tw: sexueller Missbrauch, Vergewaltigung
dieser sehr persönliche Essay teilt sich in Familie, Lovers, Freund*innen, Natur und Tiere und Kosmos lieben. Besonders das Kapitel zu der Liebe zu Freund*innen hat mich sehr berührt, da ich gerade mit meinem feministischen Buchclub viel über die heilende, subversive, aktivistische Bedeutung von Freund*innenschaften nachdenke. Roig plädiert dafür, romantische und platonische Liebe nicht mehr zu hierarchisieren. Freund*innenschaften können in ihrer „Nutzlosigkeit“ etwas Anti-Kapitalistisches sein, sie sind etwas „Interstitielles, Unregulierted, Freiwilliges, etwas, das wir immer wieder wählen und das von Affektivität und dem Streben nach Freude geleitet wird. Sie sind Orte der Langsamkeit und des Vergnügens […]“ (S.49). Freund*innenschaften bedürfen zwar auch emotionaler Arbeit, wie jede Beziehung, aber Roig sieht in ihnen ein hohes Potenzial an Freiheit und Kreativität und Verständnis füreinander, das sie sehr behutsam in diesem Essay skizziert. Daneben ist auch das Outcallen des weiß-männlichen „Entdecker“-Archetyps, der sich die Natur nach einer kapitalischen Leistungslogik mit 1000 Euro-Gear klassistisch erschließt, super aufschlussreich. Jetzt verstehe ich beispielsweise meinen Ick für einige dieser auf Instagram in Zahlen gemessenen Zurschaustellung der Neokolonialisierung der Natur.
Zwischendurch springt Roig etwas wirr in ihren Gedankengängen, aber allem in allem sehr angenehm zu lesen, dass ein Essayband über „Lieben“ Lieben endlich facettenreicher als Sex und Körperlichkeit in romantischen Beziehungen auffasst.