem großen Vorbild Marie Curie nach, für ihre Tochter Daria blieb da nicht viel Zeit. Eine Nanny war ihr Mutterersatz, was für Daria später dann, als sie selber Mutter war, nie infrage kam.
Von 1942 bis 2014 wird von den drei Frauen und deren Leben erzählt. Nicht chronologisch, aber doch übersichtlich dank der den Kapiteln vorangestellten Orts- und Zeitangaben. Lucy steht im Zentrum. Sie sucht nach ihren Wurzeln. Sie ist der Auslöser dieser Erzählung, die die Geheimnisse zwischen den Frauen zutage fördert.
Sie reden nicht dieselbe Sprache, sowohl im wörtlichen und auch im übertragenen Sinne. Und genau dieses Nicht-Gesagte und Falsch-Verstandene schwebt über ihnen, es nimmt immer mehr Raum ein. Lucy, Daria, Lyudmila – es sind drei ganz eigenwillige Persönlichkeiten, die mir im Laufe der Erzählung nicht nahe kommen. Es gibt schockierende Szenen wie etwa jene, als Lyudmila nach Lucys Geburt nach München kommt und ganz anders reagiert, als man es erwarten würde. Gut, Lyudmilas Schicksal wird mehr durchleuchtet – ist sie deshalb so hart geworden? Irgendwann dann wandelt Lucy auf Lyudmilas Spuren, sie fährt nach Sopot, was ihr allerdings in punkto Großmutter nicht recht weiterhilft. Überhaupt ist es die Figur Lucy, die sehr eigennützig handelt. Nicht nur ihrer Mutter gegenüber ist sie anklagend, obwohl sie es war, die schon in ganz jungen Jahren ihr ureigenstes Ding durchgezogen und den Kontakt zu ihren Eltern rigoros gekappt hat. Sie benimmt sich auch ihren Freunden gegenüber ziemlich übergriffig, was diese jedoch ganz entspannt übersehen.
Die 250 Seiten lassen sich gut lesen. Die sehr unterschiedlichen Lebensweisen sind spürbar, ebenso die generationenübergreifende Sprachlosigkeit. Und auch wenn mich das Buch etwas verloren zurücklässt, so wird es den doch sehr nüchternen, vernunftorientierten Frauen durchaus gerecht, was zumindest die beiden Mütter beschreibt.
In „Die Summe unserer Teile“ erzählt Paola Lopez die Geschichte dreier Frauen aus drei Generationen, die durch ihre wissenschaftliche Arbeit verbunden sind – und durch ihr familiäres Schweigen voneinander getrennt. Die Autorin, geboren 1988 in Wien, ist promovierte Mathematikerin mit einem Forschungsschwerpunkt auf Künstlicher Intelligenz. Derzeit lebt sie in Berlin und arbeitet an der Universität Bremen. Für ihr Romandebüt wurde sie 2023 mit dem Theodor Körner Preis ausgezeichnet.
Worum geht’s genau? Die Geschichte verwebt drei Lebenslinien: eine Chemikerin, die aus dem kriegsgezeichneten Polen in den Libanon flieht; ihre Tochter, die als Ärztin in Deutschland Fuß fasst; und ihre Enkelin, eine Informatikstudentin, die sich ihrer zerrissenen Familiengeschichte stellen muss. Über diese drei Schicksale entfaltet sich ein Generationenroman, der von Verlust, Schweigen, Migration und dem Versuch erzählt, Verbindung über Raum und Zeit hinweg neu zu knüpfen – getragen von der Frage: Wie beeinflusst die Vergangenheit unsere Gegenwart?
Meine Meinung Der Roman hat mich vor allem durch die Vielschichtigkeit der Figuren beeindruckt – jede von ihnen ist auf ihre Weise verletzlich und stark. Besonders die Darstellung innerer Konflikte und unausgesprochener Gefühle fand ich sehr gelungen. Die Figuren sind nie idealisiert – das macht sie greifbar. Die Chemie als Metapher für Veränderung hat für mich gut funktioniert: "Nichts bleibt, wie es ist – nur die Bedingungen müssen stimmen. Wir sind die Summer unsere Teile."
Thematisch wird viel aufgeworfen: Migration, weibliche Selbstbestimmung, familiäres Schweigen, aber auch Sprache und Identität. Poetische, dichte Bilder wie das Gefühl, durchgekaut und ausgespuckt zu sein oder die Metapher eines verstimmten Klaviers bleiben im Kopf. Lopez gelingt es, Komplexes einfach und eindrucksvoll darzustellen. Die Sprachbilder zur Mehrsprachigkeit – und dem Gefühl, nie ganz anzukommen – sind klug gewählt. Auch die Idee, dass die Familiengeschichte keine klaren Regeln kennt, sondern wie eine unvollständige Grammatik funktioniert, bleibt hängen. Toll fand ich zudem, wie durch scheinbar kleine Details ganze Zeitabschnitte sichtbar werden – etwa, dass Rauchen im Flugzeug einst erlaubt war.
Was mich gestört hat, war die für mich zu offene Struktur am Ende. Auch wenn ich verstehe, dass nicht alles gelöst werden muss, blieb bei mir ein leichtes Gefühl der Unvollständigkeit zurück. Manche Szenen (wie etwa mit der toten Taube) blieben mir unverständlich und schienen mir nicht vollständig in die Handlung eingebunden. Auch wichtige Nebenfiguren – etwa der Vater – bleiben eher Randerscheinungen, obwohl sie interessante Perspektiven eröffnen.
Dennoch: Die Darstellung familiärer Dynamiken, insbesondere die Unsicherheiten zwischen Müttern und Töchtern, ist sehr gut gelungen. Es gibt keine einfachen Antworten, und genau das spiegelt ja oftmals auch die Realität wider.
Fazit Ein sensibel erzählter Roman über das Schweigen zwischen Generationen, Identität und das, was Familie ausmacht – mit poetischer Sprache und viel Gefühl. Auch wenn nicht alle Fragen beantwortet werden, lohnt sich die Lektüre. Deshalb gibt es von mir eine klare Empfehlung und 4 von 5 Sternen.
„Die Summe unserer Teile“ ist ein Roman über komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen und erzählt die Familiengeschichte von Lyudmila, Daria und Lucy über mehrere Jahrzehnte. Die Großmutter, Lyudmila flüchtet während des 2. Weltkrieges von Polen in den Libanon, studiert dort und wird eine der ersten Chemikerinnen des Landes. Ihre Tochter, Daria, verlässt Beirut, um in Deutschland zu studieren und dort als angesehene Ärztin zu leben. Daria hat ihre Mutter immer als kalt, abweisend und distanziert empfunden. Nach Darias Heirat, ihr Mann ist Psychiater, wird das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter noch distanzierter und bricht nach der Geburt von Darias Tochter Lucy komplett ab. Daria möchte bei der Erziehung von Lucy alles besser machen als ihre eigene Mutter, was allerdings dazu führt, dass Lucy sich von ihrer Mutter derart bevormundet und eingeengt fühlt, dass sie den Kontakt zu Daria abbricht. Sie gibt ihr Informatikstudium in München auf, um es in Berlin fortzusetzen, ohne ihre Eltern zu informieren. Nach drei Jahren völliger Funkstille steht plötzlich ein Klavier in Lucys Berliner Studentenbude, geschickt von ihrer Mutter aus München. Dies ist der Auslöser für Lucys Reise nach Polen, zu den Wurzeln ihrer Familie bzw. ihrer Großmutter, die sie nie kennengelernt hat. Erzählt wird die Geschichte jeweils aus der Perspektive von Lucy, ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Dieser durchaus reizvolle und interessante Perspektivwechsel hat leider nicht dazu geführt, dass sie mich einer der Figuren näher gebracht hätte, ich bin mit keiner der drei Frauen warm geworden. Das Verhalten von Lyudmila und Daria konnte ich noch nachvollziehen, der Beziehungsabbruch von Lucy zu Daria blieb mir völlig unverständlich und absolut überzogen. Jeder Mensch ist „die Summer seiner“ Teile, geprägt durch Erziehung, Erfahrungen und Erlebnisse in Kindheit und Jugend. Und natürlich sind dadurch auch die Beziehungen zu anderen bestimmt, haben Einfluss auf Mutter-Tochter Beziehungen. Sprachlosigkeit bzw. nicht vorhandene Kommunikation endet dann in schwierigen Beziehungen. Wie anders hätte das Verhältnis von Daria zu Lyudmila und auch von Lucy zu Daria sein können, wenn sie Lyudmilas traumatische und prägende Erfahrung gekannt hätten? Ist das die Erkenntnis aus diesem Buch: mangelnde Kommunikation ist das Grundübel? Das ist mir dann doch etwas zu flach und oberflächlich. Insgesamt hat mir der Erzählstil gut gefallen, das Buch ist flüssig lesbar, aber es hat mich nicht gefesselt und wird nicht lange nachhallen.
Der Debütroman “Die Summe unserer Teile” erzählt eine sehr bewegende Geschichte von drei Frauen - Mutter, Tochter und Enkelin, die nicht nur durch ihre familiäre Bindung, sondern auch über die Hingabe zur jeweils gewählten Wissenschaft sowie den Migrationserfahrungen, die über Generationen mitgegeben wurden, eng miteinander verknüpft sind. Paola Lopez spannt in ihrem Buch einen Bogen über siebzig Jahre und führt die Leser:innen von Polen über den Libanon bis nach Deutschland.
Im Mittelpunkt steht Lucy, eine Informatikstudentin in Berlin, die nach einem Zerwürfnis den Kontakt zu ihrer Mutter Daria abgebrochen hat. Eines Tages wird ihr überraschend ihr Steinway-Konzertflügel geliefert – jenes Instrument, auf dem sie als Kind spielen musste und das sie mit ihrer entfremdeten Familie verbindet. Dieses unerwartete Ereignis weckt in Lucy den Wunsch, mehr über ihre Familiengeschichte zu erfahren, insbesondere über ihre Großmutter Lyudmiła, deren polnischen Geburtsname Lucys Mutter als Unterschrift auf dem Lieferschein nutzte. Spontan reist sie nach Sopot, um den Geheimnissen ihrer Herkunft auf den Grund zu gehen.
Durch wechselnde Erzählperspektiven und Zeitebenen entfalten sich die Geschichten von Lyudmiła, Daria und Lucy. Lyudmiła, die als Zwölfjährige aus Polen in den Libanon emigrierte, etablierte sich in den 1940er Jahren als brillante Chemikerin. Nach der Geburt ihrer Tochter Daria erlitt sie eine psychische Krise, die zu ihrer Einweisung in eine englische Klinik führte, während Daria von einer Nanny aufgezogen wurde. Darias Lebensweg führte sie später nach Deutschland, wo sie in den 1970er Jahren eine der wenigen Medizinstudentinnen in München wurde und Lucys Vater Robert kennenlernte.
Paola Lopez gelingt es, die unterschiedlichen Epochen und Schauplätze lebendig und detailreich darzustellen. Sie beleuchtet die Herausforderungen, denen sich die drei Frauen in ihren jeweiligen männerdominierten Wissenschaftsfeldern stellen mussten, sowie die kulturellen und persönlichen Konflikte, die ihre Beziehungen - vor allem zueinander - prägten. Der Roman thematisiert nicht nur die komplexe Mutter-Tochter-Dynamik, sondern auch die Suche nach Identität und Zugehörigkeit vor dem Hintergrund von Migration und Neuanfang.
Ein zentrales Motiv ist die Frage, wie das Erbe unserer Mütter unser eigenes Handeln und schlussendlich unser eigenes Leben prägt und wie und ob Vergebung innerhalb der Familie möglich sein kann. Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch gezeichnet, wobei insbesondere Lucys Entwicklung und ihre Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte im Vordergrund stehen. Der flüssige Schreibstil und die kunstvolle Verknüpfung der verschiedenen Handlungsstränge machen das Lesen zu einem fesselnden und stellenweise wirklich leuchtenden Erlebnis.
“Die Summe unserer Teile” ist ein bewegender Roman über drei beeindruckend starke Frauen, die trotz widriger Umstände ihren Weg finden und dabei mit den Schatten ihrer Vergangenheit ringen. Paola Lopez schafft es, die Leser:innen auf eine emotionale Reise mitzunehmen, die zum Nachdenken über Familie, Identität und die eigenen Wurzeln anregt. Ein Buch, das - wenn man sich drauf einlässt - noch lange nachhallt.
In meiner eigenen Erfahrung sind Mutter-Tochter-Beziehungen vor allem eines: kompliziert. Wie oft habe ich mir als Kind anhören müssen, ich solle nur warten, bis ich selbst einmal Mutter bin und dann würde ich einiges besser verstehen.
In dem Roman von Paola Lopez geht es genau um diese generationalen Konflikte zwischen Großmutter, Mutter und Tochter. Der Roman beginnt aus der Perspektive von Lucy, der Tochter, die Informatik studiert und den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen hat. Damit wird Lucy für die Leser*innen zur Protagonistin und man sympathisiert sofort mit ihr (vor allem wenn man selbst eine schwierige Beziehung zur eigenen Mutter hat). Anschließend lernt man als Leser*in aber auch die Perspektiven ihrer Mutter Daria, die 1988 in München Medizin studiert, und ihrer Großmutter Lyudmiła, die 1944 in Beirut nach ihrer Flucht aus Polen Chemie studiert, kennen. Dabei merkt man schnell, dass es nicht so einfach ist, wie eingangs gedacht, und jede der drei Frauen eine komplexe Geschichte hat, die auch Einfluss auf die Erziehung der eigenen Tochter bzw. Beziehung zur eigenen Mutter hat. Den Leser*innen des Romans wird dabei keineswegs eine Meinung aufgezwungen, die unterschiedlichen Perspektiven werden nicht entschuldigend oder erklärend, sondern stattdessen sehr nüchtern vermittelt.
Was mir neben der Darstellung der Komplexität von familiären Beziehungen besonders gut gefallen hat, war der sehr schöne sprachliche Ausdruck, in dem erzählt wird. Viele Sätze trafen mich direkt ins Herz. Anfangs hatte ich meine Schwierigkeiten in das Buch hineinzufinden, da es mir sprachlich vorerst zu akademisch war. Außerdem konnte ich durch die ständigen Erzählperspektivenwechsel die drei Frauen kaum voneinander unterscheiden, was auch daran lag, dass sie alle im naturwissenschaftlichen Bereich arbeiten/studieren, und sich dadurch vor allem die ersten Kapitel sehr ähnlich lasen. Dieses erste Gefühl hat sich allerdings schnell geändert, und der Roman hat eine förmliche Sogwirkung auf mich entwickelt. Ich wollte unbedingt erfahren, wie alles miteinander zusammenhängt, und einige Stellen haben mich sehr bewegt. Das Ende hätte ich mir etwas anders gewünscht, aber auch das zeigte wieder, dass Mutter-Tochter-Beziehungen einfach nicht einfach sind.
Von mir gibt es für dieses Buch eine klare Leseempfehlung, auch wenn der Einstieg für mich etwas holprig war. Sprachlich und erzähltechnisch konnte es mich auf jeden Fall überzeugen, und inhaltlich habe ich mich in vielem wiederfinden können.
"Lucy begräbt das Klavier. Das muss es aushalten. Es ist immerhin ein teurer Konzertflügel."
Mit dem Klavier fängt in Paola Lopez Debüt "Die Summe unserer Teile" alles an. Plötzlich steht ein Konzertflügel in Lucys Berliner WG-Zimmer. Nicht irgendein Flügel, sondern genau das Klavier, auf dem sie in Kindheit und Jugend stundenlang spielen musste. Geschickt wurde das Instrument von ihrer Mutter - zu der Lucy seit drei Jahren keinen Kontakt mehr hat. Doch mit dem Flügel kommen die Fragen, allen voran nach Lucys Großmutter, die von Polen in den Libanon geflohen ist. Lucy beschließt kurzerhand selbst an die polnische Ostseeküste zu fahren, an den Ort, den ihre Oma für ihre erste Flucht von Zuhause nutzte. Dort findet sie nicht nur unerwartete Antworten, sondern auch neue Freunde.
Der Roman ist aus drei Perspektiven erzählt. Oma, Mutter, Tochter - Libanon, Deutschland, Polen; drei Generationen, drei Länder. Es geht um Chemie, um Medizin und um Informatik. Und um die Verbindungslinien zwischen den drei Frauen. Da ist nicht nur die Naturwissenschaft, für die sich alle drei entscheiden, oder der Wille nach Unabhängigkeit. Auch die dunklen Seiten, allen voran die abrupte Trennung von der Familie, haben die Frauen an die jeweils nächste Generation weitergegeben. All das ist ein Teil der Identität der nächsten Generation geworden. Zusammen wird es dann mehr als nur die Summe der einzelnen Teile, wie schon der Titel verrät. Es geht im Roman also um familiäre Konflikte und vererbte Traumata.
So interessant die Anlage der Figuren und das Setting auch klingen mögen, vollends überzeugen kann der Roman nicht. Dazu sind die drei Figuren dann doch zu ähnlich gestaltet. Alle drei Frauen könnte man problemlos in die Jetztzeit übertragen, manche Ideen scheinen für die Großmutter viel zu modern zu sein. Leider merkt man auch an der sprachlichen Gestaltung, dass die Autorin in erster Linie Mathematikerin ist. Das Prinzip des "Show don´t tells" hat sie leider nur sehr selten angewandt. Oft wird in kurzen, aneinandergereihten Hauptsätzen erklärt, wie sich die Figuren gerade fühlen. Nur leider sind Gedanken selten so rational.
Cover: Das Cover ist austauschbar, nichts besonders.
Inhalt und meine Meinung: Im Buch geht es um drei Frauen einer Familie. Es beginnt mit der Enkelin Lucy, die eines Tages nach Hause kommt und in ihrem WG Zimmer steht ein Flügel, ein Steinway. Das Klavier das ihre Mutter ihr aufgezwungen hat. Aber warum ist der Lieferschein mit dem Namen ihrer Großmutter (die sie nie kennen gelernt hat) unterschrieben. Dieses Klavier spielt eine wichtige Rolle im Buch, aber gerade dazu (zu dieser Unterschrift) oder warum die Mutter ihr es plötzlich geschickt hat , da sie ja seit drei Jahren keinen Kontakt mehr haben und Lucy ihr auch nicht gesagt hat, das sie nach Berlin gezogen ist, erfahren wir nicht mehr.
Auch sonst gibt es für mich einige unglaubwürdige Stellen und Lücken im Buch.
Der Schreibstil ist auch so gar nicht meins, so gewollt „literarisch“. Alles wird so ausufernd, mit zu vielen weit hergeholten Bildern, die mir nichts sagen, beschrieben.. Z.B. Das verdammte Klavier atmet den gesamten Sauerstoff in ihrem Zimmer. Oder: Lucy wäre am liebsten ein Sieb, das einzelne Worte aus dem Sprachfluss filtert. Oder: Als hätte es die letzten Jahre unter der Erde verbracht, reibt Beirut sich lichtempfindlich die Augen.
In einzelnen Episoden werden die Frauen vorgestellt, aber für mich nicht so, dass ich mir ein Bild von ihnen und ihrem Leben machen könnte. Vor allem bei Lucy wird mir nicht klar warum sie sich so von ihrer Mutter unter Druck gesetzt fühlt.
Ich empfinde die Story unverständlich und unglaubwürdig. Alle drei Frauen blieben mir fremd, hölzern, auf Distanz und kalt.
Das Ende empfinde ich unbefriedigend und im Grunde genommen offen und nichtssagend.
Mein Fazit: Das Buch war so gar nicht mein Fall. Der Schreibstil ist mir zu gewollt „literarisch“. Die Handlung zu sprunghaft und nicht nachvollziehbar, zu vieles bleibt offen. Ich vergebe knappe 3 Sterne.
Drei Generationen – komplizierte Familienverhältnisse
„Die Summe unserer Teile“ ist der Debütroman der in Berlin lebenden Autorin Paola Lopez.
Der Roman beginnt 2014 in Berlin. Vollkommen unerwartet steht in dem WG-Zimmer der Informatikstudentin Lucy ein riesiger Flügel. Mit ihm kommen direkt ungute Erinnerungen in ihr auf. Zu ihrer Mutter Daria hat sie bereits vor Jahren den Kontakt abgebrochen. Genau wie Lucys Verhältnis zu Daria war auch das zwischen Daria und ihrer Mutter Lyudmiła kompliziert. Lyudmilla hat in den 1950iger-Jahren Chemie in Beirut studiert. Daria ist ebenfalls Wissenschaftlerin und hat Medizin studiert.
Die Handlung wird aus der Perspektive der drei Frauen erzählt. Dabei wechseln die Zeiten zwischen der Gegenwart 2014, in der Lucy sich auf Spurensuche nach ihrer Großmutter nach Polen begibt, den 1990er Jahren in München, in denen Daria in München studiert hat und den 1950er Jahren in Beirut, in denen es um Lyudmillas Leben geht.
Die drei Protagonistinnen haben jede ihr eigenes Leben. Durch Lucys Suche und die Erlebnisse der Vergangenheit setzt sich nach und nach ein Familienbild zusammen. Es ist eine Familie, in der zu viel geschwiegen wurde, wodurch Spannungen aufgebaut wurden, die dann zum Bruch geführt haben.
Mir fiel es nicht leicht Zugang zu den Protagonistinnen zu finden, da Paola Lopez nicht alles bis ins kleinste Detail auserzählt. Genau das passt aber auch sehr gut, da es in dem Roman um Konflikte geht, die durch Schweigen entstanden sind.
Die einzelnen Erzählstränge wurden hier gelungen miteinander verwoben bis ein stimmiges Bild entstanden ist.
Die Autorin stellt hier eine komplexe Familiensituation da und gibt ein gutes Bild ihrer Charaktere. Auch wenn ich ihr Handeln nicht immer gut heißen konnte, wurden sie für mich größtenteils nachvollziehbar.
Für mich ist dieser Roman ein gelungenes Debüt, das zeigt, wie uns die Vergangenheit und die unserer Familie prägt.
"Ihr Stammbaum, der kein Baum ist, sondern eine Verästelung der Bronchien, ist defekt."
Lucy hat den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen. Ihre Mutter, Daria, hatte selbst nie eine gesunde und liebevolle Beziehung zu ihrer eigenen Mutter. Lucy hat ihre Großmutter Lyudmilla nie kennengelernt.
Die Geschichte wird in wechselnden Kapiteln aus der Perspektive jeder der drei Frauen erzählt. Alle drei bewegen sich in der Welt der Wissenschaft und kämpfen auf ihre eigene Weise um Anerkennung und Selbstbestimmung.
Ich hätte mir mehr Fokus auf Lyudmilla und Daria gewünscht – ihre Beziehung hätte mehr Raum verdient. Lucys Geschichte hingegen hätte für mich nicht so sehr im Mittelpunkt stehen müssen. Zudem war das Buch mit nur 250 Seiten recht knapp für eine Familiengeschichte, die drei Generationen umfasst. Oft blieb die Erzählung an der Oberfläche, wo ich mir mehr Tiefe und Emotionen gewünscht hätte. Besonders die ersten Kapitel haben mich begeistert – vielleicht hat das meine Erwartungen an die weitere Entwicklung zu hoch gesetzt.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm zu lesen, aber es fehlte mir an emotionaler Wucht. Gerade bei einer Geschichte wie dieser, in der familiäre Bindungen und Generationenkonflikte im Zentrum stehen, hätte ich mir mehr Intensität gewünscht. Vielleicht hätten 100 zusätzliche Seiten geholfen, die Figuren und ihre Beziehungen weiter auszubauen.
Alles in allem ein vielversprechender Ansatz: Drei Frauen einer Familie, die sich der Wissenschaft verschrieben haben – eine spannende Prämisse, die leider nicht ihr volles Potenzial entfalten konnte.
In diesem Buch geht es nicht nur um die Leben dreien Frauen, die dieselbe DNA teilen, sondern auch um deren Wertevorstellungen und wie sich das Leben im Laufe der Zeit verändert hat. Der Leser lernt die drei Frauen in unterschiedlichen Aspekten ihres Lebens kennen und erfährt, wie ihr Leben sie in der Vergangenheit geprägt hat und sie zu den Menschen macht, die sie heute sind. Dabei springt die Autorin zwischen den einzelnen Jahren, Orten und Erzählperspektiven, was bei mir letzten Endes für eine ziemliche Verwirrung gesorgt hatte und ich mehrmals überlegen musste, wo ich mich befinde und wie ich das aktuelle Geschehen in das Gesamtkonzept packen muss.
Auch wenn die Perspektiven zwischen drei Generationen wechselt, so bleibt die Hauptperspektive die von Lucy – zumindest hatte ich den Eindruck beim Lesen. Das ist nicht weiter schlimm, muss ich allerdings gestehen, dass sie sich mehr und mehr zu einer unglaublich unsympathischen Person entwickelt hat, was es mir beim Lesen zusätzlich erschwert hat. Denn leider wird ihr gleich von Beginn an das Image einer jungen, egoistischen und naiven Frau übergestülpt, was sich auch im Laufe des Buches mehr und mehr vertieft.
Die Einblicke waren recht interessant, da es auch zeigt, wie stark unsere Umwelt und die eigenen Erlebnisse unser Selbst beeinflussen. Dennoch konnte mich das Buch leider nicht so recht packen, da ich mir oftmals gewünscht hätte, dass die Personen einfach miteinander reden oder nicht so egoistisch handeln. Aufeinander eingehen. Dann wären die Bindungen eventuell intensiver geworden, ein größeres Verständnis von Beginn an dagewesen. Aber sowas ist oftmals auch leichter gesagt als getan.
Das Cover dieses Romans hat mich sofort angesprochen – es ist ästhetisch gestaltet und der Titel spiegelt die inhaltliche Essenz der Geschichte treffend wider. Die drei Generationen einer Familie, die durch Migration, Wissenschaft und komplizierte Mutter-Tochter-Beziehungen miteinander verbunden sind, bieten eine vielversprechende Grundlage für eine tiefgehende Erzählung. Normalerweise mag ich Romane mit Zeitsprüngen und wechselnden Perspektiven, aber in diesem Fall fiel es mir schwer, wirklich in die Geschichte einzutauchen. Das Buch ist relativ kurz, und dadurch kamen mir einige Charaktere – insbesondere die Großmutter – zu kurz. Ihre Geschichte hätte ich gerne ausführlicher erlebt, während andere Abschnitte für meinen Geschmack zu viel Raum einnahmen. Die Balance zwischen den drei Generationen war für mich nicht ganz stimmig. Positiv hervorzuheben ist der Schreibstil. Er ist flüssig, leicht zu lesen und dennoch atmosphärisch dicht. Die komplizierten Familienbeziehungen sind sehr authentisch dargestellt und insbesondere die Konflikte zwischen Mutter und Tochter fand ich nachvollziehbar und realistisch. Trotzdem konnte mich die Protagonistin Lucy nicht wirklich berühren. Ihre persönliche Entwicklung blieb für mich etwas blass, und insgesamt fehlte mir die emotionale Tiefe, die das Buch für mich besonderer gemacht hätte. Insgesamt ist es eine solide erzählte Geschichte mit wichtigen Themen, die aber nicht die nachhaltige Wirkung bei mir hinterlassen hat, die ich mir erhofft hatte. Wer Familiengeschichten mit intergenerationellen Konflikten und Migrationshintergrund mag, wird hier sicher interessante Aspekte finden.
„Die Summe unserer Teile“ ist die Geschichte der Informatik-Studentin Lucy, ihrer Mutter Daria, die Ärztin ist, und ihrer Großmutter Lyudmila, einer Chemikerin. Lyudmila muss als junge Frau aus Polen flüchten und wird in Beirut Chemikerin, durchaus ungewöhnlich für Frauen zur damaligen Zeit. Kurz nach Darias Geburt muss sie sich einer nach heutigem Stand barbarischen Behandlung unterziehen. Davon erfährt Daria aber erst viel später. Sie erlebt ihre Mutter als abwesend und abweisend und nimmt ihr das sehr übel, vor allem, als sie sich unerwartet gegenüber der neugeborenen Lucy verhält. Sie beschließt, ganz anders zu sein als ihre Mutter und ein Geheimnis gegenüber Lucy zu bewahren… Schließlich treffen sich Lucy und ihre Mutter nach Jahren des Schweigens in Polen und einige Familiengeheimnisse werden gelüftet. Paola Lopez thematisiert im Buch vor allem die Zerissenheit der Frauen hinsichtlich ihrer undurchschaubaren Mütter und deren Wurzeln, die ja auch Teil der eigenen Geschichte sind. Es ist tragisch, wie diese brillianten Frauen ihre Kinder eigentlich lieben und es dennoch nicht schaffen, eine gute Beziehung zu ihnen aufzubauen, vor allem, weil sie sie durch Geheimnisse schützen wollen. Das Buch liest sich flüssig. Am Ende aber bleibt die Frage: Wird Lucy es nun wenigstens schaffen, das Generationstrauma abzulegen und es in ihrem Leben besser zu machen? Danke für das Rezensionsexemplar.
„Wenn man drei Stimmen sprechen lässt, dann können drei Wahrheiten nebeneinander existieren“
Als Lucy überraschend ihren alten Konzertflügel in ihrer Berliner WG vorfindet, werden Wunden in ihr aufgerissen, von denen sie nicht einmal wusste. Seit drei Jahren hat sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter. Ihre Großmutter hat sie nie kennengelernt. Wer war diese Frau eigentlich, die im Krieg von Polen in den Libanon flüchtete? Drei Frauen, drei Schicksale. Auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt Paola Lopez von Lucy, die nach ihren Wurzeln sucht, von Mutter Daria, die unter der Kälte der Großmutter leidet. Jede der Frauen hat ihr Päckchen zu tragen.
Können sich traumatische Erlebnisse vererben? Auf jeden Fall leiden auch spätere Generationen noch unter den Lügen und Geheimnissen der Vorfahren, das transportiert „Die Summe unserer Teile“ eindrücklich. Zu wenig Kommunikation, zu schmerzvolle Erinnerungen. Paola Lopez begeistert mit faszinierender, bildhafter Sprache. Und doch fehlte mir die emotionale Tiefe, vielleicht auch die ein oder andere Zeitebene, um mit den Figuren warm zu werden.
Möglicherweise ist der Roman zu kurz geraten. Er lässt viele Fragen offen und bietet enormen Raum für Interpretation und Spekulation. Wer das mag, ist hier gut bedient. Ich wäre allerdings gerne mehr an die Hand genommen worden, hätte gern mehr erfahren, mehr verstanden. Sprachlich ist der Roman erstklassig, deswegen hat er mich trotz allem bis zum Ende halten können.
Mutterschaft in drei Frauengenerationen in interessanter, fiktiver Konstellation. Das Cover zeigt einen Gemäldeausschnitt aus einem seitlich festgehaltenen Frauenporträt ohne Gesicht in zeitloser Bekleidung – neutral genug für jede der hier festgehaltenen Generation. Die Großmutter Lyudmiła flieht aus Polen nach Beirut 1944 und arbeitet dort erfolgreich als Chemikerin. Ihre Tochter Daria studiert ab 1976 in München Medizin und arbeitet als berufstätige Mutter in eigener Kinderarztpraxis. Ihre 23-jährige Tochter Luzy studiert Informatik 2014 in Berlin. Aus den Perspektiven dieser drei Frauen, Mütter und gleichzeitig auch Töchtern ergibt sich über den Zeitraum von sieben Jahrzehnten eine zwischenmenschliche Beziehung voller Distanz, kaum spürbarer Liebe, auch wenn beste Intentionen zu erfolgreicher Mutterschaft besonders von Daria vorgelegen haben. Das Scheitern der Mutter-Tochter-Beziehung ist besonders hart zwischen ihr und Luzy spürbar. Die große Distanziertheit teils auch durch Unkenntnis wichtiger Familiengeheimnisse zwischen den Generationen führt zum Scheitern von „Familie“. Ihre diversen Wege der Vergangenheitsbewältigung und gleichzeitigen Zukunftssuche braucht Mut zu offenen Worten. Die vielen emotionalen Spannungen untereinander sind einfühlsam und realistisch beschrieben. Die Summe unserer Teile ergibt nicht immer etwas harmonisch Ganzes.
Das Buch handelt von drei Frauen einer Familie - also drei Generationen. Keine der Frauen hat noch Kontakt mit ihrer Mutter und im Laufe des Buch erfahren wir wie es dazu gekommen ist. Oder naja wir erfahren es mehr oder weniger, denn leider bleiben sehr viele Fragen offen.
Ich finde das Buch hatte eine sehr gut Prämisse, aber leider finde ich hat die Umsetzung nicht gut geklappt. Es wirkt eher so wie einer der ersten Entwürfe des Buches. Denn es werden viele komplexe zwischenmenschliche Themen angesprochen, doch leider bleibt in den wenigen Seiten nicht genug Zeit sie alle ausreichend zu behandeln, so dass ich mich von den Charakteren sehr distanziert gefühlt habe und - wie oben bereits erwähnt - sehr viele Fragen offen geblieben sind.
Für alle die das Buch bereits kennen: besonders unklar war für mich warum Lucys Mutter bein Steinway mit dem Nachnahmen ihrer Mutter unterschrieben hat. Und warum fühlte sich Lucy so sehr von ihrer Mutter unter Druck gesetzt? Wie kan Daria dazu dass sie Lucy so unter Druck setzte obwohl sie immer nur das beste für sie wollte? Aber auch, warum hat niemals einer der beiden Eltern bei Lucy angerufen als sie den Kontakt abgebrochen hat?
Von mir bekommt das Bucher leider nur knappe 2 Sterne.
Die Summe unserer Teile ist ein Roman, der sich um drei Frauen dreht - Großmutter Ljudmila, Mutter Daria und Tochter Lucy/Lujdmila.
Der Roman ist nicht besonders umfangreich, gerade etwas mehr als 250 Seiten, und schnell gelesen. Als Mutter von 3 Töchtern und Tochter einer Mutter mit drei Töchtern bin ich durchaus angesprochen worden von manchen Stellen. Die Auflösung der Geheimnisse gegen Ende des Buches lassen mich aber leider mit einem nicht so guten Gefühl zurück. Hätten sie doch einfach miteinander gesprochen... habe ich mehrfach gedacht.
Bei mir kam zu keiner der Figuren eine richtige Nähe auf und mir fehlt auch die Tiefe der Charaktere, was vermutlich an dem geringen Umfang des Romans liegt.
Sprachlich ist er aber auf jeden Fall sehr nach meinem Geschmack und ich habe viele Zitate gefunden, die mir sehr gut gefallen haben. Auch schafft es die Autorin die Gemeinsamkeiten der Frauen immer wieder herauszustellen, ohne dass sie selbst davon wissen und die Erzählstränge sind faszinierend verwoben und ergeben am Schluss des Buches ein recht rundes Bild.
Alles in allem eine Leseempfehlung, aber kein absolutes Highlight.
Die Summe unserer Teile, ist ein berührender Roman der Autorin Paola Lopez. Es geht hier um Mutter Tochter Beziehungen. So richtig verstehe ich deren Probleme nicht richtig. Die Studentin Lucy hat sich von der Mutter getrennt. Dieser Begriff hat mich erschüttert. Eigentlich gab es für Lucy keinen richtigen Anlass dafür. Dann erfahren wir wie die Mutter Daria so wurde, wie sie ist. Ihre Mutter Ludmilla war Chemikerin, die aus Polen fliehen musste. Traurig ist das es in den Familien keine richtige Ehrlichkeit gab. Als Ludmilla ihre Tochter und Enkeltochter besucht, merkt man, das sie dem Psychiater Robert, Lucys Vater, keinen Kontakt will. Später hört man von Ludmillas Erlebnissen und kann alles besser verstehen. Das Schweigen ist immer schlecht. Der Roman wird von beiden Leben geschildert. Die Autorin hat interessante Charaktere geschaffen. Die Sprache ist einfach gut und beflügelnd. Der Roman konnte mich fesseln und ich möchte ihn gerne empfehlen.
Die Schmerzen starker Frauen In verschiedenen Zeitsprüngen wird das Leben von drei Frauen geschildert, die drei Generationen angehör(t)en und ihr Leben mit unterschiedlichen Sprachen an unterschiedlichen Orten zugebracht haben. Was sie verbindet: Sie alle drei sind bzw. waren erfolgreiche Akademikerinnen - jede auf ihre Art ist/war eigensinnig und, wie sich mehr und mehr heraus stellt, auch verletzlich. Willensstark wird die Großmutter mehrfach genannt, die ihre polnische Heimat verließ und im Libanon studierte - damals ein freies, weltoffenes Land, was sehr beeindruckend ist in Erinnerung gerufen zu bekommen. Und dann an anderer Stelle ihre Tochter Daria ebenfalls. Die Beziehungen der Töchter zu ihren Müttern jedoch sind kompliziert, wurden unter- und abgebrochen. Es ist berührend, wie sehr diese starken, klugen Frauen ihre Schwäche nicht zeigen können, die Schmerzen und Hindernisse in ihrem Leben, wie es dadurch zu Unausgesprochenem, quasi Unaussprechlichem kommt. Wie sie einander verfehlen. Mich hat dieses Buch nachdenklich gemacht und beeindruckt.
Zum Inhalt: Der Roman betrachtet das Leben einer Großmutter, Mutter und Tochter. Die Großmutter floh aus Polen während des Krieges in den Libanon, die Mutter verlässt den Libanon und geht nach Deutschland und die Tochter wiederum nach Polen. Alle drei Frauen sind ehrgeizig und studieren, erkämpfen ihr Freiheit. Meine Meinung: Besonders die Geschichte der Großmutter hätte ans Herz gehen können, sie musste sich extrem durchkämpfen und fordert nicht nur von anderen sondern auch von sich alles, was sie als hart erscheinen lässt, was im Gefühl der Tochter das Gefühl erzeugt unerwünscht zu sein, empfindet ihre Mutter als egoistisch. Ähnliche Gefühle hat auch die Jüngste im Bunde, fühlt sich oft emotional erpresst. Dieses Gefühl von Härte, Egoismus, Kälte, nicht erwünscht sein zieht sich durch die Generationen und bleibt nicht ohne Spuren. Auch wenn es ein Roman hätte sein können, der einen emotional hätte packen können, hat er mich nicht gepackt, weil ich keine emotionale Bindung zu den Frauen habe aufbauen können. Fazit: Hat mich nicht gepackt
Es geht um drei Frauen, die sich auseinanderlebt haben und deren Leben dennoch eng miteinander verwoben ist. Großmutter Ljudmila ist während des Zweiten Weltkrieges von Polen in den Libanon geflohen. Ihre Tochter Daria hat den Libanon verlassen und ist nach Deutschland gegangen. Daria und ihre Tochter Lucy sprechen schon seit Jahren nicht mehr miteinander. Obwohl jede der drei Frauen ihr eigenes Leben lebt, zeichnen sich Gemeinsamkeiten ab. Sprachlich ist der Roman einfach schön. Er liest sich leicht und enthält viele Sätze, über die es sich lohnt nachzudenken. Die Handlung springt zwischen den Protagonistinnen, Orten und Zeiten hin und her. Dadurch bleibt das Buch durchgehend interessant, es ist als ob ein Mosaik langsam zusammengesetzt wird. Ljudmila, Daria und Lucy sind drei starke Protagonistinnen über die ich gerne mehr erfahren hätte. Vieles bleibt oberflächlich, aber die Botschaft, wie wichtig es ist miteinander zu reden, kommt dennoch an.
In der Geschichte geht es um drei Generationen von Frauen. Großmutter, Mutter und Tochter. Diese Beziehungen werden jedoch nicht nur in diese eine Richtung beleuchtet, sondern auch in die jeweils andere und gerade, dass war das spannende und besondere an diesem Roman. Es war unheimlich interessant zu lesen, wie Handlungen und Entscheidungen von der Mutter, jeweils bei der Tochter ankamen und was dies für deren jeweilige weitere Leben bedeutete. Es ist wirklich erstaunlich wie unterschiedlich Dinge von unterschiedlichen Personen interpretiert oder empfunden werden können und wie sehr sich der Blickwinkel darauf ändert, umso mehr man über die Geschichte einer Person erfährt. Das wurde in diesem Buch gut beleuchtet. Der Roman ließ sich auch schnell und recht flüssig lesen. Die Metaphern waren für meinen Geschmack jedoch oftmals etwas gezwungen und sperrig, jedoch war die Rahmenhandlung rund um die Beziehungserzählung eher nebensächlich, weshalb mir das Buch auch trotzdem gut gefallen hat.
Zum Cover kann ich tatsächlich nicht viel sagen, ich finde diesen Stil aktuell sehr typisch für diese Art von Romanen. Mich hatte die Leseprobe überzeugt und das Thema sprach mich an. Ich mag gute Familiengeschichten und -tragödien. Am Anfang fand ich Lucy sehr überzeugend und sympathisch. Man konnte gut mit ihr mitfühlen, da kommt man von der Uni heim und plötzlich steht ein Klavier im Zimmer. Leider lässt dies im Laufe des Buchs nach und Lucy wird immer unsympathischer und überspitzter. Teilweise sogar etwas unrealistisch. Ich habe, gerade in der Mitte des Buchs, immer wieder daran gedacht, abzubrechen. Zum Schluss hin wurde es wieder etwas besser und realistischer. Vieles versteht man im Laufe des Buchs besser, da man alle drei Frauen näher kennen lernt. Sehr viele Fragen bleiben zum Schluss allerdings unbeantwortet, was ich sehr schade finde, da mich diese Antworten gerade am meisten interessiert hätten. Fazit: Manchen wird dieses Buch bestimmt sehr gut gefallen, mir leider nicht und es ist auch kein Buch, dass ich weiterempfehlen würde.
Drei Frauen, drei Zeitspannen und eine Familie. Paola Lopez erzählt in ihrem Roman die Geschichten von Oma, Mutter und Tochter, dabei arbeitet sie liebevoll heraus, wie die Entscheidungen einer Generation die Entscheidungen der nächsten beeinflussen können. Auch wenn die Grundidee des Buches nichts Neues auf dem Buchmarkt ist, sticht die Geschichte doch mit ein paar Besonderheiten raus. So hat es mir sehr gefallen, dass alle drei Generationen von Frauen eine akademische Karriere eingeschlagen haben. Und wie gut Lopez ausgearbeitet hat, wie sehr kommende Generationen beeinflusst werden können, wenn in einer Familie die Traumata nicht kommuniziert werden, sondern nur mit geschliffen werden. In allen drei Geschichten wird deutlich, wie stark die Frauen sind und wie sehr sie versuchen, ihr eigenes Glück zu finden. Eine wirklich empfehlenswerte Familiensaga, mit der sich gewiss viele zumindest in Teilen identifizieren können.
Paola Lopez hat mit Die Summe unserer Teile ein beeindruckend durchdachtes Werk geschaffen. Handwerklich ist der Roman gut konstruiert – die Erzählweise ist präzise, die historischen Kontexte sind gut recherchiert, und die Darstellung von Mutter-Tochter-Beziehungen sowie generationenübergreifenden Traumata ist nachvollziehbar. Thematisch ist das Buch also zweifellos stark. Aber: Ich mochte keine einzige der Hauptfiguren. Lyudmila ist für mich das beste Beispiel dafür, warum ich mein Chemiestudium abgebrochen habe. Die Art zu glauben nur Chemie ist eine sinnvolle Wissenschaft und alles andere weicher Schrott... davon laufen im Chemiestudium genug Leute rum, die so denken und mir komplett den Spass genommen haben. Daria bleibt als Figur merkwürdig blass, obwohl ihre Lebensentscheidungen durchaus nachvollziehbar sind. Und dann ist da Lucy: Ich konnte ihre Art kaum ertragen. Der Kontaktabbruch zu ihrer Mutter war vermutlich eine gesunde Entscheidung, aber dann noch Geld fürs Studium anzunehmen? Bäh. So bleibt ein Buch, das inhaltlich viel zu bieten hat, mich aber emotional auf die falsche Weise berührt hat. Wer allerdings keine Sympathieträger*innen braucht, sondern ein klug konstruiertes Familiendrama sucht, wird hier definitiv fündig.
Gerne gelesen. Einziger Kritikpunkt: Elektrokrampftherapie wird auch heute noch in der Behandlung von Chronischen Depressionen z.B. angewandt mit guten Ergebnissen, dann aber natürlich unter Narkose. Dies wird im Buch ein bisschen missverständlich dargestellt. Als würde die Behandlung allein barbarisch sein und für die schwierige Persönlichkeit der Großmutter zuständig sein und nicht, dass man Pat. eben damals ohne Einwilligung und Narkose dazu gezwungen hat und die Großmutter sicherlich schon vorher eine schwierige Persönlichkeit hatte. Ansonsten "schöner" Familienroman über drei Generationen von Frauen- also schön zu lesen und gute Unterhaltung aber mit kritischen Themen. Hätte noch ein paar Seiten mehr haben können :) Das entscheidende so wichtige Klavier geht nämlich zum Beispiel im Lauf der Geschichte irgendwie unter und auch warum Lucy keinen Kontakt zu ihrer Mutter hat, hätte ich gerne noch erfahren.
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