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Der Einfluss der Fasane

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Der neue Roman der Buchpreisträ Federleicht und messerscharf

An einem frühen Morgen steht Hella Karl am Briefkasten und liest die Meldung, die sie aus der Bahn werfen Der Star der Berliner Theaterszene und Gravitationszentrum der Kulturwelt hat sich das Leben genommen. Hella Karl, Feuilletonchefin einer großen Zeitung, ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen und glaubt, alles im Griff zu haben. Doch sie hat einen folgenreichen Artikel über den gefeierten Mann verfasst – und jetzt wird sie für seinen Tod verantwortlich gemacht. Ist er an sich selbst gescheitert, oder hat Hella Karl ihn in den Tod geschrieben?

Der Einfluss der Fasane erzählt heiter und packend von einer, die die Kontrolle verliert. Von den Erregungsdynamiken, die sich, einmal in Gang gesetzt, nicht mehr steuern lassen. Ein leichtfüßiger Roman über schwere Vorwürfe, das Ringen um Worte und über das Unheil von medialen Diskursen.

240 pages, Hardcover

Published March 12, 2025

6 people are currently reading
112 people want to read

About the author

Antje Rávic Strubel

50 books23 followers
Antje Rávic Strubel (geb. 1974) lebt und arbeitet als Schriftstellerin in Potsdam. Nach dem Abitur machte sie in Berlin eine Ausbildung zur Buchhändlerin, bevor sie an der Universität Potsdam und der New York University Literaturwissenschaften, Amerikanistik und Psychologie studierte und 2001 ihr Studium abschloß. In New York arbeitete sie als Beleuchterin an einem Off-Off-Theater in Greenwich Village, das später zum Schauplatz ihres ersten Romans „Offene Blende“ wurde. Mit Erscheinen des Buches entschied sie sich für einen Autorinnamen; sie ergänzte ihren bürgerlichen Namen um den Namen Rávic, der eine Erfindung ist. Er bezeichnet eine weitere Identität, die ihrer Person während des Schreibens zukommt.

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Community Reviews

5 stars
9 (6%)
4 stars
33 (25%)
3 stars
40 (30%)
2 stars
35 (26%)
1 star
13 (10%)
Displaying 1 - 30 of 33 reviews
Profile Image for Marion.
167 reviews62 followers
April 19, 2025
2,5 🌞
Hella Karl, Chefin des Feuilletons einer großen Berliner Tageszeitung, deckt den Machtmissbrauch eines erfolgreichen Intendanten auf und veröffentlicht diesen. Der Intendant begeht Suizid und alle Welt macht sie dafür verantwortlich.
Der Klappentext verspricht Kontrollverlust, die Geschichte einer Demontage und die Geschichte über die Lust an der Macht und die Macht der Täuschung.

Klingt ja erstmal spannend und Frau Strubel gewann mit " Blaue Frau" den deutschen Buchpreis 2021.

Leider konnte mich dieser Roman, auf den ich mich sehr gefreut habe, nicht überzeugen. Die Geschichte wurde oberflächlich und klischeehaft ohne jegliche Tiefe erzählt. Die Sprache klang hölzern und alles in allem wirkte die ganze Geschichte auf mich sehr konstruiert. Auch die Wahl des Titels erschließt sich mir nicht.
Die Erzählweise hatte mit "Blaue Frau" leider keinerlei Ähnlichkeit.

Wollte oder musste sie dieses Buch schreiben?
FAZIT: unterhaltsam
Profile Image for Alexander Carmele.
481 reviews461 followers
May 24, 2025
Zu viel und zu wenig: Symbolisch-moralische Überfülle erdrückt die Erzählung.

Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com

Inhalt: 2/5 Sterne (Machtmenschen unter sich)
Form: 3/5 Sterne (einfallsreiche Syntax, aber Wortentgleisungen)
Erzählstimme: 1/5 Sterne (unentschieden-feige)
Komposition: 1/5 Sterne (inkohärent-überlagert)
Leseerlebnis: 1/5 Sterne (Lästerexzess)

Nach Blaue Frau im Jahr 2021, mit welchem Strubel den Preis des Börsenvereins des deutschen Buchhandels gewonnen hat, und nachfolgenden Essaybänden legt sie nun mit Der Einfluss der Fasane den nächsten Roman vor. Der Roman greift die Problematik von Toxizität im Kulturbetrieb auf und greift hiermit die Thematik eines Benjamin v. Stuckrad-Barre in Noch wach?, CiaoJohanna Adorján in Ciao oder Joachim Meyerhoff in Man kann auch in die Höhe fallen auf. In Strubels Version steht der Selbstmord des Theaterintendanten Kai Hochwerth im Zentrum des Geschehens:

Die Premiere an Hochwerths Haus. Der Schneesturm, der über den Dächern niedergegangen war. Das viele Blut auf der Bühne. [Hella Renata Karl] war versucht, diesen Abend noch einmal Schritt für Schritt durchzugehen, soweit das möglich war nach sieben Jahren, sieben Jahre und vier Monate, um genau zu sein. Damals hatte ihre Geschichte mit Hochwerth begonnen, die nun unweigerlich zu Ende war. Die sie zu Ende gebracht hatte. Ein Ende mit Schrecken, gestand sie sich nach den ersten Schlucken ein, denn sie hatte die Schlagzeile ins Blatt gesetzt. Intendant zwingt Schauspielerin zur Abtreibung.

Hella, Cheffeuilletonistin, hat, um Auflagenstärke zu generieren, Klatsch und Tratsch betrieben, der zur Entlassung des besagten Kai Hochwerth führte. Nun, nach seinem Selbstmord, steht sie plötzlich selbst im Visier der Medien, nämlich wegen übler Nachrede. Es verbindet sie mehr mit Kai Hochwerth, als sie wahrhaben möchte, bspw. die sozialschwache Herkunft, das imposant, lautstarke Auftreten, der unbedingte Wille wirken und beeinflussen zu wollen.

Hochwerth kam aus derselben Liga. Er hatte als Kartenabreißer begonnen, sein Englisch war keinen Deut besser als ihres. Und hier lag der Grund für ihre Wut, das war es, warum sie ihm seine Missachtung bis in den Tod hinein übelnahm: der absolute Mangel an Solidarität. Die totale Verweigerung von Kameradschaft.

Wie die Zitate zeigen, hat Strubel Der Einfluss der Fasane in einem reißerischen Stil verpackt, der teilweise ornamental-unklare Züge des Indirekten erhält, wie sie Martin Mosebachs Stil der erzählkommentierenden, erleben Rede auszeichnen, um bloß nicht das Kind beim Namen zu nennen. Es geht hoch her und auch irgendwie nicht. Die ganze Nebelbombe kreist um Rufmord, Untreue, um Ellbogenmentalitäten und Aufmerksamkeitsgier. Hier schließt Strubel an Maxim Billers Satire Der falsche Gruß an. Mit heftigster Herablassung wird das Bild einer narzisstischen Figur namens Hella skizziert, die alles aus ihrem Weg räumen will, um an die Spitze zu gelangen.

Dabei hatten Sie [Frau Bundeskanzlerin] es nicht leicht. Sie kamen von woanders, von drüben, von unten, wenn wir ehrlich sind. Aber Sie haben sich gegen alle Widrigkeiten zur Wehr gesetzt. Sie haben sich durchgebissen. Auf weise Weise. Wie eine Wölfin! Eine Walküre. Eine wackere Weltenwandlerin. Eine wehrhafte Wespe. Eine whitch [*]. Eine Www–«

Der Einfluss der Fasane handelt davon, wie die friedlichen Fasane den unfriedlichen den Schutz entziehen, sie isolieren, exponieren, auf dass die unfriedlichen Fasane sich gegenseitig bekriegen (Hella/Kai) und unschädlich machen. Der „Einfluss“ ist ein indirekter. Die aggressiven Figuren werden verlassen und ins Abseits gedrängt. Die Fasane wirken als janusköpfiges Mahnen, als Hintergrundrauschen, als Krächzen, Schatten im Unterholz des schlechten Gewissens. Leider besitzt Der Einfluss der Fasane keine symbolische Tiefe noch narrative Breite, um diese indirekte Form der semantischen Autoimmunisierung umzusetzen. Der Stil verbleibt in einem beinharten Lästern, das unter seinem eigenen Anspruch und seiner sich selbstauferlegten Bedeutungsschwere erstickt.

[*] Strubel schreibt tatsächlich "whitch" - ob sie Hella lächerlich machen will damit, weiß ich nicht.

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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en): Hella Renata Karl, jenseits der vierzig, Feuilletonchefin einer Berliner Tageszeitung. Unverheiratet, ohne Kinder, lebt mit Partner T zusammen in Potsdam, ein Architekt. Beziehung sechs Jahre, sie befinden sich im verflixten siebten.
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe:
Kapitel 1: Kai Hochwerth (K), 54 Jahre, gefeierter, dann gefeuerter Theaterintendant, bringt sich in Sidney am 7. Mai um, wo seine Frau Patricia Mingo als Opernsängerin wirkt. Hella (H), die den Tag mit T verbringen wollte, fährt dennoch in die Redaktion, um Nachforschungen zu betreiben und einen Nachruf auf K zu verfassen.
Kapitel 2: Nächster Tag, H hatte befriedigend Sex mit T, Erinnerung an K. H gibt problematisches Interview. Sie spricht von „kopfloser Presse“. Sie wird in den Zusammenhang mit Ks Tod gebracht, denn H hat einen Artikel über ihn geschrieben, wie er einer Schauspielerin zur Abtreibung rät: „Intendant zwingt Schauspielerin zur Abtreibung.“ Robert Heinze, ein Schauspieler des Theaters, das K wegen der Affäre gefeuert hat, hetzt gegen H. Ehefrau gibt Medien ebenfalls die Schuld.
Kapitel 3: Nächster Tag. H wird von ihrer Chefin beurlaubt, Sibylle Schmück. Erfolgsstory von K. Gedanken zu Ks Herkunft, ähnlich wie Hs, aus einfachen Verhältnissen. H trifft sich mit Kollegen Kranzel und Sunder.
Kapitel 4: T unzugänglich, H masturbiert. H geht Bouldern. Besuch bei den Mantaus, reich und vermögend, mit Villa. Sie wird zu einem elitären Treffen eingeladen.
Kapitel 5: Mittlerweile geht die Kampagne gegen H hoch her. Sie geht ins Theater, um sich dort zu entschuldigen. Eine muskelbepackte Frau zeigt ihr ein Geheimzimmer im Theater, wo eine Plastikbüste von K steht. Erinnerung an Ks Anekdote über die Frau mit dem roten Lada. Konfrontation mit Robert Heinze. Er beschimpft sie. Als sie einen forschen Schritt auf ihn zu macht, hebt er schützend seine Hände vors Gesicht. Mit den Nerven am Ende ruft sie aus dem Auto T an, der sich kurz angebunden gibt. Sie müssten reden. Sie hat eine Affäre in Verdacht. Zuhause findet sie die Einladung zu einem Bundeskanzlerinempfang. Sie geht hin. Sie spricht mit Kanzlerin, dann mit Literatin, die ihr bescheinigt, eine gute Journalistin zu sein.
Kapitel 6: Konfrontation mit T, der seine religiöse Seite gefunden hat und in ein Zisterzienserkloster gehen will. Sie trennen sich. Plötzlich erinnert sie sich an das Interview mit der Restaurantchefin in Sidney, die über einen Bariton an der Seite Patricia Mingos gesprochen hat. H wittert ein Beziehungsdrama als Grund von Ks Selbstmord. H setzt ihre Kollegin Edith auf die Recherche an. Sie geht auf den Markt, um sich Schnitzel zu kaufen. Sie wird vom Nachbarn ermahnt, ihren Müll nicht herumliegen zu lassen. Tage später findet die Beerdigung statt. Eine Theaterschauspielerin lobt sie, sich gegen K gestellt zu haben, spricht von der Büste, der Wachsfigur, die die Schauspielerinnen küssen mussten. Übermutig fährt sie statt direkt nach Hause in Potsdam umher. Plötzlich steht ein Fasan auf der Straße, sie weicht aus.
Kapitel 7: „Aber die Sonne scheint immer wieder.“
●Kurzfassung: Hella, Feuilletonchefin, nutzt die Möglichkeit, die Auflagenhöhe ihrer Zeitung zu stärken, indem sie den Theaterintendanten Kai bloßstellt, der Schauspielerinnen zwingt, seine Büste zu küssen und einer Schauspielerin angeraten hat, abzutreiben. Nachdem dieser gefeuert wird, geht er mit seiner Frau, einer Opernsängerinnen, auf Tournee. In Sydney bringt er sich um. Manche denken, wegen der medialen Hexenjagt, Hella hat ein Beziehungsdrama in Verdacht.
●Diskurs: Presse, Veganismus, Politik, Kunst- und Kulturbetrieb, Macht und soziale Medien, Übergriffigkeit und Geschlechteridentitäten, Sex.
●Deutung des Titels: Der Roman heißt „Der Einfluss der Fasane“ – Männliche Fasane protzen mit ihrem Aussehen, stolzieren umher und sammeln einen Harem um sich. Sie besitzen eine enorm große Geschlechtsdismorphie. Das Wort taucht 8x mal: 2x im Kontext mit dem Krächzen der Pumpe auf dem Hof der Großeltern; 1x als Beunruhigung im seelischen Unterholz; 2x als ein Trupp weibliche Fasane nach Essbarem suchen; 1x kopulierende Fasane; 1x durch Maschendraht Hella anblickend; 1x aus dem Nichts auf der Straße auftauchend.
 unklar, ob der Titel männliche oder weibliche Fasane meint. Fasane lungern um das Haus von Hella herum, in Potsdam.
 klar: Kai Hochwerth ist laut, dominant, spielt sich in den Vordergrund und wird schließlich zu Fall gebracht (von Hella); als Hella aufdreht und übermütig durch die Gegend fährt, bringt sie ein anderer männlicher Fasan zu Fall. D.h. die männlichen Fasane eliminieren sich gegenseitig, die weiblichen Fasane, die Partner, ziehen sich zurück (T von Hella, Patricia von Kai). Die weiblichen Fasane stehen für das Nahrungssuchen, für den Hof der Großeltern, für das einfache Leben, und die männlichen für das laute Prunkgehabe, das Vorlaute, das sich in den Vordergrund Schieben. Wenn also vom „Einfluss der Fasane“ im Buch die Rede ist, dann auf zweierlei Weise, einmal von dem sehr kurzfristigen Einfluss der männlichen Fasane, der aber ins Nichts verpufft, weil ein anderer männlicher Fasan auftritt; und dann der langfristige Einfluss der weiblichen Fasane, die sich von den männlichen zurückziehen, das System stabilisieren, die aggressiven isolieren, um sie zu exponieren, auf dass andere männliche Fasane sie zu Fall bringen.
 „Der Einfluss der Fasane“ bedeutet: den Lauten wird der Schutz entzogen, und hierdurch gehen sie zugrunde, und hierdurch bleibt alles gleich. Am Ende, Kapitel 7, Abwandlung von Sophie Scholls „Die Sonne scheint noch“, bekannt durch den Film (2005), zeigt, dass der Widerstand gegen die Lauten, gegen den Faschismus, ein Anliegen des Buches ist.
… das Buch will zu viel auf zu engem Raum. Es bleibt alles zu schwammig.
… zu viel bleibt nur angedeutet, zu schwammig, nicht pointiert genug, nicht klar genug für eine Thrillergeschichte, nicht breit genug, um ein soziales Ambiente zu schildern. Viel zu unklar. Figuren bleiben sehr unscharf. Keine Charakterstudie. Keine szenische Darstellung von Konflikten, bis auf die Konfrontation Heinze und Hella.
… vgl. Maxim Biller „Der falsche Gruß“ … insgesamt eine gehässige Geschichte über eine als sehr eitel und langweilig dargestellte Feuilletonchefin.
--> 2 Sterne

Form:
●Wortschatz: abwechslungsreich, leider Wortfeldmischungen, leider Obszönitäten, die gar nicht in die sonstige Schreibweise passt, etwas holterdiepolter Sex-Talk, wirkt gewollt.
●Satzstrukturen: lange, interessante Sätze, gute Mischung, flüssig. Teilweise zu viele Paraphrasen ein und desselben.
●Innovation: nicht sehr poetisch, eher diskursiv, abstrakt, assoziierend gewollt.
--> 3 Sterne

Erzählstimme:
●Reflektiert: nein, keine Selbstbezüglichkeit, offensiv.
●Situiert: nein, Erzählgegenwart unklar.
●Perspektiviert: auktorial-personal im Wechsel. Oft unklar, ob eine Person etwas denkt, oder die Erzählinstanz spricht. Gedanken von Hella in kursiv gesetzt. Aber auch hier oft unklar. Ein wenig innerer Monolog.
●Erzählform: Sie.
●Erzählstandort: räumlich wie zeitlich freischwebend.
●Erzählsicht: mit Innenperspektive, die „wahren“ Begebenheiten werden nicht aufgedeckt. Alles aus Sicht von Hella. Erzählinstanz kommentiert nur Hellas Erleben.
●Erzählverhalten: Keine wirklichen Kommentare, eher fließend mit Hellas Gedanken überblendend.
●Erzählhaltung: distanzierend, ironisch, herablassend. Verhöhnend, Hella wird entblößt, dem satirischen Blick freigegeben und dargeboten.
●Erzählverfahren: direkte, indirekte, erlebte Rede, Bericht, Dialoge. Alles zusammen.
●Erzählstil: nivellierend auf Hellas Erleben hin. Mit ein paar dialektale Einschläge, Frau im Theater. Robert Heinze.
●Reliefbildung: Sehr wenig Relief, sehr wenig Akzente, eher ein langsames vor sich Hindümpeln. Beginnt im epischen Präsens. Wechselt in Präteritum. Innerer Monolog, Präsens. Viele Dialoge, sehr szenisch.
… die Erzählinstanz versteckt sich, stellt Hella, die Figur bloß, was eher feige wirkt, unentschlossen und unentschieden … vgl. Martin Mosebach „Die Richtige“ … vom Tonfall sehr moralisch, urteilend und mit geschlossener Wahrnehmung.
--> 1 Stern

Komposition:
●Lose Versatzstücke: Sehr viele Szenen überflüssig: Schnitzel kaufen auf dem Markt; Bundeskanzleramtsempfang, Villa der Mantaus, das Bouldern fallen aus dem Rahmen, der klar von Zuhause, zur Redaktion, wieder nach Hause, zum Theater, zur Redaktion, nach Hause, zur Beerdigung, nach Hause geht. Dadurch erhält der Text etwas Loses und Unverbindliches. Leider geht das nicht mit dem Gegenstand der Erzählung auf – da dieser sehr trivial und einfach erscheint, und keineswegs einer komplexen Narration bedarf.
… wirkt ein wenig wie ein schwacher Nouveau Roman.
--> 1 Stern

Leseerlebnis:
●Gelangweilt: ziemlich
●Geärgert: über die Wortfeldmischung und unangebrachten Obszönitäten
●Amüsiert: nein
… leider eine sehr herablassende Erzählweise, die die Figur, Hella, zum Witz abstempelt, sie vorführt und auflaufen lässt, insofern sardonisch, fies und etwas billig, da die Figur ja erfunden ist. Ich habe kein Verständnis für diese Art des moralischen Fingerzeigs: Sich eine Figur zu zeichnen, um sie zu vernichten …
--> 1 Sterne
Profile Image for Claudia Magnus .
74 reviews2 followers
March 17, 2025
2,5/5

Die Leseprobe hatte mich definitiv interessiert. Ich fand es interessant zu lesen, wie sich das Internet gegen eine Journalistin vereinen kann, wie es Karrieren beenden kann. Auch mochte ich den nüchternen Schreibstil anfangs gern, aber ziemlich bald fand ich das etwas anstrengend, mochte die Emotionslosigkeit von Hella nicht. Und dann wurde natürlich auch das Thema Sex aufgeworfen, was auch wieder recht nüchtern betrachtet wurde, es waren Objekte und keine Gefühle vorhanden. Ich fand es unangenehm zu lesen.

Irgendwie bin ich in das Buch einfach nicht reingekommen. Ich fand die Wortwahl anstrengend, mochte Hella gar nicht, fand auch die Darstellung der Themen wie Cancellation oder Abtreibung irgendwie nicht passend bzw. gefühlskalt präsentiert.

Ich mag auch die Dialoge nicht, vor allem nicht alles was ans Philosophieren geht. Es hat mich angestrengt, insbesondere die unzähligen Auflistungen von Synonymen. Das lag vielleicht wirklich hauptsächlich daran, wie die Charaktere miteinander umgehen und sprechen. Ich mag es nicht wie sie über ihren Partner spricht, find es unangenehm wie sie mit ihren Kollegen umgeht und es dann auf ihre Vergangenheit schiebt, da sie ja nie wirklich Freunde hatte, weil ihr Leben so schwer war.

Alles in allem war das wohl einfach nicht mein Buch.
Profile Image for auserlesenes.
364 reviews16 followers
April 29, 2025
Hella Renata Karl, Anfang 50 und Feuilletonchefin einer großen Berliner Tageszeitung, ist geschockt: Kai Hochwerth, der frühere Intendant einer der größten Bühnen in der Hauptstadt, hat sich in Sydney umgebracht. Hat Hella nicht nur die Schuld am Rausschmiss des 54-Jährigen, sondern ihn auch in den Selbstmord getrieben? Sie hatte über seinen Machtmissbrauch geschrieben. Nun steht die Journalistin am öffentlichen Pranger und erhält Hassnachrichten. Und es droht weiterer Ungemach…

„Der Einfluss der Fasane“ ist ein Roman von Antje Rávik Strubel.

Untergliedert in sieben Kapitel, wird in personaler Perspektive aus der Sicht von Hella erzählt, durchweg chronologisch, aber mit Rückblenden. Die Handlung umfasst nur wenige Wochen und spielt in Berlin, Potsdam und Umland.

Vor allem auf der sprachlichen Ebene hat mich der Roman beeindruckt. Die Autorin vermag es, atmosphärisch, anschaulich und bildstark zu schreiben, mit leichter Feder und ohne viele Worte zu verschwenden. Was mir ebenfalls gefallen hat: Im Text wird immer wieder der Umgang mit Sprache und Formulierungen auf gekonnte Weise reflektiert.

Hella ist eine reizvolle Protagonistin, jedoch keine klassische Sympathieträgerin und eine eher unbequeme Person. Sie ist sehr ehrgeizig, selbstbezogen und äußerst selbstbewusst. Um ihren Weg zu machen, hat sie Verhaltensweisen und Ansichten übernommen, die an ältere Männer erinnern. Ihr Denken und Handeln ist nicht immer leicht zu ertragen, aber in sich schlüssig und nachvollziehbar. Auch die übrigen Charaktere wirken größtenteils ausgefeilt, nur wenige Nebenfiguren sind etwas zu stereotyp geraten.

Auf den rund 230 Seiten wird die Geschichte von einer subtilen Spannung getragen. Wird Hella ihren Hals aus der Schlinge ziehen können? Was hat den Intendanten zu dem drastischen Entschluss getrieben? Erst Stück für Stück werden die Zusammenhänge klarer.

Aus inhaltlicher Sicht hat der Roman viel Interessantes zu bieten. Der Missbrauch von Macht in der Kultur- und insbesondere Theaterszene ist ein wichtiges und lohnenswertes Thema. Es geht dabei um patriarchale Herrschaftsstrukturen, internalisierte Misogynie, antifemistisches Denken und sexistisches Gehabe. Aber auch mediale Hetzjagden, die Dynamik öffentlicher Diskurse und die Auswüchse der Empörungskultur tauchen auf. Zusätzlich wurden die Aspekte von Schuld und Verantwortung sowie die Prägung der Persönlichkeit durch Klasse und Herkunft eingearbeitet. Das macht die Geschichte facettenreich und verleiht ihr Gewicht. Insgesamt bleibt der Roman jedoch zu sehr an der Oberfläche, die Botschaft des Romans wird durch die Themenfülle stark verwässert.

Die Fasan-Symbolik wird nicht nur konsequent im Titel und im hübschen Covermotiv aufgegriffen, sondern zieht sich auch durch den gesamten Text. Deren Bedeutung bleibt mir dennoch ebenfalls zu diffus.

Mein Fazit:
Mit „Der Einfluss der Fasane“ hat Antje Rávik Strubel einen lesenswerten Roman geschrieben, der auf problematische Strukturen verweist. Sprachlich überzeugend, aber inhaltlich leider zu schwammig.
Profile Image for Isabella.
504 reviews118 followers
December 27, 2025
wer lust auf ein bisschen "ich bin nicht wie andere frauen!", "ich hab mich ja schon immer besser mit männern verstanden" und "heute wird nur noch gecancelt" hat, ist hiermit richtig bedient. mir persönlich erschließt sich die pointe nicht.
Profile Image for Nadin.
Author 1 book29 followers
March 30, 2025
2.5

Seit 25 Jahren freu ich mich über jedes neue Buch von Strubel, aber zum ersten Mal seit "Vom Dorf" kann ich wenig damit anfangen. Es richtet sich offenbar an ein bürgerliches hetero Publikum mit eher elitären Sorgen. Selbst die vertrauten atmosphärischen Sätze kam mir zwischen den Stilmitteln zu kurz. Die Fasane auf dem Umschlag hatten mich ja gewarnt...
Profile Image for Co_winterstein.
146 reviews11 followers
September 18, 2025
Antje Rávik Strubels neuster Roman "Der Einfluss der Fasane" ist eine Mediensatire par exellence.
Im Mittelpunkt steht Hella Renata Karl, Anfang 50, Chef-Feuilletonistin einer großen Berliner Zeitung, die es auf der Karriereleiter weitgebracht hat ... bis sich eines Tages der Theaterintendant Hochwerth das Leben nimmt, dessen Machenschaften Hella zuvor aufgedeckt und in einem Artikel publiziert hatte. "Theaterintendant zwingt Schauspielerin zur Abtreibung".
Alle Welt / das Internet machen nun Hella für seinen Suizid verantwortlich und es entwickelt sich ein heftiger Shitstorm, in Folge dessen Hella freigestellt wird ...
Das Ende enthält einen kleinen plottwist, den ich hier nicht spoilern möchte.
Hella ist als Hauptfigur ein ambivalenter und vielschichtiger Charakter, intelligent, charismatisch, machtbesessen und mysogyn, aber irgendwie auch verletzlich.
Ich finde sie wahninnig gut gelungen und sehr lebendig. Vielleicht liegt das auch an Strubels Sprache, die leicht und locker daherkommt, völlig unpathetisch und passend zu Hauptfigur.
Es ist ein Roman über #metoo, über die Macht der Worte und Medien.

Mir hat der Roman außerordentlich gut gefallen, große Leseempfehlung!
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Billy.
74 reviews13 followers
May 27, 2025
Wer verschieden ist, ist ein anderer.

Hella Renata Karl – Journalistin, Grenzgängerin, Symbolmaschine. Sie denkt, zweifelt, analysiert, reflektiert, wiederholt sich – und bleibt dabei vor allem eines: blass. Der Roman will viel (Cancel Culture, Machtmissbrauch, Schuld), bleibt aber in seiner eigenen Symbolwucht stecken.

Der Plot wirkt konstruiert, die Figuren wie Schachfiguren im Theater der Selbstrechtfertigung. Und Hella? Führt Monologe, die gleichzeitig alles und nichts sagen – eine Frau, ein Rätsel, ein Lesegefühl wie ein Feuilletontext, der nie endet.
Profile Image for Clara.
15 reviews
November 8, 2025
Ein Roman über Machtverhältnisse in der Kulturbranche und ein bisschen über Journalismus. Stark konstruierte Story, die wenig neue Einblicke in die aktuellen Debatten schafft. Vor allem die aufgesetzte Sprache hat mich an vielen Stellen enttäuscht, weil so oft von der Macht der Worte die Rede ist und dann nur irgendwelche Redewendungen aneinander gereiht werden. Insgesamt spannendes Thema, aber underwhelming insbesondere nach "Blaue Frau" von Rávik Strubel.
Profile Image for Aki.
1,021 reviews
July 15, 2025
Das Buch will entweder zu viel oder zu wenig. Ich mochte Hella nicht und bin mir auch nicht sicher ob ich irgendjemanden in den Buch mag. Die Szenen sind teilweise zu sehr fingiert und ihr Verhalten nicht nachvollziehbar. Selbst für jemanden der Irrational handelt, ist es teilweise nicht nachvollziehbar.

Leider kein Buch für mich.
Profile Image for Uralte  Morla.
370 reviews126 followers
May 13, 2025
"Das Leben ist kein Pussylecken." (Seite 205)

Für Hella Karl schon. Sie ist eine Frau, die weiß, was sie will. Beim Sex, im Leben und im Beruf sowieso.

"Sie hatte Beteutendes im Sinn. [...] An ihr würde sich das Leben abarbeiten müssen. Abrackern. Sie würde sich ihm einprägen, diesem Leben; [...]" (Seite 166)

Karrieretechnisch ist sie als Feuilletonchefin einer nicht unwichtigen Berliner Tageszeitung dafür schonmal in einer guten Position. Dinge bewegen möchte sie allerdings vor allem für sich, Feminismus oder gar MeToo sind nicht ihre Themen.

"Sie hätten nein sagen können", sagt sie zu einer Schauspielerin, die vom Intendanten Kai Hochwerth zu einer fragwürdigen Performance mit nacktem Oberkörper genötigt worden war.

Den verherenden Artikel über ihn hat sie zu diesem Zeitpunkt längst geschrieben. Weil er einer anderen Schauspielerin sehr deutlich gesagt hatte, sie solle ihr Kind abtreiben oder es wäre sonst mit der Karriere vorbei. Also doch eine feministische Journalistin? Nicht wirklich. Aber: "Schwangerschaftsabbruch ist ein Strafbestand." (Seite 111)

Hella Karls Artikel und der nachfolgende Medienrummel kosten Hochwerth die Karriere. Einige Zeit später begeht er Suizid - und plötzlich steht Hella Karl im Mittelpunkt der Berichterstattung. Hat sie den Intendanten in den Tod getrieben? Ein unglückliches Interview später steht nun ihre Karriere auf der Kippe und der Frau, die das Leben bisher eisenhart im Griff hatte, entgleitet plötzlich alles.

Antje Rávik Strubel hat mit "Der Einfluss der Fasane" ein bitterböses Portrait über eine Personengruppe in Machtposition geschrieben, die wir uns nicht wünschen, die es aber sehr wohl gibt: Frauen, die sich im Patriarchat behaupten, indem sie handeln wie Männer. Die anderen Frauen nicht beistehen, sondern sich gutstellen mit denen, die sie als hysterisch und weinerlich bezeichnen. Frauen, die viel Raum einnehmen und gleichzeitig immer irgendwie auf Distanz bleiben.

Sympathisch ist sie nicht diese Hella Karl, der alle Mittel recht sind, um ihren guten Ruf wiederherzustellen, aber faszinierend doch irgendwie
(und verkappt lesbisch oder zumindest bi, wenn ihr mich fragt, aber das würde eine wie Hella Karl natürlich nie zugeben. ). Ich bin ihr gerne gefolgt, wollte sie sehr oft schütteln und versuche noch immer sie komplett zu entschlüsseln.

Außerdem ist dieses Buch quasi ein Potsdam-Roman, oder vielmehr ein Anti-Potsdam-Roman, denn die Stadt, in der Hella Karl (und auch Antje Rávik Strubel) lebt, kommt nicht besonders gut weg. Weder für das lokale Theater, noch die barocke Innenstadt findet sie warme Worte - alles zu unbedeutend. Das piekst mich als Potsdamerin zwar etwas, bringt mich aber auch sehr zum Schmunzeln. Dass ihr Mann einer der Architekten beim Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche ist (heikles Thema in Potsdam), passt auf mehreren Ebenen.

Apropos Theater: In Hinblick auf die jüngste Berichterstattung über das Berliner Ensemble könnte der Roman aktueller kaum sein. Davon abgesehen: Dass toxische patriarchale Machtstrukturen immer noch nicht komplett verschwunden sind, ist kein Geheimnis. Und dass immer noch zu viele Menschen darüber hinwegsehen, leider eine Tatsache.
Und schließlich ist "Der Einfluss der Fasane" auch ein Roman über Journalismus. Über den Druck von Klicks, über die Schnelllebigkeit von Sensationen, über die Macht von Worten und die Verantwortung der Menschen, die sie nutzen.

"Der Einfluss der Fasane" ist ein kluges, thematisch vielseitiges, sprachlich großartiges Buch, in dem viel Kritik und Nachdenkliches steckt und über das ich auch nach über einer Woche immer noch intensiv nachdenke.

Und apropos Journalismus: Es hat mich zutiefst amüsiert, dass Sigrid Löffler in der SZ einen sehr persönlichen Verriss über das Buch geschrieben hat, und offensichtlich nicht gemerkt hat, wie sehr sie dabei zu Hella Karl wird. Ich glaube, da hat sich jemand unterbewusst sehr erwischt gefühlt!
134 reviews5 followers
April 16, 2025
Einer weniger von Denen

„Der Einfluss der Fasane“ von Antje Rávik Strubel, erschienen 2025 im S. Fischer Verlag, konnte mich leider gar nicht für sich einnehmen, was schade ist, da das Thema des Buches, Machtmissbrauch, ein sehr wichtiges ist und deshalb Aufmerksamkeit verdient hätte.

Protagonistin des Romans ist Hella Renata Karl, die als Journalistin einst den Theaterintendanten Kai Hochwerth zur Persona non grata machte, indem sie seinen Machtmissbrauch einer Schauspielerin gegenüber öffentlich machte. Dieser beging nun Suizid und Hella, die ihm den Tod gewünscht hatte, fühlt sich schuldig und fragt sich – sehr oberflächlich – ob sie damals zu weit gegangen ist. Dabei verbeißt sie sich immer mehr in ein Rechtfertigungskarussell, so sehr, dass auch ihre Beziehung zu ihrem Lebenpartner T mit in den Strudel ihres Kampfes mit sich selbst und der Außenwelt, die Hella für den Selbstmord verantwortlich macht, gerät. Hochwerth, strukturell klar ein Narzisst, ist dabei wie ein Spiegel für Hella, die deutlich auch narzisstische Züge trägt.

Auf etwas unter 250 Seiten und in guter Sprache mit ungewöhnlichen, aber treffend genauen Beschreibungen von Emotionen, reiht die Autorin leider Klischee an Klischee – nicht übertrieben genug, um als Farce wirklich bösartig zu werden, ohne Überraschungen, einseitig, eindimensional, ohne in die Tiefe zu gehen und Mechanismen der Branche wirklich zu entblößen. Sie bleibt bei bekannten Allgemeinplätzen stecken, die es zwar gibt, natürlich, die aber ehrlich gesagt zu den ungefährlichen Anteilen der Branche, in der ich selbst auch tätig bin, zählen, da sie offenkundig und leicht zu enttarnen sind. Interessanter wäre hier der viel besser getarnte, tägliche Machtmissbrauch, der eben nicht nur durch die offenkundigen Machtdespoten stattfindet.

Die Kraft der Medien wird thematisiert, die Hetzjagd des Volkes auf der anderen Seite, leise Anklänge an „Cancel-Culture“, die interessanterweise fast nur Männer betrifft, warum nur... Häufig etwas weitschweifig erzählt, oft kreisen die Gedanken und wiederholen sich. Die Schuldfrage wird gestellt und zur Sicherheit nicht beantwortet, die Charaktere sind durchweg so neurotisch, dass sie immer fremd bleiben. Hellas Denken ist sehr negativ geprägt, sie schaut immer auf das Krisenpotenzial im Leben, mag eine Folge ihres Berufes sein, fällt aber sehr auf. Natürlich muss Hella auch ein paar erotische Phantasien ausleben und sich von mächtigen Männern erregt fühlen – an dem Punkt fing ich an, verärgert zu sein, keine Frage, dass es diesen Typus Frau geben mag, aber das ist eine so verschwindende Minorität und es sind Co-Abhängige. Viel größer ist die Zahl missbrauchter Menschen. Wir müssen diesem Missbrauch als Frauen nicht auch noch Raum geben und Verständnis.

Das ist jetzt natürlich nur Nerv auf eine fiktive Figur, die es so in der Realität durchaus gibt, also könnte ich meinen, der Autorin wäre ihr Buch geglückt. Das trifft aber leider nicht zu, denn ich finde das wichtige Thema absolut nebensächlich und auch wirr erzählt. Welchen Punkt will die Autorin machen, was will sie bei den Lesenden erreichen außer „ja, gibt schon echt unnötig schräge Menschen, die ihr Leben nicht im Griff haben“? Zudem raunt durch das Buch immer wieder eine aufgeblasene Fasanensymbolik ohne wirklichen Effekt für Ästhetik und Handlung, für mich ging dadurch zu keinem Zeitpunkt eine weitere Ebene auf. Natürlich auch einmal mehr ein offenes Ende, das ist ja eh der große Trend der Zeit, eine Büchse der Pandora öffnen, aber dann bloß keine Stellung beziehen, halt auslaufen lassen, ist einfacher.
Hella bleibt unverbesserlich und will direkt den gleichen Fehler wieder begehen, ihr Partner T zieht sich von der Welt zurück, kleiner hatten wir es nicht, das sind so die zwei Optionen des Lebens offenbar, totale Hybris oder totaler Rückzug.

Als Person, die seit Jahren in der Branche arbeitet, finde ich es sehr wichtig, den Machtmissbrauch zu thematisieren, der leider nach wie vor allgegenwärtig ist, aber dann doch bitte so, dass die Menschen ihn auch realistisch erleben und ernst nehmen müssen und nicht so neurotisch. Das ist nicht unsere Realität. Definitiv nicht mein Buch. Eine weiteres Bündel von Personen, die durch ihre psychische Störung eine gewisse Tragik entwickeln, dem eigentlichen Thema dadurch aber die Brisanz nehmen. Sprachlich gut gearbeitet, aber ansonsten klischiert und bei mir keinerlei Wirkung erzeugend.


Ein großes Dankeschön an whatchareadin.de und den S. Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!
Profile Image for Charlystante.
170 reviews1 follower
May 30, 2025
Das Buch war für mich nur sehr schwer zu lesen. Es hat einfach keinen Spaß gemacht.
Ich konnte nicht rausfinden, welchen Einfluss die Fasane, die ab und zu zusammenhanglos auftauchen, auf das Geschehen haben. Welchen Einfluss hat der Artikel der Journalistin auf den Selbstmord des Intendanten? Es geht um Vermutungen. Die Opfer des Machtmissbrauchs haben keine Stimme. Erst ganz zum Schluss wird vage ein Vorfall angesprochen. Hella, die Protagonistin wirkt unsympathisch und da sie versucht, sich keine Schuld am Suizid des Intendanten zu geben, sinnt sie schon die nächste Titelgeschichte aus.
Die erotischen Fantasien musste ich nicht haben.
Wieder mal ein offenes Ende. Das kann sich ja jeder selbst ausdenken. Damit komme ich gar nicht zurecht.
Profile Image for Michael Madel.
546 reviews11 followers
April 15, 2025
Der Roman hat mich vor allem sprachlich überzeugt, auch, weil Strubels Sprache zwar elaboriert, aber nicht so abgehoben strukturiert ist wie in ihren Vorgängerromanen.
Das (surreale?) Romanende irritiert und lässt verschiedene Deutungsmöglichkeiten offen. Es bleibt der Fantasie der LeserInnen überlassen, welche Rolle Hella Karls Artikel bei dem Suizid des Indendanten wirklich gespielt hat.
Profile Image for Svea.
37 reviews
December 5, 2025
Von der Thematik habe ich mir irgendwie mehr erhofft, es ging viel um Einfluss und Macht bei Medienschaffenden, aber auf für mich nicht interessante Weise. Die Protagonistin ist mir nicht sympathisch gewesen und hat mich teilweise genervt. Okay zu lesen, aber keine Empfehlung
Profile Image for Bajo.
91 reviews3 followers
July 7, 2025


Hella Karl ist Feuilletonchefin des Berliner Abendblatts als sich der aktuelle Berliner Theaterintendant das Leben nimmt. Zuvor hatte Hella den prominenten Intendanten in einem ihrer Artikel als frauenfeindlich und sexistisch entlarvt, der seine Macht als Star des Berliner Kulturbetriebs hemmungslos missbraucht. Seine Karriere war danach beendet, ihm blieb nach einem gewaltigen Shitstorm nur die Kündigung.

Was zunächst zur Steigerung der Auflage des Berliner Abendblatts führte, entpuppte sich nach dem Suizid des Intendanten auch für Hella als tiefer, unguter Einschnitt in ihre eigene so brillante journalistische Karriere. Sie wird freigestellt und sieht sich plötzlich allein auf der weiten Flur ihres bisher so erfüllenden, durchgetakteten, hippen, bunt schillernden Lebens. Wie Hella mit dieser Situation umgeht, davon handelt dieser Roman.

Erzählt wird ausschließlich aus der Perspektive der äußerst selbstbezogenen Hella. Sie ist keine Sympathieträgerin. Bescheidenheit und Demut gehen ihr völlig ab. Eine schöne, schlanke, schicke Frau, die mit ihrem wesentlich jüngeren, ebenfalls äußerst attraktiven Lebensgefährten in einem schönen Haus am See in Potsdam wohnt. Auf ihre Mitmenschen, ihre Kollegen und Nachbarn, hat Hella einen arroganten, herablassenden Blick.

Leichte Schuldgefühle befallen sie nun doch angesichts des Selbstmords des Intendanten. Aber mehr noch belastet sie der Shitstorm der in den sozialen Medien auf sie niedergeht. Plötzlich ist sie selbst Objekt der medialen Aufmerksamkeit und diese Aufmerksamkeit ist für sie alles andere als positiv. War der Verstorbene tatsächlich ein sexuell übergriffiger, cholerischer Chef oder nur Opfer der medialen Entrüstung ? Was war eigentlich los in dessen Ehe mit einer berühmten Opernsängerin ?

Die freigestellte Hella geht diesen Fragen nach, auf der Suche nach persönlicher Entlastung, nach Rehabilitierung, vielleicht sogar nach der Wahrheit suchend. Währenddessen zerbricht ihr privates Glück mit dem schönen T., ihrem Lebensgefährten.

All das wird leicht lesbar erzählt und beleuchtet die Medienbranche eindringlich als um sich selbst nabelschauend kreisend, stets auf der Suche nach mehr Klicks und höheren Auflagen. Der schöne T., ausserhalb der Medienblase freischaffender Architekt, kennt den skandalumwitterten Intendanten nicht einmal.

Meldungen, Interviews, Artikel, Posts auf Twitter, Tic Toc etc. können jedoch auch außerhalb der Medienwelt verheerende Folgen für die Betroffenen haben. In diesem Zusammnehang gefiel mir das Bild der immer wieder die Szenerie kreuzenden Fasane sehr gut. Scheucht man einen Fasan auf, erhebt er sich mit lautem Flügelschlag und braust gewaltig in niedrigem Flug über einen hinweg. Auch der schrille Ruf, die Stimme des Fasans, ist alles andere als schön. Es ist wie das Aufploppen von Nachrichten: Lautes Getöse, unschöne Töne. Relativ schnell sind Fasane allerdings auch wieder verschwunden. Oder doch nicht ? Was bewirken die Medien, was ist die Wahrheit ?

Ein unterhaltsamer Roman, der die Medienbranche und ihre Protagonisten alles andere als gut dastehen läßt, m. E jedoch etwas zu pointiert dargestellt. Die Autorin arbeitet Hellas Charakter, ihre Sicht der Dinge, aber derart nuanciert heraus, dass man sich diesen Menschen bildhaft vorstellen kann und trotz aller Antipathie zum Schluß fast Mitleid mit ihr empfindet. Zudem sind die Umgebung des Wohnorts Hellas, die ruhige Straße in Potsdam, die das Haus umgebende stimmungsvolle Natur im Gegensatz zum hippen Berlin, den schicken Büros, den angesagten Restaurants gekonnt beschrieben.

Ein lesenswerter Roman, den ich mit 4 Sternen bewerte.
61 reviews
March 14, 2025
Unter dem Einfluss der Sprache

Der vorliegende Roman der Gewinnerin des Deutschen Buchpreises von 2021 ist der erste, den ich von der Autorin gelesen habe. Und gleich zu Beginn und auch durch das gesamte Buch hinweg wird klar, dass ihr sprachlich kaum jemand etwas vormachen kann. Inhaltlich geht es um eine Kulturressortleiterin einer großen Hauptstadtzeitung, die mit einem Skandalartikel einen wichtigen Intendanten gerechtfertigterweise aber ziemlich reißerisch des Machtmissbrauchs beschuldigte. Nun ist dieser Intendant tot. Durch Suizid. Und die Frage steht im Raum, ob der durch den Artikel losgetretene Shitstorm Ursache und damit die Journalistin Mitschuld am Tod des Intendanten hat.

Wir begleiten Hella Renata Karl von dem Moment an, in dem sie Nachricht vom Suizid des Intendanten Hochwerth erhält und folgen nun ihrem Weg durch den Shitstorm, der nun sie selbst überfällt, welche Folgen dieser für ihr berufliches wie auch privates Leben hat. Dabei betrachtet Strubel mit scharfem Blick die Kulturszene inklusive den berichtenden Medien und ihre Machtstrukturen und verarbeitet mit spitzer Feder diese ihr sicherlich selbst nicht unbekannten Gemengelagen in einen hoch interessanten Roman. Immer weiter werden wir in Hella Renata Karls Leben und Denken hineingezogen und fragen uns selbst manchmal, was hier eigentlich noch der Wahrheit entspricht und was nicht.

Die Sprache stellt für mich an diesem Roman das Herausragendste dar. Allein schon die Namenswahl der beiden Hauptfiguren ist mit Bedacht konstruiert. Da ist Hella („Sonnenschein“) Renata („wieder geboren“) Karl („freier Mann“/ erinnernd an Karl der Große, also auch „Hella die Große“?), welche aus ärmlichen, zerrütteten Verhältnissen stammt und gleich beim ersten Aufeinandertreffen vor sieben Jahren Hochwerth (spricht für sich mit deinem „hohen Wert“) als einen mit ähnlicher Vorgeschichte erkennt. Über Jahre entsteht zwischen ihnen eine Verbindung, die quasi in einem Machtkampf um Machtmissbrauch endet. Wer hat hier eigentlich über wen die Macht? Und wer hat den größeren Einfluss?

Über fast den gesamten Text hinweg konnte mich Strubel mit ihrer Sprache und dem Erzählstil fesseln und mitnehmen in dieses ganz eigene Milieu der Kultur in der Hauptstadt. Nur zum Ende hin hatte ich das Gefühl, dass die Handlung mir zu sehr wegdriftet und mich dadurch immer ein kleines bisschen mehr verloren hat.

Trotzdem ist „Der Einfluss der Fasane“ definitiv ein Roman, der die Autorin auf meinen Plan gebracht hat und dafür sorgen wird, dass ich noch weitere, ältere von ihr lesen werde. Ich stehe auf jeden Fall unter dem Einfluss von Antje Ràvik Strubels Sprachtalent. ;)

4/5 Sterne
318 reviews
March 31, 2025
"Der Einfluss der Fasane" wurde von der Buchpreisträgerin Antje Rávik Strubel geschrieben.

Hella Karl steht im Morgenmantel am Briefkasten und liest in der Zeitung, dass der Star der Berliner Theaterszene sich das Leben genommen hat, kurz nachdem sie einen Enthüllungsartikel über ihn geschrieben hat. Nun wird sie verantwortlich für seinen Suizid gemacht, obwohl die Hintergründe seiner Tat noch gar nicht klar sind.

In diesem Chaos versucht Hella Karl die Nerven nicht zu verlieren, doch zunehmend verliert sie die Kontrolle über ihr eigenes Leben. Dabei im Mittelpunkt die Medien, die teils kopflos agieren und stark polarisieren, um schnellst möglich Nachrichten zu verfassen und an den Leser zu bringen. Die Medien die Hella selbst gut zu steuern weiß, richten sich plötzlich gegen sie und ein Kampf entflammt. Doch wird ihr immer mehr der Einfluss genommen und sie muss sich letztendlich ihrer Machtlosigkeit stellen, auch wenn sie immer noch versucht den Schein zu wahren. Doch schon bald passiert in ihrem Privatleben auch schnell sehr viel und ihr Berufschaos färbt auf ihr Privatleben ab. Auf dem Höhepunkt ihres Scheiterns hinterfragt sie sich selbst, ihre Entscheidungen und ihre Vergangenheit. Viele Entscheidungen die sie zu dem gemacht haben wer sie heute ist, doch auch eben zu dieser Person die nun gescheitert ist.

Schritt für Schritt enthüllt die Autorin das Verhältnis zwischen dem Toten und Hella. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie gut die beiden sich gekannt haben und was für eine Person der Tote tatsächlich war? Das Mitleid für ihn und für seine Witwe löst sich nach und nach immer weiter auf und es kommen allerhand prekäre Informationen ans Tageslicht. Auch der Suizid wirft immer mehr Fragen auf, als dass diese beantwortet werden.

Antje Rávik Strubel hat einen leichten und doch einnehmenden Schreibstil. Gekonnt eröffnet sie nach und nach Informationen, die nicht zu viel verraten und so die Aufmerksamkeit erhöhen. Immer wieder stehen auch die Medien im Fokus und wie man diese auch kritisch Hinterfragen muss.

„Der Einfluss der Fasane“ ist ein toller Roman mit einer modernen und kritischen Sicht auf die Medien. Mir hat dieser Roman sehr gefallen, daher gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.
32 reviews
April 11, 2025
Die vierte Gewalt

Hella Karl weiß, wer sie ist. Sie weiß, was und wen sie mag, sowohl in ihrer privaten Liebesbeziehung mit T., als auch in ihrem Job als Feuilletonchefin, mit dem sie fast eher verheiratet zu sein scheint. Ab der ersten Seite begegnet man Hella Karl als selbstbewusster Person mit klaren Überzeugungen.

Doch diese Person gerät zunehmend ins Wanken als der berühmte Theaterintendant Kai Hochwerth sich umbringt und sie in den Fokus der Presse gerät. Denn hat nicht Hella Karl einen Artikel über seine sexuellen Übergriffe geschrieben, der ihn gebrandmarkt hat? Ist sie nicht dadurch verantwortlich für seinen Suizid?

Zunehmend befindet sich die Person Hella Karl in Auflösung. Eine Auflösung, die - so ahnt man - bereits vor Hochwerths Suizid begonnen hat. In dem Moment, in dem Hella Karl entgegen ihrer Überzeugung voreilig über die Übergriffe des Theaterintendanten berichtet hat.

"Der Einfluss der Fasane" ist kein MeToo Roman - zumindest nicht primär. Es geht nicht um die Schuld oder Unschuld des Intendanten und auch die vermeintlichen Opfer finden wenig Beachtung. Zunächst enttäuscht darüber, hat mich diese Tatsache zunehmend zum Nachdenken angeregt.

Antje Rávik Strubel zeichnet das Bild einer Presse, die unter Druck gerät, die nicht mehr gründlich recherchiert und unaufgeregt berichtet, sondern sich zunehmend dazu hinreißen lässt aufmerksamkeitsheischende Artikel zu veröffentlichen. Klicks und Verkaufszahlen bestimmen über das Hin- oder Wegschauen - und damit über Schicksale wie das von Kai Hochwerth und nun auch Hella Karl.

In die Ecke gedrängt gilt Hella Karls ganze Aufmerksamkeit dem Beweis ihrer Unschuld an Hochwerths Tod, während um sie herum ihr geregeltes Leben zu zerfallen droht. Ein Prozess, den Antje Rávik Strubel unheimlich packend auf den 240 Seiten des Romans einfängt.

"Der Einfluss der Fasane" ist kein Roman, der geliebt werden will. Aber es ist ein Roman, der unglaublich präzise und schonungslos Missstände in der Presse aufzeigt und zum Nachdenken über die eigenen ethischen Prinzipien und kognitiven Dissonanzen anregt. Es ist ein Roman, der bei mir noch lange nachhallen wird.
146 reviews
June 12, 2025
Hella Karl ist Feuilletonchefin einer großen Berliner Zeitung. Um die Auflagenzahl zu steigern, verfasste sie einen reißerischen Artikel über den berühmten Theaterintendanten Kai Hochwerth, dem innerhalb des Kulturbetriebs ein frauenfeindlicher Umgang nachgesagt wird. Kurz darauf suizidiert sich Hochwerth und Hella Karl erntet einen Shitstorm, denn die Frage steht im Raum, ob sie Kai Hochwerth mit ihrem Artikel in den Tod getrieben hat. Während Hella darauf hofft, dass sich die Wogen glätten und sich die Aufmerksamkeit von ihr wegbewegt, wird sie von der Zeitung freigestellt und es steht plötzlich nicht mehr nur ihr beruflicher, sondern auch ihr privater Status zur Debatte. Also begibt sich Hella Karl tiefer in die Szene und versucht, Kai Hochwerth noch stärker nachzugehen.

Mich haben sowohl der Titel als auch der Klappentext angesprochen, denn für mich war von Anfang an naheliegend, dass Hella Karls Artikel auf Wahrheiten beruhen und sie Kai Hochwerth keineswegs in den Tod getrieben hat. Ich wollte natürlich erfahren, ob ich mit meinem Eindruck richtiglag oder ob mich Antje Rávik Strubel eines Besseren belehren wird.
Der Schreibstil und die Erzählweise aus Hellas Perspektive haben mir sehr gut gefallen. So erfahren die Leser*innen nicht nur, was vor und seit Veröffentlichung des Artikels geschehen ist, sondern auch, wie sie - und auch Kai Hochwerth, zu dem sie immer einen freundlichen Umgang pflegte - sich in die Branche hinein und dann die Karriereleiter hochgearbeitet hat. Auch zu ihrer Beziehung mit T. erfahren wir einiges.
Ich muss sagen, dass ich weder Hella noch Kai oder eine andere Figur sonderlich sympathisch fand. Dennoch hat mich Antje Rávik Strubel absolut in den Bann gezogen und ich war fasziniert von der Story und ihrer Entwicklung.

Ein Buch, das mich auf jeden Fall überrascht hat.
Profile Image for Karina.
234 reviews2 followers
April 13, 2025
Dies hier ist wieder so eine Rezension, die mir richtig schwerfällt.
'Der Einfluss der Fasane' von der Autorin Antje Rávik Strubel hat mir bis etwas über die Hälfte wirklich gut gefallen und dann ging es leicht bergab.
Die Erzählung grob angerissen:
Die taffe Feuilletonchefin Hella Karl gerät plötzlich ins Kreuzfeuer.
Ist sie nicht ziemlich wahrscheinlich für den Selbstmord des Theater-Intendanten Kai Hochwerth verantwortlich?
Sie hat schließlich den Artikel über ihn und seine Aufforderung zur Abtreibung an eine seiner Schauspielerinnen geschrieben.
Ruck zuck, wird nun plötzlich der Täter zum Opfer und Hella zum Sündenbock.
Die Figur von Hella Karl fand ich super dargestellt. Ein paar typisch patriarchale Verhaltensmuster wurden ihr zugeteilt und auch im ganzen Buch aufgezeigt, und das hat mir gut gefallen.
Das mit den Fasanen kann ich nicht erklären, hat sich mir nicht erschlossen.
Insgesamt macht der Roman auf eine lockere Art auf das Thema Machtmissbrauch und die Gefahr der Hetze in den sozialen Medien aufmerksam. Das ist schon recht interessant, muss ich sagen.
Wie schon am Anfang erwähnt kam ich super in die Erzählung rein und es hat mich total gepackt, dann flaute es ab und nur noch Hellas Gedanken konnten mich nicht mehr wirklich fesseln.
Ich bin zwar nicht zu hundert Prozent überzeugt, aber fand es auch nicht schlecht 😅.
Da ich so hin- und hergerissen bin, empfehle ich, dass Ihr Euch am besten ein eigenes Bild von dem Buch macht.
Sorry, für die schwammige Aussage 🙈.
144 reviews
April 2, 2025
Machtspielchen

Der Großteil des Covers wird von einem blassblauen Fasan eingenommen. Fasane gelten allgemein als stolze, erhabene Tiere, die über ihren Handeln stehen. Was hat das mit dem Roman zu tun?
Im Roman lerne ich die Journalistin Hella Karl kennen. Nachdem sie dem Ruf eines Theaterstar ruiniert hat, beginnt dieser in Sidney, hinter der Oper, Suizid. Prompt wird Hella mit Vorwürfen konfrontiert. Doch wie weit geht ihre Schuld? Und wie geht Hella damit um?
Ich bin von dem Buch in den Bann gezogen. Nicht etwa, weil es sprachlich brilliant wäre oder tiefe Bindungen aufbauen würde. Sondern viel mehr, weil der Roman der größtenteils jüngeren Gesellschaft mit ihren makellosen Instagram und Facebook Auftritten einen Spiegel hinhält. Der Ruf kann nicht durch einen einzigen Artikel ruiniert werden- vielmehr ist es die Reaktion der Menschen, größtenteils online, die das Image in Verruf bringt. Ich kann gut nachvollziehen, wie Hellas Artikel eine Hetzkampagne auslöst und sie sich auch darin berufen fühlt, solche Artikel zu schreiben. Immerhin lebt sie von Klicks, Kommentaren und Popularität. Das ist ihr täglich Brot und sie steht dahinter- genau wie der erhabene Fasan.
Was dem Buch allerdings fehlt sind Bindungen zwischen den Menschen und eine emotionale Sprache. Bei einem Thema wie Suizid sind Gefühle wichtig- Hella als Journalistin gibt sich distanziert. Ich finde das schade und hätte mir mehr Emotionen gewünscht. Daher gebe ich den Buch vier Sterne.
Profile Image for Buchdoktor.
2,367 reviews190 followers
March 11, 2025
Hella Karl, Feuilleton-Leiterin für ein Printmedium, liest an ihrem freien Tag ausnahmsweise am frühen Morgen das Blatt, für das sie arbeitet, und wundert sich. Wenn ein Theaterintendant sich auf einer privaten Reise das Leben nimmt, hätte sie doch längst aus der Redaktion angerufen werden müssen und den fälligen Nachruf liefern. Kai Hochwerth ist nicht irgendein Intendant, sondern das Aushängeschild der Berliner Theater-Szene – den Hella kürzlich mit einer griffigen Schlagzeile bloßgestellt und damit zur Kündigung genötigt hatte. Hochwerths Tod wirft viele Fragen auf. Als soziale Aufsteigerin zählte Hella sich nicht zur Gruppe der MeToo-Aktivistinnen, sondern fühlte sich eher von Positionen angezogen, aus denen männliche Herrscher der Kulturszene ihre Macht durch sexuelle Übergriffe missbrauchten. Hella, die offiziell Überstunden abbummelt, kann nur inoffiziell recherchieren. Sie wird getrieben von der Frage, ob ihr Artikel Hochwerth tatsächlich in den Selbstmord getrieben hat oder ob es weitere Motive gegeben haben könnte.

Doch noch ehe sie realisiert, dass sie beruflich gemeinsam mit ihm untergehen wird, entbrennt ein Shi*tstorm gegen sie in den Sozialen Medien, der sich zügig bis auf die Eingangsstufen ihrer ansehnlichen Villa in Potsdams Seelage erstreckt. Während Hella im Privatleben realisieren muss, dass sie mit ihrem Partner „T.“ nur noch gepflegt aneinander vorbei lebt, konfrontiert ihre heimliche Recherche sie mit der Symbiose von Feuilleton und Kulturszene. Sie muss sich fragen, warum sie sich mit ihrem Enthüllungsartikel ausgerechnet an Hochwerth und ausgerechnet am Fall einer schwangeren Schauspielerin abarbeitete. Hat sie bisher verdrängt, dass Kulturbereich wie Feuilleton-Journalismus in wirtschaftlichen Krisen auf der Liste von Sparmaßnahmen zuoberst stehen? Warum hatte gerade sie, die aus einfachen Verhältnissen stammt, sich das Kulturresort aufgehalst, fragten sich ihre Kollegen schon immer.

Im Rahmen aktueller Nachrichten aus dem Haifischbecken Kulturszene nimmt Antje Rávik Strubel eine Vielzahl aktueller Themen auf, deren Verknüpfung ihre Leser:innen teils selbst leisten müssen. Die Skala reicht von Machtmissbrauch und Diskriminierung, über Klassismus und Geldadel, Niedergang der Debattenkultur, Verschleierung durch Sprache bis zur Abwesenheit weiblicher Netzwerke.

Fazit
Aus Rückblenden in Hellas Kindheit, vorwurfsvollen Auftritten des Verstorbenen in Hellas Visionen und ihrer inneren Souffleurin, die die erotische Geschichte ihrer Beziehung zu T. formuliert, ein kluges Buch und der Roman der Stunde.
2,273 reviews13 followers
March 12, 2025
Zum Inhalt:
Hella Karl ist die leitende Journalistin für das Feuilleton einer Berliner Zeitung und hat sich nie verbogen. Als sie jetzt die Nachricht liest, dass sich ein ehemalig bekannter Regisseur das Leben genommen hat, ist sie schockiert, denn sie hat seinerzeit einen Skandal um ihn aufgedeckt. Jetzt sieht sie eine Hetzjagd auf sich zukommen, selbst die eigene Zeit wendet sich gegen sie.
Meine Meinung:
Im Grunde erlebt man im diesen Buch, wie schnell man vom vermeintlichen Täter zum Opfer wird und ein Kabinettstück wie die Medien in der Lage sind auch Meinungen zu bilden oder zu beeinflussen. Man fragt sich schon, wie es sein kann, dass jemand, der eigentlich einen Skandal aufdeckt, plötzlich als der Schuldige dasteht. Plötzlich sind alle gegen Hella und man fragt sich mehr als einmal, ob Hella wirklich im Recht war oder auch nicht. Am Ende bleibt die Frage, ob Hella verantwortlich ist. Das Buch hat mir gut gefallen.
Fazit:
Wer ist hier das Opfer?
Profile Image for Christina.
57 reviews1 follower
April 7, 2025
Feuilletonchefin Hella Karl sieht sich eines Morgens mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Hatte ihr kurzer Artikel über das Privatleben eines renommierten Berliner Kulturschaffenden die Macht, nicht nur sprachlich zu töten und den Mann in den Suizid zu treiben? Ihr Ansehen als Journalistin mit moralischen Standards bröckelt parallel zu ihrer privaten Beziehung... Das Buch ist sprachlich präzise und lockt mit Bildern und Fragestellungen eines höhergestellten, wohlhabenden Berlins aus der Kulturszene. Die Protagonistin wirkt emotional kühl, auch wenn sie uns ihre Gefühlswelt bis ins kleinste Detail offenbart. Zum Teil, wenn man geradezu zu intim mit ins Bett der Hella Karl und ihres Partners steigen muss, war es mir persönlich zuviel der technisch-kalten Offenherzigkeit und ich hätte mir gewünscht, auf erotische Details verzichten zu dürfen. Dennoch ein Buch, das einen gewissen Sog entfaltet und zu überzeugen weiß!
1 review
September 16, 2025
Der Klappentext klang spannend, aber das Leseerlebnis war alles in allem durchwachsen. Mit der Hauptfigur und Erzählerin, Hella Karl, bin ich nie richtig warm geworden; ich habe weder Sympathie noch Empathie für sie empfunden. Vieles in der Geschichte wirkte behauptet, etwas, dass Hella aus einem schwierigen sozialen Hintergrund kommt, ein Feuilleton leitet oder dass es diesen Shitstorm gegen sie gibt - das blieb alles im Ungefähren. Das doch unglaublich relevante Thema Suizid wird ohne viel Tiefgang behandelt. Auch das Motiv der Fasane hat sich mir nicht ganz erschlossen.

Sehr gut fängt die Geschichte ein, dass Menschen sich oft ambivalent verhalten und dass es oft viele verschiedene Beweggründe sind, die ihr Handeln motivieren. Das Verhalten der Figuren wurde nicht immer eindeutig mit Ursache X oder Y motiviert - das fand ich spannend. Und es fehlt dem Buch auch nicht an Humor und Selbstironie.
Profile Image for Rike.
41 reviews4 followers
April 25, 2025
frau schreibt über berühmten theater intendant, der sich (wie die presse behauptet) deswegen umbringt. (er hatte schauspielerin gesagt sie soll abtreiben sonst bekommt sie die rolle nicht)
frau wird aus redaktion geworfen, mann trennt sich und sie versucht mit kollegin geschichte umzuwerfen: intendant wurde betrogen und hat sich deswegen umgebrahct.
offenens ende.
komisch. keine emotionen, keine gefühle, irgebdwie kalt alles.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Lew Stanisława.
151 reviews
Read
July 21, 2025
This was recommended to me as an easy read for my intermediate German. Oh boy did I not expect 1. the absolutely wacky burgeois perspectives, 2. the horrendous boredom of NOTHING happening in this book, 3. most importantly, schnitzels reappearing more than absolutely needed (which would be zero). And oh, 4. old white German men complaining.
Profile Image for Andrea Wilms.
89 reviews
June 5, 2025
Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Nach 30 Seiten nur noch quergelesen, nach 100 weggelegt. Ohne jeden Inhalt, nichts geht voran, die Sätze und Gedanken sollen offenbar wertvoll klingen. Unfassbar schlechtes Buch. Nur 0 Sterne müsste es auch geben - wo soll hier der 1 Stern herkommen?
Displaying 1 - 30 of 33 reviews

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