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Der Magier

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Berlin. In einem Neuköllner Abbruchhaus wird eine grausam zugerichtete Leiche gefunden. Für Kommissar Kowalski ist sofort Dieser Fall wird kompliziert. Als einflussreiche Politiker die Ermittlungen zu behindern versuchen, recherchiert er auf eigene Faust – und stößt auf eine düstere Geheimdienstaktion in Bulgarien, der zahlreiche Oppositionelle zum Opfer fielen. Die Fernsehjournalistin Dagmara Bosch, die als Kind aus Wrocław nach West-Berlin kam, erkennt eine Verbindung zu ihrer eigenen 1980 verlor sie ihren Vater, einen Solidarność-Aktivisten, bei einem mysteriösen »Unfall« in Bulgarien. Gemeinsam mit Kowalski begibt sie sich auf eine gefährliche Spurensuche.

608 pages, Kindle Edition

Published March 7, 2025

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About the author

Magdalena Parys

12 books11 followers
Poetka, pisarka i tłumaczka, założycielka polsko-niemieckiego czasopisma literackiego „Squaws”. Absolwentka polonistyki i pedagogiki na Uniwersytecie Humboldtów w Berlinie.


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Profile Image for Gunnar.
392 reviews14 followers
May 12, 2025
Kowalski beeilte sich, nach Hause zu kommen. Im Bad stellte er seinen Laptop auf einen Schemel, ließ sich eine Wanne ein, in der er eine halbe Ewigkeit zubrachte. Immer wieder spulte er die Aufnahme ein Stück zurück, ließ ab und zu heißes Wasser nachlaufen. Der alte Stöpsel verschloss den Abfluss nicht mehr richtig. Als wäre es ein Bild für diesen Fall, dachte Kowalski tiefsinnig. Dass ständig irgendwo etwas durchsickert und verrinnt. (Auszug S. 386-387)

Der Roman beginnt in Sofia, Bulgarien, 2011. Mit einem Mord. Der ehemalige Fotoreporter Gerhard Samuel betreibt Recherchen und sucht nach Dokumenten zu einem alten Vermisstenfall. 1980 ist der polnische Ingenieur und Oppositionelle Piotr Boszewski bei einem Bulgarienurlaub spurlos verschwunden. Boszewski ist der Mann seiner Lebensgefährtin und Vater von Dagmara Bosch, einer bekannten TV-Journalistin und Moderatorin. Gerhard recherchiert gemeinsam mit Burkhard Seidel, dessen Söhne 1985 beim Versuch die bulgarische Grenze zu überschreiten ums Leben kamen. Beide vermuten, dass es damals nicht mit rechten Dingen zuging, sowohl bei Seidels Söhnen, bei Boszewski und bei einigen anderen. Sie wollen Beweise sammeln, dass damals unter Federführung der Stasi diese Menschen mit Absicht getötet wurden. Ebenfalls bei der Recherche dabei ist der ehemalige Stasi-Mitarbeiter Frank Derwald, seine Rolle bleibt allerdings lange unklar.

In Sofia wird Gerhard zunächst abgewimmelt, doch Derwald spielt ihm Unterlagen und Negative zu. Als er diese entwickelt, erhält er zum ersten Mal einen konkreten Hinweis auf Beteiligung eines Stasi-Offiziers, Christoph Schlangenberger, heute ein einflussreicher Politiker einer populistischen Partei mit guten Chancen auf ein Regierungsamt. Als Gerhard die Brisanz erkennt, will er schleunigst Bulgarien verlassen. Doch er kommt nur in eine Querstraße in der Nähe des Hotels, bricht dort tot zusammen. Seine Erkenntnisse konnte er jedoch noch an Seidel übermitteln und auch die Unterlagen sind noch nicht verloren: Der Mann von der Hotelrezeption soll diese nach Deutschland bringen.

Kurz darauf wird die Berliner Polizei in ein heruntergekommenes Wohnhaus gerufen, das inzwischen von Roma-Familien besetzt wird. Im Bad einer Wohnung ist die brutal verstümmelte Leiche von Frank Derwald gefunden worden. Derwald ist Mitarbeiter von Christoph Schlangenberger, die Ermittlungen werden von oben stark behindert. Kommissar Kowalski wird allerdings von seinem Vorgesetzten Tschapieski trotzdem auf den Fall angesetzt, denn Tschapieski war ein Freund der Familie Boszewski und hat Kenntnis über die Recherchen. Er stellt auch den Kontakt zu Dagmara Bosch her, die von den Unterlagen aus Sofia Kenntnis erlangt hat. Währenddessen versucht Schlangenberger mit Hilfe seiner Securityfirma und seiner rechten Hand Ernesto seine Spuren um jeden Preis weiter zu verwischen.

Die polnische Autorin Magdalena Parys ist gebürtig aus Danzig, lebt aber bereits seit ihrer Jugend Mitte der 1980er in (West-)Berlin und hat dort auch Polonistik und Erziehungswissenschaften studiert. Ihr Debütroman „Tunnel“ erschien 2014 in deutscher Übersetzung. Im gleichen Jahr erschien auch der vorliegende Roman „Magik“ im Original. Er wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, gewann auch den Literaturpreis der Europäischen Union. Die vorliegende deutsche Übersetzung stammt von Lothar Quinkenstein, der auch schon Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk übersetzt hat.

Magdalena Parys schreibt hier einen Politthriller mit aktuellen (Rechtspopulismus) und historischen Bezügen (Verbrechen der Staatssicherheit). Die Ereignisse in „Der Magier“ sind zwar rein fiktiv, dennoch gab es schätzungsweise hundert Personen, die beim Versuch, die bulgarische Grenze zu überqueren, zu Tode gekommen sind. Und natürlich gab es auch tödliche Aktionen der Staatssicherheit sowohl in der DDR als auch in Polen gegen Oppositionelle. Diese Fakten verarbeitet die Autorin zu einer interessanten Handlung mit Bezügen zum aktuellen Politgeschehen. Es geht auch ums deutsch-polnische Verhältnis und der manchmal schwierige Bezug der Exilpolen zu ihrer Heimat.

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven und mit einem Erzähler vorgetragen, der insbesondere Geschehnisse aus der Vergangenheit aus dem Blickwinkel der jeweiligen Person nacherzählt. Das ist allerdings auch mein größter Kritikpunkt an diesem grundsätzlich interessanten Roman: Es wird zu viel drumherum erzählt und eine gewisse Straffung hätte der Geschichte gut getan. Eigentlich ist es ja durchaus ein löbliches Unterfangen, den Figuren Leben und Hintergrund einzuhauchen. Aber hier wird es für meinen Geschmack zu sehr übertrieben. Da werden wichtige Szenen mit viel Hintergrundmaterial unterbrochen und damit zumindest mein Lesefluss etwas gestört. Die Spannungskurve verflacht dadurch ebenfalls manchmal fast völlig, zumindest in der ersten Hälfte des Romans. Das ist etwas schade, denn ansonsten fand ich Personal und Handlung ansprechend, das Thema interessant. So bleibt am Schluss aber trotz der genannten Schwächen dann doch ein überwiegend positives Fazit.
Profile Image for Irene.
199 reviews15 followers
April 24, 2025
"Der Magier" von Magdalena Parys ist ein rasanter und hochspannender politischer Thriller, der zwischen dem Berlin im Jahr 2011 und den 1980er Jahren wechselt, als Europa noch in West und Ost unterteilt und sich fest im Griff des Kalten Krieges befand. 

Gerhard Samuel, Fotoreporter und Politologe, reist 2011  nach Sofia in Bulgarien, um endlich das Geheimnis um den Tod des Vater seiner Stieftochter Dagmara - eines polnischen Oppositionellen - zu lösen, der 1980 während eines Familienurlaubs in Bulgarien spurlos verschwand. Dort möchte er Frank Derbach treffen, der in der Stasi-Unterlagen-Behörde arbeitet und ihm hilft, mehr über das Schicksal von Dagmaras Vater zu erfahren. Frank war es auch, der Gerhard mit Burkhard Seidel bekannt machte. Seidel verfügt über ein privates Archiv, das umfangreiches Material über die Fluchtversuche von DDR-Bürgern über Bulgarien nach Griechenland beinhaltet. Seidel selbst verlor seine beiden Söhne bei dem Versuch, über die bulgarische Grenze in die Freiheit zu fliehen und stellt seine Unterlagen, die er seitdem gesammelt hat, Interessenten zur Verfügung. Doch die Reise von Frank und Gerhard nach Sofia endet in einer Katastrophe ...

In der Zwischenzeit erhält der populäre deutsche Politiker Christian Schlangenberger, ein ehemaliger ostdeutscher Offizier des Geheimdienstes, in Abständen nummerierte Fototeile zugeschickt, die ihn und seine Karriere sofort vernichten würden. Das Foto stammt aus den - angeblich vernichteten- Akten über die Stasi-Geheimdienstaktion "Der Magier", aus denen hervorgeht, dass Republikflüchtlinge nicht nur auf der Fluch erschossen wurden. Während sich die Schlinge um Schlangenbergers Hals immer enger zieht, muss er schließlich feststellen, dass gerade von den Menschen, denen er am meisten vertraut, die größte Gefahr ausgeht.

Als schließlich eine übel zugerichtete Leiche in einem abbruchreifen Roma-Haus in Berlin-Neukölln auftaucht, machen sich Hauptkommissar Tschapieski und Kommissar Kowalski sofort daran, den Mord zu lösen. Doch plötzlich werden sie ohne jede Erklärung von diesem Fall, der offenbar äußerste Diskretion erfordert, abgezogen. In der Zwischenzeit erhält Dagmara, Gerhards Stieftochter, ein Paket mit brisanten Unterlagen aus Bulgarien und beginnt nun gemeinsam mit Tschapieski und Kowalski die Wahrheit ans Licht zu bringen. Was folgt, ist ein nervenzerreißendes Katz-und-Maus-Spiel, in dem nichts ist, wie es scheint ...

"Der Magier" von Magdalena Parys ist ein Thriller, wie ich ihn schon lange nicht mehr gelesen habe. Unglaublich spannend und wendungsreich mit komplexen Figuren, inhaltlich hoch interessant und sprachlich top. Die Erzählperspektive wechselt sehr oft, man blickt in die Köpfe fast aller Personen, wodurch ich mich mit ihnen unglaublich gut identifizieren konnte und durch die vielen unterschiedlichen Sichtweisen langsam eine Ahnung davon bekam, was wirklich vorging. Langsam fügte sich das Rätsel wie bei einem Puzzlespiel Stück für Stück zusammen, bis am Ende die Lösung offenbart wurde, die für mich völlig überraschend - aber absolut logisch! - war. 

Was diesen Thriller für mich so besonders macht, sind nicht nur die Hochspannung und das Tempo der Handlung, die mich nur so durch die Seiten gejagt haben, sondern auch die Beschreibung des menschlichen Leids, das durch die Diktatur in Ost-Europa entstanden ist. Dagmara zum Beispiel, in Polen geboren und aufgewachsen, verlor ihren Vater früh und musste nach ihrer Flucht mit der Mutter in die BRD in einem Land neu anfangen, in dem sie sich nicht willkommen fühlte. Mit Dagmara, einer erfolgreichen Fernsehjournalistin, tat ich mich anfangs etwas schwer, da sie als sehr ehrgeizig, kalt und skrupellos beschrieben wird. Doch gegen Ende, wenn man mehr über ihr Leben erfährt, kann man hinter die Fassade blicken und ihre Verletzlichkeit erkennen. Auch die persönlichen Geschichten von Burkhard Seidel und Frank Derbach haben mich sehr berührt. 

Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. So haben mich die beiden Kommissare Tschapieski und Kowalski einige Male zum Schmunzeln gebracht, die Situationskomik war teilweise wirklich perfekt! Beide Kommissare habe ich ins Herz geschlossen und bin daher überglücklich, dass es eine Fortsetzung dieses Thrillers geben wird! 

Abschließend möchte ich eine ganz klare Leseempfehlung für "Der Magier" aussprechen, da er mich mit seiner unglaublich spannenden und wendungsreichen Handlung, seinen politisch hochbrisant Themen und den komplex ausgearbeiteten Figuren bis zum Schluss in Atem gehalten hat.
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