Max und Katja haben gerade ihr Philosophiestudium abgeschlossen und wissen viel, nur nicht, was sie nun machen sollen. Als Katjas Cousin den beiden vorschlägt, mit der Mittelalterband "Kobold" auf Tour zu gehen, sagen sie zu. Bald schon tragen die beiden als "Theoprastus Bombastus von Witterschlick" und "Sancta Benedicta – Wanderpäpstin und Gegenhure" wallende Gewänder und schmucke Schnabelschuhe. Die sommerliche Deutschlandtour wird nach anfänglichem Chaos zu einem vollen Erfolg, doch zwischen dem übergewichtigen Max und Katja stimmt bald gar nichts mehr, ihre Beziehung wird täglich komplizierter.
Ein Alptraum für alle Marketing-Leute: Was genau ist dieses Buch? Ist es ein Milieu-Roman, der die Welt der Mittelaltermärkte (liebevoll, und aber auch spöttisch) beschreibt? Ist es eine Coming of age-Geschichte, in der zwei Außenseiter aus der Pubertät heraus und zueinanderfinden? Ist es eine moderne Heldenreise, in der die Protagonisten hinausgehen, um Wahrheit zu sprechen und zu finden? Und wie platziert man das: Fürs Feuilleton ist es zu witzig und unbräsig, für unterhaltung zu anspruchsvoll und verspielt.
Der schlaue, dicke, sich selbsthassende Max liebt die schlaue, schöne, schrullige Katja; sie sind Freunde seit langer Zeit. Sie verfällt auf die Idee, Philosophie zu predigen, und zwar während der Auftritte mit der Mittelalterband Kobold; er folgt ihr, anfangs schicksalsergeben und ein wenig miesepetrig. Im Laufe der Zeit gibt er sich dieser Welt immer häufiger hin - er macht seine zweiten sexuellen Erfahrungen, berauscht sich und wird wichtiger Bestandteil der Bühnenchoreografie - trotzdem steht er dem ganzen Treiben mit skeptisch-amüsierter Distanz gegenüber. Ein Entdecker wider Willen, der mit seinem Los leben kann, weil er genug im Hirn hat, hinter dem Absurden das Schöne zu sehen und hinter dem Lächerlichen das Menschliche. Diese Art gutmütige, sehr scharfsinnige Intelligenz macht Max zu einer Figur, von der ich nicht geglaubt habe, dass man sie schreiben kann: einen schlauen und trotzdem sympathischen Spätpubertierenden.
Abgesehen davon sind die Genreszenen ein Genuß. Anselm Neft schafft es, dass ich gleichzeitig den Kopf schüttele und lache, wenn von irgendwelchen Rollenspielen die Rede ist, weil sie gleichzeitig so absurd und albern sind, aber auch sehr erhebend. Ein Buch voller Zwischentöne, nach dessen Lektüre man freundlicher mit Welten umgeht, in die man bedauerlicherweise bisher noch nie hat hineinlugen dürfen.