"Trostlos ist der ultimative Superlativ von traurig, denn wohin mit sich, wenn man ohne Trost ist?"
"Jetzt sollte, jetzt konnte es richtig losgehen (als wäre nicht davor schon genug für mehrere Pubertäten los gewesen)."
"Man braucht nur eine Insel
Allein im weiten Meer.
Man braucht nur einen Menschen,
Den aber braucht man sehr.
Mascha, ausnahmsweise muss ich dir widersprechen.
Man braucht mehr als einen Menschen. In so ein ganzes Leben passt ja doch einiges an Last, verteilt trägt die sich besser. Denn, sage mir, wie bloß soll ein Mensch allein den Kummer, die Trauer, die Angst, die Wut, die Sehnsucht und die Unsicherheit auffangen, die man so mit sich schleppt?"
"Man muss sich das mal vor Augen führen. Wir alle wandeln auf dieser Welt herum, unwissend, weshalb irgendwas existiert, wie lange es existieren wird und ob dieses Irgendwas, das unser Alles ist, reiner Willkür oder einem Plan entspringt. Und inmitten dieser unsicheren Ahnungslosigkeit treffen wir auf Menschen, denen wir das Beste wünschen. Mit deren Sorgen wir Verstecken spielen und deren Freuden wir teilen wollen. Da soll nochmal einer an der Existenz von Wundern zweifeln."
"Ein wenig Schuld trifft aber auch die Literatur, denn ich hatte, kurz bevor Jannis in mein Leben trat, das Buch „Wahnsinn, der das Herz zerfrißt“ gelesen. In diesem Roman fand ich folgendes Zitat Byrons, in dem ich mich wiederzufinden meinte. Wie das eben so ist mit Anfang 20: «Der wesentliche Sinn des Lebens ist Gefühl. Zu fühlen, daß wir sind, und sei es durch den Schmerz.» So ein Unsinn. Dem ersten Satz stimme ich immer noch zu, für den zweiten empfehle ich eine Therapie."
"Je mehr Jahre, desto mehr Struktur, um sich zu erinnern, ja nötig."
"[…] und eine Freundin, die keine mehr ist und der ich noch so viel sagen möchte, mit der ich noch so viel lachen möchte. Die vermisse ich. Zehn Jahre vermisse ich die schon. Sie wollte mich nicht mehr. Ich war ihr zu viel. Meine Tränen, aber auch mein Lachen, meine Bedürftigkeit, ebenso wie meine Verlässlichkeit, mein Immer-Präsent-Sein und das Gleiche von ihr zu fordern, das alles war ihr zu viel. […] Jetzt muss ich weinen. Nach der ganzen Zeit noch, Liebeskummer in Freundschaften wird unterschätzt. Der romantische vergeht eines Tages. Immer. Die Wunde über die fehlende Mutter, den fehlenden Vater, die Freundin, die keine mehr ist, diese Wunde bleibt."
"Die große Stadt und die Liebe passen deshalb so gut zusammen, weil beide viel versprechen und meist wenig halten. Trotzdem probieren alle es immer wieder. Für so viele gibt es einfach nur die große Stadt als Option, an einem Ort zu leben, der ihnen erlaubt, sie selbst zu sein. Na ja, gab, weil jetzt kann sich's niemand mehr leisten, da zu wohnen."
"Einen jener Sätze, die bleiben. Für deren Erinnerung es Radiergummis geben müsste oder Löschpapier, Tipp-Ex, Hauptsache, weg mit denen. Wir alle haben solche Sätze zu hören bekommen, die wir nie vergessen werden. Als wäre ihnen Unterschlupf in einem kaum genutzten Hirnareal gewährt worden, und an besonders schlechten Tagen, da machen sie auf sich aufmerksam. Genau dann, wenn wir sie am allerwenigsten gebrauchen können."
"Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
- Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben."
"Ich möchte stets vorbereitet sein, darauf, dass jederzeit alles passieren kann. Weil Sicherheit ist nur eine Illusion, das hat das Leben mir beigebracht."
"Was rede ich eigentlich von Unterstützung? Väter sollen nicht unterstützen, sie sollen Sorge tragen. Sind sie doch ebenso zuständig, tragen sie doch ebenso Verantwortung für ein Wesen, das noch vollständig von ihnen abhängig ist."
"Mit 14 meint man zwar bereits alles zu wissen, alles bereits verstanden zu haben, doch in echt, da weiß man noch fast gar nichts."
"Ein jedes Leben besteht aus Warten. Sehr viel Warten.
Worauf ich schon so gewartet habe: auf Anrufe, auf Briefe, auf Nachrichten, auf zwei blaue Haken, auf die erste Liebe, den ersten Sex, Ruhm, Busse, Bahnen, Kellner*innen, ein Zuhause und auf den ersten Schuss Heroin."
"Unglaublich, wie viel Gegenwart man aushalten muss, bis sie Erinnerung wird.“
"Dieses ununterbrochene Fühlen, es geht mir oft maßlos auf die Nerven. Wenn ich Musik höre, tanze ich entweder durchs Zimmer, singe mit und bin von einer Fröhlichkeit und Lebenslust besetzt, die einmal im Leben zu spüren Menschenrecht sein sollte. Ist die Musik jedoch melancholisch und drückt einen Erinnerungsknopf, dann bin ich ein Häufchen Elend und tue mir selbst außergewöhnlich doll leid. Diese Emotionen werden binnen Sekunden ausgelöst und es dauert, zumindest beim Elend, dreifach so lange mich da wieder rauszuziehen. Sich an Kleinigkeiten erfreuen zu können wie ein Kind, wenn es das erste Mal auf einem blinkenden Jahrmarkt steht, ist ein Geschenk. Trauern, ohne zu wissen, worum, ist eine Bürde."
"Alles pathologisieren zu wollen, ist die Mode meiner Zeit. Eine misogyne Mode."
"In Lilli Palmers Biografie meine ich gelesen zu haben, das Beste daran, Aufregendes zu erleben, sei ja, es danach mit Freund*innen teilen zu können."
"Eines Morgens, Mittags, Nachmittags, Abends, Nachts wird es so weit sein. Einmal werde ich das letzte Buch gelesen, das letzte Mal Zuflucht in aneinandergereihten Buchstaben gefunden haben. Einmal werde ich mein letztes Ich liebe dich verschenkt, mir das letzte Mal den Bauch vor Lachen gehalten haben. Einmal werde ich meine letzte Träne vergossen, das letzte Mal in anderen Armen gelegen haben. Einmal werde ich die Fenster das letzte Mal streifenfrei geputzt, den letzten Buchstaben in meine Tastatur getippt haben. Einmal werde ich das letzte Mal Furcht vor dem Unbekannten verspürt haben. Dann nämlich, wenn ich mich aufmache, das Unbekannte kennenzulernen."
"Meine tiefste Überzeugung ist jene, dass es sich immer lohnt, Hoffnung zu haben."
"Denn solange ich Bücher an meiner Seite weiß, werde ich mich niemals ganz alleine fühlen."
"Die Andern sind das weite Meer.
Du aber bist der Hafen.
So glaube mir: kannst ruhig schlafen,
Ich steure immer wieder her.
Denn all die Stürme, die mich trafen,
Sie ließen meine Segel leer.
Die Andern sind das bunte Meer,
Du aber bist der Hafen.
Du bist der Leuchtturm. Letztes Ziel.
Kannst, Liebster, ruhig schlafen.
Die Andern ... das ist Wellenspiel,
Du aber bist der Hafen."
"Es ist mein Schicksal, alles zweimal zu erleben. Das erste Mal, wenn man es in Angst vorausahnt, und dann das zweite Mal, wenn es geschieht."
"Drei Gefühle, die mich seit jeher begleiteten, sollten noch mehr Platz in meinem Leben bekommen: Wut, Angst und Liebe. Sie verhalten sich dialektisch zueinander. Sie widersprechen und bedingen einander."
„Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.
Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.
Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.
Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten
nimm zum Weggefährten.
Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.
Zerreiß deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind schon lang verzeichnet
im großen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten."
"Mit einem Besen möchte ich sie jagen, die Ängste und die Angst vor den Ängsten. Die ist sowieso die perfideste überhaupt. Jederzeit kann alles geschehen, es stimmt. Alles Schlechte, aber eben auch alles Gute.
Drum gräme dich, jammere, jauchze und strahle vor Glück."
"Dein Wecker wird klingeln, die Zähne wollen geputzt, das Bett gemacht, der Körper bekleidet werden. Jeden Tag aufs Neue. Halt dich an der Liebe fest, die du bekommen hast, sie trägt dich, bis eine neue kommt. Manchmal musst du sparsam sein, das stimmt wohl, vielleicht kommst du auch mal kurz ins Minus, aber im Großen und Ganzen wird dein Liebes-Saldo immer im Plus sein."