Wenn die Liebe dich im unmöglichsten Moment überfällt …
Der Roman „Kidnapper Dearest“ von Ute Jäckle ist am 14. Oktober 2019 als Neuauflage von „Verloren in der grünen Hölle“ im Selfpublishing erschienen und spielt in Kolumbien.
Elena ist mit ihren Freundinnen Adriana und Luisa unterwegs zu einer Shoppingtour, doch ihr Chauffeur setzt sie nicht in der Mall ab, sondern übergibt sie zwei Männern, die sie tief in den kolumbianischen Regenwald bringen und dort gefangen halten. Elena’s einziger Gedanke ist Flucht, doch jede Zuwiderhandlung wird hart bestraft und die Kidnapper sind brutal. Nur Rico nimmt sie immer wieder in Schutz und zwischen den beiden fängt es gewaltig an zu knistern. Vor Elena liegt eine anstrengende Zeit, die geprägt ist von Gewalt und Angst, aber auch sehr romantischen Momenten und ihrem inneren Konflikt, für was sie sich entscheiden soll, für ihre langjährigen Freundschaften oder für die Liebe zu einem gefährlichen Kriminellen.
Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Es passt ausgezeichnet zu diesem Roman und lässt einen Eindruck von den Hauptfiguren und dem Setting entstehen.
Auch den Klappentext finde ich sehr gelungen. Er macht neugierig und führt ebenfalls die Hauptfiguren ein.
Zwei Tage habe ich für diesen Roman gebraucht, der mich aufgewühlt, aber am Ende glücklich zurücklässt.
Elena ist ein 17-jähriges Mädchen, das sehr behütet und beschützt aufwächst. Doch nichts ist zu 100% sicher und Elena wird gemeinsam mit ihren Freundinnen gekidnappt. Sie ist aber sehr selbstbewusst und so nutzt sie direkt die erste Möglichkeit für einen Fluchtversuch, anstatt sich ihrem Schicksal zu ergeben. Das hat mir an ihr ganz besonders gefallen. Sie gibt nie klein bei und sie lässt sich nicht wirklich etwas vorschreiben. Auch wie sie sich gerade am Anfang immer wieder Gedanken über das Wohlergehen ihrer Freundinnen macht, ist sehr authentisch und macht sie sympathisch.
Rico ist etwas älter als Elena und anfänglich recht distanziert. Doch schnell erkennt man, dass er in einer verfahrenen Situation steckt und ihm Vieles gegen den Strich geht. Immer häufiger stellt er sich dem Chef in den Weg, vor allem um Elena zu beschützen. Und auch wenn er ein Bad Boy sein soll, finde ich ihn in der Rückbetrachtung sympathisch. Rico macht eine Entwicklung durch und erkennt seine Fehler.
Auch alle anderen Figuren haben mir gefallen. Jede Figur war irgendwie besonders. Und das ist prima. Der sadistische Kopf der Truppe, die anderen Geiseln, die Eltern, auch wenn wir die nur kurz kennenlernen. Jeder hatte seine eigene Motivation.
Die Handlung fand ich insgesamt gelungen. Es gab eine recht gut entwickelte Spannungskurve, jedoch empfand ich den ersten Teil des Romans etwas langatmig. Für meinen Geschmack hätte dort mehr passieren können, was den Leser/die Leserin noch mehr mitreißt. Ansonsten überrascht die Autorin mit unvorhersehbaren Wendungen und lässt dadurch Spannung entstehen. Es sind aber auch sehr brutale und grausame Szenen dabei, die mich zum Teil sehr aufgewühlt haben. Wirklich krass…
Auch die Settings haben mir sehr gefallen. Kolumbien ist mal etwas anderes und so auch der Regenwald. Trotzdem hätte ich mir noch etwas mehr Abwechslung gewünscht, das heißt sich häufiger ändernde Schauplätze. (SPOILER ANFANG Warum muss das neue Camp genauso aussehen wie das alte Camp? SPOILER ENDE)
Aber wie liest sich das Buch nun?
Es sind 66 kürzere Kapitel, die in der ICH-Form abwechselnd aus Elenas und Ricos Sicht im Präteritum geschrieben sind. Das mag ich persönlich sehr gern, um sich gut in die Figuren hineinversetzen zu können und um sie so besser zu verstehen. Auch in diesem Roman ist das wieder super gelungen.
Der Schreibstil gefällt mir insgesamt gut. Es wird alles sehr bildhaft erzählt und es wird auch eine passende Atmosphäre geschaffen, so dass man sich als Leser/in alles gut vorstellen kann, also immer ein Bild vor dem inneren Auge hat. Für meinen Geschmack könnte der Schreibstil aber noch etwas flüssiger sein und die Dialoge noch umgangssprachlicher. Auch die emotionale Ebene hätte für mich persönlich ruhig noch weiter ausgebaut werden können, die den Figuren dann auch noch mehr Tiefe verliehen hätten. Trotzdem unterhält der Roman wirklich gut und die Seiten fliegen nur so dahin.
Mein Fazit:
„Kidnapper Dearest“ zeigt, wie schwierig Liebe sein kann. Freundschaft und Liebe vertragen sich nicht immer und so muss man gegebenenfalls auch eine Entscheidung treffen, was einem persönlich wichtiger ist und auf wen man dann in seinem Leben verzichten kann.
Wer eine aufwühlenden und zum Teil sehr brutalen Liebesroman sucht, der auch das Thema „Verlust eines nahestehenden Menschen“ verarbeitet, der dürfte mit diesem Roman gut beraten sein.
Von mir erhält dieses Buch eine Kaufempfehlung (4/5 Sternen), weil die Story einfach mal etwas anderes und sehr unterhaltsam ist und sich damit von anderen Büchern dieses Genres abhebt. Ein halbes Sternchen ziehe ich ab für den ersten Teil des Romans. Da hätte ich mir noch etwas mehr Abwechslung gewünscht. Ein weiteres halbes Sternchen ziehe ich für den Schreibstil ab. Da fehlt es mir noch etwas an Flüssigkeit und an Lockerheit in den Dialogen. Aber das ist nur mein persönlicher Geschmack.
Insgesamt ist eine wunderbare Buchidee und ich kann diesen Roman nur weiterempfehlen.
Vielen Dank an Ute Jäckle für diese Geschichte.