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Schweben

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Gewalt scheint nicht mehr zu existieren, der Klimawandel längst vollzogen. Eine bedrohliche Gelassenheit liegt über der abgeschotteten Siedlung, in der sie lebt. An ihren eigenen Namen hat sie keine Erinnerung mehr. Sie verdient ihr Geld damit, andere Frauen zu imitieren, deren Angehörige nicht mit dem Verlust der Geliebten, der Ehefrau, der Tochter zurechtkommen. Während eines neuen Auftrags gerät ihre Welt ins Wer ist diese Emma, die sie spielt? Weisen seltsame Phänomene am Rand der Siedlung auf deren Untergang hin? Und warum ist sie selbst so besessen davon, eine andere zu sein? Amira Ben Saoud gelingt ein fesselndes Debüt, das schwebend leicht grundsätzliche Fragen nach Identität und Beziehungen stellt und danach, was wir uns selbst vorspielen.

192 pages, Hardcover

First published March 18, 2025

4 people are currently reading
210 people want to read

About the author

Amira Ben Saoud studierte Klassische Philologie, Kunstgeschichte und Komparatistik in Wien. Sie war Chefredakteurin des Popkulturmagazins The Gap und Kulturredakteurin beim Standard. »Schweben« ist ihr erster Roman.

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Community Reviews

5 stars
28 (15%)
4 stars
64 (35%)
3 stars
71 (39%)
2 stars
16 (8%)
1 star
3 (1%)
Displaying 1 - 30 of 41 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,055 followers
March 28, 2025
Well-written, but a lot of thematic confetti: Ben Saoud's debut is a dystopia about an authoritarian settlement in a world in which climate change is far advanced. Our at first unnamed protagonist is an impersonator for hire: She offers "encounters", meaning that she emulates another person for money - a lost girlfriend, family member, friend, you name it. The job has permeated her in a way that she forgot her own name, and she gets stuck in a toxic, co-dependent relationship with a physically and emotionally abusive client, while the guy who truly loves her starts to record glitches in the authoritarian system.

"Schweben" ("Levitating") is about control, through systems and people. While the system that rules the settlement punishes those who are trying to leave (hello, GDR), it also forbids any form of violence between citizens, and it's the denial of this destructive, primal human force that instigates secret brutality (hello, A Clockwork Orange, Fight Club, and Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes) and starts a process of disintegration. The title-giving mysterious instances of levitation are not only a metaphor for the in-between, but also stand for the possibility to just fly over the intended border - or to plummet and die. The author has stated that she was inspired by The Wall and Killing Stella.

This novel is very readable, and the plot twist that seems to materialize from around the middle of the novel does indeed not materialize - still, the ending is too convoluted. Also, the topic of climate change is introduced and then hardly matters for the plot, much like the fact the protagonist is a shell of a person who lost her identity takes away from the dynamic of the toxic relationships she enters: Sure, she wants to replace her inner emptiness with something, anything - that's not very complex though, and not the most interesting constellation for a woman losing herself in the control schemes of a violent partner.

Sometimes too much, sometimes not enough, but overall, a very decent debut.

You can listen to our podcast discussion here: https://papierstaupodcast.de/podcast/...
Profile Image for LeserinLu.
330 reviews39 followers
March 18, 2025
„Schweben“ von Amira Ben Saoud hat mich mit seinem dystopischen (oder doch realistischen?) Setting sofort in den Bann gezogen. Die namenlose Protagonistin des Romans wohnt in Zeiten des voranschreitenden Klimawandels in einer abgeschotteten, autokratisch reagierten Siedlung – all das wird mit einer faszinierenden, fast unheimlichen Gelassenheit beschrieben. Die Protagonistin arbeitet als Ersatz für abwesende Partnerinnen, Töchter und Schwestern, indem sie in die Rolle der Frauen schlüpft und ihre Identitäten nachahmt. Bald nimmt sie jedoch einen Auftrag an, der ihr bisheriges Leben infrage stellt und sie aus ihren Routinen reißt.

Die Idee des Settings des Romans, dass die Menschheit sich nach einem großen Klimacrash insgesamt mit weniger Luxus arrangieren muss, während die Regierungsstrukturen autokratisch geworden sind, fand ich sehr passend und spannend erzählt, deshalb hat mir insbesondere der Anfang des Romans auch so gut gefallen. Dies stand als Thema aber gar nicht im Zentrum des Romans, denn es ging eigentlich um toxische Beziehungen und Identitätsverlust in diesen. Bei diesem Thema blieben mir allerdings am Ende des Romans zu viele Fragen offen. Trotz der starken Atmosphäre und des eindringlichen Schreibstils hat mich der Roman also letztlich nicht völlig überzeugt. Während ich offene Enden oft schätze, blieben mir hier zu viele lose Enden. Es fühlte sich an, als hätte das großartige Setting noch viel mehr hergegeben, als tatsächlich erzählt wurde. Trotzdem ein außergewöhnlicher Roman, der durchaus zum Nachdenken über die verschiedenen Leerstellen anregt.
Profile Image for Sandra.
204 reviews48 followers
August 7, 2025
Die Protagonisten in diesem Roman hat ein Berufskonzept entwickelt, in dem sie für ihre KlientInnen diejenigen Menschen nachstellt, die sie liebten und verloren haben (durch eine Beendigung der Beziehung, nicht durch Tod, das macht sie nicht). Dabei kommt es insbesondere darauf an, dass die Beziehung genau die Schwierigkeiten hat, die sie zuvor hatte und jedes destruktive Verhaltensmuster beibehalten wird. Die Protagonistin ist nicht zum aussöhnen da. 

Eingebettet ist das Ganze in eine dystopische (oder vielleicht utopische, ist wohl Ansichtssache) Zukunft, Post-Klimakatastrophe(n). Die Welt besteht aus Siedlungen, die klar voneinander abgegrenzt sind, das Gegenmodell zur schief gelaufen Globalisierung. Die örtliche Propaganda sagt, die Siedlung verlassen heißt, unweigerlich sterben. Ob das wirklich jemand glaubt, ist fraglich, aber als Wahrheit akzeptiert wird es trotzdem von den meisten. Nicht von allen, dankenswerterweise für den Plot.

Mir hat das Buch gut gefallen. Die Kombination von der sehr privaten Thematik ungesunder Beziehungen und der persönlichen Bessenenheit mancher Menschen mit ihren Lieben mit der postapokalyptischen Weltordnung fand ich gut gelungen. Vieles drin, was ich so noch nicht gelesen habe und die ein oder andere Figur war so gut gezeichnet, dass sie mir sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird. 

Hat mich trotz viel postivem darin nicht fünf-Sterne- würdig vom Hocker gerissen, ist aber ein gutes Buch meiner Meinung nach.
Profile Image for Anika.
967 reviews325 followers
April 6, 2025
Ein Debüt, das in einer Zeit nach dem Klimakollaps spielt und in der die Menschen in Siedlungen unter sich bleiben (müssen). In dieser Enge bietet die Protagonistin ihre Dienste an und hält beendete toxische Beziehungen aufrecht: Interessanter Plot, sprachlich schön und durchaus faszinierend, wenn auch insgesamt leicht überambitioniert, da einige Ansätze nicht richtig weiterverfolgt werden. Aber: Die Autorin wollte ein Buch schreiben, dass Leser*innen nicht kalt lässt, das hat sie auf jeden Fall erreicht!

Mehr zum Buch in unserer ausführlichen Besprechung @ Papierstau Podcast: Hegemon vs. Pokémon
Profile Image for Benni Beh.
31 reviews
November 20, 2025
Ist kurz und auch kurzweilig, eher novellenhaft. Finde es sehr gut, dass sie sich traut, so viel gleichzeitig nur in Andeutungen stehen zu lassen. Funktioniert auch meiner Meinung nach sehr gut, bleibt trotzdem spannend und vor allem atmosphärisch. Wahrscheinlich kann man das auch etwas beliebig/ wechselhaft/oberflächlich finden, aber naja, fand ich halt nicht. Hätte sogar fast 5 gegeben (schon allein wegen so schöner österreichischer Wörter wie "Kassahäuschen"), aber dafür ist es dann doch etwas zu nebulös und zu wenig pointiert. Trotzdem klare Leseempfehlung.
Profile Image for Paula.
284 reviews31 followers
May 16, 2025
es war schon okay, aber einfach ein bisschen langweilig. bisschen deutsch unterricht vibes. muss man nicht gelesen haben
Profile Image for tamara .
13 reviews2 followers
May 31, 2025
Der Roman erzählt die Geschichte von einer (anfangs) namenlosen Ich-Erzählerin, ihrem Job und dem Leben in einer Welt Jahrzehnte nach der Klimakatastrophe. Das Regime, unter dem die wenigen Überlebenden leben, ist ein autoritäres: Zwar ist Gewalt verboten, allerdings ist es ebenso unerlaubt, sich mit der Vergangenheit oder mit den Orten jenseits der Grenze zu beschäftigen. Wer versucht, (buchstäblich) seinen Horizont zu erweitern, wird von den »Grenzern« aufgegriffen und/oder exiliert.

Der Beruf der Protagonistin ist es, Menschen, die von geliebten Frauenfiguren verlassen worden sind, zu helfen, indem sie sich in die Rolle dieser Frauen begibt. Die Ich-Erzählerin lässt sich für die »Begegnungen«, wie sie es nennt, ständig auf neue Persönlichkeiten und Erscheinungen ein. Schlussendlich weiß sie nicht mehr, wer ihr echtes eigenes Ich eigentlich ist, sie vergisst sogar ihren Namen. Bis ihre Vergangenheit sie einholt.

Das Klima hat sich zwar wieder stabilisiert, allerdings ist die Angst vor dem Ende in der Siedlung noch präsent. Stück für Stück dekonstruiert sich der Ort, an dem sie leben. Und gleichzeitig verliert sich die Erzählerin immer mehr in der Figur, die sie verkörpert.

Der Roman behandelt Fragen über Identität und ihren Verlust, über Autorität und Lebenskonzepte auf einem dystopischen Hintergrund. Die Sprache ist schlicht, nüchtern, und erzeugt keine exzentrische Spannung. Teilweise passiert alles sehr schnell, manche Szenen hätten das Potential, langsamer erzählt zu werden, sodass die Wirkung wirklich durchkommt, z.B. die Szenen, in denen der Wahn und Identitätsverlust der Erzählerin im Vordergrund stehen. Aber ein sehr gelungenes Debüt.
Profile Image for Sini [on hiatus].
71 reviews3 followers
March 27, 2025
Surreal und dystopisch

In Amira Ben Saouds Debütroman »Schweben« begeben sich die Leser*innen auf eine literarische Reise in eine dystopische Welt, in welcher der Klimawandel und Gewalt der Vergangenheit angehören.

Die namenlose Protagonistin lebt in einer der zahlreichen und voneinander abgeschotteten Siedlungen, deren einzige Verbindung im Warenaustausch untereinander besteht. Das Überschreiten der Grenzen hat schwere Konsequenzen und wird mit dem Tod bestraft. Abgesehen davon ist Gewalt strengstens untersagt und es wird Wert auf ein harmonisches Miteinander gelegt. Doch die vermeintliche Ordnung ist nur eine Illusion und einige der Siedler werden misstrauisch.

Nach einigen traumatischen Erlebnissen verdient die Protagonistin ihren Lebensunterhalt damit, verschwundene Frauen nachzuahmen und deren Rolle als Freundin, Ehefrau, Schwester oder Tochter einzunehmen. Diese „Begegnungen“, wie sie sie nennt, führen dazu, dass sie nicht nur ihren eigenen Namen, sondern auch ihre Identität verliert und zu einer Hülle ihrer selbst wird. Die Dynamiken zwischen den Parteien in den meist toxischen Beziehungen die sie am Leben hält, scheinen ihre innere Leere zumindest kurzzeitig zu betäuben.
Nach und nach häufen sich mysteriöse Vorkommnisse und die Fassade der mühsam aufrecht erhaltenen Stabilität beginnt zu bröckeln.

Die Autorin schafft es in klarer, präziser Sprache eine dichte und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die beim Lesenden ein unbehagliches Gefühl hervorrufen.

Neben dem Aspekt des Klimawandels, der zwar angeschnitten aber nicht weiter ausgearbeitet wird, widmet sich das Buch auch anderen gesellschaftlich relevanten Themen oder persönlichen Aspekten, wie Selbstwahrnehmung/Identität, Rollenbilder, patriarchale Strukturen, gesellschaftliche Erwartungen etc.
Zum Ende des Romans geht alles etwas schnell, die surrealen Ereignisse haben keinen großen Bezug mehr zum Rest der Geschehnisse und bieten somit auch keine zufriedenstellende Erklärung.

Alles in allem ein interessantes Debüt, dem etwas mehr Fokus auf einige wenige Themen besser getan hätte. Weitere Bücher der Autorin würde ich auf jeden Fall lesen, da sie mit ihrem Schreibstil ein tolles Gespür für Stimmungen bewiesen hat.
Profile Image for Margarita.
38 reviews
March 20, 2025
Amira Ben Saoud schafft ein dystopisches Szenario nach der Globalisierung: Die Menschen leben nunmehr in kleinen Siedlungen, abgeschottet von der Außenwelt. Wissen über die Vergangenheit wird geahndet, das Leben ist schlicht, wenn nicht sogar trostlos.
Durch diese Welt begleiten wir unsere Protagonistin, die sich mit ihren "Begegnungen" über Wasser hält. Durch die jahrelange Imitation anderer Frauen hat sie ihren Namen schon seit langer Zeit vergessen. Ihre nächste Begegnung wird jedoch intensiver, als sie hätte ahnen können...
Das Konzept hat mich wirklich überzeugt. Obwohl die meisten Aspekte des Alltags durch die Kürze des Buchs nur angerissen werden, ist die beschriebene Dystopie dennoch greifbar und anschaulich. Die triste Grundstimmung zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.
Die Protagonistin ist sehr interessant und das Rätsel um ihre Person durchweg spannend. Stück für Stück entdeckt man mit ihr zusammen ihre Vergangenheit und versteht immer mehr, warum sie so ist, wie sie ist.
Einzig das ca. letzte Viertel des Buchs lässt mich mit einem kleinen Fragezeichen zurück. Ich bin mir nicht sicher, ob es den paranormalen Aspekt gebraucht hätte oder ob ich diesen überhaupt richtig verstanden habe. Es hat meinem Lesespaß im Großen und Ganzen aber auch keinen Abbruch getan.
Von daher: Wer sich auf ein kurzes, aber spannendes Gedankenexperiment einlassen möchte, für den ist "Schweben" genau das Richtige.
Profile Image for Julie J..
625 reviews36 followers
January 13, 2026
ENGLISH VERSION BELOW

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Schweben ist ein Debüt mit einem starken Kern: eine abgeschottete Siedlungswelt nach dem Klimakollaps respektive am Ende der Globalisierung, regiert durch Kontrolle, Grenzregime und die Behauptung eines „gewaltfreien“ Zusammenlebens. In diesem System arbeitet die namenlose Erzählerin als bezahlte Stellvertreterin. Sie nimmt die Rolle von anderen Frauen an, passt sich deren Leben an – und verliert durch das dauernde Nachahmen nicht nur ihren Namen, sondern auch jede stabile Vorstellung von sich selbst. Das ist als Ausgangslage zugleich kühl, beklemmend und erstaunlich gut lesbar.

Am überzeugendsten sind Sprache und Stimmung: präzise, unaufgeregt, dabei durchgehend unheimlich. Weniger rund wirkt die thematische Streuung. Der Klimahintergrund bleibt eher Kulisse, während Identitätsverlust, toxische Bindung und die systemische Überwachung um Aufmerksamkeit konkurrieren. Gegen Ende kippt der Roman in eine stärker surreale Richtung (inklusive der titelgebenden „Schwebe“-Momente), die viel andeutet, aber wie vieles im Roman nicht aufgelöst werden – das Finale wirkt dadurch überladen und lässt zu viele Fäden offen, was ich ja gar nicht mag.

Ein eigenwilliges, nachhallendes Buch, das mehr Fokus gebraucht hätte, aber klar zeigt, dass Ben Saoud Atmosphäre kann.


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It’s a debut with a strong core: an isolated settlement world after climate collapse—effectively at the end of globalization—ruled by control, border regimes, and the claim of a “violence-free” coexistence. Within this system, the unnamed narrator works as a paid stand-in. She steps into other women’s roles, adapts to their lives—and through this constant imitation, she loses not only her name, but any stable sense of self. As a premise, it’s cool, claustrophobic, and remarkably readable.

What works best are the language and the mood: precise, restrained, and consistently unsettling. Less convincing is the thematic sprawl. The climate backdrop remains mostly scenery, while identity loss, toxic attachment, and systemic surveillance compete for attention. Toward the end, the novel shifts into a more surreal mode (including the title’s “levitation” moments), which suggests a lot but—like much in the book—never gets properly resolved. As a result, the finale feels overloaded and leaves too many threads hanging, which I really don’t enjoy.

An idiosyncratic, lingering book that needed more focus, but clearly shows that Ben Saoud knows how to build atmosphere.
Profile Image for kaffeezeilen.
87 reviews1 follower
Read
January 21, 2025
Rezension folgt am ET!
/ Review to follow on the release day!
Profile Image for Lea.
232 reviews30 followers
April 6, 2025
Schweben spielt in einer dystopischen Zukunft, in der der Klimawandel bereits weit fortgeschritten ist und die Gesellschaft sich in einer bedrohlich gelassenen Atmosphäre wiederfindet. Die Protagonistin lebt in einer abgeschotteten Siedlung und verdient ihren Lebensunterhalt damit, andere Frauen zu imitieren. Sie schlüpft in die Rollen von verstorbenen Partnerinnen oder Töchtern, um den Hinterbliebenen Trost zu spenden. Als sie jedoch einen neuen Auftrag annimmt, beginnt ihr bisheriges Leben ins Wanken zu geraten. Fragen nach ihrer eigenen Identität und der Zukunft der Siedlung drängen sich auf. 🌍

"Genügend Menschen verblieben gerne in ihren selbstzerstörerischen Gewohnheiten, waren besessen von dem, was ihnen nicht guttat."

Die Grundidee des Romans fand ich wirklich spannend, und auch das Setting der abgeschotteten, autokratisch geführten Siedlung hat viel Potenzial. Doch leider wurde die Entwicklung der zentralen Themen wie Identität und Verlust nicht genug vertieft, was für mich den Inhalt etwas schwächte. 😕💭

Der Schreibstil von Amira Ben Saoud ist flüssig und schafft eine dicht-spannende Atmosphäre, die zu Beginn richtig packend ist. Besonders die ersten Kapitel, in denen die Protagonistin ihre Rolle als „Ersatzfrau“ ausfüllt, waren von der Atmosphäre her stark und gut beschrieben. Die Autorin versteht es, eine fast unheimliche, dystopische Welt zu zeichnen, die mich total in den Bann gezogen hat. Leider verliert sich der Stil gegen Ende ein wenig in surrealen Elementen und unklaren Szenen, die mich als Leserin eher verwirrt zurückließen. Der Schreibstil bleibt durchgehend angenehm zu lesen, doch die komplexen Themen werden nicht immer so klar und fokussiert rübergebracht, wie ich es mir gewünscht hätte. ✍️

Die Entwicklung der Hauptfigur, die ihre eigene Identität verliert und sich in die Rollen anderer Menschen begibt, ist zu Beginn sehr spannend. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verliert sie sich in zu vielen Themen. Gewalt, Identitätsverlust, toxische Beziehungen und gesellschaftliche Strukturen werden angeschnitten, aber nicht wirklich vertieft. Das sorgt dafür, dass der Plot sich irgendwann etwas ziellos anfühlt und viele lose Enden übrig bleiben. Auch die surrealen Ereignisse gegen Ende des Romans haben für mich nicht genug Bezug zur Haupthandlung, was den Abschluss etwas verwirrend und unbefriedigend machte. 📖

Die dystopische Gesellschaft, in der Gewalt auf subtile Weise unterdrückt wird, hat mich nachdenklich über die Kontrolle von Systemen und den menschlichen Wunsch nach Flucht gemacht. Allerdings ließ mich das Buch auch mit vielen unbeantworteten Fragen zurück. Ich hätte mir gewünscht, dass der Fokus stärker auf weniger Themen gelegt und diese dann tiefer beleuchtet worden wären. 🤨🔍

Fazit: "Schweben" ist ein interessantes Debüt, welches ich vor allem Personen empfehlen würde, die Interesse an dystopischen Geschichten mit komplexen gesellschaftlichen Fragen haben und sich mit den Themen Identität und toxische Beziehungen auseinandersetzen möchten (und kein Problem mit offenen Enden haben). ⭐⭐⭐

Ein Dankeschön an Vorablesen für das Rezensionsexemplar!
87 reviews2 followers
March 22, 2025
Zu viele Ideen

In diesem Debutroman wird eine dystopische Zukunftsversion beschrieben, in der die vom Klimawandel in ihrer Zahl reduzierte Menschheit in Siedlungen lebt, deren einzige Verbindung zu den Siedlungen der Außenwelt im Warenaustausch besteht. Das „Streben nach mehr“ und das Ansammeln von Wissen über die Zeit des „Davor“ sind verboten, ebenso die Anwendung von Gewalt. In dieser Welt lebt die Protagonistin davon, dass sie die Rolle anderer Frauen annimmt - Geliebte, Töchter, Ehefrauen. Gleichzeitig scheint es mit der Welt in der Siedlung zu Ende zu gehen und merkwürdige Dinge geschehen.

Wie man aus der Übersicht der Themen erkennen kann, sind in dem Roman sehr viele dystopische Ideen miteinander verknüpft worden. Leider zu viele. Viele Ideen sind grundsätzlich gut, aber nicht zu Ende geführt (wie das Auftreten der Gewalttätigkeit unter Jugendlichen) und eigentlich geht es auch vielmehr um toxische Beziehungen als eine dystopische Zukunft. Schade, gute Ideen vergeben.
Profile Image for bügger.
31 reviews
May 2, 2025
bisschen wild
hätte mehr infos zu dieser dystopischen Gesellschaft wissen wollen
Profile Image for Jule.
351 reviews15 followers
September 5, 2025
Mega spannend, sehr flüssig und klar erzählt. Gigantisch gutes Setting, daraus wurde aber leider zu wenig gemacht. Viele lose Enden. Gerne hätte das Buch doppelt so dick sein dürfen.
Profile Image for Anna.
627 reviews41 followers
August 5, 2025
Schweben von Amira Ben Saoud ist ein Debütroman, dessen Klappentext sofort klarmacht, worum es geht: Wir tauchen ein in eine postapokalyptische Gesellschaft nach der Klimakatastrophe. Im Fokus steht eine zunächst namenlose Frau, die einen ungewöhnlichen Beruf ausübt: Sie bietet „Begegnungen“ an, ein Zusammentreffen, in dem sie die Rolle spielt, die ihr Gegenüber einfordert und bezahlt. Sie wird zu Frauen, die ihre Männer verlassen haben, zu Partnerinnen, die ein neues Leben begonnen haben, zu Töchtern, Tanten und Freundinnen, zu denen der Kontakt abgebrochen ist. Bis zu sechs Monate schlüpft sie in eine Rolle, länger will sie aber nicht. Zur Vorbereitung studiert sie das Verhalten der Frauen, sieht sie aber auch durch die Augen der verlassenen Männer. Ihr Körper ist dabei Formmaterial - er wird transformiert, herabgehungert oder trainiert, das Haar wird geschnitten, gefärbt, frisiert, je nachdem, was die Rolle ihr abverlangt. Sie lebt also davon, viele andere zu sein – wieder und wieder.

Zu Beginn des Romans trifft sie einen neuen Auftraggeber, der eine Emma braucht – akkurat zurechtgemacht, blond, in wallenden Kleidern. Doch bald wird klar, dass da etwas merkwürdig ist: Wer ist Emma? Wo ist sie? Und warum fängt die Frau, die Emma spielt, zunehmend an, ihre eigenen Regeln zu brechen und sich auf eine Beziehung einzulassen, in der etwas grundlegend nicht stimmt?

Während „Emma“, die sich an ihren eigenen Namen schon lange nicht mehr erinnern kann, immer tiefer in die Geschichte hineingezogen wird, lernen wir Leser:innen die Welt kennen, in der sie lebt: Durch die Klimakatastrophe ist die globale Welt verschwunden, stattdessen existieren kleine Enklaven im „System“, die keinen Kontakt zueinander haben. Selbst der verbliebene Handel untereinander findet ohne direkten Kontakt statt. Noch irritierender: Das „System“ hat jedes Sprechen über die Vergangenheit verboten. Verboten ist auch Gewalt. Doch was fast schon utopisch klingt, vibriert bedrohlich im Untergrund, denn die Aggression ist nie fortgegangen – sie hat nur ihr Ventil verloren. Keine Gewalt bedeutet nicht nur drakonische Strafen für Verstöße, sondern zum Beispiel auch, dass Abtreibungen verboten sind und nur illegal und heimlich stattfinden. Die Jugend kennt nur diese Welt, und ihr Ausbruch besteht darin, sich gegenseitig heimlich Gewalt anzutun – eine Praxis, die zunehmend eskaliert.

Und dann passieren eben noch merkwürdige Dinge: Die echte Emma soll die Stadt verlassen haben, taucht jedoch plötzlich wieder auf. Und plötzlich fangen Menschen an, zu schweben – und damit wird das Ende eines Systems eingeläutet, das gegen die Auflösungserscheinungen seiner Gesellschaft nichts anzubieten hat außer Kontrolle und Zwang.

Das ist ganz schön viel Inhalt für nicht einmal 200 Seiten, die zudem großzügig gesetzt sind. Vieles davon funktioniert gut: Die Frau, die ihren eigenen Namen vergessen hat und in die Rollen anderer Frauen schlüpft, ist eine faszinierende Idee und wird noch interessanter, je mehr wir über sie und ihr Leben lernen. Die Welt bleibt vielleicht ein wenig blass, aber das Debüt ist atmosphärisch fesselnd. Die Prosa ist direkt und klar, und stilistisch merkt man Amira Ben Saoud nicht an, dass es sich um ihr erstes Buch handelt.

Doch das Ende hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Es kommen sehr viele Erzählstränge und Themen zusammen, die man meiner Meinung durchaus weiter hätte reduzieren können. Metaphorisch ist das Schweben natürlich stark, doch nach einer tiefenpsychologischen Tauchfahrt in die Protagonistin dreht der Roman hier schon ganz schön ab und entzieht sich auch ein wenig der Verantwortung, die beschriebene Gesellschaft wirklich zu verstehen. Vielleicht kommen hier zwei Dinge nicht so richtig zusammen: Die Geschichte einer Frau und die Geschichte des Systems, in dem sie lebt. Dafür hätte es mehr Raum gebraucht oder im Gegenteil den Mut, das System noch mehr in den Hintergrund treten zu lassen.

Insgesamt ist da bei Zsolnay ein spannender Debütroman erschienen, der etwas zu erzählen hat – über Beziehungen, über Identität, darüber, wer wir sind, und über Gesellschaften am Abgrund. Allein für die distinkte Erzählstimme lohnt es sich, das Buch aufzuschlagen – und dann bekommt man auch noch jede Menge Material zum Nachdenken. Von mir gibt es dafür eine Leseempfehlung.
1 review
June 26, 2025
Schweben ist sprachlich klar und überzeugt mit einer eindrücklichen Darstellung einer dystopischen Welt, in der Mensch und Umwelt gleichermaßen verloren wirken. Die Atmosphäre ist dicht und beklemmend und die Sprache schafft eine zugängliche "nähe".

Themen wie toxische Beziehungen, Identitätskrisen und das ständige Infragestellen des eigenen Seins durchziehen die Geschichte, allerdings verlieren sich gerade diese persönlichen Aspekte im Verlauf etwas:
Konflikte werden oft zu schnell erzählt oder lösen sich unerwartet leicht auf. So bleiben gerade die psychologischen Krisen der Hauptfigur eher angedeutet als wirklich durchdrungen wie etwa im Umgang mit Erinnerung, Begehren, Realitätsverlust oder Selbstverlust.

Auch bei zentralen Motiven wie Gewalt, Kontrolle und emotionaler Abhängigkeit fehlt es stellenweise an Tiefe. Besonders das Thema toxische Beziehungen hätte mehr Raum vertragen können: Die Dynamiken werden zwar angeschnitten, bleiben aber oberflächlich.

Ebenso bleibt unklar, warum das Leben „davor“ kaum thematisiert oder unterrichtet wird.
Die kollektive "Amnesie" wird behauptet, aber nicht ausreichend erzählt oder greifbar gemacht.

Was für mich nicht ganz aufgegangen ist, war das Ende: Es bleiben viele Handlungsstränge offen, was leider eher unfertig als bewusst offen wirkte. Vielleicht wurde auch an Fantasy angeschnitten?

Trotz dieser Kritikpunkte bleibt das Buch im Kopf, durch seine Sprache, seine Stimmung und die Fragen, die es aufwirft oder aufwerfen kann à la "was wäre, wenn"
Profile Image for MsWatson.
148 reviews3 followers
March 18, 2025
Mit “Schweben” legt Amira Ben Saoud atmosphärische, dichte, harte Kost als Debüt vor. In ihrem Roman erzählt sie fast schon auf hypnotisch ruhige Weise über die existenziellen Themen unseres Lebens - das allerdings hier in einer dystopischen Welt spielt. Einer Welt, in der alles geordnet scheint, doch unter deren Oberfläche es gewaltig brodelt.

Im Mittelpunkt steht die Protagonistin, die sich aufgrund einer Reihe traumatischer Ereignisse und deren Folgen nicht mehr an ihren eigenen Namen erinnert und ihren Lebensunterhalt damit verdient, Begegnungen anzubieten. Das heißt, dass sie in die Rollen verschwundener Frauen schlüpft – Töchter, Ehefrauen, Freundinnen – und so die verschiedenen Beziehungen weiter am Leben erhält. Als sie sich mehr und mehr in ihrer neuesten Rolle als ‘Emma’ verliert, beginnt ihr Selbstbild zu bröckeln. Wer war diese Frau wirklich? Und warum entwickelt sie selbst eine Besessenheit, jemand anderes zu sein? Wer ist sie eigentlich selbst?

Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist dystopisch angelegt: Der Klimawandel ist vollzogen, die Bewohner:innen leben als Folge in abgeschotteten Siedlungen, die vom “System” regiert werden. Ein weißer Strich zieht eine Grenze um die Siedlungen, wer diese überschreitet, wird sterben. Gewalt existiert offiziell nicht mehr, in den Siedlungen führen die Menschen ein scheinbar sicheres Leben. Über allem liegt eine scheinbare Gelassenheit, aber unter der Oberfläche brodelt es gewaltig Gewalt und es wird immer klarer, dass der Frieden nur eine dünne Fassade ist.

Während sich die Hauptprotagonistin immer tiefer in die Identität von Emma hineinsinken lässt, geschehen in der Siedlung rätselhafte Dinge. Am Rand des Ortes häufen sich mysteriöse Phänomene, die darauf hindeuten, dass die scheinbare Stabilität der Welt ins Wanken gerät. Ist das perfekte System doch nicht so unfehlbar, wie es scheint? Die Diskrepanz zwischen den offiziellen Verkündungen – einem friedlichen, harmonischen Leben – und der gelebten Realität wird immer deutlicher. Denn die Fassade beginnt zu bröckeln, die Unruhe wächst und die Frage nach Identität wird zur existenziellen Bedrohung.

Ben Saoud gelingt es, diese fragile Welt mit einer sprachlichen Leichtigkeit zu beschreiben, die fast surreal zum Beschriebenen wirkt. Ihr Schreibstil ist poetisch, aber gleichzeitig beklemmend und präzise. Sie führt den Leser:innen die Grenze der menschlichen Psyche vor und stellt Fragen über Selbstwahrnehmung, gesellschaftliche Erwartungen und die Rollen, die wir im Leben spielen – oft ohne es zu hinterfragen.

“Schweben” ist ein intensiver Roman, der sich der Schwere seiner Themen nicht verweigert, sie aber mit einer federleichten Eleganz erzählt. Die Frage nach Identität, Selbstbestimmung und der Fragilität eines Systems, das sich selbst als perfekt bezeichnet, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Wer literarisch anspruchsvolle, atmosphärisch dichte Romane liebt, wird in “Schweben” eine sehr passende Lektüre finden.
61 reviews
March 23, 2025
Rätselhaft-dystopisches Szenario

Amira Ben Saouds Debütroman skizziert eine Zeit in der Zukunft, in der es nur noch vereinzelte menschliche Enklaven gibt, die untereinander nur durch Warenaustausch Kontakt hegen. Den Menschen in den Siedlungen wird gesagt, sie würden sterben, falls sie die Siedlung verlassen sollten. Ein Ausstoß ist also die Höchststrafe für die Bewohner und Eindringlinge aus anderen Siedlungen werden direkt an der Grenze erschossen. In dieser Welt, in der „das System“ solch einengende Gewalt an seinen Bürgern ausübt, soll es keine Gewalt mehr geben, denn sie ist verboten. Aber irgendetwas rumort hier. Jugendliche verprügeln sich gegenseitig, es gibt Tote und es gibt Menschen, die die Siedlung angeblich verlassen, trotz der drohenden Gefahren im Außen. Eine davon ist Emma gewesen und deren Ehemann Gil versucht nun durch ein sogenanntes „Begegnung“-Erlebnis mit der Hauptfigur, die ihren eigenen Namen nicht mehr kennt, weil sie schon zu lange beruflich in die Rollen fremder Menschen schlüpft, die Beziehung nachzustellen, um besser über den Verlust Emmas hinwegzukommen. Emma sei verrückt gewesen und umso länger sich unsere Hauptfigur in der Rolle Emmas befindet, umso verrückter wirkt sie selbst. Die Realität scheint aus den Fugen zu geraten.

Die Autorin bindet in ihren Roman interessante Ideen zu einem zukünftigen Gesellschaftsentwurf ein, die nie ganz ausgearbeitet werden und häufig nur angedeutet bleiben. Das System dahinter bleibt vage, lässt aber eindeutig vermuten, dass es sich hier um eine dystopische Zukunft handelt. Alles läuft immer mehr aus der Bahn, nicht nur die Gedanken und das Handeln der Hauptfigur. Diese ist ebenso rätselhaft wie das Szenario angelegt. Da sie neben ihrem eigenen Namen auch ihre eigene Persönlichkeit unter den vielen angenommenen vergraben zu haben scheint, ist sie und ihre Motive auch sehr schwer greifbar, ebenso wie wichtige Nebenfiguren. Das erschwert nicht das Lektüreerlebnis, denn der Roman lässt sich sehr angenehm lesen. Aber es erschwert das Dahintersteigen, hinter die Figuren, das System, die Handlung. Unbeantwortete Fragen und offene Erzählstränge muss man gut tolerieren können, genauso wie surreale Ereignisse.

Das ergibt insgesamt einen durchaus interessanten Genremix, der literarisch ansprechend geschrieben ist und anregende Gedankenexperimente andeutet. Das Buch reißt auch Themen wie Identitätsprägungen und toxische Beziehungen an, ohne die Verhaltensweisen und Beweggründe der agierenden Personen genauer auszuleuchten. So werden mir etwas zu viele Themen und Ideen angesprochen. Eine Konzentration auf weniger, dann aber detaillierter, hätte mir etwas besser gefallen. Das Buch habe ich durchgängig gern gelesen, bleibe jedoch nach der Lektüre zu stark orientierungslos schwebend zurück.

Für alle, denen das lobende Zitat von Clemens J. Setz im Klappentext aufgefallen ist: Ja, die Leser:innen seiner Bücher finden „Schweben“ ob des Stils sicherlich auch sehr ansprechend. Mit 187 Seiten wäre das bei Setz allerdings „nur“ eine Novelle. ;)

3,5/5 Sterne
Profile Image for Leelo.
56 reviews
May 19, 2025
„Schweben“ von Amira Ben Saoud ist ein leiser, gleichzeitig eindringlicher Roman – einer, der auch zwischen den Zeilen erzählt wird. Er spielt nicht in einer konkreten Zukunft oder Vergangenheit, sondern in einem Jetzt, das sich oft seltsam entrückt anfühlt. Das Buch vermittelt das Gefühl, mittendrin zu sein – und doch irgendwie abgehoben, schwebend eben.
Ben Saouds Stil ist beinahe teilnahmslos, gleichzeitig glasklar und präzise beobachtend. Sie schreibt mit einer ruhigen, fast distanzierten Sprache, die gerade deshalb so tief trifft. Weil man beim Lesen plötzlich selbst beginnt, anders zu schauen, zu denken, zu fühlen – als hätte die Sprache der Protagonistin sich in die eigene Wahrnehmung eingeschlichen.
Im Zentrum steht eine Frau, deren Leben sich nicht linear entfaltet, sondern in Rollen, in Zuständen, in Versionen. Sie ist all die Frauen, die sie sein soll, sein könnte, geworden ist – und doch keine davon. Ihre Identität entsteht aus der Summe der Zuschreibungen, Erwartungen und Projektionsflächen, die ihr die Welt zuweist. Es ist faszinierend und zugleich erschreckend, wie das Aussen sich in das Innere frisst, wie Vorgaben zur Überzeugung, Anpassung zur Notwendigkeit wird. Wie wenig es braucht, bis ein Leben, das man nie bewusst gewählt hat, sich anfühlt wie das eigene.
Besonders eindringlich – und verstörend realistisch – beschreibt der Roman die Dynamik einer Gewaltbeziehung. Nicht dramatisch überzeichnet, sondern erschreckend logisch. Die inneren Erklärungen, das „Ich blieb, weil …“, die Rechtfertigungen vor sich selbst – all das wirkt beklemmend nachvollziehbar. Und es zeigt, dass Gewalt oft nicht laut und offensichtlich ist, sondern schleichend, banal und alltäglich.
Kunstfertig subtil und gleichzeitig ein- und nachdrücklich blitzt immer wieder eine kritische Betrachtung von Gesellschaft auf der grossen Bühne auf. “Weil man sich nicht mit dem Unmöglichen arrangieren darf” – dieser Satz hallt lange nach. Ist dieses Unmögliche die Wiederholung von Geschichte, das Einreissen zivilisatorischer Selbstverständlichkeiten, das Akzeptieren von Zuständen, die wir zuvor für undenkbar hielten? Oder ist es eine vermeintliche Chance, die wir in unserer Erschöpfung und Orientierungslosigkeit in ihr Gegenteil verkehren? Solange wir schweigen, bleibt vielleicht noch die Illusion, dass das, was längst geschieht, doch noch aufzuhalten wäre.
„Schweben“ ist ein Roman, der sich nicht klar einordnen lässt – er lebt von Zwischentönen, von Andeutungen, von dem Schweigen zwischen den Sätzen. Und gerade das macht ihn so kraftvoll. Seine Wirkung entfaltet sich nicht in einem grossen Plot, sondern in der Atmosphäre und in Momenten der Irritation, der Traurigkeit und der Klarheit. Ein ungewöhnliches, forderndes Buch – entstanden aus Alltagsbeobachtung, existenzieller Verlorenheit und politischer Reflexion. Und gerade deshalb so wertvoll.
Ich bedanke mich beim Zsolnay-Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.
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125 reviews
March 20, 2025
Fragen bleiben....

Die Klimakrise, die Erwärmung der Welt liegt hinter uns. Die Menschen leben in Siedlungen, die voneinander abgeschottet sind. Es gibt zwar Tauschhandel untereinander, der wird aber ohne Kontakt miteinander durchgeführt. Es ist nicht erwünscht, dass die Menschen unterschiedlicher Siedlungen miteinander sprechen. Jegliches Wissen über das Draußen ist verboten. Auch jegliche Erinnerungen an das Davor sind verboten. Ebenso ist Gewalt verboten, aber gerade unter den Jugendlichen gedeiht sie.

Im Mittelpunkt steht eine pfiffige junge Frau. Sie verdient ihr Geld damit, in dem sie andere Frauen nachspielt, so dass nach Trennungen die Eltern oder Partner Trost, oder was auch immer, finden. Für sie ist das eine Überlebensstrategie, da sie so nicht sie selbst sein muss. Sie weiß eigentlich auch nicht so recht wer sie ist, wie sie heißt und was sie eigentlich wirklich möchte.
Bei einem ihrer Aufträge gerät sie in eine Beziehung, in der sie sich verliert, in der sie verbleibt, obwohl die Beziehung ihr nicht gut tut und gewaltvoll ist.

In der Siedlung indess geschehen immer mehr seltsame Dinge, es entstehen Risse, es verschwinden Dinge oder tauchen auf. Es liegt eine gewisse Spannung in der Luft. Die Welt gerät scheinbar langsam aus den Fugen...

Die kompakte, in sich runde Dystopie konnte ich sehr flüssig lesen. Sie fesselte mich so sehr, dass ich sie in einem Rutsch las. Die Hauptfigur fand ich interessant gezeichnet. Es wird nachvollziehbar gemacht, warum sie in solch einer gewaltvollen und ungesunden Beziehung bleibt und es wird deutlich gemacht, wie Traumata sich auswirken können. Einige Szenen gingen mir sehr ans Herz. Ich mochte Juri, den jungen Mann aus dem Naturkundemuseum, der sie auf eine gute Weise liebt, den sie aber leider nicht zurück lieben kann.

Das Setting dieser Siedlung mit all den unmöglichen Vorkommnissen gefiel mir mir gut. Ich habe lange keine Dystopie mehr gelesen, so fand ich es sehr erfrischend. Zudem fand ich es spannend, dass nicht alles auf den ersten Blick erklärbar wurde. Allerdings haben sich mir manche Dinge gar nicht allein erschlossen, so hätte ich mich gern ausgetauscht. Die gesellschaftskritischen Anklänge hätte ich mir etwas deutlicher gewünscht. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass im Hauptfokus der Verbleib in einer toxischen Beziehung thematisiert wurde, also das individuelle Sein im Vordergrund stand.

Fazit: Fesselnde und berührende Geschichte einer traumatisierten jungen Frau in einem dystopischen Setting. Für Menschen, die interpretierbare und nicht ganz eindeutige Texte mögen.
Profile Image for Madame F.
258 reviews4 followers
March 18, 2025
Mit „Schweben“ präsentiert Amira Ben Saoud ihr Debüt – einen Roman, der mit atmosphärischer Dichte und intensiver Sprache existenzielle Fragen in den Vordergrund rückt. In einer dystopischen Welt, in der auf den ersten Blick Ordnung herrscht, brodelt es unbemerkt unter der Oberfläche und fordert das Selbstverständnis der Bewohner:innen heraus.
Im Mittelpunkt steht eine Protagonistin, die nach einer Reihe traumatischer Ereignisse ihren eigenen Namen verloren hat. Sie verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie in die Rollen verschwundener Frauen schlüpft – als Tochter, Ehefrau, Freundin – und so die Beziehungen, die einst Bestand hatten, am Leben hält. Doch je länger sie in ihrer neuesten Identität als „Emma“ verharrt, desto mehr zerbröckelt ihr Selbstbild. Wer war diese Frau wirklich? Und warum ist sie besessen davon, jemand anderes zu sein, als die, die sie einst war?
Die Erzählung spielt in einer von den Folgen des Klimawandels geprägten Welt. Die Menschen leben in abgeschotteten Siedlungen, regiert von einem allmächtigen „System“, das über einem weißen Strich eine unüberwindbare Grenze zieht – wer diese überschreitet, ist dem sicheren Tod geweiht. Zwar scheint Gewalt in diesen Siedlungen offiziell der Vergangenheit anzugehören, doch unter der trügerischen Gelassenheit brodelt es gewaltig. Die Diskrepanz zwischen dem verkündeten harmonischen Leben und der gelebten Realität wird zunehmend unübersehbar.
Während die Protagonistin immer tiefer in die Rolle von Emma abtaucht, häufen sich in ihrer Siedlung rätselhafte Phänomene, die das Fundament der scheinbaren Stabilität erschüttern. Die Fassade des friedlichen Miteinanders beginnt zu bröckeln, und die Frage nach der eigenen Identität entwickelt sich zu einer existenziellen Bedrohung.
Ben Saoud gelingt es, diese fragile Welt mit einer fast surrealen sprachlichen Leichtigkeit zu schildern – ein Stil, der zugleich poetisch und beklemmend ist. Sie führt ihre Leser:innen in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche und stellt dabei provokante Fragen über Selbstwahrnehmung, gesellschaftliche Erwartungen und die Rollen, die wir im Leben unbewusst einnehmen.
„Schweben“ ist ein intensiver, literarisch anspruchsvoller Roman, der die Schwere seiner Themen nicht scheut, sie aber mit einer eleganten Leichtigkeit erzählt. Für alle, die tiefgründige, atmosphärisch dichte Literatur lieben, ist dieser Roman ein absolutes Muss.
Danke an den Zsolnay-Verlag und Netgalley für das Leseexemplar!
106 reviews
March 30, 2025
Eine Zukunft in separaten Siedlungen in ständiger Ungewissheit

Ein Roman über die Zukunft. Bei solchen Erzählungen kommt es mir darauf an, dass es mich einerseits fesseln kann mit einer Zukunft, die ich so nicht vorausgeahnt hätte. Andererseits darf es mir aber auch nicht zu abgedreht und unrealistisch vorkommen. Schweben hat die Balance gut gefunden.
Wir lernen eine Frau kennen, deren Job es ist Begegnungen zu erschaffen. Sie schlüpft quasi in die Rolle von Menschen, die ihre Familie oder ihren Partner verlassen haben, und verkörpert für die Verlassenen die verlorene Person. Das hat sie so perfektioniert, dass sie sich selbst gar nicht mehr kennt. Sie ist unsere Protagonistin und nimmt uns mit in das zukünftige Leben auf der Erde. Denn die Menschheit hat festgestellt, dass die ständige Vernetzung von allem, nichts Gutes gebracht hat, sodass die Menschen nun in voneinander getrennten Siedlungen leben, die sie weder verlassen noch wechseln dürfen. Über diesen Umstand darf aber nicht gesprochen werden und Menschen ist es verboten, zurückzublicken oder sich hervorzutun, um mehr Besitz anzuhäufen. Auch das Klima wird am Rande angerissen und ist nach einer großen Hitze in einer starken Kälte geendet.
Diese Vision der Zukunft hat mich fasziniert und gleichzeitig gegruselt, weil alles so anonym zugeht und sich auch nicht herauslesen lässt, was passiert ist, dass die Welt so geworden ist. Insgesamt transportiert dieses Buch eine düstere Stimmung und schafft es, ein Misstrauen gegenüber allen Personen der Handlung zu erschaffen. Dadurch, dass über so viele Themen nicht gesprochen werden darf, weiß man nicht, wem man trauen kann. Das wenige Sprechen sorgt dann dafür, dass man sich viele Entwicklungen nicht erklären kann und es fühlt sich so an, als würde die Protagonistin in ständiger Ungewissheit und Unsicherheit leben. Bei mir hat das für eine permanente Spannung gesorgt und ich habe mir mit jeder Seite versucht, mehr zusammenzureimen. Hinzu kommt noch der besondere Sprachstil, der mich wirklich gefesselt hat.
Ich habe dieses Buch wirklich gerne gelesen und ich mochte das sehr symbolische Ende, was nach meinem Verständnis jeder Leser für sich selbst interpretieren kann.
Profile Image for ines.
73 reviews
March 24, 2025
In „Schweben“ befinden wir uns in einer dystopischen Welt nach der „großen Hitze“, in der die wenigen Menschen, die noch existieren, in Siedlungen leben und von einer größeren, unbekannten Instanz regiert werden. Das Verlassen der Siedlung ist verboten und versucht jemand Fremdes einzudringen, wird diese Person mit dem Tode bestraft. Bis auf diese Ausnahme ist Gewalt aber verpönt und ein friedliches Miteinander ist das A und O. Die Siedlung wird als sicherster und lebenswertester Ort präsentiert; während des Lesens merkt man aber schnell, dass es keineswegs ein luxuriöses Leben ist, das die Bewohner:innen führen.
Eine der Bewohnerinnen ist die vorerst namenlose Hauptprotagonistin, die ihr Geld mit „Begegnungen“ verdient. Sie schlüpft in die Rolle verschiedener Frauen und verwandelt sich sowohl optisch als auch charakterlich in die in Auftrag gegebene Person ihrer Klienten und verliert sich dabei selbst immer mehr.

„Wenn ich mir einer Sache sicher war, dann, dass ich mit meinen Diensten niemandem half. Ich verlängerte die Qual einer kaputten Beziehung und ließ mich dafür bezahlen; Hilfe im eigentlichen Sinne war das keine. Aber es war das, was meine Klienten wollten.“

Für mich persönlich war dieser Auftakt perfekt, leider hat mich der Roman später aber etwas verloren und ich habe die Anknüpfung zum Start nicht mehr finden können. Es wurde sukzessive angespannter und düsterer — was ich super fand — aber je näher das Ende kam, desto konfuser wurden die Geschehnisse und mir fehlt auch jetzt noch eine sinnvolle Interpretation des Ganzen. Außerdem werden im Roman sehr viele Themen angerissen, wie Identität, patriarchale Strukturen, Rollenbilder und noch so viele mehr, aber nie wirklich ein Fokus gesetzt oder in einzelne Themen tiefer eingestiegen. Ein klarerer Fokus hätte dem Buch wahrscheinlich gutgetan, dennoch mochte ich die Grundstimmung sehr und hab das Buch super gerne gelesen.
Profile Image for Bärbel.
143 reviews1 follower
March 29, 2025
Interessant, aber auch ziemlich seltsam
In diesem Roman nach Art eines Science Fiction, kombiniert sich ein etwas seltsames individuelles Schicksal (die Frau, die ihren Namen vergessen hat, weil sie immer wieder in die Rolle anderer Frauen schlüpft) mit einer gewandelten sozialen Welt, in der einzelne, abgegrenzte Siedlungen existieren.
Innerhalb der Siedlung, in der sich die Mimikry-Protagonistin befindet, geht man davon aus, dass es auch andere Siedlungen gibt, die sind aber sowas von extern und Tabu. Der Klimawandel ist in sein Gegenteil verkehrt, Sonne gibt es selten und meist ist es kalt. Körperliche Gewalt ist in dieser Siedlung so strikt verboten, dass man exiliert wird, wenn man bei ihrer Ausübung erwischt wird.
Im Grunde sind verschiedene Handlungsstränge rund um die Figur, die die meiste Zeit im Roman "Emma" heißt, weil sie gerade eine Emma kopiert und Handlungsstränge, die die Siedlung als Ganzes betreffen, nur sehr lose verknüpft. Wollte man hart sein, fragt man sich vielleicht, was das Ganze überhaupt soll. Zum Schluß, als die soziale Wirklichkeit der Siedlung sich dem Buchtitel angepasst hat, sind mit Sicherheit noch reichlich Rätsel und ungelüftete Geheimnisse zu verzeichnen.
Nachdem ich das Buch zugeklappt habe, versuchte ich mehrfach, Gelesenes noch einmal Revue passieren zu lassen und sinnvolle Zusammenhänge zu erkennen. Es ist mir eher nicht gelungen - und ich weiß auch gar nicht, ob da was gelingen kann. Das ist ein bisschen eine Zumutung.
Der Roman erzählt gleichzeitig mit großer Ruhe und Überzeugung, was er erzählt, als sei auch das Unmögliche zwar befremdlich, aber dann doch kein ganz großer Aufreger. Ähnlichkeit hat das vielleicht mit "Drifter" von Ulrike Sterblich, auch darin, dass man sich dann doch einfach beim Lesen an die Figuren des Romans haftet, ihnen folgt und so manches interessante Detail entdeckt.
"Schweben" ist meiner Meinung nach nicht so virtuos wie "Drifter", aber auf jeden Fall traut der Roman sich was.
Profile Image for Alina_liest07.
132 reviews6 followers
March 23, 2025
Originelle Ideen, fesselnd erzählt:
„Schweben“ spielt in einer Zeit in dem der Klimawandel bereits geschehen und die Globalisierung im Zuge dessen beendet wurde. Die verbliebenen Menschen leben abgeschottet voneinander in Siedlungen, lediglich anonymer Warentausch findet statt.
In dieser Welt lebt die zunächst namenlose Protagonistin, deren Arbeit es ist, in sogenannten „Begegnungen“ andere Frauen zu imitieren - ihre Auftraggeber sind Angehörige oder Partner die kaputten Beziehungen nicht loslassen können. Doch hinter ihrem neusten Auftrag als Emma scheint mehr zu stecken, als sie auf dem ersten Blick vermutet hat….

Amira Ben Saoud zeichnet in „Schweben“ eine dystopisch anmutende Welt in der nicht allzu fernen Zukunft, die anders aber nicht komplett unerreichbar wirkt. Das Setting und der Ton spannend, geheimnisvoll und atmosphärisch – passend zu einer Welt die anonym, karg und düster geworden.

Im Laufe des Auftrags als Emma und der „Begegnung“ mit Gil kommen immer mehr Handlungsstränge und Themen zusammen: Gewalt und toxische Beziehungen, Identität und das menschliches Zusammenleben nach (oder vor?) der Katastrophe.
Generell ist diese literarische Dystopie voller spannender Idee und Ansätze. Dazu passt auch das hohe Tempo, allerdings hätte die ein oder andere Ideen etwas länger und ausgereifter erzählt werden können. Vieles bleibt angedeutet und vage und daher konnte ich die Protagonisten und ihre Beweggründe nicht immer fassen – aber das kann auch gut so gewollt gewesen sein.

Ein spannendes Romandebüt voller origineller Ideen und mit einem guten Tempo. Allerdings auch ein recht kurzes Lesevergnügen, in dem der ein oder andere Ansatz durchaus noch weiter ausgeführt hätte werden können.
Fazit: „Schweben“ hinterlässt durchaus offene Fragen, ist dennoch fesselnd und atmosphärisch erzählt und voller origineller Ideen!
93 reviews1 follower
April 13, 2025
Gute Ideen
Eine namenlose Frau, nennen wir sie Mimi, lebt davon, nicht sie selbst zu sein. In ihrem Service „Begegnungen“ übernimmt sie die Persönlichkeit anderer Frauen um ihren Auftraggebern das Gefühl zu geben, diese sind noch da. Dabei kann sie Tochter, Schwester, Freundin oder auch Ehefrau sein. Sie verändert sich dafür äußerlich und versucht auch die anderen Eigenschaften ihrer Zielperson anzunehmen. Darüber vergisst sie ihren eigenen Namen und wer sie selbst überhaupt ist.
Das Setting ist eine Siedlung in einer Zukunft mit eigenen Regeln. Die Menschen leben in gesicherten Siedlungen und treiben per LKWs etwas Handel untereinander. Der Klimawandel ist Geschichte, es gibt nur noch sehr wenige Emissionen, es wird wieder kälter. Es ist verboten nach Gewinn und dem „mehr“ zu streben, mit dem wir jetzt gerade alles kaputt machen. Außerdem ist Gewalt verboten. Allerdings scheint diese fest in den Menschen drin zu sein, denn Jugendliche machen so was wie Fight-Clubs auf, in denen sie sich schlagen. Das eskaliert manchmal. Wer gegen die Regeln verstößt wir ins Exil geschickt. Alle sind überzeugt, dass das der sichere Tod ist.
Doch irgendwie scheint die Welt aus den Fugen zu geraten. Sie bekommt wortwörtlich Risse, zum Beispiel im Schwimmbad. Und andere, noch viel größere Merkwürdigkeiten geschehen.
Doch der größte Fokus des Romans liegt auf Mimi und ihrer Unfähigkeit ein eigenes Profil zu entwickeln. Die Idee dahinter gefällt mir außerordentlich gut. Doch insgesamt möchte der Roman meiner Ansicht nach zu viel. Hätte die Geschichte der Frau nicht gereicht? Warum auch noch den dystopischen Aspekt hinzunehmen? Für mich ist das der Versuch, zwei sehr gute Ideen in einen Roman zu stecken. Es kann aber auch sein, dass ich die Verbindung nicht verstanden habe. Vielleicht finde ich ja jemanden, mit dem ich darüber diskutieren kann, bis dahin nur 3 Sterne.
Profile Image for Mercedes.
91 reviews2 followers
March 25, 2025
Amira Ben Saouds Debütroman Schweben ist eine faszinierende literarische Reise in eine Welt, die gleichermaßen entrückt wie beklemmend wirkt. Die namenlose Protagonistin lebt in einer abgeschotteten Siedlung, in der Gewalt und Klimawandel der Vergangenheit anzugehören scheinen. Doch die scheinbare Ruhe ist trügerisch – unter der Oberfläche lauert eine tiefe existenzielle Unruhe.

Die Idee, dass die Hauptfigur ihr Geld damit verdient, verstorbene Frauen für deren Angehörige nachzuahmen, verleiht dem Roman eine verstörende, aber zugleich hochspannende Dimension. Die Grenzen zwischen Identität und Inszenierung verschwimmen zunehmend, besonders als sie in die Rolle einer gewissen Emma schlüpft. Wer ist sie wirklich? Und was bedeuten die mysteriösen Veränderungen in ihrer Umgebung? Ben Saoud spielt meisterhaft mit diesen Fragen und erzeugt eine beklemmende Atmosphäre, die den Leser in ihren Bann zieht.

Stilistisch überzeugt der Roman durch seine dichte, fast hypnotische Sprache. Die Autorin versteht es, mit präzisen Beobachtungen und einem feinen Gespür für Stimmungen eine schwebende, traumartige Erzählweise zu erschaffen, die perfekt zum Inhalt passt. Die Geschichte entfaltet sich in einem langsamen, aber fesselnden Rhythmus, der zum Nachdenken anregt, ohne sich in Erklärungen zu verlieren.

Schweben ist weit mehr als eine dystopische Erzählung. Es ist ein tiefgründiges Werk über Identität, Verlust und die Frage, wie viel von uns selbst gespielt ist. Amira Ben Saoud gelingt es, philosophische Themen in eine ungewöhnliche und atmosphärisch dichte Geschichte zu verweben, die lange nachhallt. Ein beeindruckendes Debüt, das Leser*innen auf besondere Weise herausfordert und berührt.
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