Authentisch, ernsthaft und bewegend.
"Schneeriese" war mein drittes Buch von Susan Kreller und wie erwartet wieder sehr besonders. Es hat viel zu sagen und zu geben, vor allem zwischen den Zeilen.
Die Geschichte handelt von Freundschaft, der ersten Liebe und dem ersten Liebeskummer, von Unsicherheiten und Selbstzweifeln, vom Loslassen und Wiederfinden, vom vermeintlichen Ende der Welt und von Selbstfindung - Kurzum: Es geht um das Erwachsenwerden.
All das wird von der Autorin sehr nahbar und authentisch vermittelt, was in meinen Augen auch den größten Wert dieser Geschichte markiert. Ich habe mich beim Lesen in meine eigene Jugend zurückversetzt gefühlt und konnte Adrian's Wut und seinen Schmerz so gut nachempfinden. Susan Kreller hat sein Innenleben mit wenigen Worten nicht nur plastisch und greifbar beschrieben, sondern vor allem auch seinem Alter entsprechend, was ein paar ältere Leser:innen womöglich die Augen verdrehen lässt, aber ich fand es toll, eben weil es so authentisch ist.
Susan Kreller nimmt die behandelten Themen ernst und schildert sie ausnahmslos durch den Blickwinkel des 14-jährigen Adrian, was die für Jugendliche so typische Überdramatisierung und dabei empfundene Ausweglosigkeit nicht auslässt, sondern sie vielmehr sogar zum Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte macht. Was sich für einen jungen Heranwachsenden mit Liebeskummer wie das Ende der Welt anfühlt, wird auch genauso beschrieben. Alles hat sich echt und natürlich angefühlt. Adrian's Gedanken und Gefühle haben gelebt, sie wurden durch die Worte der Autorin beim Lesen real und konnten dabei ihre volle Wirkung entfalten.
Susan Kreller hat hier einzigartige und teilweise sehr unkonventionelle Charaktere erschaffen, welche die Geschichte facettenreich und interessant machten. Allerdings konnte man sie aufgrund der Kürze des Buches nicht bis ins Detail greifen, was zwar schade war, der emotionalen Ebene und Tiefe dieses Buches aber trotzdem keinen allzu großen Abbruch getan hat.
Für nur knapp 200 Seiten passiert hier sehr viel, jedoch fühlte sich die Geschichte für mich beim Lesen trotzdem nie nach zu viel an. Es wurde nichts überstürzt, es wird bloß nicht immer ins Detail gegangen, aber das hätte eben auch den Rahmen dieses kleinen Büchleins gesprengt und es ist gut so wie es ist. Manchmal hätte ich mir aber natürlich trotzdem mehr Seiten und ein paar detaillierte Ausführungen gewünscht.
Susan Kreller's Schreibstil ist ausdrucksstark, bildgewaltig und geradezu poetisch, was dieser Geschichte eine besondere Tiefe und Aussagekraft verleiht. Ihre Worte prägen nachhaltig und hallen nach.
Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass die wörtliche Rede hier nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet wurde, was das Lesen anstrengender machte, vor allem am Anfang. Mit der Zeit habe ich mich zwar daran gewöhnt, aber optimal finde ich es trotzdem nicht.
4/ 5 Sterne ⭐️