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Salonfähig

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Was, wenn man sich ein perfektes Leben wie eine zweite Haut überziehen könnte? Willkommen bei Austrian Psycho

Stundenlang übt er vor dem Spiegel seinen Gang, sein Lächeln, seine Art zu sprechen. Julius Varga, der Parteichef, ist das ganz große Idol des namenlosen Erzählers. "Ich gebe mich für dich auf, Julius. Ich liebe dich." In seiner Abwesenheit gießt er seine Zimmerpflanzen, als ob dies ein Staatsakt wäre. Auf einer unteren Ebene dient der Erzähler der Partei und eifert seinem Vorbild nach. Er ist besessen von Marken und Äußerlichkeiten und der Ästhetik von Terroranschlägen.

Elias Hirschls neues Werk ist ein großer Wurf und ein Vergnügen. Das wahnwitzige Porträt der Generation Slim jung, schön, intelligent, reich, oberflächlich und brandgefährlich.

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First published August 23, 2021

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Elias Hirschl

14 books22 followers

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5 (1%)
Displaying 1 - 30 of 61 reviews
1 review3 followers
December 15, 2021
Wo deutlich wird, dass scheinbare Perfektion die ganze Außenwelt täuschen kann.

Sich ‚salonfähig‘, oder sich völlig wie es sich gehört verhalten, das ist was der 29-Jährige, namenlose Ich-Erzähler versucht. Nach seinem großen Vorbild, Kollege-Politiker in der Mitte Österreichs Julius Varga, färbt und föhnt er sich die Haare, trägt er die besten Anzüge und versucht er, seine Handlungen immer so authentisch wie möglich rüberkommen zu lassen. Um seine Körperhaltung und seinen Sprachgebrauch zu perfektionieren, geht er einmal pro Woche zur Rhetoriktrainerin. Um Julius zu imponieren, tut er sein Bestes um der politische Partei so erfolgreich wie möglich zu machen. Diese Obsession ist seinen ‚engsten‘ Freunden Karl, Kathi und Hannes ziemlich gleichgültig, aber seine feste Freundin Moni erkennt, dass sich vielleicht hinter seiner Fassade der apathisch wirkenden Berechnung und der Verehrung von Julius ein anderes (,wahres?) Ich verbirgt. Doch was wirklich in seinem Kopf vorgeht, ist schlimmer, als sie es sich je hätte vorstellen können.

Dieser Roman hat mir sehr gut gefallen. Erstens schafft Elias Hirschl es, dass man alles glaubt, was der Erzähler über sich und sein Umfeld erzählt. Im weiteren Verlauf der Geschichte erkennt man jedoch durch subtile und nicht so subtile Hinweise, dass man anfangs in die Irre geführt wurde. Ich kann natürlich nichts verraten, aber was ganz am Ende geschieht, ist fast unvorhersagbar und sehr überraschend.
Zweitens wird die Hauptfigur als eine echte Fangirl eines bekannten Politikers geschildert. Auf einigen Stellen ist es so extrem und übertrieben, dass es fast lächerlich wirkt, wie in einem Polit-Satire immer der Fall ist. Die Herausforderung für die österreichische Leser dieses Buchs ist, alle Hinweise auf der österreichischen Politik zu finden. Ich gebe Ihnen schon ein Beispiel: „Julius Varga nimmt seine rhetorische Grundhaltung ein […]. Sein rechtes Bein ist angewinkelt, sein linkes Bein, welches wie meines, seit einem Unfall in Jugendjahren, etwas steif ist, hat er unter dem Tisch ausgestreckt.“ (S.48). Vielleicht ist es nicht wirklich die Absicht, mit diesen Anspielungen auf echten Menschen komisch zu wirken, dennoch erfahre ich es so.
Drittens muss man die Charaktere aller Figuren aus dem Kontext ableiten. Ich finde so eine Darstellung der Gefühle und Charakterzüge angenehmer als eine einfache Auflistung von Eigenschaften. Ein Beispiel ist der aufbrausende Charakter von Karl: „Karl Voigt schreit in sein Telefon: „Wenn du nicht in einer Stunde einen Ersatz aufgetrieben hast, komm ich persönlich zu dir ins Krankenhaus, zerr dich aus dem Bett und schmeiß dich nochmal vor den Bus!“ (S.104).
Viertens ist es für die Nicht-Deutschsprachigen vielleicht interessant zu wissen, dass die verwendete Sprache nicht schwierig zu verstehen ist.

Selbst habe ich keine negativen Punkte über diesen Roman gefunden, und deswegen kann ich alle empfehlen, dieses Buch mal zu lesen. Es liest ziemlich leicht, aber achten Sie auf alle Details! Nicht alles ist so, wie es scheint…
Profile Image for Jenia.
559 reviews113 followers
December 5, 2021
Lmao this book is wiiiiild. Great to read while Austrian politics turns increasingly chaotic
Profile Image for Sarah Lauwers.
1 review3 followers
January 3, 2023
Salonfähig: Eine politische Satire mit einer psychologischen Wendung

Ein emotionsloser Mitglied einer rechtskonservativen Jugendpartei auf der Suche nach wem er wirklich sein will, das Verlangen authentisch zu sein und die immer wiederkehrende Träume sind Merkmale des namenlosen Protagonisten aus Hirschls Roman Salonfähig. Die Geschichte handelt von der politischen Laufbahn eines der wichtigsten Charaktere, aber dieser Roman behandelt so viel mehr als nur Politik. Der Autor stellt eine sehr komplexe Persönlichkeit dar. Auf den ersten Blick scheint der Protagonist sehr narzisstisch und arrogant zu sein, er übt beispielsweise seine Rhetorik im Spiegel. Aber später entdeckt man, dass dies nur eine Maske ist hinter der er sich versteckt. Der Protagonist bewundert Julius Varga, der wichtigste Politiker seiner Jugendpartei und auch künftiger Bundeskanzler im Buch. Der Ich-Erzähler macht verschiedene Sachen, manchmal beängstigende Dinge, in der Hoffnung, dass Julius ihn bemerken wird. Worum es deshalb in dieser Geschichte vor allem geht ist die Komplexität des Protagonisten und wie er mit der Umwelt umgeht.

Im Allgemeinen hat das Buch mich positiv überrascht. Zuerst war es interessant zu merken, dass das Buch eine satirische Darstellung der heutigen österreichischen Politik ist. Julius Varga, der wichtige und erfolgreiche Politiker im Buch, könnte den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz darstellen, aber es gibt noch eine mögliche Figur für die er als Symbol stehen könnte, nämlich Norbert Hofer, ein weiterer österreichischer Politiker. Ein Element, das darauf hinweisen kann, ist Vargas Gehstock, der in Kapitel drei zum ersten Mal genannt wird („an dem sein charakteristischer Gehstock mit silbernem Pferdekopf-Knauf lehnt“, S. 18). Hofer hat auch einen Gehstock bekommen, nach einem Unfall im Jahr 2003. Ein weiteres positives Element ist, dass das Buch ziemlich spannend ist. Man will die ganze Zeit wissen, was passieren wird. Dies hat mit der Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, zu tun. Die Leser bekommen nur die Gedanken des namenlosen Protagonisten. Andere Gedanken bekommen wir nur anhand von Zitaten.

Das bringt mich zum folgenden Aspekt dieses Buches. Die Geschichte ist im Allgemeinen schwierig zu verstehen, obwohl Hirschls Schreibstil eher leicht ist. Er benutzt kurze Sätze und einfache Wörter. Das Buch ist aber psychologisch kompliziert. Der Erzähler ist unzuverlässig, daher ist es als Leser sehr schwierig zu wissen was wirklich passiert und was nur erfunden ist. Das trägt dazu bei, dass der Leser beim Lesen immer kritisch sein muss.

Ein letzter Punkt über den meine Meinung geteilt ist, ist die Persönlichkeit des Protagonisten. Der Autor schreibt über Personen, mit denen der Leser sich nicht identifizieren kann. Normalerweise gefallen mir solche Bücher nicht, aber in diesem Fall war es faszinierend die Chance zu bekommen in den Kopf des selbstverliebten Politikers zu schauen und als Leser manchmal auch den Grund für seine ‚komischen‘ Handlungen zu bekommen. Er glaubt beispielsweise, dass er seine gewünschte Persönlichkeit bekommen wird, wenn er sich wie Julius verhält. Er will aussehen wie er und bekommt dieselbe Frisur. Beim Friseur macht er darüber einen Witz, „ich möchte der Typ da drüben sein, und sie ist zu ihm hingegangen, hat ihm die Haut abgezogen und mir daraus ein Kostüm genäht, haha, nein, das ist natürlich nicht passiert“ (S. 178). Dies zeigt genau, wie er so gern jemand anders sein will.

Zum Schluss ist meine Meinung über dieses Buch sehr geteilt. Es ist sicherlich empfehlenswert, aber der Leser muss beim Lesen aufmerksam sein. Man muss immer darüber nachdenken, was man glaubt und was gelogen ist. Es könnte passieren, dass nicht alles von Anfang an deutlich ist. Nach dem Lesen gab es bei mir noch viele Fragen, aber meiner Meinung nach wird es deutlicher, wenn man das Buch zum zweiten Mal liest. Wer gerne herausfordernde psychologische Bücher über Politik liest, soll dieses Buch von Elias Hirschl mal ausprobieren.




Profile Image for Quinten Heymans.
15 reviews
January 3, 2023
Die Rechte bis aufs (Armani)Hemd ausgezogen

Ein Icherzähler, der seinen Gang übt, sein Lächeln trainiert und sein Haar schneiden lässt, so dass er wie sein Vorbild und Parteivorsitzender aussieht. Lächerlich, nicht wahr? Es ist Wahljahr in Österreich und für die konservative Partei Junge Mitte sieht es sehr gut aus: Ihr Spitzenkandidat, Julius Varga, ist am populärsten und die Gesellschaft scheint bereit für eine rechte Regierung.

„Paris, London, Kabul, Samarinda, Nordirland, Katalonien, Korea, das sind ja alles qualitativ gute Anschläge, vom Nahen Osten ganz zu schweigen.“
- „Schlimm ist das“, sage ich und versuche meine Mundwinkel nicht zu bewegen.
- „Und durch diese Übersättigung kann man sich gar nicht mehr entscheiden, für welchen Anschlag man Mitgefühl aufbringen soll“. (S. 45 )

Doch, dem Icherzähler geht es stets schlechter. In knapp 260 Seiten spüren wir, wie sie sich, zerrissen von Dekadenz, Weltfremdheit und Psychopathie kaum noch richtig benehmen können, Anschläge ästhetisieren, sich unangemessen im Kontext von Konzentrationslagern verhalten und selbst Terror auszulösen versuchen. Dies steht im starken Kontrast zu den schicken Anzügen, die die Politiker, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Partei tragen.
Diese Geschichte wird von Elias Hirschl (Wien, 1994) auf eine unnachahmliche Weise erzählt: voll belletristischer Mittel, ein komplexer Erzählstrang, dann und wann witzig oder schrecklich realistisch. Der Leser soll aufmerksam bleiben, weil jede Einzelheit wichtig für die Geschichte sein könnte. Wie Hirschl sich diesen Plot ausgedacht hat ohne einen Fehler zu machen, bleibt ein Rätsel. Möglicherweise bleibt es für die Leser des Buches an einigen Stellen auch etwas unklar, was echt ist, und was (gar) nicht. Dies aber führt dazu, dass der Inhalt mit dem Lese-Akt übereinstimmt: der Protagonist ist verzweifelt (ja, irre), und so auch der Leser . Es ist Hirschl gut gelungen, dies darzustellen. Viel weiter sollte er aber nicht gehen: Wie man in Belgien sagt: „trop is te veel“ – zu viel ist zu viel.

Und dann sollten wir über die Symbolik des Buches reden. Über den „verschwiegenen“ Inhalt, obwohl jeder sich mit Politik beschäftigende Mensch – auch ich, ein Ausländer – es unmittelbar sehen wird: Dies ist eine Parodie auf den ehemaligen Bundeskanzler der Republik Österreich Sebastian Kurz und die europäische Rechte im Allgemeinen. Das Cover ist selbst eine Parodie auf die Biographie Sebastian Kurz‘ und den Stil der Kleidung von Politikern seiner Art. „Welcher junger Mann trägt mit 23 Jahren täglich Anzüge zu seinem Arbeitsplatz?“, ist auch eine Frage mit der Hirschl sich in Interviews beschäftigt (Der Standard, 21/10/2021.) Diese jungen, vor allem, Männer gehören oft konservativen Parteien, wie die fiktive Mitte Österreichs, an.

Hirschl gelingt es gut, diese „Art“ Menschen darzustellen, einen rätselhaften Protagonisten zu kreieren und einen Roman zu schreiben, der dich kaum noch loslässt. Vielleicht schrieb er an einigen Stellen ein etwas zu grausames Buch, aber wenn du das liebst, wirst du Salonfähig lieben.
Elias Hirschls Salonfähig wurde 2021 beim Zsolnay Verlag in Wien verlegt und ist in Belgien bei der besseren Buchhandlung (auf Bestellung) erhältlich.
Profile Image for Torsten.
101 reviews41 followers
November 25, 2024
Bitterböse Satire auf den (österreichischen) Politikbetrieb mit unübersehbaren Referenzen auf reale politische Ereignisse. Die Vorbilder für die Protagonisten sind unschwer zu erkennen, das literarische Vorbild (American Psycho) auch. Besonders subtil ist es nicht, ich habe mich trotzdem sehr gut unterhalten gefühlt. Elias Hirschl sollte man nicht aus den Augen verlieren.
1 review
December 23, 2021
Ein Einblick in die Gedanken des Gärtners des österreichischen Bundeskanzlers

„Salonfähig“, der brandneue Roman vom österreichischen Schriftsteller Elias Hirschl, fällt sofort durch sein elegantes Cover auf: Ein gut gepflegter Mann, dessen Gesicht man nicht sehen kann.

Im Hirschls Buch bekommt man eine Perspektive auf den Handel und Wandel der politischen Partei Mitte Österreichs und die Jugendpartei Die Junge Mitte. Man lernt einen mysteriösen, namenlosen Erzähler kennen, durch dessen Augen man eine fiktive politische Landschaft des 21. Jahrhunderts erlebt. Der anscheinend perfekte Mann, dem die „Ehre“ zuteilwurde, die Pflanzen des mächtigsten Mannes Österreichs - Julius Varga - zu gießen, hat eine krankhafte Besessenheit von ihm.

Die Charakterisierung des Ich-Erzählers hat mir besonders gefallen. Der Protagonist versucht krampfhaft salonfähig zu sein. „Eine offene Körperhaltung vermittelt Souveränität“ ist nur eines der vielen Mantras, die er sich wiederholt, um die beste Version von sich selbst zu werden. Obwohl die Hauptperson am ersten Blick tadellos scheint, ist nichts weniger wahr. Schon bald entpuppt er sich als ein unzuverlässiger Erzähler und die damit verbundenen Konsequenzen sind unüberwindlich: Man weiß nie, ob die Behauptungen und Reflexionen der Hauptpersonen mit der Realität stimmen. Es gibt so viele Unklarheiten. Dies trägt dazu bei, dass man dem Ich-Erzähler gegenüber sehr misstrauisch wird.

Hirschl hat meines Erachtens wirklich ein Meisterwerk geschrieben. Als Leser wird man sogar eingeladen, in die Rolle eines Detektivs zu schlüpfen, um zu versuchen, die Geschichte zu erfassen. Die Details und Symbolik tragen dazu bei, dass die Suche desto spannender wird.

Der politische Aspekt der Geschichte ist zugleich interessant. Zahlreiche Rezensenten haben „Salonfähig“ als politische Satire bezeichnet. Damit bin ich völlig einverstanden.

Politische Rede wird ständig parodiert und thematisiert wie in den kurzen und aussagekräftigen Slogans „Jung! Mutig! Stark!“ (S. 22) oder „Unsere Arbeit baut auf den drei Ts auf: Tradition, Transparenz und Toleranz.“ (S. 28). Die Parodie erreicht aber einen Höhepunkt in Kapitel 30, wo alle Figuren nebeneinander reden und es eine Art von Kakofonie entsteht. Die Weise, wie Hirschl das hier macht, finde ich einfach genial!



„Ich verstehe einfach nicht, wieso Julius plötzlich nichts mehr mit mir zu tun haben will!“,
schreie ich. „Ich mag Essay Listening!“, schreit Moni.
„Wenn es nach mir ginge“, schreit Karl Voigt, „sollte man überhaupt keine Bands mehr hören
dürfen, die sich nicht öffentlich von den Nazis distanziert haben!“, und ich schreie „Ist meine
Frisur wirklich so furchtbar?“, […] (S. 188).



Alle Figuren sind so beschäftigt mit sich selbst, dass sie sich gegenseitig nicht zuhören. Diese Repräsentation ist meiner Meinung nach die schönste Illustration, was heutzutage in der Politik passiert: Da hören die Politiker sich oft auch nicht zu und rufen einfach am lautesten ihren eigenen Standpunkt.

Ich habe nur einen kleinen Kritikpunkt:
Für die nicht-österreichischen Leser sind manche Referenzen in Bezug auf Politik oder Geografie nicht immer klar: Wichtige österreichische Politiker wie Sebastian Kurz und Norbert Hofer gelten z.B. als Inspirationsquellen für die Figuren. Außerdem verweist der Autor manchmal auf Gemeindebezirke in der Stadt Wien, was nicht viel aussagt für diejenigen, die nicht mit dieser Stadt vertraut sind.
Das verwehrt natürlich nicht, die Geschichte zu folgen, aber es könnte vielleicht als eine Einschränkung erfahren werden.

Wenn Sie Bücher mit einer bestimmten psychologischen Tiefe und viel Referenzen mögen, dann sollen Sie „Salonfähig“ unbedingt lesen! Die Sprache ist ja einfach, – was das Buch auch für Deutschlerner zugänglich macht - das heißt aber nicht, dass die Geschichte an sich selbstverständlich ist.

Mein Schlussurteil? „Salonfähig“ ist ein Werk, das man mehrmals lesen muss, um die verschiedenen Ebenen zu erkunden. Meiner Meinung nach ist das die Stärke des Buches. Bei jeder Lektüre lernt man etwas Neues, wird man wieder überrascht. Es ist alles, was ein gutes Buch sein sollte.
2 reviews
January 5, 2022
„Salonfähig“ von Elias Hirschl: ein fesselnder politischer Roman

Jung, stylish, politisch interessiert und vor allem: besessen von seinem großen Idol und Parteiführer Julius Varga. Das ist der generelle Eindruck von dem namenlosen Protagonisten des Romans „Salonfähig“. Zusammen mit seinen Freunden vertritt er und setzt er sich ein für die Junge Mitte, die Jugendpartei, der er angehört. Im Laufe der Geschichte entdeckt man jedoch, dass dieses Bild von einem engagierten, perfekt lächelnden Mann nicht ganz stimmt. Warum hat er solch ein zwanghaftes Verhältnis zu Äußerlichkeiten und Terroranschlägen? Warum braucht er eine Psychologin? Langsam führt Elias Hirschl die Leser_Innen durch die Geschichte, um mit einem sehr unerwarteten Finale zu enden.

„Salonfähig“ ist ein Roman mit einem Thema, dass sich oft nicht so für unterhaltsame Literatur eignet: die Politik. Der Schriftsteller, der Wiener Elias Hirschl, versteht es aber sehr gut die Kunst, „langweilige“ Themen mit einer interessanten Geschichte zu verbinden, und man bekommt also ein doch wohl außergewöhnliches Buch. Der unergründliche Protagonist und die kurzen Abschnitte aus seinem Leben, abgewechselt mit seltsamen, beirrenden Träumen und Flashbacks (wie schon der Traum am Anfang des Romans: „Ich habe geträumt, dass mich Ärzte aufschneiden…“), hängen zusammen in einer unerwarteten und lesenswerten Kohärenz. Hirschl fesselt seine Leser_Innen durch die Spannung, die in einem langen Crescendo aufgebaut wird, um am Ende eine imposante und überraschende Schlussnote zu erreichen. Oft als ein Schlüsselroman über den ehemaligen Bundeskanzler Österreichs Sebastian Kurz betrachtet, enthält das Buch auch viele aktuelle politische Anspielungen, die eine höchstinteressante Kritik der gegenwärtigen politischen Welt schaffen. Ein negativerer Punkt ist wohl, dass die Kombination von einem mysteriösen Protagonisten mit einem oft verwirrenden Gedankenfluss manchmal ein bisschen zu desorientierend wirkt (wie z. B. am Ende von Kapitel 9: „Die verstorbene Pfefferminze. Das tote Vergissmeinnicht. Bitte verzeih mir. Bitte vergib mir. Bitte erinnere dich an mich.“), aber dies ist glücklich kompensiert mit einem lebendigen und fesselnden Schreibstil.

Insgesamt ist „Salonfähig“ ein sehr interessantes und unterhaltsames Buch. Man muss nicht unbedingt politisch interessiert sein, um an diesem Buch Gefallen zu finden: Die aktuellen Themen, der fließende Erzählstil und die mysteriöse Geschichte öffnen das Buch für ein breites Publikum. Sie machen den Roman zu einem idealen Hilfsmittel, um die abendliche Langweile bei einer Tasse heißer Schokolade zu vertreiben.
Profile Image for katron.
1 review
September 1, 2021
In Salonfähig erzählt ein namenloser Icherzähler von seinem Leben und dem, was ihn umtreibt. Dabei handelt es sich größtenteils um das, was der junge Spitzenkandidat der christlich-konservativen Partei tut und was seine Rethoriktrainerin und diversen Lifestyle- und Pick-Up-Ratgeber im Internet ihm sagen. Wie hat man sich zu verhalten, damit andere von einem begeistert sind. Wie hat die Mimik zu sein, wie hat das Lachen zu sein, wie hat die Wohnung auszusehen, der Anzug, wie und worüber spricht man am besten, um möglichst authentisch zu wirken. "Das Wichtigste dabei ist immer, dass Sie einfach Sie selbst sind." Heißt es dabei immer wieder (sinngemäß zitiert). Das Problem dabei ist, dass es dieses Selbst nicht zu geben scheint.
Elias Hirschl konstruiert einen Icherzähler, der maximal ungreifbar ist, der aus nichts weiterem besteht als aus Phrasen. Nur in Mikrodosen blinzelt eine Persönlichkeit durch die Ratgeberfloskeln und entfernt entfremdeten Schilderungen seiner Umwelt, die augenblicklich wieder zerfallen, wobei man sich unentwegt fragt, ob es sich beim Ich nicht doch um eine Maschine handelt. Dem gegenüber steht eine sehr fleischig-brachiale, chirurgische, detaillierte Körpermetaphorik, die die generelle Abgehobenheit und übergestülpte Scheinwelt in ihre Einzelteile zerlegt.

Eine herrliche Satire auf substanz- und resonanzentleertes Bestreben und Handeln von Leistungs- und Anzugtragenden, die ich unmöglich mehr weglegen konnte und mir in zwei Tagen durch die Augen gesogen habe.

Dringende Empfehlung!
Profile Image for Sunnie.
136 reviews3 followers
January 25, 2022
That was terrifying. In a good way. Ich lieb ja unzuverlässige Ich-Erzähler:innen. 😉

Danke, Elias Hirschl, für all die Brotkrümel der österreichischen/wiener Politkultur, thinly veiled. Ich hab echt lachen müssen bei den Referenzen auf Martin Ho (und seine Etablissements - Club Z oder Molkerei, anyone?) und etliche andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (ORF Moderator Walter Horn? 😂) oder auch diverse Politiker:innen abgesehen vom offensichtlichen Ex-Kanzler (ein cholerischer, ständig auf Koks herumwuselnder Politiker zB). Spitzenklasse! Die Anspielung auf die Hysteria am Akademikerball? Gold wert.

Speziell Kapitel 22 u 25 brillieren mit ihren leeren Worthülsen, den Gesprächen, die alle nichts-sagend aneinander vorbeiredend führen. Göttlich!

Werd ich definitiv weiterempfehlen und weiterschenken! 👍🏼
Profile Image for J M Notter.
88 reviews12 followers
April 15, 2024
Patrick Bateman meets Sebastian Kurz, politische Satire mit würdigen Reminiszenzen an American Psycho. Sprachlich gelungen, speziell erwähnt die Ausführungen des Nebencharakters Karl Voigt (bspw zu Mayhem).
Profile Image for K_frost.
167 reviews
January 23, 2022
So nicht subtil. XD
Literarisch gut gemacht mit der Selbstdekonstruktion.

Masterfrage: Gibt's ihn eigentlich? Also den Erzähler?
Profile Image for Karlijn .
3 reviews1 follower
January 3, 2023
Unter die Haut des Bundeskanzlers von Österreich in Salonfähig: eine eindringliche und kluge Satire ★ ★ ★ ★ ☆
Salonfähig: [zaˈlɔ̃ːfɛːɪç]; in den Rahmen der Gesellschaft passend; der Etikette der Gesellschaft entsprechend, schicklich (Quelle: Duden). Das ist das Wichtigste, das der namenlose Protagonist dieser Geschichte im Leben erreichen will; salonfähig sein. Und einer, der das beste Beispiel dafür ist, ist der österreichische Bundeskanzler Julius Varga. Der Erzähler tut alles, absolut alles, um so auszusehen wie er...
Mit seinem neuesten, widerwärtigen, verwirrenden Roman Salonfähig beweist Elias Hirschl, einer der jüngsten und vielversprechendsten literarischen Stimmen Österreichs, sein Talent. Das Cover des Romans, ein Schwarz-Weiß-Foto eines jungen, athletisch gebauten Mannes im engen Anzug, wirkt auf den ersten Blick etwas unheimlich, aber Elias Hirschl weiß, was er tut: Das Cover erinnert stark an das Cover der Biografie von ehemaligem Bundeskanzler Sebastian Kurz, mit dem auch der fiktive Julius Varga viel gemeinsam hat... Auch für diejenigen, die sich nicht gut mit (österreichischer) Politik auskennen, ist dies ein unterhaltsames und interessantes Buch. Mit witzigen und konfrontativen Beispielen zeigt Hirschl seine Kritik an der rechtsextremen politischen Situation in Österreich, und den Unterschied zwischen Sein und Schein.
Die (politischen) Drogenpartys mit falschen, leeren Freunden sind zahllos, und stolz erzählt der namenlose Erzähler, wie er dem immer gleichen Bettler jeden Tag nicht weniger als 20 Cent hinwirft. Für diese gute Tat gönnt er sich jedes Mal ein großes Stück Sachertorte. "Wenn sich alle Menschen sofort eine Sachertorte kaufen würden, nachdem sie dem Bettler zwanzig Cent zugesteckt haben, dann wäre die Welt ein besserer Ort". (S.)
Schritt für Schritt wird deutlich, wie morbide, narzisstisch und vor allem, unzuverlässig, der namenlose Protagonist ist. Authentizität, angetrieben von seiner überwältigenden, ist für ihn das Wichtigste in seinem Leben, und das erreicht er, indem er stundenlang sein entspanntes Lächeln im Spiegel übt. Sein ganzer Tag dreht sich um seinen kleinen Job, Julius' Pflanzen zu gießen, und er versteckt sich oft hinter seinen dubiosen Traumata. Außerdem hat er ein ganz besondere Faszination für Terroranschläge… Hirschl betont, dass die Charaktere seiner Bücher innerlich sehr weit von ihm entfernt sind; es gibt schon genug Literatur, in denen die Hauptfigur eigentlich der Autor ist. Eine sehr erfrischende und interessante Einstellung. Mit den oft sehr langen Sätzen, oder Sätzen, die aus nur wenigen Wörtern bestehen gerät man als Leser in eine Art „Hypnose“ und wird in den Wahnsinn des Erzählers hineingezogen.
Die anfangs so interessante unzuverlässige Perspektive des unzuverlässigen Erzählers wird gegen Ende leider zu einem Makel; langsam wird es ein bisschen zu vage und chaotisch, um einigermaßen klar zu sein. Dass der Protagonist so narzisstisch und asozial ist, macht das Lesevergnügen nicht immer angenehm.
Es ist also keine gute Idee, dieses Buch zu lesen, um sich zu entspannen, aber es ist trotzdem ein Augenöffner und enthält auch ziemlich viel Humor. Der Leser bleibt angewidert zurück nach dem Lesen des Romans: Dieses Buch ist nichts für Menschen mit schwachen Mägen! Es ist eine wilde Fahrt und ein absolutes Muss.
9 reviews
February 24, 2023
Salonfähig oder unnatürlich?

Ordentlich, ehrgeizig und fleißig. Diese Adjektive scheinen den namenlosen Erzähler von Elias Hirschls Roman zu beschreiben. Ein Erzähler, dem man bis zum Ende des Romans nicht völlig trauen kann. Der Leser bekommt einen gründlichen Blick ins Leben und in den Kopf dieses Icherzählers und sieht die Welt durch die Augen dieses jungen Mannes. Der Protagonist in diesem Buch ist ein Mitglied der Jungen Mitte, eine politische Jugendbewegung, und der Vorsitzende Julius Varga ist sein Idol. Vielleicht ist es besser zu sagen, dass der Erzähler einfach von diesem neugewählten Bundeskanzler besessen ist. Er beobachtet Julius haarscharf und versucht ihn so gut wie er kann zu imitieren, denn in seinen Augen ist Julius der perfekte Mann. Er nimmt diese Verehrung sehr ernst, denn er geht oft zu seiner Rhetoriktrainerin, um so authentisch wie möglich anzukommen. Am Anfang glaubt der Leser, dass der namenlose Erzähler authentisch ist, aber in dem Maße, wie sich die Geschichte ändert, ändert auch die Meinung des Lesers. Der Protagonist ist nicht so ehrlich und authentisch, wie er uns glauben lassen will… Auch die Kollegen und Kolleginnen, gewissermaßen Freunde und Freundinnen, wie Karl Voigt, Monika Moni Trummer, Katharina Kathi Baumgartner und Hannes Pointer kennen den echten Menschen hinter der Maske nicht. Ich werde das Ende nicht verraten, aber die Wahrheit kommt schließlich ans Licht und wird alle in Erstaunen versetzen.

Obwohl ich normalerwiese nicht dieses Genre von Büchern lese, hat „Salonfähig“ mir gut gefallen. Ich interessiere mich nicht so für Politik und versuche (sozusagen) alles was damit zusammenhängt, aus dem Weg zu gehen. Elias Hirschls Roman hat mich jedoch beeindruckt und ich habe ihn ziemlich schnell zu Ende lesen wollen. Ich wollte immer weiter entdecken was der namenlose Icherzähler macht. Das Buch ist nicht sehr spannend aber fesselt Aufmerksamkeit durch die komischen Gedanken des Protagonisten und sein merkwürdiges Verhalten. Der Leser erfährt zum Beispiel, dass der Erzähler eine Verletzung am linken Bein hat, nicht zufälligerweise wie sein Idol Julius Varga: „Sein rechtes Bein ist angewinkelt, sein linkes Bein, welches wie meines, seit einem Unfall in Jugendjahren, etwas steif ist, hat er unter dem Tisch ausgestreckt“ (S.48). Zuerst denkt man vielleicht, dass diese Parallele sehr zufällig ist, aber gibt es wirklich Zufälle in diesem Buch? Einige Seiten weiter widerspricht er sich während eines der Gespräche mit seiner Therapeutin: „Versteht man den Zusammenhang des Traums mit dem Vorfall in Shanghai, wo ich mir mein rechtes Bein verletzt habe?“ (S.130) Die Therapeutin fragt ihn berechtigt „Haben Sie die Verletzung nicht am linken Bein?“ (S.130) Eine Frage, die den jungen Mann sehr nervös macht. Diese Reaktion und seine Äußerung machen es deutlich, dass er über diese Verletzung gelogen hat und, dass er gar keine Verletzung hat. Man fragt sich also, warum tut jemand so etwas? Mit dieser Frage im Kopf weckt der Autor Neugierde bei den Lesern und sorgt dafür, dass man immer weiter lesen will!

Die Merkwürdigkeit des Buches hat also dafür gesorgt, dass dieser Roman mir gefallen hat. Ein Aspekt des Romans, der mir nicht so gefallen hat, sind die Anspielungen auf die österreichische Politik. Während des Lesens spürt man, dass manche Sachen und Personen in dem Buch basiert sind auf der echten Welt in Österreich basiert sind. Ich glaube, dass ich noch einen Stern mehr gegeben hätte, wenn ich mehr über die Politik und das Leben dort wüsste. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich nicht alle Anspielungen gefunden habe oder gut verstanden habe und das finde ich ein bisschen schade.

„Salonfähig“ ist sicherlich ein Buch, das ich empfehlen kann! Es ist nicht schwierig geschrieben und ist also auch zugänglich für nicht-Deutschsprachige. Man muss nicht unbedingt viel von Politik wissen um an dem Buch gefallen zu finden, aber es kann helfen. Es war wunderbar anders und regt den Leser zum Nachdenken an.

Profile Image for Jethro Tull.
158 reviews12 followers
August 29, 2025
Naš prijevod: Zlatni dečko. Prevela Stjepanka Pranjković. Leykam, Zagreb, 2023.
Portret austrijskog političkog karijerista desne orijentacije. To je naš suvremeni "čovjek bez svojstava". On nema moralnih skrupula, on je u svemu osrednji duh i jedina mu je briga vanjski izgled, novac, statusni simboli i osobni užitak. Idol mu je stranački vođa Varga kojega nastoji oponašati u svim aspektima.
Bojim se da upravo samo ovakvi "slim fit" tipovi i ulaze u politiku. Moralne nakaze.
3.5
7 reviews
January 5, 2022
"War das authentisch?" (S. 130)

Salonfähig ist eine Polit-Satire, in der der Autor manche Elemente des Lebens der Politiker kritisiert, wie zum Beispiel den Luxus, den Alkoholgenuss und den Drogenkonsum. Das macht er, indem wir das tägliche Leben eines jungen Politikers verfolgen. Dabei bekommen wir nicht nur den Arbeitstag, sondern auch das Liebesleben dieses Mannes und die Partys mit. Ab Anfang des Buchs gibt es einen Ich-Erzähler, der sein Bestes tut, alles im Leben gut und authentisch zu machen. Dadurch erscheint er dem Leser gegenüber forciert. Aber am Ende verstehen wir warum er das alles so macht. Als Leser bekommen wir nicht nur die Gegenwart, sondern auch Fragmente aus der Vergangenheit.

Der Roman ist nicht spannend erzählt, aber hat ein überraschendes Ende, wodurch das Buch eine ganz andere Wendung bekommt.
Die Sprache in Salonfähig ist nicht so schwierig und es kann ihr leicht gefolgt werden, auch von Nichtmuttersprachler*innen. Der Geschichte dagegen ist etwas schwieriger zu folgen, weil die Personen oft den Ort ändern und einige Parteien genannt werden (z.B. S. 17: Junge Mitte oder S. 23: Mitte Österreichs). Darum ist es meiner Meinung nach ein sehr gutes Buch für Leute, die die Politik Österreichs bzw. Österreich kennen oder daran interessiert sind. Aber auch für Leute, die die Politik Österreichs nicht gut kennen, ist Salonfähig ein zugängliches Buch. Die Kenntnisse sind nicht nötig um alles zu verstehen, aber könnten sicherlich nützlich sein der Handlung leichter zu folgen.

Obwohl das Buch nicht ein Buch ist, der ich normalerweise lesen würde, hat es mir doch gefallen. Es ist leicht zu lesen und an manchen Stellen auch witzig (z.B. S. 153-156 wo die Personen einen Tisch reservieren wollen, aber sich nicht entscheiden können in welchem Restaurant). Ich würde den Roman empfehlen, wenn du mal ein ernsthaftes und zugleich nicht seriöses Buch lesen willst. Denn das ist die perfekte Zusammenfassung des Buchs: ernsthafte Themen auf eine sarkastische und übertriebene Weise erzählt.
Profile Image for Merel.
2 reviews
January 3, 2023
Unsalonfähig in der besten Weise - ★★★★☆

Salonfähig ist ein Roman vom österreichischen Schriftsteller Elias Hirschl. Es handelt sich um eine namenlose Hauptfigur, die von dem fiktiven Politiker Julius Varga besessen ist. So besessen, dass er ihm immer ähnlicher werden will.

Die Hauptfigur ist unzweifelhaft das wichtigste Element des Buches. Wir erfahren die Geschichte ganz durch ihn: Wir wissen nur, wie er etwas erfahren hat, wie er sich fühlt und worauf er achtet. Allerdings ist die Hauptfigur nicht immer zuverlässig, also kann man nicht darauf vertrauen, dass das, was man liest, stimmt oder nicht. Der Protagonist ist darum für mich derjenige, der das Buch so interessant macht. Er ist unsympathisch und unzuverlässig, und hat einen sehr mathematischen Blick auf soziale Beziehungen, mit anderen Worten, er ist überhaupt nicht salonfähig. Jedoch fühlt man sich in den Ich-Erzähler ein, und in manchen Situationen sind seine Gedanken und Handlungen doch wieder nachvollziehbar. Das alles kreiert eine sehr interessante Hauptfigur.

Was den Schreibstil angeht, habe ich gemischte Gefühle. Einerseits finde ich den Schreibstil manchmal ein bisschen zu übertrieben, das heißt, ich finde, dass die komische Art und Weise der Hauptfigur ein bisschen zu stark betont wird. Insbesondere am Anfang des Buches, als noch nicht so viel passiert, fiel der Schreibstil enorm auf. Die Hauptfigur redet mit jemandem oder macht etwas, während er über etwas ganz anderes nachdenkt, und diese beiden Sachen unterbrechen einander ständig. Das wird schnell ein bisschen langweilig und vorhersehbar.

Andererseits gibt es auch etwas, was mir am Schreibstil sehr gefällt: Das ganze Buch hindurch gibt es kleine Hinweise auf das, was später im Buch passiert. So gibt es einige Motive, die erst später, oder erst beim Wiederlesen des Buches, ganz klar werden. Ein gutes Beispiel davon ist schon der erste Satz: “Ich habe geträumt, dass mich Ärzte aufschneiden, und sie finden Milz, Leber, Nieren, Herz, Lunge und legen alles auf einen Tisch in silberne Metallschalen. (S. 7)” Das Bild aus diesem Satz ist ein Hinweis auf zwei verschiedene Ereignisse, die fast am Ende des Buches passieren oder erzählt werden, also auch wenn etwas erst am Ende erklärt wird, wird schon ein Bild davon vom Erzähler in den Kopf der LeserInnen gepflanzt.

Etwas, worüber ich noch nicht gesprochen habe, ist der politische Aspekt des Buches. Das Buch ist eigentlich eine Satire auf die heutige österreichische Politik. Das Cover, der Titel und einige Eigenschaften der Figuren sind alle Hinweise auf die Rechte, Rechts-Mitte und die konservativen Bürger und Politiker in Österreich. Das Buch ist also auch sehr gesellschaftlich relevant, und das gefällt mir. Ich finde es wichtig, dass immer auf die Politik geachtet wird und dass sie, wenn notwendig, auch kritisiert wird. Das Buch macht genau das, auf eine grausame und auch manchmal ironische Weise.

Das Buch hat mir also ganz gut gefallen. Außer dem Schreibstil, die am Anfang ein bisschen langweilig und vorhersehbar ist, ist das Buch sehr gut. Es hat insbesondere eine sehr interessante Hauptfigur, aber auch eine interessante Geschichte, Hinweise auf das, was später im Buch passiert, und ist eine gute Satire auf die heutige österreichische Politik. Ich empfehle jedem dieses Buch, weil es interessant, lustig, grausam und einfach zu lesen ist, und vor allem, weil es zum Nachdenken bringt.
Profile Image for ~•verena•~.
492 reviews8 followers
November 24, 2025
4.5 ⭐
Ich habe geträumt, dass mich Ärzte aufschneiden, und sie finden Milz, Leber, Nieren, Herz, Lunge und legen alles auf einen Tisch in silberne Metallschalen...

- Salonfähig, 00:01

🎧 gehört als Hörbuch


Was für ein geniales Buch, ich habe durchgehend gegrinst und war baff, wie realistisch und delulu der Protagonist wirkt.
Allein die Anfangsszene lässt mein Gehirn fast streiken, so genial ist das Brainwashing des Protagonisten dargestellt. Zum Schreien komisch .
Der maximal unzuverlässige Erzähler ist ein disassoziierter Roboter, der desto weiter die Geschichte fortschreitet, umso verworrener wird.
"Austrian Psycho" beschreibt das Buch einfach perfekt.

Ich habe es so geliebt, lustig aber auf die Art und Weise, dass man fast ein schlechtes Gewissen hat es lustig zu finden, da es so nahe an der Realität ist.


Das beste was die österreichische Politik seit Jahren zu stande bringt ist, Inspiration für Satire zu sein.​​​
1 review5 followers
January 10, 2022
„Salonfähig“: ein unglaublich mitreißender und spannender Roman mit Tiefgang

Auf welche Weise soll man sich benehmen, damit man nicht nur von jedem geliebt wird, sondern auch zum neuen Bundeskanzler Österreichs gewählt wird? Julius Varga besorgt Ihnen die Antwort! Laut dem Cover ist „Julius hat das Image des klugen, liebenswerten Schwiegersohnes, den man sich insgeheim immer schon gewünscht hat.“ und dies ist auch dem (namenlosen) Protagonisten nicht entgangen ... Jung, ehrgeizig und frisches Mitglied der Jungen Mitte (einer rechtskonservativen Partei), aber auch unheimlich besessen von Varga, versucht der Protagonist, die Aufmerksamkeit des Bundeskanzlers auf sich zu lenken. Aus der Perspektive des Protagonisten bekommen wir Leser*innen mit, dass er sich die Haare genauso wie Varga schneidet, ständig seine Aussagen rezitiert und sogar zur Psychologin und Rhetoriktrainerin geht, damit er sein Benehmen völlig dessen Julius‘ annähern kann. Auch Karl, Moni, Kathi ... und die anderen Parteimitglieder, – die auf eine gewissenermaßen cartooneske Weise dargestellt werden, scheinen ihr Leben, völlig der Partei anzumessen. Die Charaktere sind auf solch eine Weise mit ihrem eingenen (politischen) Leben beschäftigt, dass ihnen jedes Gefühl von Empathie und Bescheidenheit entbehrt: Sogar die seltsamen (von Varga rezitierten) Aussagen und das auffällige Benehmen des Protagonisten scheinen sie kalt zu lassen.

Dieses kalte Benehmen der Charaktere ist auch sichtbar am Stil des Buches - Der Autor schafft es auf eine meisterhafte Weise Humor mit Ernst zu vermischen, damit noch deutlicher wird wie problematisch der Egoismus mancher Parteimitglieder sein kann. „Das, meiner Meinung nach, offensichtliche Problem bei diesem Punktensystem ist natürlich die mangelnde Überprüfbarkeit.“ (S.27) rückt das (offensichtlich problematische) ‚Sexpunktesystem‘ der Jugendpartei, indem man Punkte verdient, wenn man Sex mit einem der Mitglieder hat, in ein komisches Licht, aber betont zur gleichen Zeit wie wenig verständnisvoll die Mitglieder sein können. Statt dem Problem richtig anzunähern, will man das System nur verbessern, damit es noch immer durchgeführt werden kann. Für diejenigen, die mit der östereichischen Politik vertraut sind, hört sich dieses Phänomen vielleicht vertraut an – Mitglieder der ÖVP-nahen Schülervertretung hatten in Wirklichkeit auch so ein System (https://www.derstandard.at/story/2000...). Elias Hirschl macht auch an anderen Stellen implizite Verweise auf die östereichische Politik und es gelingt ihm mit „Salonfähig“ wunderbar, nicht nur einen spannenden Roman, sondern auch einen mit Tiefgang, in dem man bei jedem (neuen) Leseprozess neue Geheimnisse entdecken kann, zu schaffen. „(...) die Farbe ist widerstandsfähiger als ich dachte, und das Einzige, was ich mit dem Rubbeln erreiche, ist ein tauber Daumen.“ (S.94) könnte zum Beispiel auf einen Streit zwischen wirklichen ‚Farben‘ beziehungsweise Parteien hinweisen.

Mein Fazit zu „Salonfähig“: Erschütternd, grotesk, schaurig und eine unbedingte must-read für jeden, der sich für die östereichische Politik interresiert, mitgerissen werden will in eine spannende Geschichte oder einfach ein gutes Buch lesen will!
Profile Image for Emelie Vandenbulcke.
3 reviews
January 3, 2023
Erkennbar und witzig, die Politik im Bild

Was passiert, wenn sich jemand so unsicher fühlt, dass er alles dafür geben würde, eine andere Person zu sein? Die Antwort ist: er wird verrückt. Das neue Buch 'Salonfähig' von Elias Hirschl beschreibt, wie ein junger Mann das erlebt. Die Hauptfigur ist ein 29-Jähriger, dessen Name nicht genannt wird. Er lebt in Österreich und ist Mitglied der rechtskonservativen politischen Jugendpartei 'Junge Mitte'. Sein großes Vorbild ist der Parteivorsitzende Julius Varga. Die Hauptfigur (gleichzeitig der Ich-Erzähler) findet alles an Varga perfekt und möchte unbedingt so sein wie er. Oder besser gesagt, er will er sein. Als Leser erlebt man mit, wie er alles Mögliche unternimmt, um dieses Ziel zu erreichen, und wie er sich selbst dabei verliert. Darüber hinaus bietet die Lektüre einen Einblick in die politische Welt. Es wird auf interessante Phänomene hingewiesen, die in unserer heutigen Gesellschaft sicherlich zu erkennen sind.

Ein wichtiger Grund, warum dieses Buch gelungen ist, ist der Humor, den die Geschichte auf subtile Weise mit sich bringt. So wird zum Beispiel ein Bild von Politikern präsentiert, das witzig wirkt, weil es in der realen Politik wiedererkennbar ist. Es handelt sich um Politiker, die sehr auf ihr Aussehen und die Aufmerksamkeit der Medien bedacht sind. Sie unternehmen alles, was sie können, um von der Bevölkerung bewundert zu werden. Sie tragen teure Anzüge, fahren Luxusautos und gehen fast jede Woche zum Friseur, um sich die Haare perfekt in Form zu halten. Julius Varga ist dafür das Paradebeispiel. Der Protagonist ist die ganze Zeit damit beschäftigt, sich auf das Niveau seines Idols zu begeben. Außerdem ist es komisch zu erfahren, was er unternimmt, um von ihm anerkannt zu werden. So nimmt er zum Beispiel seine Aufgabe, sich um die Blumen von Varga zu kümmern, sehr ernst. Das geht so weit, dass er weint, wenn sie absterben.

Neben dem Humor ist auch der Stil, in dem Hirschl schreibt, besonders ansprechend. Es werden keine allzu schwierigen Wörter verwendet, so dass die Sätze leicht zu lesen sind. Der Ich-Erzähler sagt alle seine Gedanken im Detail, so dass man immer weiterlesen möchte, weil man ganz in seinen Gedankengang hineingezogen wird. Manchmal sind seine Gedanken merkwürdig, weil sie nicht mit der Realität übereinstimmen, aber das macht es umso interessanter. Ein Beispiel ist das folgende Zitat: 'Sie warf mir vor, berechnend zu sein, obwohl ich stets darauf achtete, im richtigen Ausmaß Raum für Veränderung und Überraschungen zuzulassen.' (S.67) Er sagt, er sei nicht berechnend, während man als Leser merkt, dass er alles im Voraus plant und überhaupt niemals spontan ist. Insgesamt ist der Stil also gut und die Perspektive interessant aber es gibt einen kleinen Kritikpunkt. Die Charaktere sprechen manchmal durcheinander, ohne sich gegenseitig zuzuhören, was zu Verwirrung führen kann. Aber es muss gesagt werden, dass diese verwirrenden Stücke doch einen Einblick geben, wie manche Politiker miteinander kommunizieren.

Abschließend fasse ich zusammen, dass ich 'Salonfähig' für ein gelungenes Buch halte. Es ist eine aktuelle Geschichte, die erkennbare Dinge perfekt mit Humor verknüpft. Zudem macht der angenehme Schreibstil das Buch komplett. Es gibt fast keine Kritik zu üben und deshalb bekommt Salonfähig von mir vier Sterne. Ich würde jedem empfehlen, es zu lesen!
1 review
December 25, 2021
Sei immer du selbst und versuche niemand anderes zu sein, sonst…

Der Roman Salonfähig wurde von Elias Hirschl geschrieben und handelt von einigen Angehörigen einer Jugendpartei, die sehr komisch und satirisch dargestellt werden. Im Buch kommen verschiedene Themen an die Reihe: Liebe, Spannung, die Politik und auch etwas Psychologisches. Als Leser bekommen wir nur die Perspektive der unzuverlässigen Hauptperson, was die Geschichte manchmal sehr subjektiv macht. Der Protagonist ist ein junger unsicherer Jugendpolitiker, dessen Name nicht erwähnt wird. Er ist sehr stark vom Politiker Julius Varga, der als perfekt dargestellt wird, fasziniert. Die Hauptperson geht ziemlich weit und versucht sogar, wie Varga auszusehen und zu reden. Der Protagonist legt hohen Wert auf ein perfektes Aussehen und besucht regelmäßig eine Rhetoriktrainerin, damit er seine Sprache und Haltung verbessern kann. Seine Freundinnen und Freunde wie Karl, Kathi und Hannes Pointner kümmern sich kaum um den Protagonisten und sein komisches Benehmen. Moni hingegen bemerkt zwar, dass etwas los ist, aber macht einfach nichts. Die Hauptperson macht sehr komische Sachen im Buch, die ich dir aber noch nicht preisgeben werde. ;)

Das Buch hat mir sehr gefallen! Zuerst ist der Schreibstil des Autors wirklich bewundernswert. Seine Sätze sind Stück für Stück meisterhaft und doch leicht zu verstehen. Das Buch ist so gut geschrieben, dass man, sobald man zu lesen anfängt, einfach nicht mehr aufhören kann. Hier finden Sie ein Beispiel solch eines Satzes, der ziemlich komplex, aber doch sehr gut aufgebaut ist: „Ich krame meinen Personalausweis hervor, und der Wahlhelfer sagt, oh Gott, oh Gott, und ich sage, ich brauche einen neuen Wahlzettel, und er sagt, beruhigen Sie sich, und ich sage, ich bin ein mündiger Bürger und möchte von meinem aktiven Wahlrecht Gebrauch machen, und er sagt, legen Sie sich hin, und ich sage, er kann mir nicht mein gottgegebenes Menschenrecht verwehren, er kann mir meine Freiheit nicht nehmen, zu wählen.“ (S. 96)

Die Charaktere sind zudem sehr gut ausgedacht und werden oft indirekt charakterisiert. Es ist lustig zu sehen, wie sie alle einen Mangel an Empathie haben. Dieser Mangel an Empathie ist deutlich vorhanden, als die Politikerinnen und Politiker in einem Konzentrationslager einem Zeitzeugen zuhören: „Wir […] wahren ein aufmerksames, respektvolles und interessiertes Äußeres, während ein 102-jähriger Zeitzeuge auf der Bühne eine Rede über seinen Überlebenskampf in drei verschiedenen Konzentrationslagern hält. Jedes Mal, wenn er Shoah sagt, trinken wir einen Schluck.“ (S. 143) Die verrückten Charaktere machen das Buch sehr lustig, was ich wirklich geschätzt habe.

Wir bekommen ein Bild, zwar ein satirisches, der Politik Österreichs und können uns also besser vorstellen, wie sich die Wahlen zum Beispiel ereignen. Diese politischen Themen finde ich sehr interessant im Roman.

Sehr viele Sachen bleiben unklar im Buch, auch am Ende. An einem gewissen Punkt gibt es eine enorme Wendung in der Geschichte. Ich war wirklich ein bisschen überrascht und ich stellte mich sehr viele Fragen. Solche Wendungen und Unklarheiten schätze ich sehr in einem Buch. So kann man selbst die Löcher der Geschichte ausfüllen und aufregende Vermutungen darstellen. Nach dem Lesen habe ich bemerkt, dass es schon einige Anspielungen im Buch gibt, die das Ende vorhersagen lassen. Ich hatte sie nicht wirklich verstanden, aber Sie können beim Lesen darauf achten! :)

Das Buch hat mich sehr inspiriert, da ich eine Art von Moral im Buch gefunden habe: „Sei immer du selbst und versuche niemand anderes zu sein“. Die Hauptperson will zwar jemand anderes sein, aber deshalb geschehen sehr schreckliche Dinge im Buch. Man muss also immer sich selbst sein und glücklich sein mit der Person, die man ist.

Kurzum, der Roman hat mir sehr gefallen. Der Schreibstil des Autors und die Charakterisierung sind bewundernswert. Zudem ist das Buch interessant, da wir ein (satirisches) Bild der österreichischen Politik bekommen. Das Buch wirkt inspirierend und enthält eine wichtige Moral. Ich empfehle es Ihnen also sehr, wenn Sie zumindest einige Unklarheiten und Gräuel ertragen können und wenn sie gerne komische Bücher lesen. :)
Profile Image for Marimirl.
227 reviews3 followers
February 10, 2022
Ein schräges Buch über einen unsympathischen Mann, das trotzdem fesselt!

Aus der Ich-Perspektive erzählt, ja wer eigentlich? (ein Name wird nie genannt), ein junger Politiker der ÖM (österreichische Mitte) seine Gedanken, Taten und Erlebnisse. Es ist eine extrem egozentrische Erzählung. Wenn er nicht von sich selbst erzählt, erzählt er über Julius, dem bisher jüngsten Kanzleranwärter, seinem großen Idol.

Anfangs habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, auf welche Personen dieses Buch anspielt. ÖM, christlich orientiert, jüngster Kanzlerkandidat - naja, da braucht man nicht viel überlegen, das wird wohl die ÖVP sein. Aber dann hat dieser junge Kanzlerkandidat einen Gehstock, weil er vor Jahren einen Unfall hatte. Das erinnert doch auch sehr stark an einen ganz anderen Politiker. Doch warum die Anspielungen auf beide? Sind es überhaupt Anspielungen? Ich weiß es nicht genau, gehe aber schon eher davon aus.

Er ist sehr unsympathisch, nicht eine Sekunde habe ich keine Antipathie verspürt. Es werden Aussagen getätigt, die per se nicht schlimm sind, aber in denen so viel Schlechtes mitschwingt - typisch Politiker hat. Er redet sich selbst ein, dass er gute Taten begeht, Mitleid mit Schwächeren hat, aber in Wahrheit ist das alles geheuchelt (das sage ich, nicht er - denn er glaubt ja daran, dass er gut ist).

Oft führt ein unsympathischer Protagonist ja dazu, dass man ein Buch nicht gerne liest. Hier war das aber überhaupt nicht so. Ich war gefesselt und wollte wissen, wo die Reise hingeht. Denn wovon handelt das Buch überhaupt? Von Politik? Von Politikern? Von Psychopathen? Im Endeffekt denke ich, ist die Politik hier nur ein Rahmen. Es geht viel mehr darum, was es aus einem Menschen macht, von einem Gedanken besessen zu sein. Was genau das bedeutet, möchte ich hier nicht näher ausführen. Das muss jeder selbst herausfinden.

Der Schreibstil ist eigen - fesselnd und spannend, sehr detailliert, stellenweise aber furchtbar wirr. Man merkt sehr deutlich, dass der Autor sehr gut weiß, mit der Sprache zu spielen und sie gezielt einzusetzen.

Für mich gab es zwei Möglichkeiten, wie das Buch enden könnte. Aber ich war mir bis zum Schluss nicht sicher, ob ich damit nicht völlig daneben liege.

Es ist definitiv ein Buch, das viel zum Nachdenken anregt. Man kann so viel hineininterpretieren, oder auch einfach nichts. Ich spreche eine klare Leseempfehlung aus und möchte auch noch betonen, dass man sich nicht für österreichische Politik interessieren oder sich damit auskennen muss, denn in Wahrheit spielt das keine Rolle.
Profile Image for Scythe Rowan.
593 reviews4 followers
December 14, 2022
Ich glaube, das Buch hat den langweiligsten Hauptcharakter, den ich nie gesehen habe. Sein Hauptziel ist es irgendwie nur, wie sein Idol zu werden- eigene Meinungen hat er dazu nicht, irgendwie war er größtenteils zu sehr damit beschäftigt, das zu wiederholen, was andere gesagt haben. Das Buch lese ich bestimmt nicht fertig...
Profile Image for Vivi.
41 reviews
January 7, 2022
Das Ende hat es voll ruiniert, der Autor hätte doch bitte einige Seiten früher aufhören sollen! Davor war es gut, dann irgendwann nicht mehr. Um ehrlich zu sein vergeudetes Potential!
1 review
May 28, 2022

Hirschl’s Zerlegung der janusköpfigen österreichischen Politik


Elias Hirschl’s "Salonfähig" erzählt die Geschichte eines anonymen Erzählers mit dem psychopathischen Begehren, dem künftigen österreichischen Bundeskanzler Julius Varga nicht nur zu ähneln, sondern selbst dieser zu sein, der seinerseits nichts von den Annäherungsversuchen des Erzählers mitbekommt. Hirschl lässt den Erzähler in rechtskonservativen politischen Kreisen verweilen, wobei der Schwerpunkt darauf liegt, was sich hinter den bekannten Gesichtern in der Politik verbirgt.

Auffallend an Hirschl’s Werk ist, dass es viel mehr Tiefgang bieten kann, wenn man ein fundiertes Wissen über österreichische politische Figuren und gesellschaftspolitische Themen hat. Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass das Werk satirische Untertöne hat. Dies wird durch das Verhalten der politischen Gesellschaft deutlich. Die Interessen des politischen Milieus beziehen sich zum Beispiel auf teure Anzüge, Drinks und Autos -– oder sogar auf die Art, wie sie ihr Haar kämmen -– anstatt auf die tatsächlichen sozialen Probleme. Darüber hinaus zeigen die Anhänger auch extrem wenig Respekt und ignorantes Verhalten, etwa in Sachen wie Terrorismus oder Antisemitismus. Bei näherer Betrachtung kann man sagen, dass die oberflächlichen Protagonisten und Protagonistinnen des Buches die Archetypen des zeitgenössischen verdeckten Faschismus sind. Wie vielschichtig die Satire in diesem Werk ist, wird jedoch erst deutlich, wenn man die aktuelle politische Situation betrachtet, in der das Buch geschrieben wurde. Erst dann wird klar, dass Julius Varga zum Teil ein Symbol für den realen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz ist, wenn auch in einer fast karikaturhaften Weise. Auffallend sind auch die vielen subtilen Anspielungen auf kontroverse aktuelle politische Situationen, wie z. B. das Sammeln von Punkten für Sex unter Amtsinhabern in der Jugendpolitik oder die Verwendung von Handys bei Gedenkfeiern. Es ist daher ratsam, vor der Lektüre dieses Buches über ausreichende Hintergrundinformationen zu verfügen, da sonst viele subtile Anspielungen verloren gehen.

Außerdem ist das Buch für sehr neugierige Leser nicht zu empfehlen, da einige Dinge im Dunkeln bleiben. Die Vergangenheit des Erzählers wird, abgesehen von einigen bedeutungslosen Rückblicken, nicht erwähnt. So sagt er zu seiner Therapeutin: "Ich habe ein vielschichtiges Innenleben, und meine Handlungen und Reaktionen werden durch meine bisherigen Erfahrungen beeinflusst. Ich bin zutiefst menschlich und wirke auch nach außen hin so." (S. 186 ) Ihm wird nicht einmal ein Name gegeben. Außerdem bleiben viele Dinge ungewiss; bestimmte Ereignisse, Traumas und Erinnerungen werden in unterschiedlichen Versionen wiedergegeben oder so dargestellt, dass man nicht weiß, ob das, was erzählt wird, tatsächlich der Wahrheit entspricht. Außerdem ist das Buch nicht chronologisch geordnet, und der Monolog des Erzählers wird von verschiedenen Personen unterbrochen, die über völlig andere Dinge sprechen. Andererseits tragen Konstruktion und Erzählstil zu dem chaotischen Eindruck bei, den man von der Psyche des Erzählers bekommt, im Gegensatz zu dem sehr definierten Image, das die Politiker vermitteln.
Diese uneindeutige, chaotische, mysteriöse Konstruktion und Erzählweise trägt jedoch zu der interessanten, psychologischen Offenlegung des Buches bei. Im Laufe der Zeit verehrt und imitiert der Erzähler seinen Helden Julius Varga immer mehr. Dies gilt nicht nur für das Aussehen, sondern auch für die für Varga typische Art und Weise, mit der er spricht. Das entspricht schließlich dem Programm seiner Partei: “Jeder kann werden, was er will. Egal, wie erfolglos und arm man am Anfang sein mag. Jeder hat das Zeug dazu, alles zu tun. Man muss es nur lange genug einüben. Das hat meine Mutter schon gesagt. Das hat Aristoteles schon gesagt. Das sagt Julius." (S. 102) Man wird Zeuge, wie der Erzähler in seiner absurden Logik denkt und wie seine Idealisierung von Varga die Wurzel seiner Identifikationskrise und seines Wunsches ist, als Teil eines größeren Ganzen eine respektierte, führende Person zu sein. Als Leser scheint man seinen verrückten Gedankengängen bisweilen folgen zu können, um dann wieder von seiner Impulsivität und seiner Vermischung der Realität und Wünsche überrascht zu werden. Infolgedessen bleiben die Rückblicke während der gesamten Geschichte ungewiss.

Insgesamt kann man sagen, dass Hirschl’s Arbeit sehr empfehlenswert ist. Er behandelt das interessante, dunkle Thema der Fassade, die die Politik aufrechtzuerhalten versucht, und bezieht sich dabei auf erkennbare, aktuelle Ereignisse und Skandale. Sie umfasst auch die psychopathischen Gedanken von machthungrigen Politikern, die versuchen, weiterzukommen. Das macht die Lektüre besonders mitreißend. Schließlich ist die Sprache des Buches auch für Nicht-Muttersprachler leicht zu verstehen. Das einzige, was verwirrend sein könnte und vielleicht als störend empfunden werden kann, sind die unsichere Informationen und der Aufbau des Buches, obwohl sie zum höheren Sinn der Psychologie der Erzählung beitragen.
Profile Image for Tanja Schöttl.
181 reviews
October 6, 2024
"American Psycho" in der österreichischen Politszene - das muss einem erst einmal einfallen und das muss man erst einmal so "krank" umsetzen können. Respekt!
Profile Image for Vero.
608 reviews15 followers
December 18, 2021
What a fucking wild ride. Zugleich lustig und unheimlich tragisch.
1 review
June 28, 2022
„Suche dein Idol. Finde dein Idol. Werde dein Idol.“ (S. 10)

Der junge Wiener Autor Elias Hirschl schildert in „Salonfähig“ den hoffnungslosen Versuch des Protagonisten salonfähig zu werden, nicht zuletzt durch sein obsessives Bewundern des Kanzlerkandidaten Julius Varga. Aus der Perspektive dieses namenlosen Ich-Erzählers wird dem Leser ein Einblick verschafft ins politische Leben, von Wahlkämpfen bis zu Partys. Die Hauptfigur ist Mitglied einer rechtskonservativen österreichischen Jugendpartei Junge Mitte und unterstützt, zusammen mit seinen Freunden aus der Partei, den Wahlkampf von Julius Varga. Hischl schafft es, den Charakter der Hauptfigur in einem chaotischen Durcheinander von Monologen, Dialogen, Gedanken und Träumen freizulegen.

Wegen des Charakters des Protagonisten fiel es mir als Leserin schwer, mich mit der Hauptfigur zu identifizieren. Es bleibt immer eine gewisse Distanz zwischen dem Leser und dem wahren Gesicht des Ich-Erzählers. Zu dieser Distanz trägt vor allem die analysierende, berechnende, rationale Sprache bei. Außerdem werden viele banale Handlungen detailliert beschrieben, wie in „‘Kommt sofort‘, rufe ich aus der Küche, nehme ein Tonic Water und eine Flasche Gin aus dem Getränkekühler, öffne einen Küchenschrank mit Porzellan-Geschirr, schließe ihn wieder, öffne einen Küchenschrank mit einer Edel-Teekollektion, schließe ihn wieder, öffne einen dritten Küchenschrank und hole ein Glas heraus“ (S. 74). Die Hauptfigur versucht jeden Aspekt des Alltags zu analysieren und kontrollieren. Er führt Traumtagebücher, überanalysiert Gestik und Körpersprache und beschäftigt sich bis ins kleinste Detail mit seinem Aussehen. Er versucht gleichzeitig auf eine unnatürliche, obsessive Weise „natürlich“, „authentisch“ zu wirken: „Der Kopf muss immer so mitgehen. Die Stimme ein bisschen, nicht zu viel. Der Kopf so rauf und hin und her. Die Haare dabei ein bisschen in die Stirn fallen lassen. Die Stimme kann sich schon auch überschlagen, muss sie aber nicht. Die Arme können leicht mitschwingen. (…) Der Arm kann dabei so schwingen, das ist okay. Das wirkt natürlich.“ (S. 14) Der Protagonist ist peinlich damit beschäftigt, ob er von seinen Freunden akzeptiert wird und ahmt sein Idol Julius Varga nach. Mithilfe seiner Rhetoriktrainerin trainiert er seine Sprache und Körperhaltung und mit seiner Therapeutin analysiert er seine Vergangenheit und die Gegenwart.

Manchmal sind emotionslose, an Empathie mangelnde Aussagen (wie beim Besuch in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen in Kapitel 24) und arroganter Snobismus zwar deutlich ironisch, bewusst provozierend und tragen zum Humor bei, dies macht solche Passagen aber nicht immer leichter verdaulich. Der Stil ist allerdings sehr stark und fasziniert. Die zahlreichen Wiederholungen, übermäßig viele Details und beschreibende Wörter, übertriebene Explizierung von Marken und teuren Materialien spiegeln die Mentalität des Protagonisten wider: „Ich lehne mit dem Rücken zum Induktionsherd an der Holzkante der integrierten Kochinsel, einen Espresso aus meiner Leva-Semiautomatik in der linken Hand, den kleinen Finger etwas abgespreizt“, S. 11, oder auch „Sie schaut mich an, als wäre etwas falsch an mir, als hätte ich mir heute Morgen meine Haar nicht mit Shampoo, Color-Schutz, Repair-Spülung, Intensivkur und Haarspitzenfluid gewaschen“ (S. 194). Trotz der Detaillierung bliebt die Sprache, vor allem in der Struktur, jedoch oft noch so vage, dass man als Leser zwar die Wörter und Sätze versteht, die geschilderte Situation aber nicht durchschaut.

Das chaotische Durcheinander der Erzählweise des Autors kann also auf Dauer verwirrend wirken. Es trägt jedoch auch zu der Unzuverlässigkeit des Protagonisten bei: Was ist Lüge oder Traum, was ist wahr? So glaubt man dem Protagonisten, wenn er auf S. 138 sagt: „Ich lasse mein Glas fallen, gehe ruhig zu Hannes Pointner hinüber und schlage ihm ohne jede Regung mit der Faust ins Gesicht, so dass seine Zähne über den gewachsten Holzboden springen […]“. Auf der nächsten Seite muss man umdenken: „Ich lasse mein Glas doch nicht fallen“. Letztendlich macht das überraschende Ende des Romans einerseits das (fast) geniale Konstrukt durchschaubarer und es macht dem Leser dann doch den Faden klar, ein lückenloses Gewebe wird es aber anderseits nach meinem Empfinden nicht. Kurzum, da Elias Hirschl mit „Salonfähig“ wohl ein Kunstwerk geschaffen hat, würde ich den Roman empfehlen. Die Geschichte lässt sich jedoch meiner Meinung nach nicht zur Entspannung lesen.
Profile Image for XfeliX.
188 reviews2 followers
May 16, 2024
Ok wow!! Erst war es unglaublich unterhaltsam und wurde dann immer verstörender - ich liebe dieses Spiel mit dem unzuverlässigen Erzähler! Grissartig geschrieben!
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