Ein Mann in den Fängen der Justiz, ein Mord - und der Opernball als Propagandaspektakel. Der neue Kriminalroman von Bestsellerautor Franzobel.
Der erfolgreiche Getränkehändler und Barbesitzer Malte Dinger ist ein Glückspilz. Als er jedoch unverschuldet in die Fänge der Justiz gerät, steht plötzlich seine ganze Existenz auf dem Spiel. Für den Balkan-Casanova Branko ist das Leben da schon vorbei. Vieles deutet darauf hin, dass er das Opfer abseitiger sexueller Praktiken geworden ist, doch Kommissar Groschen glaubt nicht recht daran. Das Verhältnis Brankos zu der lustig gewordenen Witwe des Bautycoons Hauenstein bringt dann die Machenschaften der neuen rechtsnationalen Regierung ans Licht, die den bevorstehenden Opernball als Propagandaspektakel inszenieren will. Franzobels neuer Krimi spielt in der Zukunft, ist aber brandaktuell.
Franzobel is the pseudonym of Austrian writer Franz Stefan Griebl. In 1997, he won the Wolfgang Weyrauch Prize, and in 1998, the Kassel Literary Prize. He now lives in Vienna.
Franzobels Das Floß der Medusa war gerade deswegen großartig, weil es seine sozialkritische Message in ein Mash-Up aus Stilen und Tonlagen verpackt hat. "Rechtswalzer" scheitert jetzt genau daran, dass Ton und Geschichte nicht in einem interessanten Spannungsfeld stehen, sondern ganz einfach nicht zusammen passen. Klar kann man schlau und witzig über die Schrecken des Faschismus schreiben (einfach mal Schwere Knochen lesen), aber dieses Buch will zu viel auf einmal und liefert dann an keiner Front so richtig ab.
"Rechtswalzer" ist eine Krimi-Dystopie: 2024 ergreift mit der Bewegung LIMES die Rechte endgültig die Macht in Österreich. Protagonist Malte Dinger, bis dahin schwer mit dem Aufbau seines Gin-Imperiums und der Erziehung seines superschlauen Sohnes beschäftigt, landet aufgrund einer vergessenen Fahrkarte im Knast und wird dort mit der Willkür des aufkommenden totalitären Regimes konfrontiert. Im zweiten Handlungsstrang ermittelt der im Franzobel-Universum wohlbekannte Kommissar Falt Groschen in einem Mordfall und stößt immer wieder auf zweifelhafte Machenschaften des neuen Staatsapparats.
Das alles ist grell überzeichnet, Hiob und 1984 werden mit dem Holzhammer in die Geschichte reingekloppt, und durch jede Zeile scheint Franzobels (verständlicher) Ärger über die derzeitigen politischen Entwicklungen in seiner Heimat. Ich bin auch völlig der Meinung des Autors, dass Rechtsextremismus an seinen Wurzeln bekämpft werden muss, sonst ist es schnell zu spät - nur: Ist dieses irgendwie hysterische, nicht richtig lustige, aber auch nicht richtig wütende Buch mit seinem Hang zum Karikaturenhafte die richtige Waffe in diesem Kampf?
Die Stoßrichtung der Geschichte wird schnell klar, Franzobel dreht die Schraube dann immer weiter, aber überraschend ist hier nichts. Nun könnte man einwenden, dass an den Mechanismen im Kontext des Aufkommens totalitärer Regime für den Europäer des 21. Jahrhunderts nun auch wirklich nichts mehr überraschend sein kann, sofern besagter Europäer nicht völlig verblödet ist, und das ist sicher richtig, doch diese Vorhersehbarkeit wird zum Problem für das Buch: Es ist leider ziemlich langweilig. Die Art, wie die Mechanismen des Totalitarismus beschrieben werden, hat mich nicht gefesselt, und die stilistische Überzeichnung hat mich weder ausreichend irritiert noch amüsiert, um als gelungen gelten zu können. Ich gebe es ungern zu, aber an vielen Stellen hat mich der Ton einfach schwer genervt.
Es ist tut mir schrecklich Leid, dass ich diesem Buch nicht mehr Begeisterung entgegen bringen kann, denn "Medusa" fand ich absolut genial. Ich hoffe auf das nächste Werk von Franzobel.
4,5 Sterne Als geborene Wienerin und bis vor kurzem dort Lebende, war es ein purer Genuss diesem Hörbuch zu lauschen. Der Dialekt könnte gewöhnungsbedürftig sein, mich hat es überhaupt nicht gestört - im Gegenteil, das hat die Geschichte erst richtig authentisch gemacht. Klare Empfehlung!
Der Absturz vom Glückspilz zum Hiob ist beunruhigend. Die gesellschaftliche Eskalation, die Ungläubigkeit der Humanisten, erinnern an Loesers "Requiem". Aber die Sprache, die Kalauer, die bemüht humorvolle Charakterzeichnung lassen eher an Tommy Jaud denken. Wieso hält der Autor das für nötig?