Moralisch Weltspitze, klimabewusst, divers, postkolonial, aber voller Illusionen – ein Sittenbild der bunten deutschen Republik.
Man kratzt sich am Kopf. War Deutschland nicht eben noch das beliebteste Land der Welt, beneideter Exportweltmeister und begehrter Investitionsstandort mit einer funktionierenden Verwaltung und bestens ausgebildeten Fachkräften? Der Dreiklang aus Demokratie, Marktwirtschaft und einer Arbeitsdisziplin, die im Rest der Welt zugleich gefürchtet und belächelt wird, hat den Ruf „Made in Germany" zum Weltkulturerbe gemacht. Trotz aller Krisen galten die 16 Merkel-Jahre als goldene Epoche von Wachstum und pragmatischer Staatsführung im Zeichen der Raute. Ruhe war oberste Bürgerpflicht. „Wir schaffen das." Der Rest wurde mit Geld ruhiggestellt oder als „rechtspopulistisch" abgestempelt.
Knapp zwei Jahre später zeigt sich jedoch das wahre Erbe der Ex-Kanzlerin, die das Land in einen nachhaltigen Dämmerzustand versetzt Die Realität schlägt mit Macht zurück, ob bei der verteidigungsunfähigen Bundeswehr oder der verfehlten Energiepolitik, ob in Sachen Flüchtlingskrise, Migration und Integration, Digitalisierung, Bildung oder Wohnungsbau. Im Land fehlt es buchstäblich an allem, besonders die tragende Mitte der Gesellschaft ist Krankenschwestern und Pflegekräfte, Lehrer und Sozialarbeiter, Busfahrer, Handwerker, Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Soldaten, also alle systemrelevanten Berufe.
Zugleich strömen Hunderttausende Migranten ins Land, die keinen neuen Wirtschaftsboom ausgelöst haben, sondern in der Mehrheit lange arbeitslos sind und von Sozialleistungen leben. Währenddessen sorgt die Rente mit 63 dafür, dass Hunderttausende Fachkräfte vorzeitig in Pension gehen. Ein Irrsinn, der nur mit Humor zu nehmen ist. Leider gehört auch Humor zur Mangelware in der Ampel-Republik, denn Ironie passt nicht zur woken, politisch korrekten, achtsamen, diversen und nachhaltigen Gesellschaft, die niemanden zurücklassen will und eben deshalb nicht vorwärtskommt.
Doch die Autoren wollen keine schlechte Stimmung verbreiten. Im Gegenteil. Sie beobachten, protokollieren und resümieren mit viel Humor und Liebe zum Detail, was in diesem merkwürdigen Land vorgeht und viele Zeitgenossen ratlos oder wütend zurücklä einen größenwahnsinnigen Moralismus, realitätsferne Illusionen, strukturell schlechte Laune und Angst vor der Freiheit, dazu eine Vollkasko-Mentalität und eine Apokalypse-versessene Wohlstandsverwahrlosung mit einer kräftigen Portion Geschichtsvergessenheit, die sich als „Lehre aus der Geschichte" tarnt.
Einleitung Schöne Illusionen oder Die Realitätsblindheit der Bullerbü-Republik Moralismus als neue Gratis-Tugend - die gute Absicht zählt Die deutsche Apokalypseverliebtheit oder Untergang ist immer
Weder überzeugend noch lustig. Stattdessen oberflächlicher, selektiver Verriss der durchaus kritikwürdigen Ampelpolitik. Xenophob, ohne überzeugende Argumente. Alles was dem Autor an der Entwicklung Deutschlands nicht passt, wird pauschal der Ampel (manchmal auch der Merkel-Ära) vor die Füße geworfen. Sich an Grünen, Linken und Liberalen abarbeitend, bleibt für die Kritik an rechtskonservativen Entwicklung lediglich ein halber Absatz am Schluss übrig. Die permanente Ad hominem-Kritik an Politikern und öffentlichen Personen sind für einen Journalisten von Broders Format unwürdig.
Sehr gelungenes Buch. Wer da nicht lacht, findet sich vermutlich in einer der vielen absurden Charaktere des modernen Deutschland wieder, die Herr Broder wunderbar beschreibt.
Das Buch ist eine selektive überspitzte Darstellung der Probleme in Deutschland. Der Stil ist nicht lösungsorientiert, sondern destruktiv.
Es wird nicht versucht zu analysieren, wieso wir hier gelandet sind. Stattdessen wird auf Teilaspekten von Lösungsversuchen herumgehackt. Es sind immer Einzelpersonen dumm und unfähig.
Klar kann man das lesen, wenn man sich erhaben vorkommen will, aber ich sehe nicht, was der Beitrag des Buches zu besserer Politik sein soll.
Die Beobachtungen des Autors sind nicht schlichtweg falsch, aber ich hatte mehr erwartet. Im Rahmen seiner Überspitzungen übertreibt der Autor. Vieles klingt sehr konservativ, um nicht zu sagen rechts. Keine wirkliche Distanzierung vom Antisemitismus. Die Intoleranz eines christlichen Fussballers gegen queere Personen wird so dargestellt, als dürfe die Nationalmannschaft demnächst nicht mehr gewinnen, weil es ausländerfeindlich wäre. Genau solche Artikel bestärken Menschen in Diskriminierung. Ich bedauere etwas, diese Autoren mitfinanziert zu haben.