In Mühlensommer erzählt Martina Bogdahn warmherzig und humorvoll von einer Frau und ihrem Leben zwischen zwei Welten. Von einer Jugend auf dem Land, einer Flucht in die Stadt und einer folgenreichen Rückkehr. Von Müttern und Töchtern und davon, dass man manchmal zurückblicken muss, um sich selbst zu finden.
Ein drückend heißer Sommertag. Mit ihren beiden Töchtern macht sich Maria auf den Weg in ein langes Wochenende fern von Stadt, Stress und Schule. Doch dann ruft Marias Mutter an. Der Vater hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus. Die Mutter ist bei ihm, und auf dem Bauernhof der Familie müssen Schweine, Kühe und Hühner versorgt werden –, aber auch die demente Großmutter.
Maria fährt sofort zum Hof. Doch da erwartet sie nicht nur die seit Stunden schon Äpfel schälende Oma, sondern auch die Erinnerung an ein fast vergessenes Leben zwischen Schulbus und Schweinestall, Dreimeterbrett und Kirchenbank, an den Duft von frischem Holzofenbrot und endlose Hopfenernten, starre Traditionen und lauter kleine Freiheiten.
Als am Tag darauf die Mutter aus dem Krankenhaus heimkehrt und plötzlich auch Marias Bruder Thomas auf dem Hof steht, ist die Familie versammelt. Sie eint die stille Sorge um den Vater. Bis Thomas das Schweigen bricht und endlich zur Sprache kommt, was sie alle lang verdrängt haben...
Maria möchte mit ihren beiden Töchtern eigentlich ein Wochenende auf einer abgelegenen Berghütte verbringen, fernab von Schul- und Arbeitsstress in der Stadt. Doch dann erreicht sie ein panischer Anruf ihrer Mutter, der Vater hatte beim Holz machen einen Unfall, sie müsse sofort kommen und sich um Hof und Tiere kümmern. Maria fügt sich, doch auf dem abgeschiedenen Mühlenhof warten nicht nur die Landarbeit und die demente Großmutter, sondern auch die Erinnerungen an eine Kindheit zwischen Schweinestall, Schulbus und Kirchenbank auf sie. Als ihr Bruder am nächsten Morgen auch auf dem Hof auftaucht kommt lange Verschwiegenes endlich zur Sprache.
Martina Bogdahns Debütroman "Mühlensommer" erzählt vom Kontrast zwischen Land- und Stadtleben, von Ausgrenzung aufgrund der bäuerlichen Herkunft, von Existenzängsten ob dem Wandel der landwirtschaftlichen Betriebe, von harter Arbeit, dem Wunsch nach Unabhängigkeit und von innerfamiliärem Zusammenhalt. Eigentlich sind diese Themen sämtlich Zutaten für ein Buch, das mir gut gefallen könnte. In diesem speziellen Fall bin ich aber leider von der ersten bis zur letzten Seite nicht mit der Protagonistin und den Nebencharakteren warm geworden, sie waren mir sehr unsympathisch und ich habe mich trotz der Ich-Perspektive seltsam vom Text distanziert gefühlt. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, im Jetzt bangen die Familienmitglieder um ihren Ehemann bzw. (Groß-)Vater und loten die Beziehungen zwischen einander und die Zukunft des Mühlenhof aus, dazwischen gibt es immer wieder Sprünge in Marias Kindheit auf dem Hof. Diese Erinnerungen an vergangene Zeiten sind häufig durchzogen von teils sehr drastischen Schilderungen tierischen Leids, was zwar authentisch sein mag, aber das Buch in meinen Augen nicht unbedingt lesenswerter macht. Ich lese sehr gerne Romane, die auf dem Land spielen, auch solche, die ganz unromantisch davon berichten. "Mühlensommer" hat mich jedoch bedauerlicherweise nicht überzeugt.
"Mühlensommer" ist für mich eine echte Überraschung unter den aktuellen Debütromanen, der das ländliche Leben auf einem Bauernhof einfühlsam porträtiert. Die Sicht der Hauptfigur Maria, die zwischen ihrem modernen Leben in der Stadt und ihren Wurzeln auf dem Land hin- und hergerissen ist, wird mit Tiefe und Authentizität aber trotzdem mit Humor liebevoll dargestellt.
Nach langer Abwesenheit kehrt Maria mit ihren Töchtern auf den Hof ihrer Eltern zurück, da ihr Vater im Krankenhaus liegt. Die Rückkehr Marias auf den Hof ermöglicht ihr nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch eine Auseinandersetzung mit den Konflikten und Verletzungen innerhalb ihrer Familie. Diese Zwiespältigkeit zwischen Nostalgie und Konfrontation wird dabei durch die Erzählerin eindringlich eingefangen und mit Hilfe von lustigen Anekdoten immer wieder durchbrochen, wobei die Schattenseiten des Landlebens dennoch ungeschönt dargestellt werden.
Insgesamt ist "Mühlensommer" ein Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten hat. Durch die verschiedenen Charaktere des Hofes, die humorvollen Anekdoten und die tiefgründigen Themen fühlte ich mich mehr als einmal an die zeitlosen Klassiker wie "Bullerbü" und "Michel von Lönneberga" erinnert - mit dem Unterschied, dass dieser Roman gleichzeitig ein moderner und relevanter Beitrag zur zeitgenössischen Literatur für Erwachsene ist!
Maria wächst auf einem Bauernhof auf und ergreift gleich nach dem Abitur die Flucht in die Stadt. Dort lebt sie nun mit ihren beiden jugendlichen Töchtern und ist in der Werbebranche tätig. Als die drei sich gerade auf den Weg in ein langes Wochenende machen wollen, ruft Marias Mutter an: der Vater hatte einen Unfall, Maria wird dringend auf dem Hof benötigt. Ohne Zögern macht sie sich auf den Weg. Neben den Tieren, um die Maria sich kümmern muss, lebt auf dem Hof auch ihre mittlerweile demente Oma, die hauptsächlich mit Apfelschälen beschäftigt ist. Die Arbeit auf dem Hof ruft in Maria viele Kindheitserinnerungen hervor, positive wie negative. Und schließlich geht es auch um die Zukunft des elterlichen Hofes, mit Entscheidungen, die für alle Beteiligten nicht einfach sind. Mühlensommer hat mir unglaublich gut gefallen. Die Geschichte wird unglaublich humorvoll erzählt, es gab so viele Szenen, bei denen ich unglaublich lachen musste (der Aal, die Sau, aber auch die blauen Augen). Gleichzeitig wird aber auch deutlich, wie anstrengend das Leben auf einem Bauernhof sein kann und es ist gut nachvollziehbar, warum Maria dort weg wollte. Teilweise fühlte ich mich ein bisschen an Bergland von Jarka Kubsova erinnert. Auch die finale Lösung für den Hof finde ich einen gut gelungenen Kompromiss und eine schöne Weiterentwicklung. Das einzige, wozu ich gerne noch mehr erfahren hätte, wäre, wie es Maria bei ihren Anfängen in der Stadt erging. Dazu gibt es im Buch leider nichts.
Maria ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, mit all der Idylle und Härte, die man sich vorstellen kann. Mittlerweile ist sie erwachsen, hat zwei Töchter und wohnt in München. Sie ist gerade zu einem Urlaub in den Bergen aufgebrochen, als sie erfährt, dass ihr Vater nach einem schweren Unfall im Krankenhaus liegt. Maria macht sich sofort auf den Weg zum Hof, um ihre Mutter zu unterstützen. Dabei wird sie mit Erinnerungen an ihr Aufwachsen und das Leben auf dem Land konfrontiert.
Im Prinzip besteht das Buch aus vielen kleinen Anekdoten aus der Kindheit der Protagonistin, immer wieder unterbrochen von eher kurzen Passagen aus der Gegenwart, in denen es im späteren Verlauf auch zu Konflikten kommt. Wir erfahren in den Rückblicken von Marias Kindheit auf dem Bauernhof, von wichtigen Bezugspersonen und Tieren, von Peinlichkeiten, Entbehrungen und kleinen Glücksmomenten. Diese nostalgischen Rückblicke sind liebevoll gezeichnet, manchmal witzig und immer entschleunigend - für meinen Geschmack zu entschleunigend. Sie laufen immer nach dem gleichen Schema ab, bedienen mehr oder weniger Klischees vom Landleben und haben mich leider zunehmend weniger interessiert. Mir fehlte hier die Tiefe. Dabei war mir die erwachsene Maria sehr sympathisch. Zu gerne hätte ich mehr von ihr und ihrem Leben erfahren. Eine alleinerziehende Frau mit zwei Töchtern, die in einer Werbeagentur arbeitet, die einen Klassenaufstieg hinter sich hat und nun Care- und Erwerbsarbeit jongliert und in einer teuren Großstadt lebt. Leider bleibt dieser Teil ihres Lebens sehr blass.
Ein weiterer Kritikpunkt waren für mich die vielen grafischen Szenen, in denen Tieren Leid angetan wurde. Das ist sicherlich realistisch, hat für mich dann aber in sogenannter „Wohlfühlliteratur“ wenig zu suchen, zumindest nicht in diesem Ausmaß und Detail. Unter anderem erfahren wir auf mehreren Seiten von toten Katzen, geschlachteten Schweinen, Totgeburten, kranken Kühen und ganz am Ende gibt es noch eine für mich sehr verstörende Szene mit einem Reh.
Das war leider einfach nicht mein Buch. Ich kann es Personen empfehlen, die gerne einen unaufgeregten, humorvollen und leicht lesbaren Roman über eine Kindheit am Land lesen möchten. Jedoch muss ich eine Inhaltswarnung für Gewalt an Tieren aussprechen.
Was ruhiges für Zwischendurch. Schöne Familiengeschichte und ein ehrlicher Blick auf eine Bauersfamilie. Hat mich sehr gut unterhalten und hat mir richtig gut gefallen.
Mit ihrem Roman "Mühlensommer" hat mir die Autorin Martina Bogdahn eines meiner Lese-Highlights im ersten Halbjahr 2024 geschenkt.
Das Buch wird in zwei Erzählsträngen erzählt. Zum einen haben wird einen Gegenwartspart, in dem die erwachsene Maria von der Stadt zurück auf den elterlichen Hof kommt und der Mutter nach dem Waldunfall des Vaters sowohl bei der Arbeit auf dem Hof als auch bei der dementen Großmutter unter die Arme greift. Und zum anderen haben wir den Vergangenheits-Part mit dreistelligen Telefonnummern, Proben zum Weihnachts-Krippenspiel und in Kaffee getunkten Hefezopf, der mich quasi permanent in die 70er/ 80er Jahre und in meine Kindheit zurückversetzt hat.
Und trotz dieses Zuhause-Gefühls ist das Buch nicht immer leicht zu verdauen. Neben der Tatsache, dass mich der Unfall des Vaters ziemlich getriggert hat, erzählt außerdem die ca. 10jährige Maria nicht nur im heimeligen Bullerbü-Stil von ihrer Kindheit auf dem Bauernhof der Eltern, sondern holt einen mit lebensnahen, echten, nichts-beschönigenden Momenten, die mir das Herz gebrochen haben, auf den Boden der Tatsachen und das echte Leben auf dem Land zurück.
Und genau diesen Spagat hat die Autorin grandios gut geschafft. Ich bin mir sicher, dass es genügend Leser*innen gibt, die nciht gut ertragen können, was für Maria und ihre Familie völlig normal ist und ja, auch mich schwer schlucken ließen. Dennoch war es in meinen Augen nicht zu grausam erzählt, denn die Autorin wusste auch, wann sie solche Szenen ausblenden musste. Man weiß als Leser ganz genau was passiert, aber es wird nicht in unerträglicher Grausamkeit erzählt.
Ein Buch, das mich absolut positiv überrascht hat und begeistern konnte. Es geht um Familie und die eigenen Wurzeln und ist ein großer Schatz in meinem Bücherregal. In meinen Augen eine Leseempfehlung für diejenigen, die die Bücher mit lebendigen, echten Menschen - wie z.B. von Dörte Hansen - lieben.
Klappentext: Ein drückend heißer Sommertag. Mit ihren beiden Töchtern macht sich Maria auf den Weg in ein langes Wochenende fern von Stadt, Stress und Schule. Doch dann ruft Marias Mutter an: Der Vater hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus. Die Mutter ist bei ihm, und auf dem Bauernhof der Familie müssen Schweine, Kühe und Hühner versorgt werden aber auch die demente Großmutter. Maria fährt sofort zum Hof. Doch dort, vor der alten Mühle, erwartet sie neben der unermüdlich Äpfel schälenden Oma auch die Erinnerung an ihre Jugend zwischen Schulbus und Schweinestall, Dreimeterbrett und Kirchenbank, an starre Traditionen und lauter kleine Freiheiten. Als am Tag darauf die Mutter aus dem Krankenhaus heimkehrt und plötzlich auch Marias Bruder Thomas auf dem Hof steht, ist die Familie versammelt. Sie eint die stille Sorge um den Vater. Bis Thomas das Schweigen bricht und endlich zur Sprache kommt, was sie alle lang verdrängt haben.
„Mühlensommer“ von Martina Bogdahn ist eine warmherzige Familiengeschichte.
Im Mittelpunkt des Romans steht Maria, eine Frau, die sich im Laufe der Geschichte neu erfinden muss. Sie fährt mit ihren Töchtern auf den elterlichen Hof um Unterstützung zu leisten da der Vater einen Unfall hatte. Als ihr Bruder Thomas auch auf dem Hof auftaucht wird Maria der Vergangenheit konfrontiert. Sie lernt, Verantwortung zu übernehmen, für sich selbst einzustehen und ihren eigenen Weg zu finden. Ihre Entwicklung ist berührend und inspirierend.
Martina Bogdahn zeichnet ein einfühlsames Bild des Lebens auf dem Land. Die Idylle der Natur wird kontrastiert mit den Problemen der Dorfgemeinschaft. Die Autorin scheut sich dabei nicht, auch die Schattenseiten des Landlebens zu beleuchten, wie etwa die Engstirnigkeit und den Mangel an Perspektiven.
Die Geschichte ist fesselnd geschrieben und die Charaktere sind vielschichtig und authentisch. Martina Bogdahn versteht es, ihre Leser in die Welt ihrer Charaktere hineinzuversetzen und ihnen deren Gefühle und Gedanken nahe zu bringen.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Auf eine warmherzige und stellenweise humorvolle Art vermittelt Martina Bogdahn ihren Leser*innen die Familiengeschichte.
„Mühlensommer“ ist eine Familiengeschichte die lange im Gedächtnis bleiben wird.
Maria ist eigentlich auf dem Weg mit ihren Töchtern zu einem Wochenende in den Bergen, als ihre Mutter anruft. Der Vater hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus. Und die Mutter braucht sofort Hilfe auf dem Hof, da der Bruder gerade nicht da ist. So fährt Maria spontan nach Hause und dort angekommen, blickt sie zurück auf das was war und es zeigt sich auch was kommen könnte.
Das Buch ist eine eher ruhige Geschichte. Maria hängt zu Hause ihren Erinnerungen nach und wir begleiten sie zurück in ihre Kindheit. Die Kapitel wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart, was mir am Anfang etwas Schwierigkeiten beim Lesen bereitet hat. Aber im Buch angekommen, ist es dann kein Problem mehr.
Die Geschichten aus der Jugend erinnern an eine Zeit, als Telefone noch fest mit der Wand verdrahtet waren und der Opel Ascona neben dem Golf noch das Fahrzeug der Wahl war. Maria ist als Bauernhofkind an vielen Ecken benachteiligt. Sie muss zu Hause helfen anstatt sich im Schwimmbad mit Freundinnen zu treffen. Und in den Sommerferien geht es zur Hopfenernte anstatt an die Adria. Dafür hat sie ein enges Verhältnis zu ihrem Bruder, das aber im Laufe der Zeit arg gelitten hat. Dieses Zerwürfnis ist auch immer wieder Thema.
Mir hat das Buch gefallen. Ich konnte mir den Mühlenhof und das Leben dort gut vorstellen und mich in Marias Vergangenheit versetzen lassen. Ich hätte mir ein weniger offenes Ende gewünscht, bei dem die Zukunft des Hofes ein wenig genauer beschrieben wird. Hoffnungsvoll war es aber auf jeden Fall. Alles in allem war es ein schönes ruhiges Buch, das mir vergnügliche Lesestunden beschert hat.
Ich liebe ja eigentlich Bücher vom Landleben und dann auch noch Solche, die in den 70/80er Jahren spielen, aber dieses Buch hat mich leider nicht so ganz überzeugt. Zum Einen habe ich irgendwie die ganze Zeit auf den einen großen plot twist gewartet, à la Ewald Arenz, doch dazu ist es *spoiler* nie gekommen. Der Spannungsbogen ist einfach verpufft und stattdessen wurde der Familienkonflikt auf eine viel zu plötzliche und dadurch auch unrealistische Weise einfach so aus der Welt geschafft. Das wäre aber ja alles noch okay gewesen, wenn dafür die Beschreibungen vom Sommer und vom Landleben überzeugt hätten. Allerdings haben wir stattdessen Eine vollkommen unnötig ausformulierte Szene von Tiertötung nach der Anderen vorgesetzt bekommen. Es ist mir bewusst, dass das vermutlich realistisch sein mag aber trotzdem wurde das Ganze so unnötig bis zum letzten Detail beschrieben und auch so häufig, dass es mir einfach zu viel und schlicht grausam war und ich mehrere Seiten überspringen musste. Und was war das bitte mit der Oma, die ihr eiterndes Knie regelmäßig mit Quark umwickelt und im Anschluss aus demselben Quark Quarkkuchen für alle backt?! Sorry, aber das ist einfach nur ekelhaft und hätte es definitiv nicht gebraucht! Mich hat die Oma am Ende einfach nur noch abgefuckt. Unterm Strich: Die Geschichte hatte eigentlich echt Potenzial, was definitiv nicht genutzt wurde und am Ende hat mich dieses Buch nur in einer Sache bestärkt und zwar, dass ich mein Leben lang vegan bleiben werde lol.
" Und so wie es mich schaudert, spüre ich auch eine stete Sehnsucht, die tief in mir ruht, wie ein Brunnen, der schon seit vielen Jahren keinen Tropfen Wasser mehr gegeben hat, aber für immer ein Brunnen bleibt."
Maria wird nach Hause gerufen, der Vater hatte einen Unfall, ihr Bruder ist nicht erreichbar im Urlaub und die Mutter braucht Hilfe auf dem Hof. Das weckt Kindheitserinnerungen, gute und nicht so gute. Und die große Frage steht im Raum, wie geht es weiter mit dem Hof?
Man merkt, dass die Autorin aus Erfahrung schreibt. Und in mir weckt sie Kindheitserinnerungen, bin ich doch auch auf einem Bauernhof groß geworden und kenne selber so viele der beschriebenen Situationen. Ungeschönt beschreibt Martina Bogdahn das Bauernhof Leben, und einige Szenen sind sicherlich nicht für jeden Leser leicht zu ertragen. Aber Landleben ist nicht nur Romantik, sondern harte Arbeit. Das Buch erzählt sehr unaufgeregt, eigentlich passiert gar nicht so viel und doch passiert so viel in den Personen. Ein Buch für den Sommer, ein Buch für Landkinder und solche, die gerne Landluft schnuppern. Ein Buch über Familie und darüber dass man nie vergessen sollte, wo man herkommt. Ein Buch, dass mein Leserherz voll getroffen wird und bestimmt noch mal gelesen wird.
Maria freut sich auf ein Wanderwochenende mit Freunden, als sie ein Anruf ihrer Mutter erreicht. Ihr Vater ist bei Waldarbeiten schwer verletzt worden, Maria muss schnell kommen und mit den Tieren helfen, sich um die demente Oma kümmern und ihrer Mutter beistehen. Während sie und ihre Mutter auf Nachrichten aus dem Krankenhaus warten, lässt Maria ihre Kindheit auf dem Bauernhof wieder aufleben.
Nach Mirabellentage war das hier ein leichtes Downgrade - es spielt in demselben Dorf, aber wir begleiten eine Bauernfamilie bzw. der mittlerweile erwachsenen Tochter Maria, die in die Stadt "geflüchtet" ist. Ich mochte die anekdotische Erzählweise, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart springt, sowie das zentrale Thema der Familie. Was ich nicht mochte, waren die sehr expliziten Schilderung bezüglich Gewalt (an Tieren). Ich weiß, dass das mit zur Realität auf dem Bauernhof gehört, allerdings passt das überhaupt nicht zu der Vermarktung als "Wohlfühlliteratur" für mich. Und ich hätte gerne mehr von der erwachsenen Maria gelesen, wie sie sich das Leben in der Stadt aufgebaut hat und da als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern den Alltag bestreitet.
Hat sich sehr gut weggelesen. Viele Handlungen in der Vergangenheit über das Leben auf dem Hof und aus einer anderen Zeit. Sehr metaphorisch und lautmalerisch geschrieben
Ich liebe Romane über das Leben auf dem Bauernhof vor 50, 60 Jahren. Meine Kindheit und Jugend war zwar gut 20 Jahre vor Martina Bogdahn, aber ich habe mich und unseren Hof in vielem wiedererkannt: die Blasen an der Hand vom Heurechen, die Feuerwehrübung - bei uns nicht im Garten, sondern auf unserer großen Wiese neben dem Bach; der Löschwagen wurde von Papas McCormick gezogen. Die Hilfe fürs Mutterschwein beim Ferkeln habe ich aber vehement verweigert – das hätte ich nicht ertragen, dafür musste dann die Frau des Tierarztes mit ihren schmalen Händen zulangen. Am Schlachttag habe ich mich zur anderen Oma im Dorf verkrümelt, das fand ich nämlich auch nicht prickelnd. Leider waren meine Eltern nicht so fortschrittlich: sie haben beim Gespräch mit dem Klassenlehrer nach meiner Grundschulzeit die weiterführende Schule rundweg verweigert; das Vollabitur als erstes weibliches Wesen im Dorf konnte ich dann aber nach der Hauptschule ‚auf dem 2. Bildungsweg‘ machen. Das Buch hat mir gut gefallen, aber den Gegenwartsteil empfand ich als zu fragmentarisch: wie kam es, dass Maria alleinerziehend war? Wie ging die Geschichte mit dem Architekten weiter? Wie entwickelte sich das Geschäft mit dem Brotbacken? Was machte Onkel Herbert im Gegenwartsteil? Das alles und mehr hätte ich gerne noch erfahren.
Excellent story, thoughtfully written to which I can relate lot as I have grown up in a small village in Unterfranken as well. The way of life of constant hard work and the attitude that this is the way life has to be lives without much room for choice is something I know just to well. However, the loving and close family ties, the community of other just like you who understand you and will always be there to help is very well explained. The attitude of if those who thought they were better than the farmers is very well illustrated and I Loved the small victories the author has put in.
Highly recommend this book and hope this author writes many more thoughtful books like this one.
Atmosphärisch dichter Roman, der das Landleben authentisch und nichts beschönigend beschreibt und die Prägung unseres Lebens durch Herkunft, Kindheit und Familie zeigt. Zuweilen kommt das Buch allerdings nicht ohne Klischees aus.
Das Buch hat mir gut gefallen, ist jedoch nicht so unbeschwert wie erwartet. Beim Lesen habe ich lange auf einen großen Knall gewartet, aber - Spoiler - er kam nicht. Dennoch eine schöne Geschichte für den Sommer!
Das ist wahrscheinlich eher ein Buch für meine große Schwester. Die (sehr realistisch geschriebenen, die Autorin beschönigt nichts) Rückblicke stammen zwar aus Jahren die zu "meiner" Zeit auf dem Bauernhof gehören, passen aber nur in geringem Maße zu meinen Erinnerungen.
Obwohl ich eigentlich ein großer Fan von Dorfromanen, gemütlichen und teils tragischen Geschichten aus dem Landleben bin, war dieses Buch für mich der totale Reinfall. Ich konnte es gut zum Einschlafen lesen, ein paar ganz amüsante oder interessante Details gab es - das war's dann aber auch. Den Plot hat man so oder so ähnlich schon tausendmal gelesen: Kind vom Dorf bzw. vom Bauernhof findet schon im der Schule wenig Anschluss, weil es nach Schweinestall riecht, zieht natürlich bei der ersten Möglichkeit in die Stadt, macht Karriere und ist trotzdem noch belustigt über die dummen Städter, die ihr Brot beim hippen Bäcker kaufen, anstatt selbst zu backen und bei einem kleinen Bienenstich in Aufruhr geraten und ihr gesamtes Medizinarsenal auspacken. Wenig überraschend war dann auch, dass Protagonistin Maria plötzlich nostalgisch wird und sich doch wieder nach der heilen Welt des Dorfes sehnt, wo die demente Oma friedlich Äpfel schält und die größte Sorge die ist, dass ab und zu mal ein Schwein krank werden und sterben könnte. Natürlich verträgt sie sich auch plötzlich wieder mit dem zerstrittenen Bruder, akzeptiert ohne Murren die verhasste Schwägerin und lernt prompt noch einem gut aussehenden Mann kennen, der perfekt in ihr Leben und in die Geschichte passt. Dass das ausgerechnet auf dem dörflichen Jahrmarkt passiert, wo ihre stark geschminkten städtischen Teenie-Töchter sofort Anschluss finden, anstatt die Dorftrottel zu belachen, war mir wirklich zu viel des Guten. Happy End, okay, aber es gab wirklich gar keine Höhen und Tiefen, sondern alles ist mehr oder weniger langweilig dahingeplätschert. Klar, da möchte man als Leserin auch gerne auf dem Land leben, wenn das Leben da so einfach und ohne echte Probleme ist. Einzig in Marias Kindheitserzählungen passierte Mal etwas mehr und hier gab es einige ganz amüsante Momente, die in einer anderen Art der Erzählung toll für Auflockerung gesorgt hätten, aber doch etwas traurig dastehen, wenn sie die Highlights des Romans sind. Ich hatte auf viel mehr Tiefgang, viel mehr Reibung, viel mehr Lebensnähe gehofft. Wie schön und leicht hätten sich die guten Momente in der Geschichte angefühlt, wenn auch die ganz dunklen, bedrohlichen darin gewesen wären? Was ist mit den Existenzsorgen der Mühlenbewohner? Wie fühlt es sich für sie an, mit dem Familienerbe einen solchen Klotz am Bein zu tragen? Wie geht man mit der eigenen Mutter oder Oma um, wenn sie einen nicht mehr erkennt, wenn sie sich selbst in Gefahr bringt, wenn sie wütend wird, weil ihr Gedächtnis sie im Stich lässt? Wie anstrengend sind zwei pubertierende Mädchen, die keinen Bock auf Familie, Schweinestall und schlechten Handyempfang haben? Man hätte so viel mehr in die Tiefe gehen können... Schade! Am Ende stellt sich schon ein bisschen die Frage, ob die Autorin zumindest teilweise aufgrund ihrer genannten Kontakte in einem so renommierten Verlag untergekommen ist. Eigentlich bin ich von KIWI weit Besseres gewöhnt.
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Dnf bei 3/4. Unterhaltsam, aber hielt für mich nicht was es verspricht. Eine Ansammlung von Anekdoten über das Aufwachsen auf einem Bauernhof, die eine lustige Animationsserie für Kinder geben würden. Dabei würden dann aber wohl das eher unempathisch dargestellte Tierleid stören, und der liebevolle Humor, mit dem Alkoholkonsum beschrieben wird, hat bei mir persönlich auch ein Störgefühl hinterlassen. Die Rahmengeschichte im Hier & Jetzt schien mir unverbunden dazu, ich habe keinen Zugang dazu gefunden. Ich fand, die Geschichte eignet sich trotz des eigentlich schweren Rahmen-Themas als leichte Unterhaltung, wofür das Buch aber für meinen Geschmack 100 Seiten weniger hätte haben müssen - irgendwann wurde es mir dann doch zu zäh. Die Charaktere waren interessant, aber kamen mir irgendwie verkürzt vor in ihrem Erleben, sodass ich z.B. manche Reaktionen nicht nachvollziehen konnte und bei einigen bedeutungsschweren Sätzen eher mit den Augen rollen musste.
Ein solider Debütroman über das echte Leben zwischen bayerischer Großstadt und Bauernhof. Ich habe mich wenig darin gefunden, fand die Beschreibungen der ländlichen Kindheit aber berührend und die zeitgenössische Suche nach einem Platz in der Welt und Versöhnung der Familie als Millennial nachvollziehbar. Die detaillierten Ausführungen über die Realitäten des Bauernhoflebens (Schweineplazenta stand nicht auf meinem Bingozettel) waren teilweise herausfordernd aber nicht sensationslustig, sondern hatten alle ihren Platz in der Erzählung. Das Ende ist für meinen Geschmack etwas zu Happy End aber das macht mich vielleicht nicht zur Zielgruppe.
Ich wollte mal etwas seichter lesen, aber ich habe nicht gewusst, dass so detailliert über Tierleid gesprochen wird. Ich weiß nicht wieso es so bizarr und so nah beschrieben wurde - natürlich gehört es zum Leben auf einem Hof dazu, aber gleichzeitig: muss es so grafisch werden? Ich hätte mir eine Triggerwarnung gewünscht.
Zudem hätte ich mir mehr über die Maria im Hier und Jetzt gewünscht. Es kam alles etwas zu kurz.
Das war leider nichts, bis Seite 67 habe ich tapfer gelesen. Der Schreibstil hat mir nicht gefallen, die Geschichte von früher war auch irgendwie merkwürdig erzählt. Und als dann von der Oma ein Fünfmarkschein geschenkt wurde, war ich raus.
Dieser Roman, der eine ganze Weile auf Instagram ganz schön gehypt wurde, war auch auf meinem Wunschzettel. Martina Bogdhans Debüt hörte sich interessant und sehr "bekannt" an, denn auch ich wuchs auf dem Land auf und lebe noch immer dort, auch wenn ich auf keinen Bauernhof aufgewachsen bin. Meine Großmutter hatte immer eine Ziege und zwei Schweine zur Selbstversorgung, was ihr besonders nach dem Krieg sehr geholfen hat.
Alleinerzieherin Maria möchte mit einer befreundeten Familie und ihren beiden Teenagertöchtern das Wochenende in den Bergen verbringen. Sie möchte endlich wieder raus aus der Stadt und ihrem anstrengenden Job. Kaum sind sie jedoch angekommen, erhält sie einen Anruf von ihrer Mutter, dass ihr Vater nach einem schweren Unfall auf der Intensivsation liegt. Geschockt macht sich Maria auf den Weg, um ihrer Mutter beizustehen. Es müssen die Tiere auf dem elterlichen Bauernhof weiter versorgt und auf die demente Großmutter ein Auge geworfen werden. Marias Bruder Thomas und seine Frau Christiane, die gemeinsam mit den Eltern den Bauernhof bewirtschaften, sind zur Zeit auf Urlaub und sind telefonisch nicht erreichbar. Geht es zunächst nur darum, der Mutter zu helfen, wird die Rückkehr zur Birkenmühle für Maria schnell zu einer Reise in die Vergangenheit. Damals konnte sie nicht früh genug das Elternhaus und das Dorfleben verlassen....
Als Maria in ihrem Elternhaus ankommt, ereilen sie immer wieder Erinnerungen aus ihrer Kindheit, als sie und ihr Bruder noch ein Herz und eine Seele waren und die Arbeit am Bauernhof und der Mühle ihr tägliches Leben neben der Schule war. Während der Sommerferien musste das Heu eingefahren werden und der Hopfen geerntet - Urlaub gab es für die Familie keinen. Maria und Thomas fürchteten jedes Jahr nach den Sommerferien die Frage der Lehrerin, wo sie denn ihren Urlaub verbracht haben. Sie erinnert sich an das weihnachtliche Krippenspiel, bei dem immer die Tochter des Gemeindearztes die Hauptrolle als Maria bekommen hat oder den Kommunionsausflug mit Frau Nuss, der Haushälterin des Pfarrers, die egal zu welcher Jahreszeit, immer ein knielanges, hellblaues Kostüm aus Wollstoff trug.
Martina Bogdahn lässt ihre Protagonistin Maria aus ihrer Sicht erzählen und wechselt dabei von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Die Kindheitserinnerungen nehmen jedoch den Großteil der Geschichte ein, während die Erzählung in der Gegenwart in kurzen Sequenzen dazwischen erzählt wird. Als Marias Bruder mit seiner Familie aus dem Urlaub zurückkehrt, müssen sie sich endlich über die Zukunft klar werden und alte Differenzen beseitigen.
Die Erzählweise in der Vergangenheit ist kindlich und der zehnjährigen Maria angepasst. Gerne erinnert sie sich ans Angeln mit Onkel Herbert oder seinem Motorrad, welches er ganz besonders pflegte. Ihrer Großmutter, die hart arbeitete, aber auch zu einem Likörchen mit ihren Schwestern nie "Nein" sagte. Die weiblichen Figuren im Roman sind starke und facettenreiche Charaktere, die ihr Leben der harten Arbeit am Bauernhof gewidmet haben. Maria ist intelligent und darf aufs Gymansium gehen.
"Man weiß nie, wo es hingeht im Leben, aber man weiß immer, wo man herkommt."
Der Autorin scheint es wichtig gewesen zu sein, dass sie hier keine verklärte Bauernromatik erzählt, sondern die harte Realität. Dazu gehören aber auch Szenen, die ich nicht gebraucht hätte, wie zum Beispiel genaue Beschreibungen von Tierleid. Normaler Weise breche ich Bücher rigoros ab, wenn ein Tier zu Schaden kommt! Leider kenne ich diese Tötungen aus meiner Kindheit, die mir schon damals Grauen eingeflößt haben und mir im Kopf geblieben sind, die jedoch zum Leben auf einem Bauernhof dazugehören. Auf den letzten Seiten kommt es jedoch zu einer wirklich unnützen Beschreibung einer Tötung, die absolut nichts mit der Handlung zu tun hat. Wäre es früher passiert, hätte ich das Buch tatsächlich abgebrochen! Da es erst ganz zum Schluss in die Handlung miteinbezogen wurde, war es einfach nur unnötig und grausam. Dadurch bekommt das Buch einen Stern Abzug. Vieles im Roman hat mich aber auch angesprochen und auch einige meiner Kindheitserinnerungen hervorgeholt. Der Duft von Heu, die langen Sommerabende, spielen mit den Nachbarskindern und den kleinen Kätzchen oder die Fahrt in die nächste Stadt, um Kleidung einzukaufen, die man im Dorf nicht bekommen hat.
Fazit: Ein Rückblick in eine schöne, aber auch arbeitsreiche Kindheit auf dem Bauernhof in den Achziger Jahren. Ich denke die Autorin hat in ihrem Roman auch einige oder ähnliche Ereignisse aus ihrer Kindheit miteinfließen lassen. Der Roman wirkt authentisch und hat mich - mit Ausnahme der erwähnten Szenen - gut unterhalten.
Martina Bogdhans Debüt hörte sich interessant und sehr "bekannt" an, denn auch ich wuchs auf dem Land auf und lebe noch immer dort, auch wenn ich auf keinen Bauernhof aufgewachsen bin. Meine Großmutter hatte immer eine Ziege und zwei Schweine zur Selbstversorgung, was ihr besonders nach dem Krieg sehr geholfen hat.
Alleinerzieherin Maria möchte mit einer befreundeten Familie und ihren beiden Teenagertöchtern das Wochenende in den Bergen verbringen. Sie möchte endlich wieder raus aus der Stadt und ihrem anstrengenden Job. Kaum sind sie jedoch angekommen, erhält sie einen Anruf von ihrer Mutter, dass ihr Vater nach einem schweren Unfall auf der Intensivsation liegt. Geschockt macht sich Maria auf den Weg, um ihrer Mutter beizustehen. Es müssen die Tiere auf dem elterlichen Bauernhof weiter versorgt und auf die demente Großmutter ein Auge geworfen werden. Marias Bruder Thomas und seine Frau Christiane, die gemeinsam mit den Eltern den Bauernhof bewirtschaften, sind zur Zeit auf Urlaub und sind telefonisch nicht erreichbar. Geht es zunächst nur darum, der Mutter zu helfen, wird die Rückkehr zur Birkenmühle für Maria schnell zu einer Reise in die Vergangenheit. Damals konnte sie nicht früh genug das Elternhaus und das Dorfleben verlassen....
Als Maria in ihrem Elternhaus ankommt, ereilen sie immer wieder Erinnerungen aus ihrer Kindheit, als sie und ihr Bruder noch ein Herz und eine Seele waren und die Arbeit am Bauernhof und der Mühle ihr tägliches Leben neben der Schule war. Während der Sommerferien musste das Heu eingefahren werden und der Hopfen geerntet - Urlaub gab es für die Familie keinen. Maria und Thomas fürchteten jedes Jahr nach den Sommerferien die Frage der Lehrerin, wo sie denn ihren Urlaub verbracht haben. Sie erinnert sich an das weihnachtliche Krippenspiel, bei dem immer die Tochter des Gemeindearztes die Hauptrolle als Maria bekommen hat oder den Kommunionsausflug mit Frau Nuss, der Haushälterin des Pfarrers, die egal zu welcher Jahreszeit, immer ein knielanges, hellblaues Kostüm aus Wollstoff trug.
Martina Bogdahn lässt ihre Protagonistin Maria aus ihrer Sicht erzählen und wechselt dabei von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Die Kindheitserinnerungen nehmen jedoch den Großteil der Geschichte ein, während die Erzählung in der Gegenwart in kurzen Sequenzen dazwischen erzählt wird. Als Marias Bruder mit seiner Familie aus dem Urlaub zurückkehrt, müssen sie sich endlich über die Zukunft klar werden und alte Differenzen beseitigen.
Die Erzählweise in der Vergangenheit ist kindlich und der zehnjährigen Maria angepasst. Gerne erinnert sie sich ans Angeln mit Onkel Herbert oder seinem Motorrad, welches er ganz besonders pflegte. Ihrer Großmutter, die hart arbeitete, aber auch zu einem Likörchen mit ihren Schwestern nie "Nein" sagte. Die weiblichen Figuren im Roman sind starke und facettenreiche Charaktere, die ihr Leben der harten Arbeit am Bauernhof gewidmet haben. Maria ist intelligent und darf aufs Gymansium gehen.
"Man weiß nie, wo es hingeht im Leben, aber man weiß immer, wo man herkommt."
Der Autorin scheint es wichtig gewesen zu sein, dass sie hier keine verklärte Bauernromatik erzählt, sondern die harte Realität. Dazu gehören aber auch Szenen, die ich nicht gebraucht hätte, wie zum Beispiel genaue Beschreibungen von Tierleid. Normaler Weise breche ich Bücher rigoros ab, wenn ein Tier zu Schaden kommt! Leider kenne ich diese Tötungen aus meiner Kindheit, die mir schon damals Grauen eingeflößt haben und mir im Kopf geblieben sind, die jedoch zum Leben auf einem Bauernhof dazugehören. Auf den letzten Seiten kommt es jedoch zu einer wirklich unnützen Beschreibung einer Tötung, die absolut nichts mit der Handlung zu tun hat. Wäre es früher passiert, hätte ich das Buch tatsächlich abgebrochen! Da es erst ganz zum Schluss in die Handlung miteinbezogen wurde, war es einfach nur unnötig und grausam. Dadurch bekommt das Buch einen Stern Abzug. Vieles im Roman hat mich aber auch angesprochen und auch einige meiner Kindheitserinnerungen hervorgeholt. Der Duft von Heu, die langen Sommerabende, spielen mit den Nachbarskindern und den kleinen Kätzchen oder die Fahrt in die nächste Stadt, um Kleidung einzukaufen, die man im Dorf nicht bekommen hat.
Fazit: Ein Rückblick in eine schöne, aber auch arbeitsreiche Kindheit auf dem Bauernhof in den Achziger Jahren. Ich denke die Autorin hat in ihrem Roman auch einige oder ähnliche Ereignisse aus ihrer Kindheit miteinfließen lassen. Der Roman wirkt authentisch und hat mich - mit Ausnahme der erwähnten Szenen - gut unterhalten.