"Girls support girls" – aber Grenzen gibt es immer, vor allem, wenn Lügen und Details verschwimmen.
Alle schreien – du aber nur innerlich, weil du es einfach nicht mehr ertragen kannst, aber musst.
Sie kommt – 28 Tage – länger oder kürzer, aber sie muss kommen – sie kommt (diesmal) nicht. Und danach? Wird die blutige Hose mitsamt Was-wäre-wenn-Gedanken ganz hinten in den Schrank gehängt.
Es ist Alltag, Liebe, Schmerz und Widerstand.
Frauen bluten. Bluten jeden Tag, ob wortwörtlich oder im übertragenen Sinn, als " Working Mums", in der Care-Arbeit, weil es der Zyklus abverlangt, als Opfer von Gewalt oder schlicht als Personen, die gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen. Das Blut fließ wenn wir wieder nicht oder zum Glück nicht schwanger sind, wenn wir abgetrieben oder frisch entbunden haben, wenn wir zuhause zu laut oder nachts auf dem Heimweg nicht schnell genug waren, wenn sich die Menopause ankündigt oder wir keinen Kinderwunsch spüren und damit anecken ...
Ein literarischer Blutrausch
15 Autorinnen erzählen in ihren Texten von Kämpfen und Widerständigkeit, lehnen sich auf, schreiben manchmal sanft, manchmal verstörend, witzig und anders von der Alltäglichkeit des Blutens: über Altersarmut, Gewalt, das (Nicht-)Muttersein, Menstruation, Menopause, den Kampf um Existenzberechtigung und faire Behandlung in der Arbeitswelt. Das ist unser täglich Blut. Diese Anthologie ist ein Ausbruch, ein Atemzug, harte Realität und grenzenlose Fantasie.
Mit literarischen Beiträgen Elif Duygu, Milena Michiko Flašar, Yasmin Hafedh, Lydia Haider, Gertraud Klemm, Johanna Linimayr, Lydia Mittermayr, Jacinta Nandi, Lisa-Viktoria Niederberger, Romina Pleschko, Julya Rabinowich, Barbara Rieger, Chantal-Fleur Sandjon, Margit Schreiner und Magdalena Stammler
436 Wochen habe ich in meinem Leben geblutet. Mal abgesehen davon, dass ich sehr wenige Schrammen, sehr selten Nasenbluten und noch nie eine Platzwunde (toi toi toi) und nur ab und an eine Schnittwunde hatte, waren die 436 Wochen kalkulierbar, absehbar, pünktlich und tatsächlich meist schmerzfrei. Und dann von heute auf morgen nichts mehr. Bilderbuchblutungen würde ich sagen. Viel Aufmerksamkeit habe ich dem nie beigemessen. War halt so, ist halt so und irgendwie muss man sich damit arrangieren. In diesem Buch schauen wir nicht nur auf das Menstruationsblut, auch andere Herzblut-Angelegenheiten korrespondieren mit dem Titel.
15 verschiedene Autorinnen, von denen mir einige schon bekannt waren haben in dieser Anthologie dem Zyklus auch im übertragenen Sinne Raum gegeben. Herausgekommen sind dabei sehr unterschiedliche Geschichten. Von poetisch bis pragmatisch, von flüssig bis fest. Die einen leiden. Die anderen feiern es. Den meisten Geschichten ist eins gemeinsam: Die Erzählerinnen machen vieles mit sich aus. Verstecken es vielleicht sogar. Es wird deutlich, dass etwas sehr normales, immer einen anrüchigen Beigeschmack bekommt, nur weil Männer keine Ahnung davon haben. „Das Leben der Frauen ist ein Leben zweiter Klasse, das Blut der Frauen ist ein Blut zweiter Klasse. Das Blut, dass uns interessiert, fließt auf Schlachtfeldern und aus den Schürfwunden von Fußballer Knien… Wir schreiben eure Minderwertigkeit in euch ein, mit eurem eigenen Blut. In eure Leistungsfähigkeit, in euren Marktwert, in euer Selbstbild.“ dieses Zitat aus dem Beitrag von Gertraud Klemm, hat mich sehr zur Reflexion angeregt. Das ist aber nicht die einzige Textstelle, die mich gepackt hat.
Das Werk ist so abwechslungsreich und bereichernd, dass ich es euch gerne empfehle. Wünschenswert wäre natürlich, wenn auch heteronormative Männer dieses Buch lesen, wobei das sicherlich selten der Fall sein wird. Mich hat vor allem die stilistische Vielfalt sehr angesprochen – jedes Kapitel eine neue Überraschung.
Sehr durchwachsenes Buch. Einige Stories sind fesselnd und spannend und haben mich in ihren Bann gezogen. Andere sind recht langweilig oder super prätentiös und unverständlich. Am besten gefielen mir die Beiträge von Elif Duygu und Johanna Linimayr.