„Vati“ lässt sich auch sehr gut ohne den Art Vorgänger „Die Bagage“ lesen, es gibt jedoch Anekdoten aus den Leben der Figuren, die hier angeschnitten werden, welche in der Bagage ausführlich erzählt wurden. Fast alle Figuren aus der Bagage sind naheliegender Weise auch Teil von „Vati“. Ich empfehle dennoch mit der Bagage zu beginnen, da man einen guten Einblick in die Familie erhält und die einzelnen Leute auch besser versteht, da man sie in der Bagage von Kindesbeinen an kennenlernt, während sie hier bereits als Erwachsene auftreten.
Die Familiengeschichte des Vaters selbst wird in wenigen Seiten erzählt, es gibt schlicht nicht viel zum Erzählen aus den Jahren, bevor er Monika Helfers Mutter kennenlernt und heiratet. Jegliche Familienmitglieder, die vorkommen, stammen von der mütterlichen Seiten, sprich die Geschwister von Grete, Monika Helfers Mutter, die bereits in „Die Bagage“ Raum einnimmt. Manche der Geschwister kommen mehr vor (Irma lebt und arbeitet etwa lange bei den Eltern von Monika Helfer; später leben die drei Mädchen (Monika und ihre beiden Schwestern) bei Tante Kathe), andere weniger. Gerade auch die beiden Schwestern von Monika Helfer kommen verstärkt vor im Vergleich zu ihrem Bruder, wobei gerade Dialoge und Episoden mit der älteren Schwester erzählt werden, die beiden anderen sind doch einige Jahre jünger und der Bruder lebte einige Jahre, nach dem Tod der Mutter, bei Tante Irma und nicht mit den drei Schwestern. Grundsätzlich bildet den roten Faden aber natürlich die namensgebende Figur, der Vater. Wie jedoch auch schon in „die Bagage“ werden die Lebensgeschichten fast aller Familienmitglieder aufgegriffen oder zumindest am Rande erwähnt, wobei diesmal auch Monika Helfers eigene Biografie und Momente aus ihrem Leben erzählt werden. Das gesamte Buch beruht auf Erinnerungen; von Monika Helfer, aber auch ihren Schwestern und ihrer Stiefmutter, sowie ein wenig aus alten Erzählungen ihrer Tanten und Onkels. Aus ihren eigenen Erinnerungen sowie den Erzählungen der anderen.
Tatsächlich hat mir „Vati“ besser gefallen als „die Bagage“, ich kann nicht einmal genau festmachen warum. Ich kannte den Schreibstil und die Erzählweise schon. Zudem hat mich das erste Buch teilweise extrem wütend gemacht, auf Grund dessen, wie der Ort mit der Großmutter, die Hauptfigur des ersten Buches, umgegangen ist, ein Gefühl von Ohnmacht, Wut und Machtlosigkeit. Dieses Buch hat mich schlicht weniger aufgeregt, wobei das Aufregen ja nichts Schlechtes ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich das Gefühl hatte, die Figuren schon zu kennen und nun zu ihnen zurückzukehren, manche sogar bis zu ihrem Tod zu begleiten, ähnlich den vielen Fantasy-Trilogien.
Nach diesem Buch hoffe ich, dass Monika Helfer in den Gesprächen mit ihrer Verwandtschaft und beim Kramen in ihren Erinnerungen genug Stoff für weitere Bücher gesammelt hat.