Der Völkerrechtler Karl Ofracek kehrt von einem Einsatz aus Afghanistan nach Genf zurück. Die Ankunft gerät zur Heimsuchung. Ein kraftvoller, vielschichtiger Roman über die Suche nach dem eigenen Platz in einer brüchigen Welt.
Hotel Beau Rivage, schönes Hier landet Karl nach seiner Rückkehr und soll seinen Bericht für das Internationale Rote Kreuz ablegen. Er war ein Jahr lang in Afghanistan, hat Einsätze und abgeschobene Menschen betreut. Jetzt ist er selbst der Rückkehrer – und fühlt sich fremd. Seine Frau hat ihn nicht vom Flughafen abgeholt, seine minderjährige Tochter ist in Nöten und ein zwielichtiger Bekannter seines Vaters will ihn in dubiose Geschäfte verwickeln.
Karl, der einst als Weltverbesserer loszog, ist mit einer Realität konfrontiert, in der das Gute keinen Platz zu haben scheint. Globale und private Zwänge vermengen sich. Was wäre »die beste aller Welten« für Karl? Lydia Mischkulnig erzählt von den leisen, unerhörten Momenten, in denen das Leben auseinanderbricht und sich neu formt. Ein kraftvoller, vielschichtiger, spannender Roman über Familie, Liebe und die Suche nach dem »eigenen« Platz in einer brüchigen Welt.
Karl Ofracek verlässt seinen Einsatz für das Rote Kreuz in Afghanistan mit einer letzten, geheimen Mission, die zunächst unbemerkt geblieben scheint. Doch seine Rückkehr verläuft dennoch anders wie gehofft: Von der Abwesenheit seiner Frau, zu den Problemen seiner Teenager Tochter zu neuen, teils dubiosen, Bekanntschaften - Karl fühlt sich zunehmen verloren. Auch sein Aufenthalt im Beau Rivage in Genf in einem der luxuriösesten und berühmtesten Hotels ändert daran nichts, im Gegenteil…
Mischkulnig fängt das Gefühl einer brüchigen und aus den Fugen geratenen Welt und die allgemeine und zunehmende Verlorenheit in dieser, perfekt ein. Karl Ofraceks‘ Fremdeln mit der doch einst so bekannten Welt, kommt einem nur allzu bekannt vor. Dabei spiegelt sich die Heimsuchung, die Karl durchlebt auch sprachlich und stilistisch: Es vermischt sich Karls‘ Gegenwart mit Erinnerungen und Fragmente aus seinen zurückliegenden Auslandseinsätzen und seiner Jugend in Wien, immer wieder geht es auch um das schwierige Verhältnis zur Familie. Auf diesen brüchigen, fragmentierten Stil muss man sich einlassen wollen, aber es lohnt sich.
„Beau Rivage“ ist eine fesselnde, vielschichtige Erzählung über Ideale und dem Wunsch die Welt zum Guten zu verändern und über die bittere Realität. Es geht um Völkerrecht, humanitäre Arbeit und Recht und Gerechtigkeit. Sehr gekonnt werden Grau- und Zwischentöne, u.a. in Form der durchaus zweifelhaften Hauptfigur Karl, gezeichnet.
Fazit: Ein durchaus melancholischer, vielschichtiger Roman in spannendem und atmosphärischem Setting – sehr gelungen!