Der Grenzwald war von Heimito von Doderer als zweiter "Satz" des nach dem Vorbild einer Symphonie in vier Sätzen aufgebauten "Romans No. 7" geplant. Die Einheit dieses vierteiligen Werkes sollte nicht im Inhalt, sondern allein in seinen Formelementen liegen. Wie im ersten "Satz", den Wasserfällen von Slunj, tritt eine Figur weitgehend in den Mittelpunkt. Es ist der Oberleutnant Zienhammer, Durchschnittsmensch mit einem Schicksal, das in allen Kriegen, so aktuell ist wie in dem, den Heimito von Doderer schildert. Neben Zienhammer steht der Arzt Dr. Alfons Halfon im im Konflikt mit seinem Vater und auf der Suche nach den befremdlichen Todesumständen seiner Mutter. Obwohl Der Grenzwald Fragment geblieben ist, ist Doderers Technik, die Dinge als sie selbst wirken zu lassen, bereits durchschaubar; und der Raum, der durch das Motiv des Grenzwaldes geschaffen wird, verleiht dem Werk auch in der Gestalt die atmosphärische Dichte, die Doderers Romane stets ausgezeichnet hat.
Heimito von Doderer lebte fast ausschließlich in Wien. 1916 geriet er in russische Gefangenschaft und kehrte erst 1920 zurück. Er studierte Geschichtswissenschaft. Seit der Veröffentlichung seiner Hauptwerke "Die Strudlhofstiege" (1951) und "Die Dämonen" (1956) gilt er als einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller.
Der echte Konservative – der geborene, nicht der aus Einsicht! – kann infolge seiner in Glas eingegossenen Unwissenheit wohl bei währenden Vorgängen vernichtet werden; überlebt er jedoch, dann spielt die Weltgeschichte bei ihm keine andere Rolle als der Hase beim Wettrennen mit dem Igel: er ist schon da, er ist immer schon dort, wo die Grund-Bedingnisse des Lebens in ihrer Ordinärität sich wieder herstellen, er hat sich nie darauf eingelassen, solche Bedingnisse zu ändern oder abzuschaffen, er glaubte an so etwas nie.
Endlich hörte und verstand man: „Herr Lieutenant Baron Rottenstein, wie geht es Ihnen?“ Er antwortete: „Es geht mir wirklich sehr gut.“ „Bravo!“ hieß es. „Ich wollte Ihnen nur mitteilen, daß Ihre Verwundung schwerwiegende Folgen nicht haben wird.“ „Ich danke“, sagte Ernst, der jetzt schon wußte, daß er in einem weißen Bett lag
Ganz wunderbar: Das Grenzwald-Motiv, die "pax-in-bello"-Passagen, die wenigen, kostbaren Schilderungen von Café-Interieurs 1919 bei Ventrubas Rückkehr aus italienischer Gefangenschaft nach Wien, und dessen Apperzipieren der "Saugwurzeln" der Gegenwart, welche in die Vergangenheit hängen, die damit gegenwärtig und verstehbar wird.