Daniel Koch ist sportlich, freundlich und fühlt sich topfit. Dass er manchmal Sachen vergisst, kümmert ihn nicht, das passiert ja jedem mal. Dann aber sagt ihm seine Ärztin, dass er Alzheimer hat und der Verlauf der Erkrankung nicht aufzuhalten sei. Und tatsächlich, Daniel driftet sehr rasch immer mehr aus der Realität ab.
Doch in dem Maße, in dem die ihm vertraute Welt verschwindet, tut sich eine neue eine Welt mit verblüffenden, schrägen, komischen Geschichten. Und Maurers vergesslicher Held stürzt von einem Abenteuer ins nächste ...
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1953 in Bayern, ganz in der Nähe Österreichs geboren, hielt es Jörg Maurer in Garmisch-Partenkirchen nicht lange aus und ging bald nach der Schulzeit nach München, wo er Germanistik, Anglistik, Theaterwissenschaften und Philosophie studierte. Es folgten einige Jahre als Englisch- und Deutschlehrer. Nebenbei verfasste Maurer seinen ersten Roman "Föhnlage", der 2009 erschien und mit dem er viele Leser begeisterte. Neben dem Schreiben gehört Maurers Leidenschaft dem Musikkabarett. Beide zusammen präsentiert er in seinen "musik-kabarettistischen Lesungen". Wiewohl er den Lehrerberuf mochte, so hat Jörg Maurer ihn doch zugunsten der Literatur und Musik aufgegeben.
Als Daniel Koch von seiner Neurologin die Diagnose Alzheimer erhält, hat er bereits wegen Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit seinen Arbeitsplatz verloren. Erreichbare Angehörige hätte er nicht, behauptet er. Von Gitti im Schreibwarenladen bis zu Jan Heidbrink, der den Patienten betreuen soll, trifft Daniel in seinem Umfeld verständnisvolle Menschen mit Wissen über seine degenerative Erkrankung. Offenbar ist Demenz u. a. auch ein blühender Wirtschaftszweig, in dem nicht alle Menschen die sind, die sie zu sein vorgeben. Daniel beobachtet das eine oder andere Defizit bei vorgeblich Gesunden, so dass Jörg Maurers Leser:innen sich fragen könnten, wer in Daniels Geschichte eigentlich der Patient ist und wie verlässlich seine Diagnose. Meine Zweifel an der Professionalität einiger Figuren erinnerten mich fatal an die Situation Demenzkranker, wenn sie Menschen nicht erkennen und Gegenstände nicht mehr finden können. Der Patient trifft auf vertraute Personen (Sportkameraden), Fremde (Straßenmusikerin Lore) und sogar den Autor selbst, der mit Ichstimme behauptet, er und Daniel müssten sich kennen. Nach originellen Abenteuern zu Wasser und zu Lande in Daniels Kopfkino fügen sich Figuren und Handlungsfäden zu einem runden Schluss.
Jörg Maurer lässt ungewöhnlich exzentrische Figuren auftreten und legt für seine Leser:innen zunächst verwirrende Fährten aus. „Leergut“ habe ich als Abenteuer einer Figur mit der Diagnose Demenz gelesen, nicht als „Roman über Demenz“, der jedoch anschaulich, empathisch und humorvoll die Verwirrung Betroffener vermitteln kann.
Ein sehr schwieriges Thema (Krankheit) unglaublich leichtfüßig bearbeitet. Jörg Maurer besticht wieder mit seiner Beobachtungsgabe, seinen Wortspielen und dem herausragenden gebrauch der deutschen Sprache. Gelesen vom Autor, und das macht er, wie immer, perfekt.