Ruf der Leere: Roman | Vom Autor des Erfolgsromans »Hundswut« | Düsteres Setting in bayrischer Hütte | Über menschliche Abgründe und die Grenzen von Moral ... Maria Schenkels »Tannöd«
Seit Wochen fiebert Felix dem Wochenende mit Ben und Laura in der Waldhütte entgegen und ist nicht begeistert, dass seine Freunde ungebeten weitere Gäste mitbringen. Die Stimmung ist spürbar angespannt. Als ein alter Mann vor der Tür steht und die Gruppe auffordert, bis zum Abend eine Person auszuwählen, die es verdient, weiterzuleben, während alle anderen sterben, gerät die Gruppendynamik aus den Fugen und offenbart, wer sich am Ende selbst der Nächste ist.
Während sich die Situation im Wald immer weiter zuspitzt, beginnt Felix‘ Vater sich um seinen Sohn zu sorgen. Sie haben kein besonders inniges Verhältnis zueinander, doch Felix‘ plötzliches Verschwinden bewegt ihn dazu, sich mit dessen Leben auseinanderzusetzen. Dabei eröffnet sich ihm ein Bild, das ihn zutiefst beunruhigt.
Schonungslos schreibt »Hundswut«-Autor Daniel Alvarenga über menschliche Abgründe und die Grenzen der Moral
Wollte dieses Buch lieben, weil ich "Hundswut" geliebt habe, aber irgendwie war das so gar nichts. Die Erzählebenen sind wirr, das eigentliche moralische Dilemma bleibt unklar (fast schon ein MacGuffin, der eigentlich nur dazu dient, etwas vermeintlich verkaufsförderndes für den Klappentext zu haben) und die Dialoge wirken hölzern.
Was als entspanntes Hüttenwochenende unter Felix Freunden beginnt, eskaliert durch ungebetene Gäste und einen mysteriösen Besucher: Ein alter Mann stellt der Gruppe ein tödliches Ultimatum – sie müssen eine Person wählen, die überleben darf, während alle anderen sterben sollen. In der Isolation bricht die soziale Fassade zusammen und weicht nacktem Egoismus. Parallel dazu sucht Felix’ besorgter Vater nach seinem verschwundenen Sohn.
In „Ruf der Leere“ entwirft der Autor ein beklemmendes Szenario, das die Abgründe der menschlichen Natur unter extremem Druck ausleuchtet. Was nach Lesen der Inhaltsangabe zunächst nach einer tiefgründigen und fesselnden Lektüre klingt, entpuppt sich am Ende eher als ein unausgegorener Spannungsroman mit psychologischen Elementen.
Mein Gesamteindruck des Romans ist zwiegespalten. Der Autor schafft es zwar, eine durchaus stimmungsvolle und atmosphärische Kulisse aufzubauen, verliert sich jedoch streckenweise in einer gewissen Langatmigkeit.
Ein Hauptproblem liegt im Zugang zu den Protagonisten. Die Figuren wirken durch ihre Vielzahl an Konflikten und dunklen Geheimnissen oft überlastet und in ihrer Darstellung leider auch etwas stereotyp. Dadurch fällt es schwer, echtes Mitgefühl oder eine tiefere Verbindung zu ihnen aufzubauen. Eine stärkere Fokussierung auf Felix und Laura hätte dem Spannungsbogen vermutlich gutgetan und die beklemmende Atmosphäre verdichtet.
Während der Einstieg packend ist, fällt die Spannungskurve im Mittelteil deutlich ab. Es wird viel erzählt, ohne dass die Handlung einen wirklichen Zugewinn erfährt. Die verschiedenen Erzählperspektiven sorgen zwar für ein schnelles Lesetempo und halten das grundsätzliche Interesse aufrecht, führen jedoch auch zu störenden Handlungsbrüchen.
Einige Elemente wirken leider darüber hinaus zu gewollt. Sowohl die Rolle des alten Mannes als personifizierter „Tod“ als auch die Motivationen des Vaters erscheinen etwas zu konstruiert, um die Handlung künstlich voranzutreiben.
„Ruf der Leere“ von Daniel Alvarenga ist ein kurzweilig geschriebener Roman mit durchaus überraschenden Momenten. Wer psychologische Spannungsromane mag, wird hier solide unterhalten. Basierend auf der Prämisse des Romanes hatte ich mir jedoch deutlich mehr Tiefe und einen konsequenteren Spannungsaufbau erhofft. Ein lesenswerter Ansatz, der sein volles Potenzial leider nicht ganz ausschöpft.
Nicht ganz überzeugender Roman Das Cover verrät aufgrund der Farbgebung – kein blutrot auf finsterem oder sogar schwarzem Grund – nicht direkt auffällig, dass es sich um einen Thriller handelt. Der Prolog springt sofort in die seltsame Szenerie: eine dramatisch verlaufende Party mit sieben problematischen Personen an einem Wochenende in einer Waldhütte ohne Handyempfang. Die Beziehung der drei Hauptfiguren zueinander - Felix, Ben und Laura – wird in unregelmäßig eingeschobenen Rückblicken beleuchtet. Der Text des Prologs mit Felix Riedhof um 20:34 Uhr wiederholt sich auf S. 180 unten. Inhaltlich geht es um DIE GOLDENE REGEL, diskutiert im Rahmen eines universitären Seminars zu Medizinethik. Die Grenzen zu dieser ältesten ethischen Grundregel des respektvollen Miteinanders werden von Felix eindeutig überschritten, lassen ihn zu einem Psychopathen mutieren. Sein Experiment während des Sommersemesters rund um Laura entgleitet ihm, schadet nicht nur ihr. Seine Überzeugung, dass Moral nur ein Privileg derer ist, die sonst keine Sorgen haben, wird betont durch das mysteriöse Auftreten des abgewrackten, alten Mannes, stellvertretend für den Tod. Dessen wenig glaubhafte Botschaft, dass nach Mitternacht nur einer überleben wird und diesen sieben jungen Leuten die Selektion überlassen ist, sorgt zwar für nicht so recht greifbare Spannung, verwirrt zum offenen Ende hin eher. Das Geschehen rund um den Vater, Prof. Thomas Riedhof, passt sich nicht harmonisch in das Hauptgeschehen ein, wirkt zu konstruiert. Auf das Gefühl des L‘appel du vide, der Leere der Seele wird auf S. 158 hingewiesen. Dieses tiefe Gefühl der Unerfülltheit, Einsamkeit, Sinnlosigkeit und Entfremdung, oft z.B. ausgelöst durch Verlust oder Überforderung oder dem Gefühl, nicht verbunden zu sein, trifft auf diese Protagonisten in verschiedener Weise zu. Ihr Weg zur Selbstfindung, wieder Sinn und Verbindung zu finden, endet abrupt. Die emotionale Distanz, das Gefühl der Abgeschnittenheit von sich selbst und anderen trifft besonders auf Felix zu. Seine mangelnden emotionalen Regungen verdrängt er durch leere sexuelle Beziehungen, diese verstärken hier eher sein Problem. Die eingewobenen Rückblicke und der Hauptstrang der Hüttenparty ergänzen sich nicht harmonisch, wodurch der chronologische Vorgang leider nur erschwert zu packen ist. 2,5*
„Ruf der Leere“ von Daniel Alvarenga ist ein Buch, das mich insgesamt sehr überzeugt hat und noch eine ganze Weile nach dem Lesen beschäftigt hat. Schon das Cover hat direkt einen positiven ersten Eindruck hinterlassen. Es ist ästhetisch gestaltet, wirkt ruhig und nicht zu aufdringlich und passt sehr gut zur Atmosphäre der Geschichte. Für mich lädt es zum Lesen ein, ohne zu viel vorwegzunehmen oder sensationsheischend zu wirken.
Besonders hervorzuheben sind die Charaktere. Sie wurden meiner Meinung nach sehr gut ausgearbeitet, sodass man schnell ein Gefühl dafür bekommt, wie die einzelnen Personen denken, handeln und emotional funktionieren. Die Figuren wirken glaubwürdig und facettenreich, was es leicht macht, sich in sie hineinzuversetzen oder zumindest ihre Entscheidungen nachzuvollziehen. Jede Person bringt ihre eigene Dynamik in die Geschichte ein, wodurch das Zusammenspiel sehr stimmig wirkt.
Auch die Story hat mich überzeugt. Ich habe das Buch sehr schnell gelesen, da die Handlung spannend aufgebaut ist und mich kontinuierlich zum Weiterlesen motiviert hat. Neben der eigentlichen Geschichte haben mir vor allem die philosophischen und psychologischen Aspekte gefallen. Diese verleihen dem Buch eine zusätzliche Tiefe und regen zum Nachdenken an. Es geht nicht nur um das, was passiert, sondern auch um innere Konflikte, Leere, Sinnfragen und psychologische Abgründe, die nachhaltig wirken und nicht sofort wieder vergessen sind.
Einen Stern habe ich abgezogen, da mir das Ende zu abrupt erschien. Für meinen Geschmack blieben zu viele Fragen offen und einige Handlungsstränge hätten mehr Raum zur Auflösung bekommen. Das Ende fühlte sich dadurch leicht unvollständig an, auch wenn es möglicherweise bewusst so gewählt wurde.
Insgesamt ist „Ruf der Leere“ ein spannendes und tiefgründiges Buch mit starken Charakteren und interessanten Denkanstößen. Trotz kleiner Kritikpunkte vergebe ich 4 von 5 Sternen und kann das Buch definitiv weiterempfehlen, besonders für Leserinnen und Leser, die psychologische und philosophische Themen schätzen.
„Ruf der Leere“ beginnt als scheinbar harmloses Wochenende unter Freunden in einer einsamen Hütte und entwickelt sich schnell zu einem psychologischen Kammerspiel mit düsterem Einschlag. Felix freut sich seit Wochen auf die Auszeit in einer abgelegenen Waldhütte mit Ben und Laura, weshalb er skeptisch ist, als weitere Gäste unangekündigt dazustoßen, u.a. Lauras Freund. Schon zu Beginn liegt eine spürbare Spannung über der Gruppe, die sich schlagartig entlädt, als ein alter Mann vor der Tür erscheint und sich als der Tod vorstellt.
Diese Gegenwart wird immer wieder durch Rückblicke auf Felix’ und Lauras gemeinsame Studienzeit unterbrochen. Diese Passagen hatten aus meiner Sicht eine unerwartete, düstere Coming-of-Age-Komponente und sorgen dafür, dass die Figuren und die Konflikte untereinander deutlich werden. Parallel zur Handlung in der Hütte gibt es auch noch Felix‘ Vater zu Hause, der beginnt, sich um seinen Sohn zu sorgen, wobei es sich nur um relativ kurze Einschübe handelt.
Der Roman ist insgesamt flüssig geschrieben, kurzweilig und gut zu lesen. Nicht alle Zusammenhänge wirkten auf mich bis ins Detail durchdacht, etwa manche Motivationen der Figuren, die sich nicht immer ganz erschließen, was sich jedoch am Ende durchaus erklärt. Dennoch trägt das zentrale Gedankenexperiment den Roman: Die Frage, was in der Hütte eigentlich los ist und wer in Gefahr ist, entfaltet durchaus eine Sogwirkung, die bis zum Ende anhält. Eine Empfehlung für alle, die gern düstere Stoffe mit gedanklichem Nachhall lesen.
Ruf der Leere von Daniel Alvarenga entführt den Leser in eine abgelegene Waldhütte, wo das scheinbar harmlose Wochenende einer Freundesgruppe zur tödlichen Herausforderung wird. Als ein mysteriöser Fremder die Gruppe zwingt, bis zum Abend eine einzige Person auszuwählen, die weiterleben darf, während alle anderen sterben sollen, entbrennt ein psychologisches Spiel um Überleben, Egoismus und Schuld. Die Dynamik, wie sich aus vermeintlich vertrauten Beziehungen brutale Entscheidungen entwickeln, ist intensiv und packend geschildert. Besonders überzeugend ist die Art, wie Alvarenga die inneren Konflikte seiner Figuren offenlegt und den Leser mit konfrontiert, wie dünn der Deckmantel von Moral oft ist. Der Roman lebt von dieser dichten, düsteren Atmosphäre und der stetigen Bedrohung, die nicht nur von außen kommt, sondern vor allem aus dem Inneren der Figuren selbst. Die Andeutungen, dass moralische Grenzen fließend sind und Menschen in Extremsituationen erschreckend egoistisch werden können, sind eindringlich und nachdenklich stimmend.
Allerdings schwankt das Pacing gelegentlich, und nicht alle Wendungen überraschen wirklich. Der Stil ist stellenweise etwas altbacken, und einige Figuren bleiben recht oberflächlich, was die emotionale Bindung erschwert. Auch wenn der philosophische Kern stark ist, bleibt der Plot in seinem Aufbau hinter dem Potenzial zurück. Trotz dieser Kritikpunkte bietet Ruf der Leere ein intensives Leseerlebnis mit Tiefgang für Fans psychologischer Thriller.
„Ruf der Leere“ hat meinen moralischen Kompass spürbar ins Wanken gebracht.
Im Kern geht es um zwischenmenschliche Beziehungen in all ihren Schattierungen: Loyalität, Begehren, Eifersucht, Schuld. Alvarenga nimmt diese Dynamiken und treibt sie konsequent auf die Spitze.
Die Ausgangssituation klingt zunächst fast harmlos: Der beste Freund kehrt aus dem Auslandssemester zurück, gefeiert wird mit einer Party in einer abgelegenen Waldhütte. Doch schnell kippt die Stimmung. Die große Liebe erscheint mit neuem Partner, der Freund bringt einen völlig Fremden aus Australien mit und dann betritt ein alter Mann die Bühne, der sich als der Tod vorstellt.
Was folgt, ist keine symbolische Spielerei, sondern absolut brutal: Nur eine Person darf überleben. Alle anderen müssen sterben. Wen wählen sie? Und nach welchen Maßstäben?
Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven der Partygäste erzählt und bewegt sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Gerade diese Struktur macht den Roman so wirkungsvoll. Die Figuren verstricken sich immer tiefer, alte Entscheidungen werfen lange Schatten, und jede neue Enthüllung verschiebt die moralische Gewichtung erneut. Nichts ist eindeutig. Niemand ist komplett unschuldig. Und genau das macht dieses Buch so spannend.
Das Ende hat mich dann endgültig überzeugt. Absolut überraschend und stark!
Fazit: Ein Roman, der herausfordert. Wer klare Antworten sucht, ist hier falsch. Wer bereit ist, die eigenen moralischen Maßstäbe infrage zu stellen, sollte dieses Buch lesen.
Ruf der Leere hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen. Die Geschichte entwickelt eine starke Sogwirkung und liest sich wie ein echter Pageturner – eines dieser Bücher, bei denen man immer nur noch „ein Kapitel“ lesen will und plötzlich ist es mitten in der Nacht. Der Schreibstil ist sehr angenehm, flüssig und klar, wodurch man mühelos durch die Seiten gleitet, selbst wenn die Themen schwerer werden.
Besonders spannend fand ich, dass es keine einzige wirklich sympathische Figur gibt. Normalerweise ist das etwas, das mich stören könnte, hier hat es aber erstaunlich gut funktioniert. Die Charaktere sind roh, ambivalent und oft moralisch fragwürdig – genau das verleiht der Geschichte eine unangenehme, aber faszinierende Ehrlichkeit.
Inhaltlich greift das Buch sehr interessante und düstere Themen auf, die zum Nachdenken anregen und sich nicht einfach abhaken lassen. Immer wieder gab es Plottwists, mit denen ich absolut nicht gerechnet habe, wodurch die Spannung konstant hoch blieb. Das Ende war schließlich komplett mindblowing – ich war ehrlich baff und musste das Buch erst einmal sacken lassen.
Warum „nur“ vier Sterne? Weil die Geschichte mich zwar vollkommen mitgerissen hat, ich mir an manchen Stellen noch etwas mehr Raum für Tiefe oder Nachwirkung gewünscht hätte. Trotzdem ist Ruf der Leere ein intensiver, clever konstruierter Thriller, der überrascht, verstört und lange im Kopf bleibt.
Eine eindringliche, atmosphärische Reise ins Ungewisse
„Ruf der Leere“ von Daniel Alvarenga entfaltet eine Sogwirkung, die man anfangs kaum erwartet. Der Roman verbindet psychologische Spannung mit einer fast poetischen Erkundung innerer Abgründe. Besonders stark wirkt die Art, wie Alvarenga seine Figuren an den Rand des Fassbaren führt, ohne je ins Plakative abzurutschen.
Der Autor arbeitet mit einer dichten, manchmal beklemmenden Stimmung, die sich wie ein feiner Nebel über die Handlung legt. Die Sprache ist präzise, oft bildhaft, und erzeugt ein Gefühl von ständiger Unruhe. Man spürt, dass hier jemand schreibt, der genau weiß, wie man Spannung nicht nur aufbaut, sondern hält.
Die Protagonistinnen und Protagonisten wirken glaubwürdig, verletzlich und komplex. Ihre inneren Konflikte stehen im Zentrum, und gerade diese psychologische Tiefe macht das Buch so fesselnd. Themen wie Identität, Verlust und die Sehnsucht nach Bedeutung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.
Einziges kleines Minus: Manchmal verliert sich der Roman etwas in seiner eigenen Symbolik. Einzelne Passagen wirken dadurch leicht überladen oder verlangsamend. Das schmälert den Gesamteindruck aber nur minimal.
Fazit: „Ruf der Leere“ ist ein kraftvoller, nachdenklicher Roman, der lange im Kopf bleibt. Wer psychologisch dichte Literatur mit einem Hauch Mystery schätzt, wird hier definitiv fündig.
Ich habe dieses Buch in einem Rutsch gelesen und mir dafür unvernünftigerweise eine kleine Nachtschicht eingelegt. Es hat mich schnell gepackt und nicht mehr losgelassen. Mein Tipp: Lest besser nicht den Klappentext. Er macht zwar neugierig, verrät aber meiner Meinung nach schon zu viel.
Der Roman stellt viele ethische Fragen, mit denen man sich während des Lesens immer wieder auseinandersetzen muss. Genau das mag ich sehr, weil die Geschichte dadurch lange nachhallt.
Erzählt wird auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart treffen sich Freunde in einer abgelegenen Hütte, feiern eine Party, bis eine weitere Person auftaucht… Dazwischen stehen Kapitel aus der Vergangenheit, die aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt sind. Nach und nach setzt sich das Bild zusammen. Man erfährt die Geschichten der einzelnen Figuren, versteht die Dynamiken innerhalb der Freundesgruppe und erkennt, warum die Ereignisse in der Hütte ihren Lauf nehmen. Dieser Aufbau hat mir sehr gefallen, weil er einen unglaublichen Sog erzeugt und Zusammenhänge langsam freilegt.
Ab einem bestimmten Punkt wird die Handlung sehr abgefahren, und ich war mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Der große Plot Twist hat mich eher zwiegespalten zurückgelassen. Das Ende hingegen fand ich wieder richtig gelungen und stimmig, es hat für mich vieles aufgefangen. 3,5/5 Sterne
"Ruf der Leere" von Daniel Alvarenga ist anders, als sein Vorgänger "Hundswut", aber nicht aufgrund von abnehmender Tiefe. Vielmehr handelt es sich um eine Geschichte, die in der Gegenwart spielt und somit bei verschiedenen Perspektiven auch (eine) andere Sprache, Blickwinkel und Herangehensweise mitbringt. Was sich nicht verändert hat ist das Spiel mit Themen, mit welchen sich viele Menschen lieber nicht beschäftigen wollen: welchen Einfluss hat die Moral auf unser Verhalten und welchen Einfluss die Gesellschaft auf die Moral?, wie gehen wir mit psychischen Störungen um? Darüber hinaus platzt der Roman beinahe vor Anspielungen auf andere Werke aus Literatur- und Musik, gerade Leser:innen, die gerne zwischen die Zeilen blicken, werden sich freuen. Ansonsten kann ich aus fachlicher Sicht keine Fehler erkennen, was Psychologie und Medizin angeht und mehr traue ich mich nicht zu sagen, ohne zu spoilen. Bis zu Seite 320 war ich mir unsicher ob vier oder fünf Sterne. Da mich einige Figuren noch eine Weile begleiten werden, ist es aber jetzt klar.
Mit Ruf der Leere legt Daniel Alvarenga einen beklemmenden Thriller vor, der konsequent auf psychologischen Druck statt auf klassische Schockeffekte setzt. Das geplante Hüttenwochenende von Felix, Ben und Laura gerät früh aus dem Gleichgewicht, als unerwartete Gäste und unterschwellige Konflikte die Stimmung kippen lassen. Spätestens mit dem Auftauchen des alten Mannes, der eine tödliche Entscheidung von der Gruppe verlangt, brechen moralische Fassaden zusammen. Besonders eindringlich ist die Parallelhandlung um Felix’ Vater, der sich aus Sorge um seinen verschwundenen Sohn mit dessen Leben auseinandersetzen muss und dabei verstörende Erkenntnisse gewinnt. Daniel Alvarenga schreibt nüchtern und schonungslos über Egoismus, Angst und moralische Grenzsituationen. Das offene Ende verweigert eine klare Auflösung und verstärkt die beklemmende Wirkung der Geschichte, da viele Fragen bewusst unbeantwortet bleiben. Nicht jede Entwicklung überrascht, doch Atmosphäre und Thema tragen den Roman überzeugend.
Es liest sich wie eine Netflix Teenager-Serie, in der eine völlig irre Wendung die nächste jagt und man bleibt dran, weil man erfahren möchte, ob irgendwann mal Sinn hineinkommt.
Die Charaktere sind von vorne bis hinten stereotypisch gezeichnet und nicht eine einzelne Handlung ist wirklich nachvollziehbar. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, dass diese Figuren gar nicht real sein können - oder dass der Autor das nicht ernst meinen kann.
Aber gut, am Ende ergibt zumindest das dann tatsächlich plötzlich doch noch Sinn. Die zwei Punkte gibt es dafür, dass man nicht abbrechen will, weil man erfahren möchte, wo das ganze bitte hinführen soll.
Ich bin enttäuscht - "Hundswut" war eines meiner Highlights des letzten Jahres. "Ruf der Leere" hinterlässt bei mir das Gefühl, dass der Autor mit mir als Leserin ein Experiment gewagt hat: Wann gibt sie entnervt auf?
I find it really hard to write something about it because everything seems like a spoiler for the book. The start was weak and I wasn’t sure if I want to finish the book. The middle part was good. The different perspectives were too much and were also irritating. But I really need to know the ending. But the ending… it destroyed the book for me.