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Wut

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Das Erbe des Krieges, der Schrecken einer Kindheit und ein Junge, der nicht vergessen kann.

Frank ist der Wut seiner Mutter ausgeliefert. Sie schlägt ihn, immer wieder. Er steht ihren Träumen im Weg. Erst kam der Krieg, dann das Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, dann die Klosterschule. Und jetzt das Kind.

Eines Tages eskaliert ein Streit, und Frank springt aus dem Fenster. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück. Aber die Wut seiner Mutter wird er nicht mehr los.

Ein Hörbuch darüber, wie schwer es ist, die Wunden der Kindheit zu heilen.

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Published February 1, 2021

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About the author

Harald Martenstein

32 books5 followers
Harald Martenstein is a German journalist and author.

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Community Reviews

5 stars
8 (12%)
4 stars
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3 stars
25 (37%)
2 stars
4 (6%)
1 star
2 (3%)
Displaying 1 - 19 of 19 reviews
Profile Image for Prusseliese.
440 reviews25 followers
October 8, 2025
3,5 *
Es beginnt mit Schilderungen der Gewalttätigkeit der Mutter gegenüber dem Kind. Schwer auszuhalten.
Der nächste Teil erzählt die Kindheit und Jugend der Mutter. Das gefiel mir am besten. Zum Ende hin wurde es zunehmend schwierig, die Personen in den Familienkontext einzuordnen und das Ende hat mich so überrascht, dass ich mich rückblickend fragen muss, was mir der Autor eigentlich erzählen will.
Der Roman hat mich dennoch so gefesselt, dass ich ihn an 2 Tagen gelesen habe.
Profile Image for mari_liest.
317 reviews
February 7, 2021
Ein Junge, der nicht verzeihen und vergessen kann, ein Erwachsener der verzeihen, aber nicht vergessen kann. Eine Pathologie, entstanden aus einer schrecklichen Kindheit.
Seit frühester Kindheit leidet Frank an und unter seiner Mutter. Maria, ihres Zeichens Franks Mutter, leidet an gewaltigen Wutausbrüchen, die sie nicht unter Kontrolle bringen kann. Sie schlägt, schreit, spukt, stochert mit Besenstielen, betreibt Psychoterror und Erpressung. Von jetzt auf gleich wechselte sie von netter Mutter in böses Monster. Erlebte Enttäuschungen, Träume, die nicht aufgingen, eine Ehe, die nicht das Wahre zu sein scheint, eine Liebe, die nicht gelebt werden konnte … all dem ist ihr Verhalten geschuldet.

Die Story startet mit einer Art Aufarbeitung der Erfahrungen, die Frank in jungen Jahren machte. In leicht sarkastischer Manier werden an vielen Stellen die Traumata mit der Mutter und deren Misshandlungen geschildert. Doch ab einem gewissen Punkt schlägt die Geschichte um und man befindet sich gefühlt nicht mehr in einer Aufarbeitung. Aber wo dann, war mir nicht ganz klar. An vielen Stellen wird an Szenen und Menschen herum philosophiert, die mich annehmen lassen, dass es sich hier um eine Idee, eine Vorstellung, reine Fiktion handelte, um dann wiederum in das echte, erlebte Leben umzuschwenken. An vielen Stellen ist es sehr atmosphärisch, im nächsten Moment kühl, kalt und grausam.
Der Schreibstil ist angenehm, an manchen Stellen etwas langatmig. Einzelne bildliche Beschreibungen ließen mich auflachen, andere Stellen brachten Gänsehaut.

Das Buch lässt mich verwirrt zurück und ich kann nicht ganz einordnen, was der Autor sagen wollte.

Ich finde die Geschichte per se nicht schlecht, würde das Buch aber in meinem Leseumfeld nur einigen wenigen Personen empfehlen.
Profile Image for Kathleen.
36 reviews
July 20, 2025
an sich gut geschrieben. Es fängt stark an, dann nimmt es Stark ab. Am Ende ist es einfach crazy und man kann emotional gar nicht mehr folgen. Epilog ist wieder gut
Profile Image for lenisvea`s Bücherwelt (Sandra Berghaus).
1,046 reviews21 followers
February 6, 2021
Roman
Ullstein eBooks
272 Seiten
ISBN: 9783843724609
Erschienen: 01.02.2021
18,99 € als Ebook
Frank erlebt die Wut seiner Mutter als wilde Ausbrüche. Er liegt unter dem Bett, und sie stochert mit dem Besenstiel nach ihm. Wenn er unter dem Bett bleibt, verliert er, wenn er hervorkrabbelt, verliert er erst recht. Niemand scheint zu bemerken, dass er regelmäßig verprügelt wird. Die Lehrer nicht, sein Vater nicht. Nur die Großmutter sagt hin und wieder etwas zur Mutter. Dann ist für ein paar Wochen Ruhe. Als Kind beginnt Frank zu verstehen, dass er den Träumen seiner alleinerziehenden Mutter im Weg steht. Als Jugendlicher beginnt er zu ahnen, dass sie selbst traumatisiert worden sein muss: Im Krieg, in dem Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, in der Klosterschule, die sie aufnahm, weil sie so intelligent war. Eines Tages eskaliert ein Streit, und die Nachbarn rufen die Polizei. Frank springt panisch aus dem Fenster, doch niemand glaubt ihm, dass er von seiner Mutter angegriffen wurde. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück, sondern meistert sein Leben von diesem Moment an selbst.

Ein Roman darüber, wie schwer es ist, die Wunden der Kindheit zu heilen.

Zum Autor
Harald Martenstein, geboren 1953 in Mainz, ist ein deutscher Journalist und Autor. Seit 2002 schreibt er eine Kolumne für „Die Zeit“, die auch im RBB und im NDR zu hören ist. Für seine Arbeit wurde er mit dem Egon-Erwin-Kisch-, dem Henri-Nannen- und dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Außerdem lehrt er an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel und an Journalistenschulen in Österreich und der Schweiz. Harald Martenstein lebt in Berlin.

Meine Meinung

Ich bin durch den interessanten Klappentext auf das Buch aufmerksam geworden.

Der Einstieg hat mir auch richtig gut gefallen. Man erfährt hier, wie der Hauptprotagonist Frank seine Kindheit erlebt, die durchzogen ist von Männerbekanntschaften seiner Mutter und auch der Drogensucht der Mutter. Auch Gewalt ist an der Tagesordnung.

Man erfährt auch, wie Franks Mutter aufgewachsen ist und leider ist es ja auch nunmal so, dass die Kindheit einen Menschen für sein weiteres Leben und sein Handeln prägt.

Anfangs konnte es mich wie gesagt wirklich fesseln und begeistern, aber ab einem gewissen Punkt hat sich die Geschichte ein wenig gedreht und konnte mich dann gar nicht mehr begeistern.

Alles in allem kann ich hier daher nur bedingt eine Leseempfehlung aussprechen. Von mir bekommt Wut 3 Sterne.

3 von 5 Sternen

Cover, Buchdetails und Klappentext: ©Ullstein Verlag
Infos zur Autorin: @Ullstein Verlag
Rezension: ©lenisveasbücherwelt.de
Beitragsbild: ©lenisveasbücherwelt.de
Profile Image for Luisa.
283 reviews
March 14, 2022
„Wut“ ist ein Roman, der anfänglich abstößt und verstört, dann zeitweise fasziniert und zum Ende hin leider in surrealer Absurdität zu zerfasern scheint, was durch den sehr gelungen Epilog jedoch einigermaßen wieder herausgerissen werden kann. Erzählt wird die Geschichte einer Kindheit, die unter den brutalen Ausbrüchen einer Mutter, deren Fürsorge zwischen Vernachlässigung und unkontrollierbarer Wut schwankt, leidet. Diese im Gesamtkontext kurz erscheinenden Erinnerungen wechseln sich ab mit Rückblicken in das familiäre Konstrukt und das Heranwachsen der Mutter, die sich schon im frühen Kindesalter durch Unbeherrschtheit auszeichnete. Eine Erklärung für dieses Verhalten bieten diese Einsichten jedoch leider nicht. In der Folge springt der Roman episodenhaft durch das Leben des Protagonisten, zusammengehalten werden die einzelnen Kapitel durch die Auswirkungen der mütterlichen Erziehungsmethoden, mal ist der direkte Zusammenhang deutlich zu erkennen, mal tritt die Mutter auch fast völlig in den Hintergrund. Schließlich begibt sich die Handlung in etwas abstrus erscheinende Gefilde, bei aller Liebe zur Verschmelzung dessen, was als real wahrgenommen wird und der puren Imagination, erschien mir der Weg der Geschichte schließlich doch als zu weit, zumal dieser auf Kapitel folgte, die von völlig unglaubwürdigen Figuren bevölkert wurden.

Der Roman liest sich sehr gut, aber das Gefühl, dass hier insgesamt nur an der Oberfläche eines Problems bzw. sehr vieler Probleme gekratzt wird, lässt mich nicht los. Gerade in Bezug auf die Figur der Mutter fehlt mir eine tiefere Auseinandersetzung, die mehr ist als ein bloßes Nachzeichnen von Ereignissen.
Insgesamt ein besonders in der ersten Hälfte lesenswerter Roman, der sich aber scheut, seinen starken, abstoßenden Auftakt im Verlauf der Handlung einzulösen. Letztlich ist nur das Ende so stark wie der Beginn verspricht.
Profile Image for theminimalbookclub.
85 reviews
February 1, 2021
Harald Martenstein hat mich bereits im Prolog überzeugt. Die naheliegende Vermutung, dass es sich bei seinem Roman "Wut" um einen autobiografischen Roman handelt, widerlegt er sogleich. Dennoch sind die beschriebenen Geschichten so gefühlvoll und die Szenerien so lebendig, dass man diesen Gedanken während des Lesens nicht ganz verdrängen kann. Das ändert sich, als der Erzähler gegen Ende des Buches in eine Fantasie Welt entschwindet und die Tragik des Buches damit zu mildern vermag.

Sofort fand ich einen persönlichen Zugang zum Ich-Erzähler Frank und konnte mich wahnsinnig gut in sein Leben und Gefühlswelt versetzen. Umso interessanter fand ich, dass das Buch nicht nur die Kindheit und das Leben von Frank erzählt, sondern auch Charaktere aus seinem Umfeld beleuchtet, wie etwa seine Mutter Maria. Dies ermöglicht dem Leser eine zweite Sichtweise, beziehungsweise weckt es irgendwo durch Verständnis, sowohl für Frank als auch für Maria.

Das Buch liest sich durch die kurzen Abschnitte extrem leicht. Das Ende mag etwas verwirren und ich wünschte mir fast, die Geschichte wäre ohne diese Ausflucht in die Fantasie ausgekommen.

4/5
262 reviews2 followers
July 9, 2021
„Ich bin in der Wohnung meiner Mutter, morgen kommen Möbelpacker. Sie ist jetzt im Heim und versteht nicht mehr, was um sie herum geschieht.“ Mit diesen Worten beginnt Harald Martensteins Roman „Wut“, ein Buch über eine gewaltvolle Mutter-Kind-Beziehung. Der Autor sagt selbst: „Und dies ist ein Roman, keine Biographie und keine Reportage. Ein Anderer als ich könnte ihn nicht schreiben, denn ich arbeite, wie jeder Romanautor, im Steinbruch meiner Erinnerungen, eigne mir dieses an, verwerfe jenes, erfinde dazu und vergesse. Ich habe mir alle Freiheiten genommen, die das Genre Roman gestattet.” Diese Aussage lässt vermuten, dass autobiographische Elemente verarbeitet sind.⠀
Martensteins Ich-Erzähler Frank leidet von frühster Kindheit an unter den unvorhersehbaren Wutausbrüchen der Mutter (die er nur „Maria“ nennt), die nicht selten in wahren Prügel-Orgien gipfelten. („Ich habe gemerkt, wie sie immer hin- und hergerissen war zwischen Liebe und Hass. Sie war kein Mensch, der Gefühle unterdrücken kann, das konnte sie überhaupt nicht, und so wechselte das eben manchmal innerhalb weniger Minuten, Küsse, Schläge, dann wieder Küsse.“) Das Leben der Mutter war nicht einfach. Das weiß auch Frank, der für ihr Verhalten Erklärungen findet, es aber nicht entschuldigen kann. („Es gibt Dinge, die ich ihr nicht verzeihen kann, obwohl ich sie verstehe.“) Sie kannte als Kind selbst kaum Liebe, vor allem nicht von der eigenen Mutter, die sie mit 18 Jahren zur Welt brachte. Nach dem Krieg fand sie Unterschlupf in einem Bordell und landete dann auf einer Klosterschule. Durch ihre Intelligenz standen ihr trotz ihrer rebellischen Art alle Wege offen – letztendlich verließ sie die Schule kurz vor dem Abitur ohne Abschluss. Sie heiratete und bekam nach zahllosen Abtreibungen, die ihr Schwiegervater, ein Tierarzt, illegalerweise durchführt, ein Kind.
„Als sie sehr jung Mutter wurde, war ich wohl so etwas Ähnliches wie jetzt die Krankheit, etwas, das sie daran hinderte, frei zu sein.“ - Die Mutter hatte zwar noch Ziele und Träume, verwirklichte aber nichts. Im Endeffekt macht ihren Sohn für ihr verpfuschtes Leben verantwortlich. Und er sie für seines, denn auch er ist ein getriebener und weitgehend bindungsunfähiger Mensch. Frank bricht den Kontakt zur Mutter ab und lange Zeit verbindet ihn mit der Frau, die ihn geboren hat, nur eines: eine tiefe innere Wut, die auch ihn nicht loslässt. „Maria sagte immer, dass ich alles ihr verdanke, dass ich nur ihre Kreatur bin, mein Talent, mein Geld, der Erfolg, alles ihr Erbe, ihre harte Schule, und in gewisser Weise hat sie damit recht. Ich verdanke ihr alles, was ich bin, im Guten und Schlechten.“
Soweit konnte ich dem Buch folgen. Ich fand die Erzählung bedrückend, aber realistisch und nachvollziehbar. Doch dann scheint Frank Zweifel an seinen bruchstückhaften Erinnerungen zu bekommen und die Geschichte rutschte für mich ins Philosophisch-Hypothetische ab. „Niemals weiß ich, ob mir meine Erinnerung nicht einen Streich spielt. War es denn wirklich so?“ Zwar habe er nichts aus seiner Vergangenheit verdrängt, er erinnere sich schlicht nicht an Dinge, die nicht wichtig sind, um im Leben zurecht zu kommen. Nicht nur schlimme Erinnerungen sind weg, sein „Gehirn speichert auch angenehme Erinnerungen nicht.“ Und nach und nach wurde das Buch für zunehmend wirr und undurchsichtig.
Sprachlich fand ich das Buch ansprechend und wegen der vielen oft völlig unvorhersehbaren Handlungen, teilweise sogar spannend. Es ist ein bemerkenswertes, schwer zu verdauendes Werk. Enttäuschend fand ich aber den Schluss. Nach viel psychologischem Tiefgang, einem Mäandern zwischen Mitleid, Verständnis, Wut und Hoffnung, fand ich ihn verworren und verwirrend. Was bleibt, ist die Frage, wie wir zu dem werden, was wir sind, mit dem Fazit: „„Und irgendwann muss man sowieso damit aufhören, den Eltern die Schuld an dem fehlerhaften Menschen zu geben, der man ist.“ Für ein tiefgründiges Buch aus dem ich viel mitnehmen konnte von mir vier Sterne.
Profile Image for Wal.li.
2,565 reviews71 followers
February 2, 2021
Geschichte einer Mutter

Nun selbst schon in mittleren Lebensjahren hilft Frank seiner Mutter beim Umzug in eine Pflegeeinrichtung. Maria ist nicht mehr ganz auf der Höhe und ihr Zustand wird nicht mehr besser werden. Frank erinnert sich. An die Geschichte seiner Mutter, so wie er sie kennt und auch an seine eigene Geschichte, die durch die der Mutter geprägt wurde. Sie musste den Krieg miterleben, wurde von einer Verwandten großgezogen und ging in eine Klosterschule. Dabei war Maria sich immer bewusst, dass sie intelligent war. Ein Studium war ihr Traum, der jedoch platze, weil es Frauen doch nicht so gegeben wurde. Ihr blieb ein spießig bürgerliches Leben und die Wut.

Leider ist es häufig so, dass Kinder, die misshandelt wurden, im späteren Leben dazu neigen, ähnlich zu handeln wie ihre Eltern. Und so hat auch Frank mit der Wut zu kämpfen. Jahrelang hat seine Mutter die Kindheit des Jungen vergiftet, bis er soweit ist, dass er versucht, sie mit ihren eigen Mitteln zu schlagen. Wahrscheinlich zum Glück für alle Beteiligten muss Frank dann nicht mehr mit seiner Mutter zusammenwohnen. Sein Leben kommt in ruhige Bahnen, doch richtig feste Beziehungen vermag er lange nicht aufzubauen.

Die Erlebnisse einer harten Kindheit mit Kriegserlebnissen können über mehrere Generationen nachwirken. Da wird möglicherweise so mancher Leser an seine Eltern oder Großeltern denken, die sicher auch nicht nur schöne Erfahrungen gemacht haben. Viele der Älteren reden nicht häufig über ihre Vergangenheit und dennoch spüren die Nachfolgenden die Auswirkungen und reagieren. Im Buch weiß Frank einiges über seine Mutter, doch irgendwie bleibt die Frage, warum die Mutter bei ihrer Intelligenz ihre Wut gerade gegenüber ihrem Sohn, dem Jüngsten und Schwächsten, gegenüber auslebt. Dennoch berührt dieser Roman und wühlt auf. Nur zum Ende hin scheint etwas der Faden verloren zu gehen, weil nicht mehr eindeutig erkennbar ist, was nur in der Vorstellung des Frank geschieht. Insgesamt jedoch ist diese Geschichte der Wut sehr beeindruckend.
570 reviews3 followers
March 8, 2021
Immer wieder Wut und Gewalt

Buchmeinung zu Harald Martenstein – Wut

„Wut“ ist ein Roman von Harald Martenstein, der 2021 bei Ullstein erschienen ist.

Zum Autor:
Harald Martenstein, geboren 1953 in Mainz, ist ein deutscher Journalist und Autor. Seit 2002 schreibt er eine Kolumne für „Die Zeit“, die auch im RBB und im NDR zu hören ist. Für seine Arbeit wurde er mit dem Egon-Erwin-Kisch-, dem Henri-Nannen- und dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Außerdem lehrt er an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel und an Journalistenschulen in Österreich und der Schweiz. Harald Martenstein lebt in Berlin.

Klappentext:
Das Erbe des Krieges, der Schrecken einer Kindheit und ein Junge, der nicht vergessen kann
Frank ist der Wut seiner Mutter ausgeliefert. Sie schlägt ihn, immer wieder. Er steht ihren Träumen im Weg. Erst kam der Krieg, dann das Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, dann die Klosterschule. Und jetzt das Kind.
Eines Tages eskaliert ein Streit, und Frank springt aus dem Fenster. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück. Aber die Wut seiner Mutter wird er nicht mehr los.

Meine Meinung:
Immer wieder werden Situationen der Hauptfiguren, die in einer Mutter-Kind-Beziehung stehen, beschrieben, in denen sie mit aufsteigender Wut zu kämpfen haben. In der Regel endet diese dann in einer gewalttätigen Situation. Erstaunlicherweise wirken beide Protagonisten dabei nicht unsympathisch. Die Situationen werden aus ihrer jeweiligen Sicht geschildert und stammen aus mehreren Jahrzehnten. Aufgelockert wird die Erzählung durch humorvolle Passagen mit viel Wortwitz. Dies kann aber nicht verhindern, dass der Ablauf eines Wutanfalls immer wieder ähnlich erscheint. Auf mich wirkte dies einschläfernd. Es gibt aber auch Passagen, die mir sehr gut gefallen haben, wenn der Autor denn seiner Erzählkunst freien Lauf gewährt.

Fazit:
Auch wenn es sehr unterhaltsame Passagen gibt wird der Gesamteindruck durch die wiederkehrenden Beschreibungen der Wutanfälle geprägt. Deshalb vergebe ich nur drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).
424 reviews4 followers
March 16, 2021
Eine Abrechnung oder eine Aufarbeitung?

Harald Martenstein, den ich bisher sehr schätzen gelernt habe in seiner wöchentlichen ZEIT-Kolumne, die immer mit viel Witz und Charme die groteskesten Alltäglichkeiten zerlegt und in seinem Kosmos einordnet, ist nun mit diesem Roman „Wut“ in seine Kindheit eingetaucht und nimmt uns auf eine schmerzhafte Zeitreise mit. Ein sehr persönliches Buch, auch wenn der Protagonist ein fiktiver Charakter ist: Frank und das Buch in Gänze eine ausgedachte Geschichte ist.
Dieser Roman schmerzt sehr beim Lesen, zeichnet es eine brutale und grausame Kindheit. Wirklich nichts für zarte Gemüter. Frank muss immer wieder als Dampfablasser für seine Mutter Maria herhalten, die ihren Stress am Kind auslässt in dem sie ihn immer und immer wieder prügelt. Nicht nur die physische Gewalt setzt dem Kind massiv zu auch die verbalen Verunglimpfungen tun höllisch weh und bauen diese große und allumfassende Wut auf.
Fast ist es erstaunlich wie der Autor der Mutterfigur nicht nur Schlechtes zuschreibt, ihr gar positive Eigenschaften gibt und versucht im Ansatz zu verstehen wie man das eigene Kind so schlecht behandeln kann. Klar, auch die Mutter hatte kein schönes Leben und ist am Ende, aber kein Grund ihr Kind zu misshandeln. Sie wurde von der eigenen Mutter zurükgelassen bei der Tante, die ein Bordell betrieb. Hier musste sie ran und zugleich auf ein katholisches Gymnasium gehen.
Irgendwann kippt die Geschichte um Frank und Martenstein driftet vom Erzählen ab und fabuliert mehr. Was nun noch wahr und erdacht ist, Traum oder Wirklichkeit vermag man ohne ein Gespräch mit dem Autor nicht konstruieren. Mit diesem Bruch enden auch die Erfahrungen des Autors die in diesen Roman einflossen.
Fazit: Harter Tobak - Aufarbeitende Abrechnung mit der eigenen Mutter, aber auch ein kaputtes fiktives Männerleben, dass droht auseinander zu fallen.
Profile Image for Birgit.
505 reviews56 followers
April 20, 2021
Harald Martenstein beginnt seinen Roman sehr vielversprechend. Emotional und einfühlsam erzählt der Autor von Franz' Kindheit, die so realistisch geschildert wirkt, dass man sich sehr gut hineinversetzen kann oder vielleicht auch selbst darin wiederfindet und erschreckt auf seine eigene Kindheit zurückblickt.
Im weiteren Verlauf, macht der Autor einige, nicht schnell nachvollziehbare Zeitsprünge, wodurch es anstrengend wird der Geschichte zu folgen. Doch nicht nur das, denn die Handlung wird auch immer abstruser und es werden immer mehr wichtige Figuren eingeführt, die man sich kaum merken kann. Am Ende macht die Handlung noch eine unerwartete Wendung, die sie nicht benötigt hat und das Buch eigentlich gegen die Wand fährt... Es mag manche vielleicht dazu animieren, das Buch erneut zu lesen, andere stoßt es vollkommen vor den Kopf.
Leider konnte der sehr gute Schreibstil nicht gut machen, was die zu hohe Charakterdichte und der wirre Erzählstrang zerstören.
Profile Image for Inge H..
448 reviews7 followers
February 1, 2021
Ist wirklich immer die Mutter Schuld?


Der Roman Wut ist ein interessantes Buch von dem Schriftsteller Harald Martenstein.

Frank hat seine demente Mutter im Heim untergebracht. Er hat als Kind unter ihren Wutausbrüchen gelitten.
In ihrem Tagebuch erfährt er alles aus ihrer Sicht. Auch sie hatte keine schöne Kindheit.

Trotz allem entschuldigt die Kindheit aber auch nicht alle späteren Taten Franks.
Oft wird den Müttern die Schuld gegeben, das ärgert mich immer. Meist macht sie alles so gut wie möglich.

Der Autor schreibt das mit gutem Ausdruck und man ist von der Geschichte gefangen.Der Roman zeigt die Ansichten aus verschiedenen Perspektiven. Er versteht es gut die Geschichte voller Emotionen unter die Haut gehen zu lassen.
Er ist unterhaltend und empfehlenswert.


Profile Image for Margarethe.
572 reviews
February 9, 2021
Martenstein hat mich nicht enttäuscht!
Ich kenne Martenstein von seinen Kolumnen, die mir immer wieder Spass machen und mich zum Nachdenken anregen, nun mein erstes Buch von ihm.
Er hat mich nicht enttäuscht. Die Geschichte "Wut" ist so eindringlich und mitnehmend geschrieben, das man die Gefühle in einem selbst aufwallend.
Die Wut der Mutter ausgelassen an den Sohn, der sie jetzt ins Altenheim begleitet. Die Generation, die von Eltern mit Kriegserlebnisse aufgewachsen ist findet hier einige Schattierungen der eigenen Biografie wieder, wenn nicht in der eigenen Familie, dann in der Nachbarschaft.
Martenstein bringt die Sprachlosigkeit dieser und der nachfolgenden Generation sehr gut zum Ausdruck, kein Buch für nebenher.
2,282 reviews13 followers
February 1, 2021
Zum Inhalt:

Immer wieder schlägt die Mutter zu. Denn Frank steht ihren Träumen im Weg. Doch wie soll ein Kind damit klar kommen? Eines Tages eskaliert ein Streit bei dem Frank schließlich aus dem Fenster springt und niemals wieder zurück zur Mutter geht. Aber die Wut seiner Mutter begleitet ihn trotzdem.

Meine Meinung:

Das Buch hat mir gut gefallen. Es zeigt die Abgründe von Menschen und wie sie wurden, was sie sind und wie schwer es doch ist, Erlebnisse zu verarbeiten und Dinge hinter sich zu lassen. Besonders gut hat mir der Schreibstil gefallen, der einen förmlich durch das Buch zieht und einfach richtig gut ist.

Fazit:

Lesenswert
Profile Image for Maria Beltrami.
Author 52 books73 followers
August 5, 2021
Wut, tiefe Wut, erblich, genetisch, verwurzelt in Krieg, Entwurzelung und Verzweiflung. Von Generation zu Generation sind Freunde, Verwandte, Verwandtschaft, reale und imaginäre Charaktere und sogar Tote daran beteiligt. Ein Bildungsroman vielleicht, aber von einer beunruhigenden Art, die einen gewissen bitteren Beigeschmack hinterlässt, weil keine der Charaktere jemals Frieden hat.
Profile Image for Claudia  Lady Circumference.
308 reviews
February 14, 2021
Liest sich zunächst wie hammerharte Autofiktion und wird dann plötzlich eine tiefschwarze Komödie bevor es uns zum Schluss nochmal den Boden unter den Füßen wegzieht.
Ein sehr eigenwilliger Roman in den etwas zu viel reingepackt worden ist – hat mir aber trotzdem gut gefallen.
Profile Image for Leserlich.
106 reviews
May 15, 2021
Die Wut ist zwar ubiquitär bleibt aber unerwartet blass und fern. Statt dessen findet man Zuneigung, Nähe und Reue. Ein ergreifendes Buch.
Profile Image for Jules.
5 reviews
April 27, 2025
insgesamt fand ichs eigentlich gut, das Ende hat mich nicht überzeugt..
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Estrelas.
948 reviews
October 9, 2021
Frank wird als Kind von seiner Mutter geschlagen. Wie es dazu kam und was danach geschah, lesen wir in „Wut“. „Wut ist mächtig. Wut sucht sich ihren Weg, wie Wasser. Bestimmte Reize lösen sie aus. Wenn die Wut erst mal da ist, bist du ihr ausgeliefert.“
Der Anfang des Romans ist heftig, weil die Brutalität einer Mutter gegenüber ihrem Kind schwer vorstellbar ist und authentisch aus Sicht des Jungen geschildert wird. Und doch folgen, liest man nach Überwindung des ersten Schocks weiter, menschliche Schicksale, beginnend mit dem der Mutter als elternloses Kind während des Kriegs, endend mit dem ihres erwachsen werdenden Sohns.
Dem Autor ist ein eindringlicher Blick hinter die Kulissen einer Familie gelungen mit ihren Alltäglichkeiten und eben auch den Überschreitungen von Grenzen. Mir ging dieses Buch sehr nahe, und ich empfehle es ausdrücklich weiter.
Displaying 1 - 19 of 19 reviews

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